Nachbetrachtungen zum Blog-Verkauf.

Ich hoffe, nun hat es dann wirklich der allerletzte Mensch im deutschsprachigen Dunstkreis der Blogosphäre mitbekommen, das Basic Thinking gestern den Besitzer gewechselt hat, immerhin für einen Betrag von rund 47.000 Euro. Das ist ein wackerer Betrag, über den ich gleich noch zu sprechen kommen möchte, aber zunächst sei dieses Geld mal Robert Basic herzlich gegönnt. Er wird es zwar noch massiv versteuern müssen, aber immerhin hat er eine Arbeitsleistung für einen annehmbaren Preis verkauft und das ist sein allerbestes Recht in einer Marktwirtschaft.

Über den Bohei, der dann um den Blog-Verkauf entstanden ist, kann man dann schon unterschiedlicher Meinung sein. Kurzum: Da hat es in jede Richtung Übertreibungen, grundlose Anfeindungen, alberne Scharmützel und Kindergartenkriege gegeben. Während eine Gruppe fast schon nasse Schlüpfer vor Glück bekommen haben, sind bei anderen wiederum ganz andere, fast schon neidisch klingende Töne aufgekommen und unterm Strich hat man viel über die Blogosphäre und die Menschen darin erfahren können. Nur in emotional starken Zeiten lernst du Menschen wirklich kennen.

Ich finde weiterhin nichts, aber auch wirklich gar nichts negativ daran, dass jemand ein von ihm produziertes Werk verkauft. Das machen Künstler so, das machen Autoren so, das macht jeder vernünftig bezahlte Arbeitnehmer so. Während Bezahlungen von Arbeitnehmern verhältnismäßig einfach über Tarifverträge, Zeiterfassungen, Leistungsbewertungen etc. kalkuliert werden können, ist es bei individuellen Produktionen dementsprechend komplizierter und eine öffentlich zugängliche Auktion, der alle erforderlichen Tatsachen und wirtschaftliche Informationen zu Grunde liegt, eine grundehrliche Vorgehensweise.

Ob Basic Thinking seine 47.000 Euro wert ist, ist dementsprechend Ansichtssache, die ich auch nicht wirklich sinnvoll beantworten kann. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein Blog ein eher „weiches“ Asset ist, weil ein Blog eine eher unsortierte Angelegenheit ist. Ein privates Weblog mit viel Blabla (das ist keine Abwertung, sondern als Beispiel zu verstehen) hat vermutlich praktisch keinen finanziellen, dafür einen erheblich höheren, ideellen Wert, während thematische Eingrenzung, professionelle Aufmachung, regelmäßige Veröffentlichungen, langjährige Existenz etc. einen finanziellen Wert darstellen können. Wie der Kaufwert für einen potentiellen Käufer aussieht, muss man im Einzelfall betrachten, wobei man sich hier im Klaren sein muss, dass der Käufer eher derjenige ist, der am wenigsten daran interessiert ist, die wahren Hintergründe der Öffentlichkeit zu erzählen.

Warum? Nun, sehen wir es mal aus einer eher bösen Perspektive: Wer für 47.000 Euro ein gut laufendes und reichweitenstarkes Medium kauft, kann das, wenn er betriebswirtschaftlich denkt, als Marketingmaßnahme betrachten und ausrechnen, dass er für den Preis eben eine komplette Publikation bekommt, während er mit diesem Geld in der klassischen Fernsehwerbung maximal vier 30-Sekunden-Slots in der Primetime eines Privatsenders platziert bekommt. Ob der neue Besitzer, der übrigens ein Tochterunternehmen des Hosters Intergenia AG ist, nun Basic Thinking weiterführt oder nicht und in welcher Ausrichtung, mit welcher Arbeitskraft und wie auch immer, ist eine Frage, die sich im Laufe der Monate klärt. Eine gestern veröffentlichte Pressemeldung ist erst einmal eine Pressemeldung und grundsätzlich abgebrühte PR. Das man da behauptet, dass man dickster Fan von Robert Basic war und ist und alles dafür tun wolle, dass das Ding weiterläuft, ist PR-Einmaleins. Was sollten sie schon anderes schreiben, wenn sie sich nicht zum Affen machen wollen? Wobei deren PR durchaus auch überarbeitungswürdig ist, wenn sie tatsächlich behauptet haben, dass für sie die Schmerzgrenze bei 100.000 Euro lag. Einerseits Visionen-Crap in einer Pressemeldung zu verkochen und dann in einer Äußerung die monetären Rahmenbedingungen darzulegen, ist unschicklich. Der geneigte Leser mag darüber nachdenken, warum.

Ein anderes Argument, was ich gestern in Twitter aufgeschnappt habe, war die Aussage, dass Robert Basic sich derzeit unheimlich gut verkauft. Das ist ein klassisches Mißverständnis, denn Verkaufen und Publicity sind zwei gänzlich unterschiedliche Dinge. Ein guter Verkäufer macht etwas sehr Langfristiges, denn er platziert ein Produkt, sucht potentielle Empfänger, macht diesen Leuten das Ding schmackhaft, verkauft es im Idealfall und ist auch ein Ansprechpartner danach. Publicity wiederum ist eine rein emotionale Geschichte, die schnell anfängt und genauso schnell wieder endet. Gute Verkäufer sind nicht die Menschen, die als Herr Kaiser in der Fernsehwerbung stehen (und gar keine Versicherungsvertreter sind), sondern das sind diejenigen, die die Strippen so halten und ziehen, dass es keiner merkt, aber dennoch jeder ein gutes Gefühl dabei hat. Wenn erst einmal das Scheinwerferlicht des Dummbeutelfernsehens eingeschaltet ist, ist man auf einem bestimmten Strang, der von bestimmten, professionellen Kreisen entfernt.

Von daher gesehen ist der Verkauf von Basic Thinking eine erstaunliche und für Robert Basic sicherlich eine schöne Sache, die jedoch weitgehend alleinstehend ist. Ich bin da ehrlich: Das Asset mit Basic Thinking ist nicht so hart, wie man es oberflächlich betrachten mag und der Käufer macht als „Blogging-Branchenfremder“ für mich nicht den Eindruck, als ob da etwas weitergeführt werden soll, sondern dass da eine Marke transformiert werden und letztendlich eine Werbeplattform für das eigene Unternehmen gebildet werden soll.

Wie auch immer, das ist ihr gutes Recht und dazu haben sie nun alle Rechte. Dass sie sich jetzt bemühen müssen, die Authentizität von Basic Thinking zu erhalten, die ursprünglich aus einer bekannten Person bestand und nun wohl aus einem Team gebildet werden soll, dürfte eine sehr harte Arbeit werden. Ich persönlich glaube nicht, dass das funktioniert.

Ein Gedanke zu „Nachbetrachtungen zum Blog-Verkauf.

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