Peer Steinbrück – ein Verlegensheitskandidat.

Zuerst muss man eines sagen: Peer Steinbrück ist der einzige Kandidat der so genannten „Troika“, der einigermaßen gute Siegchancen hat. Sigmar Gabriel, okay, hat sich deutlich gebessert in den letzten Monaten, ist aber eher so eine Art von Politiker und Parteivorsitzender, die gern alles irgendwie gut finden, sogar anfangen lassen und selten zu Ende bringen. Das darf gern ein subjektiver Eindruck von mir sein, ich stehe dazu. Und Frank Walter Steinmeier ist zwar ein echtes Arbeitstier mit Organisationsfähigkeiten, aber ich erinnere mich mit Grausen an den letzten Wahlkampf und an die unrühmliche Episode, ob seine beiden Vornamen nun mit Bindestrich verbunden werden oder nicht.

Kein Schwein hat das wirklich interessiert und es ist auch nicht sonderlich wahrscheinlich, dass die Bevölkerung es interessiert, ob ihr Kanzler seine beiden Vornamen mit Bindestrich verbindet oder nicht und eigentlich ist Frank-Walter Steinmeier auch so intelligent, so eine Diskussion für völligen Käse zu halten, aber sie wurde tatsächlich für einen Moment so zelebriert, als ob die Regierungsfähigkeit der SPD davon abhinge. Für einen Kandidaten, der eigentlich das Format zum Kanzler hat, aber dann so eine Diskussion zulässt, einer von vielen K.O.’s, die dann danach folgten.

Also, Peer Steinbrück soll es sein. Und Genosse Peer ist ein echter Verlegenheitskandidat. Denn eigentlich ist Peer Steinbrück weit von alledem, was die SPD ausmacht. Peer Steinbrück fand die Deregulierung des Bankenmarktes als Bundesfinanzminister einmal recht gut, Peer war einer der ersten, mit sehr markigen Sprüchen der Schweiz die grassierende Steuerflucht der so genannten Reichen Deutschlands in die Schuhe zu schieben, Peer Steinbrück ist in Sachen Vortragsreisender ein echter Großverdiener, Peer Steinbrück hat in einer höchst seltsamen Geschichte ehemalige Staatsunternehmen darum angebettelt, ein privates Schachturnier zu finanzieren. Und so weiter. Und Peer Steinbrück mag jetzt selbsternannter Retter der deutschen Rente werden.

Peer Steinbrück ist so neoliberal, dass für ihn am SPD-Schiff auf der rechten Seite noch ein Ausleger gebaut werden müsste. Selten hat es in der SPD so Spitzenleute gegeben, die so wirtschaftsfreundlich und dabei so gesellschaftsfremd wirken, wie er und dabei schafft es Peer Steinbrück dann auch noch vortrefflich, Kritiker mit teilweise herb-flapsigen Kommentaren nicht einfach nur kaltzustellen, sondern schlicht öffentlich zu schlachten. Das ist seine Art, das mögen augenscheinlich auch viele Menschen, die von Politikern eine klare Kante erwarten, aber so eine Art hat selten etwas damit zu tun, gute Politik zu verpacken. Peer Steinbrücks mitunter saftige Zoten unterhalten immer nur für einen kurzen Moment und versickern dann im rosig-warmen Bad des kollektiven Kurzzeitgedächtnisses. Gesehen und gelacht.

Der Neoliberalismus ist so tot wie das Holz, aus dem heute immer weniger Zeitungen gedruckt werden und die Gesellschaften auf dem ganzen Planeten stehen vor der Herausforderung, die immer weiter klaffende Schere zwischen Arm und Reich zumindest langsamer aufklappen zu lassen. Und da soll uns in Deutschland ausgerechnet Peer Steinbrück, ein ausgewiesener Mann der Vergangenheit und der ehemalige Lieblingsfinanzminister von Angela Merkel, helfen. Allein schon deshalb, weil ich mich wieder unglaublich auf die innerparteilichen Katerstimmungsdiskussionen in der SPD freue, finde ich das schon wieder richtig gut.

Wir brauchen also auch weiterhin keine Angst vor echten Reformen im Lande haben – sie werden auch weiterhin ausbleiben. Die Party darf getrost weitergehen, so oder so.

Ein Gedanke zu „Peer Steinbrück – ein Verlegensheitskandidat.

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