Das Gebahren in der Hochfinanz.

Man könnte fast meinen, die Telekom sollte einfach mehr richtige Skandale produzieren, wenn man sich das Kursplus der T-Aktie in den letzten Tagen anschaut. Aber das wäre nicht Sinn der Sache.

Sinn der Sache ist, dass es in den DAX-Konzernen offenkundig schon seit Jahren mit allem zu geht, außer Vertrauen. Der Vorstand traut seinem Aufsichtsrat nicht (umgekehrt hätte ich es ja noch verstanden) und lässt ihn systematisch rundum-sorglos-bespitzeln, bei Volkswagen stehen offenbar eingeschaltete Babyphones in Hotelzimmern herum, zufälligerweise in dem, in dem der Porsche-Manager nächtigt. Das wirklich Bizarre an der ganzen Thematik ist, dass Vorstände und Aufsichtsräte in der Upperclass der deutschen Aktiengesellschaften gern inzestös in anderen Aktiengesellschaften stecken und die Misere aus dem einen Posten gleich in den nächsten tragen.

Dass die Führungskräfte von Aktiengesellschaften keine Übermenschen sind und letztendlich auch mit einer Ladung Zaster regierbar sind (egal von welcher Erzmine die dann kommt) ist eine Sache – gepaart mit einem immer sorgloseren Umgang mit persönlichen Daten und zukünftig auch unterfüttert mit einem staatlich garantierten Berg von auf Vorrat gehaltenen Daten ist das eine sehr ungesunde Mischung. Hatte bis dato nur die Exekutive und die Judikative die Möglichkeit, gesetzlich garantiert „im Namen des Volkes“ Strafverfolgung zu betreiben, tun das nun immer stärker Hobbyfahnder und Unternehmenssheriffs. Und anstatt dass der Staat genau diese Fehlverhalten drakonisch sanktioniert, hängt sie sich an die Fahnungserfolge und ermittelt sie da zu Ende, wo die Unternemenssicherheit nicht mehr weitermachen kann – wobei es vermutlich noch einfach etwas Zeit braucht, bis der erste DAX-Konzern seinen eigenen Folterkeller einrichten lässt.

Gebt den Leuten Daten anderer Leute und sie werden sie missbrauchen. So einfach ist das.

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