Albumkritik: Heino mit „Mit freundlichen Grüßen“.

Hätte mir jemand von ein paar Wochen gesagt, dass ich mir demnächst ein Heino-Album kaufen würde, hätte ich ihn herzhaft ausgelacht. Heino? Der blonde Barde mit schwarzer Sonnenbrille, der praktisch nicht altert und die ideale menschliche Inkarnation des Duracell-Hasens ist? Ein Album von ihm kaufen? Noch nicht mal geschenkt hätte ich es genommen …

Und doch ist es geschehen – ich habe mir „Mit freundlichen Grüßen“ gekauft. Gleich nach Veröffentlichung am 1. Februar um 0:30 Uhr als MP3-Download bei Amazon.de. Und was soll ich sagen: Ich bin begeistert. 😉

Über was kann man eigentlich bei Heino begeistert sein? Über seine 50 Jahre Bühnenpräsenz? Kein Kriterium. Über 50 Millionen verkaufte Alben? Haut mich nicht um. Nein, der Wahnsinn kommt viergliedrig daher:

  1. Heino muss man nicht kennenlernen, Heino kennt man. Und zwar Jung und Alt, egal ob geliebt oder gehasst. Er hat es als einer der wenigen Künstler geschafft, in 50 Jahren Bühnenpräsenz ohne jeden Skandal auszukommen und immer, wenn es um Biederkeit, Konservatismus, „alte, heile Welt“ geht, läuft im Hintergrund entweder Udo Jürgens – oder eben Heino. Jeder kennt mindestens eine Person, die gern (oder ungern) aus ihrer Kindheit erzählt, dass sie im Auto auf der Rückbank sitzend mit Heino-Liedern gequält wurde auf dem Weg nach Italien. Der Hass oder die Liebe eint uns auf seltene Weise. 🙂
  2. Heino bastelt um sein Album „Mit freundlichen Grüßen“ sehr geschickt eine interessante Geschichte. Ihr, die Musiker der modernen Musik habt euch jahrelang über mich, meine Musik und meine Fans lustiggemacht und jetzt zahle ich es euch zurück. Gewaltlos (das werden eingefleischte Metaler oder Punker möglicherweise anders sehen), kreativ und vor allem völlig überraschend. Auch wenn sich das Management von z.B. Rammstein bemüht, möglichst lustlos auf den Heino-Hype zu schauen – hätte die vor ein paar Monaten gefragt, ob sie ein Lied zum Covern durch Heino freigeben würden, wären die durchgedreht. Allein die Vorstellung … was erlaube Heino? 😀
  3. Heino kennt offenkundig keine Schamgrenzen, wenn es darum geht, populäre Musik einfach so nachzusingen, wie sie eigentlich auch im Original gesungen wird. Und dabei tut er nichts anderes, als einen Spiegel hoch halten, denn letztendlich sind viele Texte der heutig modernen Populärmusik mit unendlich doofen Texten ausgestattet, die auch Heino so hätte schreiben können. Selbst so Texte wie von „Sonne“ von Rammstein sind dämlich und wenn Rammstein nicht so laute Musik dazu spielen würde, kämen sicherlich auch die Reisebusse mit den Fans jenseits der Sechziger dazu.
  4. Wenn Heino singt, singt Vati. Das hängt mit Punkt 1 und 3 zusammen, gibt aber den geschickt ausgesuchten Liedern einen ganz anderen Drive und dreht sie schon fast ins Sarkastische. Das Paradebeispiel ist „Junge“, ehemals eingespielt von den Ärzten. Die Toten Hosen machen sich mit dem Text lustig über die ältere Generation, die auf ihre Kinder und ihren Lebensstil schimpft – Heino ist die ältere Generation, verkehrt den Text durch seine implizierte Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit um und dreht ihn damit gänzlich in den Sarkasmus. Und weil Heino eben der ewig grinsende Barde ist, den man schon aus Hygienegründen erheblich eher zum Kaffeekränzchen einladen würde, als z.B. die Ärzte oder Rammstein. Heino macht keine Flecken auf den Teppich und ist sicherlich auch noch beim Beladen der Spülmaschine behilflich, während er der Mutti noch schnell ein Liedchen singt.

