Kommissarin Lund und die Lösung.

Ja, zugegeben, zehn Folgen „Kommissarin Lund“ an einem einzigen Fall mit je 110 Minuten langen Folgen und mehr als einem Dutzend Verdächtiger, das macht es nicht leichter, innerhalb der letzten halben Stunde dann den wahren Täter kennenzulernen. Deshalb mal hier die Lösung.

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Der Täter ist Vagn Skærbæk, der „Hausfreund“ der Familie Birk Larsen. Damit man das versteht, hier mal am besten eine chronologische Abfolge, was am Todestag von Nanna Birk Larsen passiert ist:

  1. Nanna Birk Larsen (das Opfer) hatte ein Verhältnis mit Holk, einem Mitarbeiter aus dem Wahlkampfteam von Troels Hartmann. Hierzu haben sich beide immer wieder in der Parteiwohnung getroffen.
  2. Am Tage ihres Todes ist Nanna Birk Larsen in die Parteiwohnung gegangen, um dort ihren Reisepass zu holen, den sie beim letzten Treffen mit Holk vergessen hat. Beweis dazu ist das Überwachungsvideo, dass Lund zugespielt wurde und aus dem Lund durch eine Lippenleserin den gesprochenen Text von Nanna hat herauslesen lassen. Diese Fährte hat zunächst auch dazu geführt, dass Holk als Täter angesehen wurde, was nie wirklich bewiesen werden konnte, da Holk in seiner Garage in Notwehr erschossen wurde.
  3. Die Polizei nahm an, dass Holk und Nanna verschwinden wollten, was jedoch nicht sein konnte, da eine Recherche an Flughäfen ergab, dass Holk kein Flugticket hatte, sondern Amir, ein Jugendfreund von Nanna, mit dem sie eigentlich verschwinden wollte.
  4. Amir wiederum berichtete in seinem Verhör mit der Polizei, dass sie schon eine ganze Weile von jemandem beobachtet wurden, der eine rote Jacke von der Firma Birk Larsens trug.
  5. Das wiederum war eben Vagn, der angab, dass er Nanna davon überzeugen wollte, mit Holk Schluss zu machen. Nanna Birk Larsen kam also in diese Wohnung und wurde dann dort von Vagn abgefangen. Sie hat ihn ausgelacht, er ist durchgedreht, hat sie misshandelt und dann mitgenommen. Dazu hat er, weil er kein Fahrzeug hatte, die Autoschlüssel des Wahlkampfautos genommen, die dort lagen und die Troels Hartmann dort liegengelassen hat, der kurz zuvor in der Wohnung war und sich betrank. Deshalb galt Hartmann auch kurzzeitig als Hauptverdächtiger.
  6. Morten, der Wahlkampfleiter, hat, nachdem Vagn Nanna aus der Parteiwohnung mitgenommen hat, die Wohnung aufgesucht, das viele Blut gesehen, und dort hektisch Spuren der Tat verwischt, da er dachte, dass Hartmann der Täter gewesen sei.
  7. Vagn hat Nanna mit ins neue Haus der Birk Larsens genommen (dort hat sie ihren mitgenommenen Reisepass verloren), dort vergewaltigt und umgebracht. Danach hat er sie wieder in das Wahlkampfauto verfrachtet und sie komplett mit Fahrzeug im See versenkt.

That’s it! Selten einen so spannenden Krimi gesehen, mein Respekt. Und wer die zehn Folgen verpasst hat, ist selbst Schuld. 🙂

14 Gedanken zu „Kommissarin Lund und die Lösung.

  1. sehr spannender Krimi mit einer sehr ansprechenden Kommissarin. Mein Respekt, besonders vor der schauspielerschen Leistung der Eltern von Nanna.
    Eins jedoch war fatal:
    Das Ende war nicht ausgegoren. Hat Vagn denn nun auch schon früher gemordet, wie das Pofil des Mörders vorhersagt?
    All das unausgegorene darf Lund nicht sagen…wie man Ihr vorgibt.
    Ein schnelles Ende ohne das wirklich alle Details gelöst wurden. Ich hoffe…dass das in der nächsten Staffel besser durchdacht wird. Ich warte gespannt auf drauf…und freu mich auf ein nächstes Vergnügen mit Kommisarin Lund.

