Das Corporate Weblog als Verkaufsraum.

Bei all dem Bohei, das wir drüben im Gerstelblog, dem Corporate Weblog des Pforzheimer Autohauses Gerstel, machen, blieb immer eine Frage etwas schmerzhaft unbeantwortet: Haben wir es jemals geschafft, ein Auto über das Blog zu verkaufen? Okay, zweifellos wertvolle Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung in Social-Media-Netzwerken hin oder her, aber gefährlich wird immer die ultimative Frage: Können wir mit Social-Media-Aktivitäten nachvollziehbar einen direkten, hochwertigen Lead generieren, der dann im Verkaufsprozess auch tatsächlich landet?

Ich war immer davon überzeugt, dass das geht. Als Realist weiß ich allerdings, dass es dazu ein paar Dinge braucht, in etwa sogar in dieser Reihenfolge:

  • Ein Unternehmen, dass ein Corporate Weblog will und auch daran arbeiten kann.
  • Ein echtes Standing aller Chefs und Mitarbeiter zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Marke.
  • Der unbedingte Wille zur direkten Öffentlichkeitsarbeit.
  • Atem. Viel Atem.
  • Ein vernünftiges, rational und emotional aufladbares Verkaufsprodukt.
  • Eine Geschichte drumherum.
  • Ein passendes Wording.
  • Blitzschnelle Reaktion auf einen Lead.

Et voilà: Das erste echte Gerstelblog-Auto, ein Opel Adam.

How we did it.

Beim Autohaus Gerstel hat es eine Weile gedauert, bis es zum ersten direkten Lead in Sachen Autoverkauf kam. Es gab zwar schon in den vergangenen Monaten immer wieder Leads, die aus dem Internet und dem näheren Gerstelblog-Umfeld zu kommen scheinten, allerdings haperte es vor allem an einer Sache: An einem emotional aufladbaren Verkaufsprodukt. Einen Opel emotional aufzuladen, das ist ein Herkules-Job, den leider viele Autohändler – meine Einschätzung – weitgehend aufgegeben haben.

Dabei ist in den letzten drei Jahren, in denen ich die Marke Opel von Berufswegen ja recht genau beobachte, gewaltiges dort passiert.

  • Ein großes Stück der Krise der Automobilindustrie ist über General Motors und Opel hereingebrochen und während sich die anderen großen Marken mit der Automobilkrise jetzt dann beschäftigen dürfen, hat Opel dieses Thema zu einem großen Teil schon durch.
  • In den vergangenen Monaten kamen eine Reihe von neuen Modellen auf den Markt, die sich sehen lassen können: Der Opel Ampera als funktionierendes Elektrofahrzeug, der Opel Astra GTC als flotter (und leider viel zu wenig beachteter) Flitzer, der Opel Mokka als günstiger SUV, der Opel Cascada als Cabriolet und eben der Opel Adam als Lifestyle-Fahrzeug im Segment des Mini One, des Fiat 500, des VW Up und des Citroen DS3.

Gerade der Opel Adam ist ein spannendes Auto, weil in diesem Segment, in dem dieses Auto positioniert ist, einiges sehr anders läuft. Einen Mini One kauft man nicht wegen eines günstigen Preisleistungsverhältnisses, sondern weil man so ein Auto offensichtlich haben will, egal was es unterm Strich dann kostet. Das Auto ist in diesem Lifestyle-Segment nicht einfach nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein Stilelement. Hier braucht es im Fahrzeugverkauf weniger den Ingenieur, der die Motorentechnik auf dem Effeff erklären kann, sondern eher den Berater, der sich mit dem Lifestyle des potentiellen Interessenten auseinandersetzen kann.

Dieses Auto lässt sich emotional aufladen und zwar bestens. Als kleiner „Herzensbrecher“, als „urbanes Stadtauto“, als „Abschleppwagen“, „klein und oho„, als „Baby-Opel“. Als defensiv wirkendes Kleinauto mit einem sympathischen Aussehen und vielen Individualisierungsmöglichkeiten gibt diese Karre Raum, es lieb zu haben. Damit muss man erst einmal klarkommen, wenn man lange Jahre Autos verkauft hat, die quasi den Standard in Sachen langweilige Autos definierten.

Aber dann? Ein solches Auto und eine solche Marke wie Opel nimmt einem Emotionen und auch gut gewürzte Ironie nicht übel – ganz im Gegenteil. Das entsprechend positionierte Auto steht mittendrin und streckt dabei – sinnbildlich gesehen – die Zunge heraus. Und das erzeugt wiederum genau die Menge an Sympathie, die den Kreis wieder schließen lässt.

