Providerwechsel im Webhosting.

Ich bin ja in Sachen IT nicht ganz so unbedarft unterwegs, dennoch habe ich meine Web-Projekte seit Jahr und Tag auf einem Webhosting-Account und nicht auf einem eigenen Server. Der Grund ist, dass ich nicht den Fehler machen möchte, wie viele meiner Kollegen, die nur auf die Kosten schielen, einen kompletten Server mieten, den sie eigentlich technisch auch pflegen müssten und das dann aber nicht tun. Wenn ich etwas in zehn Jahren Systemadministration gelernt habe, dann das: Tue das, was du regelmäßig gut und mit Spaß tun kannst. In Sachen Systemadministration bin ich aus dem Alter raus, als dass mir das nochmal wirklich Spaß machen könnte.

Also, zurück zum Webhosting. Das habe ich für meine Projekte und für einige meiner Kunden bisher sehr problemlos bei Domainfactory erledigt und das immerhin auch schon seit 2011. Domainfactory war immer der Maybach unter den Webhostern – sehr aufgeräumte Administrationsoberfläche, ein sehr guter Support und eine hohe technische Zuverlässigkeit. Der Spaß war dafür spürbar teurer gegenüber den wirklichen Billighostern, aber das war es mir wert.

Allerdings ist seit dem Verkauf von Domainfactory an Host Europe und der Verkauf von Host Europe an den US-Hoster GoDaddy die Luft heraus. Nichts wurde zwar wirklich schlechter, dafür aber auch irgendwie nichts wirklich besser, wofür Domainfactory eigentlich lange Jahre stand. Die einst wirklich guten Geschwindigkeiten im Hosting wurden im Laufe der Zeit nicht wirklich besser, sondern stagnierten. Was dann natürlich dazu führt, dass andere Webhoster irgendwann überholen. Das störte mich schon seit längerem, wenn auch nicht sonderlich stark, denn mittelmäßige Scripting-Geschwindigkeiten lassen sich mit einigen Tricks in Sachen Webcaching sehr wirkungsvoll lösen.

Was mich dann aber wirklich störte, war die fehlende Unterstützung von Let’s Encrypt und eine schale Informationspolitik dazu. Technisch ist die Umsetzung von Let’s Encrypt kein wirkliches Problem für einen Webhoster, der schon SSL-Zertifikate vertreibt, so wie das Domainfactory auch tut. Bis zuletzt gab es aber auf Nachfragen dazu (und davon gab es im Forum von Domainfactory sehr viele) immer nur die Antwort, dass man Let’s Encrypt nicht unterstützen werde und basta.

Klar, Let’s Encrypt ist der Tod für alle billigen und einfachen SSL-Zertifikate und damit ein Abbruch von einst sehr guten Erlösen. Wegbrechende Einnahmequellen kann aber auch ich nicht kompensieren und es war schon letztes Jahr nach einer genaueren Analyse so, dass ich rund 15 % meiner Hosting-Kosten allein auf kostenpflichtige SSL-Zertifikate zurückführen musste. Und das war noch vor dem DSGVO-Drama. Auch ich kann kein Geld drucken, vor allem wenn es Zertifikate für meine Projekte sind, die ich ja schlecht meinen Kunden in Rechnung stellen kann.

Und letztlich hat mich auch die Abscheu eines Providerumzuges lange Zeit davon abgehalten, den Provider zu wechseln. Aber nun musste es eben sein.

Der neue Webhoster, der unter anderem auch dieses Weblog hostet, ist nun WebGo aus Hamburg, der bei den zentralen Anforderungen mindestens ebenbürtig ist. Es wird innerhalb der EU in Deutschland gehostet, die Hosting-Qualität ist hochwertig, die Script-Geschwindigkeiten in allen Parametern deutlich besser. Die Domain-Einkaufspreise sind in Ordnung (da war aber auch Domainfactory nicht viel schlechter), das Webhosting selbst ist aber dennoch schlappe 25 % günstiger. Und dann kommt eben die Unterstützung für Let’s Encrypt dazu, die ich meinen Hosting-Kunden nun kostenlos durchreichen kann, was mir sehr wichtig ist.

Wenn ich alle Hosting-Kosten zusammenzähle, rechne ich mit einer Ersparnis von rund 30 %. Das ist eine echte Ansage, die bei jedem Controller Freudentränen ausbrechen lassen würde. Wir reden hier von einer bisher hohen dreistelligen Summe pro Jahr, die nun deutlich zu einer mittleren dreistelligen Summe wird. Das ist bei meinen Hosting-Struktur wirklich bares Geld, da meine meisten Web-Projekte keine reinen Hosting-Projekte sind, sondern umfangreichere Corporate-Weblog-Geschichten, in denen die Hosting-Kosten inkludiert sind. Hier liegt noch viel stärker der Gewinn im Einkauf.

Diese Wochenende war Stunde Null und die meisten Projekte sind nun erfolgreich umgezogen. Zwei Kunden werden noch im Laufe der nächsten Woche folgen, da bei diesen noch einige Postfächer mit umgezogen werden müssen und das vor Ort umgestellt werden muss. Vier Gigabyte an Daten mussten übertragen werden und das ist eigentlich auch nur deshalb so überschaubar wenig, weil ich in Sachen Webhosting und Serverpflege zu den wirklich pingeligen Leuten gehöre. Aber spätestens bei solchen Aktionen zahlt es sich aus, den Webserver nicht als Müllhalde zu zweckentfremden.

Ein paar Monate PF-BITS.

Kollege Björn Fix (der mit Nachnamen tatsächlich so heißt, ich muss es regelmäßig sagen) und ich machen PF-BITS nun seit gut fünf Monaten als Plattform für Hyperlokales aus Pforzheim. Zeit für ein paar Feststellungen und Rückblicke. Am Screenshot rechts, der den Stand der Startseite vom 9. April zeigt, sieht man schon mal recht anschaulich, dass die Zahl der Rubriken deutlich gewachsen ist und es einiges zu lesen gibt.

WordPress? WordPress!

Hatte ich schon einmal geschrieben, dass WordPress ein erstklassiges und hochflexibles Content Management System ist? Ja? Dann muss ich es einfach noch einmal feststellen. Ich arbeite nun seit über zehn Jahren mit WordPress, aber was ich an Erfahrungen im letzten halben Jahr gesammelt habe, ist glatt die Hälfte dessen, was ich über WordPress überhaupt weiß.

Was wirklich sinnvoll war: Das Kaufen eines Magazin-Themes. Ich hatte ja zunächst mit der Idee gespielt, selbst eines zu entwickeln, aber im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich niemals damit fertiggeworden wäre. Theme entwickeln und „nebenbei“ Content beschaffen, funktioniert so nicht. Das Theme „MH Magazine“ von der deutschen Theme-Schmiede MH Themes erfüllt seinen Zweck voll und ganz. Die rund 50 investierten Euro waren und sind es wert.

Wer also ein hyperlokales Blog starten will, sollte sich durchaus um WordPress und Plugins kümmern, aber am besten ein fertiges und gepflegtes Magazin-Theme kaufen. Erspart viel Arbeit und Ärger.

Die Startseite – ein ewiges Projekt.

Ein gutes WordPress-Theme zeichnet sich heutzutage durch den konsequenten Einsatz von Widget-Flächen aus. Davon macht „MH Magazine“ zumindest auf der Startseite viel Gebrauch und das macht die Einrichtung und Pflege des Startseitenaufbaus zu einem echten Vergnügen, wenn man die Systematik der Widget-Fläche einmal verstanden hat.

Eine neue Rubrik einzusetzen, ist in einer Viertelstunde erledigt. Kategorie anlegen, die ersten Artikel in die Kategorie verschieben und im Widget-Manager auf der Startseite ein Widget (oder mehrere) für die Kategorie hinzufügen – fertig.

Die Idee und der Ansatz von WordPress, dass Erweiterungen in Sachen Kategorien und Schlagwörter jederzeit möglich sein müssen und nicht die Welt an Aufwand kosten darf, funktioniert supergut und supereinfach.

Langsam starten.

Es am Anfang mit Rubriken nicht zu übertreiben, ist eine der wichtigsten Regeln für ein hyperlokales Blog. Natürlich kann man einfach mit einem blog-artigen Stil anfangen, aber damit erreicht man vor allem die regelmäßigen Leser. Neulinge lesen selten auf der Startseite alle Artikel von oben nach unten durch, sondern brauchen eher einen „Panorama-Blick“ über die Inhalte.