Mit Mut hat Heinos Album daher relativ wenig zu tun, schon eher mit guter Kalkulation. Das Album kommt mit herzlich einfacher Promotion daher, baut auf bestes Guerillamarketing und ist sicherlich auch nicht brutalst hochwertig produziert, was leider an der allzu synthetisch klingenden Musik auch in langen Strecken hörbar ist. „Junge“, „Haus am See“, „Sonne“ und „Was soll das“ (Bonustrack im Album bei Amazon.de) sind solide Werke, bei „Haus am See“ oder „MfG“ kommt Heino trotz der tadellosen Aussprache dennoch ins Straucheln, wenn er sich an Rap probiert. Das kann man ihm allerdings entschuldigen, andere so genannte Musiker nuscheln sich mit ganz anderen Gebisskonstellationen durch die Charts.

Und: Heino seiert uns nicht die Ohren voll von den bösen Geschichten der ach so schlimmen Raubkopierer, teilt hübsch brav seine Einnahmen mit den gecoverten Künstlern und verkauft sein Album in den gängigen Downloadstores dennoch für einen anfänglichen Kampfpreis von 5 bis 7 Euro und wird sicherlich mit seinem Album nicht draufzahlen. Das muss man erst einmal machen, bevor man meckern darf. Letzteres ist aber auch nach wie vor  bei Heino nicht zu erwarten. Er grinst uns einfach alle weg und nimmt sich auch weiterhin nicht ansatzweise so ernst, wie wir ihn in unserer Verzweiflung mitunter nehmen.

Tatsächlich kauft man also mit „Mit freundlichen Grüßen“ wieder einmal einen Lebensstil von Heino mit. Von, ich wiederhole mich da gern, jemandem, dem man eigentlich schon immer Sturheit und Ewiggestrigkeit vorgeworfen hat und seine Musik vielleicht sogar hasst. Irgendwann bekommt Heino sie alle. Und das gute dabei ist, dass er es wohl kaum mit Rachegefühlen erklären würde, sondern einfach mit seiner vielleicht einfach aussehenden Welt, die er in seinen früheren Alben immer wieder bis zum Erbrechen verkörperte. Und damit ist das alte Schlitzohr aus Münstereifel moderner, als die halbe Musikwelt zusammen und seine Album die beste Anschaffung in Sachen Unterhaltungsmusik seit Monaten.

Warum man keinem Media Player die Dateiverwaltung überlassen sollte.

Vom Windows Media Player zu iTunes zu wechseln, ist wie vom Regen zur Traufe zu wechseln. Umgekehrt übrigens genauso, und übrigens gilt das für alle Media Player. Da könnte man glauben, man hat mit MP3 oder AAC ein Dateiformat, das alle Player mehr oder weniger verstehen, aber wehe, man gibt den Playern mehr Rechte, als nur das reine Abspielen von Musik.

Man kann das alles halten, wie man möchte. Bei Dingen, die aber zweifellos mir gehören, beanspruche ich das Recht, über deren Organisation selbst zu herrschen. Ich habe früher eine CD ja auch nicht gekauft, damit sie nur in einem CD-Player funktioniert und der vielleicht zur Absicherung ein paar Löcher in die CD stanzt. Interoperabilität ist bei Nutzdaten wichtig (also mir zumindest) und das nicht nur aus dem Blickwinkel heraus, dass ich heute einen alternativen Player brauche, sondern vielleicht in Zukunft. Weiß ich, ob ich in einem Jahr noch iTunes benutze? Ich weiß aber ganz sicher, dass ich meine Musik mitnehmen möchte, egal ob zu einem anderen Player, zur PlayStation, zu einem vielleicht zukünftigen Autoradio mit AAC-Unterstützung und Dateispeicher. Und ich weiß auch, dass ich viele Audiodateien habe und in Sachen Dateiablage pendantische Züge an den Tag legen kann.

