Kinder dürfen nicht auf die CeBIT. Und?

Ein Blogartikel von Systemadministrator Lars Reineke mit einem persönlichen Erfahrungsbericht zur CeBIT bzw. zu einem missglückten CeBIT-Besuch hat mir gestern eine Menge Amüsemang beschert. Reineke wollte am gestrigen Samstag auf die CeBIT und hatte die Familie im Gepäck, was an der Kasse offenbar zu einer Diskussion darüber führte, da er mit seinem Kleinkind aufgrund Messeregularien nicht auf die CeBIT durfte. Kinder unter acht Jahren haben keinen Zutritt auf die Messe. Das übrigens nicht erst seit diesem Jahr.

Und dabei will ich gar nicht mal die Frage beantworten, welchen Sinn es hat, an einem Wochenende einen Familienausflug mit Kleinkind ausgerechnet zur weltgrößten Computermesse nach Hannover zu machen, wo man doch als Systemadministrator sehr sicher wissen dürfte, dass eben gerade am Messewochenende dort nicht weniger als die Hölle los ist. Ich habe keine Kinder, mir fehlt die Entscheidungsgrundlage, auch wenn meine Tendenz zur Antwort in so einer Fragestellung sehr eindeutig gegen einen Messebesuch geht.

Zuerst einmal ist die CeBIT eine … Achtung, zentrale Argumentation … Fachmesse. Sprich: Da geht es weniger um Unterhaltung im Sinne des unbeschwerten Durchlüftens von Gehirnwindungen, sondern es geht um das Business. Und zwar ganz gehörig. Die CeBIT ist nun mal die weltgrößte Computermesse, sie ist brutal kurz, extrem weitläufig, Hannover ist eine schreckliche Stadt, das Wetter ist zur CeBIT in der Regel desolat, die Anfahrt zum Messegelände mit Auto, Bahn, Flugzeug und Viehtransport gleichermaßen beschwerlich, wenn man es mit den Horden tun muss, die eben an so einem Wochenende zur CeBIT wackeln. CeBIT ist nicht Expo, auch wenn die vor zwölf Jahren dort stattfand.

Was man bei so einer Fachmesse wirklich am „allerbesten“ gebrauchen kann, sind Sonntagsausflügler und Souvenirjäger. Die gibt es schon genügend in Form von gelangweilten Computerbesitzern, die sehr gern dem Fachpersonal von Geldautomatenherstellern die dollsten Geschichten von ihren Geldautomatenbenutzungen erzählen oder in Form von eben Souvenirjägern, die alles abgreifen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die CeBIT ist all das, was die Computerwelt ausmacht und die ist in vielen Fällen nicht sehr schön. Die Messe kostet für alle Beteiligten ein Schweinegeld und zerrt an Gesundheit und Nerven.

Ich habe allerdings auch kein Verständnis für das inzwischen legendäre CeBIT-Gejammer von Leuten, die nicht ausdrücklich dort hin müssen, weil sie Standpersonal sind oder anderweitig für die CeBIT arbeiten müssen. CeBIT ist harte Arbeit und wird nur vom Marketing schöngeredet, weil man natürlich unmöglich damit werben kann, kilometerweit durch stickige Hallen wandern zu müssen, horrend viel Geld für Verpflegung zahlt und in den zweifelhaften Genuss von den seltsamsten Anzug-Hemd-Krawattenkombinationen kommt, die es auf dem Planeten gibt.

Und dass da keine Kleinkinder hineindürfen und Jugendliche unter 16 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen, das ist kein böses Verbot, das ist tatsächlich praktizierter Jugendschutz. Es gibt schönere Plätze auf Erden, als das hannoversche Messegelände zur CeBIT-Zeit. Für Kinder und auch für Erwachsene. Manchmal muss man das Eltern auch mit Verboten erklären, so sehr ich auch Verfechter einer möglichst verbotsarmen Gesellschaft bin.

15 Gedanken zu „Kinder dürfen nicht auf die CeBIT. Und?

    1. Es würde die Entscheidungsgrundlage sicherlich erleichtern, wenn die CeBIT-Verantwortlichen nicht alle Jahre das Messekonzept dahingehend verändern, wie gerade Besucher gebraucht werden. Es gab Jahre, da war die CeBIT schon fast so bunt wie eine Startrek-Convention.

    1. Kann man so nicht einfach sagen. Es gab Jahre, da hat das Business generell geboomt und dann wieder mal nicht. Grundsätzlich ist Consumer und Business Computing immer ein zweischneidiges Schwert und ich kann es zumindest nachvollziehen, wenn Aussteller aus dem SAP-Bereich nicht sehr gut auf Computerspielgestalten zu sprechen sind, die durch deren Hallen wanken.