Wir haben es daher so gemacht: Der erste, obere Teil der Startseite beinhaltet die aktuellsten neun Nachrichten quer durch alle Rubriken. Das ist der Bereich, den jeder zuerst liest, wenn er auf PF-BITS kommt und damit werden alle gleichermaßen angesprochen.

Weiter unten, nach den neun neuesten Nachrichten, werden dann die einzelnen Rubriken angeteasert, jeweils mit fünf Nachrichten aus der jeweiligen Rubrik. Das richtet sich an die Erstbesucher und auf die sehr aufmerksamen Leser, die sich eine Website tatsächlich erst einmal umfassend anschauen wollen.

Nebeneffekt dieser Struktur: Neue Rubriken können problemlos hinzugefügt werden, ohne dass der gesamte Seitenaufbau umgebaut werden muss.

Auf die Presseverteiler, fertig, los …

Schmissiger Subtitel, aber ein bretthartes Geschäft – ein Medium in die Presseverteiler einer Stadt zu bekommen. Gemeint ist damit gar nicht die Stadtverwaltung selbst, denn hier gab es praktisch postwendend auf die Bitte, in den Presseverteiler aufgenommen zu werden, eine positive Rückmeldung, ebenso von der Hochschule und dem Polizeipräsidium.

Bei lokalen Parteien und Gemeinderatsfraktionen wird es schon schwieriger. Die meisten Gemeinderatsfraktionen haben positiv reagiert, bei den Parteien ist es schon deutlich weniger (was aber auch daran liegen kann, dass hier der Output an Pressemitteilungen deutlich geringer ist) und eine an sich sehr mitgliederstarke Partei reagiert selbst nach mehrfachen Anfragen einfach gar nicht. Was mich allerdings auch nicht wirklich stört ab einem gewissen Eskalationsgrad, denn dann gibt es eben auch keine Veröffentlichungen, so lange das so bleibt.

Zwar sehr klein, aber dafür hochinteressant sind RSS-Feeds von Institutionen und Unternehmen. Zwar wissen die wenigsten Verantwortlichen, dass ihre Website einen RSS-Feed hat (beispielsweise alle WordPress-Installationen), aber dafür kommt hier auch eine Menge heraus. Problem hierbei ist, dass es de facto keine Pressemitteilungen sind und man hier unbedingt vorher nachfragen muss, ob Inhalte auch als Nachrichten genutzt werden dürfen.

Und auch die Pflege einer RSS-Feed-Sammlung ist ein mühseliges Geschäft, aber immerhin haben wir inzwischen rund 100 Feeds aus Pforzheim im Reader. Ich wollte das eigentlich mal veröffentlichen, aber irgendwann erkennt man, dass so eine Sammlung ja eigentlich ein Wettbewerbsvorteil ist …

Kommentare.

Viel gewünscht ist die Möglichkeit, Artikel kommentieren zu können. Verstehe ich sehr gut, denn davon lebt ein Weblog ja auch. Allerdings ist ein Forum eine nicht zu unterschätzende Moderationsaufgabe und der können wir uns derzeit einfach nicht vollumfänglich stellen. Unmoderierte Foren arten sehr schnell aus, was sich sehr anschaulich bei vielen Regionalblogs und -zeitungen zeigt. Darauf habe ich derzeit schlicht und einfach keine Lust.

Die Facebook-Seite erfüllt das Thema Forum derzeit. Die Diskussionswut ist sehr moderat, so wie auf den meisten Facebook-Seiten von Medien die Interaktionsrate in den letzten Jahren gesunken ist. Wer aber etwas zu sagen hat, kann das dort tun.

Social Media.

Kurz und knapp: Ohne Social Networks geht es nicht, nicht einmal ansatzweise. Die Veröffentlichung eines neuen Artikels wird gleichzeitig auf den Seiten und Profilen auf Twitter, Facebook und Google+ mit dortigen Beiträgen vernetzt und lenkt zumindest in Sachen Facebook und Twitter eine Reihe von Lesern direkt auf den Artikel auf PF-BITS.de. Die Reichweite der Facebook-Seite mit Werbekampagnen zu unterstreichen, ist übrigens absolut kein Fehler und bei der richtigen Auswahl der Audienzen extrem effizient. Wir sind kurz vor 900 Fans auf Facebook und die 1.000-Fans-Grenze sollten wir im Mai erreichen.

Nicht zu unterschätzen ist Google News. Die Aufnahmekriterien sind zwar nicht ganz einfach, aber die Nachrichtensuche lenkt immer wieder Leser auf PF-BITS.de, wenn auch pro Artikel nur ganze 48 Stunden lang. Ähnlich ist es mit Bing News, auch wenn hier deutlich weniger Leser unterwegs sind.

Der integrierte Mittagstisch.

Müssen wir nicht viel dazu verlieren, der Mittagstisch auf PF-BITS funktioniert weiterhin und versorgt einen Grundsatz an Lesern im monatlich vierstelligen Bereich. Immerhin funktioniert der Mittagstisch auch schon seit fast zwei Jahren und es war natürlich geplant und eine gute Entscheidung, dass die Mittagstisch-Anwendung immer noch auf den exakt gleichen URL läuft, wie zu Beginn. Die Integration des Designs auf das PF-BITS-Design war zwar ein Stück üble Arbeit, aber so ließen sich die bisherigen Besucher der Mittagstisch-Anwendung nahtlos zum Nachrichtenangebot von PF-BITS bringen.

Finanzierung und Zugriffe.

Werbung ist nach wie vor kein echtes Thema. Nicht weil wir es nicht zu einem Thema machen könnten, sondern weil wir es gerade noch nicht wollen. Derzeit sind zwar AdSense-Banner eingeblendet, die laufen da aber derzeit nur, um einen Adserver mit Zugriffszahlen und Prognosen zu versorgen. Ohne die läuft zusammen mit Zugriffszahlen, die seit Anfang an mit Piwik/Matomo gezählt werden, rein gar nichts.

Die Zugriffszahlen sind spannend, aber ich will an dieser Stelle nicht allzusehr die lokalen Medien mit genauen Informationen versorgen. Die Besucher- und Seitenabrufzahlen waren vom ersten Monat an vierstellig und sind es heute immer noch. Monatlich gibt es einen Zuwachs von 10 bis 15 %, was deutlich mehr ist, als ich anfangs prognostizierte.

Inhaltliches.

Klar ist: Ein hyperlokales Blog schreibt sich nicht von allein. Pressemitteilungen gibt es zwar, aber damit allein lässt sich kein Blog bestreiten. Nun sind wir auch keine „Volljournalisten“, die von morgens bis abends schreiben können, denn nebenher müssen wir auch unsere Brötchen verdienen.

Also muss man sich zwangsläufig an Themen halten, die einen interessieren. Ein Interesse an kommunaler Politik muss man schlicht voraussetzen, ebenso Kenntnisse darüber, wie die eigene Stadt eigentlich so funktioniert. Und wer dann noch mit offenen Augen durch die Gegend läuft und viel von dem Zeug, über was man bisher getwittert, gefacebookt oder geinstagramt hat, auf das Blog verlegt, kommt schon etwas zusammen. Und niemals darf man vergessen: Meinungen machen Blogs stark.

Zum Thema „Fakenews“.

Was mir jetzt mehrfach passiert ist, ist der sehr merkwürdige Humor einiger Zeitgenossen, mir offenkundig mit einem witzigen Unterton entgegenzutreten und mich als „Fakenews-Schleuder“ zu bezeichnen. Ich kann über vieles lachen, auch gern über mich. Allerdings so gar nicht darüber, öffentlich als „Fakenews-Schleuder“ oder ähnliches bezeichnet zu werden. Ich mag es auch mal erklären, warum:

Wenn wir uns den Begriff „Fakenews“ anschauen, dann geht es hier nicht um zufällig falsche Nachrichten, sondern um gezielt falsche Nachrichten, die mit der Absicht verbreitet werden, die Bevölkerung mit völlig an der Nase herbeigezogenen Behauptungen zu verunsichern. Sprich: „Fakenews“ ist keine einfache Zustandsbeschreibung von Pseudo-Journalisten, sondern ein beleidigendes Wort. Ich nehme so etwas persönlich. Und auch das erkläre ich gern, warum ich das tue:

Ich erfinde mit PF-BITS den Journalismus sicher nicht neu und habe auch gar nicht den Anspruch, das zu tun. Und ja, mangels Manpower greifen wir ebenso auf Pressemitteilungen zurück, wie das die großen Medien selbst auch tun (im Gegensatz zu denen schreiben wir aber bei jeder veröffentlichten Pressemitteilung darunter, von wem sie stammt). Wir „erfinden“ aber keine Fake-Tatsachen, um dann darüber zu berichten, weil wir genau das nicht wollen und wir uns der Verantwortung, die man beim Publizieren hat, bewusst sind.