Die grundlegende Schwierigkeit bei der Verwaltung von Mediadaten ist, dass es richtig viel Arbeit ist. Dateien müssen benannt werden, dazu braucht man eine Titeldatenbank, die mitunter unterschiedliche Qualität hat und es braucht ein Bild des Covers. Und dann kommt ein Media Player auch noch auf die Idee, Dateien mehr oder weniger sinnvoll abzulegen.

iTunes macht dies mit einem Baum: Zuerst gibt es ein Verzeichnis, das benannt ist nach dem Musik oder der Band und darin dann Verzeichnisse für die einzelnen Alben dieses Gewerks. In der Theorie schön, in der Praxis klemmt es regelmäßig. Hier eine Auswahl:

  • Unterschiedliche Schreibweise. Heißt es in den Albuminformationen bei einem Album „Jean Michel Jarre“ und bei einem anderen richtigerweise „Jean-Michel Jarre“ (beide Vornamen mit Bindestrich verbunden), dann gibt es zwei Verzeichnisse.
  • Verwendung von Sonderzeichen in Band- oder Albumnamen und unterschiedliche Abbildung dieser in Verzeichnisnamen.
  • Werden in iTunes manuell Korrekturen ausgeführt, werden diese theoretisch auch in die Verzeichnis- und Dateistruktur übernommen. Theoretisch. In der Praxis bleiben leere Verzeichnisse zurück.

Und iTunes macht noch eine ganze Reihe von weiteren Problemen, die nur teilweise mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar sind:

  • Mal begreift iTunes, dass ein Album ein Sampler ist, also Musikstücke mehrerer Bands beinhaltet, und mal nicht. Und mal versteht er ein Album als Sampler, obwohl es kein Sampler ist, sondern ein Album eines Künstlers, bei dem ein Musikstück noch mit einem anderen Künstler gesungen wird. Ist iTunes nicht begreiflich zu machen. Noch viel schlimmer: Ändert man dies, versteht er das manchmal einfach nicht und trennt ein Album in mehrere Alben auf.
  • Das Bild eines Albums wird normalerweise in jede Audiodatei integriert. Das macht iTunes auch, wenn man manuell einem Musikstück so eine Grafik zuweist. Überlässt man es iTunes, diese Alben selbst zu laden, werden diese nicht in die Dateien integriert, sondern iTunes ordnet die einfach nur zu. Greift man mit einem anderen Media Player auf den Datenbestand zu, gibt es für diese Audiodateien eben keine Albumbilder.
  • Albumbilder, die iTunes selbst geladen hat, werden zwar in einem Verzeichnis gesichert (wenn auch völlig unübersichtlich in hunderte von verschachtelten Verzeichnissen), dort liegen die Dateien aber nicht als Grafik vor, sondern als verschlüsselte (!) Dateien. Warum hier versteckt werden soll, was beispielsweise bei Amazon.de einfach heruntergeladen werden kann, ist ein Rätsel.

Warum sich über die Dateiverwaltung Gedanken machen?

Zugegeben: Wer nur mit iTunes Musik hört und sich mit dem leichten Chaos, das iTunes da hinter den Kulissen veranstaltet, zufrieden gibt, der braucht nicht weiterzulesen. Ich habe jedoch ein paar Probleme damit, denn meine Sammlung hat bitteschön übersichtlich zu sein. Ich möchte direkt im Root-Verzeichnis alle Alben sehen können und ich möchte vor allem mit unterschiedlichen Media Playern auf diesen Datenbestand zugreifen können. Und hier vor allem mit Gerätschaften, die nicht aus dem Hause Apple kommen. (Dazu komme ich mal in einem späteren Blog-Artikel.)

Grundsätzlich gilt immer: Je einfacher eine Verzeichnisstruktur bei einer sehr großen Sammlung von Daten, desto besser. Deshalb:

Mache es selbst!

Und das geht eigentlich sehr einfach, denn meine Verzeichnisstruktur ist so aufgebaut:

  1. Es wird nicht der von iTunes automatisch angelegte Ordner „Music“ im iTunes-Media-Ordner genutzt, sondern ein eigenes Verzeichnis. Das ist aus dem Grund wichtig, weil iTunes gekaufte Medien in seinen eigenen Ordner platzieren wird und da die hauseigene Ordnerstruktur nutzt. Ein anderes Verzeichnis ist aber kein Problem, denn in iTunes lassen sich Mediatheken in anderen Ordnern problemlos ebenfalls scannen (siehe Menü „Datei“).
  2. Nur eine einzige Verzeichnisebene. Jedes Album hat also direkt im Root-Verzeichnis sein eigenes Verzeichnis, in dem die Audiofiles liegen.
  3. Damit der Interpret in der Verzeichnisstruktur sichtbar bleibt, sind die Verzeichnisse nach dem Schema „Interpret – Albumname“ benannt.
  4. Alle Alben bzw. Audiofiles bekommen manuell die Albumgrafik implementiert, was in iTunes den leider etwas beschwerlichen Weg kostet, das bei jedem Album manuell tun zu müssen.

