Welcome, Samsung Galaxy S2.

Ziemlich genau zwei Jahre nach dem Kauf meines iPhone 3GS ist nun ein neues Handy fällig geworden. Dass es nicht wieder ein iPhone wurde, war mehr als klar, demnach stellte sich eigentlich nur die Frage, welches Android-betriebene Smartphone es denn sein sollte. HTC fällt aufgrund meiner immer noch etwas nachwirkenden schlechten Erfahrungen und der strikten Bootloader-Politik (scheint sich gerade zu ändern) weg, ebenso SonyEricsson, das meiner Meinung nach derzeit eher alberne Gerätschaften am Start hat. In der näheren Auswahl blieben das Google Nexus S und das frisch erschienene Samsung Galaxy S2. Beim Nexus S störte mich am Ende die fehlende Speichererweiterbarkeit und 16 GB Speicher sind mir dank hinaufzuladender Musik einfach zu wenig. Also Samsung Galaxy S2, immerhin schon gleich am Anfang ein ordentlicher Preissturz auf rund 545 Euro von den von Samsung propagierten 600 Euro.

Äußerlichkeiten

Was man bei Samsung zu erwarten hat, ist einen echten Plastikbomber. Das Gehäuse besteht vollständig aus Kunststoff, der sich zumindest hochwertig anführt. Der Deckel rastet fest ein und ist nur mit mittlerer Gewalt herunterzubekommen. Dann allerdings lässt sich das Telefon sehr einfach mit Mini-SIM-Karte, einer eventuellen MicroSD-Karte und dem 1.650-mAh-Akku bestücken. Deckel wieder drauf und man hat ein immer noch sehr leichtes und vor allem ultradünnes Smartphone in der Hand, das gerade einmal 8 Millimeter „dick“ ist, abgesehen vom etwas dickeren unteren Geräteteil, hinter dem sich das Antennenkonstrukt befindet.

Zusammengebaut liegt das Galaxy S2 sehr gut in der Hand. Als Zubehör gekauft habe ich mir noch eine transparente No-Name-Silikonhülle für 9 Euro, mit der dann das Smartphone richtig schön griffig und satt in der Hand liegt. Zudem habe ich mit so einer Hülle beste Erfahrungen bei meinem iPhone 3GS gemacht, das auch heute noch völlig makellos daherkommt.

In Sachen Anschlüsse gibt es oben einen Klinkenanschluss für ein Headset (ein gar nicht so schlechtes In-Ear-Headset liegt bei) und unten einen Dock-Connector, leider mit einem proprietären Anschluss (USB-Adapter und Reiseladegerät liegen ebenfalls bei). In Sachen Knöpfe gibt es am rechten Gehäuserand den Einschalter, links eine Wippe für die Lautstärke und auf der Bildschirmseite unten ein Home- bzw. Start-Button. Rechts und links davon sind noch zwei weitere Schalter, die jedoch kapazitiv bedient werden.

Bildschirm

Mit einer Bildschirmdiagonalen von 10,85 Zentimetern ist das Galaxy S2 ein Bildschirmriese. Zwar ist die Auflösung mit 480 mal 800 Pixel nicht ganz so gut wie beim iPhone 4, allerdings geht sie vollkommen in Ordnung. So viele Pixel einigermaßen flüssig bewegt zu bekommen, braucht schon Prozessorpower genug. Hier hat Samsung einen Dualcore-Brummer verbaut, der mit einer Taktfrequenz von 1,2 GHz daherkommt und mal eben so auf 1 GB RAM zugreift. Einen PC mit solchen Dimensionen habe ich erst seit drei Jahren …

Samsung verkauft das Display als „Super AMOLED Plus“, was erst einmal einfach nur ein Flüssigkristall-Bildschirm mit LED-Beleuchtung ist. Die Farbsättigung ist ziemlich wuchtig, was auch daran liegt, dass der voreingestellte Startbildschirm koreanisch-knallig ist, in Fernost steht man auf solche Neongeschichten. Man kann also in den Anzeigeeinstellungen als erstes durchaus den Kontrast herunterdrehen und dann auch das Hintergrundbild austauschen, wenn man nicht erblinden will. Der Helligkeitssensor funktionierte bei mir zunächst so lala, das ist aber scheinbar ein bekanntes Problem bei mäßigem Licht und wird bei zukünftigen Softwareupdates berücksichtigt.

