Lost in Globalization – Willkommen bei Apple.

Wenn es etwas gibt, wovor ich als EDV-Kundiger immer zurückschrecke, ist es der Kauf von Hardware aus dem EU-Ausland. Mit der Umsatzsteuer-ID meiner freiberuflichen Nebentätigkeit ist zumindest das Thema der Mehrwertsteuererstattung gegessen, allerdings habe ich mit dem bundesdeutschen Zoll die Erfahrung gemacht, dass es die Damen und Herren förmlich riechen, wenn ihnen da ein Paket unter die Hände kommt, in dem sich gut bezifferbare Hardware befindet. Deswegen bestelle ich viel lieber im deutschen Großhandel, bei dem ich weiß, dass die Ware in Deutschland ist und damit auch eine Einfuhrumsatzsteuer anfällt. Aber fangen wir von vorn an:

Eine iPad-Bestellung ist anhängig. Wir könnten durchaus schon darüber streiten, was es eigentlich Apple, außer Ärger, bringt, Produkte quasi immer mit einem anfänglichen Lieferengpass einzuführen. Gut, sparen wir uns. Das Produkt ist im Apple-Store bestellt, ich zahle mit deutscher Kreditkarte.

1. Problem: Mein Vertragspartner ist „Apple Sales International“ mit Sitz in Cork/Irland. Eigentlich schon eine Sache, die nerven könnte, denn das wusste ich erst, als die Bestellung durch war, denn ein solcher Geschäftspartner wirft eine Reihe von Fragen auf. Die irische Firma zieht deutsche Mehrwertsteuer ein, die ich ja dann gern, da mein Nebenbetrieb ebenfalls mehrwertsteuerpflichtig ist, durchschieben würde. Was wird wohl das Finanzamt dazu sagen, dass ich wohl kaum mit gutem Gewissen glauben kann, dass Apple Sales International mit Sitz in Cork/Irland korrekt deutsche Mehrwertsteuer abführt? Genau genommen kann ich das überhaupt nicht, weil es eigentlich ein Kauf im Ausland ist, Apple Sales International mit Sitz in Cork/Irland eigentlich eine Rechnung mit irischer Mehrwertsteuer ausweisen müsste bzw. ich dann mit meiner Umsatzsteuer-ID dafür Sorge tragen könnte, dass mir diese irische Mehrwertsteuer nicht in Rechnung gestellt wird.

2. Problem: Apple versendet das iPad nicht aus Deutschland. Auch nicht aus Irland. Überhaupt gar nicht aus Europa, was ich eigentlich erwartete, sondern tatsächlich aus Shenzhen in China. Das liegt nördlich von Hong Kong. Wohlgemerkt: Da kommt jetzt nicht eine Ladung iPads auf der Palette zu einem Apple-Lager in Europa, von wo aus dann die iPads versendet werden, nein, sondern die verschicken offensichtlich tatsächlich per UPS jedes einzelne iPad aus Shenzhen in China heraus.

3. Problem: Apple versendet offenbar Pakete mit Privatbestellungen grundsätzlich ohne gedruckte Rechnung. So spart man sich natürlich etwas Arbeit. Allerdings macht man das auf Kosten des Kunden, denn wenn das so aus Shenzhen ausgelieferte Paket nach Deutschland schickt, dann landet es beim Zoll. Und wenn irgendetwas schief läuft, sorgt das dann beispielsweise für folgende Zeilen im UPS-Tracking:

EXCEPTION – KOELN (COLOGNE), DE: 06/16/2010 01:50 A.M.
PACKAGE DATA PROCESSED BY BROKERAGE. WAITING FOR CLEARANCE / RELEASED BY CLEARING AGENCY. NOW IN-TRANSIT FOR DELIVERY

EXCEPTION – SHENZHEN, CN: 06/17/2010 1:23 P.M.
INCOMPLETE OR MISSING DOCUMENTATION MUST BE OBTAINED FOR CLEARANCE. UPS IS ATTEMPTING TO OBTAIN THIS INFORMATION

Sprich: Das Paket liegt in Köln beim Zoll, die Damen und Herren dort haben Klärungsbedarf, vielleicht gar aus dem Konglomerat aus „Käufer in Deutschland“, „Verkäufer in Irland“, „in Rechnung gestellte deutsche Mehrwertsteuer“, „Lieferung aus China“, „keine Rechnung vorhanden“. Also ein Anruf bei Apple auf der Hotline, was das denn bitteschön alles soll.

