AVM Fritzfon MT-F.

Nachdem ich ja nun schon eine ganze Weile das AVM Fritzfon MT-D besitze und damit auch telefoniere, war der Schritt zum MT-F eigentlich nur konsequent, wenn auch einfach nicht notwendig. Da mir aber die alte Gigaset-Anlage so langsam auseinanderfällt, muss ich nun doch mal langsam schauen, einen adäquaten Ersatz zu finden. Also muss das AVM Fritzfon MT-F an einen Test glauben.

Auspacken

Wie immer hat AVM das Verpacken vollkommen im Griff. Der überflüssige Müll auf das absolut notwendigste beschränkt, die Verpackung weitgehend aus Pappe. Neben dem Mobilteil gibt es den Akku, den gut einrastenden Akkufachdeckel, eine Ladeschale, das Ladegerät und ein gedrucktes Handbüchlein. Kein Auspackorgien und kein eimerweiser Müll. Dass AVM mit Kampfpreisen kalkuliert, erkennt man allerdings daran, dass das MT-F zwar einen Anschluss für ein Headset mitbringt, aber kein selbiges beilegt. Das kann man bedauern, muss man allerdings nicht unbedingt, da Headsets nicht mehr die Welt kosten und eine normale „kleine Klinke“ eingesetzt werden, wie sie beispielsweise auch das iPhone einsetzt.

Gehäuse

Das MT-F hat zudem praktischerweise genau die gleichen Gehäusedimensionen, wie das MT-D. Das ist insofern praktisch, da die alte Ladeschale damit auch mit dem MT-F funktioniert und das gilt sogar für das alte Netzteil, obwohl das MT-F mit einem Lithium-Ion-Akku daherkommt, während das MT-D noch einen Nickel-Metallhydrid-Akku nutzt. Beide Geräte können aber sowohl alte, als auch neue Ladeschale und Netzteil nutzen. Durchdacht.

Was auch weiterentwickelt wurde, ist das Gehäuse selbst. Während das MT-D noch mit glänzendem Kunststoff daherkamm, der schon nach wenigen Wochen aussah, wie eine zerkratzte Bratpfanne, ist das Gehäuse des MT-F matt. Zudem gibt es auf der Geräterückseite oben zwei deutlich erhabene Füße, die das Gehäuse nicht plan auf einer Oberfläche aufliegen lassen und die größten Kratzeffekte damit vermeiden. Kleine Details, die zeigen, dass man gelernt hat, denn dadurch wirkt das Mobilteil auch nach einigen Wochen Benutzung durchaus noch hochwertig.

Display

Was beim MT-F sofort auffällt, ist die „Glotze“, das Display. Kam das MT-D noch mit einem monochromen Display und einer Auflösung von 112 mal 65 Pixel daher, bringt das MT-F ein Farbdisplay mit 240 mal 320 Pixel mit. Und darauf lässt sich deutlich mehr unterbringen, was vor allem die Menüs und das Telefonbuch übersichtlicher erscheinen lässt. Einen Beitrag hierzu liefert die höherauflösende Schrift und ein Satz von hübschen Symbolen, die die bisherigen monochromen Piktogramme ersetzen. Tatsächlich hebt sich das MT-F mit seinem Display so ziemlich von allen gängigen DECT-Mobilteilen sehr locker ab.

Wobei… man hätte noch mehr daraus machen können. Zwar bietet nämlich das MT-F in den Einstellungen für das Display eine Hintergrundgrafik an, meint damit aber nur die eine Hintergrundgrafik, die auf dem Gerät fest hinterlegt ist – eine eigene Grafik lässt sich, zumindest mit jetzigem Versionsstand, nicht hinterlegen. Dafür profitiert das MT-F von Bildern von Anrufern, die auf der Fritzbox hinterlegt werden können und auf dem MT-F dann erscheinen, wenn der Anrufer anhand seiner Caller-ID bei einem eingehenden Anruf identifiziert werden kann. Fast wie auf einem vernünftigen Smartphone.

Klangqualität

Da gibt es nichts zu meckern, die Klangqualität ist „Superior“ und misst sich mit dem, was jahrelang beispielsweise Siemens mit ihrer Gigaset-Serie als Messlatte hatte. DECT auf Fritzboxen hatte anfänglich mit ziemlichen Problemen gerade in tief verschachtelten Räumen zu kämpfen gehabt, in der Zwischenzeit hat AVM jedoch sowohl auf Fritzboxen, als auch auf Fritzfon-Geätschaften mit Software-Updates sehr stark nachgebessert, so dass schon mit meinem alten MT-D kaum noch Übertragungsfehler auftraten. Das MT-F führt diese Qualitätsverbesserungen nahtlos weiter.

Wo AVM wirklich die Nase vorn hat, ist das, was AVM „HD-Telefonie“ nennt, also die optionale Nutzung eines anderen Codecs namens G.722, anstatt des im DECT üblichen G.726. Kommunizieren zwei Mobilteile miteinander, die beide G.722 können, resultiert dies in einer deutlich besseren Sprachqualität, die zwar immer noch in Mono daherkommt, allerdings viel nuancierter daherkommt und richtig Spaß macht. Wir sind als moderne Menschen in Sachen Telefonie zwar immer noch eine vergleichsweise schlechte Sprachqualität gewohnt, AVM zeigt aber mit G.722 sehr deutlich, was mit moderner Komprimierungstechnik auf normalen Übertragungswegen gehen könnte, wenn alle mitmachen würden.

