Bye, Google Reader. :-(

Google ReaderEigentlich hatte man ja bis zuletzt darauf gehofft, dass Google noch mal ein Einsehen mit den vielen Fans des Google Readers hat und die Einstellung des Dienstes zum 1. Juli vielleicht doch nochmal zurücknimmt. Das wäre ziemlich unwahrscheinlich gewesen, aber so ist das halt, wenn man sich von einem guten Freund verabschieden muss. Und nun ist es wohl soweit. Das wird wohl mein letzter Blog-Artikel sein, den die über 120 Feed-Abonnenten, die über den Google Reader mitlesen, dort von mir finden werden.

Den Google Reader habe ich lange Zeit nicht wirklich beachtet gehabt, weil ich meine Feeds ursprünglich mit einer Software namens FeedReader direkt auf meinem PC aggregiert hatte. Irgendwann fiel es mir auf, dass es ziemlich sinnlos und in Sachen Stromverbrauch auch spürbares Geld kostet, wenn der PC auch tagsüber nur wegen Feeds läuft und zudem hatte ich auch das Problem, dass das Feed-Lesen nur am PC funktioniert. Der Google Reader war in Sachen Importieren meiner Feeds genügsam und funktionierte vom ersten Tag dann auch genau so, wie zu erwarten war. Einfach, übersichtlich, flott, zuverlässig.

Nun eben ab morgen nicht mehr. Ich hoffe, dass alle diejenigen, die bisher mein Blog über den Google Reader gelesen haben, ein neues Zuhause für ihre Feed-Sammlungen finden. Ich habe mir selfoss auf meinem Webhosting-Account installiert, bin damit nicht wirklich so recht zufrieden, allerdings auch nicht mit den vielen gehosteten RSS-Feed-Aggregatoren. Vielleicht muss es erst die ab morgen beginnende Leidenszeit richten, den dauerhaft funktionierenden Aggregator zu finden.

Schade. Ich bedaure die Einstellung des Google Readers immer noch.

Das Corporate Weblog als Verkaufsraum.

Bei all dem Bohei, das wir drüben im Gerstelblog, dem Corporate Weblog des Pforzheimer Autohauses Gerstel, machen, blieb immer eine Frage etwas schmerzhaft unbeantwortet: Haben wir es jemals geschafft, ein Auto über das Blog zu verkaufen? Okay, zweifellos wertvolle Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung in Social-Media-Netzwerken hin oder her, aber gefährlich wird immer die ultimative Frage: Können wir mit Social-Media-Aktivitäten nachvollziehbar einen direkten, hochwertigen Lead generieren, der dann im Verkaufsprozess auch tatsächlich landet?

Ich war immer davon überzeugt, dass das geht. Als Realist weiß ich allerdings, dass es dazu ein paar Dinge braucht, in etwa sogar in dieser Reihenfolge:

  • Ein Unternehmen, dass ein Corporate Weblog will und auch daran arbeiten kann.
  • Ein echtes Standing aller Chefs und Mitarbeiter zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Marke.
  • Der unbedingte Wille zur direkten Öffentlichkeitsarbeit.
  • Atem. Viel Atem.
  • Ein vernünftiges, rational und emotional aufladbares Verkaufsprodukt.
  • Eine Geschichte drumherum.
  • Ein passendes Wording.
  • Blitzschnelle Reaktion auf einen Lead.

Et voilà: Das erste echte Gerstelblog-Auto, ein Opel Adam.

How we did it.

Beim Autohaus Gerstel hat es eine Weile gedauert, bis es zum ersten direkten Lead in Sachen Autoverkauf kam. Es gab zwar schon in den vergangenen Monaten immer wieder Leads, die aus dem Internet und dem näheren Gerstelblog-Umfeld zu kommen scheinten, allerdings haperte es vor allem an einer Sache: An einem emotional aufladbaren Verkaufsprodukt. Einen Opel emotional aufzuladen, das ist ein Herkules-Job, den leider viele Autohändler – meine Einschätzung – weitgehend aufgegeben haben.

Dabei ist in den letzten drei Jahren, in denen ich die Marke Opel von Berufswegen ja recht genau beobachte, gewaltiges dort passiert.

  • Ein großes Stück der Krise der Automobilindustrie ist über General Motors und Opel hereingebrochen und während sich die anderen großen Marken mit der Automobilkrise jetzt dann beschäftigen dürfen, hat Opel dieses Thema zu einem großen Teil schon durch.
  • In den vergangenen Monaten kamen eine Reihe von neuen Modellen auf den Markt, die sich sehen lassen können: Der Opel Ampera als funktionierendes Elektrofahrzeug, der Opel Astra GTC als flotter (und leider viel zu wenig beachteter) Flitzer, der Opel Mokka als günstiger SUV, der Opel Cascada als Cabriolet und eben der Opel Adam als Lifestyle-Fahrzeug im Segment des Mini One, des Fiat 500, des VW Up und des Citroen DS3.

Gerade der Opel Adam ist ein spannendes Auto, weil in diesem Segment, in dem dieses Auto positioniert ist, einiges sehr anders läuft. Einen Mini One kauft man nicht wegen eines günstigen Preisleistungsverhältnisses, sondern weil man so ein Auto offensichtlich haben will, egal was es unterm Strich dann kostet. Das Auto ist in diesem Lifestyle-Segment nicht einfach nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein Stilelement. Hier braucht es im Fahrzeugverkauf weniger den Ingenieur, der die Motorentechnik auf dem Effeff erklären kann, sondern eher den Berater, der sich mit dem Lifestyle des potentiellen Interessenten auseinandersetzen kann.

Dieses Auto lässt sich emotional aufladen und zwar bestens. Als kleiner „Herzensbrecher“, als „urbanes Stadtauto“, als „Abschleppwagen“, „klein und oho„, als „Baby-Opel“. Als defensiv wirkendes Kleinauto mit einem sympathischen Aussehen und vielen Individualisierungsmöglichkeiten gibt diese Karre Raum, es lieb zu haben. Damit muss man erst einmal klarkommen, wenn man lange Jahre Autos verkauft hat, die quasi den Standard in Sachen langweilige Autos definierten.

Aber dann? Ein solches Auto und eine solche Marke wie Opel nimmt einem Emotionen und auch gut gewürzte Ironie nicht übel – ganz im Gegenteil. Das entsprechend positionierte Auto steht mittendrin und streckt dabei – sinnbildlich gesehen – die Zunge heraus. Und das erzeugt wiederum genau die Menge an Sympathie, die den Kreis wieder schließen lässt.

Heuschrecken-Methoden zum CD-Kauf.

Für den Aufbau von Musiksammlungen mit vornehmlich alten Alben empfiehlt sich der Marketplace eines großen Online-Händlers mit dem beginnenden Buchstaben „A“, also der Gebrauchtwarenmarkt des Anbieters. Auf den kommt man, wenn man bei Angeboten rechts in der kleinen Box „Alle Angebote“ auf die alternativen Angebote schaut. Hier gibt es für hinreichend gut gelaufenen Alben teilweise Angebote von läppischen 1 Cent, auf die dann nur noch 3 Euro Bearbeitungspauschale aufzuaddieren sind und schon hat man ein gebrauchtes, vielleicht lange gesuchtes Album, meist immer noch deutlich günstiger, als wenn man sich das Album als Download bei irgendeinem Online-Musikhändler kauft.

Robotik als Geschäftskiller.

Früher einmal war der Marketplace auch eine Supersache, wenn es darum ging, die eigene CD-Sammlung zu versilbern. Im Marketplace – jetzt heißt es „Sellers Central“ – einfach den Barcode der CD eingeben, den Zustand der CD, Hülle und Booklet beschreiben, einen Preis festlegen und einstellen. Ein deutlich günstigerer Preis als der Originalpreis und ein möglichst günstigerer Preis als alle anderen Verkaufswettbewerber für das jeweilige Album und schon konnte man nach kurzer Zeit sein CD-Album loswerden.

Dass man als Privatmensch auf diese Weise seine CD-Sammlung vernünftig loswerden konnte, ist inzwischen Geschichte. Denn wer sich die Mühen macht, ein paar Medien in Sellers Central einzustellen und vielleicht darauf zielt, das Angebot dadurch attraktiv zu machen, in dem man einfach den günstigsten Verkaufspreis von allen wählt, wundert sich oft schon nach wenigen Minuten darüber, dass man unterboten wird. Und zwar zu jeder Tageszeit und auch immer gleich bei einer ganzen Reihe von Angeboten, wenn nicht sogar bei allen.

Den Verkaufskampf, den man da führt, ist ein sehr ungleicher und praktisch nicht zu gewinnen, denn hier spielt man als Mensch gegen einen Computer. Die großen Verkäufer im Marketplace, die es schon längst gibt, beherrschen den Gebrauchtwarenmarkt in den drei wichtigsten Segmenten Musik, Video/DVD/Bluray und Büchern durchweg und diktieren hier die Preise. Und zwar ständig. Stellt also jemand z.B. eine gebrauchte CD ein, für das ein Anbieter bereits das günstigste Angebot hat, wird das von seinem System registriert und flux darauf wird das Angebot so angepasst, dass es 1 Cent billiger ist. Und wer sich dann die Mühen macht, sein eigenes Angebot wieder zum billigsten Angebot zu machen, erlebt das Phänomen nach wenigen Minuten schon wieder und wieder und wieder.

Das funktioniert bei einigen Produkten bis zu einer gewissen Verkaufsschwelle, die wohl bei den großen Verkäufern als Verkaufsuntergrenze hinterlegt ist. Bei Musik-CDs geht es aber in der Regel runter bis zum buchstäblich letzten Cent, so dass der gelegentlich direkte Verkauf im Marketplace für Massenware noch nicht mal mehr rentabel ist. Es funktioniert einfach nicht mehr, weil man es kaum noch schafft, sein eigenes Verkaufsangebot als das günstigste Angebot positionieren zu können.

Lernen von den großen Gaunern.

Zugegeben, eine offensive Absatzüberschrift, aber moderner Finanzhandel ist mitunter ein Gaunergeschäft. Und von Gaunern lässt sich vortrefflich lernen, wo es sträflich große Löcher in Denkmodellen gibt.

Vorweg: Die folgende Vorgehensweise ist laut den Marketplace-Bestimmungen beim implizierten Anbieter und bei allen anderen Verkaufsplattformen, die ich kenne, nicht erlaubt und versteht sich als theoretisches Denkmodell. Ich habe gewarnt …

Hat man es auf einer Verkaufsplattform als menschlicher Verkäufer mit einem Wettbewerber zu tun, der ein Roboter ist, hat man keine Chance. Wohl aber als Käufer, der sich als Verkäufer tarnt und die Preise manipuliert. Das Geheimnis dazu nennt sich Leerverkauf. Also so wie bei den großen Finanzjongleuren. Im Prinzip geht es darum, für ein bestimmtes Produkt ein fingiertes Angebot einzustellen, das zum Zeitpunkt des Angebotsstarts nicht existent ist.

Also, Beispiel:

  • Eine CD kostet neu 30 Euro, es existiert ein Angebot einer gebrauchten CD im Marketplace für 25 Euro. Du hättest diese CD gern, der Neupreis und auch der Preis für die gebrauchte CD ist dir aber zu teuer.
  • Also stellst du in Sellers Central ein fingiertes Angebot für genau diese CD ein, mit dem Verkaufspreis 20 Euro.
  • Ist dein Wettbewerber ein Roboter, wird er sich höchstwahrscheinlich auf dein Angebot stürzen und es unterbieten. Das Spiel kannst du nun entweder eine Weile weiterbetreiben oder …
  • … zuschlagen und das Angebot des Wettbewerbers, dessen Preis du heruntermanipuliert hast, dann letztendlich kaufen und dein eigenes, fingiertes Angebot daraufhin wieder löschen.

Das Modell hat natürlich ein paar Haken, aber auch hier liefern Finanzjongleure die passenden Strategien:

  • Natürlich schaut man zu, dass man für die Identität des fingierten Verkäufers eine andere verwendet, als für die Identität des Käufers. Gängige Verkaufsplattformen sind so „intelligent“, zu bemerken, dass ein Benutzer da möglicherweise versucht, eine gleiche Ware gleichzeitig verkaufen und kaufen zu wollen.
  • Man arbeitet immer mit dem Risiko, dass jemand dazwischenfunkt und ein Dritter das Angebot des Wettbewerbers oder – und das ist dann wirklich dumm – das eigene (ja nicht vorhandene) Angebot kauft. Das passiert auch Finanzjongleuren, die sich verrechnen und zum Beispiel Optionsscheine im Leerverkauf handeln und sie bis zum Fälligkeitsdatum des Optionsscheines halten, weil vielleicht noch kurzfristig Profit hereingeholt werden könnte. Ist die Deadline um, zahlt der Finanzjongleur die Zeche und muss für die Ware sorgen und hat noch nicht mal etwas davon, weil er sie gleich wieder durchreichen muss.

