Krisenmanagement in elektronischen Medien.

Aktuell verfolge ich zwei Online-Foren, in denen es heiß her geht. Das eine Forum ist das Online-Forum der Pforzheimer Zeitung (davon hatten wir es kürzlich), das andere ein Forum, das ich jetzt aus Sicherheitsgründen weder nenne, noch verlinke, weil dort die Grenze zur Strafbarkeit weit überschritten wurde.

In beiden Fällen fällt jedoch auf, dass es weder eine Policy in Sachen Diskussionsinhalte gibt, noch eine funktionsfähige Moderation. Letztere wird meist halbherzig unter dem großen Damoklesschwert der Meinungsfreiheit zu lasch getan und während man eigentlich mit einer Moderation versucht, die Balance zwischen sinnvoller und unsinniger Diskussion zu erhalten, führt eine zu lasche Hand genau zum Gegenteil. Vor allem, wenn zu diesem Mangel noch der Fehler dazukommt, dass Zeitungsartikel als themeneinleitende Inhalte genommen werden und darunter auch sehr kontroverse Themen sind, beispielsweise eine kürzlich geschehene Messerstecherei mit Migrationshintergrund in Pforzheim. Aktueller Stand ist, dass inzwischen in Pforzheim einschlägig bekannte Rechte unverblümt im Online-Forum der Pforzheimer Zeitung schreiben und andere Leser mit ihren Thesen aufstacheln. Für eine lokale Tageszeitung, die vom lokalen Anzeigengeschäft und von der Verwurzelung in der weitgehend klar denkenden Gesellschaft lebt, imagemäßig ein SuperGAU.

Das bringt uns zu einem zentralen Punkt: Online-Medien können falsch eingeschätzt werden und werden es auch oft. In Online-Foren können sich innerhalb kürzester Zeit schon kleinste Belanglosigkeiten und Kontroversen zu unglaublichen Flamewars entwickeln. Im Usenet oder in Chats packt man solche Dinge schlicht weg, nachdem man sich wieder beruhigt hat, im öffentlichen Raum erzeugen aber solche Diskussionen nicht selten Verstörung unter Verantwortlichen, Offiziellen, Kunden. Und alles liegt immer an einem Punkt: Viele Leute sind sich nicht bewußt, dass sie nicht immer nur mit sich selbst sprechen, wenn sie an ihrem Computer etwas schreiben, sondern – bei einem Forumsbeitrag – unter Umständen mit hunderten, tausenden oder noch mehr Menschen. Und viele Betreiber von Foren sind sich offenbar oft nicht im Klaren, dass nicht nur sie mitlesen, sondern ebenfalls viele hunderte, tausende oder noch mehr Menschen.

Damit kommen wir dann zum Ansatz einer Lösung: Wir brauchen ein Krisenmanagement. Nicht einfach nur irgendeines, bei dem man eine Pressemeldung losläßt und danach den Normalstatus zur Generalität erklären, sondern ein Krisenmanagement für elektronische Medien. Was tun, wenn ein Online-Forum aus dem Ruder läuft? Einfach schließen? Benutzer herauswerfen? Artikel löschen oder eher überarbeiten? Stellungnahmen abgeben? Oder einfach aussitzen und warten, bis ein anderer Leser sich meldet oder das LKA vor der Türe steht? Da ist gar nicht mal so sehr das Monitoring gefragt, also das Erkennen solcher Situationen, sondern eher die Frage zu klären, mit welcher Art Florett solche Krisen gemeistert werden könnten.

Das ruft eigentlich alles nach einem Thema, mit dem ich mich in netplanet beschäftigen sollte. Je mehr ich darüber nachdenke, desto interessanter finde ich das und frage mich, warum ich nach 10 Jahren netplanet erst jetzt auf die Idee komme, es interessant zu finden, was eigentlich passieren soll, wenn jemand die Netiquette eben nicht beachtet.

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