Ein Internet-Manifest.

Das so genannte Internet-Manifest ist ja per se erst einmal nichts schlechtes. Nicht, weil man einigen Leuten dringend die Philosophie des Internets erklären müsste, sondern weil es genügend andere Lobbyisten gibt, die mit ihrer Online-Strategie gegen die Wand gefahren sind und nun Dinge behaupten, die nicht stimmen, sondern die ihr Geschäft leichter machen würden. Mein persönlicher Favorit ist da immer noch die Führung des Axel-Springer-Verlages, die nun offenbar beleidigt mit diesem Internet sind und Zahlemann & Söhne machen wollen. Müssen.

Also, das Internet-Manifest kam möglicherweise sogar zur richtigen Zeit, denn der Zeitgeist passt. Online verankert sich immer stärker in der Gesellschaft und bringt die nette und wichtige Eigenschaft mit, dass Information in Hülle und Fülle vorliegt – wenn man sich dafür interessiert. Das gefällt natürlich nicht unbedingt den Meinungsmachern, die vor dem Online-Zeitalter die Meinung vornehmlich über die klassischen Medien geführt haben, weshalb es ganz gut ist, dass die Online-Welt da mal ein paar Dinge klarstellt.

Wobei… genau hier beginnt das Problem mit dem Internet-Manifest. Spricht denn hier die Online-Welt? Wer sind die fünfzehn Unterzeichner? Das sind alles Blogger. Zwar sicherlich in der Blogosphäre zum großen Teil soetwas wie Koryphäen, allerdings eben auch nur dort. Und nach der Blogosphäre kommt erst einmal das World Wide Web, was zwar ein sehr großer Informationsraum im Internet ist, aber eben nicht das Internet allein.

Ich hätte mir gewünscht, dass das Internet-Manifest umfassender das Thema anpackt. Die Blogosphäre ist nicht allein das Web ist nicht allein das Internet. Dazu hätte gehört, dass die Unterzeichner nicht die üblichen Verdächtigen der Blogosphäre sind, von denen einige in meiner subjektiven Beurteilung schon den Zenit ihrer blogosphärischen Karriere überschritten haben und “lost in translation” wandeln, sondern dass da auch einige echte Protagonisten der Online- und Web-Bewegung involviert sind. Dann hätte das Internet-Manifest auch dem Internet gerecht werden können.

Und im übrigen schreibt man zuerst ein Manifest, arbeitet daran, bis es fertig ist und unterzeichnet es erst dann. Nicht erst verfassen, dann unterzeichnen und dann in einem Wiki vom “Fußvolk” gnädigerweise erweitern lassen. Bei sowas drängt sich mir immer der fade Beigeschmack auf, dass es eher weniger um das Manifest selbst geht. Collaboration hin oder her – wer online berühmt werden will, soll bloggen. Sich selbst auf Podeste hieven, Weisheiten herablassen und sich bejubeln lassen – das ist die Form der bisherigen Meinungsmacher.

10 Gedanken zu „Ein Internet-Manifest.

  1. Richtig. Reichlich lächerlich, dass das Manifest erst mal quasi „von oben“ verfasst wurde, und dann, als es Gegenwind gab, ein Wiki eingerichtet wurde. Transparenz sieht anders aus. Internet geht anders.

  2. Pappnasen-Manifest…

    Jetzt gibt es also ein Internet-Manifest oder „Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen“. Verfasst und unterzeichnet haben es 15, oft so genannte Alpha-Blogger, von denen ich gerade mal drei dem Namen nach kenne und mich erinnern kann von…

  3. Wenn die „Blogosphäre“, speziell auch die Unterzeichner dieses Internet-Dingsbums und deren Dunstkreis, nicht immer so furchtbar ernst wäre und sich selbst nicht so ganz schlimm wichtig machen würde, wäre sie erheblich erträglicher. Und nebenbei würde man erkennen, dass ihr Impact auf die „echte“ Welt geringer ist als man es sich gemeinhin vielleicht wünschen würde (oder vielleicht auch nicht).

    1. Ich würde es schon etwas relativieren wollen. Wichtig ist die Blogosphäre schon, bzw. sie hat problemlos das Potential, bei einer gewissen Relevanz auch ernstgenommen zu werden. Das Problem ist, dass sich beim Internet-Manifest einige, wenige Leute ein paar Dinge vorgenommen haben und für eine Community sprechen, in der sie selbst nur ein ganz, ganz kleines Lichtlein sind.

      Entweder, wir packen das Ding tatsächlich umfassender an und nehmen viel mehr Leute als nur ein paar Alphablogger ins Boot, oder wir nennen es lieber nicht „Internet-Manifest“, sondern vielleicht eher „Worte des Alphabloggers“ o.ä.

  4. Naja, aber die tatsächliche Wirkung einer großen Welle durch die Blogosphäre wirkt im Internet selbst viel größer und mächtiger, als sie es in Wirklichkeit ist. Natürlich wächst allerdings die Bedeutung in dem Maße, wie sich ein höherer Prozentsatz der Bevölkerung mit dem Internet und den dort verbreiteten Meinungen identifizieren kann.

    Nebenbei habe ich dann die Hoffnung, dass die Meinungen und auch die Themen in dem selben Maße diverser werden.

    1. Och, da mache ich mir keine Sorgen. Die klassischen Medien und auch die Werbung sind durch und durch Aasgeier genug, um für eine vermeintlich gute Story jeglichen Hass vorübergehend über Bord zu werfen, aus der Blogosphäre zu zitieren und dem jeweiligen armen Blogger seine 15 Minuten Ruhm zu gewähren. Es soll so genannte Alphablogger geben, die von dieser Art des Rosinenpickens ganz gut leben. Ui, da fällt mir auf, dass einige der üblichen Kandidaten, na so ein Zufall, das so genannte Internet-Manifest initial unterzeichnet haben.

      Es ist egal, ob ein Mistkäfer oder ein Eisprinz die Mistkugel dreht: Es ist und bleibt eine Mistkugel.

      1. Naja, es wird ja gerne gefeiert, wenn es die Hypes der Blogosphäre mal in die „klassischen Medien“ schaffen. Aber der gemeine Offline-Mensch liest den Artikel, denkt „naja. diese Internetleute wieder“ und liest den nächsten Artikel.

        Solange diese Geschichten immer mit „im Internet wurde gesagt“ umschrieben werden, wird ganz subtil impliziert, welche Bedeutung die Meinung „des Internet“ hat. Nämlich immer noch nur die eines zweiten, virtuellen Paralleluniversums.

        Ich möchte wie gesagt das Internet nicht kleinreden, Du weisst wie viel es mir bedeutet, aber ich will die Damen und Herren, die meinen, sie könnten im Internet eine Weltrevolution starten, von ihrem hohen Roß runterholen.

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