Zwischenfazit zu Twitter.

Nach ein paar Tagen Twitter-Evaluation – ich mache das ja hier alles nicht zum Spaß! – könnte ich ruhig einmal ein paar Worte über Twitter verlieren. Immerhin geht ja Probieren über Studieren.

Grundsätzlich: Mikrobloggen, also Bloggen mit einer begrenzten Zeichenzahl, ist gar nicht so unlocker, wie es auf den ersten Blick aussieht. Genauso wie in der SMS-Welt bringt es den Nutzer dazu, öfters zu kommunizieren und sich gleichzeitig auf das Wichtigste dabei zu beschränken – eben dann auch nicht unbedingt vom heimischen PC, sondern über die Twitter-Website von einem mobilen Gerät, hier per SMS oder über eigene Anwendungen, die über die Twitter-API mit Twitter synchronisieren können. Bloggen von praktisch überall mit allem. Und so funktioniert es dann bestechend gut, die aktuelle Position, Gemütslage, Situation etc. darzustellen. Wer dann noch etwas Erfahrung in Sachen Chatting hat und auch gelernt hat, sich kurzzufassen, hat es nicht schwer, auch wenn Mikrobloggen dennoch nicht gerade bildungsoffensiv ist.

Die Zusatzfunktionen von Twitter, die einfach durch bestimmte Schlagwörter oder Sonderzeichen im Text genutzt werden können, machen Twitter auf den ersten Blick vielfältig, allerdings auch komplexer. Beispielsweise kann mit „@<nickname>“ eine Antwort auf einen Tweet eines anderen Benutzers gegeben werden, was damit eine Art „Mikrodiskussion“ darstellen soll. Das zwar nett gedacht, jedoch unübersichtlich, denn wenn jemand nur einen bestimmten Benutzer verfolgt, sieht er ja nur dessen Reaktionen, nicht jedoch die Ursachen, die andere Benutzer ursprünglich ausgelöst haben. Gerade bei exzessiven Twitter-Benutzern, die beispielsweise morgens als erstes eine große Antwortrunde fahren, ist der Twitter-Stream nicht sehr ergonomisch.

Was bei Twitter nervig ist, ist das nach wie vor „Unfertige“. Die Twitter-Server haben inzwischen fast schon eine legendäre Last, die regelmäßig dazu führt, dass eine Weile gar nichts mehr geht. Sowas ist bei einem Dienst, der davon lebt, den Puls der Echtzeit zu übertragen, schlicht katastrophal. Nicht wirklich durchdacht wirkt auch die Benutzerverwaltung bei den Followers und beim Following. Große Benutzerlisten sind quasi nicht mehr sinnvoll zu verwalten und auf den Trichter, dass man geblockte Benutzer erst dann wieder entblocken kann, wenn man sie zu Freunden macht, muss man auch erst einmal kommen. Offensichtlich stark im Kommen ist auch die Klientel der guten, alten Spammer, die nun auch Twitter für sich entdeckt haben. Erkennbar ist dies an neuen Followern, die sich kurz nach neuen Tweets einladen und selbst nichts anderes als Tweets mit Verweisen auf ihre Websites produzieren. Dass Twitter hier nicht die „Selbstheilungskräfte“ der Benutzerschaft nutzt und keine Report-Funktion für problematische Benutzer anbietet, ist mir schleierhaft.

Es gäbe viel zu tun, würde man sagen können. Wie sich das ganze überhaupt einmal rechnen soll, ohne den Benutzern regelmäßig Werbung zu schicken, ist eine andere Frage, die früher oder später einmal akut werden könnte. Vom Prinzip her ist jedoch die Alternative nur ein paar Zeilen weit entfernt, denn letztendlich spricht allein von der Idee her kaum etwas dagegen, Mikrobloggen auch mit einem richtigen Blog zu tun. Von dieser Warte aus betrachtet ist Twitter zwar enorm hipp in der Szene, mit seinem zentralen Ansatz jedoch auch erstaunlich weit von moderner Collaboration entfernt.

Ein Gedanke zu „Zwischenfazit zu Twitter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *