Microsoft ./. Yahoo, next step.

Nun scheint es ja richtig ans Eingemachte zu gehen. Nachdem gestern das Management von Yahoo die Kaufofferte von Microsoft anscheinend hat verstreichen lassen, hat Microsoft für diesen Fall eine feindliche Übernahme in Aussicht gestellt. Will heißen: Anstatt sich freundlich von Management zu Management über einen Preis zu einigen, wird mit der feindlichen Übernahme nicht das Yahoo-Management angesprochen, sondern die Eigentümer, also die Aktionäre. Und das funktioniert schlicht und einfach durch einen Kaufpreis für Yahoo-Aktien: Je mehr dieser ein Mondpreis ist, desto eher werden genügend Aktionäre schwach. Die Entscheidung, ob die Kaufofferte für Yahoo gut oder schlecht ist, übernimmt also bei einer feindlichen Übernahme mehr oder weniger nicht mehr das Management selbst, sondern die Aktionäre.

Bleibt mal abzuwarten, was Microsoft jetzt tut und mit welchem Mondpreis sie die Aktionäre zu überzeugen versuchen, wenn sie eine feindliche Übernahme starten.

Tot-sicher: Yahoo.

Wenn es wirklich eine Aktie gibt, die zur Zeit nahezu bombensicher ist, dann ist es die Aktie von Yahoo. An sich sind Internet-Aktien nur etwas für richtige Kerle, die problemlos mal eben geschwind den virtuellen Verlust von riesigen Vermögen ertragen können und an sich ist Yahoo schon seit Jahren eben so ein Papier. Eine sensationell starke und sensationell gering fundierte Marke, eigene Werbeplattform schon immer im Schatten der Konkurrenz, Unternehmenswachstum weitgehend nur durch Gewinne in zugekauften Unternehmen. Im Grunde genommen lebt Yahoo seit Jahren nur davon, dass es in Millionen Webbrowsern vermutlich als Startseite eingetragen ist. Das macht die Umsätze und damit kauft man sich woanders ein, mehr oder weniger erfolgreich.

Also wirklich nichts für Leute, die es gern konservativ im Wertpapierdepot haben. Weshalb die Yahoo-Aktie auch seit Jahren mit entsprechenden Warnhinweisen versehen wird, egal wo man hinschaut.

Das hat sich alles geändert, nachdem Microsoft seine Kaufofferte für Yahoo hingelegt hat. Phantastisch hoch. Weshalb auch der Aktienkurs von Yahoo einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht hat und nun auf dem viel zu hohen Niveau verbleibt. Schaut man sich die täglichen Bewegungsindizes an, sieht man seit Wochen nur Zukäufe.

Relativ deutlich, dass hier niemand mehr auf die Wirtschaftskraft von Yahoo spekuliert, sondern sich alle hinter dem Yahoo Management versammeln, bis die Jungs den Laden verkaufen. Und das ist spätestens seit dem Zeitpunkt Fakt, als Yahoo die Kaufofferte als zu niedrig ablehnte und ankündigte, auf dem Preisniveau nicht mehr diskutieren zu wollen. Einen Kauf generell abzulehnen, sieht anders aus. Oder anders gesagt: Yahoo ist tot, es geht nur noch um Kosmetik. Und mit Yahoo eine ganze Phalanx von historischen Anwendungen, wie beispielsweise die Suchmaschine Altavista, Overture, aber auch Flickr. Die neueren Labels wird es höchstwahrscheinlich auch nach einem Verkauf noch geben, aber eben nur noch als Labels. Die eigentliche „Mission“, das ursprüngliche Credo der Idee, das ist fort.

So ist es, selten wie es sonst der Fall ist, weitgehend klar, wohin der Zug fährt: Yahoo wird auf Dauer kaum so überleben, wie heute und Microsoft braucht dringend „Stoff“, um Google parieren zu können, hat aber auch keine sonderliche Lust, noch viel mehr zu bieten, als jetzt. So wird man also noch ein paar weitere Wochen ein paar Tänzchen auf dem Parkett wagen, während vermutlich der allerletzte Kleinanleger sich ebenfalls noch schnell Yahoo-Aktien besorgt und sich neben die vielen Anderen tummelt, die in der gespannten Spatzenschleuder darauf warten, ins All geschossen zu werden.

Einfuhrabgaben.

Ich wage mal zu behaupten, dass die Anhebung der Wertgrenze für Kleinsendungen bei der Erhebung von Einfuhrabgaben nur deshalb angehoben wird, weil die Jungs bei den Zollämtern im Laufe der letzten Jahre heillos überfrachtet wurden mit aus dem Internet bestellten Waren und es einfach nicht mehr ertragen konnten, mit Leuten die große Diskussion anzufangen, die ziemlich pampig werden konnten, wenn der für 50 Euro gekaufte Krempel bei eBay.com nun plötzlich auch noch Zoll kosten sollte.