Der Bildschirm wird kapazitiv bedient, es genügt also ein kurzer Kontakt mit dem Finger und es muss nicht gedrückt werden. Das funktioniert auch erwartungsgemäß gut, immerhin beliefert Samsung genügend andere Smartphone-Hersteller mit kapazitiven Bildschirmen. Hier erlaubt man sich erwartungsgemäß keine Schnitzer mehr.

In Sachen Akkulaufzeit kann ich noch nicht sonderlich viel erzählen, ich habe gerade mal die zweite Akkuladung intus und bewege mich, sehr subjektiv gesehen, etwas besser damit, als aktuell auf meinem zwei Jahre alten und mit rund 400 Ladezyklen versehenen iPhone 3GS. Aber das teste ich noch.

Android

Am Start ist von Beginn an Android 2.3.3, also Codename „Gingerbread“. Über die nicht wirklich gute Firmwarepolitik Googles, die die Verantwortung für Updates an die Smartphone-Hersteller abdrückt, will ich an dieser Stelle nicht weiter philosophieren, das haben Google und die Hersteller schon verstanden, dass das auf Dauer so nicht funktionieren kann. Immerhin gibt es auch schon zum Galaxy S2 in diversen Foren schon rege Diskussionen, ebenso gibt es auch schon erste Firmwareupdates, die allerdings noch nicht auf allen Gerätschaften automatisch ausgeliefert sind. Und: Das Galaxy S2 ist vom Prinzip her „rootbar“, es kann also mit einer alternativen Android-Version installiert werden, sofern es Entwickler gibt, die für dieses Telefon eine alternative Firmware backen. Das ist bei Highend-Geräten allerdings zu erwarten.

Wer vom iPhone kommt, wird durchaus gewisse Abstriche machen müssen. Zwar ist Android ein hochentwickeltes und gut bedienbares Betriebssystem, es ist aber nicht ganz so rund und durchdacht, wie das iOS von Apple. Das wiederum hat seinen Grund vor allem auch darin, dass Android mehr Möglichkeiten bietet, während Apple sehr streng auf einwandfrei Bedienbarkeit legt und lieber Dinge nicht implementiert, bevor man sie nicht bedient bekommt. Darüber kann man streiten, mich nervt iOS mit seiner Unflexibilität allerdings durchaus.

Wer großen Wert auf absolute Ruckelfreiheit legt, ist mit Android vermutlich (noch) nicht gut bedient. Zwar läuft alles auf dem Galaxy S2 erstaunlich gut und rund, dennoch gibt es hier und da Ruckler und bei einigen Apps auch leicht merkliche Verzögerungen. Gut, wir reden hier auch von einem Betriebssystem, das mit Treibern auf fremder Hardware arbeitet, während bei Apple alles von einem Hersteller kommt. Vor- und Nachteile, die man eben abzuwägen hat.

Android und Basisfunktionalitäten

Schon bei der Installation wird nach einem Google-Account gefragt, den man, falls man noch keinen Hand, auch direkt am Handy einrichten kann. Dieser Account ist obligatorisch, denn erst damit funktionieren so Sachen wie Adressbuch, Kalender und E-Mail wirklich so, wie gedacht, denn es wird zuverlässig synchronisiert. Wer bisher schon das iPhone mit Google-Diensten synchronisiert hat, wird keine Schwierigkeiten verspüren, nach dem Eintragen und Verifizieren des Google-Accounts legt das Smartphone auch schon los.

Die Bildschirmtastatur ist gewöhnungsbedürftig. Hier hat Apple meiner Meinung nach deutlich die Nase vorn, weil sie es schaffen, die Tastatur schnörkellos und einfach darzustellen, während das bei Android nicht so gelungen aussieht. Das liegt vermutlich am schwarzen Hintergrund und an den „harten“ Ecken, hier könnten sich Grafiker vermutlich ebenfalls stundenlang darüber unterhalten. Immerhin gibt es unter Android ein haptisches Rückmeldesystem für gedrückte Tasten mit einem kurzen Vibrieren bei Tastendruck, das man jedoch auch ausschalten kann.

Die Philosophie von Android ist auch, einen eher konservativen Startbildschirm zu habe, der von Smartphone-Herstellern in der Regel so nicht verwendet und von einer eigenen „Portallösung“ ersetzt wird. Das ist beim Galaxy S2 nicht anders, wobei es deutlich flexibler und weniger aufdringlich zugeht, als bei HTC mit der inzwischen wirklich langweiligen Uhr im Faltblattdesign. Ich finde so eine Übersichtsseite allerdings grundsätzlich sehr praktisch und habe das auf dem iPhone von Anfang an vermisst und die Hoffnung inzwischen aufgegeben, dass Apple das jemals vernünftig implementiert.

