BlogCamp Switzerland 5 in Zürich.

Mit Jan Theofel, Oliver Gassner, Oliver Sigrist und mir begab sich gestern Frühmorgen der Viererbob “Baden-Württemberg 1” in den Eislaufkanal in Richtung Süden, um um Punkt 10 Uhr im Technopark von Zürich auf der Matte zu stehen und dem fünften BlogCamp Switzerland die Aufwartung zu machen. Mit rund 100 angemeldeten Usern, von denen dann am Ende etwa 80 tatsächlich kamen, gehört das BlogCamp Switzerland eher zu den kleineren Barcamps. Wer jedoch die Unkonferenzartigkeit von Barcamps kennt, weiß, dass “weniger” nicht wirklich “weniger” bedeuten muss.

So war es dann auch. Der Technopark in Zürich gab als Veranstaltungsort einen sehr modernen Charme ab, auch wenn das WLAN anfänglich etwas eierte, dann aber doch funktionierte. Intro und Outtro fanden in einem größeren Vorlesungssaal statt, dessen Name “Fortran” sehr deutlich zeigte, dass man sich im Technopark der Informatik bewusst zu sein scheint. Die eigentlichen Barcamp-Sessions fanden dann in vier Konferenzräumen statt. Oder nennen wir es lieber Hinterzimmer, denn pro Raum passten 30, 40 Teilnehmer hinein, die Vortragstische waren quasi direkt vorne an der Projektionswand und das VGA-Kabel auf dem Vortragstisch im Falle meines Vortrages in Raum C doch immerhin gewaltige 5 Zentimeter lang. 😉

Dass das BlogCamp gut war, zeigte sich vor allem dadurch, dass alle 16 Sessionslots belegt wurden. Jeweils vier Sessions wurden gleichzeitig in vier Vortragsräumen gehalten und genau vier Zeitscheiben gab es. Zusammenfassung der von mir besuchten Sessions:

“Facebook killed the Bloggerstar – Über die Zukunft von Blogs” von Ralph Hutter (@pixelfreund)

Ralph Hutter hat in einem hübschen und flotten Vortrag eine These aufgeworfen, dass seiner Meinung nach Weblogs anfangen, zu einer aussterbenden oder zumindest zu einer kleiner werdenden Informationsmasse im Internet werden. Seine weiterführende These ist die, dass dies vor allem dadurch ausgelöst wird, dass gestandene Blogger, die in der Vergangenheit sehr viel gebloggt haben, immer mehr ihre “Schreibtätigkeit” auf Social Networks ausüben, wobei wir im deutschsprachigen Raum hier derzeit von Facebook reden.

Allerdings, so Hutter, ist das Aussterben eher als “Marktbereinigung” zu sehen. Potentiell überleben Fachblogs und andere Arten von professionell betriebenen Weblogs eher und sorgen für eine höhere Informationsqualität. Damit geht sicherlich ein Stückweit der Charme der Blogosphäre flöten, der bisher vor allem von Meinungen und Inhalten Einzelner transportiert wurde.

Seinen Vortrag gibt es auf seiner Website, inklusive einigen Bildern: Facebook killed the Bloggerstar

“Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf” von mir

Politik 2.0 ist ein erwartungsgemäß ein Nischenthema, deshalb verirrten sich nur ca. 10 Teilnehmer in meine Session. Nichtsdestotrotz waren die Inputs gut, wichtig und interessant, zumal die Nachfrage, was nach der Wahl kommt, stärker im Fokus liegt, als ich “befürchtet” habe. Die entstandene Diskussion fließt daher nahtlos in das ein, was ich zu diesem Thema noch entwickeln will.

Meinen Vortrag gibt es hier im Blog: Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf

“Channels for delivering health services” von Frank Calberg

Was der in Zürich lebende Däne Frank Calberg beruflich genau macht, ist mir immer noch nicht ganz klar, aber: Selten habe ich einen so interessanten Vortrag gesehen, wie diesen. Calberg hat in seiner Session einen Überblick darüber gegeben, wie in Zukunft die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ablaufen könnte und welche Beispiele es schon heute gibt.