Nachbetrachtungen zum Blog-Verkauf.

Ich hoffe, nun hat es dann wirklich der allerletzte Mensch im deutschsprachigen Dunstkreis der Blogosphäre mitbekommen, das Basic Thinking gestern den Besitzer gewechselt hat, immerhin für einen Betrag von rund 47.000 Euro. Das ist ein wackerer Betrag, über den ich gleich noch zu sprechen kommen möchte, aber zunächst sei dieses Geld mal Robert Basic herzlich gegönnt. Er wird es zwar noch massiv versteuern müssen, aber immerhin hat er eine Arbeitsleistung für einen annehmbaren Preis verkauft und das ist sein allerbestes Recht in einer Marktwirtschaft.

Über den Bohei, der dann um den Blog-Verkauf entstanden ist, kann man dann schon unterschiedlicher Meinung sein. Kurzum: Da hat es in jede Richtung Übertreibungen, grundlose Anfeindungen, alberne Scharmützel und Kindergartenkriege gegeben. Während eine Gruppe fast schon nasse Schlüpfer vor Glück bekommen haben, sind bei anderen wiederum ganz andere, fast schon neidisch klingende Töne aufgekommen und unterm Strich hat man viel über die Blogosphäre und die Menschen darin erfahren können. Nur in emotional starken Zeiten lernst du Menschen wirklich kennen.

Ich finde weiterhin nichts, aber auch wirklich gar nichts negativ daran, dass jemand ein von ihm produziertes Werk verkauft. Das machen Künstler so, das machen Autoren so, das macht jeder vernünftig bezahlte Arbeitnehmer so. Während Bezahlungen von Arbeitnehmern verhältnismäßig einfach über Tarifverträge, Zeiterfassungen, Leistungsbewertungen etc. kalkuliert werden können, ist es bei individuellen Produktionen dementsprechend komplizierter und eine öffentlich zugängliche Auktion, der alle erforderlichen Tatsachen und wirtschaftliche Informationen zu Grunde liegt, eine grundehrliche Vorgehensweise.

Ob Basic Thinking seine 47.000 Euro wert ist, ist dementsprechend Ansichtssache, die ich auch nicht wirklich sinnvoll beantworten kann. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein Blog ein eher „weiches“ Asset ist, weil ein Blog eine eher unsortierte Angelegenheit ist. Ein privates Weblog mit viel Blabla (das ist keine Abwertung, sondern als Beispiel zu verstehen) hat vermutlich praktisch keinen finanziellen, dafür einen erheblich höheren, ideellen Wert, während thematische Eingrenzung, professionelle Aufmachung, regelmäßige Veröffentlichungen, langjährige Existenz etc. einen finanziellen Wert darstellen können. Wie der Kaufwert für einen potentiellen Käufer aussieht, muss man im Einzelfall betrachten, wobei man sich hier im Klaren sein muss, dass der Käufer eher derjenige ist, der am wenigsten daran interessiert ist, die wahren Hintergründe der Öffentlichkeit zu erzählen.

Warum? Nun, sehen wir es mal aus einer eher bösen Perspektive: Wer für 47.000 Euro ein gut laufendes und reichweitenstarkes Medium kauft, kann das, wenn er betriebswirtschaftlich denkt, als Marketingmaßnahme betrachten und ausrechnen, dass er für den Preis eben eine komplette Publikation bekommt, während er mit diesem Geld in der klassischen Fernsehwerbung maximal vier 30-Sekunden-Slots in der Primetime eines Privatsenders platziert bekommt. Ob der neue Besitzer, der übrigens ein Tochterunternehmen des Hosters Intergenia AG ist, nun Basic Thinking weiterführt oder nicht und in welcher Ausrichtung, mit welcher Arbeitskraft und wie auch immer, ist eine Frage, die sich im Laufe der Monate klärt. Eine gestern veröffentlichte Pressemeldung ist erst einmal eine Pressemeldung und grundsätzlich abgebrühte PR. Das man da behauptet, dass man dickster Fan von Robert Basic war und ist und alles dafür tun wolle, dass das Ding weiterläuft, ist PR-Einmaleins. Was sollten sie schon anderes schreiben, wenn sie sich nicht zum Affen machen wollen? Wobei deren PR durchaus auch überarbeitungswürdig ist, wenn sie tatsächlich behauptet haben, dass für sie die Schmerzgrenze bei 100.000 Euro lag. Einerseits Visionen-Crap in einer Pressemeldung zu verkochen und dann in einer Äußerung die monetären Rahmenbedingungen darzulegen, ist unschicklich. Der geneigte Leser mag darüber nachdenken, warum.