Und sicherheitshalber nochmal: Das ist alles bei den gängigen Verkaufsplattformen nicht erlaubt, es darf nichts verkauft werden, was der Verkäufer zum Zeitpunkt des Anbietens nicht besitzt. Und da zudem die Provision des Plattformanbieters am Verkaufspreis gekoppelt ist, schadet man bei Preismanipulationen auch den Betreiber der Handelsplattform. Das ist zwar – auch hier gibt es die Analogie zum gewieften Finanzjongleur – nur dann wirklich beweisbar, wenn es sich um einen besonders deppischen Jongleur handelt, aber es ist nun einmal nicht erlaubt.

Das Musikprekariat.

Musik online zu kaufen, ist herrlich einfach. Klickste hier, klickste da, schon bist du (deutlich weniger Geld als beim Kauf einer CD) los und kannst die Musik auch gleich herunterladen und anhören. Das Geschäftsmodell vom Online-Musikkauf ist so überzeugend genial einfach, dass es erstaunlich ist, wie durchweg schlecht man es machen kann, wie die großen Musikkaufhäuser, die sich als Marktführer sehen.

Beispiel: Der Kauf eines Albums bei Apples iTunes. Ein älteres Album, das es so als CD höchstens noch auf dem Gebrauchtmarkt gibt und bei iTunes für 9,99 Euro daherkommt, billiger als das günstigste Gebrauchtangebot bei Amazon.de. Ein Schnäppchen, könnte man sagen. Das Schnäppchen ist jedoch leider defekt, nämlich bei Track 10, das nur 1:38 min lang ist und mitten in der Musik abbricht.

Was würde man nun bei einer defekten CD tun? Umtauschen oder zurückgeben. Und niemand würde das in Frage stellen wollen, denn was bringt mir ein Album, das ich ja in seiner Gesamtheit gekauft habe, wenn ein Track darin defekt ist?

Diese Frage beantwortet der iTunes-Support jedoch durchaus anders. Denn meldet man ein defektes Musikstück, bekommt man eine vorgefertige Antwort zurück und unbürokratisch einen Gutschein – für ein Lied. Mit dem Hinweis, dass man doch bitteschön in ein paar Wochen den Download nochmal machen solle, weil man vielleicht dis dahin das defekte Musikstück ausgetauscht bekommt. Oder auch nicht. Eher nicht.

Hier nur auf Apple einzuschlagen, wäre ein Fehler, denn: Das betreffende, defekte Musikstück ist bei Amazon.de genauso kurz und damit offenkundig genauso unvollständig. Sprich: Das Album kommt bei beiden Händlern vom gleichen Inhaltslieferanten, der seinen Mist, den er da zum Verkauf stellt, vor dem Anbieten noch nicht mal dahingehend überprüft, ob die Längen der Tracks mit dem Original übereinstimmen. Vom einmal Probehören, wie es in der klassischen Tonträgerproduktion bei der Herstellung von Mastern unumgänglich ist, rede ich schon gar nicht.

Das wirklich Ärgerliche ist, dass die Distributionskette genauso lang ist, wie beim klassischen Tonträgerverkauf ist, die zu kaufende Musik einen nicht sehr geringen Wert darstellt, der Support jedoch quasi nicht vorhanden ist. Es dauerte geschlagene drei Tage und vier Interventionen, bis ich einer iTunes-Support-Drohne erklärt bekommen habe, dass ich ein Album nicht deshalb kaufe, um zur Not auf ein paar Tracks verzichten zu können, sondern die Gesamtheit eines Albums als zentralen Kaufanreiz sehe. Mag ja sein, dass der Zeitgeist das inzwischen anders definiert, aber ein unvollständiges Album ist nun mal ein unvollständiges Album. Und entweder repariert man es oder man ersetzt die entstandenen Kosten dafür.

Gelegentlich fällt es schwer, daran zu glauben, dass man der Musikindustrie als Konsument weiterhin mit Goodwill entgegenkommen muss, um den Haufen von Ewiggestrigen davon zu überzeugen, dass Online für sie beileibe kein Problem darstellt, sondern eine der größten Chancen, die sie je hatten.