Nutzt man also an einer DECT-fähigen Fritzbox nur Fritzfon-Geräte, kommt man bei internen Gesprächen immer in den Genuß von „HD-Telefonie“ und das fällt wirklich auf.

Benutzung, Internet-Funktionen und ISDN-Komfortfunktionen

Die Benutzung ist AVM-typisch auf hohem Niveau und noch ein Tick besser, als beim MT-D. Die Menüreisen erfolgen angenehm flott und auch das Telefonbuch, das zentral auf der Fritzbox geführt wird, ist herrlich schnell und macht das Telefonieren zu einem echten Spaß. Lediglich die leider immer noch vorhandene „Gedenkpause“ nach dem Beenden eines Gespräches ist immer noch da – nach Auflegen einer Verbindung braucht auch das MT-F etwa zehn Sekunden, bis ein neue Verbindung gewählt werden kann. Das sieht aber immer noch nach einem Thema aus, das vermutlich auf der Fritzbox existiert.

In Sachen Internet-Funktionen hat das MT-F alle Möglichkeiten geerbt, die neuere Fritzboxen auch schon mit dem MT-D ausliefern können – mehr auch nicht. Auf der Fritzbox können RSS-Feeds, Mailkonten und Internet-Radiosender ausgewählt und konfiguriert werden, die dann auch über das MT-F genutzt werden können. Gerade in Sachen Internet-Radio ist das in Verbindung mit einem Headset eine richtige Alternative zu einem tragbaren Radio, auch wenn man das Manko hinnehmen muss, dass das MT-F das Radio nur in Mono klingen lässt, selbst über ein Headset. Übertragen wird das alles nämlich nach wie vor über die DECT-Schnittstelle. Aber mal eben auf dem Ergometer mit dem MT-F Radio über einen Kopfhörer zu hören, das ist schon nicht ganz unpraktisch.

Die üblichen ISDN-Funktionen wie Halten, Makeln, Sperren und Rufweiterleitungen funktionieren selbstverständlich auch auf den DECT-fähigen Fritzboxen mit angebundenen DECT-Mobilteilen. Ärgerlicherweise sind jedoch Rufweiterleitungen immer noch nur über die Fritzbox konfigurierbar, immer noch nicht über angeschlossene DECT-Mobilteile. Das führt leider dazu, dass man für das Neuanlegen einer Rufweiterleitung im ungünstigsten Fall einen Rechner hochfahren muss, um damit über die Fritzbox-Konfiguration eine Rufweiterleitung einzurichten. Ich habe das mehrmals beim AVM-Support bemängelt, aber leider hat sich in diese Richtung immer noch nichts getan. Noch.

Update-Fähigkeit

„Noch“ deshalb, weil AVM auch beim Fritzfon MT-F auf Software-Updates setzt, so wie bei allen Fritzboxen, die noch in Sachen Firmware gepflegt werden und regelmäßige Updates mit teilweise richtig hochwertigen Funktionserweiterungen erhalten. Diese vorbildliche Software-Pflege gilt auch für das Fritzfon MT-F, das regelmäßig mit neuen Fritzbox-Firmwares und -Labor-Firmwares ein eigenes Softwareupdate erhält. Kleines Manko hier ist, dass die Software für das MT-F deutlich größer ist, als die vom MT-D, aber das ist zu verschmerzen, da das Update vollkommen automatisch passiert, das Mobilteil danach automatisch neu startet und wieder einbucht.

Fazit zum Fritzfon MT-F

Ganz einfach gesagt: Das Fritzfon MT-F macht Spaß und ist endlich ein richtig gutes DECT-Mobilteil. Während das Fritzfon MT-D etwas unter seiner behäbigen Geschwindigkeit, seinem monochromen Display und seinem billig wirkenden Gehäuse leidet, hat das MT-F all diese Probleme nicht mehr. AVM hat wieder einmal sehr schön gezeigt, dass sie verstehen und lernen und das zeigt sich in deutlich ausgereiftere Produkte, eben wie das Fritzfon MT-F. Preislich bewegt es sich zwischen 65 und 90 Euro, was für ein erwachsenes DECT-Mobilteil mit großzügigem Display ein vernünftiger Preis ist.

Wer eine DECT-fähige Fritzbox wie die 7270 oder die 7390 hat, ist mit dem Fritzfon MT-F bestens bedient. Ich bin immerhin schon so weit, dass ich nun konkret überlege, meine bisherige Gigaset-Anlage, die noch parallel läuft, endgültig aufs Altenteil zu schicken und alles nur noch über meine Fritzbox 7270, meinen zwei AVM-Mobilteilen und ggf. noch ein, zwei alten Gigaset-Mobilteilen zu erledigen. Es tut!

2 Gedanken zu „AVM Fritzfon MT-F.

  1. Display:
    „eine eigene Grafik lässt sich, zumindest mit jetzigem Versionsstand, nicht hinterlegen.“

    Lässt sich hinterlegen, wenn man einen Speicher an der FritzBox angeschlossen hat.

  2. Fehlt noch die Fernsteuerung von Enigma2-Receivern :).
    Über den Receiver selbst kann ich übrigens die Anrufliste einsehen, sowie eine Rückwärtsssuche machen.

    Und ein schnell zu nutzendes „Mikrofon“ zum Rechner wäre auch interessant.
    Also mit einem Knopfdruck, evtl. gedrückt haltend. Mit der richtigen Software könnte man so evtl. das MT-F MediaCenter mit der Sprache steuern.

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