Um es auch mal anders darzustellen: Wer bin ich bitte, andere Leute in meinem Freundeskreis öffentlich zu bezichtigen, sie würden in ihrem Job den ganzen Tag pfuschen und Müll produzieren? Genau, sowas wäre verletzend und das macht man nicht. Und genau so fasse ich es auf, wenn mich jemand „Fakenews-Schleuder“ bezeichnet und dann gibt es auch gern mal eine bissige Replik zurück von mir. Spaß hin oder her.

Geheilt vom Fernsehfieber.

Einer der gleichzeitig interessantesten und dennoch von mir etwas gefürchteten Aktivitäten in diesem Jahr war etwas, was ich lange Zeit vor mir hergeschoben habe. Genau genommen fast 18 Jahre (mit einer kleinen Ausnahme 2005) – der Besuch bei meiner allerersten beruflichen Wirkungsstätte, dem ZDF in Mainz. Im Sommer ergab es sich kurzfristig, dass mein guter Freund Timo Gerstel für sich und seine Kids Plätze einer Besucherführung ergattert hatte und fragte mich kurzerhand, ob ich nicht mitkommen wolle.

Nun war das so eine Sache: Obwohl ich ja eigentlich nur drei Jahre beim ZDF arbeitete (dafür allerdings sehr intensiv viel als Kameraassistent), hatte ich nach 1998 schon eine ganze Weile gezahnt, als ich die Branche gewechselt hatte. Kapitän Jürgen Schwandt hatte es mal vortrefflich einer Zeitung diktiert:

Auf den Weltmeeren erlebte Schwandt noch unzählige Stürme, 1966 wurde er mit 30 Jahren Kapitän der „Ludwigsburg“. Fünf Jahre später heiratete er. Für seine Frau Gerlinde traf er eine der schwierigsten Entscheidungen seines Lebens: Er trat eine Stelle beim Zoll an. An Land. „Die ersten zwei Jahre war ich todunglücklich. Ich hatte mein Seefahrtsbuch oben auf in der Schublade liegen und den Seesack gepackt. Ich hätte jeden Tag wieder losfahren können.“ Zwei Mal sei er ganz kurz davor gewesen, aber er blieb an Land.

Todunglücklich war ich zwar nicht gerade, aber dieses Gefühl, auf dem gepackten Rucksack zu sitzen und jederzeit wieder losgehen zu können, das kenne ich seitdem sehr gut. Und darum machte ich anfangs auch einen recht großen Bogen um Fernsehanstalten und vermied es auch, viel darüber nachzudenken, obwohl es hin und wieder mal Einladungen zu Kollegentreffen und Studiofeiern gab. Und irgendwann war es dann auch eingeschlafen, diese seltsame Sehnsucht nach einer alten Zeit, bei der ich weiß, dass es sie schon lange nicht mehr gibt.

Der Besuch.

Also gut, im August war es dann soweit. Die Sehnsucht war und ist nicht mehr da, aber so eine gewisse Spannung konnte ich nicht verleugnen. Immerhin war es eine echte, tief sitzende Freude, dass ich zu meinem alten Arbeitgeber witzigerweise mit einem meiner besten Kunden und seiner Familie hinkomme, dessen Corporate Blog ich betreue und bei der Redaktionsarbeit auf viele Erfahrungen zurückgreifen kann, die ich eben beim ZDF gelernt habe. Und zu all der Ironie kam dann auch noch, dass das erste Auto, was wir auf dem ZDF-Gelände gesehen habe, exakt mein Opel Adam war. Alle Kreise schließen sich irgendwann, aber die beste Mini-Geschichte zu der Phrase gibt es ganz am Ende dieses Artikels als Bonus.

Jedenfalls: Es ist beim ZDF tatsächlich nicht mehr viel so, wie ich es einst kennengelernt hatte. Es arbeiten deutlich weniger Menschen in der Technik, was sich vor allem in den Studios, von denen wir das Studio 2 und das Studio 3 (das „Sportstudio“) anschauen durften. Die Lichtsteuerung erfolgt heutzutage komplett via EDV, so dass nach dem Einbau der Kulisse in der Regel nur noch ein Lichttechniker angewackelt kommt, der lediglich das Lichtprogramm lädt und dann alle Scheinwerfer bei ihrem Gang in die einst einprogrammierte Position beobachtet. Das ist schon herb: Zu meiner Zeit standen tagsüber noch mindestens 15, 20 Menschen, die alle möglichen Arbeiten im Studio verrichtet hatten. Heute steht nur noch einer da.

Ebenso ambivalent war der Blick in einen Regieraum, witzigerweise genau der, in dem ich einst gelernt hatte, wie die Blende der E-Kameras zu steuern war. Nichts ist dort mehr so, wie es damals war. Es arbeiten hier wiederum viel mehr Leute, wenn der Raum voll belegt ist. Allerdings: Es gibt nicht mehr das halbe Dutzend Regieräume, sondern allenfalls die Hälfte davon, zumindest im eigentlichen ZDF-Sendezentrum (3sat und die digitalen Spartensender werden im Sendezentrum 2 gegenüber produziert).

Wie Fernsehen heute produziert wird.

All diese Eindrücke, die vor allem mir auffielen und weniger den restlichen Besuchern, sind Ergebnis dessen, was in den letzten 20 Jahren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen passiert ist:

  • Immer mehr bis dato hauseigen produzierte Programmformate wurden entweder gänzlich eingestellt oder werden inzwischen von externen Produktionsfirmen hergestellt. Der Zauberschlüssel hier ist, dass diese Ausgaben für extern produzierte Sendungen nicht mehr auf das Personalkonto gehen, sondern vor allem auf das Produktionskonto. Um das Personal müssen sich dann die externen Produktionsfirmen kümmern. Stichworte hier sind natürlich vor allem deutlich niedrigere Gehälter, prekäre Arbeitsverhältnisse, aber auch Synergieeffekte mit Produktionen für andere Sender.
  • Selbstverständlich hat sich die Technik in den letzten Jahren verändert und zwar grundlegend. Damals wurde noch weitgehend analog produziert, die Digitalisierung war gerade am Anfang. Das hieß noch, dass auf Magnetband aufgezeichnet und auch geschnitten wurde und wir in Röhrenbildschime glotzten. Alles Dinge, die sehr wartungsintensiv waren. Heute kommt der Film in der Kamera auf einen Chip, wird non-linear deutlich schneller geschnitten und vertont und auch der Produktionsablauf ist deutlich einfacher, da eben alle Signale und Konserven vollelektronisch vorliegen.
  • Das heißt wiederum auch: Es gibt nicht nur weniger Technikpersonal, sondern weitgehend auch gänzlich anderes Personal. Meine ehemaligen Kollegen von früher (zumindest die älteren Kollegen, bei denen ich gelernt hatte) sind entweder im verdienten Ruhestand oder gingen früher über Vorruhestandregelungen aus dem Hause. Vorruhestand war und ist bei öffentlich-rechtlichen Sendern ein beliebtes Werkzeug, um Personalkosten zu senken, denn (was ich lange Zeit nicht verstand) viele der Planstellen der so in den Ruhestand gehenden Mitarbeiter werden nicht mehr durch neue Kollegen besetzt, sondern sind dank der Digitalisierung und des Wandels einfach nicht mehr notwendig.

The sweetening effects.

