„End of life“

Nein, nicht bei mir, sondern bei meinem ICD, meinem implantierten Defibrillator, der seit 2012 in meiner Schulter eingebaut war. Bis zum 4. Juni 2020, nun ist er in Rente und ein kleines Souvenir, das nicht jeder nach einer Berlin-Reise besitzt:

Der ICD hat dabei durchaus eine beachtliche Leistung an den Tag gebracht. Eigentlich ist die durchschnittliche Batteriedauer bei dieser Generation bei 7 Jahren, meiner schaffte 8 Jahre und einen Monat und war dabei nur ganz kurz vor dem vom Gerät empfohlenen Austauschsignal. Das spricht dafür, dass der ICD bei mir relativ wenig zu tun hatte in den letzten Jahren. Aber doch mit großer Wahrscheinlichkeit zwischendurch mein Leben gerettet hat. Daher habe ich zu dem kleinen Kästchen, das nun außer Betrieb ist, eine ganz besondere Beziehung.

Dass der ICD noch vor dem prognostizierten Austauschdatum (das war eigentlich für den Herbst geplant), hatte allerdings einen akuten Grund – ich hatte nämlich in den letzten Monaten wieder ernstere Herzrhythmusstörungen an den Tag gebracht. Das ist so erst einmal nichts wirklich verwunderliches, da sich jedes schlagende Herz im Laufe des Lebens ändert und damit auch der Herzrhythmus. Bei jedem Menschen schlägt es bis ins hohe Alter immer langsamer. Und bei Menschen, die potentiell Herzrhythmusstörungen haben, steigt damit auch das Risiko, dass zusätzliche Extraschläge Probleme auslösen können, weil schlicht und einfach zwischen den Herzschlägen mehr Zeit ist, dass seltsame elektrische Dinge im Herzen den Rhythmus durcheinanderbringen.

Das ist mir ab April dann auch mehrmals passiert und „mein“ Kreislauflabor ahnte schon, dass da wohl demnächst ein Eingriff notwendig werden könnte, nämlich ein zweiter Anlauf für eine so genannte Ablation. Das ist eine Untersuchung, bei der per Herzkatheter das Herz elektrisch vermessen wird und Bereiche im Herzmuskel erkannt werden können, die elektrische Anomalitäten auslösen. Das hat man dann tatsächlich auch gefunden und mit einer „Kryo-Behandlung“ per Katheter soweit fixen können. Und das alles per Katheter durch die Leiste durch und röntgenkontrolliert. Vor 25 Jahren wäre so etwas noch pure Science-Fiction gewesen.

Sprich: Es bestehen realistische Chancen, dass meine Herzrhythmusstörungen dauerhaft behoben sein könnten, was man allerdings erst in einigen Wochen und Monaten endgültig sagen wird können. Das wäre eine sehr gute Nachricht, denn dann könnte ich möglicherweise auch eine ganze Reihe von Medikamenten, die ich nehme, nach und nach dauerhaft absetzen und praktischerweise sind das die Medikamente, die auch die potentiell schwereren Nebenwirkungen auslösen können.

ICD Nr. 2

Dennoch: Das Batterieende des obigen ICD hat mir einen würdigen Nachfolger beschert, von dem ich leider noch kein Foto habe. Das einfach aus dem Grund, dass ich trotz der erfolgreichen Ablationsbehandlung, die im Städtischen Klinikum Karlsruhe durchgeführt wurde, immer noch ein höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen habe, als ein völlig herzgesunder Mensch. Da ist ein ICD letztlich eine Lebensversicherung für den Fall der Fälle und da musste man nicht wirklich lange davon überzeugen.

Der Nachfolger ist nun wieder ein deutsches Gerät vom Hersteller Biotronik, wurde in einer halbstündigen, völlig problemlosen OP eingebaut und beschert mir nun eine wirklich hübsche Narbe, da sich dieses Mal der Chirurg wirklich Mühe gegeben hat. Was allerdings auch daran liegen könnte, dass bei der OP zwei Mitarbeiter des obigen Herstellers anwesend waren, die sich so einen Wechsel einmal anschauen wollten und sich auch sehr anerkennend darüber amüsieren konnten, dass ich ein Patient bin, der vorab schriftlich hat festlegen lassen, dass das nächste Gerät wieder unbedingt ein Biotronik-Gerät sein muss. 🙂

Alles in allem kam der 12tägige Krankenhausaufenthalt zwar akut, aber dennoch absehbar. Immerhin ist es gut, ein gutes Kreislauflabor zur ICD-Nachsorge zu haben, einen guten Arzt, der auf Augenhöhe spricht und eine sehr gute herzchirurgische Abteilung, die weiß, was sie tut. Es ist keinesfalls ein Fehler, sich vorab über Krankenhäuser zu erkundigen und im Zweifel eine Klinik zu wählen, die mehr Erfahrung mit Behandlungen der jeweiligen Altersklasse hat. Gerade beim Thema Herz kann das wirklich sehr entscheidend darüber sein, wie danach die Lebensqualität ist.

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