Vom Windows Media Player zu iTunes zu wechseln, ist wie vom Regen zur Traufe zu wechseln. Umgekehrt übrigens genauso, und übrigens gilt das für alle Media Player. Da könnte man glauben, man hat mit MP3 oder AAC ein Dateiformat, das alle Player mehr oder weniger verstehen, aber wehe, man gibt den Playern mehr Rechte, als nur das reine Abspielen von Musik.

Man kann das alles halten, wie man möchte. Bei Dingen, die aber zweifellos mir gehören, beanspruche ich das Recht, über deren Organisation selbst zu herrschen. Ich habe früher eine CD ja auch nicht gekauft, damit sie nur in einem CD-Player funktioniert und der vielleicht zur Absicherung ein paar Löcher in die CD stanzt. Interoperabilität ist bei Nutzdaten wichtig (also mir zumindest) und das nicht nur aus dem Blickwinkel heraus, dass ich heute einen alternativen Player brauche, sondern vielleicht in Zukunft. Weiß ich, ob ich in einem Jahr noch iTunes benutze? Ich weiß aber ganz sicher, dass ich meine Musik mitnehmen möchte, egal ob zu einem anderen Player, zur PlayStation, zu einem vielleicht zukünftigen Autoradio mit AAC-Unterstützung und Dateispeicher. Und ich weiß auch, dass ich viele Audiodateien habe und in Sachen Dateiablage pendantische Züge an den Tag legen kann.

Die grundlegende Schwierigkeit bei der Verwaltung von Mediadaten ist, dass es richtig viel Arbeit ist. Dateien müssen benannt werden, dazu braucht man eine Titeldatenbank, die mitunter unterschiedliche Qualität hat und es braucht ein Bild des Covers. Und dann kommt ein Media Player auch noch auf die Idee, Dateien mehr oder weniger sinnvoll abzulegen.

iTunes macht dies mit einem Baum: Zuerst gibt es ein Verzeichnis, das benannt ist nach dem Musik oder der Band und darin dann Verzeichnisse für die einzelnen Alben dieses Gewerks. In der Theorie schön, in der Praxis klemmt es regelmäßig. Hier eine Auswahl:

  • Unterschiedliche Schreibweise. Heißt es in den Albuminformationen bei einem Album “Jean Michel Jarre” und bei einem anderen richtigerweise “Jean-Michel Jarre” (beide Vornamen mit Bindestrich verbunden), dann gibt es zwei Verzeichnisse.
  • Verwendung von Sonderzeichen in Band- oder Albumnamen und unterschiedliche Abbildung dieser in Verzeichnisnamen.
  • Werden in iTunes manuell Korrekturen ausgeführt, werden diese theoretisch auch in die Verzeichnis- und Dateistruktur übernommen. Theoretisch. In der Praxis bleiben leere Verzeichnisse zurück.

Und iTunes macht noch eine ganze Reihe von weiteren Problemen, die nur teilweise mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar sind:

  • Mal begreift iTunes, dass ein Album ein Sampler ist, also Musikstücke mehrerer Bands beinhaltet, und mal nicht. Und mal versteht er ein Album als Sampler, obwohl es kein Sampler ist, sondern ein Album eines Künstlers, bei dem ein Musikstück noch mit einem anderen Künstler gesungen wird. Ist iTunes nicht begreiflich zu machen. Noch viel schlimmer: Ändert man dies, versteht er das manchmal einfach nicht und trennt ein Album in mehrere Alben auf.
  • Das Bild eines Albums wird normalerweise in jede Audiodatei integriert. Das macht iTunes auch, wenn man manuell einem Musikstück so eine Grafik zuweist. Überlässt man es iTunes, diese Alben selbst zu laden, werden diese nicht in die Dateien integriert, sondern iTunes ordnet die einfach nur zu. Greift man mit einem anderen Media Player auf den Datenbestand zu, gibt es für diese Audiodateien eben keine Albumbilder.
  • Albumbilder, die iTunes selbst geladen hat, werden zwar in einem Verzeichnis gesichert (wenn auch völlig unübersichtlich in hunderte von verschachtelten Verzeichnissen), dort liegen die Dateien aber nicht als Grafik vor, sondern als verschlüsselte (!) Dateien. Warum hier versteckt werden soll, was beispielsweise bei Amazon.de einfach heruntergeladen werden kann, ist ein Rätsel.

Warum sich über die Dateiverwaltung Gedanken machen?

Zugegeben: Wer nur mit iTunes Musik hört und sich mit dem leichten Chaos, das iTunes da hinter den Kulissen veranstaltet, zufrieden gibt, der braucht nicht weiterzulesen. Ich habe jedoch ein paar Probleme damit, denn meine Sammlung hat bitteschön übersichtlich zu sein. Ich möchte direkt im Root-Verzeichnis alle Alben sehen können und ich möchte vor allem mit unterschiedlichen Media Playern auf diesen Datenbestand zugreifen können. Und hier vor allem mit Gerätschaften, die nicht aus dem Hause Apple kommen. (Dazu komme ich mal in einem späteren Blog-Artikel.)

Grundsätzlich gilt immer: Je einfacher eine Verzeichnisstruktur bei einer sehr großen Sammlung von Daten, desto besser. Deshalb:

Mache es selbst!

Und das geht eigentlich sehr einfach, denn meine Verzeichnisstruktur ist so aufgebaut:

  1. Es wird nicht der von iTunes automatisch angelegte Ordner “Music” im iTunes-Media-Ordner genutzt, sondern ein eigenes Verzeichnis. Das ist aus dem Grund wichtig, weil iTunes gekaufte Medien in seinen eigenen Ordner platzieren wird und da die hauseigene Ordnerstruktur nutzt. Ein anderes Verzeichnis ist aber kein Problem, denn in iTunes lassen sich Mediatheken in anderen Ordnern problemlos ebenfalls scannen (siehe Menü “Datei”).
  2. Nur eine einzige Verzeichnisebene. Jedes Album hat also direkt im Root-Verzeichnis sein eigenes Verzeichnis, in dem die Audiofiles liegen.
  3. Damit der Interpret in der Verzeichnisstruktur sichtbar bleibt, sind die Verzeichnisse nach dem Schema “Interpret – Albumname” benannt.
  4. Alle Alben bzw. Audiofiles bekommen manuell die Albumgrafik implementiert, was in iTunes den leider etwas beschwerlichen Weg kostet, das bei jedem Album manuell tun zu müssen.

Wichtig: Damit nun iTunes sich an die Regeln hält, die man ihm auferlegt, muss unbedingt in den iTunes-Einstellungen unter “Erweitert” den Haken bei “iTunes-Medienordner automatisch verwalten” herausgenommen werden, damit iTunes nicht anfängt, in so eine neu angelegte Ordnerstruktur wieder hineinzupfuschen!