Geistiger Kurzurlaub aus dem Fenster.

Das Büro, das Oliver und ich tagsüber bewohnen, ist zwar immer noch karg eingerichtet, hat allerdings große Fenster. Das ist wichtig, denn das gelegentliche Hinausschweifen des Blickes ist nicht nur für EDV-Leute wichtig, sondern auch ein kleiner Kurzurlaub. Mal Lust auf einen kleinen geistigen Kurztrip? Ist sehr einfach.

  1. Räume dein Fenster frei. Gardinen zur Seite schieben und die Fensterbank abräumen, vollständig.
  2. Dann stellst du dich ziemlich genau einen Meter vor das Fenster. Einigermaßen mittig. Wichtig ist, dass die Umrisse des Fensterrahmens im Blickfeld sind.
  3. Dann schaust du nach draußen. Am besten bewegst du dich nicht, auch nicht den Kopf. Beim Herausschauen ist es dabei wichtig, nicht einfach nur auf die Details zu schauen, sondern auch mit dem Auge „drumherum“, also dem Sichtfeld um den „Hotspot“ des Auges, der nicht mehr so richtig scharf sieht, aber dafür für das räumliche Sehen und für den Gesamtbildeindruck.
  4. Nachdem dieser Versuchsaufbau steht, einfach mal den Verstand freiräumen. Für einige Sekunden an nichts denken, außer daran, Details in diesem Bild draußen zu beobachten, so wie man z.B. in einem Museum ein Bild betrachtet und es auf sich wirken lässt.

Was dann passiert, ist eine spannende Sache, denn der Verstand schaltet sich tatsächlich in eine Art „Bildmodus“. Das Bild in diesem Bilderrahmen (deshalb ist es wichtig, dass die Umrisse des Fensterrahmens im Blickfeld sind) umrahmt die Szenerie und wenn man es schafft, sich mehr als ein paar Sekunden so auf das Bild einzulassen, entsteht ein ziemlich starker räumlicher Eindruck, der sich umso mehr verstärkt, wenn in der Szenerie Bewegung ist, zum Beispiel ein vorbeifahrendes Auto. Und dieser Gesamteindruck wird immer stärker, je länger man sich auf das Bild konzentrieren kann.

Der Grund dazu ist relativ einfach: Der menschliche Verstand ist darauf programmiert, im Bewegtbild zu leben. Wir sehen im normalen Tagesablauf nicht einzelne Bilder, sondern einen stetigen „Film“, von dem unser Verstand in Sachen Erinnerung dann einzelne Bilder abspeichert. Für gewöhnlich haben die Sinneseindrücke, die wir tagtäglich haben, keinen „Bilderrahmen“. Simuliert man den Bilderrahmen nun für eine Weile, ist das für den Verstand eine ziemlich neue und erstaunlicherweise ziemlich spannende Sicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *