Jahresablage 2008.

Ich gebe zu, in Sachen Ablage war ich jahrzehntelang eher nicht zu gebrauchen. Wie jeder junge Mensch hatte ich einen Aktenordner für die erste, von der Sparkasse aufgedrückte und naturgemäß völlig unbrauchbare Lebensversicherung und für den Freistellungsauftrag und dann kam lange Zeit nichts mehr. Wohl aber kamen die um solche Dinge herumschwirrenden Papiere, die dann diversen Wegen folgend nahezu überall ein Zuhause in meinen Habseligkeiten fanden.

Heute bin ich kurz davor, eine Ehrendoktorwürde für die private Aktenablage zu erhalten, worauf ich ernsthaft stolz bin. Ein Bekannter, ausgebildeter Verwaltungsfachwirt und damit so etwas wie ein diplomierter Aktenabhefter (Eigenaussage), gratulierte mir unlängst zu dem sortiertem Haufen Papier und meinte, dass er das nicht besser machen würde. Von solchen Leuten eine solche Anerkennung zu erhalten, ist Gold wert, denn Verwaltungsfachwirte leiden unter dem Klischee, ihre Emotionen gut unter Kontrolle zu halten und mit Lob sparsam umzugehen. Und sie wissen, was für eine verdammte Drecksarbeit es ist, Aktenberge zu kartografieren.

Dumm ist, dass ich auch heute noch immer wieder Altlasten finde. Diese sind zwar schon lange aus der akuten Zeitbombengefahr draußen und ich will anmerken, dass ich beim Zahlen von Rechnungen penibel bin und eine reine Weste in Sachen Zahlungsmodalitäten habe, dennoch ist das jedes Mal ein Ärgernis, weil ich dann schon wieder Aktenzuordnungen abändern muss. Heute ist mir beispielsweise eine Versicherungspolice in die Hände gefallen, die noch aus Zeiten stammte, in denen ich gar nicht wusste, für was eine Versicherungspolice eigentlich gut ist und die ich seit mindestens zehn Jahren immer mal wieder suchte. Fand sich im Aktenordner mit den Mathematik-Arbeitsblättern aus meiner Grundschulzeit, die ich aus Gründen reinem Fetisch noch besitze. Die Versicherung ist zwar schon längst beitragsfrei gestellt und besitzt auch nur ein bescheidenes, angespartes Guthaben, das von der Versicherung offenbar auf einem Tagesgeldkonto mit komatösem Zinssatz gehortet wird, aber immerhin ist das Geld, was ich planmäßig im Jahre 2039 zu erhalten habe (wenn ich nicht vorher das Ding bei eBay verchecke) und da macht sich der Besitz der korrespondierenden Versicherungspolice gar nicht so schlecht.

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