Der Diskettenlocher.

Der Kollege hier ist noch richtige Hardware (wenn auch weitgehend aus Kunststoff) und nun seit über 20 Jahren ein treues Utensil an meinem Schreibtisch:

Ursprünglich ist das ein so genannter Diskettenlocher für 5¼-Zoll-Disketten. Das sind so eine Art Speicherkarte in XXL mit XXS-Speicherkapazität, allerdings ohne Chip, sondern mit einer rund zugeschnittenen Magnetfolie, die in einem schwarzen Umschlag rotierend … well.

Diesen No-Name-Diskettenlocher (es gab auch Markenmodelle) habe ich mir etwa mit 11 Jahren gekauft, als mir mal einer den genialen Zaubertrick verriet, dass man die Speicherkapazität der damals gängigen 5¼-Zoll-Disketten problemlos verdoppeln konnte, wenn man mit diesem Locher spiegelverkehrt genau die gleiche Kerbe hineinstanzte, die schon auf einer Seite der Diskette vorhanden war. Ergebnis war, dass man die so gelochte Diskette einfach andersherum ins Laufwerk schieben konnte und die andere Seite lesen und vor allem beschreiben konnte. Damit war ich im KCC, dem „Kepler Computer Club“, wie sich die Computer-AG für die Unterstufe am Kepler-Gymnasium in Pforzheim anno 1986 nannte, der absolute König. Selbst diverse Lehrer brachten mir in verstohlenen Momenten ihre Disketten zur Kapazitätserweiterung, so dass ich zeitweise den Locher ständig im Gepäck hatte. Wiegt ja praktisch auch nix.

Das Ende kam schnell, denn schon 1989 besaß ich einen Amiga 500 mit einem 3½-Zoll-Laufwerk und da gab es dann nichts mehr zu lochen, da 3½-Zoll-Disketten nur noch eine einlegbare Seite hatten. Seitdem ist der Locher ein Relikt aus alten Zeiten und erinnert mich daran, dass mein erster Computer tatsächlich ein Apple-II-kompatibler Rechner war und ich den ratternden Klang des 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerks immer noch im Ohr habe. Heute dient der Locher als Spielzeug zur Handbeschäftigung und es hat eine gewisse melancholische Tragik, dass er die längste Zeit seines Lebens eben nur dafür diente und nicht für seine eigentliche Aufgabe, bei der er immerhin in den Jahrgängen 1986 bis 1989 einen nicht unerheblichen Teil aller Disketten am Kepler-Gymnasium kapazitätsverdoppelte. War damals kein schlechter Deal, mich zu kennen. 😉

Ein Gedanke zu „Der Diskettenlocher.

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