• Von Obama lernen heißt nicht, ihn zu kopieren.

    Ich glaube, da mißverstehen einige Wahlkampfstrategen eine Sache ganz gewaltig: Einen erfolgreichen Online-Wahlkampf macht man nicht dadurch, in dem man einen anderen, erfolgreichen Wahlkampf optisch kopiert. Das sollte mal jemand dem Team von Dieter Althaus sagen, dessen Website dem großen Original von Barack Obama wie aus der Photoshop-Vorlage geschnitten ist. Allein das ist schon albern genug, denn wenn ein Ministerpräsident freiwillig auf den Werbepfaden eines US-Präsidenten wandelt, dann ist der Begriff „Größenwahn“ noch einer der freundlicheren Anmerkungen hierzu. Der fast schon liebevoll-spielerische Einsatz der deutschen Rechtschreibung (stellvertretend das „Triff Dieter Althaus“ anstatt korrekterweise ein „Treffe Dieter Althaus“) setzt immerhin noch eigene Akzente, wenn auch kleine.

    Das alles ist es aber nicht. Barack Obama hat online nicht mit seinem schicken Website-Design gewonnen und in erster Linie auch nicht mit seinen Web-2.0-Aktivitäten, sondern mit dem geschlossenen Bereich namens „MyBO“, in das man erst nach einer Registrierung hineinkommt und das mit einer Software namens Partybuilder eine Vernetzung der registrierten Benutzer auf internationaler bis regionaler Ebene ermöglicht, quer nach politischen Interessen, Geschlechtern, Herkunft. Diese Vernetzungen waren dann auch die Basis für politische Treffen von teilweise wildfremden Menschen, die auf diese Weise aber genau das machen konnten, was eine Partei ausmacht, nämlich die politische Diskussion fördern und kanalisieren. Der Name „Partybuilder“ ist also nicht einfach der Name des Programms, sondern es ist das Programm. Von Ansätzen dieser Idee ist im deutschsprachigen Raum – mit Ausnahme von meineSPD.net, das allerdings auch noch stark ausbaufähig ist – nicht wirklich viel zu sehen.

  • Damit wir es nicht vergessen.

    Aus dem SPIEGEL dieser Woche (12/2009) im Artikel „Surfen mit Stoppschild“ auf Seite 163:

    „Tatsächlich melden im Windschatten der Von-der-Leyen-Initiative unterschiedlichste Gruppen Begehrlichkeiten an. Das Innenministerium in Hessen lud Internet-Anbieter bereits zum Gespräch über die Sperrung illegaler Glücksspielseiten, die Kommission für Jugendmedienschutz bestellte sie zuletzt zweimal ein, um über die Blockade „jugendschutzrelevanter“ Seiten zu sprechen. Und die Musikindustrie wirbt zum besseren Schutz ihrer Urheberrechte statt für Sperren sogar für Platzverweise: Im Justizministerium plädierte die Branche unlängst für die französische Lösung. Dort werden die Nutzer bei illegalen Download-Versuchen zunächst verwarnt, beim nächsten Versuch wird ihre Internet-Verbindung für einen Monat lahmgelegt.“

    Und:

    „Hilfe erhält sie [Ursula von der Leyen] vom Innenminister. ‚Kinderpornografie ist abscheulich‘, sagt Schäuble. ‚Wir sollten mit vereinten Kräften dagegen vorgehen, anstatt mit juristischen Spitzfindigkeiten den Eindruck zu erwecken, unsere Verfassung schütze Kinderpornografie. Das ist doch absurd.‘

    Wir müssen weiterhin aufmerksam bleiben, das Geschwür wuchert unaufhaltsam weiter.

  • Blogs aus der Region (13).