Wichtig: Damit nun iTunes sich an die Regeln hält, die man ihm auferlegt, muss unbedingt in den iTunes-Einstellungen unter „Erweitert“ den Haken bei „iTunes-Medienordner automatisch verwalten“ herausgenommen werden, damit iTunes nicht anfängt, in so eine neu angelegte Ordnerstruktur wieder hineinzupfuschen!

Das Musikprekariat.

Musik online zu kaufen, ist herrlich einfach. Klickste hier, klickste da, schon bist du (deutlich weniger Geld als beim Kauf einer CD) los und kannst die Musik auch gleich herunterladen und anhören. Das Geschäftsmodell vom Online-Musikkauf ist so überzeugend genial einfach, dass es erstaunlich ist, wie durchweg schlecht man es machen kann, wie die großen Musikkaufhäuser, die sich als Marktführer sehen.

Beispiel: Der Kauf eines Albums bei Apples iTunes. Ein älteres Album, das es so als CD höchstens noch auf dem Gebrauchtmarkt gibt und bei iTunes für 9,99 Euro daherkommt, billiger als das günstigste Gebrauchtangebot bei Amazon.de. Ein Schnäppchen, könnte man sagen. Das Schnäppchen ist jedoch leider defekt, nämlich bei Track 10, das nur 1:38 min lang ist und mitten in der Musik abbricht.

Was würde man nun bei einer defekten CD tun? Umtauschen oder zurückgeben. Und niemand würde das in Frage stellen wollen, denn was bringt mir ein Album, das ich ja in seiner Gesamtheit gekauft habe, wenn ein Track darin defekt ist?

Diese Frage beantwortet der iTunes-Support jedoch durchaus anders. Denn meldet man ein defektes Musikstück, bekommt man eine vorgefertige Antwort zurück und unbürokratisch einen Gutschein – für ein Lied. Mit dem Hinweis, dass man doch bitteschön in ein paar Wochen den Download nochmal machen solle, weil man vielleicht dis dahin das defekte Musikstück ausgetauscht bekommt. Oder auch nicht. Eher nicht.

Hier nur auf Apple einzuschlagen, wäre ein Fehler, denn: Das betreffende, defekte Musikstück ist bei Amazon.de genauso kurz und damit offenkundig genauso unvollständig. Sprich: Das Album kommt bei beiden Händlern vom gleichen Inhaltslieferanten, der seinen Mist, den er da zum Verkauf stellt, vor dem Anbieten noch nicht mal dahingehend überprüft, ob die Längen der Tracks mit dem Original übereinstimmen. Vom einmal Probehören, wie es in der klassischen Tonträgerproduktion bei der Herstellung von Mastern unumgänglich ist, rede ich schon gar nicht.

Das wirklich Ärgerliche ist, dass die Distributionskette genauso lang ist, wie beim klassischen Tonträgerverkauf ist, die zu kaufende Musik einen nicht sehr geringen Wert darstellt, der Support jedoch quasi nicht vorhanden ist. Es dauerte geschlagene drei Tage und vier Interventionen, bis ich einer iTunes-Support-Drohne erklärt bekommen habe, dass ich ein Album nicht deshalb kaufe, um zur Not auf ein paar Tracks verzichten zu können, sondern die Gesamtheit eines Albums als zentralen Kaufanreiz sehe. Mag ja sein, dass der Zeitgeist das inzwischen anders definiert, aber ein unvollständiges Album ist nun mal ein unvollständiges Album. Und entweder repariert man es oder man ersetzt die entstandenen Kosten dafür.

Gelegentlich fällt es schwer, daran zu glauben, dass man der Musikindustrie als Konsument weiterhin mit Goodwill entgegenkommen muss, um den Haufen von Ewiggestrigen davon zu überzeugen, dass Online für sie beileibe kein Problem darstellt, sondern eine der größten Chancen, die sie je hatten.

Quietschende Lieder.