Richtig hanebüchen wurde es immer dann, wenn die wackeren Zöllner eine Rechnung oder eine Bestellung verlangt haben, aus der der Preis ableitbar ist, der dann zur Berechnung der Einfuhrabgaben herangezogen wurde. Oft genug kann man sich das ja eben nur aus seinen E-Mails heraus ausdrucken und ich wette einen Lastwagen voll Bier, dass genügend Käufer nur beim ersten Mal die Rechnung uneditiert ausgedruckt haben. Das wussten auch oft genug die Zollbeamten, die zähneknirschend die Ware herausgerückt haben.

Nun denn, ab 1. Dezember 2008 ist die Wertgrenze nun bei 150 Euro. Heise hat da schon Recht, wenn man da Goldene Zeiten heranziehen sieht.

Von “guten” und “bösen” Monopolisten.

Irgendwie ist es schon wieder süß, wie Google in ersten Äußerungen darauf reagiert, dass Microsoft Yahoo kaufen möchte. David Drummond, seines Zeichen „Senior Vice President“ von Google und der Hausjustiziar, macht dabei eine PR-technisch schulbuchmäßige Äußerung, schön in der klassischen Gut-Böse-Gut-Argumentation. Also angefangen mit den ersten Gut-Argumenten:

Im ersten Absatz behauptet er, dass Google und Yahoo für nicht weniger als die Offenheit des Internets stehen würden. Gute Ideen, die Nutzer sinnvoll finden, würden sich schnell verbreiten, Unternehmen sich drumherum bilden und die Nutzer würden von den Innovationen profitieren. Das sei das, was das Internet aufregend machen würde.

Im dritten Absatz leitet Drummond dann die Überleitung zur Böse-Argumentation ein: Die Microsoft-Offerte würde Fragen aufwerfen. Das sei ja alles mehr als nur eine finanzielle Transaktion, denn es würde die grundlegenden Regeln des Internet betreffen: Offenheit und Innovation. Könnte Microsoft nun den gleichen Weg bestreiten wie mit dem PC, die gleiche illegale Weise, proprietäre Monopole auf einer eigenen Plattform zu bilden, während das Internet auf Innovationswettbewerb basiert?

Der vierte Absatz ist dann die Zuspitzung: Könnte der Kauf von Yahoo es Microsoft ermöglichen, die unfaire Praxis bei Browsern und Betriebssystemen zu verstärkten? Microsoft hätte mit Yahoo eine gewaltige Größe im Bereich des Instant Messaging und bei Webmail und beide haben die am stärksten besuchten Webportale im Internet. Könnte es nicht sein, dass dieses Zusammenkommen mit einem PC-Softwaremonopol den Zugriff von Nutzern auf alternative Dienste einschränkt? Regulierer und Kartellbehörden weltweit hätten nun diese Fragen zu stellen und sie Nutzern gegenüber zu beantworten.

Im fünften Absatz wird dann wieder in die Gut-Argumentation mit einem Appell auf Good-Hopes umgeschwenkt. Google würde ja die Offenheit des Internet, die Möglichkeit der Alternativen und der Innovation sehr ernst nehmen, denn das sei ja immerhin die Basis ihrer Kultur. Sie seien fest davon überzeugt, dass zuerst die Interessen des Nutzers kämen und deshalb die Auswirkungen des geplanten Kaufs untersucht und Alternativen ausgelotet werden sollten.
Starker Tobak, den Drummond da in seine Kriegspfeife hineinkrümelt. Und nicht sehr überzeugend, wenn diese Worte von einem anderen Monopolisten daherkommen. Denn Drummond hat in seinem ersten Absatz schon mal die Fortsetzungen „innovativer“ Ideen und Unternehmen weggelassen: Innovative Ideen werden von Platzhirschen für illusionäre Preise gekauft, zunächst einfach mal weiterbetrieben, während dann nach und nach die Anforderungen des neuen Mutterkonzerns eingetrichtert werden. MySpace wird auf Konzernrichtlinien der Fox-Gruppe gebracht, Flickr bekommt über Nacht kaum dokumentierte Filterrichtlinien, Skype verliert nach dem Eigentümerwechsel einen Großteil seiner Besatzung etc. etc. Wobei bei Yahoo noch das Extrem dazu kommt, dass die Unternehmensphilosophie (freundlich ausgedrückt) eigentlich gar nicht vorsah, die gekauften Dienste vernünftig unter eine einheitliche Decke zu bringen.