  2. Grade fertiggeworden, alle Folgen innerhalb von 9 Tagen.
    Sehr nette Alternative zu 24.

    Jens Holk war nicht im Team der Liberalen, er war der
    Vorsitzende der Moderaten!
    Wurde aufgeklärt, ob Morten die Email an den Journalisten
    geschrieben hat? Oder war das der von Holk getötete?

    1. Stimmt, ich korrigiere das mit Jens Holk, das ist nicht ganz unerheblich. Das mit der E-Mail.. daran kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern. Wenn du näheres herausbekommst, halte mich auf dem Laufenden, ich ergänze das dann gern.

  3. Schade, schade, dass, wer immer die Geschichte gebaut hat, spätestens in

    Folge 7

    aufs peinlichste ein Bein gestellt hat. Umso trauriger, als die Serie bis dahin durchaus zu den Besten TV-Krimiproduktionen zu rechnen ist.

    Lud und Kollege verstehen sich nicht immer, weil sie eher ihrem Spürsinn nachgeht, er sich aber lieber enger an Spielregeln hält, was allerdings Vorgesetzte öfter einlädt, (Teil-)Ermittlungen vorschnell abzubrechen. Gut.

    Es gibt einen neuen Verdächtigen, der Kollege weiß sogar davon – immerhin zeigt er sich, wenn auch in etwas zäher Weise, lernfähig. Aber Lund sucht den Verdächtigen allein auf. Der von ihrer neuen Spur nichts weiß, da sie die Fragen geschickt anlegt.

    Dennoch sollte es ihr nach kurzer Zeit einleuchten, dass er seinerseits rasch auf den Verdacht kommen kann, unter Verdacht zu stehen. Und dass er, der dem Verdacht nach logischerweise sowohl selbst möglicherweise im Affekt getötet als auch zwecks Vertuschung vorsätzlich gemordet (oder morden lassen) hat, sie – der in ihrer eigenen Dienststelle notorisch mit Skepsis begegnet wird, was wohl auch ihm zu Ohren gekommen sein muss – als einzige beharrlich an seinen Tatverdachtsmomenten Interessierte aus dem Weg räumen wollen wird, sobald er den Braten riecht und dazu Gelegenheit hat.

    Und dann läuft es leider ähnlich, wie in jenen schlechten Filmen, in denen – von Männern – notorisch weiblichen Charakteren genau dann, wenn es gilt, sich für Verfolger unhörbar und unsichtbar zu machen, wildes Fuchteln, zielloses Rennen und lautes Kreischen ins Drehbuch geschrieben wird. Das beleidigt alle denkfähigen ZuschauerInnen, ist abgründig frauenfeindlich, und – davon abgesehen – auch furchtbar langweilig. Zum Glück meist auch unglaubwürdig, aber um den Preis des Verlusts jeglicher Dramatik: die Umrisse des Bildschirms (oder der Kinoleinwand) zeichnen sich ebenso überdeutlich ab wie alle im Gesichtsfeld befindlichen Uhren, das Publikum ist aus dem Mitzittern unwiderruflich hinaus katapultiert.

    Wie läuft das hier ab? Frau Profi muss gemäß Drehbuch das Handy im Auto vergessen. Alles? Nein, auch die Waffe lässt sie dort. Genug? Nein: damit, wer beides entwenden will, das auch leicht kann, bleibt das Auto unversperrt. Puh, jetzt alles? Aber nein: der Schlüssel steckt netterweise im Zündschloss. Vier Kardinalfehler – und das ist erst die Einleitung.