Wenn analoge Probleme auf digitale Daten treffen – dann wird es meist sehr doof. Dieses Phänomen habe ich nun bei meiner Audiodatenbank bemerkt. Aber fangen wir von vorn an:

Im Spätsommer hatte ich meine Audiodatenbank mit rund 5.000 Musikstücken ins AAC-Format konvertiert („M4A“), damit diese in das eigentlich unsägliche, aber in Verbindung mit dem iPhone leider unabkömmliche iTunes importiert werden können. Bislang lag meine Audiodatenbank im Windows-Media-Audio-Format vor, um aber möglichst sauber zu konvertieren, habe ich die meisten Alben nochmal direkt von der CD aus konvertiert. Während der Konvertiererei fiel mein DVD-Laufwerk aus und musste gegen ein neues Laufwerk ausgetauscht werden.

An sich technisch ein völlig unproblematischer Vorgang, wenn mir nicht Wochen später beim Abspielen von einzelnen Liedern immer wieder ziemlich üble Störgeräusche aufgefallen wären. Nur bei einigen wenigen Liedern, mal am Anfang eines Albums, mal am Ende, ohne richtiges Charakteristikum. Allein die Fehlersuche kostete mich ein halbes Wochenende – es war das neue DVD-Laufwerk, das offensichtlich bei einigen Audio-CD Probleme bei der Datenübertragung mit höheren Geschwindigkeiten als der normalen CD-Abtastgeschwindigkeit hatte. Nach einiges an Recherche und Konsultation des Herstellers konnte ich zumindest in Erfahrung bringen, dass das DVD-Laufwerk schlicht einen Defekt hat. Das Laufwerk wurde auch anstandslos ausgetauscht.

Problem aber nur: Ich habe mit diesem problematischen Laufwerk ungefähr 2.000 Musikstücke konvertiert und musste davon ausgehen, dass es bei einigen Musikstücken zu Problemen gekommen ist. Die zu identifizieren, ist aber auf digitale Weise nicht möglich. Einen „Suchstring“ kann man bei solch komplexen Daten kaum mal eben so schreiben, außerdem waren die Störgeräusche zwar charakteristisch, aber eben niemals absolut identisch.

Es blieb also nichts anderes übrig, als genau zu identifizieren, wann ich das Laufwerk eingebaut hatte (was über die Ereignisanzeige von Windows recherchierbar war), welche Musikstücke nach diesem Datum konvertiert wurden und eben all diese Musikstücke einmal vollständig durchzuhören. Also eine Playlist gebaut, die alle ungehörten Musikstücke ab diesem Datum enthielt und die abgearbeitet. Ein sehr ödes Geschäft, Musik hören zu müssen. Rund 14 Tage Musik, verteilt auf mehrere Wochen. Gefunden habe ich ingesamt 21 defekte Musikstücke, also eine klangliche Ausbeute von 1 %. Die betreffenden Alben habe ich dann gelöscht und mit einem anderen DVD-Laufwerk nochmals neu konvertiert.

Obwohl ich nun mal eben meine gesamte Audiodatenbank durchgehört habe, ist mir heute beim Laufen in die Stadt auf dem iPhone-iPod mit Schrecken schon wieder ein Musikstück aufgefallen, das Störgeräusche hatte und diesmal auch noch ganz andere, nämlich ein ziemlich fieses Quietschen, als ob ein Zeitungsmann mit seinem nicht gut geölten Wägelchen hinter einem herläuft. Anders kann ich es nicht beschreiben. Ich nahm in meinem Staunen sogar den linken Ohrhörer aus dem Ohr, um mich zu vergewissern, dass ich nicht verrückt bin und mein Tinnitus vielleicht die Signalform geändert hat.

Hat er nicht. Denn dieses Geräusch kam tatsächlich von einem hinter mir herlaufenden Zeitungsmann mit seinem nicht gut geölten Wägelchen. Da er die Aktion mit dem Ohrhörer-Herausnehmen gesehen hat, hat er sich sogar entschuldigt und versprochen, sich heute Abend endlich mal um das Fahrwerk seines Wägelchens zu kümmern. Eine sehr gute Idee.

Das Ende des Amazon Marketplace für Hobbyverkäufer.