Das Ende des Amazon Marketplace für Hobbyverkäufer.

Ältere Musikalben kaufe ich schon seit Jahren über den Amazon Marketplace, also auf dem Gebrauchtwarenmarkt. Das ist in der Regel gewaltig günstiger und gottlob legal, auch wenn der Musikindustrie durch Gebrauchtverkäufe durchaus ein Batzen Geld flöten geht. Der Amazon Marketplace ist auch wieder meine Verkaufsplattform für Musik und PlayStation-Spiele. Das ist insofern praktisch, dass das Spielen von Konsolenspielen so nur ein Teil dessen kostet, was das Spiel im Laden kostet. Spiel kommt günstiger daher und wird nach dem Spielen auch wieder für ein paar Euro verscherbelt.

Zumindest beim Thema Musik hat sich der Marketplace aber unangenehmerweise offensichtlich weitgehend erledigt und dafür ist wohl Kollege Computer verantwortlich. Gegen den darf man nämlich im Preiskampf fechten und das geht für den Menschen immer nachteilig aus.

Die Physiognomie des Amazon Marketplace

Die Funktionsweise des Marketplace ist relativ einfach: Man suche in Amazon das Produkt und lasse sich „alle Angebote“ anzeigen. Dort sind dann neben den offiziellen Amazon-Angeboten auch Verkaufsangebote von anderen Anbietern an, die wiederum ihr Produkt klassifizieren in Neu- oder Gebrauchtware. Jeweils das günstigste Angebot steht oben. Zu diesem Verkaufspreis kommen dann pauschal 3 Euro hinzu, die die eigentliche Marge für Amazon darstellen.

Ziel für einen Verkäufer ist, mit dem Verkaufspreis möglichst weit nach oben zu kommen, also ein für den Käufer günstiges Angebot zu machen. Das muss bei häufig bestellten Waren (sieht man im Verkaufsrang) nicht unbedingt das allergünstigste sein, allerdings gehören Musik-CD tatsächlich immer häufiger zu Waren, bei denen das Verhältnis zu Angebot und Nachfrage nicht mehr stimmt – zu viel Angebot für zu wenig Nachfrage. Die Folge ist, dass die Preise sinken. Jeder, der seine gebrauchte CD irgendwie loswerden möchte, versucht, den günstigsten Preis anzubieten, um überhaupt seine CD irgendwann einmal loszuwerden.

Das funktionierte soweit zumindest lange Zeit in der Form, dass es durchaus möglich war, ein solches günstigstes Angebot auch eine Weile als wirklich günstigstes Angebot zu halten. So lange nur Menschen im Marketplace unterwegs waren.

Großhändler im Amazon Marketplace

In der Zwischenzeit ist der Amazon Marketplace für Musik CD weitgehend kaputt. Das liegt in erster Linie an einigen Großhändlern, die sich darauf spezialisiert haben, Musik CD für irrwitzig niedrige Preise zu versenden. Wenn beispielsweise so manch Angebot für 1 Euro auf den Weg geht, dazu dann 3 Euro Verkaufsgebühr kommen, erhält der Verkäufer kaum mehr als 4 Euro Vergütung von Amazon, aus denen dann auch noch Versandmaterial, Porto und das verpackende Personal zu bezahlen sind.

Das hört sich wenig an, ist aber verhältnismäßig brauchbares Geld. Der Anbieter bezahlt nämlich als Premiumanbieter nur einen monatlichen Fixbetrag an Amazon und finanziert keinen weiteren Online-Shop. Die Verkaufsware kauft der Anbieter in der Regel in größeren Loten auf, muss sie lediglich einmal eingangskontrollieren und braucht dann nur noch ein großes Lager. Aus diesem Lager heraus wird dann der Amazon Marketplace beschickt.

Zur goldenen Regel, dass der wahre Gewinn eines Kaufmannes im Einkauf liegt, kommt noch eine Besonderheit hinzu: Wundert sich niemand so recht, warum im Amazon Marketplace viele Großhändler in den USA beheimatet sind, die auch aus den USA liefern, die Ware aber tatsächlich dann gebrauchte, deutsche Ware ist? Mir fehlt zwar der konkrete Beweis und meine Anfragen hierzu an einige Großhändler wurden erwartungsgemäß auch nicht beantwortet, aber ich fresse einen Besen, wenn der Wareneinkauf in diesem Geschäftsmodell nicht durch den klassischen Einkaufsturbo beschleunigt wird, nämlich dem guten, alten Umsatzsteuerbetrug, in dem für den Verkauf der Gebrauchtware ins EU-Ausland die Umsatzsteuer nicht anfällt.