Und siehe da: Es gibt tatsächlich Lösungsansätze, die Patienteninformationen sinnvoll vernetzen können und von denen sowohl Patient, als auch Arzt profitieren können. Ergänzt durch innovative Arztkonzepte wie beispielsweise einem Ambulanzbus, der ähnlich wie eine fahrbare Bibliothek zu Patienten fahren kann  und eine vollständige Arztpraxis darstellt (hat mir sehr gut gefallen), könnte man tatsächlich die Gesundheitsbranche mit revolutionären Ideen fit machen für eine älter werdende Gesellschaft und Sorge dafür tragen, dass auch in ländlichen Gebieten die medizinische Versorgung sichergestellt werden kann.

Ein echtes Session-Highlight, das auch davon lebte, dass zwar nur Frank Calberg, Jan Theofel und ich die Session bearbeiteten, aber dafür wir drei eine ausgiebige Diskussion führten.

Da er seinen Vortrag in seinem Weblog nicht verlinkt hat, hier ein Link auf Slideshare, wo sich sein Vortrag befindet: Channels for delivering health services

WordPress als Basis für eine Online-Zeitung von Ute Hauth

Ute Hauth, Chefin des Unternehmens miradlo in Konstanz, hat in ihrer Session vorgestellt, wie mit WordPress eine Online-Zeitung realisiert werden kann. Die Online-Zeitung ist see-online.info und wird von der Journalistin Waltraud Kässer bestückt und das durchaus ambitioniert, denn mit bis zu zehn redaktionellen Artikeln bewegt man sich auf dem Niveau so manch einer Lokalzeitung.

Fazit: WordPress packt das und ist auch für eine Online-Zeitung ein würdiges Redaktionssystem, das sich verhältnismäßig einfach erweitern lässt.

BlogCamp-Fazit

Schön war es, das kleine Team des BlogCamp Switzerland rund um Peter Hogenkamp herum hat gute und solide Arbeit geleistet. Klein, fein, nicht überladen und am Ende gab es noch ein nettes “Meet-Out” mit Schokolade aus dem Migros, einem von Frank Calberg gesponserten Kuchen und zwei Paletten 0,5-Liter-Dosenbier Löwenbräu. Letzteres hat zwar so gar nichts mit Zürich oder der Schweiz zu tun, verfehlte aber dennoch nicht seine Wirkung.

Und Zürich ist um diese Jahreszeit eine Reise wert. Zufälligerweise war just gestern die Eröffnung des “Viadukts”, einer Art Einkaufszentrum, das auf mehreren hundert Metern unter den Bögen einer steinernen Bahnbrücke gebaut wurde und eine Reihe von interessanten und lustigen Geschäften beherbergt. Eine phantastische städtebauliche Idee inmitten eines Arbeiterviertels, die ich mir unbedingt nochmal in Ruhe anschauen muss. Dank an Sam Steiner und Markus Hegi, die uns spontan dorthin zum gemeinsamen Mittagessen mitnahmen.

5 Gedanken zu „BlogCamp Switzerland 5 in Zürich.

  1. Vielen Dank für die freundlichen Worte.

    Ja, die kleinen Räume sind die Achillesferse, finde ich eigentlich auch unzumutbar. Leider waren grössere dieses Jahr für uns nicht finanzierbar, aber wir bleiben dran.

  2. Der Vorteil der kleinen Räume: Man kommt sich schneller näher (konkret wie abstrakt), die Diskussion ist einfacher. Stellt Euch einmal einen Raum vor, wo die Zuhörer erst ab Reihe 3 sitzen und der halbe Raum leer bleibt…

  3. Ich fand die Diskussionen auch sehr spannende. Die kleinen Räume hatten wir am Wochenende beim #bcs3 ja auch und ich finde sie auch nicht so schlimm. Zu klein ist natürlich auch schlecht. Auf einen neuen Vierer-Bob Baden-Württemberg I beim nächsten Mal… 🙂

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