    Und nochmal zwei Blogs aus Pforzheim & Enzkreis eingeschenkt:

    Netterweise kommen so langsam auch schon die ersten Wünsche auf Eintragung in die Liste. Das ist zu begrüßen, ich finde leider trotz ausgefeilter Suche nicht immer alle Blogs aus der Region und bin mir ziemlich sicher, dass da noch eine Reihe von Blogs darauf warten, verlinkt zu werden. Aufnahmewünsche bitte einfach an besim (ät) karadeniz (pünktle) de mailen.

  • SPIEGEL ONLINE für Content-Jäger.

    Für Leute, die nichts zu Schreiben haben, aber Content machen müssen, hat SPIEGEL ONLINE nun die ultimative Lösung und bietet einen ganzen Stall von Widgets an, die man sich wirklich überall hin kleben kann. Die Widgets für Blogs werden über Netvibes ausgestattet, was schon mal nicht ganz so verkehrt ist.

    Die zu klärende Frage ist jedoch eine andere: Wer will sich freiwillig einen Newsstream von SPIEGEL ONLINE ins Blog hängen und damit punkten? Irgendwie am Thema vorbei, wenn die unumstritten größte Nachrichten-Website im deutschsprachigen Raum per Blog-Widgets auf sich aufmerksam machen will. Mit Ausnahme von SPAM, das ist notwendig.

  • Finde den Fehler!

    Aus einem Interview des Pforzheimer Kuriers (Lokalausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten) mit Hans-Peter Uhl, Innenexperte der CSU:

    Pforzheimer Kurier: Sollte man es nach den Erfahrungen von Erfurt und Winnenden verbieten, Munition zu Hause aufzubewahren?

    Uhl: Man fragt sich natürlich bei dem Vater des Amokläufers, warum er 4.600 Schuss zu Hause hat. Wozu braucht er ein derartiges Waffenarsenal und diese Munitionisierung? Mein Vorschlag geht in eine andere Richtung: Der unsägliche Konsum von gewaltverherrlichenden Killerspielen stellt eine erhebliche Gefahr dar. An diesem Punkt muss man ansetzen.

  • Da sind wir wieder bei den Killerspielen.

    Es war klar wie der Sonnenschein am heutigen Tage, dass von der Moralfraktion, die Kinder am liebsten bibellesend im Trachtenanzug in der so genannten guten Stube sehen, anstatt vor dem Computer, wieder der Ruf nach Verbot von so genannten Killerspielen kommt. So als ob ein Verbot irgendjemanden wirklich interessieren würde und im übrigen nicht wirklich durchsetzbar und schon gar nicht kontrollierbar ist.

    Wir müssen eigentlich nicht wirklich darüber diskutieren, dass der Kollege Computer bzw. die Kollegin Spielekonsole wohl kaum dazu da sind, Erziehungsmängel von Eltern zu ersetzen. Wir müssen viel eher darüber diskutieren, dass es höchst bedenkliche Menschen gibt, die kiloweise Waffen und Munition im Haus für so genannte sportliche Zwecke horten und auch noch so abgebrüht sind, ihre Kinder mit Freunden zum sportlichen Ballern mit in den Schießclub zu nehmen.

    Ein Beispiel aus Pforzheim: Anscheinend sind in einem Schülerforum Fotos von Schülern aus einer Pforzheimer Schule aufgetaucht, in denen sie mit Waffen hantierend fotografiert wurden. An sich schon mal ein relativ geschmackloser Vorgang. Der eigentliche Skandal ist jedoch, wie es zu diesen Fotos kam, denn ein Familienvater hat kurzerhand die Geburtstagsparty seines Sohnes in den Schützenverein verlegt und dort mal munter die Kids ballern lassen.