Witzig ist: Manche Sachen verändern sich nie. Zum Beispiel der 70er-Jahre-Charme der ZDF-Kantine. Immerhin sind die Tabletts nicht mehr orangefarben, sondern beige. Und: Es besteht Selbstbedienung, was mich vermutlich durch jeden alten Hasen sofort als sehr frühen ZDF-Kollegen hätte aufdecken lassen. Ich stand nämlich einige Sekunden vor den Futterschalen und wusste nicht, was hier eigentlich zu tun ist. Bargeld ist an der Kantinenkasse auch nicht mehr gern gesehen, dafür muss man sich an einem (allerdings extrem alt wirkenden) Automaten zuerst eine Gastkarte auffüllen.

Der Mitarbeiterin, die unsere Besuchergruppe dann auf die eineinhalbstündige Tour führte, offenbarte ich gleich zu Beginn, dass ich hier so eine Art „Anstandsbesuch“ machte. Das führte dann zu einem denkwürdigen Moment, denn während wir insgesamt 20 Leute da so im Regieraum standen, sie (übrigens sehr fachkundig und freundlich) erklärte, ich mit meinen eigenen Blicken auf die Technik abschweifte, gab sie mir kurzerhand das Wort – ich könne doch als ehemaliger Kamerakollege zu den Erklärungen zum Regieraum sicher auch noch etwas hinzufügen. Bei dem Running Gag blieben wir dann die ganze Führung über bei jeder Station … „Haben Sie noch etwas hinzuzufügen?“ Erstaunlich, was ich noch alles weiß.

Geheilt?

Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass die Antwort, ob diese Sehnsucht noch im Bauch ist, erst nach einigen Wochen zu beantworten ist. Die Antwort scheint zu lauten: Geheilt. Ich denke schon immer wieder gern an die Fernsehzeiten zurück, aber dort arbeiten wollte ich jetzt nicht mehr dort. Das grundlegende Handwerk vergisst man offensichtlich tatsächlich nicht, aber es reizt mich auch nicht mehr so, dass ich jetzt alles stehen und liegen lassen würde dafür.

Klar ist auch, dass diese Entscheidung auch viel mit meiner Selbstständigkeit zu tun hat, in der mir dann dank Bloggen und jetzt PF-BITS eine Menge des Handwerks zugute kommt, was ich beim ZDF gelernt habe. Dass ich sehr kritisch sein kann und auf einfach dahergeplapperte Meinungen recht allergisch reagiere und lieber selbst nochmal recherchiere – das ist halt ein Überbleibsel aus diese Zeit, das ich aber sicher nicht vermissen mag. Diese Erfahrungen dann wiederum in eine tägliche Arbeit hineinpacken zu können, verschafft dann doch ein Stück Erfüllung.

Der Bonus.

Da ist da noch eine Geschichte, die auch nicht so viele kennen und mit der obigen Sehnsucht zu tun hat. Ende 1999 war ich beruflich ziemlich frustriert, was mehrere Gründe hatte. Falscher Arbeitgeber, völlige Überlastung, sicher auch Greenhornigkeit meinerseits, in einem Bürojob sich den dortigen Regularien hinzugeben. Ich war, so wie Kapitän Schwandt, kurz davor, den Bettel hinzuschmeißen und mich sofort wieder als freier Kameraassistent beim ZDF zu melden.

Jedenfalls fuhr ich eines morgens wieder einmal echt frustriert morgens zur Arbeit und der Weg dorthin führte mich unter einer Bahnbrücke hindurch. Und, ihr könnt es mir nun glauben oder nicht: Genau zu diesem Zeitpunkt fuhr ein Zug über diese Brücke, genau in meinem Blickfeld. Gezogen tatsächlich von der Lokomotive mit der Kennung 120 151-6.

Ich hatte dann 1999 tatsächlich nach zwei Monaten den Arbeitsplatz gewechselt, aber nicht auf den Bauch und auf das Zeichen auf der Bahnbrücke gehört. 😉

PF-BITS, nächstes Level.

Den ganzen Oktober hier nichts gebloggt, dann bloggen wir wenigstens mal schnell noch im November etwas. Ganz so unproduktiv waren nämlich weder Oktober und November und das unter anderem für mein kleines Hobbyprojekt PF-BITS.

Wir erinnern uns – PF-BITS startete letztes Jahr mit einem Mittagstisch-Projekt namens „PF-BITS Mahlzeit!“. Klein, fein, mit exzessivem Einsatz von benutzerdefinierten Feldern und am Ende sogar performant gab und gibt es eine tägliche Übersicht über Mittagstische in Pforzheim. Rund 2.000 Besucher zieht das pro Monat inzwischen an. Hört sich nicht viel an, aber wenn man berücksichtigt, dass das eine Special-Interest-Geschichte ist und Pforzheim eine überschaubare Audienz hat, ist das schon ganz okay.

Basis war und ist eine WordPress-Multisite-Installation. Dass dahinter noch etwas kommen sollte, war dem Insider spätestens bei einem Blick auf die Adressstruktur klar, denn PF-BITS Mahlzeit! residiert im Unterverzeichnis „/mahlzeit“. Und während ein halbes Jahr lang ein automatischer Redirector alle Zugriffe auf Root eben zu „/mahlzeit“ umleitete, war hinter den Kulissen eine große Baustelle. Sozusagen „PF21“, wenn auch nicht ganz so teuer.

Am 4. November, pünktlich zum ersten BarCamp Pforzheim, haben wir dann den Redirection-Stöpsel gezogen und das eigentliche PF-BITS gestartet, als Online-Magazin – „Bits & Bytes aus Pforzheim“. Ein etwas sperriger Untertitel, der aber genau das beschreibt, was PF-BITS sein soll. Die Übersicht der Mittagstische ist natürlich weiterhin an Bord und auch immer noch die wichtigste Anwendung. Die Besucher bekommen jetzt aber eben mehr zu sehen, nämlich Magazinbeiträge von Björn Fix und mir. Björn ist ein ständiger Begleiter des netpla.net-Hauses, ein guter Freund und darüber hinaus auch ein recht pfiffiger Lokalberichterstatter, der das Thema Online außerordentlich gut verinnerlicht. Da gibt es leider immer noch nicht so viele Journalisten, die das können.

Wir machen jetzt also Magazin und so eine Art Online-Lokaljournalismus, auch wenn ich ganz klar sage, dass wir es im Pforzheimer Medienmarkt auf absehbare Zeit weder sichtbar schaffen werden und es auch gar nicht wollen, den etablierten Medien Konkurrenz zu machen. Eine große Portion Realismus muss Basis von Lokalblogs und des Graswurzeljournalismus sein, sonst braucht man es gar nicht erst anzufangen.

Dennoch: Für engagierte Lokaljournalisten sind goldene Zeiten angebrochen, zumindest aus technischer Sicht. Das, was rechts als Screenshot der Startseite von PF-BITS zu sehen ist, ist ein weitgehend pures WordPress mit wenigen Standard-Plugins und mit einem für 49 Euro gekauften Magazin-Theme von MHThemes. Die investierte Arbeitszeit für das Customizing ist überschaubar, selbst mit der Mittagstisch-Umgebung, die ein wenig Code-Arbeit beinhaltet, aber immer noch echtes und vollständig kompatibles WordPress ist. Auf jeden Fall sind es Kosten, die man auch noch bequem in monatlichen Raten abbezahlen könnte, wenn man sich alles von einem Dienstleister aufstellen lässt. Nach 14 Jahren WordPress kann ich nur sagen: Es ist immer noch das wertvollste, was dem Web je passieren konnte.

So, genug Pathos, mehr braucht es nicht. Ich bin gerade dabei, eine Menge Institutionen, Vereine und Parteien davon zu überzeugen, uns bei der Aussendung zukünftiger Pressemitteilungen zu berücksichtigen (die FDP und die Grünen waren übrigens am schnellsten) und dann schauen wir mal, wohin uns das alles führt.

Besuchspflicht: PF-BITS – Bits & Bytes aus Pforzheim

ReSPD.

Seit dem Sonntag höre und lese ich ja einige „Beileidsbekundungen“ zum Wahlergebnis der SPD, erstaunlicherweise mit eher wenig echter Häme, wie sie im Politikbetrieb ständig fließt, wenn eine Wahl verloren wird. Politik und Wahlkampf ist ein undankbares Geschäft, aber das wissen alle Beteiligten. Von Häme erfüllte Wähler (nehme ich mal an) oft nicht, aber das ist deren Problem, nicht meines.

