“.eu ist eine Katastrophenzone.”

John McCormac, Autor des WhoisIreland Review Blog (WhoisIreland ist eine Art Webverzeichnis für Irland), hat ein niederschlagendes Ergebnis einer Prüfung der „.eu“-Top-Level-Domain zusammengetragen.

„The latest WhoisIreland.com .eu web survey shows that the .eu ccTLD is in serious trouble. Out of 1723638 websites checked, only 13.37% of sites were active/unique. As a ccTLD for Europe, it is a disaster zone. Brand registrations accounted for 7.78% of registrations. The percentage of duplicate content sites was 6.02%. The percentage of websites that redirected elsewhere was 16.68%. The percentage of PPC/warehoused websites was 14.22%. The percentage of holding page sites was 16.79%.“

Das hört sich in der Tat nicht wirklich erfolgsträchtig an: Nur 13,37 % aktive bzw. eindeutige Websites für die „.eu“-Domain und überhaupt sehr ungepflegte Weiterleitungen und Anbindungen. Allerdings muss man das auch alles etwas relativieren.

  • Die Identifizierung mit „.eu“ ist ähnlich wie mit Europa selbst. Wir leben zwar darin, müssen auch genügend EU-Richtlinien ertragen und haben eine Währung, die so heißt, aber so richtig greifbar ist Europa als Staat nach wie vor nicht für uns. Noch viel schlimmer ist, dass Europa oft genug im Negativen verwendet wird, als Bürokratiemaschine oder einfach als dankbarer Sündenbock.
  • „.eu“ hat als neu eingeführte Top-Level-Domain das genau gleiche Problem wie jede andere, neu eingeführte Top-Level-Domain. Zuerst kommen diejenigen mit oft genug obskuren Namensrechten zum Zuge, dann die Domainsquatter und am Ende Unternehmen und Personen, die meist schon irgendeine andere Domain in einer anderen Top-Level-Domain besitzen. Es ging bei den Landrush- und Sunrise-Phasen zwar nicht ganz so in Wildwest-Manier zu, wie in so manch anderen Top-Level-Domains, Fakt ist jedoch, dass der kleine Mann und das kleine Unternehmen im Schwarzwald hier nur mit viel Glück oder einem eher peinlichen Namen zum Zuge kommt.
  • Die Abgrenzung ist kompliziert und aufwendig, denn letztendlich müsste eine neue Homepage erstellt werden, wenn man wirklich für die EU-Domain sinnvoll neuen Content aufbereiten wollte. „.eu“ ist, wenn überhaupt, am ehesten interessant für „europäische“ Unternehmen, die also in mehreren EU-Ländern aktiv sind.

Rat habe ich keinen, außer: Von neuen Top-Level-Domains haben in der Regel nur die Registrare und Domain-Glücksritter etwas, denn eine neue Top-Level-Domain macht noch lange keine Identifikation mit einer Thematik oder einer Nation aus und bringt auch nicht automatisch Kundschaft herbei. Ich bin deshalb nach wie vor extrem skeptisch über Bemühungen diverser Lobbyisten und Politiker, solche Schrapnellen wie „.berlin“ oder „.bayern“ einzuführen. Besitzer von Namensrechten werden schlicht und einfach ihre Namen auch dort registrieren müssen, vielleicht wird der Lokalpatriot auch noch damit glücklich gemacht werden können, aber dann?

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