RSS-Feedreader selbst hosten.

RSS-Feeds gehören auch nach über zehn Jahren immer noch zu meinen Hauptnachrichtenquellen. Weniger für echte Nachrichten – das erledigt auch weiterhin fast ausschließlich SPIEGEL Online für mich – sondern für den ganzen anderen Rest. Computernachrichten einiger einschlägiger Ticker, viele Blogs, Update-Feeds vieler Open-Source-Projekte, einige Google-News-Feeds, Feeds meiner Kunden. Rund 100 Feeds kommen aktuell zusammen, von denen ich keinen vermissen möchte.

Fremdgehostete Dienste, oder: Ach, Google Reader!

Der Google Reader war der Beginn der echten Feed-Organisation. Vorher hatte ich Feeds noch direkt lokal am PC abonniert, was jedoch irgendwann ziemlich unpraktisch wurde, weil dazu logischerweise der PC zu Hause immer eingeschaltet sein musste. Zwar gab es mit Windows XP den Remote Desktop, aber zu Hause den PC eingeschaltet zu haben, nur weil Feeds bereitgehalten werden sollten, war Käse.

Der Google Reader konnte alles viel besser. Schnell, spartanisch-übersichtliche Oberfläche, eingängige Bedienung via Tastaturkurzbefehle. Nur leider machte der Google Reader im Jahre 2013 den Gang in die Ewigen Jagdgründe. Ein immer noch herber Verlust eines liebgewonnenen Dienstes.

Mehr aus Verzweiflung vertraute ich Feedly meine via OPML exportierte Feed-Liste an. Glücklich war ich mit Feedly von Anfang an nicht, sondern war schlicht froh, dass es so ähnlich funktionierte, wie der Google Reader. Und unter anderem eine Android-App mitbrachte, die ich auf meinen Android-Büchsen brauchte.

Sicherlich muss auch so ein Dienst wie Feedly von Geld leben. Allerdings bin ich mit meiner zweiten Hirnhälfte ein verkappter Kaufmann und 65 US-Dollar pro Jahr sind mir für das Bereithalten meiner Feeds zu viel. Ich syndiziere meine Feeds nicht komplex, sondern möchte sie mehrmals am Tag einfach von hinten nach vorn durchblättern und lesen. Und ab und zu die Suchfunktion benutzen, was dann aber mit dem kostenlosen Feedly-Account nicht geht. Wer also nicht diszipliniert interessante Feed-Diamanten bookmarkt, verliert sie im kostenlosen Feedly Account.

Selbst hostet der Mann.

Also blieb irgendwann keine Alternative zum Selbsthosten. Das wiederum habe ich doch tatsächlich fast drei Jahre vor mich hergeschoben. Unterm Strich bleiben bei einigen existierenden Projekten nur selfoss und Tiny Tiny RSS. Beide sind Open Source und kostenlos einsetzbar.

selfoss: Heißt wie ein Seeelefant und funktioniert in etwa auch so.

selfoss ist das erste Open-Source-Paket, das auf den ersten Blick mit einer interessanten Oberfläche daherkommt – und diesen ersten Eindruck beim ersten Durchblättern auch gleich wieder zerstört. Denn ein Artikel in ganzer Gänge wird doch tatsächlich in drei große Spalten aufteilt. Mit dem Ergebnis, dass man für einen sehr langen Text zunächst für die erste Spalte herunterscrollen muss, dann wieder herauf zum Beginn der zweite Spalte, runter bis zum Ende und wieder herauf zum Beginn der dritten Spalte. Das ist so unergonomisch wie eine Tageszeitung, die auf einem Bildschirm gelesen werden soll.

Zudem kommt selfoss sehr spartanisch daher. Keine Plugin-Schnittstelle, keine Organisationsmöglichkeiten für zu speichernde Artikel aus Feeds und nur die Möglichkeit, mit der offiziellen selfoss-App via Smartphone darauf zuzugreifen.

Immerhin ist selfoss sehr begnüglich in Sachen Hosting. PHP ist Grundvoraussetzung, bei der Datenbank sollte eine MySQL-Datenbank genutzt werden. Hat man letzteres nicht, funktioniert selfoss mit einer eigenen sqlite-Datenbank auf Dateibasis. Das ist zwar weit von echter Performance entfernt, funktioniert aber wenigstens.

Tiny Tiny RSS

Tiny Tiny RSS ist ein weiteres Open-Source-Projekt zum Selbsthosten und braucht zwingend PHP und MySQL. Die Installation ist nicht ganz so eingängig, denn der TTRSS-Entwickler entwickelt „rollierend“, also ohne Versionsstände. Das ist leider beknackt, denn so kann jeder heruntergeladene Stand entweder stabil sein oder schwer beta, aber vermutlich ist das für den Entwickler so am einfachsten.

In Sachen Installation muss man sich an die Konfigurationsanleitung halten, Datenbank-Zugangsdaten in eine Konfigurationsdatei packen und mehr oder weniger testen und frickeln, wenn man nicht das Glück hat, bei einem Webhoster zu sein, der Tiny Tiny RSS selbst als Installationspaket anbietet. Hat man Tiny Tiny RSS aber erst einmal zum laufen bekommen, funktioniert es auch sogleich und lässt OPML-Archive importieren.

Die Oberfläche kommt der des Google Readers am nächsten. Von Hause aus gibt es leider jedoch andere Tastaturkürzel, es gibt jedoch im Basisumfang in den Einstellungen unter den Plugins ein Plugin, das die Google-Reader-Tastaturkürzel zurückbringt. Meine Rettung, da ich in diesem Leben wohl keine anderen Tastaturkürzel für das Lesen von Feeds mehr erlernen kann.

Was sowohl für selfoss und auch für Tiny Tiny RSS zwingend benötigt wird, ist ein cronjob auf Seiten des Webhosters. Das ist vom Prinzip her ein automatisierter, zeitlich gesteuerter Aufruf eines Programmmodules, das für die Aktualisierung der Feeds sorgt. Hier glänzt Tiny Tiny RSS leider mit einer komplizierten Anleitung, die auch noch nicht mal den aktuellen Stand darstellt.

In meinem Fall musste ich noch eine Scriptdatei mit folgendem Inhalt schreiben, da mein Webhoster (wie so viele) keine Übergabe von zusätzlichen Parametern erlaubt:

#!/bin/sh
env -i /usr/local/bin/php5 -f ./update.php -- --feeds --quiet

Was möglicherweise hilft, wenn dieses Script hier nicht funktioniert: In den Webforen des eigenen Webhosters zu schauen, ob sich schon jemand mal damit beschäftigt hat.

Immerhin: Tiny Tiny RSS hat eine eigene API, mit der nicht nur die offiziellen (kostenpflichtigen) Apps des Entwicklers Zugriff auf die Feeds haben, sondern auch Dritthersteller. Zumindest für Android habe ich die kleine und feine App TTRSS gefunden, die den Zugriff auf meine Installation gut beherrscht und sich auch von einer SSL-gesicherten Verbindung nicht irritieren lässt. Schön ist zwar auch die Oberfläche von TTRSS nicht, aber Schönheit ist beim Feed-Konsum etwas, was nicht gebraucht wird.

2 Gedanken zu „RSS-Feedreader selbst hosten.

  1. Ich wurde von der Abkündigung des Google Readers auch schwer getroffen. Bis heute habe ich keinen Dienst gefunden, der mich vollends zufrieden stellt. Aber selbst hosten klingt nach Arbeit und vor allem gibt es dann sicher wieder irgend ein Problem oder eine Sicherheitslücke, weshalb ich diesen Schritt bislang nicht gewagt habe.

    Aber: Kennst du „The Old Reader“? Die App dazu heißt gReader (für Feedly und The Old Reader).

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