Antwort (bitte festhalten): In China wurde soeben das Drachenbootfest gefeiert, was bedeutet habe, dass man nur die eine Hälfte getan hat. Entweder wurden bestellte iPads ausgeliefert und der Papierkram an UPS vergessen oder auch der Papierkram vergessen und die bestellten iPads versendet (was ich mir bei UPS nun gar nicht vorstellen kann), so genau wusste das die Mitarbeiterin auch nicht. Jedenfalls alles kein Problem, das Paket sei nämlich gar nicht in Köln, sondern noch in China, so wie alle anderen auch und die würden erst heute auf die Reise gehen, morgen in Köln ankommen und dann am Montag ausgeliefert.

Wie ich diese Geschichte einzuschätzen habe, wurde mir bei meiner zweiten Frage klar, nämlich der, wie ich denn bitteschön an eine echte Rechnung aus Papier komme. Ganz einfach, so die Mitarbeiterin, einfach ausdrucken, wenn die E-Mail mit der Rechnung kommt. Mein Hinweis darauf, dass das sicherlich technisch möglich ist, aber rechtlich auf wackeligen Füßen steht, wenn die Rechnungen nicht elektronisch signiert sind. Ach, kein Problem, so die Mitarbeiterin, sie hätten viele Geschäftskunden, man sei als Apple sehr an guten Geschäftsbeziehungen interessiert und nie hätte ein Kunde da Probleme bekommen mit selbstausgedruckten Rechnung. Aha, schön. Ob sie mir am Telefon gesagt hätte, wenn es entgegen dem fröhlichen Flötens vielleicht doch schon mal Ärger gab?

Für wen das alles ein bombig-guter Deal ist: Für Apple. Die haben nämlich meine Kreditkarte sofort nach Bestellung am 3. Juni belastet, also vor 14 Tagen, obwohl der Versand erst am 15. Juni erfolgte und die Auslieferung mit der jetzigen Situation kaum vor Mitte nächster Woche zu erwarten ist. Und das, obwohl in deren AGB folgendes steht:

5. ZAHLUNGSWEISE

5.3 [..] Die Belastung erfolgt bei Absendung der bestellten Produkte oder bei Rechnungsstellung. [..]

Nein, ich glaube nicht, dass Apple ein vertrauenswürdiger Vertragspartner ist und ich glaube nicht, dass Apple wirklich an guten Geschäftsbeziehungen zu seinen Kunden interessiert ist. Bei denen online zu kaufen, bringt einem eher irgendwann mal die Steuerfahndung ins Haus.

10 Gedanken zu „Lost in Globalization – Willkommen bei Apple.

  1. Den letzten Absatz kann ich voll bestätigen und ich teile Dir auch gerne die Lehre mit, die ich nach vielen erfolglosen Versuchen gezogen habe:

    Kaufe niemals direkt im Apple-Store, denn das funktioniert nicht.

    Schon garnicht, wenn man bspw. eine GmbH ist. Es ist nämlich selbst im Business-Store von Apple nicht möglich, irgendwo einen Firmennamen einzugeben, was ja für die Ausstellung einer Rechnung auch nicht uninteressant wäre. Und den Versuch, das telefonisch irgendwie hinzubekommen hat $sekretärin nach 2 Tagen erfolgloser Rumtelefoniererei aufgegeben.

