Lösung zur dritten Staffel von Kommissarin Lund.

Mit einem Tag Verzögerung habe ich nun auch die letzte Folge der dritten und letzten Staffel von Kommissarin Lund – im dänischen Original Forbrydelsen genannt – angeschaut. Und wie vermutlich die meisten Zuschauer hat mich das Ende ebenfalls etwas verstört zurückgelassen. Es gibt nicht viele Krimis, die das zumindest bei mir schaffen. Aber weil ich ja schon mal die komplette Lösung für die erste Staffel hier im Blog aufzeichnete und entsprechende Suchanfragen am gestrigen Montag so gewaltig hoch waren, hier eine Schnellzusammenfassung und die Conclusion der dritten Staffel. Wie üblich wurde der eigentliche Mörder zwar schon in der letzten Folge aufgelöst, die ganzen verwobenen Geschichtsstränge sind allerdings nicht ganz einfach zu entwirren.

Achtung, SPOILER! Der folgende Text ist in weißer Schrift auf weißem Grund, bitte einfach den folgenden Text markieren, um ihn lesen zu können. Wer diesen Artikel als Feed liest, schnell wegblenden, wenn er die Lösung nicht wissen will.

  1. Der Mörder des 13-jährigen Mädchens Louise Jelby aus dem Kinderheim war Niels Reinhardt, der Sicherheitsberater von Zeeland-Chef Robert Zeuthen und der Chef der Kinderstiftung von Zeeland. Offenkundig scheint dieser eine pädophile Vergangenheit zu haben, die sich andeutet, allerdings nicht beweisen lässt (zur Schuldfrage weiter unten noch eine Anmerkung).
  2. Im Rahmen des Mordes wurden damals Untersuchungen unter der Führung von Obertaatsanwalt Peter Schultz durchgeführt. Diese Untersuchungen waren zumindest so weit fortgeschritten, dass schon damals Niels Reinhardt in Verdacht geriet. Zeeland sorgte jedoch über den Finanzminister Mogens Rank, der wiederum Druck auf die Sondereinheit und den Staatsanwalt Schultz ausübte, dafür, dass die Beweise so gefälscht wurden, dass Reinhardt ein Alibi zugeschoben wurde. Das gelang vor allem dadurch, dass das Hotel, in dem Reinhardt während des Tatzeitpunktes gewohnt haben soll, ein Unternehmen der Zeeland-Gruppe war und Manipulationen dementsprechend einfach.
  3. Der Sohn von Premierminister Kristian Kamper hat, offensichtlich als rebellischer Sohn, Recherchen gegen die Partei seines Vaters und Zeeland geführt und darunter auch Niels Reinhardt beschattet und fotografiert. Das fiel damals schon dem Bruder von Kristian Kamper, Kristoffer, auf (der gleichzeitig auch der Wahlkampfleiter von Kristian Kamper ist), der seiner Aussage nach seinen Neffen warnte, weiterhin Recherchen gegen seinen Vater durchzuführen. Während den Recherchen machte sein Sohn auch Fotos, darunter unter anderem auch das Foto, auf dem Reinhardt am Straßenrand parkend fotografiert wurde, wie er offensichtlich kurz vorher Louise Jelby auf ihrem Fahrrad angefahren hatte. Weil dies einschlägigen Kreisen bekannt war, wurde das Versteck von Kristian Kamper durchsucht und er dabei zufälligerweise angetroffen. Aus Panik ist er wohl weggelaufen, dabei auf die Bahngleise der naheliegenden Bahnstrecke geraten und wurde von einem Zug überfahren. Der bis dato eigentlich als Suizid geltende Tod ist demnach eigentlich aus einem ganz anderen Hintergrund zu sehen, den sein Vater offenbar nicht kannte.
  4. Der lange Zeit als Täter geltende Entführer von Zeuthens Tochter Emilie namens „GM“ ist der leibliche Vater von Louise Jelby und will mit der Entführung Zeeland und die Ermittlungsbehörden erpressen, den wahren Mörder von Jelby – Niels Reinhardt – zu ermitteln. Darum führt er während den gesamten Folgen die Ermittler quer durch alle Handlungsstränge und Protagonisten der Verschwörung. Emilie wiederum hatte er gar nicht per Container nach Norwegen verschifft, sondern wohl kurz nach der ersten missglückten Übergabe nicht erschossen und auf die Medea verfrachtet, das schrottreife Schiff aus der 1. Folge. Die Tochter diente die ganze Zeit über als Faustpfand des Entführers und als Druckmittel gegenüber Lund, die Ermittlungen im Fall Louise Jelbys nochmal aufzurollen.