Ein anderes Argument, was ich gestern in Twitter aufgeschnappt habe, war die Aussage, dass Robert Basic sich derzeit unheimlich gut verkauft. Das ist ein klassisches Mißverständnis, denn Verkaufen und Publicity sind zwei gänzlich unterschiedliche Dinge. Ein guter Verkäufer macht etwas sehr Langfristiges, denn er platziert ein Produkt, sucht potentielle Empfänger, macht diesen Leuten das Ding schmackhaft, verkauft es im Idealfall und ist auch ein Ansprechpartner danach. Publicity wiederum ist eine rein emotionale Geschichte, die schnell anfängt und genauso schnell wieder endet. Gute Verkäufer sind nicht die Menschen, die als Herr Kaiser in der Fernsehwerbung stehen (und gar keine Versicherungsvertreter sind), sondern das sind diejenigen, die die Strippen so halten und ziehen, dass es keiner merkt, aber dennoch jeder ein gutes Gefühl dabei hat. Wenn erst einmal das Scheinwerferlicht des Dummbeutelfernsehens eingeschaltet ist, ist man auf einem bestimmten Strang, der von bestimmten, professionellen Kreisen entfernt.

Von daher gesehen ist der Verkauf von Basic Thinking eine erstaunliche und für Robert Basic sicherlich eine schöne Sache, die jedoch weitgehend alleinstehend ist. Ich bin da ehrlich: Das Asset mit Basic Thinking ist nicht so hart, wie man es oberflächlich betrachten mag und der Käufer macht als „Blogging-Branchenfremder“ für mich nicht den Eindruck, als ob da etwas weitergeführt werden soll, sondern dass da eine Marke transformiert werden und letztendlich eine Werbeplattform für das eigene Unternehmen gebildet werden soll.

Wie auch immer, das ist ihr gutes Recht und dazu haben sie nun alle Rechte. Dass sie sich jetzt bemühen müssen, die Authentizität von Basic Thinking zu erhalten, die ursprünglich aus einer bekannten Person bestand und nun wohl aus einem Team gebildet werden soll, dürfte eine sehr harte Arbeit werden. Ich persönlich glaube nicht, dass das funktioniert.

Basic Theater.

Ja, ich weiss, es ist basic nicht gut, andauernd „Basic“ im Titel zu haben, aber es wird dann schon langsam basic dämlich in unserem kleinen Hinterzimmer, das wir „Blogosphäre“ nennen. Und das alles nur, weil Herr Basic sein Blog verkauft. Ja, perfekt, soll er tun! Das ist sein Recht als Inhaber für das von ihm Geschriebene und wenn er es für gutes Geld verjubelt bekommt, dann ist ihm das von Herzen gegönnt. Immerhin muss er diesen Verkauf auch ordentlich versteuern und spätestens dann hat auch die Gesellschaft etwas davon – wenn man ihm schon unterstellt, dass er käuflich sei.

Dieser Vorwurf haut dann sogar mich um. Ist denn ein Blogger bitteschön nicht schon dann käuflich, wenn er Google-Banner auf seine Homepage pappt und einige Cent verdient? Oder sich als Werbeschlampe für so Dienste wie Trigami hinstellt und über Dinge „aus Erfahrung“ berichtet, für deren Meinung man sich bezahlen lässt, obwohl dem Anbieter die Meinung relativ schnurzegal ist, weil er nur den Link aufs Angebot braucht? Wer aus der kalten Welt in die warme Blogosphäre eintritt und das Wort „Moral“ mit hereinschleppt, der sollte damit ganz, ganz vorsichtig umgehen. Zu schnell geht dabei Porzellan kaputt, das selbst nur werbefinanziert daherkommt.

Sorry, nein. Was jemand mit seinem Blog am Ende macht, das kann dem Leser völlig egal sein. Er kann es weiterlesen, wenn das Blog weitergeführt wird oder er kann auch einfach mit dem Lesen aufhören – die größtmögliche Freiheit, die es gibt. Kein zu bezahlendes Abo, nichts. Und wenn um den Verkauf von Basic Thinking nun so ein Heiderassa stattfindet (zumal medienmäßig zur Zeit Saure-Gurken-Zeit ist und man als Journalist alles dankbar nimmt, was bei drei nicht auf dem Baum ist), dann soll es so geschehen. Dabei ist es mir völlig egal, ob Robert Basic ein begnadeter Schreiber ist, ein Chaot oder jemand, der in Wirklichkeit kein Mensch, sondern ein rosaroter Hase mit Duracell-Batterien im Rücken ist.

