Ein „Guter Rutsch“ oder ein „guter Rutsch“?

Wenn ich mir so die Weihnachtskarten anschaue, die ich in den letzten Wochen bekommen habe (nämlich genau drei), fällt eines auf: In zwei von drei Karten ist von „Frohen Weihnachten“ die Sprache und vom „Guten Rutsch“. Groß geschriebene Adjektive. Und groß geschriebene Adjektive schreien immer nach einer genaueren Betrachtung bezüglich ihrer Substantivierung. Denn in vielen Fällen tragen sie diese „Aufhübschung“ zu Unrecht.

Vom Prinzip her gestattet die deutsche Sprache dem Adjektiv nur eine grundsätzliche Kleinschreibung. Die weitgehend genau definierten Ausnahmen gestatten eine Großschreibung in Fällen von substantivierten Adjektiven und wenn das Adjektiv ein Bestandteil eines Eigennamens ist. Und hier fängt die „frohe Weihnacht“ schon an, bedenklich zu wackeln, denn die Weihnacht stellt mit einem vorangestellten Adjektiv – ob das nun „froh“, „fröhlich“, „schön“ oder etwas gänzlich anderes ist – keinen bestimmten Eigennamen dar; eine „frohe“ Weihnacht mag vielleicht eine besonders schöne Form der Weihnacht sein – eine besondere Eigenschaft, die eines besonderen Eigennamens bedarf, ist es allerdings nicht.

Ebenfalls aufs Glatteis führt die Argumentation, dass es sich eventuell um einen besonderen Kalendertag handeln könnte, so wie beispielsweise der Heilige Abend, den man tatsächlich groß schreibt: Die Weihnacht ist auch ohne frohsinnige Wünsche eben die Weihnacht. Beim guten Rutsch und beim guten, neuen Jahr ist es ähnlich. Es gibt nicht den, sondern maximal einen guten Rutsch von vielen und es gibt auch nicht das frohe, neue Jahr, wenn man nicht explizit ein sehr bestimmtes Jahr meint. Hier gilt deshalb auch der unterste Nenner der Schreibweise, also konsequente Kleinschreibung.

Zwar gesteht die deutsche Rechtschreibung es dem kreativen Schreiberling zu, in wackeligen Einzelfällen das Adjektiv groß zu schreiben (der Klassiker hier ist die „Erste Hilfe“), allerdings sind die „frohe Weihnacht“, der „gute Rutsch“ und das „gute, neue Jahr“ keinesfalls Wackelkandidaten in diesem Sinne. Selbst dann nicht, wenn man berücksichtigen würde, dass es der Überbringer der Wünsche wirklich gut und vielleicht sogar tatsächlich sehr persönlich meint. Es ist schlicht falsch. Und wenn jemand etwas besonders betonen möchte, dann soll er es nicht einfach bedenkenlos groß schreiben, sondern fett drucken, die Weihnachtskarte unterschreiben, den zu Beglückwünschenden persönlich anrufen oder im Handstand vor ihm auf seinem Schreibtisch schräge Lieder singen.

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