Der arme alte Mann wieder.

Es war klar, dass der arme alte Mann des Web 1.0 nach der Beta-Blogger-Nummer des SPIEGEL gestern begonnen haben muss, wie wild zu sabbern und deshalb sein altes WordPress-2.0.10-Blog anwarf, um wieder den Fundamentalisten zu spielen. Leider ist er in seinem Wahn schon so weit, dass er seine Kommentarfunktion nicht mehr im Griff hat. Es kann auch seine Wahrnehmungsfunktion sein, so genau kann man das nicht mehr trennen, jedenfalls missfallen ihm meine freundlichen und klaren Kommentare, er löscht sie und tituliert mich als jemand, der nur darauf begehren würde, einen Link von seinem Blog zu erheischen. Ausgerechnet ich, der eh nur in homöopathischen Dosen in fremden Blogs kommentiert.

Diese niederinstinktiven Vorurteile ehren mich jedoch. Immerhin war sein schick gebundenes und verhältnismäßig teures Buch über den Dot-Com-Wahnsinn, ich wiederhole mich da inzwischen gern und habe meine Scham darüber erfolgreich überwunden, das erste und ist aktuell immer noch das letzte (annähernd) internet-spezifische Buch, das ich nach der Hälfte der Lektüre weggeschmissen habe. Zu sehr störte mich die auffallend einseitige und dünnschissige Schreibe eines frustrierten Egozentrikers, der doch so gerne dazugehören wollte, offenkundig nie gefragt wurde und sich dann verbal dafür rächen musste.

Der arme alte Mann kann auch aus diesem Grund nicht anders, als der Blogosphäre, dem komischen Hort mit dem umgekehrten Weg des Publizierens, die Existenz streitig zu machen. Die Belanglosigkeit, die der SPIEGEL der deutschen Bloggerszene (inzwischen auch online) konstatiert, kommt ihm da wie gerufen, sind es doch nur noch die wenigen Säulen in seinem tristen Online-Leben, an die er sich lustvoll reiben kann. „Solange es genug Herdenviecher gibt,“ so der arme alte Mann leidgeprüft, „die sich masochistisch den defensiven Schmähungen eines Printartikels hingeben, statt selbst mal was Substanzielles zu schreiben, bestätigen die eher die Vorurteile, denn dass sie eigene Akzente und Themen setzen.

Damit verkennt der arme alte Mann leider auch nach Jahren, dass die Zeitungswelt eigentlich auf dem gleichen Grundprinzip beruht. Würde der arme alte Mann alle Tageszeitungen dieser Republik abonnieren und vergleichen, würde er vermutlich erstaunt merken, dass sie zumindest bei den überregionalen Themen alle dasselbe schreiben; ein Bombenanschlag ist für eine sachliche Zeitung genau der gleiche Bombenanschlag wie für das sachliche Konkurrenzblatt. Über die Hintergründe kann man dann durchaus andere Schlüsse ziehen und diese auch anders kommentieren. Als Leser hat man dann die phantastische Möglichkeit, sich, je nach Couleur und gebotenem Intellekt, entweder ein linkes, ein liberales, ein konservatives Blatt oder die Bild-Zeitung zu kaufen.

In der Blogosphäre ist es, wie in jedem anderen Medienraum auch, ganz genauso, wenn auch in ganz anderen Quantitäten: Es gibt hunderttausende Blogs. Darunter wenige, die für die eigene Wahrnehmung wichtig sind und viele, die das eben nicht sind. Jeder liest das, was ihm gefällt. Niemand ist gezwungen, sich Blogs zu abonnieren, die seine geistigen Leistungsfähigkeiten über- oder unterschreiten und jeder darf seine Lesegewohnheiten nach dem Stand der Sonne, der Haltbarkeit der Milch im Kühlschrank oder der Länge der Fingernägel von Angela Merkel jederzeit, ohne Einhaltung von Kündigungsfristen und ohne Rechtfertigungen, anpassen.

Jeder hat das Recht, das zu lesen, was ihm gefällt. Und seien das die Erfolge der Nachzüchtungen im (fiktiven) Kleintierzüchterverein Pforzheim-Südstadt. Und jeder hat auch das Recht, das zu schreiben, was ihm gefällt. Dieses Recht geben wir jedem hier Lebenden mit Artikel 5 unseres Grundgesetzes und das bedeutet auch, dass sich jeder so oft wiederholen darf (so lange er nicht abschreibt), wie es ihm gefällt. Aus Sicht der Medientheorie regelt auch hier die Nachfrage das Angebot und selbst wenn jemand für sein Angebot gar keine Nachfrage verzeichnet, darf er das dennoch so lange tun, bis ihm der Atem oder das Brot ausgeht. Und selbst dann noch, wenn sich der arme alte Mann deshalb vor Zorn in vier Teile zerreißt.

Ach, armer alter Mann, mache es doch den Menschen nicht noch schwerer, dich als seltsamen, Schalmei spielenden Kauz in einer ehemals sehr seltsamen Welt in Erinnerung zu behalten. Warum musst du so weitermachen, bis dir die Leute im Café den billigen Kaffee aus Kaffeesurrogate nur noch aus Mitleid bezahlen, damit du etwas zum Nuckeln hast?

4 Gedanken zu „Der arme alte Mann wieder.

  1. Auch wenn Du Recht hast, werden Deine Aussagen in seinen Augen nichts als stümperhaftes Geschreibe sein, da Du keinen direkt Link auf ihn gesetzt hast. Sowas ist doch inkompetent 😀 also ehrlich… 😉

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