Und von unfairer und denkwürdiger Praxis ist auch Google nicht weit entfernt. Das Anbiedern seiner Dienste bei totalitären Regimes mit entsprechender „Überarbeitung“ des Contents für „zielgerichtete Positionierung“ ist ein wunder Punkt, die grundsätzliche Datensammelwut ein ganz anderer, der Google beileibe nicht zum liebenswürdigen Unternehmen für Offenheit und Transparenz macht. Genau das beim Generalkonkurrenten anzuprangern, also Intransparenz und Monopolpflege, ist schon ein sehr dürftiges Argument. Ist ja nicht so, dass Google nicht gern selbst Yahoo einheimsen würde – wenn es denn ohne Probleme bei den Regulierern und Kartellbehörden durchgehen könnte.

In Wirklichkeit gehen bei Google vermutlich alle Hintern ziemlich auf Grundeis bei dem Gedanken, dass die beiden Unternehmen, die schon lange vor Google im Internet präsent waren, sich verbünden könnten, um auf diese Weise Google den Großangriff zu erklären. Offenheit und Transparenz sind da völlig deplatziert wirkende, platte Attitüden, damit hat auch Google schon seit langem nichts mehr zu tun.

Microsoft und Yahoo und so.

Und vorgestern habe ich noch überlegt, ob ich das neu eröffnete Depot und die Schwäche von Yahoo mal dazu nutzen sollte, gleich von Anfang an mein Risikopotential richtig auszunutzen – schlappe 53 Prozent ist das Ding nach der Bekanntmachung Microsofts hochgegangen, Yahoo für den lächerlichen Betrag von 44 Milliarden US-Dollar zu kaufen.

Unter uns: Das Ding ist mit Sicherheit schon in trockenen Tüchern. Dazu ist die gebotene Geldsumme intrigantisch hoch, Yahoo zu krank und der Konkurrenz zu oll. Und unterm Strich dürften sowohl Yahoo, als auch Microsoft kräftig von diesem Deal profitieren. Höchstwahrscheinlich zunächst auch ordentlich die Yahoo-Aktionäre, die ihre Papiere vermutlich zu goldenen Tarifen an Microsoft verkaufen und zu denen ich ja bekanntlicherweise nun nicht gehöre.. *grummel*

Der Wind bei Google wird “rauh”.

Zumindest so kann man es deuten, wenn man berücksichtigt, dass Google Geld verdient wie blöde und die Analysten von „verfehlten Erwartungen“ sprechen. 4,83 Milliarden US-Dollar Umsatz im vierten Quartal (!) und einen Nettogewinn von 1,12 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz ist um 51 % gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen, der Gewinn aber „nur“ um 17 Prozent, was Analysten entsprechend wohl in Panik versetzt.

Sollte uns alle interessieren. Denn wenn Google tatsächlich im Anzeigengeschäft irgendwann auf die Nase fällt, bekommen nicht nur die wackeren Jungs, die sich von sinkenden Pageranks blenden lassen, Probleme, sondern die halbe Web-2.0-Szene, die an AdSense hängt wie eine riesige Gebährmutter, deren Kinder zwar lachen und giggeln, aber außerhalb der warmen Zone kaum überlebensfähig sind. Sorry für den etwas unappetittlichen Vergleich, ist aber so.

[Input via Golem.de]

CD-WOW ist (anscheinend) wieder da.

Ehrlich gesagt: Ich wusste gar nicht, dass CD-WOW in der letzten Zeit nicht da war, aber jedenfalls kam Anfang der Woche nach langer Zeit wieder ein Newsletter, in dem CD-WOW verkündete, dass sie „wieder da“ seien. Man habe nun eine neue Geschäftsführung und nun würden auch die Probleme der letzten Zeit der Vergangenheit angehören.

Nun gut, haben wir zur Kenntnis genommen. Eigentlich hatte ich nie wirkliche Probleme mit CD-WOW, der seine CD-Preise deshalb so niedrig halten kann, in dem er die bestellten Waren aus dem fernen Singapur anliefern lässt und deshalb die deutsche/europäische Mehrwertsteuer umgangen wird. Das funktioniert bis Bestellungen von etwa 15 bis 17 Euro relativ problemlos, weil bis da hin der heimische Zoll nur im Ausnahmefall das Messer zum Öffnen des Briefumschlages zückt. Bei größeren Bestellungen ist jedoch die Chance hoch, dass die bestelle Ware erst einmal im heimischen Zollamt landet, dann auch noch eine Rechnung präsentiert werden und Einfuhrumsatzsteuer entrichtet werden darf. Die wackeren Jungs beim Zoll werden dann auch nicht müde, noch hinterherzuschicken, dass Musik-CDs nur für bestimmte Regionen der Welt lizenziert sein könnte.