Dass es für die SPD dicke kommen würde, kam jetzt nicht so überraschend. Man liest ja Nachrichten und Stimmungen und es war leider auch schon recht frühzeitig klar, dass eben Dankbarkeit über viele politische Projekte, die maßgeblich die SPD auf den Weg gebracht hat, in einem darauf folgenden Wahlkampf nichts zu suchen hat. Sei’s drum. Die Entscheidung, voraussichtlich in die Opposition zu gehen, ist eine der Situation angemessene Entscheidung. Nach acht Jahren Große Koalition und Juniorpartnerschaft mit einer im Geiste völlig entleerten Union kann man so nicht weiter machen, wenn die Große Koalition dermaßen viel Stimmenverluste zu verzeichnen hat.

Das aber ist nicht unbedingt das zentrale Problem, weshalb die SPD in der Wählergunst nicht mehr ankommt. Wir müssten mal weniger überlegen, was wir in diesem Wahlkampf schlecht gemacht haben. Und mehr überlegen, wie wir uns die Sozialdemokratie eigentlich im 21. Jahrhundert konkret vorstellen.

Die Sozialdemokratie in den Fragekomplexen der Globalisierung und des Neoliberalismus.

Um es sehr kurz zu fassen, denn es gibt sehr viel zeitgenössische Literatur dazu (zum Einstieg sehr empfehlenswert dazu ist der Aufsatzband „Die große Regression“): Der Neoliberalismus mit all seinen kapitalistischen Ausprägungen (nennen wir hier mal aus einem riesigen Pool die Begrifflichkeiten „Raubtier-“ und „Heuschreckenkapitalismus“) hat uns in sehr großen Schritten und nach einer großen Finanzkrise im Jahr 2009 in die derzeitige Situation geführt, dass wir es mit immer mehr Menschen global zu tun haben, deren Lebenssituation sich dramatisch verschlechtert. Der Rückzug des Sozialstaates ist für viele Menschen sehr greifbar geworden und entwickelt sich zu deren wirtschaftlichem Nachteil. Die erheblichen Möglichkeiten der Globalisierung geht an vielen Menschen schlicht vorbei und erzeugt Verwerfungen bis tief in die Gesellschaft hinein. Es entstehen Bewegungen hin zu Populisten, es entstehen Spannungen bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Situationen. Wer die Flüchtlingsbewegungen seit 2015 davon gänzlich isoliert betrachten will, ist sehr auf dem Holzweg.

Ein völlig ungezügelter Kapitalismus funktioniert schlicht nicht, das dürften inzwischen wirklich alle gemerkt haben. Ein sich immer weiter zurückziehender Sozialstaat ebenfalls nicht. Wir haben in Pforzheim zum Beispiel derzeit die Situation, dass keine der öffentlichen Bäder dauerhaft mehr geöffnet bleiben kann, ohne sieben- bis achtstellige Investitionen darin zu tätigen. Geld, das so erst einmal gar nicht da ist im Haushalt der Stadt, aber durchaus im Haushalt des Landes und des Bundes. Und das merken die Bürgerinnen und Bürger, dass hier etwas gewaltig schiefläuft.

Sie wählen einerseits populistische Idioten, die selbst nichts auf die Reihe bekommen und außer gesteuertem Hass und dem Stilisieren von Sündenböcken nichts substantielles schaffen. Sie wählen aber andererseits die etablierten Parteien ab, von denen sie glauben, dass sie keine zukunftsfähigen Lösungen liefern.

Von konservativen Bewegungen erwarte ich so gar nicht, dass sie tragfähige Wege aus dem Neoliberalismus anbieten. Das haben CDU und CSU bei der Bundestagswahl nun ebenfalls empfindlich zu spüren bekommen, es wird aber sehr fraglich bleiben, ob die Union diese Warnsignale in ihre Regierungsarbeit und die wohl letzte Kanzlerdekade Angela Merkels einfließen lässt.

Es ist aber eine verdammte Aufgabe der Linken und insbesondere der Sozialdemokratie, Lösungsentwürfe für eine zukunftsfähige Gesellschaft zu liefern. Und das ist kein reines Problem der SPD in Deutschland, sondern vieler sozialdemokratischer Parteien rund um den Globus, die ähnliche Vertrauensverluste zu verschmerzen haben. Ob das nun die Labour in Großbritannien ist, die Sozialisten in Frankreich, die SPÖ in Österreich, die CHP in der Türkei – es gibt nicht mehr die scharf abgegrenzte Arbeiterbewegung und der damit verbundene Problemkosmos. Die Probleme sind längst globaler Natur und müssen mit globalen Lösungsansätzen angegangen werden.

Ein Relaunch der Sozialdemokratie.

Das im Jahr 2007 verabschiedete Hamburger Programm der SPD, das auch heute noch das Grundsatzprogramm darstellt, hat einige zukunftsweisende Elemente hin zu den Fragen des 21. Jahrhunderts aufgestellt und interessanterweise einige Entwicklungen vorweggenommen, die im Laufe von zehn Jahren nach Annahme dieses Programmes so eingetreten sind.

  1. Wir müssten uns einmal in einem „Relaunch der Sozialdemokratie“ ersthaft mit der Frage befassen, warum viele der ehemaligen Stammwähler glauben, dass die SPD keine Lösungen liefern könnte, obwohl sie es nachweislich in der Großen Koalition mit einigen SPD-Projekten wie z.B. dem Mindestlohn, der Mütterrente etc. hier die Feder geführt hat.
  2. Wie kann es eigentlich sein, dass die Jugend heutzutage so dermaßen unrebellisch ist und sich eher von der Union ernstgenommen fühlt und nicht von der Sozialdemokratie? Wie kann es sein, dass der „Golfstrom der politischen Selbstentwicklung“ von linker zur konservativer Zugehörigkeit in den meisten früheren Lebensläufen heute so an der Quelle versiegt?
  3. Was sind eigentlich unsere Vorschläge auf die immer stärker vordringende robotische Industrialisierung und den wohl immer kleiner werdenden Arbeitsmarkt? Klar, wir haben aktuell andere Probleme, aber die Sozialdemokratie (und nur die Sozialdemokratie) ist hier in der Verantwortung, Lösungsansätze für so eine Zukunft zu entwerfen.
  4. Wir müssten uns einmal fragen, wieso wir es eigentlich fertigbringen, dass überall auf dem Globus sozialdemokratische Parteien häufig die exakt gleichen Vertrauensverluste haben, einen ähnlichen Mangel an implizierter Zukunftsfähigkeit beklagen und sie sich trotzdem alle ratlos von Wahl zu Wahl hangeln, selbst aus der Opposition heraus. Interessanterweise gibt es neben der „Sozialistischen Internationalen“ ja noch die Progressive Alliance, die vornehmlich sozialdemokratische Parteien rund um den Globus vernetzt und die ihren Sitz auch noch im Willy-Brandt-Haus – also der SPD-Parteizentrale – in Berlin hat. Könnten wir als Linke das Thema Globalisierung endlich auch mal global angehen?

Wenn Innenminister Thomas de Maizière die „Cyber-Feuerwehr“ ruft.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière gehört zweifellos zu den eher leichtgewichtigen Ministern. Das merkt man vor allem zu Wahlkampfzeiten, in denen ja so manch Politiker ziemlich viel Stuss vom Stapel lässt. Thomas de Maizière toppt alles nochmal.

Nun hat er offenkundig in einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Bremen, an der Ehrenamtliche von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk teilnahmen, versucht, irgendwie innovativ zu sein. Gut, als Innenminister muss man bei so Veranstaltungen nicht innovativ sein, sondern vor allem konservativ. Danken für die ehrenamtliche Arbeit, nochmal danken für die ehrenamtliche Arbeit und dann nochmal danken für die ehrenamtliche Arbeit.

Nein, dachte sich Thomas de Maizière, ich mache mir Gedanken um den Nachwuchs. Eigentlich eine gute Sache. Eine schlechte Sache, wenn man, so wie Thomas de Maizière, sich das Internet so vorstellt wie den Kneipenbereich von Total Recall. Dann kommt nämlich ziemlich viel Mist dabei heraus.