So, und warum hat nun Sarah Lund ganz am Ende das Verstörenste getan und Reinhardt auf eigene Faust auf dem Flughafen erschossen? Die Antwort dazu liefert der letzte Dialog zwischen Lund und Reinhardt im Auto, kurz vor der Exekution von Reinhardt:

Lund: Sie müssen sich gewundert haben, als Sie plötzlich dieses Alibi hatten. Jemand von Zeeland hat dafür gesorgt, dass es so aussieht, als hätten Sie im Zimmer 108 gewohnt. Die Daten des Schließsystems dienten dann als Ihr Alibi. Sie haben noch nie in Zimmer 108 gewohnt, Sie wohnten immer in 312. Sie haben Louise Jelby umgebracht. Und sie war nicht die erste, habe ich Recht? Sie können es ruhig zugeben! Geben Sie’s zu, ich werde es sowieso beweisen!

Reinhardt: Ich glaube nicht, dass Sie das können. Sonst würden wir dieses Gespräch nicht führen. Aber ich bewundere Hartnäckigkeit, Sorgfalt und ordentliches Arbeiten. Das ist etwas, das ich sehr schätze. Danke, dass Sie mich daran erinnert haben. Sie haben mich viel gelehrt. Ich werde das selbstverständlich mit in die Zukunft nehmen. Aber jetzt müssen wir zusehen, dass wir weiterkommen.

Kurzum: Lund weiß, dass Reinhardt das 13-jährige Mädchen Louise Jelby umgebracht hat und hat auch Indizien dafür, dass Reinhardts Alibi nicht stimmt. Allerdings ist dies nicht zu beweisen, zumal der Spur mit der Zimmernummer schon einmal nachgegangen wurde und das Alibi bei der ersten Untersuchung hielt. Reinhardt wiederum weiß auch, dass Lund nicht in der Lage ist, den Mord nachzuweisen (auch das besagte Foto ist letztendlich nur ein Indiz). Allerdings lässt er mit dem Hinweis auf seine Bewunderung für Lunds Hartnäckigkeit hervorblicken, dass er mit der Lösung seines Alibis möglicherweise aus moralischen Gründen nicht wirklich leben kann und sich deshalb damit abfindet, dass Lund die Schuldfrage auf eigene Faust mit der Exekution löst.

Diese weitgehend verzweifelte Haltung von Lund wird auch noch mal dadurch unterstrichen, in dem die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft auf das glückliche Auffinden von Zeuthens Tochter dargestellt werden. Premierminister Kamper hat die Wahlen gewonnen und unmittelbar nach der Wahl sind ihm die Nachforschungen zum Fall Reinhardt herzlich egal und auch der Aufsichtsratvorsitzende von Zeeland blockt im Gespräch mit dem aufgebrachten Robert Zeuthen jegliche Vorwürfe ab und empfiehlt Zeuthen lieber einen eigenen Ausstieg aus dem Unternehmen, um dessen Image nicht zu gefährden. Sprich: Um die Wahrheit schert sich keiner, wenn das eigentliche Problem nicht mehr existent ist.

Das war’s. Wieder einmal zehn Stunden Kommissarin Lund durch und keine Minute davon war vergeudet. Mit dem sehr deutlichen Ende und der Flucht von Lund aus Dänemark/Norwegen endet auch sehr offensichtlich die Lund’sche Serie nach drei Staffeln. Hochverdient, auch wenn die dritte Staffel an die Komplexität und Dramatik der ersten Staffel meiner Meinung nach nicht ankommt. Aber das sind reine Detailfragen.

2 Gedanken zu „Lösung zur dritten Staffel von Kommissarin Lund.

  1. Hallo

    Vielen dank für Ausführungen. Auch ich fand das Ende der dritten Staffel verstörend. Lund ist das beste, was es jemals als Thriller Serie im deutschen Fernsehen gegeben hat. Nur top Schauspieler, ein mage spannendes Drehbuch und ein Spagetti artiger Plot.

    Warum können die deutschen das nicht? Vielleicht, weil die Serie dann wieder Voll wäre mit den typischen Tatort Nebendarstellern.

    Gruß aus Hamburg

    1. An Krimi-Mehrteiler, die sich letztendlich nur um einen großen Fall drehen, traut man sich hierzulande offensichtlich nicht heran. Zudem ist Krimi mit Verquickung von politischen Dimensionen – aus welchen Gründen auch immer – nicht fernsehfähig, zumindest in öffentlich-rechtlichen Sendern.

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