    Der Verdächtige holt irgendeine Unterlage aus dem Haus – auf eine ihn leicht überraschende, vielleicht aber ablenkende Frage. Vielleicht, denn genauso gut kann er Lunds Ermittlung durchschaut haben und nur eine Gelegenheit suchen, kurz aus ihrem Blickfeld zu verschwinden. Aber das darf sie laut Drehbuch nicht mitdenken: Fehler fünf.

    Sie geht in den Keller oder die Garage des Hauses – des Verdächtigen: das Haus steht allein – sofern es Nachbarschaft gibt, ist sie (es ist später Abend) zumindest weit genug entfernt, um im Bild nicht erkennbar und für die Geschichte vermutlich nicht interessant zu sein. Das heißt: hat er Verdacht geschöpft, könnte er jetzt ihr nachschleichtn – oder, falls er etwas später aus dem Haus kommt, sie nur genau dort vermuten, wo sie ist, da er sie nicht beim Auto sieht und keine weitere Möglichkeit plausibel ist.

    Lauscht sie also, ob ihr jemand nachkommt? Nein. Blickt sie zurück oder versucht sie, mögliche Bewegungen hinter sich irgendwie erkennen zu können? Nein, sie bewegt sich mit Taschenlampe und fast kindlich suchenden Augen vorwärts: Fehler sechs und sieben. Also, es reicht ja schon das Script, aber musste die Regie das noch so übertreiben lassen?

    Und es geht weiter: sie entdeckt ein verdächtiges – großes – Objekt. Das ist zugedeckt, also entfernt sie die Hülle. Nicht, dass sie sie an einer entscheidenden Stelle anhebt, nein, sie zieht sie ganz ab. Damit, falls sie jemand überrascht und doch noch etwas Zeit bleibt, die Hülle nur ja nicht an ihren Platz zurück kann: Fehler acht. Und dann? Steht sie da, die Profi-Ermittlerin, wie das Kaninchen vor der Schlange und starrt den überdeutlichen Beweis quälend lange an. Wie beim obigen Kreisch-Klischee, wenn sich alle denken: wieso braucht dieser Verfolger denn so ewig lange? Fehler neun, und der dauert wirklich exzessiv lange.

    Wann hören meine Herren Geschlechtsgenossen endlich auf, immer wieder und wieder Frauen derlei Unglaubwürdiges ins Script zu schreiben bzw. per Regieanweisung spielen zu lassen?

    So etwa 6,8 bis 6,9 Folgen lang war Kommissarin Lund Spitzenklasse. Jetzt – und von dieser ärgerlichen Ernüchterung können mich erfahrungsgemäß selbst mehrere sehr gute Folgen kaum in die Geschichte zurück holen – ist sie einfach ruiniert.

    Und warum? Weil – noch einmal – männilche Verantwortliche gar nicht bemerken, wenn sie abgrundtief in unglaubwürdige Übertreibungen von schon an sich erbärmlichen Rollenklischees abstürzen. Und weil sie das, wenn eine Folge um eine Szene verlängern müssen, unter dem (vermeintlichen?) Zeitdruck noch weniger merken. Dabei wurde hier quasi nicht einmal ein Bogen durch eine Saite überspannt: ja, überspannt schon, und leider auch gebrochen, nur dass da schon zwei, drei Minuten lang gar keine Saite mehr drin war.

    Traurig. Sehr traurig.

  4. Ich fand die Serie zunächst sehr gut.
    Aber ich muß leider auch sagen, dass es mich genervt hat, wie sich das Ganze in die Länge gezogen hat.
    Jeder Krimizuschauer denkt darüber nach, wer der Täter sein kann, da hatte man es hier schwer, weill es Absicht war jemand als Täter erscheinen zu lassen, nur um ihn ein/zwei Sendungen später wieder zu rehabilitieren.
    Deshalb habe ich die Serie auch nicht zu Ende gesehen.

    Jetzt habe ich die obige Lösung gelesen. Vagn war mir auch verdächtig, besonders, weil er sich so ins Zeug gelegt hat, als Thais den Lehrer als Täter ansah.