Cyber-Angriffe beschäftigen ihn sehr, „wer hilft denn da dem kleinen Tischler, dem Handwerker, dem mittelständischen Unternehmen? Wenn’s brennt, ruft er die Feuerwehr. Wen ruft der eigentlich an, wenn seine Cyber-Anlage [sic!] ausfällt?“

Gut, könnte man sagen, der Tischler, kleine Handwerker und der mittelständische Unternehmer haben da jemanden, der sich damit auskennt, denn es gibt ja EDV-Dienstleister. Von allein schaffen es ja die meisten Computer nicht auf die Bürotische dieser Welt.

Aber nein, Thomas de Maizière will Ehrenamt und „Cyber-Anlage“ in einer Rede haben. Also fordert er eine „Cyber-Feuerwehr“. Für junge Menschen. Die sich dann sagen könnten: „Ich hacek auch sonst gerne, dann hacke ich mal für die Guten.“ Und das könne man doch mit den Strukturen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk nutzen, um das dann regional und dezentral als neue ehrenamtliche Tätigkeit aufzubauen.

Also alles ganz einfach:

Der kleine Handwerkerle, der z.B. eine Buchhaltung führen muss und spätestens da auf eine zuverlässige „Cyber-Anlage“ angewiesen ist, kann sich sein Geld zukünftig sparen und ruft einfach die „Cyber-Feuerwehr“, wenn sich jemand in seine Kiste hackt. Dann kommen die Script-Kiddies der „Cyber-Jugendfeuerwehr“ via Blaulicht, haben keine echte Reputation (warum auch, braucht man ja auch nicht für Spielekonsolen) und basteln dann mal „für die Guten“.

Geile Sache. Der Bundesinnenminister. Der Trottel. Der mit so einer Aussage vor allem zeigt, wie gräßlich inkompetent er in Sachen IT-Sicherheit ist und nebenbei das Ehrenamt von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und anderen Hilfskräften lächerlich macht. Hier redet niemand, der verantwortungsvoll ein Ministerium führt, sondern wie jemand, der verzweifelt danach ruft, in den Ruhestand versetzt zu werden.

Bericht von der OPELxWIRED future mobility Konferenz. #OpelWiredMobility

Mein Nachbericht von der OPELxWIRED future mobility Konferenz hat jetzt ein paar Tage gedauert, denn die Kenner meines Twitter-Accounts werden sich jetzt sicher wundern, warum es erst jetzt einen Blogartikel zur Konferenz gibt, die schon am 13. Juni stattfand. Und kurzer Warnhinweis: Wird wieder ein sehr langer Blogartikel, der aber gespeist ist von meinen umfangreichen Notizen, die ich während der Konferenz gemacht habe. Das Thema ist heiß.

Dafür gibt es die obligatorische Konferenz/Barcamp-Blogroll gleich am Anfang:

Eine Konferenz zur Zukunft der Mobilität bei Opel? Genau da.

Man kann jetzt darüber streiten, ob es sich Opel leisten kann, eine Veranstaltung über die Zukunft der Mobilität zu hosten. Ist man etwas mehr in der Materie, weiß man, dass Opel in Rüsselsheim ein großes, internationales Test- und Entwicklungszentrum („ITEZ“) unterhält, das innerhalb des GM-Konzerns immerhin zum zweitgrößten Zentrum von insgesamt dreien (in Detroit, Korea und eben Rüsselsheim) gehört. Rüsselsheim ist eben nicht einfach nur ein „Schrauber-Standort“ – hier passiert richtig etwas.

Für alle großen Autohersteller gehört die Elektromobilität schon längst zum Entwicklungsalltag und Harald Hamprecht, Generaldirektor der Unternehmenskommunikation von Opel, führte das in seiner Keynote auch in klaren Worten aus. Die hätte eigentlich Karl-Thomas Neumann halten sollen, der aber leider genau einen Tag vorher als Vorstandsvorsitzender von Opel zurückgetreten ist. Sehr bedauerlich, denn auf seine Keynote und sein Autogramm hatte ich mich sehr gefreut. Karl-Thomas Neumann ist in der Elektromobilitätsszene sicherlich einer der interessantesten Unternehmenslenker und war in seinen bisherigen vier Jahren für Opel ein echter Glücksfall.

Daher ist die OPELxWIRED future mobility Konferenz auch kein Zufall und Opel ein gar nicht so verkehrter Ansprechpartner für die Zeitschrift Wired gewesen. Eingebettet war die für ein geschlossenes Publikum veranstaltete Konferenz in der legendären Halle K48, einer ehemaligen Opel-Produktionshalle, die für Veranstaltungen dieser Art genutzt wird. Da in Rüsselsheim in der Woche der „Hessentag“ veranstaltet wurde, war auch ein entsprechend mediales Interesse sicher.

Politics – der OB, der MP und der hessische Wirtschaftsminister

Eingeleitet wurde die Konferenz von Rüsselsheims OB Patrick Burkhardt und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Beide, klar, versuchen den klaren Bezug auf den Standort Rüsselsheim bzw. Hessen. Für Bouffier ist der Verbrennungsmotor noch lange nicht tot und er kritisiert die Maßgabe von einer Million E-Autos bis zum Jahr 2020 (wobei eigentlich jeder ahnt, dass dieses Ziel schon längst nicht mehr zu erreichen ist).

Für Bouffier ist die Zukunft der Mobilität aber auch eine „Datenmobilität“ und eine wichtige Haltungsfrage dazu, wie wir mit der gebotenen Notwendigkeit der Datennutzung umgehen wollen. Gut, ich habe jetzt von Volker Bouffier hier nicht sonderlich viel mehr erwartet. Hatte ich schon erwähnt, dass ich zu diesem Zeitpunkt den alten Blogger-Buddy Robert Basic traf, der auch zur Konferenz eingeladen war?

Später gab auch Tarek Al-Wazir, hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, seine Meinung zur Zukunft der Mobilität zu Protokoll und war da schon erfreulich deutlicher. Er selbst sehe dem Wandel in der Mobilität optimistisch entgegen und glaubt, dass alles viel schneller passiert, als gedacht. Den Staat sieht er, ebenso wie die Autohersteller, in der Verpflichtung, für Informationen über die neuen Technologien zu sorgen, um Vertrauen für Produkte zu schaffen. Auch einen überregionalen Ausbau der Ladeinfrastruktur sieht er durchaus auch in der Verantwortung des Staates, um zumindest überregionale Mobilität zu fördern und einen der Urängste des Menschen zu nehmen, nämlich eine leere Batterie und eine damit empfundene Urangst, doch nicht so frei zu sein, wie versprochen. In seinem Ministerium sei man in Sachen Elektromobilität zwar schon weit, aber noch nicht weit genug. Auch hier sei sein Ziel, letztlich die gesamte Flotte auf Elektrofahrzeuge umzustellen.

Nikolaus Röttger, Chefredakteur der Wired

Nikolaus Röttger gab als Chefredakteur und Mitveranstalter der Konferenz ebenfalls ein Grußwort. Die Zukunft sei schon längst da und ließe sich auch nicht mehr aufhalten. Das sei nicht zuletzt auch daran zu erkennen, dass rund um das Thema (Elektro)Mobilität inzwischen eine Reihe von neuen Geschäftsmodellen und Unternehmen entstehen, die zu einem großen Teil auf die Elektromobilität und das autonome Fahren aufsetzen. Und er plädierte darauf, mehr Optimismus zu wagen, vor allem in Deutschland. Sicherlich kein Fehler.

Carlo Ratti – der brutalstmögliche Einstieg in die Materie.

Carlo Ratti, Chef des Senseable City Labs des MIT, führte dann gleich in die Tiefen des Kaninchenbaus und zwar per Schleudersitz. Der Titel seines Vortrags „Nichts steht mehr! Wie neue Mobilitätsformen die Stadt verändern (und unsere Leben gleich mit)“ versprach nicht zu viel, es waren die mit Abstand spannendsten 50 Minuten des gesamten Tages.

Für Ratti (und übrigens für den Großteil der Branche) ist die Zukunft der Mobilität eine Mischung aus Elektromobilität, autonom fahrende Autos und so genannte „Robotaxis“, also im Prinzip fahrerlose Taxifahrzeuge. Ratti wiederum geht in seiner Forschungsarbeit der Frage nach, wie sich all diese Mobilitätskonzepte auf den Straßen einer Stadt kombinieren lassen und wie hier vor allem irgendwann die letzten Autos mit menschlichem Fahrer hineinpassen.