    Das, liebe Herrschaften, sind Verbrecher, nicht Computerspiele, die zum einen sowieso nicht im Handel frei erhältlich sind und zu einem großen Teil auch nur das simulieren, was die Gesellschaft und der Staat selbst mit Kriegen betreiben. Niemand in diesem Land braucht als Privatperson ein Schießeisen unter dem Kopfkissen und wer glaubt, dass er sowas zur „Brautumspflege“ braucht, wie es gerade bei uns in Süddeutschland gern gehandhabt wird, sollte sich dabei gut überlegen, was er da seinen Kinder für Vorstellungen und Werte ins Weggepäck packt. Denn im Gegensatz zu Kollege Computer bzw. Kollegin Spielekonsole ist es ein ganz anderes Ding, wenn Papi das Ballern im eigenen Haus als Sport verkauft, dann auch noch das Zeug teilweise so lagert, wie seine Unterhosen und offenbar auch noch vergisst, sein Kind zu einem Bürger zu erziehen.

  • Blogs aus der Region (12).

    Zwei weitere Blogs gibt es für die Übersicht der Blogs aus der Region Pforzheim & Enzkreis. Zum einen ist dies das Weblog von Andrew W. Hilkowitz, dessen Namen sehr viele Pforzheimer sicherlich aus seiner unermüdlichen Tätigkeit für die jüdische Gemeinde kennen. Und zum anderen kommt das Weblog von Gaetano Marrone hinzu, einem SPD-Kandidaten für die Pforzheimer Gemeinderat, der mit seinem Blog einen bemerkenswert guten und authentischen Wahlkampfansatz fährt.

  • Google AdSense mit enthülltem Ariadnefaden.

    Der Ariadnefaden, den der gemeine Websurfer so durch sein Online-Leben zieht, wird nun – naja, nicht wirklich mehr größer, sondern eher deutlicher. Und offenbar muss Google nun mit deutlich mehr Mühe seine Schäfchen im Trockenen behalten. So von wegen „don’t be evil“.

    Fakt ist, dass AdSense-Nutzer heute Elektropost bekommen haben, in denen folgendes lapidar befohlen wird:

    „Aufgrund dieser Einführung ist es erforderlich, dass Sie die Datenschutzbestimmungen Ihrer Website überprüfen und gegebenenfalls ändern.“

    Worum geht es? Um Ausnutzung der Business Intelligence, die Google mit AdSense dadurch ermittelt, in dem auf praktisch jedem halbwegs lesbaren HTML-Furz im Web ein AdSense-Banner hängt. Diese im ganzen Web verlegten Tretminen zeichnen nämlich durch ihre benutzereindeutige Verankerung mit, wo ein Benutzer im Laufe seines Online-Tages alles hinsurft. Und genau diese gesammelten Informationen will Google nun auch dazu nutzen, den Inhalt für AdSense-Banner auf den folgenden, zu besuchenden Seiten zu spezifizieren.

    Beispiel: Ein Benutzer war auf zehn Websites mit Autozubehör. Wenn es auf diesen Websites AdSense-Werbebanner gab, wird AdSense höchstwahrscheinlich autospezifische Werbeinhalte präsentiert haben. Geht nun der Benutzer nach dem Besuch dieser zehn Websites auf eine Website mit Kochrezepten, will Google nun nicht einfach dort kontextsensitive Banner zum Thema Kochrezepte anzeigen dürfen, sondern vielleicht weiter autospezifische.

    Technisch ausgeführt wird das wie üblich mit Cookies, die im Browser des Benutzers gesetzt werden wollen und eine eindeutige Benutzeridentifikation darstellen. Interessanterweise macht Google das nun aber nicht mehr allein, sondern mit einem altbekannten Partner im Werbe-Profiling, nämlich mit DoubleClick. Von dort wird nämlich nun auch ein Cookie gesetzt bzw. abgefragt, wenn ein AdSense-Banner geladen wird. Und mit DoubleClick haben da nun zwei der größten (wenn nicht gar die beiden größten) Bannerverchecker eine gar wundervolle Zusammenarbeit zur Fast-Perfektion gebracht.

    Also, lieber Websurfer, bitte nicht wundern, wenn deine Frau/Freundin sich bei dir beschwert, dass nach dem Start des Webbrowsers eindeutige Inhalte in AdSense-Bannern erscheint: Möglicherweise ist nicht Google daran schuld, sondern du selbst, der vorher auf Ferkel-Websites gegangen bist.

