Die ICD-Kontrolle.

Was man als Besitzer eines ICD, eines Implantierbaren Kardioverter/Defibrillator auch wird: Stammkunde in der Ärzteschaft. Regelmäßiger Besuch beim Hausarzt, ständige Laborkontrollen, Kardiologe, Augenarzt und ICD-Check. Zwei Arztbesuche im Monat sind jetzt Standard, wobei das wohl im Anfang so ist und im Laufe der Zeit besser werden dürfte.

Kernstück der Untersuchungsphalanx ist die ICD-Kontrolle, die bei uns im Klinikum Pforzheim im Rahmen einer regelmäßig dort stattfindenden ICD-Sprechstunde im Kreislauflabor stattfindet. Oft machen dies auch Kardiologen, allerdings sind weit mehr Kardiologen für die Bedienung von Herzschrittmachern ausgebildet, als für ICD und bei uns in Pforzheim ist das eben nur das Klinikum Pforzheim.

Beim ICD-Check wird letztendlich nichts anderes gemacht, als geprüft, ob der ICD noch funktioniert, was er in seinem Therapiespeicher so für Aufzeichnungen hat und ggf. anhand von Messdaten und Patientenberichten die Konfiguration des ICD angepasst. Das darf man sich tatsächlich in etwa so vorstellen wie eine Autoinspektion. Der Arzt besitzt einen Computer mit einem Lesekopf, den er auf meine Brust genau über den ICD legt, dieser nimmt per Funk Kontakt mit dem darunterliegenden ICD auf und schon kann der Arzt nach Herzenslust an meiner Bordelektronik herumspielen. Ich müsste noch nicht mal mein T-Shirt ausziehen, wenn ich nicht sicherheitshalber an ein EKG angeschlossen werden müsste, weil während dem ICD-Check der ICD logischerweise nicht therapieren kann, wenn ausgerechnet in diesem Moment mein Herzschlag aus dem Takt geraten würde. Für diesen Notfall gibt es am Computer und am Lesegerät eine Notschock-Taste, die beim Auslösen dem ICD den ultimativen Befehl geben würde, einen Schock auszulösen.

Der Check ist schmerzlos und hat eine fast schon witzige Komponente: Beim Check der Elektroden, die vom ICD ins Herz führen, kribbelt es in der Brust. Dieses Kribbeln ist weit von Unangenehm entfernt und noch viel weiter von einem schmerzhaften Schock, sondern einfach nur seltsam – wenn man es denn überhaupt spürt. Die Assistenzärztin, die wie beim ersten Check in Berlin vorher vergessen hat zu sagen, dass es jetzt gleich kribbelt, war ganz erstaunt, weil sie meinte, dass eigentlich nur Herzgesunde diese Impulse spüren würden. Eine nette Motivation so am Rande.

Der Check, der rund eine Viertelstunde dauerte, ergab dann auch, dass es kein Grund für Beanstandungen gibt. Die in Berlin gemachten Einstellungen wurden erst einmal so übernommen, ein Software-Update für den ICD (ja, das gibt es) liegt auch nicht vor und der Therapiespeicher mit eventuell in den letzten Wochen abgegebenen Therapien war leer. Das ist insofern ganz gut, da statistisch gesehen ein Herz nach der Implantierung eines ICD in den ersten Monaten verhältnismäßig oft therapiert werden muss und es danach dann besser wird. Und dieser gute Verlauf bei meinem Herzen ist dann wiederum ein gutes Zeichen dafür, dass der Arzt ankündigte, beim nächsten Check im September meinen ICD voraussichtlich noch weiter „herunterzudrehen“ und unempfindlicher zu machen, um auf diese Weise die langfristige Batterielaufzeit zu erhöhen. Zitat: „Sie brauchen Ihren ICD zur Zeit nicht.“

Was so am Rande ziemlich lässig ist: Man kennt sich und tritt fast in eine geschlossene Gesellschaft ein. Ärzte und Assistentin kennen jeden Patienten mit Namen (selbst meinen), die Telefongespräche mit offenkundigen Patienten fangen immer mit „Na, wie geht’s denn so?“ an und im Wartebereich vor dem Kreislauflabor begrüßen sich manche Patienten mit Handschlag. Es geht nicht ansatzweise hektisch zu. Es fehlt eigentlich nur noch ein Kaltes Buffet. 😉

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