Android und Apps

Man muss leider auch (noch) damit leben, dass es unter Android noch hier und da an wirklich essentiellen Apps fehlt. Die meisten Betreiber von Social-Media-Plattformen sind in der Regel schon mit eigenen Apps am Start, die teilweise gewaltig besser sind, als die iPhone-Varianten (bsp. QYPE oder Facebook), allerdings gibt es auch durchaus gar nix, beispielsweise für flickr. Hier gibt es keine offizielle App und alles, was ich an Drittanbieter-Apps bisher probiert habe, ist weitgehend mies. Wie ich zukünftig auf vernünftige Weise meine „Bilder des Tages“ hochgeladen bekomme, wird eine spannende Frage.

Ansonsten fehlt Android schlicht die Masse an Apps, wie sie auf dem iPhone zu finden ist. Das kann man betrauen oder auch nicht, denn wenn ich mir auf dem iPhone anschaue, was für teilweise unsäglicher Müll da regelmäßig die App-Charts erklimmt, dann ist es mir recht, dass viele Entwickler von Bullshit-Apps noch nicht Android als Massenmarkt entdeckt haben. Höchstwahrscheinlich eine Frage der Zeit, bis dahin muss man sich aber auch noch mit dem Android Market auseinandersetzen, der einfach unübersichtlicher daherkommt, wie der AppStore auf dem iPhone. Okay, das Suchen ist eine Kernkompetenz von Google, aber nicht überall will man suchen müssen.

Immerhin, man kann Android-Apps auch außerhalb des Markets installieren und das halte ich für ein großes Plus für meine Zwecke. Damit kann man als einfacher Nutzer zwar richtig viel Mist installieren, wenn man nicht genau weiß, was man tut, aber auch hier ist mir Apple ein Tick zu mütterlich unterwegs, zumal es beispielsweise Verschlüsselungssoftware teilweise richtig schwer hat, durch die US-amerikanischen Reglementierungen zu kommen und auch in ausländischen AppStores zu landen.

Android – ja oder nein?

Ganz klar: Ja! Wenn Google und die Gerätehersteller die dezentrale Updateproblematik mal aus der Welt geschafft bekommen, ist Android auf dem besten Wege, erwachsen zu werden. Dass es sich schon heute anschickt, iOS in allen Belangen zu überholen, ist weitgehend gemachte Sache. Und irgendwann gibt es dann auch mal einen Grafiker, der den letzten Schliff macht und dann sieht es vielleicht auch noch etwas hübscher aus, als iOS. 🙂

Samsung Galaxy S2 – ja oder nein?

Auch hier: Ja. Aber ohne Ausrufezeichen. Es ist mit rund 550 Euro Straßenverkaufspreis noch einen Tick zu teuer, bei 450 bis 500 Euro landet es dann aber genau da, wo es hingehört. Nicht ganz so hochwertig aussehend wie das iPhone, dafür jedoch praxistauglicher ohne Glasboden und einer Broken-by-Design-positionierter Antenne. Das Galaxy S2 ist sicherlich kein Gesamtkunstwerk, hat aber auch keinen solchen Anspruch, sondern es will ein sehr gutes Smartphone sein, nicht mehr und nicht weniger. Und das tut es, in der Android-Welt ist es mit seinen inneren Werten zweifellos ein Flagschiff und eine echte Kaufempfehlung, nicht nur für Bastler.

6 Gedanken zu „Welcome, Samsung Galaxy S2.

  1. Ach, der Besim hat auch gestern seine DHL-Lieferung erhalten?

    Ich bin seit gestern auch am „erforschen“ und muss sagen, dass ich – nach „Aufstieg“ von alten Milestone doch recht begeistert von den Fähigkeiten (Grafik, Arbeitsgeschwindigkeit) bin.

    Nach dem Milestone, mit seiner Schubladentastatur, muss ich mich ohnehin auf „Tippen auf Fensterglas“ umstellen und komme mit der S2-Tastatur eigentlich recht gut zurecht.

    Eigentlich wollte ich in meinem Blog auch noch etwas zum 9100 schreiben, aber da bist Du mir zuvor gekommen 🙂

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