  1. @tauss
    Samstags dürfen Kinder ab 8 Jahren rein.
    Wenn man schon diskutiert sollte man dies anhand der Fakten tun.

    Ansonsten: Fullquote für diesen Blogbeitrag, hier wird ein künstlicher Kriegsschauplatz heraufbeschworen und eine Computer-Fachmesse zum Familienausflugsziel (Luftballons!!!!) umdefiniert, nur um sich mit Nazideutschlandvergleichen 15 Minuten Netzruhm zu sichern.

  2. Ich habe 2 Söhne und wäre im Traum nicht auf die Idee gekommen, auch nur einen der beiden im Kleinkindalter mit auf eine große Messe zu nehmen. Die leiden nämlich auch unter der Menschenmenge. Die lange Zeit macht sie quängelig. Fragt mal nicht nach den bösen Blicken und Kommentaren, die ich von Umstehenden geerntet habe, wenn ich nur mit einem weinenden Kind in S-Bahn saß. Also quält Euch nicht selbst ;-).
    Die Geschichte mit dem 14-jährigen finde ich schade, aber leider auch von ihm schlecht recherchiert.

  3. Das nimmt ja richtig Form an bei Herrn Reinike:

    „Es wird in Kürze wieder eine Kommentierfunktion geben, aber nur noch für Leute, die an einem Dialog interessiert sind.“

    Wie er sich diesen Dialog wohl vorstellt, wenn er nur eine Meinung, seine eigene, zulässt.

    Das ist genau die Art Elternteil, die für jeden Lehrer, Pädagogen, Erzieher, whatever, den größten Schrecken darstellen. Nicht um ihretwillen, sondern um des kindeswillen. Mit solchen Eltern kann man nicht zusammenarbeiten, die sind grundsätzlich gegen alles was nicht von ihnen selbst kommt.
    Den Ärger den sie damit auslösen, dürfen ihre eigenen Kinder ausbaden. Wenn die Kinder dann Probleme zum Beispiel mit Mitschülern kriegen, tragen dafür natürlich wieder die Lehrer die Verantwortung.

    1. Na, ich würde das jetzt alles mal nicht überbewerten. Wer in die Blogosphäre harsche Worte einschenkt, muss mit harschen Antworten rechnen. Das kann man aushalten, muss man aber auch nicht unbedingt. Wenn jemand als Notbremse vorübergehend die Kommentarfunktion abschaltet, wird er dazu einen Grund haben und das zu missbilligen, liegt nicht in unserem Ermessensspielraum. Cool bleiben, alle zusammen.

  4. Vielleicht möchte ich – wie viele andere IT-ler – die CeBIT besuchen. Habe aber – wie viele andere Eltern – leider keine Möglichkeit, mein Kind den ganzen Tag irgendwo zu „parken“?
    Natürlich können sich sowohl mein Kind als auch ich schöneres fürs Wochenende vorstellen. Aber vielleicht ist es aufgrund der Situation die einzige Möglichkeit, überhaupt die CeBIT besuchen zu können?
    Inwieweit ich damit meinem Kind „schade“, kann ich selbst am besten beurteilen, da benötige ich keinen „praktizierten Jugendschutz“. Aber zuhause bleiben, nur weil sich möglicherweise andere dadurch gestört fühlen könnten? Nö.

      1. Interessenkonflikt, richtig.
        Zwischen denen, die nicht Gefahr laufen möchten, auch mal durch Kinder gestört zu werden.
        Und denen, die Kinder betreuen müssen, und trotzdem – auch aus beruflichem Interesse – die Messe besuchen möchten.
        Traurig, zu wessen Gunsten dieser Interessenkonflikt entschieden wurde.

        1. Also einfach mal die Kirche im Dorf lassen, wäre nicht verkehrt.

          • Die CeBIT kommt nicht plötzlich, sie ist planbar.
          • Die CeBIT ist kein Kindergarten und auch keine Unterhaltungsshow, sondern erst einmal eine Fachmesse.
          • Auf jedem Ticket stehen die Spielregeln.
          • Die meisten Besucher sind Firmenbesucher, die im Firmenauftrag dorthin gehen und in der Regel kein Kind dabeihaben dürfen. Hätte ich als Chef zumindest Probleme, so eine Dienstreise zu gestatten, allein aus versicherungstechnischen Gründen.
          • Wer das Hausrecht hat, bestimmt.

          Und wenn dann die Deutsche Messe AG auch ein eigenes Kinderbetreuungsangebot hat und sogar vor Ort darauf hinweist, das aber nicht in Anspruch genommen wird, weil einem der Mitarbeiter, der das empfohlen hat, nicht gefällt und man sowieso schon so geladen ist, dass man gleich die gesamte Bundesrepublik in Frage stellt – dann sollte man lieber spazierengehen und den Messebesuch ausfallen lassen. Ob mit oder ohne Kind. Punkt.

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