    Als ich dachte, ich sei der Einzige, der sich doof anstellt habe ich mal bei anderen Firmen nachgefragt, wie die denn so im Apple-Store bestellen. Antwort bei 100% der Befragten: Entweder „garnicht“ oder „nur telefonisch“.

    1. Vorsicht ist sicherlich überall geboten, aber ich habe bisher mit den allermeisten Online-Händlern selbst im geschäftlichen Einkauf keine Probleme gehabt. Apple stellt sich jedoch atemberaubend blöd im Online-Handel an.

  2. Das deutsche Umsatzsteuerrecht macht es aber auch nicht einfach.

    Gut, dass Apple Geschäftskunden den innergemeinschaftlichen Erwerb nicht gestattet, erklärt sich an der Tatsache, dass die Ware aus Hongkong verschickt wird, somit kann kein steuerfreier IG-Erwerb stattfinden.

    Apple wird mit seiner irischen Firma in Deutschland steuerlich registriert sein, ähnlich wie Amazon. Der Ausweis der USt. erfolgt also zu Recht. Und dass Apple mal 19% und mal 21% ausweist, liegt an der seit dem 1. Januar 2010 geltenden Regelung, dass elektronische Leistungen am Unternehmenssitz ausgeführt werden, i.d.R. in Irland. Dies gilt jedoch nur für die B2C-Beziehung, im B2B-Bereich wird die Steuerschuld nach Deutschland verlagert und Apple muss Deine ID-Nummer verwenden und dies entsprechend in der ZM deklarieren, während Du es in der USt-VA anmeldest.

    Für den Kauf Deines iPads gilt der Steuersatz von 19%, da – Kraft Gesetz – als Ort der Lieferung der Ort gilt, an dem der Versand der Ware endet, wenn sie durch den Anbieter erbracht wird (§3 UStG). In Deinem Fall also Pforzheim.

    Bestellt Du es mit einer französischen Adresse sind 19,6% fällig, bei einer österreichischen 20%.

    Umsatzsteuer ist nicht ohne, leider.

    Aber die elektronische Signatur für Rechnungen zum Vorsteuerabzug gilt m.E. nur für Firmen mit Sitz in Deutschland.

    Apple muss zwar deutsche Umsatzsteuer berechnen, hat seinen Sitz aber in Irland. Dort kannst Du Rechnungen per eMail versenden, ohne dass sie signiert sind. Somit gilt für Apple irisches Recht.

    Aus Österreich bekomme ich auch keine signierten Rechnungen, ist dort keine Pflicht.

    Gruß
    Sascha

  3. Sascha hat den einen Aspekt mit der Steuer schon mal sehr gut erklärt.

    Den Firmennamen kriegt man mit etwas Phantasie immer in die Adresse rein, wozu gibt es eine zweite Namenszeile? Muss ja nur auf dem Beleg nett aussehen.

    Der Versand meines iPad erfolgte von innerhalb der EU. Transaktionszeit zwischen Bestellung und Eintreffen: 14 Tage. Bestellung war am 1.6., Lieferung am 14.6.

    Lass uns also Deine Erfahrungen bitte ins Reich des Anekdotischen nehmen – genauso wie meine. Wir stellen noch keine statistisch relevante Grösse dar. Wobei ich noch nie Probleme hatte, direkt bei Apple zu bestellen – im Gegenteil.

    Wenn Du mit Apple ein Problem hast, kauf Dir andere Hardware. Oder versuche, Deine Kritik auf objektivierbare Dinge einzuschränken. Denn genau dann, wenn Du auf generelle Defekte hinweist, und das machst Du in vielen Lebensbereichen mit hoher Kompetenz und sehr lesenswert, bietest Du wirklichen Nutzen mit Deinem Blog. Das sage ich nicht aus der Apple-Fanboy-Position raus, sondern eher, weil der Nutzen eines solchen Postings halt eher eingeschränkt ist. Und dann – ich muss es wirklich sagen – der flattr-Button reichlich deplaziert wirkt.

