Das Musikprekariat.

Musik online zu kaufen, ist herrlich einfach. Klickste hier, klickste da, schon bist du (deutlich weniger Geld als beim Kauf einer CD) los und kannst die Musik auch gleich herunterladen und anhören. Das Geschäftsmodell vom Online-Musikkauf ist so überzeugend genial einfach, dass es erstaunlich ist, wie durchweg schlecht man es machen kann, wie die großen Musikkaufhäuser, die sich als Marktführer sehen.

Beispiel: Der Kauf eines Albums bei Apples iTunes. Ein älteres Album, das es so als CD höchstens noch auf dem Gebrauchtmarkt gibt und bei iTunes für 9,99 Euro daherkommt, billiger als das günstigste Gebrauchtangebot bei Amazon.de. Ein Schnäppchen, könnte man sagen. Das Schnäppchen ist jedoch leider defekt, nämlich bei Track 10, das nur 1:38 min lang ist und mitten in der Musik abbricht.

Was würde man nun bei einer defekten CD tun? Umtauschen oder zurückgeben. Und niemand würde das in Frage stellen wollen, denn was bringt mir ein Album, das ich ja in seiner Gesamtheit gekauft habe, wenn ein Track darin defekt ist?

Diese Frage beantwortet der iTunes-Support jedoch durchaus anders. Denn meldet man ein defektes Musikstück, bekommt man eine vorgefertige Antwort zurück und unbürokratisch einen Gutschein – für ein Lied. Mit dem Hinweis, dass man doch bitteschön in ein paar Wochen den Download nochmal machen solle, weil man vielleicht dis dahin das defekte Musikstück ausgetauscht bekommt. Oder auch nicht. Eher nicht.

Hier nur auf Apple einzuschlagen, wäre ein Fehler, denn: Das betreffende, defekte Musikstück ist bei Amazon.de genauso kurz und damit offenkundig genauso unvollständig. Sprich: Das Album kommt bei beiden Händlern vom gleichen Inhaltslieferanten, der seinen Mist, den er da zum Verkauf stellt, vor dem Anbieten noch nicht mal dahingehend überprüft, ob die Längen der Tracks mit dem Original übereinstimmen. Vom einmal Probehören, wie es in der klassischen Tonträgerproduktion bei der Herstellung von Mastern unumgänglich ist, rede ich schon gar nicht.

Das wirklich Ärgerliche ist, dass die Distributionskette genauso lang ist, wie beim klassischen Tonträgerverkauf ist, die zu kaufende Musik einen nicht sehr geringen Wert darstellt, der Support jedoch quasi nicht vorhanden ist. Es dauerte geschlagene drei Tage und vier Interventionen, bis ich einer iTunes-Support-Drohne erklärt bekommen habe, dass ich ein Album nicht deshalb kaufe, um zur Not auf ein paar Tracks verzichten zu können, sondern die Gesamtheit eines Albums als zentralen Kaufanreiz sehe. Mag ja sein, dass der Zeitgeist das inzwischen anders definiert, aber ein unvollständiges Album ist nun mal ein unvollständiges Album. Und entweder repariert man es oder man ersetzt die entstandenen Kosten dafür.

Gelegentlich fällt es schwer, daran zu glauben, dass man der Musikindustrie als Konsument weiterhin mit Goodwill entgegenkommen muss, um den Haufen von Ewiggestrigen davon zu überzeugen, dass Online für sie beileibe kein Problem darstellt, sondern eine der größten Chancen, die sie je hatten.

Ein Gedanke zu „Das Musikprekariat.

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