  • Zurück nach Gestern.

    Mein HTC Touch Pro muss leider auf eine Reise, nämlich in die Werkstatt zu einer Garantiereparatur. Leider haben sich in den letzten Wochen einige Schwächen mit dem Bildschirm gezeigt, über die mal ein technisch Versierter schauen muss, nachdem das auch die HTC-Hotline empfohlen hat. Und bei der Gelegenheit sollen die Fachleute auch gleich mal schauen, was es mit dem Bluetooth-Problem auf sich hat, denn das besteht im Zusammenhang mit der Freisprecheinrichtung meines Autos immer noch.

    So muss meine SIM-Karte also vorübergehend in ein Ersatzgerät und das ist vorläufig mein wenig eingesetzte Diensttelefon, ein uraltes, aber noch voll funktionsfähiges Siemens S55 und das ist wirklich mehr als retro: Bildschirmauflösung von 101 mal 80 Pixel, der doch immerhin schon 256 Farben anzeigen kann, ein Megabyte (!) Speicher für Bilder und Java-Programme, die Möglichkeit, eine externe Kamera anzuschließen, aber immerhin eine doch ganz erstaunlich funktionale Benutzerführung. Der Formfaktor ist allerdings nach wie vor aktuell, es bewegt sich von der Größe her im Rahmen, in denen sich auch heutige Mobiltelefone bewegen – kleiner geht es halt kaum noch. Nähere Informationen gibt es in der Wikipedia zum Siemens S55.

  • Der Bundesinnenminister als Flankenschutz.

    Inzwischen kann man den Kalender danach stellen. Irgendwo in der Republik ticken Jugendliche durch und dann sind es die bösen™ Killerspiele, die offenbar ein verstecktes Gen aktivieren und aus Schläfern Terroristen machen. Und wenn man einfach Killerspiele verbietet (wobei nicht ganz klar ist, wie man das eigentlich bewerkstelligen könnte, wenn man wollte und wenn man dürfte), wird die Welt besser und wir können alle gesund sehr alt werden – ohne die gefährlichen Killerkinder.

    Litaneien, die unser Bundesinnenminister immer gern auflegt, wenn er eigentlich nichts weiß. Und ja, wir regen und alle herzlich gern darüber auf. Und das Hübsche dabei ist: Das ist sogar richtig gut für die Bundesregierung, denn diese punktgenau gesetzten Polemisierungen und Rufe nach Law-and-Order lenken ab und bändigen die kochende Volksseele – bevor es die rechten Sektierer tun.

    Im Nachhinein betrachtet war der Meister dieses Flankenschutzes nach Rechts uneinholbar Otto Schily. Wohl kein Politiker vor ihm hat es so galant geschafft, in seiner politischen Haltung von ganz weit rechts nach sturzkonservativ zu wechseln. Allerdings hatte Otto Schily bei dieser Maskerade selten wirklich nicht deutlich werden lassen, dass er sich in der Rolle des Oberbrüllers in Extremsituationen sehr langweilen konnte und dann sehr flapsig bis arrogant daherkam. Anwaltische Kommunikationsform.

    Das sei den Bundesinnenministern an dieser Stelle fast schon verziehen, denn sie haben ihren Zweck zu erfüllen. Politisch im Normalzustand eher etwas abgeregelt (was will man als Bundesminister auch zur Polizei sagen, wenn diese weitestgehend eh in die Zuständigkeit der Länder fallen und man sich noch nicht mal gleichzeitig auf eine einheitliche Uniformfarbe einigen kann), im Ernstfall dann aber freie Hand, publikumswirksame Rufe nach harter Kante und damit Flankenschutz nach Rechts und Absicherung der/des Kanzler(in), die/der sich auf das Mitgefühl mit den Angehörigen beschränken kann.

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