Ältere Musikalben kaufe ich schon seit Jahren über den Amazon Marketplace, also auf dem Gebrauchtwarenmarkt. Das ist in der Regel gewaltig günstiger und gottlob legal, auch wenn der Musikindustrie durch Gebrauchtverkäufe durchaus ein Batzen Geld flöten geht. Der Amazon Marketplace ist auch wieder meine Verkaufsplattform für Musik und PlayStation-Spiele. Das ist insofern praktisch, dass das Spielen von Konsolenspielen so nur ein Teil dessen kostet, was das Spiel im Laden kostet. Spiel kommt günstiger daher und wird nach dem Spielen auch wieder für ein paar Euro verscherbelt.

Zumindest beim Thema Musik hat sich der Marketplace aber unangenehmerweise offensichtlich weitgehend erledigt und dafür ist wohl Kollege Computer verantwortlich. Gegen den darf man nämlich im Preiskampf fechten und das geht für den Menschen immer nachteilig aus.

Die Physiognomie des Amazon Marketplace

Die Funktionsweise des Marketplace ist relativ einfach: Man suche in Amazon das Produkt und lasse sich „alle Angebote“ anzeigen. Dort sind dann neben den offiziellen Amazon-Angeboten auch Verkaufsangebote von anderen Anbietern an, die wiederum ihr Produkt klassifizieren in Neu- oder Gebrauchtware. Jeweils das günstigste Angebot steht oben. Zu diesem Verkaufspreis kommen dann pauschal 3 Euro hinzu, die die eigentliche Marge für Amazon darstellen.

Ziel für einen Verkäufer ist, mit dem Verkaufspreis möglichst weit nach oben zu kommen, also ein für den Käufer günstiges Angebot zu machen. Das muss bei häufig bestellten Waren (sieht man im Verkaufsrang) nicht unbedingt das allergünstigste sein, allerdings gehören Musik-CD tatsächlich immer häufiger zu Waren, bei denen das Verhältnis zu Angebot und Nachfrage nicht mehr stimmt – zu viel Angebot für zu wenig Nachfrage. Die Folge ist, dass die Preise sinken. Jeder, der seine gebrauchte CD irgendwie loswerden möchte, versucht, den günstigsten Preis anzubieten, um überhaupt seine CD irgendwann einmal loszuwerden.

Das funktionierte soweit zumindest lange Zeit in der Form, dass es durchaus möglich war, ein solches günstigstes Angebot auch eine Weile als wirklich günstigstes Angebot zu halten. So lange nur Menschen im Marketplace unterwegs waren.

Großhändler im Amazon Marketplace

In der Zwischenzeit ist der Amazon Marketplace für Musik CD weitgehend kaputt. Das liegt in erster Linie an einigen Großhändlern, die sich darauf spezialisiert haben, Musik CD für irrwitzig niedrige Preise zu versenden. Wenn beispielsweise so manch Angebot für 1 Euro auf den Weg geht, dazu dann 3 Euro Verkaufsgebühr kommen, erhält der Verkäufer kaum mehr als 4 Euro Vergütung von Amazon, aus denen dann auch noch Versandmaterial, Porto und das verpackende Personal zu bezahlen sind.

Das hört sich wenig an, ist aber verhältnismäßig brauchbares Geld. Der Anbieter bezahlt nämlich als Premiumanbieter nur einen monatlichen Fixbetrag an Amazon und finanziert keinen weiteren Online-Shop. Die Verkaufsware kauft der Anbieter in der Regel in größeren Loten auf, muss sie lediglich einmal eingangskontrollieren und braucht dann nur noch ein großes Lager. Aus diesem Lager heraus wird dann der Amazon Marketplace beschickt.

Zur goldenen Regel, dass der wahre Gewinn eines Kaufmannes im Einkauf liegt, kommt noch eine Besonderheit hinzu: Wundert sich niemand so recht, warum im Amazon Marketplace viele Großhändler in den USA beheimatet sind, die auch aus den USA liefern, die Ware aber tatsächlich dann gebrauchte, deutsche Ware ist? Mir fehlt zwar der konkrete Beweis und meine Anfragen hierzu an einige Großhändler wurden erwartungsgemäß auch nicht beantwortet, aber ich fresse einen Besen, wenn der Wareneinkauf in diesem Geschäftsmodell nicht durch den klassischen Einkaufsturbo beschleunigt wird, nämlich dem guten, alten Umsatzsteuerbetrug, in dem für den Verkauf der Gebrauchtware ins EU-Ausland die Umsatzsteuer nicht anfällt.

Der Mensch und der Roboter

Für den Gelegenheitsverkäufer ergibt sich aber noch ein Problem: Er kämpft bei der Preisgestaltung seiner eigenen Angebote offensichtlich mit Robotern, die regelmäßig automatisiert die Preise so anpassen, dass deren Angebote stets die günstigsten bleiben. Das habe ich mit einigen eigenen Angeboten einmal ausprobiert, in dem ich meine Angebote zu den günstigsten machte und die Angebote der Großhändler sich etwa alle ein, zwei Stunden dementsprechend anpassten und genau 1 Cent billiger wurden, als meines. Machte ich dann mein Angebot um zwei Cent billiger, um wieder das günstigste Angebot anzupreisen, war dies wieder nur für eine Dauer von ein paar Stunden so, bis der Großhändler wieder um 1 Cent günstiger war.

Die Gegenprobe war ebenfalls erfolgreich: Machte ich mein Angebot dann einfach um 10 Cent teurer, passten einige Großhändler ihr Angebot auch dementsprechend an, dass sie zwar immer noch das günstigste Angebot hatten, aber die Marge dann wieder auf 1 Cent verkürzten. Es existiert also tatsächlich eine Logik in Form eines Roboters, der ständig die Konkurrenzangebote für eingestellte Waren beobachtet und die Preise anpasst.

Mit so einer computergesteuerten Konkurrenz ist der menschliche Verkäufer, der lediglich ein paar CD zum Verkauf anbietet, natürlich im Nachteil. Angebot zu groß, Nachfrage zu klein und dann auch noch ein Preisroboter am Start. Schade.

Alte Musik CD loswerden?

Tatsächlich ist es so, dass ein Berg von Musik CD so unverkäuflich sind, wie ein Haufen schlechtsortierter Ziegelsteine. Der Markt ist völlig übersättigt, die Nachfrage auch nach älterer Musik verschiebt sich immer mehr in den Handel mit herunterladbaren Musikdateien und gerade ehemals populäre Alben sind im Gebrauchtmarkt selten noch den Materialpreis der CD, Hülle und des Booklets mehr wert.

Die einzige Alternative ist tatsächlich daher nur noch der Flohmarkt (bei dem man auch noch darauf aufpassen muss, wie viele professionelle Händler dort eigene Stände haben) oder der Verkauf von vollständigen Sammlungen für Schweinepreise an professionelle Aufkäufer. Damit befeuert man zwar den Markt der Großhändler nochmal gewaltig, aber anders wird man das Zeug nicht mehr los, außer auf dem Recyclinghof.

Ukulelen-Overdrive.

Zum Wochenende gibt es ein ganz erstaunliches Stück YouTube-Video, in dem der Ukulelenspieler Jake Shimabukuro eindrucksvoll zeigt, wie man es im New Yorker Central Park korrekt einer ordinäre Ukulele so besorgt, dass das Ding am Ende vermutlich raucht und glüht. Vermutlich nutzt Jake seine Ukulele auch als Spätzlesbrett und zum Haarekämmen. Unbedingt das Filmchen bis zum Ende anschauen und staunen, vor allem ab 2:40 min:

[Durch Zufall gefunden beim Blogger-Kollegen Mario, der das zweifellose Vergnügen hatte, diesen Teufelszupfer live gesehen zu haben.]

Hack‘ den Turm.

Es muss ein Bild beziehungsweise ein Klang für die Götter gewesen sein, der da am Wochenende abends in Rize an der türkischen Schwarzmeerküste ertönte. Gegen 20.30 Uhr raschelte es wohl laut in den rund 170 Minaretten der Moscheen in und um Rize herum und plötzlich erschallte anstatt dem Ruf des Muezzins – Volksmusik. Und dann auch nicht irgendeine Volksmusik, sondern ausgerechnet fünf Minuten lang Musik des legendären türkischen Musikers Zeki Müren, der zu Lebzeiten aufgrund seines „extravaganten“ Auftretens in schriller und oft weiblich angehauchter Kleidung gerade bei Konservativen und Religionsanhängern nicht unbedingt viele Anhänger hatte.