Prall finde ich CD-WOW vor allem, weil meine staatliche Sammlung von Rabattcodes offenbar seltsamerweise immer wieder einmal wiederholt genutzt werden können. Merkwürdige Welt.

Combots streckt die Waffen.

Wie schnell sich doch der Planet dreht: Auch die Combots-Verantwortlichen haben es nun begriffen, dass es bereits funktionierende und auch schon proprietäre VoIP-Software gibt und es vielleicht tatsächlich keinen so rechte Sinn macht, hier zu konkurrieren, vor allem wenn man nicht konkurrenzfähiges hat. Schade, am Ende kosten solche Managementverirrungen letztendlich viel Nerven, eine Menge Geld und Arbeitsplätze.

Apple, willkommen in der Realität!

Hatten wir es nicht vor einigen Wochen genau davon? In einschlägigen Blogs und Diskussionsforen, die über Apple- und Mac-Produkte schreiben, fühlt man sich seit gestern von Apple-Chef Steve Jobs teilweise richtiggehend betrogen, weil Apple beschlossen hat, das iPhone nach rund 2 Monaten nicht mehr für geschlagene 600, sondern „nur“ noch für schlappe 400 US-Dollar verkaufen wolle. So manch Apple-Jünger fühlt sich nun veräppelt und sogar als teuer zahlender Beta-Tester, man könnte fast glauben, dass einige doch tatsächlich anfangen, den Glauben zu verlieren, zumal bei dieser Aussage Jobs:

„Das ist eben Technologie. Wenn sie es heute morgen gekauft haben, solllten sie dorthin zurückgehen, wo sie es gekauft haben und mit den Leuten dort reden. Wenn sie es vor einem Monat gekauft haben, tja, das passiert eben mit Technologie.“

Technologie?

Den Glauben eigentlich an was genau? An technisch innovative Produkte? Wohl kaum. An ein Lebensgefühl? Schon eher. An eine vor allem marketingbefeuerte Illusion mit modernem, grünem und umweltbewusstem Touch, aber aus den gleichen, miserablen Löchern aus Fernost? Wohl ziemlich genau. Ich glaube, mit dem iPhone hat Apple sehr treffend gemerkt, dass nicht jeder Markt nach der i-Strategie abzuernten ist und es nicht überall reicht, einfach nur ein schickes Gehäuse um eher mittelmäßige Technik herumzuwickeln. Sei es nun der iPhone-Akku, der nicht ohne weiteres austauschbar und offenbar unterdimensioniert ist, die zwanghafte Verheiratung eines Produktes mit einem Mobilfunkanbieter, die wohl gelegentlich nicht so richtig funktionierenden Displays, der bei Apple übliche, gigantisch lange Reparaturzyklus oder der hanebüchene Witz mit den teilweise viele Dutzend Seiten langen AT&T-Rechnungen, die als Pakete ausgeliefert werden und in denen wirklich jeder laue Wind, der mit dem iPhone über den Äther übertragen wird, verzeichnet ist, selbst wenn die meisten Rechnungsposten 0,00 US-Dollar mit Flatrates kosten. Das sind alles ziemlich peinliche Geschichten, bei denen man für gewöhnlich als Konsument nicht mehr überlegt, ob da mitgedacht wird, sondern ob man da nach Strich und Faden versenkelt wird.

Ausnahmslos jeder religiöse Fundamentalismus hat irgendwann eine Aufwachphase, in der man es leid ist, dass jeder offensichtliche Faux-Pax mit einer angeblich „noch großartigeren“ Lösung fad entschuldigt wird und die Huldigungen des selbsternannten Großmeisters für eher mäßig ausgestattete, aber innovativ teure Produkte satt hat. Auch Apple scheint nun so langsam an diesen Punkt zu kommen, bei dem seine Kunden langsam anfangen, sich zu fragen, was das eigentlich alles noch soll. Wäre gut. Angebliche Monokulturen nämlich mit dem Anspruch der Diversifikation aufrollen zu wollen und dann nichts anderes als Monokultur im Sinn haben, das kommt nicht auf Dauer und nicht überall gut.

Wie meinen?

Eigentlich relativ schlecht, als Pizzaservice zum einen eine schlechte Telefonanlage zu besitzen und dann auch noch zu Alice zu wechseln. Nun muss man alles am Telefon dreimal buchstabieren und es steht doch die Hälfte falsch auf dem Begleitzettel. Ob die wackeren Jungs, die das Geschäft nun seit über 15 Jahren machen, sich diesem eklatanten Problem ihres Hauptbestellweges bewusst sind?