Der Mensch und der Roboter

Für den Gelegenheitsverkäufer ergibt sich aber noch ein Problem: Er kämpft bei der Preisgestaltung seiner eigenen Angebote offensichtlich mit Robotern, die regelmäßig automatisiert die Preise so anpassen, dass deren Angebote stets die günstigsten bleiben. Das habe ich mit einigen eigenen Angeboten einmal ausprobiert, in dem ich meine Angebote zu den günstigsten machte und die Angebote der Großhändler sich etwa alle ein, zwei Stunden dementsprechend anpassten und genau 1 Cent billiger wurden, als meines. Machte ich dann mein Angebot um zwei Cent billiger, um wieder das günstigste Angebot anzupreisen, war dies wieder nur für eine Dauer von ein paar Stunden so, bis der Großhändler wieder um 1 Cent günstiger war.

Die Gegenprobe war ebenfalls erfolgreich: Machte ich mein Angebot dann einfach um 10 Cent teurer, passten einige Großhändler ihr Angebot auch dementsprechend an, dass sie zwar immer noch das günstigste Angebot hatten, aber die Marge dann wieder auf 1 Cent verkürzten. Es existiert also tatsächlich eine Logik in Form eines Roboters, der ständig die Konkurrenzangebote für eingestellte Waren beobachtet und die Preise anpasst.

Mit so einer computergesteuerten Konkurrenz ist der menschliche Verkäufer, der lediglich ein paar CD zum Verkauf anbietet, natürlich im Nachteil. Angebot zu groß, Nachfrage zu klein und dann auch noch ein Preisroboter am Start. Schade.

Alte Musik CD loswerden?

Tatsächlich ist es so, dass ein Berg von Musik CD so unverkäuflich sind, wie ein Haufen schlechtsortierter Ziegelsteine. Der Markt ist völlig übersättigt, die Nachfrage auch nach älterer Musik verschiebt sich immer mehr in den Handel mit herunterladbaren Musikdateien und gerade ehemals populäre Alben sind im Gebrauchtmarkt selten noch den Materialpreis der CD, Hülle und des Booklets mehr wert.

Die einzige Alternative ist tatsächlich daher nur noch der Flohmarkt (bei dem man auch noch darauf aufpassen muss, wie viele professionelle Händler dort eigene Stände haben) oder der Verkauf von vollständigen Sammlungen für Schweinepreise an professionelle Aufkäufer. Damit befeuert man zwar den Markt der Großhändler nochmal gewaltig, aber anders wird man das Zeug nicht mehr los, außer auf dem Recyclinghof.

Abgesang auf die (alte) Musikindustrie.

Sehr interessant zu lesen ist der Artikel der taz auf eine Studie der britischen Musikverwertungsgesellschaft MCPS-PRS, in der die unglaublich überraschende Feststellung getroffen wurde, dass Konsumenten lieber Musik klauen, anstatt legal herunterzuladen. Als allmächtiges Beispiel dient dieser Studie das inzwischen berühmt gewordene Download-Experiment des Radioheads-Albums „In Rainbows“, das es auf der Homepage der Radioheads kostenlos zum Herunterladen gab, aber dennoch signifikant oft über Tauschbörsen „geklaut“ wurde.

Äh, wen juckt das bitteschön, muss man erst mal direkt zu diesem Punkt einwerfen, wirklich, wenn eine Band ihr Album kostenlos auf ihrer Homepage vertickert und es dennoch über Tauschbörsen gezogen wird? Natürlich führen beide Wege zum gleichen Ergebnis, aber letztendlich ist ein Torrent mit einem gewöhnlichen Torrent-Client einfacher geladen, als auf die Homepage der Band zu wackeln und sich die Objekte „legal“ zu ziehen.

