Abgesang auf die (alte) Musikindustrie.

Sehr interessant zu lesen ist der Artikel der taz auf eine Studie der britischen Musikverwertungsgesellschaft MCPS-PRS, in der die unglaublich überraschende Feststellung getroffen wurde, dass Konsumenten lieber Musik klauen, anstatt legal herunterzuladen. Als allmächtiges Beispiel dient dieser Studie das inzwischen berühmt gewordene Download-Experiment des Radioheads-Albums „In Rainbows“, das es auf der Homepage der Radioheads kostenlos zum Herunterladen gab, aber dennoch signifikant oft über Tauschbörsen „geklaut“ wurde.

Äh, wen juckt das bitteschön, muss man erst mal direkt zu diesem Punkt einwerfen, wirklich, wenn eine Band ihr Album kostenlos auf ihrer Homepage vertickert und es dennoch über Tauschbörsen gezogen wird? Natürlich führen beide Wege zum gleichen Ergebnis, aber letztendlich ist ein Torrent mit einem gewöhnlichen Torrent-Client einfacher geladen, als auf die Homepage der Band zu wackeln und sich die Objekte „legal“ zu ziehen.

Um zum dahinterliegenden Thema zu kommen: Ja, wir haben sie umgebracht, die altehrwürdigen Plattenimperien. Zumindest indirekt, denn Musik geklaut wurde schon immer. Früher war es die gute, alte Compact Cassette und der Radiomitschnitt, der oft später zum Albumkauf führte, heute ist es die getauschte MP3-Datei, die oft genug nicht mehr zum Albumkauf führt. Ob das daran liegt, dass die MP3 nicht verrauscht ist, mag bezweifelt werden. Ich glaube nach wie vor, dass es der in Samples gepresster Scheißdreck von Bands ist, die keiner kennt, die oft genug nicht selbst komponieren, schreiben, spielen oder gar singen und der zwischen der Klingeltonwerbung in MTV und MTV-Bierzelt „Viva“ gar nicht mehr auffällt.

Die Musikindustrie hat ihre Kundschaft nicht dadurch verkorkst, dass sie ihr Hürden zwischen die Tauschbeine geworfen hat, sondern durch jahrzehntelange Kultivierung von auditivem Gefurze von Retortenbands, gepusht mit millionenschweren Werbeetats. Negative Publicity mit dem „Feind“ wird heutzutage gekauft und die Idioten in ihren Glaspalästen glauben tatsächlich noch, dass sie die Geister, die sie riefen, dadurch loswerden, in dem sie ihnen das Fliegen staatlich verbieten lassen wollen.

4 Gedanken zu „Abgesang auf die (alte) Musikindustrie.

  1. Das mit der Musik ist auch ein Teufelskreis. Es wird weniger Musik verkauft, ergo schließen die CD-Läden. Und deshalb findet man weniger Musik und somit wird weniger verkauft.

    Ich liebte es, durch Plattenläden zu stromern und einfach mal zu schauen, was man so finden kann. Hier in MG schließt gerade der letzte Plattenladen. Nun also nur noch die Abteilungen bei den Elektronicriesen.

  2. Damit, dass die Musikindustrie lange Zeit die kleinen Plattengeschäfte als Feind auserkoren hatte und die großen Discounter mit Preisnachlässen geradezu dazu aufstachelte, die Konkurrenz auszubooten, hat sich die Musikindustrie erst recht das eigene Grab geschaufelt. Denn während gerade die kleinen Plattengeschäfte vor allem durch gute Beratung glänzen konnten und genügend Musikinteressierte erst zur Musik gebracht haben, muss man im Discounter schon froh sein, wenn das Personal überhaupt den CD-Player bedienen kann.

  3. „Natürlich führen beide Wege zum gleichen Ergebnis, aber letztendlich ist ein Torrent mit einem gewöhnlichen Torrent-Client einfacher geladen, als auf die Homepage der Band zu wackeln und sich die Objekte “legal” zu ziehen.“

    Und deswegen ist das vor allem ein Abschied von der Lebenslüge all jener, die behaupten, die Musikindustrie sei selbst schuld an ihrer Misere, weil sie es einfach versäumt hätten, gute einfach bedienbare kostenpflichtige Downloadportale einzurichten:

    Wenn es den Konsumenten nicht einmal das bisschen Mühe wert ist, auf die Bandhomepage zu wackeln und sich den Song dort zu ziehen, ist jede kommerzielle Downloadplattform zum Scheitern verurteilt.

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