BarCamp Stuttgart 4.

Letztes Wochenende fand in Stuttgart das inzwischen legendär gewordene BarCamp Stuttgart 4 statt, diesmal in einer fast schon rekordverdächtigen Länge von Freitagabend bis Montagabend (wenn man den gemeinsamen Kinobesuch mit hinzurechnet). Ich hatte mir eigentlich ein ausgiebiges Barcamp-Wochenende vorgenommen, dieses Vorhaben wurde jedoch von akuten Rückenschmerzen einkassiert, so dass es bei mir nur zum Samstag reichte. Aber nun gut, genommen wird, was gegeben wird.

Session „CAcert – Wie ist der Stand, was gibt es Neues?“ von Andreas Albrecht und Dirk Astrath

Diese Session zum Them CAcert, einer alternativen Zertifizierungsstelle, die vollständig auf dem Ansatz basiert, dass die Nutzer ein eigenes „Web of Trust“ aufbauen und sich selbst zertifizieren, war, wenn man es so sehen mag, eine Reminiszenz zu meiner Zeit als Systemadministrator. Ich finde die Idee der dezentralen Vergabe von Autorität in einer Certification Authority einen sehr spannenden und gewinnbringenden Ansatz. Auch wenn man leider sagen muss, dass CAcert immer noch eine Geschichte ist, die meiner Meinung nach nicht richtig in die Gänge kommt und immer noch recht weit davon entfernt ist, in alle gängigen Webbrowser mit ihren Root-Zertifikaten hineinzukommen.

Albrecht und Astrath haben einen schönen Überblick über den aktuellen Stand des CAcert-Projektes gegeben und natürlich auch einen ganzen Block an Formularen dabeigehabt, um den Sessionteilnehmern die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig zu zertifizieren. Vielleicht wird es irgendwann ja mal etwas mit CAcert.

„Workplace of the future NOW“ von Uwe Hauck

Ich war ein kleinwenig faul und wollte den Raum nicht wechseln und habe mir einfach mal die nächste Session von Uwe Hauck angetan, in dem er darüber referierte, wie wir „digitalen Nomaden“ in der heutigen Welt zu Hause (oder im Büro) sitzen und digital mit der Firma oder mit Kollegen arbeiten. Das liest sich auf der einen Seite recht aufregend, hat aber auch durchaus diskutable Nachteile. Denn wo schaffen wir digitalen Nomaden eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben? Wann ist bei uns der Arbeitstag zu Ende? Wann haben wir Wochenende?

Es entwickelte sich – so war es von Uwe Hauck auch sicher gedacht – eine Diskussion und niemand konnte erwarten, dass die perfekte Lösung am Barcamp dabei herausspringt. Aber die Ansätze, dass in der modernen Arbeitswelt nicht mehr einfach nur das „Absitzen“ der Arbeitszeit zählt, sondern letztendlich die Erfüllung einer definierten Zielvorgabe, das ist schon etwas, was genau dort hin führt, wo wir uns zukünftig sehen müssen. Es gab genau genommen nicht viel Neues hier zu lernen, aber schon die Bestätigung Anderer, dass sie die gleichen Denkspiralen bei dem Thema spinnen, reichte mir vollkommen.

„VG Wort Zählpixel“ von Wolfgang Tischer

Wolfgang ist als Betreiber von literaturcafe.de eine feste Größe in Sachen digitales Publizieren und da ich seit einigen Wochen mit der Zählpixelei der Verwertungsgesellschaft Wort ebenfalls experimentiere, war diese Session eigentlich Pflicht. Da geht es bei mir gar nicht mal so sehr um das Thema Bloggen, sondern eher um das Thema netplanet (also das Internet-Lexikon), denn hier werden einige Texte tatsächlich extrem stark frequentiert und ein paar Euro aus einer Autorentätigkeit zu verdienen, kann nicht schlecht sein. Reich wird man davon sowieso nicht.

Wolfgang Tischer hat dann auch einen schönen Überblick darüber gegeben, wie man sich bei der VG Wort anmeldet, einen Packen Zählpixel bekommt, sich den vernünftig organisiert, sie korrekt einbindet, später personalisiert und dann Monate später dann die ersten Gelder auf dem Konto empfängt. Auch wenn ich das mit den Zählpixeln schon am Start habe – schön, ein paar Dinge austauschen zu können, denn diese Zählpixelei ist, gelinde gesagt, ein Krampf. Wir Blogger, die ein schnelles Publizieren gewöhnt sind, fühlen uns hier mitunter durchaus ein Stück ins 19. Jahrhundert versetzt. 😉

„Wann tragen wir (endlich) den Begriff Social Media zu Grabe?“ von Oliver Sigrist

Am Ende musste ich Oli kurz vor der Sessionplanung am Samstagmorgen noch etwas zwingen, dann aber hat er sich doch entschlossen, seine ketzerisch anmutende Session auf die Agenda zu setzen. Und das war eine gute Entscheidung, denn in der Dreiviertelstunde entwickelte sich im kleinen Plenum eine interessante Diskussion, die locker auch noch zwei Stunden länger hätte dauern können.

Dass Social Media ein Buzzword ist und nichts anderes wie eine Disziplin von Public Relations oder, ganz einfach, der Öffentlichkeitsarbeit ist, ist unbestreitbar. Ebenso bewegte sich die Diskussion auf ein weiteres, spannendes Thema, nämlich die Frage, ob Social Media als Ersatz zu klassischen Medien dienen kann oder nicht. Daraus entwickelte sich dann ein längerer „Dialog der Olivers“, nämlich dem Oliver Sigrist mit dem Oliver Gassner und da haben dann zeitweise zwei Wissenschaftler einen längeren Dialog miteinander geführt. 🙂

„Mobile Fotografie“ von Marco Polletin

Marco Polletin hat einen kurzen und knackigen Überblick über Foto-Apps geboten, vornehmlich für die iOS-Plattform, mit einigen Namensnennungen jedoch auch für Android. Und danach gab es auch noch eine kleine Fotosafari vors Haus.

Drumherum

Das, was ein Barcamp ausmacht, nämlich die Treffen und Diskussionen jenseits der Sessions, das funktionierte in Stuttgart wieder einmal hervorragend und vollkommen automatisch. Das liegt natürlich zum einen daran, dass das Stuttgarter Barcamp für die Szene eine Art Klassentreffen ist, aber eben auch an interessanten Menschen, Aufgaben, Antriebe und Hobbys. Man sieht einen Bekannten (mitunter auch Leute, die man noch nie in „Reallife“ gesehen hat), quatscht sich fest, diskutiert, trinkt einen phantastischen Kaffee, bedient sich vom grandiosen Buffet und setzt sich vielleicht raus vor die Liederhalle in die herrlichste Oktobersonne. Ja, das Barcamp-Leben kann gut sein und Cheforganisator Jan Theofel weiß, wie man sowas organisiert. 😉

Fazit

Wenn man beim letztjährigen BarCamp Stuttgart 3 noch überlegt haben sollte, ob das Stuttgarter Barcamp zu den Highlights der deutschen Barcamp-Kultur gehören kann oder nicht, dann ist spätestens dieses Jahr diese Frage geklärt: Es kann nicht nur, es muss. Das beweisen die Teilnehmerzahlen, der Run auf die Anmeldungen, das dann tatsächlich volle Haus, die vollen Sessionpläne und die gute Stimmung. Und an Jan ist ein echter und professioneller Eventmanager verlorengegangen.

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