Um zum dahinterliegenden Thema zu kommen: Ja, wir haben sie umgebracht, die altehrwürdigen Plattenimperien. Zumindest indirekt, denn Musik geklaut wurde schon immer. Früher war es die gute, alte Compact Cassette und der Radiomitschnitt, der oft später zum Albumkauf führte, heute ist es die getauschte MP3-Datei, die oft genug nicht mehr zum Albumkauf führt. Ob das daran liegt, dass die MP3 nicht verrauscht ist, mag bezweifelt werden. Ich glaube nach wie vor, dass es der in Samples gepresster Scheißdreck von Bands ist, die keiner kennt, die oft genug nicht selbst komponieren, schreiben, spielen oder gar singen und der zwischen der Klingeltonwerbung in MTV und MTV-Bierzelt „Viva“ gar nicht mehr auffällt.

Die Musikindustrie hat ihre Kundschaft nicht dadurch verkorkst, dass sie ihr Hürden zwischen die Tauschbeine geworfen hat, sondern durch jahrzehntelange Kultivierung von auditivem Gefurze von Retortenbands, gepusht mit millionenschweren Werbeetats. Negative Publicity mit dem „Feind“ wird heutzutage gekauft und die Idioten in ihren Glaspalästen glauben tatsächlich noch, dass sie die Geister, die sie riefen, dadurch loswerden, in dem sie ihnen das Fliegen staatlich verbieten lassen wollen.

eBay dreht Schrauben im Bewertungssystem.

eBay hat vorgestern umfassend an seinem Bewertungssystem gedreht und vermutlich werden die meisten eBay-Kunden mal wieder nichts davon mitbekommen haben, weil die Änderungen an bestehenden Profilen erst einmal nur positive Änderungen auslösen, die Nachteile jedoch erst nach und nach sichtbar werden dürften – und die haben es durchaus in sich:

  • Mehrfache Bewertungen werden, wenn sie mindestens eine Kalenderwoche auseinander liegen, nun auch rückwirkend seit der Anmeldung gezählt, was bei den meisten Benutzern erst einmal die Bewertungssumme erhöht.
  • Verkäufer können den Käuferkreis näher einschränken, zum einen durch eine stark erweiterte Listungsmöglichkeit für zu sperrende Mitglieder (bisher konnte man nur 1.000 Käufer in seine eigene Liste aufnehmen, nun 5.000) und zum anderen durch ein Merkmal, dass bereits bei eBay aufgefallene Käufer automatisch nicht mehr mitbieten dürfen.
  • Zahlt ein Käufer nicht, bewertet jedoch neutral oder negativ, so können diese Bewertungen nun von eBay gelöscht werden, wenn der Verkäufer die Nichtzahlung meldet.

So weit, so gut. Doch dann geht es durchaus problematisch weiter:

  • Einvernehmliche Rücknahmen von Bewertungen zwischen Käufern und Verkäufern sind abgeschafft, man soll nun „nicht mehr nach hinten, sondern nach vorn schauen“.
  • Die Frist für Bewertungen wurde von 90 auf 60 Tage verkürzt, „moderne Zahlungsverfahren“ wie PayPal hätten die Abwicklungszeiten erheblich verkürzt. (Der Faktor ist wohl eher in Ländern interessant, in denen andere Zahlungssysteme vergleichsweise langsam sind.)
  • Verkäufer dürfen zukünftig nicht mehr negativ oder neutral bewerten, sondern nur noch positiv oder lassen es bleiben. Damit will man Rachebewertungen von Käufern verhindern.
  • PowerSeller dürfen erst nach 7 Tagen nach Verkauf neutral oder negativ bewertet werden.
  • Der Prozentsatz der positiven Bewertungen wird nun aus den Bewertungen der letzten 12 Monate berechnet, wobei hier eventuelle Mehrfachbewertungen wiederum nicht berücksichtigt werden.
  • Wird ein Mitglied gesperrt, werden dessen abgegebenen, negativen oder neutralen Bewertungen dauerhaft gelöscht.

Darüber hinaus versucht sich eBay nun auch mit schärferer Eskalationsdialektik:

  • Erpressungsversuche von Käufern in Sachen neutrale oder negative Bewertungen sollen stärker geahndet werden.
  • Käufer, die neutral oder negativ bewerten wollen, müssen bestätigen, dass sie lange genug auf die Lieferung gewartet haben und sich beim Verkäufer nach dem Status der Lieferung erkundigt haben.
  • Verkäufer können Probleme nun „schneller und einfacher“ melden.

