Warum ältere Menschen moderne Geräte nicht verstehen.

Vor gut zwei Jahren habe ich meinen Eltern eine wirklich schnicke ISDN-Telefonanlage von Siemens spendiert. Ein Basisgerät mit Tastatur und Hörer (da legte mein Vater Wert darauf) und drei Mobilteilen, für jedes Stockwerk im Haus eines. Ergebnis ist, dass das Telefonieren natürlich viel bequemer geworden ist. Was nach wie vor nicht funktioniert, ist das Verständnis über so grundlegende Funktionen wie zum Beispiel das Weiterleiten von Gesprächen. Es ist ja mehr oder weniger sinnlos, wenn man diese Funktion nicht versteht und zum Vermitteln von Gesprächen das Mobilteil durchs halbe Haus trägt. Das tut mein Vater derzeit ständig, weshalb er lieber einmal länger klingeln lässt, damit doch jemand anders rangeht.

Dabei ist das Vermitteln eigentlich kindereinfach. Während einem Gespräch die Taste drücken, die unter dem Schriftzug „INT“ auf dem Display steht und die Nummer des internen Endgerätes wählen. Die 11 ist ganz oben, die 12 in der Mitte und die 13 im Untergeschoss. Alternativ kann man auch „INT“ und dann „LISTE“ drücken, dort werden alle Geräte angezeigt. Zur besseren Kennzeichnung habe ich die Mobilteilkennungen sogar angepasst, so dass die 11 nicht einfach nur „11“ heißt, sondern „Oben – 11“.

Ergo: Funktioniert nicht. Der Grund ist so einfach, dass es fast kompliziert ist: Während unsereiner, der mit modernen Geräten interaktiv arbeitet, also auf dem Display durchaus liest, was als nächstes kommen könnte (beispielsweise eben mehrfach belegte Tasten), versuchen meine Eltern (und viele andere Menschen auch, die interaktive Dialoge nicht kennen) krampfhaft, sich alle Tastenbewegungen zu merken, was natürlich eine ganz andere, viel steilere Lernkurve mit sich bringt.

Aus diesem Grund wird das nächste Handy für meine Eltern auch ein Klapphandy. Denn hier ist die Gesprächsannahme, das Auflegen und die Tastensperre haptisch geregelt und ähnelt am ehesten dem klassischen Telefonhörer, den man auflegt, wenn man nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte. Sehr erstaunlich, das alles.

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