Die CDU Pforzheim/Enzkreis und ihr Umgang mit Verdächtigen aus eigenen Reihen.

Ein Grund, weshalb die hiesige CDU in Pforzheim/Enzkreis mit ihrem Kreisvorsitzenden Stefan Mappus derzeit nicht so recht auf den politischen Gegner respektive Jörg Tauss einschlagen kann, liegt darin, dass die hiesige CDU eine eigenes Problem mit einem höherrangigen Mitglied hat, gegen das aktuell offenbar Ermittlungen wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material geführt werden.

Grundsätzlich ist das richtig so, konkreten Verdachtsmomenten muss, gerade bei so abscheulichen Dingen wie Kinderpornografie, nachgegangen werden. Was mich dann etwas erstaunte in der hiesigen Presse war, dass man dort in der Übernahme der CDU-Pressemeldung noch redaktionell hinzufügte, dass man den Namen des Verdächtigen, im Gegensatz zur originalen Pressemeldung, nicht aufführen werde.

Und tatsächlich betreiben die CDU Pforzheim/Enzkreis und namentlich der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Stefan Mappus eine Vorverurteilung Erster Klasse, in dem sie doch tatsächlich eine Pressemeldung veröffentlichen, diese sogar ins Internet stellen und darin den Betroffenen mit vollständigem Namen benennen – so als ob die CDU die am stärksten Geschädigte bei dieser Straftat wäre. Besonders abscheulich ist dabei folgende Floskel:

„Mit Blick auf den konkreten Fall machte er [Stefan Mappus] deutlich, dass eine solche Verhaltensweise gerade für eine Partei, die sich den christlichen Grundwerten in besonderem Maße verpflichtet fühlt, in keiner Weise tolerierbar sei.“

Einmal davon abgesehen, dass Pädophilie von keiner demokratischen Partei und von keiner aufgeklärten Gesellschaft tolerierbar ist: Das Phänomen der Wut, der Vergeltung und der Rachsucht sind Formen des Zornes und der wiederum ist eine der sieben Todsünden – wenn man es schon aus Sicht von „christlichen Grundwerten“ sehen möchte, was in diesem Zusammenhang schlichte und sehr schlecht umgesetzte Heuchelei ist. Etwas weniger Gestelze, etwas weniger Denunziantentum und etwas mehr Rücksicht darauf, dass vor einer offiziellen Verurteilung das Unschuldsprinzip gilt, wäre auch an dieser Stelle angebracht – selbst für die der christlichen Grundwerten so verpflichteten CDU.

[Update am 8. März, 21:20 Uhr: Inzwischen hat die CDU Pforzheim die betreffende Pressemitteilung von ihrer Homepage entfernt.]

10 Gedanken zu „Die CDU Pforzheim/Enzkreis und ihr Umgang mit Verdächtigen aus eigenen Reihen.

  1. Und während noch alle über Tauss spekulieren…

    scheint auch in der CDU nicht alles in Ordnung zu sein. Am Mittwoch hat der CDU-Kreisverband Enzkreis/Pforzheim Kenntnis davon erhalten, dass mit [entfernt] ein Mitglied des CDU-Ortsvorstandes Friolzheim des Besitzes von Kinderpornographie bes…

  2. „Pädophilie von keiner demokratischen Partei und von keiner aufgeklärten Gesellschaft tolerierbar“

    Äh, haben wir jetzt schon das Gedankenverbrechen?

    Pädophilie ist eine Neigung, keine Handlung. Wir können davon ausgehen, dass diese Neigung schon seit Jahrtausenden auftritt und auch in tausend Jahren weiter auftreten wird. Damit müssen wir leben.

    Ob und wie diese Neigung ausgelebt wird, ist eine andere und wichtige Frage. Aber wer Pädophilie mit Kindesmißbrauch gleichsetzt, bedient nur Stereotype, öffnet der Hexenjagd Tür und Tor und tut der Debatte m.E. damit keinen Gefallen.

    1. Auch wenn es wahrscheinlich schon immer Menschen mit pädophilen Neigungen gegeben haben dürfte, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb man als moderne Gesellschaft diese Neigung deshalb tolerieren oder akzeptieren muss. Eine aufgeklärte Gesellschaft hebt sich genau aus dem Grund ab, dass sie auch Dinge nicht gutheißen kann, die zwar möglicherweise jahrtausendelang nicht bestraft wurden, dennoch schon immer (nach heutigen Maßstäben) die (Menschen)Rechte bestimmter Personengruppen massiv verletzt haben.

      1. Der Punkt, auf den trapanal hinwies ist der Unterschied zwischen einer reinen Neigung, die erstmal nur ein Gedanke ist, und der Ausführung, einer realen Tat.

        Er bat darum diese beiden Aspekte schärfer voneinander zu trennen. Ich schließe mich der Aufforderung an.

        Als Beispiele, die nicht das Totschlagargument KiPo verwenden, können z.B. Computerspiele dienen – das dortige „Herumballern“ führt entgegen zu keiner höheren Gewaltschwemme. Auch noch zu sehr Totschlag? Für Krimibücher gilt das gleiche. Es sind Gedanken, keine Taten, und ich vertrete die Position daß jemand der seine Taten unter Kontrolle halten kann nicht für seine Gedanken abgestraft gehört. Und es ist nur folgerichtig dies selbst für Pädophile gelten zu lassen.

        Deinen Vergleich wie ausgehend von einer persönlichen, mitunter sorgsam versteckten Neigung ganze Personengruppen geschadet wurden kann ich unter dem aktuellen Gesprächskontext nicht nachvollziehen.

        1. Zu behaupten, dass zwischen Computerspielen und Gewaltanwendung in der Realität kein Zusammenhang bestünde, ist schon gewagt. Aus welchem Grund gibt es für Gewaltspiele denn in der Regel keine Jugendfreigabe? Nur weil die armen Kinder kein Blut sehen können? In erster Linie geht es nämlich hier darum, dass Kinder noch kein stabil ausgeprägtes Bewusstsein dafür haben, wie Recht und Unrecht im Wertesystem der Erwachsenen abgebildet ist und die Gefahr besteht, dass bestimmte „rohe“ Verhaltensweisen sich in dessen Handlungen im realen Leben abbilden könnten. Ein Problem, dass im übrigen auch für genügend Erwachsene gilt, die, aus welchen Gründen im Einzelfall auch immer, ebenfalls eher zu labileren Naturen gehören.

          Das ist dann auch der letzte Kommentar in Sachen Versuche zur Bildung einer Grundsatzdiskussion. Ich gedenke nicht, das an dieser Stelle weiter ausufern zu lassen.

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