Die Crux mit den Messengern

Ich gebe zu, dass ich auch nach über 20 Jahren Online-Nutzung immer noch ein Kind der guten, alten E-Mail bin. E-Mail ist für mich Relevanz (mit Ausnahme von Spam natürlich), Authentizität, Archivierbarkeit. Ohne E-Mail läuft es bei mir weder in meiner privaten, noch in meiner geschäftlichen Kommunikation.

Mit Messengern hatte ich viele Jahre lang kein Problem, weil ich Messenger nur für private Kommunikation gebraucht habe und ich bei keiner dieser Kommunikation auf Authentizität achten musste. Schnell etwas getippt – wunderbar.

Immer häufiger komme ich nun aber in meiner geschäftlichen Kommunikation mit Kunden in Berührung, die ausschließlich via Messenger kommunizieren wollen. Das ist schon mal insofern ein Problem, weil geschäftsrelevaten Kommunikation eigentlich zehn Jahre lang archiviert werden muss. Wer bitte archiviert zehn Jahre lang seine Messenger-Kommunikation? Und vor allem: Wer will ich solchen Archiven nach bestimmten Inhalten suchen?

Dazu kommt – und das macht mich wirklich schwer kirre inzwischen – der Einsatz von Emojis. Kurzum: Ich hasse Emojis wie die Pest. Es gibt nichts, was mit Emojis wirklich besser wird. Nichts, rein gar nichts.

Ganz im Gegenteil: Geschäftliche Messenger-Kommunikation zusammen mit exzessiver Emoji-Kommunikation ist das gräßlichste, was dieser Planet in Sachen Kommunikation hervorgebracht hat. Nicht nur kann ich in Messenger-Logs nicht vernünftig suchen und zuordnen, sondern nun ist auch noch alles voll mit lachenden, weinenden, grübelnden, kotzenden Gesichtern.

Dazu kommt diese ewige Bestätigerei mit dem ewigen Daumen nach oben oder nach unten. Ich muss nicht wirklich zu jeder Äußerung in einem Messenger-Text wissen, ob der angekommen ist oder nicht. Wirklich nicht. Es juckt mich oftmals nicht, ob es jemand versteht oder nicht. Und noch viel schlimmer: Wenn ich keine Daumen-nach-oben verschicke, unterstellen mir inzwischen Leute, ich hätte etwas nicht verstanden.

Mit Emojis ist es noch an einer anderen Stelle katastrophal, nämlich beim Einsatz von Sprache. Ich habe in meinem Auto Android Auto und kann damit recht gut arbeiten und sogar chatten. Das ist allerdings kaum mehr möglich, wenn jemand mehr Emojis als Text verwendet. Denn Android Auto liest Emojis vor. Und so entstehen folgende gesprochene Monologe:

„Ja, danke! Lachendes Gesicht. Daumen nach oben. Daumen nach oben. Daumen nach oben. Daumen nach oben. Rotes Herz. Daumen nach oben. Lachendes Gesicht.“

Dass ich mit solchen Chats nichts anfangen kann und wenig Spaß habe, dürfte einleuchten.

Aber es geht alles noch viel schlimmer. Ich sage nur: Sprachnachrichten, Bilder und Videos. Denn die kann ich weder sinnvoll archivieren, noch durchsuchen.

Wie konnte es jemals so weit kommen?

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