Alle Änderungen direkt bei eBay zum Nachlesen: Wichtige Änderungen im Bewertungssystem im Mai 2008

Kundenservice bei Amazon.de.

In elf Jahren Amazon.de– bzw. ABC-Telebuch-Kundschaft habe ich bisher genau zweimal einen Garantiefall auslösen müssen. Das war heuer der Fall mit einer Startrek-DVD, die nicht funktionierte – überhaupt meine erste, defekte DVD überhaupt.

Was bei Amazon.de nun wirklich perfekt läuft, ist das Auslösen eines Garantiefall. Bestellnummer angeben, kurzen Hinweis darüber, was defekt ist und schon gibt es eine Rückantwort und zwei Tage später Post. Die defekte Ware schickt man dann innerhalb von 30 Tagen zurück und gut ist.

Dummerweise hatte ich mich bei der Angabe der DVD verguckt und die falsche DVD-Box moniert. Das ist mir aufgefallen, ich habe das über den Kundenservice entsprechend gemeldet und die Rückantwort prellte – man hatte nicht verstanden, wo mein Problem lag bzw. die vorgefertigten Antworten waren nicht passend. Was nun aber geht: Man kann im Kundenservicebereich angeben, ob die Antwort auf das Problem zutreffend ist oder nicht. Verneint man dies, kann man entweder eine E-Mail schreiben oder sich per Mausklick zurückrufen lassen.

Also habe ich da mal meine Telefonnummer angegeben und um sofortigen Rückruf gebeten. Fünf Sekunden später war der Rückruf da und zehn Sekunden später eine Mitarbeiterin, die die Bestellung schon vor sich hatte und der ich in zehn Sätzen erklären konnte, wo das Problem liegt. Respekt.

In hochdetailierten Prozesssteuerung kann prinzipiell viel schiefgehen. Das Geheimnis liegt darin, zwar alle möglichen Eventualitäten zu berücksichtigen, dennoch ein Sicherheitsnetz für die Fälle gespannt zu halten, die durch alle Raster fallen bzw. bei denen ein paar klärende Worte das Problem beheben. Da überrascht mich Amazon.de auch nach Jahren immer wieder.

Microsoft ./. Yahoo, last step.

Microsoft will jetzt dann doch nicht Yahoo kaufen, weil man sich nicht auf einen Preis einigen konnte. Beziehungsweise, weil der Verwaltungsrat von Yahoo aus lauter Raffgier vermutlich die Zeichen der Zeit äußerst rosig einschätzt. Ob das jetzt gut wird? Wohl kaum.

Yahoo krankt schon seit Jahren an einer sehr unschönen, sehr chronischen Krankheit, die weitgehend ideenlose Unternehmen aus der Vergangenheit, allerdings ausgestattet mit viel Geld, befällt: Man kauft sich zusammen, was so herumliegt und gerade hipp ist und hofft, dass die Nutzer dieser hippen Dienste dann auch die altbackenen Dienste mitbenutzen. Dieses AOL-Prinzip – das Gestrige einfach so lange als das Zukünftige zu verkaufen, bis es die Leute glauben – funktioniert schon in der realen Wirtschaft selten, warum ausgerechnet im Web? Reicht einfach ein Portal, das zufälligerweise heute noch viele kennen und als Startseite in ihrem Webbrowser haben, als Lebensversicherung?

Rein wirtschaftlich muss man sehen, dass Yahoo im Laufe der Jahre ziemlich schwer gelitten hat. Die Führerschaft im Online-Werbemarkt ist in vielen kleinen Schritten zum Konkurrenten Google gewandert und auch wenn man in den letzten Tagen und Wochen viel gemeinsames Spirit und neue Gemeinsamkeiten entdeckt hat: Google ist der gewaltig viel größere Konkurrent und Yahoo wird ewig der Juniorpartner bleiben. Dass Google sich Yahoo einverleibt oder man auch nur eine größere Partnerschaft miteinander eingeht, ist kartellrechtlich mit Sicherheit eine strittige Angelegenheit, die in jedem Einzelfall sicherlich monatelange Diskussionen in den USA und auch Europa auslösen wird. Ob Yahoo diese Zeit hat?

Ich glaube, Yahoo hat die angenehmere Variante auf eine sichere Zukunft dieses Wochenende mit Pauken und Trompeten abfahren lassen. Hoffentlich bekommt es ihnen nicht schlecht.