    1. Teilen wir die Antwort in mehrere Aspekte. Das mit der Rechnungsstellung und der Steuer, das ist ein reichlich komplexes Durcheinander, das ich schon mal nicht wirklich durchschaue. Andere im übrigen auch nicht und meine Steuerberaterin hat das Gesicht verzogen bei der Thematik. Das ist der Preis der Globalisierung, wenn ein Unternehmen aus einer Seite des Planeten eine Rechnung stellt und das Produkt von einer anderen Seite kommt und der Konsument dann zuschauen darf, wie er diese Kosteneinsparungen, die Apple macht, sinnvoll verbucht. Das ist gut für den Shareholder Value, dennoch ein Treppenwitz. Muss man auch so sagen dürfen.

      Von wegen „wenn du ein Problem hast, kauf eine andere Hardware“: Das klingt logisch, darf aber keine Standardantwort sein. Apple baut mitunter gute Produkte, steckt sicherlich auch eine Menge Geld hinein, hinterlässt aber gleichzeitig in vielen Bereichen verbrannte Erde und führt sich reichlich seltsam auf. Beispiel: Wir kämpfen gegen Netzsperren und Zensur und ein amerikanisches Unternehmen nimmt sich einfach so das Recht heraus, global zu verbieten, bestimmte Programme installieren zu lassen, die das moralische Empfinden einer wie auch immer gearteten Moralinstanz in den USA (bei Apple? Katholische Kirche? Bund der Hundebesitzer?) verletzt. Hallo? Was ich auf welchem Gerät installiere, das mir gehört und vornehmlich von mir genutzt wird, muss immer meine Sache sein, nicht Sache anderer Leute, die ich dafür bezahle, deren Gerätschaft zu kaufen, nicht zu mieten. Mein Telefon, meine Hardware, gehört mir. Ich kann es benutzen, ich kann es zerstören und ich kann es auch öffnen und Firlefanz damit machen. Wo kämen wir hin, wenn ein Papierhersteller vorschreibt, dass billiges Papier nur noch zum Beschreiben mit Bleistiften genutzt werden darf, aber nicht mehr für Laserkopierer?

      Bewegung funktioniert nur, wenn der Konsument aufmuckt und sagt, dass es so eben nicht geht. Ansonsten passieren eben auch solche Dinge ungestraft, dass Apple einfach mal so eben die GPS-Positionsdaten, die eine Anwendung ermittelt, angeblich auch so nebenbei an Apple überträgt. Halte ich für ein Problem, das man völlig losgelöst von der Feststellung diskutieren muss, dass man ja einfach das iPhone nicht zu benutzen braucht, wenn man das nicht möchte. Andere sind möglicherweise zu dumm, zu verblendet, zu gekauft, um auf ihre Verbraucherrechte zu pochen, aber das darf niemals der Grund sein, dass Global Player das tun und lassen, was eben geht. So funktioniert die Welt sicherlich auch, aber ich finde das reichlich ungerecht, denn die Zeche zahlt immer der Konsument.

      Das Internet gäbe es in der Form nicht, wenn es nicht Leute gegeben hätte, die sich über alle technischen Entwicklungen und herstellerspezifische Proprietäten, die es einmal gab, einfach mal hinweggesetzt haben und Kommunikation vor Proporz gestellt haben. Das sollte an solchen Stellen immer zu denken geben.

  4. @Tilman: Sorry, das Problem mit den direkten Apple-Bestellungen habe ich angebracht, angereichert durch Erfahrungen von anderen. Alle gefragten, wie auch ich, sind begeisterte Apple-Benutzer. Das ist also kein hohles Apple-Bashing, sondern durch konkrete Beispiele fundierte Erfahrungswerte.
    „Wenn Du mit Apple ein Problem hast, kauf andere Hardware“ ist genau diese bescheuerte Haltung, die es uns „unreligiösen Apple Fan-Boys“ schwer macht, nicht ausgelacht zu werden. Vielen Dank auch 😉

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