Was wir unbedingt in Sachen Populismus lernen müssen.

Zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahl muss man nicht viel hinzufügen. Die Bandbreite und Schattierungen von beschriebenen Schockzuständen ist gewaltig und höchst vielseitig. Und so schockierend die Vorstellung nun ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nun von einem lupenreinen Antidemokraten, einem Großkapitalisten, einem Rassisten, einem Steuerbetrüger, einem Aufschneider, einem Sexisten, einem politischen Dilettanten [weitere Bezeichnungen hier einfügen] geführt werden – es kann kaum als überraschend bezeichnet werden, dass es soweit gekommen ist. Das Zeitalter des Populismus hat einen weiteren Höhepunkt erreicht und der bisher ungeschlagene Meister der Populisten hat seinen Tempel gefunden. Genügend Leute, die ihm nacheifern, gibt es rund um den Globus. Auch bei uns in Europa und auch bei uns in Deutschland.

Das muss für uns alle ein eindeutiges und dringendes Warnsignal sein.

  • Das Warnsignal, dass unsere Gesellschaften und Demokratien trotz aller empfundener Stabilität fragile Gewerke sind.
  • Das Warnsignal, dass Populisten keine plötzlich aufgetretenen Phänomene sind.
  • Das Warnsignal, dass Populisten auch in sehr aufgeklärten Gesellschaften mit funktionierenden Medienlandschaften offenkundig lügen, dass sich die Balken biegen und damit tatsächlich ein wichtiges erreichen können.
  • Das Warnsignal, dass wir Aussagen von Populisten unmöglich einfach als „einfache politische Meinung“ stehen, so unmöglich sie sich auch tatsächlich anhören. Wir müssen Populistenmeinungen Einhalt gebieten und sie korrigieren. Egal wo – ob in Zeitungen oder in Facebook, so müßig das auch immer ist.

Wir dürfen nicht mehr einfach darauf hoffen, dass die Selbstzweifler irgendwann mit dem Selbstzweifeln aufhören oder wenigstens weiterhin nicht wählen gehen. Populisten haben es längst geschafft, diese Zweifler, Gelangweilten und auch Dummen dazu zu bekommen, das sinnfreie Krähen als vermeintliche Hochsprache einzusetzen. Und sie haben es auch geschafft, dass dieses Fußvolk in der Illusion des Wichtigseins kostenlos und höchst effektiv Wahlkampf für extreme Parteien machen, selbst wenn diese Parteien ganz offen in ihren Programmen die Leistungen streichen wollen, die die Teilnahmslosen, Dummen und Benachteiligten am meisten betreffen. Auf der Suche nach dem Blutrausch, der Rache und dem vermeintlichen Verpassen von Denkzetteln geben die Ochsen offensichtlich problemlos ihren Schlächtern die Legislative in die Hand.

Das dürfen wir, die die Demokratie schätzen, leben und brauchen, nicht zulassen. Und es reicht nicht mehr einfach nur, wählen zu gehen, auf Unterschriftslisten von Bürgerinitiativen zu unterschreiben und im Biosupermarkt einzukaufen, sondern wir müssen aktiver werden und für unsere Demokratien einstehen. Meinungen haben und offen vertreten. Diskutieren, überzeugen und damit sehr deutlich zeigen, dass wir in der Generation Millenium/Smartphone/Playstation/Internet nicht teilnahmslos sind.

Bitteschön: Beginnt. Es gibt etablierte, demokratische Parteien, in die man eintreten und partizipieren kann und man kann auch neue Parteien gründen, wer das möchte. Wenn wir das alles weiterhin nicht tun und auch als Freunde der Demokratie die Politik und den Staat als etwas schmutziges, unnützes und sinnloses verstehen, von der man am besten weiten Abstand hält, dann wird das Licht irgendwann nach und nach dunkler. Und dann kommt kein spannender Spielfilm im dunklen Saal, sondern das nackte Chaos.

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