Robert Basic verkauft und alle machen mit.

Eigentlich ja zum Schießen: Robert Basic zelebriert das Verjubeln seines Blogs öffentlich, dominiert damit vermutlich wie seit langem nicht mehr die Nachrichtenlage in der Blogosphäre, will sich jetzt auch noch den Verkaufstext von der Leserschaft absegnen lassen, sogar SPIEGEL Online schreibt über den Zirkus und offensichtlich keiner merkt mehr, wie albern das jetzt alles wird.

Nicht, weil basicthinking.de nicht verkaufsfähig wäre (das ist letztendlich eine rein monetäre Frage, die aus der Einnahmensituation und der Ausbaufähigkeit heraus kalkuliert werden kann), sondern weil wie im Affenkäfig darüber diskutiert wird, ob man ein Lebensgefühl (ja, das ist ein halbwegs privates Blog immer noch) verkaufen kann.

Kann man nicht? Ganze Fußgängerzonen stehen mit Waren voll, die teilweise billigst gemacht sind, als Pullover nicht wärmen, als Schuhe nicht trocken halten, als Kosmetikartikel nicht das Altern verhindern und so weiter und so fort. Aber sie werden gekauft, weil man sich gern ein Label auf die Brust schnallt und damit das Lebensgefühl kauft. Also funktioniert genau dieses Prinzip auch mit einem Blog. Ob es Sinn oder Unsinn macht, ist da zuerst einmal völlig nebensächlich.

Das Problem bei solchen Monsterverkäufen wird sein, dass der Mammon die Qualität ausschlägt. Ich kalkuliere als grundlegende Basis ein Webprojekt nach den Einnahmen, die sich aus den letzten drei Monaten auf drei Jahre hochrechnen lassen. Ohne jetzt wirklich zu wissen, was basicthinking.de monatlich abwirft, darf ich doch leise vermuten, dass sich das auch der engagierteste Blogger wohl kaum leisten wird können und dass man mit so einem Businesskonzept als Privatblogger eher auch keine Finanzierung bei der Hausbank bekommt.

Und damit beantwortet sich auch weitgehend die Frage, weshalb ein privates A-Blog weitgehend unverkäuflich wird, wenn man tatsächlich als Verkäufer den Anspruch ansetzen will, dass es in „gute“ Hände kommt. Denn wollte man das wirklich, würde man es nicht verkaufen wollen.

Delikates Thema mit offenem Ende. Möglicherweise begreifen es bis dahin dann doch noch einige Blogger, dass sie mit ihrer Zirkusteilnahme sich an sich nur als kostenlose Werbehasis einspannen lassen.

Interessent für einen gebrauchten MDA Pro?

Das hat kommen müssen, ich weiss. 😉

Bevor ich das Ding bei eBay einstelle, probiere ich das einfach einmal im Blog und frage die geneigte Leserschaft. Der MDA Pro ist etwas über zwei Jahre alt, hat bekanntlicherweise Windows Mobile 6.1 onboard und ist soweit gut erhalten. Links unten hat er eine kleine Macke und rechts hinten sieht es nach einem Gehäusebruch aus, was aber kein Gehäusebruch ist (habe ich mit der Lupe geprüft, kein Riss, sondern nur eine übliche Belastungsstelle, weshalb der „Lack ab“ ist). Herstellergarantie gibt es keine mehr.

Ansonsten: Das Display ist tipptopp, alle Tasten funktionieren, der Kartenleser nimmt auch SDHC-Karten, der Stift ist vorhanden, ebenso Headset (noch nie gebraucht), Ladekabelgedöhns, Handbücher, Lederschuber und gar die Originalverpackung. Meine 4-GB-SD-Karte ist hier auch noch dabei. Das Gerät ist selbstverständlich sim- und netlock-frei und funktioniert mit alle Netzen, auch wenn noch T-Mobile draufsteht (was man abrubbeln könnte, wenn man wollte).

Wer Interesse hat, möge einfach mal besim (ät) karadeniz (pünktchen) de schreiben. Sicherlich kann man auch mal ein Treffen mit Vorführung machen, falls Interesse besteht.