Was war geschehen? Die Zeit, in der der Muezzin tatsächlich das Minarett hinaufstieg, um seine Schäfchen zum Gebet zu rufen, sind in Ballungsräumen schon länger vorbei und moderne Technik hält Einzug. In Rize sind die meisten Lautsprecheranlagen der Minarette so zusammengeschaltet, dass sie per Funk zentral von einem Muezzin angesteuert werden. Hacker haben sich dem angenommen und kurzerhand die Lautsprecheranlagen der Minarette dazu genutzt, um etwas Musik zu machen, bis hinein in die landeinwärts liegenden Täler.

Und ja, die Verantwortlichen sind auch in der Türkei ebenso pikiert darüber, wie man vermutlich auch hier wäre, wenn sich jemand in die Glockenanlage eines Kirchturmes hacken würde:

Für Mufti Ilyas Serenli seien es allerdings „unschöne Klänge“ gewesen. „Es riecht nach Sabotage“, zitiert der TV-Sender Serenli. „Wir werden unsere Maßnahmen ergreifen.“

Dennoch… astreine Aktion, hätte von mir sein können. Aus gut unterrichteter Quelle habe ich die Information, dass sich halb Rize in den Armen vor Lachen liegt. 😉

[via CNN Türk, ZDF heute.de und eigenen Quellen]

Hört auf die Musik!

Genau das, was hier in der Überschrift steht, habe ich gerade ins Telefon auf den Anrufbeantworter eines befreundeten Pärchens gebellt, die mir letzte Woche ihre liebevoll zusammengestellte DVD ihrer Hochzeit zur Abnahme geschickt haben. Und sie haben sich wirklich Mühen gegeben, denn es sind gleich drei Filme auf die Scheibe gebannt nebst einer Galerie von Bildern. Und alles hübsch mit einem Menü eingebettet, das sich wirklich sehen lassen kann.

Allerdings nicht hören lassen. Denn als Hintergrundmusik haben sie doch tatsächlich „Time to say Goodbye“ von Andrea Bocelli und Sarah Brightman gewählt. Okay, das hört sich hübsch an, aber Hallo: Achtet da jemand mal auf den Text bei der Musikauswahl? Sie hätten auf dem gleichen Album einfach auch vier Tracks zurückspringen können, da gibt es nämlich auf dem Album „Bocelli“ einen Track namens „Vivo Per lei – Ich lebe für sie“ mit Andrea Bocelli und Judy Weiss.

Jetzt hoffe ich nur, dass mein Anruf nicht zu spät kommt und sie nicht schon die Kleinserie pressen lassen, die sie machen und an Besucher ihrer Hochzeit schicken wollten. Sonst haben wir da echt ein delikates Problem.

Update: Hauptgewinn. Die Folks haben die noch gar nicht abgesegnete DVD schon in die Produktion geben lassen. Prost Mahlzeit.

Gipsy Kings.

Ich bin ja nicht gerade ein „Señor Emoción“, der besonders nah am Wasser gebaut wäre oder unverarbeitete Dramen im Keller stehen hat, die unvermittelt die Treppe herauf kriechen und mich in eine mittelschwere Depression stürzen könnten. Für die harten Dinge im Leben hat man eine Besenkammer mit ordentlich an die Wand gedübelten Regale, in die man Katzenjammer, tolle „expo-mäßige“ Momente, hineinstellt und sich gelegentlich mal zur Abarbeitung zur Brust nimmt.

Doch können solche Regale offenbar auch mal brechen. Zuerst das ganz oben, was das unmittelbare Problem auslöst, dass das darunterliegende Regal zwar seinen Inhalt problemlos trägt, nicht aber dafür angedübelt wurde, auch den Inhalt des darüberliegenden Regales mitzutragen. Und das sagt sich dann auch das nächste, darunterliegende Regal. Und so weiter. Das ist genau da passiert, als die Doppel-CD mit den „greatest hits“ der Gipsy Kings heute in der Briefpost lag und ich gedankenverloren die CD mal eben so ins Autoradio eingeworfen habe.

„Volare“ ging ja dann noch, bei „Baila Me“ musste dann aber die CD hektisch wieder heraus und dringend ins Handschuhfach. Ich hätte nicht gedacht, was ein paar Lieder, die sich offenkundig äußerst stark mit dem Zeitraum von 1990 bis 2000 meines Lebens verbunden hatten, für ein Regale-Domino auslösen können. Da muss ich wohl nochmal ganz in Ruhe ran.