Wahlzettelbuchhaltung.

Der 26. März 2009 ist ein in meiner Lebensgeschichte bleibender Tag. An diesem an sich belanglosen Donnerstag fand im Vereinsheim des FC Buckenberg in Pforzheim die Jahreshauptversammlung des damaligen SPD-Ortsvereines Pforzheim Mitte-Südost statt. Bei dieser Jahreshauptversammlung war unter anderem die Neuwahl des Vorstandes angesagt, inklusive allem Pipapo wie den beiden Stellvertretern, des Kassenwartes, des Schriftführers, der Beisitzer und den Delegierten für die Kreisdelegiertenkonferenz des SPD-Kreisverbandes. Also fünf Wahlgänge. So weit, so einleitend.

Damals war ich als noch mal neu zu wählender Vorstandsvorsitzende natürlich damit beauftragt, alle notwendigen Wahlutensilien beizubringen, damit der Wahlvorstand eine ordnungsgemäße Wahl durchführen konnte. Und das sind bei Wahlen zuvörderst natürlich die Wahlzettel. Dazu hatte ich einst eine Vorlage in A5-Größe in Word gebastelt, bei der man nur noch die Angaben für die jeweilige Veranstaltung ändern und angeben musste, für wie viele Wahlgänge dann entsprechend Wahlzettel auszudrucken sind. In diesem Fall also fünf Wahlgänge, auffällig nummeriert von 1 bis 5, plus zwei Wahlgänge für Stichwahlen, gekennzeichnet mit „A“ und „B“. Also sieben Stimmzettel.

Irgendein Teufel musste mich geritten haben, als ich auf die Schnapsidee kam, jede Inkarnation dieser Wahlzettel-Heptalogie genau 50 Mal auszudrucken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich damals tatsächlich damit rechnete, dass 50 wahlberechtigte Ortsvereinsmitlieder auftauchen, das wäre nämlich 80 % aller Ortsvereinsmitglieder gewesen. Mit so einer völlig utopischen Anwesenheitsquote wäre mir als Ortsvereinsvorsitzender der goldene Mobilisierungsehrenteller der Sozialistischen Internationalen gewiss gewesen. Normalerweise schafft eine Jahreshauptversammlung es gerade mal so, vielleicht 25 % aller Mitglieder dazu zu bewegen, an ihr teilzunehmen.

Also 50 mal sieben Wahlzettel und damit insgesamt 350 Wahlzettel. Ein schöner Packen Papier.

Von diesen sieben Inkarnationen haben wir dann nur drei gebraucht, weil der Rest der Wahlen per Akklamation abgewickelt wurden. Zudem waren genau 16 Wahlberechtigte anwesend, so dass wir insgesamt 48 Wahlzettel gebraucht hätten. Am Ende waren es 51, weil drei Wahlzettel wegen Fehlern beim Ausfüllen nochmals an die betreffenden Wahlberechtigten ausgeteilt wurden. Blieben also insgesamt 299 Wahlzettel zurück.

Ein Packen Papier, dessen einfaches Wegwerfen mir ein Gräuel gewesen wäre. Aus diesem Grund wird seit diesem 26. März 2009 dieser Packen Papier konsequent recycelt. Und zwar in meiner Buchhaltung.

Buchhaltung ist im Laufe der Jahre ein Hobby von mir geworden, bei der ich meine auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbare Liebe zum perfekten Aneinanderreihen von Erbsen fetischartig ausleben kann. Zu dieser Ordnungsliebe gehört im Zusammenhang mit einer ordnungsgemäßen Buchhaltung das chronologische Abheften von Quittungen und Belegen.

Quittungen und Bons, die es an Registrierkassen gibt, sind normalerweise streifenförmig, bestehen aus labilem, kränklichem Papier und wenn man diese Belege einfach locht, hat man sehr bald eine unansehnliche Zettelwirtschaft, die es zu vermeiden gilt. Also lernte ich einst von einer geprüften Vertreterin der international agierenden Religion der Buchhalterinnen und Buchhalter, dass solche Belege auf einen Papierträger zu kleben sind, der wiederum dann gelocht und eingeheftet werden darf.

Diese Papierträger sind seit dem 26. März 2009 in meiner Buchhaltung die oben erwähnten Wahlzettel-Inkarnationen Nr. 1 bis 5 und Buchstaben A und B.

Ich wollte diesen Sachverhalt einfach gebloggt sehen, damit ich darauf verweisen kann, wenn irgendwann einmal ein Steuerprüfer meine Buchhaltung überprüft und sich wundert, warum man Belege einer Buchhaltung auf SPD-Wahlzettel kleben kann.

5 Gedanken zu „Wahlzettelbuchhaltung.

  1. Wie ich mittlerweile gelernt habe, muss man die so aufgeklebten Quittungen, die mit Thermoprintern ausgedruckt wurden, auch nochmal kopieren, denn sonst sieht man nach ein paar Jahren exakt nichts mehr darauf 🙁

    1. Das habe ich auf dem Radar, aber noch halten die ältesten Thermoprinter-Belege aus dem Jahre 2005. Gerettet wird erst bei Bedarf. 🙂

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