    Was ich nicht ganz verstehe, ist die Sequenz am Anfang, als man Nanna halbnackt durch den Wald rennen sah. Wie paßt das ins Bild, wenn sie ihren Mörder doch in der Wohnung getroffen und er sie dort getötet haben soll ?

    1. Ich muss zugeben, ich kann mich nur noch dunkel an die erste Staffel von Kommissarin Lund erinnern. Ich müsste mir mal die DVD-Box leisten, wie mir scheint..

      Das mit der Länge… ja, es war schon etwas heftig lange, allerdings liefen ja immer mehrere Geschichten gleichzeitig, beispielsweise als zweiter wichtiger Geschichtsstrang der Bürgermeisterwahlkampf. Im Gegensatz zu einem kürzeren Krimi hatte man so viel mehr Möglichkeiten, Personen näher darzustellen, Geschichten viel differenzierter zu erzählen und miteinander zu verweben. Das ging dann gelegentlich trotzdem noch auf Kosten der Aufmerksamkeit. Ohne volle Konzentration ging nichts. 🙂

    2. Ich habe die Staffel erst jetzt gesehen. Vagn als Mörder ist krimitechnisch witzig, weil er der beste Freund des Vaters ist, immer zugegen. Die ganze Stadt wird auf den Kopf gestellt und der Mörder ist immer neben ihm. Aber wohl unrealistisch. Weil er impulsiv ist, hat er die Tochter umgebracht. Obwohl er sie hat aufwachsen sehen, liebevoll mit den Kindern umgeht. Ein Schiziphrener. Doch auch wieder nicht. ER weiss ja, dass er es getan hat, also nicht abgespalten, denn er möchte, dass jemand Falsches verhaftet wird. Also irreal.

  5. Oben unter 5. steht folgendes:
    Das wiederum war eben Vagn, der angab, dass er Nanna davon überzeugen wollte, mit Holk Schluss zu machen. Nanna Birk Larsen kam also in diese Wohnung und wurde dann dort von Vagn abgefangen. Sie hat ihn ausgelacht, er ist durchgedreht, hat sie misshandelt und dann mitgenommen. Dazu hat er, weil er kein Fahrzeug hatte, die Autoschlüssel des Wahlkampfautos genommen, die dort lagen und die Troels Hartmann dort liegengelassen hat, der kurz zuvor in der Wohnung war und sich betrank. Deshalb galt Hartmann auch kurzzeitig als Hauptverdächtiger.

    Meine Meinung dazu:
    Das kann aber nicht sein, weil doch Hartmann im Wahlkampfauto aus der Tiefgarage gefahren ist und auf dem Video deutlich zu erkennen war. Soweit ich mich erinnern kann, war es 22.00 Uhr, also vor der Misshandlung.

    Also bleibt die Frage weiterhin offen, wie kam das Opfer nach der Festhaltung im „neuen Haus“ der Eltern in den Wagen des Wahlkampfbüros.

    Für mich ist es immer noch nicht aufgeklärt, Vagn ist für mich nicht der Mörder.

    1. Hartmann ist vom Rathaus aus mit dem Wahlkampfauto zur Parteiwohnung gefahren, was auf dem Video erkennbar war.

      Dort in der Wohnung hatte er sich ja betrunken und konnte nicht mehr weiterfahren. Daher lagen dort ja auch die Schlüssel die Vagn dann genommen hat für den Transport ins Thais‘ neues Haus.

      Ein Fehler ganz oben im Aufklärungstext: Nanna war ja noch nicht tot, als sie aus Thais‘ neuem Haus in den Wald gefahren wurde. Dort lief sie ja erst noch durch den Wald bevor sie wieder eingefangen wurde. Vagn hatte ja dann auch am Ende gesagt, dass er sie nicht hatte töten können und sie daher mit dem Auto in den See gefahren hatte.

      Sehr spannende Serie, allerdings hätten es auch 6-7 Folgen getan. Ein paar Wendungen zum Erhalt der Spannung hätten nicht unbedingt sein müssen.

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