Larry machts nun selbst.

Als ich heute in der einschlägigen Fachpresse lass, dass eine gewisse Firma namens Anagran einen neuartigen Router vorstellt, der angeblich besser als die Konkurrenz verschiedene IP-Datenströme leiten will (was bei zeitkritischen Anwendungen wie z.B. Voice over IP nicht ganz unwichtig ist), musste ich schmunzeln, als ich las, wer der Chef von Anagran ist. Das ist nämlich Lawrence „Larry“ Roberts. Als ich das las, wusste ich gleich, dass Anagran nicht einfach nur eine Firma sein kann und nicht einfach nur Router herstellt.

Larry Roberts zählt zu den Vätern des Internet, genauer: dem Vorgänger ARPANet. Er kam Mitte der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit Bob Taylor in Verbindung, der seinerseits Chef einer Abteilung für Informationstechnik der ARPA war. Taylor brauchte zu dieser Zeit dringend jemanden, der das Vernetzungskonzept des noch aufzubauenden ARPANet entwickeln sollte und fand, dass Roberts da die richtige Person sein könnte. Roberts hatte sich bis dato mit Computergrafik beschäftigt, gehörte aber zu dieser Zeit schon zu den Leuten, die es geschafft haben, zwei Rechner auf unterschiedlichen Kontinenten miteinander kommunizieren zu lassen.

Larry Roberts ist wohl genau das, was man sich unter einem etwas verschrobenen, dennoch ungemein genialen Computerfreak vorstellen kann. Bob Taylor erzählte in kleinen Kreisen gern, dass er zwar Roberts kannte, aber eigentlich doch irgendwie nicht. Selbst seine Mitarbeiter wussten wenig über ihn, außer dass sie alle entsetzt über seine Effektivität waren. Im Buch ARPA Kadabra findet sich eine amüsante Personenbeschreibung Roberts‘, die ihn als einen Computerwissenschaftler darstellt, der bis spät in die Nacht arbeitete und rasend schnell lernte. Mitarbeiter erklärten ihm ein Problem, an dem sie arbeiteten und Roberts konnte oft schon innerhalb dieses Zeitraumes das Problem analysieren und hatte sofort eine Lösung parat, die funktionierte.

„Ein Kollege von Roberts berichtet, dass dieser einmal an einem Schnelllesekurs teilgenommen habe. In kürzester Zeit verdoppelte er sein ohnehin schon schnelles Lesetempo, doch das war ihm nicht genug. Er vergrub sich in die Fachliteratur zum Schnelllesen und ruhte nicht eher, als bis er mit zehn Prozent ’selektiver Aufmerksamkeit‘, wie er es nannte, die phänomenale Geschwindigkeit von etwa 30.000 Wörtern in der Minute schaffte. Nach ein paar Monaten lag der begrenzende Faktor nicht mehr in seinen Augen oder seinem Gehirn, sondern in der Schnelligkeit, mit der er die Seiten umblättern konnte.“
– Aus ARPA Kadabra –

Dass Roberts in Sachen Routen und Prioritäten setzen schon vor ARPANet-Zeiten höchst erfahren war, zeigt ein weiterer Ausriß aus ARPA Kadabra über Roberts erste Zeit im Pentagon 1967, als er dort bei der ARPA im Büro für Informationstechnik arbeitete:

„Larry Roberts war 29, als er als neuester Rekrut der ARPA das Pentagon betrat. Er fügte sich rasch ein. Seine Abneigung gegen ungenutzte Zeit wurde legendär. Binnen weniger Wochen hatte er das Gebäude – eines der weitläufigsten, verschlungensten der Welt – im Kopf. Sich darin zurechtzufinden und ans Ziel zu kommen, wurde noch dadurch erschwert, dass bestimmte Korridore gesperrt waren, da sie zum Geheimbereich gehörten. Roberts besorgte sich eine Stoppuhr und nahm die Zeit auf verschiedenen Wegen zu den Zielen, die er am häufigsten aufzusuchen hatte. Bald war ‚Larrys Route‘ als der schnellste Weg zwischen zwei beliebigen Punkten im Pentagon bekannt.“
– Aus ARPA Kadabra –

Oh ja, wenn Larry Roberts Router baut, dann können es nur Router sein. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass seine heutigen Mitarbeiter immer noch nicht viel über ihren Chef kennen, wie Roberts‘ damalige Kollegen. 😉

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