Der Datenaustausch in ganz großem Stil (Stichwort „Big Data“) ist ein Schlüssel dazu, dass all dies funktioniert. Dazu arbeitet sein Lab an Systemen, mit denen Fahrzeuge untereinander Daten austauschen und sich gegenseitig warnen können. Andere Systeme sehen Datensammlungen vor, die Verkehrssituationen simulieren (und zwar in ganz großem Stil mit Millionen von Fahrzeugen), daraus Voraussagen treffen und letztlich dann eine Verkehrssteuerung umsetzen, die genau das Gegenteil vorsieht.

Und dann: Die Fußgänger. Auch hier ist das MIT forschend unterwegs, unter anderem mit der Idee einer sich selbst aufbauenden Fußgängerbrücke, die bei Bedarf entsteht. Glaubt man alles erst dann, wenn es so einer wie Carlo Rotti zeigt. Letztlich sei diese Grundlagenarbeit und die Frage nach einer politischen Akzeptanz solcher Forschungsprojekte die Hauptarbeit seines Labs.

Halady Prashanth und Wolfgang Schneider zur Frage, wie Autos zukünftig mit Menschen kommunizieren.

Dass die Konferenz keine reine Opel-Veranstaltung war, zeigte Halady Prashanth, seines Zeichens Direktor des Global Center of Competence for Human-Machine Interaction bei Bosch, der im Gespräch mit Wolfgang Schneider vom CAR Institut interessantes darüber erzählte und zeigte, was Bosch als Zulieferer an Forschung macht.

Die heute schon beginnende Entwicklung, dass Autos immer stärker in Datenclouds eingebunden sein werden, wird immer wichtiger werden. Schon heute warnen Verkehrssysteme wie Google Maps, Waze etc. Nutzer vor aktuellen Verkehrsstörungen und geben auch Voraussagen ab, wie der Verkehr zu einem bestimmten Wochentag und Uhrzeit sein wird. Diese Systeme werden schon sehr bald direkt in Fahrzeugen eingebaut sein, so dass Fahrzeuge untereinander auf authentische Weise Störungsmeldungen austauschen und verarbeiten.

Als echter Techie (mutmaße ich) hat Prashanth dann auch ein paar Videos in Sachen Fahrzeugsteuerung im Gepäck gehabt und gezeigt. Ein Auto, das autonom fährt und mit Gesten und Sprache gesteuert wird. Sieht alles gespenstisch aus, ist aber beim Betrachten der Videos überraschend eingängig. Mein Wunsch an die Opel-Macher ist daher klar:

So ein Techniker wie Prashanth vergaß auch nicht, einen Blick auf die zukünftigen Sicherheitsanforderungen zu legen. Schon heute sind alle vernetzten Autos Ziel von umfangreichen Sicherheitsanalysen auf Hard- und Softwareebene und das wird zukünftig nicht weniger, sondern mehr. Viel mehr. Und auch die Anforderungen in Sachen Softwareupdates werden zukünftig mindestens so steigen, wie sie inzwischen bei modernen Infotainmentsystemen üblich geworden sind.

Für mich wiederum eher ein beruhigendes Signal. Wo Software gepflegt wird, kümmert sich jemand.

Die Mobilitätsmarke Opel mit Opel-Marketingchefin Tina Müller und Markenbotschafter Jürgen Klopp.

Glatt zur Dienstfahrt entwickelte sich die Konferenz für mich, als nach der Mittagspause der „Opel-Werbeblock“ mit Jürgen Klopp gleichzeitig noch für eine Premiere genutzt wurde, nämlich die Präsentation des überarbeiteten Opel-Logos und des neuen Opel-Slogans „Die Zukunft gehört allen“. Natürlich sehr praktisch für meinen Autohauskunden, das „gallische Opel-Dorf im Daimler-Land“, der diese Premiere so als allererstes Opel-Autohaus via Blog, Facebook und Twitter ins Land trommeln konnte. Die Bühne war quasi noch warm. 😉

Das halbe Stündchen Geplauder mit Jürgen Klopp war erwartungsgemäß so eine Art Nachtisch zur vorangegangenen Mittagpause (übrigens mit einem erstklassigen Catering). Auch wenn Klopp natürlich ein bezahlter Werbepartner ist, überzeugt er doch mit einer ausgesprochen ansprechenden und überzeugenden „Botschaftertätigkeit“. Ihm nimmt man es schlicht ab, sich für etwas sehr begeistern zu können und den Tag nutzte er auch, um seinen neuen Opel Insignia mit Rechtslenker (!) in Rüsselsheim abzuholen. Dementsprechend war auch nicht nur bei uns in der Konferenz etwas los, sondern gleichzeitig auch im Adam Opel Haus – dort wurde gleich danach ein „Townhall Meeting“ für die Mitarbeiterschaft durchgeführt. Hessentag scheint in Hessen so richtig Highlife zu sein. 😀

Marcus Willand in Sachen neue Geschäftsmodelle.

Von Bosch ging es zu einem Porsche-Unternehmen (und das in einer ehrwürdigen Opel-Halle), nämlich zu Marcus Willand von MHP. Er ist dort zuständig für Analysen zu zukünftigen Geschäftsmodellen in Sachen Mobilität. Er führte nochmal die drei Säulen der zukünftigen Mobilität aus und erläuterte sie hervorragend:

  • Elektromobilität
  • Autonomes Fahren (beim eigenen Auto)
  • Robotaxis als selbstfahrende Fahrzeuge

Als Gamechanger in der gesamten Mobilität sieht Willand das autonome Fahren, das in vielerlei Weise die Grenzen der heutigen Mobilität aufzeigt und auch in Frage stellt. Schon heute gibt es eine Vielzahl von Autoherstellern, die bis zum Jahre 2020 in Sachen autonomes Fahren entsprechende Lösungen erwarten. Ein Blick in den Kalender: In drei Jahren! Das, was heute Tesla sichtbar vormacht mit autonomem Fahren, das ist bei vielen anderen Autoherstellern ebenfalls schon längst in der Entwicklung.

Spannend dabei sind Willands Vergleiche und Adaptionen in die heutige Welt der Mobilität, mit teils dramatischen Fragestellungen, die zu beantworten sind. Beispiel: Der Beruf des Truck-Drivers ist in den meisten US-Bundesstaaten der häufigste Job. Was passiert mit diesen vielen zehntausend Jobs, wenn das autonome Fahren in vermutlich kürzester Zeit die LKW-Cockpits entern wird? Wird eine Protektion des „menschlichen“ Berufes funktionieren können? Und: Wird man es vertreten können, dass zukünftig autonome Fahrzeuge höchstwahrscheinlich viel weniger Unfälle auslösen werden und der Mensch als Fahrer nur noch aus „Nostalgiegründen“ fahren darf?

Als echter Auto-Guy hatte Willand auch eine Fragestellung für Autohändler im Gepäck, nämlich: Was machen Autohändler, wenn immer weniger Menschen ein eigenes Auto haben wollen? Wird das Auto bzw. die Mobilität irgendwann zu einer Art Premiumleistung zum Kinobesuch? Schon heute verkaufen Branchenfremde Autos als Konsumgut (z.B. 1&1 mit einer Zusammenarbeit mit Peugeot oder Opel mit dem Opel ADAM auf Amazon.de). Jeder dieser Partner bringt dabei seine Leistungen ein, die jeden Autohändler erblassen lassen, denn 1&1 und Amazon.de haben Millionen von potentiellen Kunden und können auch verhältnismäßig genau ermitteln, wer ein Auto braucht und was er sich für eines leisten könnte.

Willand hatte da daher auch konkrete Empfehlungen: Seit kundenzentrierter! Kooperativer! Digitaler! Auf die Frage aus dem Podium, ob wir in Deutschland in Sachen Entwicklungen abgehängt seien, hatte er übrigens eine ermutigende Antwort: Wir sind in Sachen Innovation zwar langsam, dafür aber praxisorientierter, da autobauer-geprägt. Das muss auch heute noch kein Fehler sein, trotz vieler Startups.

Panel zur Fragestellung, was beim autonomen Fahren das Versprechen, die Ethik und Ästhetik ist.

Was kommt dabei heraus, wenn Burkhard Milke, Direktor Elektrische Systeme bei Opel, Prof. Dr. Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen, Dr. Janina Loh, Technikphilosophin (!) an der Uni Wien und Dr. Lena Rittger, Projektleiterin Driver Performance EE Advanced Technology bei Opel, zusammen auf der Bühne über autonomes Fahren sprechen? Auf jeden Fall mal viel Stoff zum Nachdenken. Und Burkhard Milke lieferte den besten Einstieg, den man als Opelaner machen kann:

Rittger und Milke sind beide bei Opel in Forschung und Entwicklung von autonomen Fahrsystemen beteiligt und bringen eine Reihe von erstaunlich klingenden Argumenten ein. An das autonome Fahren gewöhnen sich Autofahrer sehr schnell und schenken solchen Systemen auch schnell Vertrauen, weil es tatsächlich die „Fahr-Arbeit“ erleichtert. Die Frage der Sicherheit ist ein anderes Thema und vor allem eine Frage des Lernens dieser Systeme. Im Gegensatz zum menschlichen Autofahrer lernen künstliche Intelligenzen viel schneller, weil sie mit Softwareupdates allesamt gleichzeitig neues Wissen bekommen. Das wiederum führt zur These von Burkhard Milke, der fragt, wie lange wir uns dann noch menschliche Fahrer auf den Straßen erlauben können. Das Raunen im Publikum war hörbar. 🙂

Letztlich ist das aber eine sehr berechtigte Frage, wie Prof. Herrmann fortführte. Schon heute ist es so, dass viele Unfälle, die Menschen verursachen, von autonomen Fahrsystemen so nicht passieren würden, weil solche Systeme die Unaufmerksamkeit des Menschen nicht kennen, die Fahrleistung ganz anders bewertet wird und die Entscheidungsprozesse in Computern viel schneller ablaufen. Erstaunlich plausibel.

Dr. Janina Loh bringt als Technikphilosophin (eine Sache, die ich nach dieser Konferenz nochmal besonders anschauen musste, weil hochinteressant) dann die Fragen auf, wie ein Computer eigentlich zu entscheiden hätte, wenn ein Ausweichmanöver zur Folge hätte, entweder einen alten oder einen jungen Fußgänger zu verletzen. Und wer eigentlich die Verantwortung bei Unfällen autonom fahrender Autos übernimmt. Unser Gerechtigkeitsempfinden und letztlich ein Teil unserer Rechtssprechung steht hier zur Disposition.

Sven Gábor Jánszky mit der Zukunft im Blick: Wie wir im Jahr 2027 leben, arbeiten und uns fortbewegen werden.

Was Sven Gábor Jánszky, Chef eines Zukunftsinstitutes, eigentlich genau sagen wollte, hat sich mir nicht so recht erschlossen. Es drehte sich vor allem um den Grundgedanken, dass Daten die eigene Denkweise verändern und wir gut beraten wären, hier eine gute Portion unvoreingenommen zu sein. Okay, für die Erkenntnis brauche ich keinen Zukunftsforscher. Dass Digitalisierung die Komplexität auf ein Minimum reduziert … nun gut, eine hübsche Theorie, die mit der Realität oft genug wenig zu tun hat.

Wo es dann ärgerlich wurde, war bei seinem zentralen Experiment, das er mit einem Probanden aus dem Publikum durchführte, nämlich mit einem EEG-Messgerät, das Hirnströme abgreift und den Probanden dann ermöglicht, bestimmte Denkweisen als Muster zu hinterlegen und abzurufen. Schön und gut, aber das hat mit künstlicher Intelligenz und Psychogrammen rein gar nichts zu tun, weil hier nichts inhaltliches ausgewertet wird, sondern das rein „technische“ Hirnstrommuster verglichen wird. Das ist, pardon für die direkte Ausdrucksweise, Hokuspokus aus dem Gadget-Katalog. Immerhin, unterhaltsam war seine Show allemal.

Das Wohnzimmer auf der Überholspur: Wie Autos in der Zukunft aussehen werden – und was das für die Passagiere bedeutet.

Das letzte Panel ging dann vornehmlich um die Emotionen des Autos und des Fahrens. Dass Autodesign vor allem etwas mit Emotionen zu tun hat, konnte man sehr eingängig in der Halle nebenan studieren, wo einige Opel-Konzeptautos wie der Opel GT und der Opel Monza Concept ausgestellt waren.

Opel-Chefdesigner Fridhelm Engler, Alexander Mankoswky, Futures Studies & Ideation bei Daimler und Prof. Lutz Fügener, FH Pforzheim (ha!) Transportation Design, diskutierten das Emotionsthema an (und sicherlich nicht aus), zeigten aber sehr deutlich, dass das Auto bzw. die Mobilität immer stärker Arbeits- und Lebensraum wird und sich einiges wandeln wird. Das Dröhen eines Benzinmotors fällt schon mal weg, damit auch die Verzögerung zwischen dem Durchdrücken des Gaspedals und der Motorleistung. Ganz ohne Design und Emotionen wird aber auch die Zukunft der Mobilität nicht funktionieren, denn „Mobilität ist nicht nur Intellekt, sondern Herz und Seele“, wie Engler sagte.

Für die zukünftige Generation der Designer, die auch an der FH Pforzheim ausgebildet werden (die im übrigen mit allen deutschen Autoherstellern da eifrig kooperiert), ist es eigentlich Konsens, dass die Motivationen in der Autoentwicklung heute nicht mehr viel mit dem zu tun haben, was vor vielen Jahren noch anstanden. Allein schon die Themen Komfort und Infotainment sind weit über die Frage hinweg, ob die Sitze aus Stoff oder Leder sind und ob das Autoradio auch ein Cassettenteil hat oder nicht. Ein hohes Maß an Individualität ist heutzutage kein Alleinstellungsmerkmal, sondern immer häufiger bei vielen Modellen schlicht Standard.

Konferenzfazit.

Da ich kurzerhand mit meinem Auto nach Rüsselsheim fahren musste (danke, Deutsche Bahn, dass deine Züge auch mal zwei Minuten zu früh losfahren), begann es eigentlich schon auf der Rückfahrt mit dem Nachdenken. So ganz unbeleckt bin ich in Sachen Elektromobilität und Opel ja nicht, aber was wäre eigentlich, wenn ich den größten Teil der Strecke elektrisch und autonom gefahren wäre? Der Stau kurz vor dem Darmstädter Kreuz, der wäre vermutlich gar nicht erst entstanden, wenn sich autonom fahrende Autos miteinander kurzgeschlossen hätten. Im Gegenzug hätte es mir vermutlich kurz vor Karlsruhe möglicherweise auch nicht so Heidenspaß gemacht, wieder einmal das Gaspedal meines ADAM S bis zum Anschlag durchzudrücken und große Autos zu jagen.

Dass das Thema Verbrennungsmotoren in zukünftigen Formen der Mobilität nur noch am Rand vorkommen werden, dürfte klar sein. Die rund 300 Konferenzteilnehmer, von denen die allermeisten irgendwo mit Autos zu tun haben (ob als Entwickler oder als Journalist) konnten jedoch mitnehmen, dass alles noch viel weiter gedacht werden muss, als wir es selbst noch bis vor kurzem möglicherweise dachten. Aber: Es lohnt sich. Individuelle Mobilität wird nicht wegfallen, sondern wird mit autonomem Fahren und mit Robotaxis eine ganz neue Stufe erreichen.

Daher, liebe Opel-Verantwortliche: Diese Konferenz ruft eindeutig nach einer Wiederholung und war eine sehr gute Visitenkarte für den Auftakt. Zur zweiten Ausgabe brauchen wir aber mehr Stromsteckdosen. Und eigentlich hätte ich auch gern mal einen der vielen Ampera-e, die als Shuttle fuhren, kurz mal probegefahren (um danach vermutlich nur noch unter Zwangsandrohung aus dem Auto herausgeholt werden zu können). 😉

Immerhin: Am Ende hatte ich noch Zeit und Lust für ein Traumfoto und der passende Bildtitel ist mir auch gleich noch dazu eingefallen:

Home is where your VIN comes from. #opel #opeladam #opeladams #ruesselsheim

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Auf ein Wort zu Firefox, Mozilla.

Der Webbrowser ist, wie bei den meisten Web-Leuten, mein hauptsächliches Werkzeug zum Arbeiten. Der wird morgens, wenn der Computer startet, als erstes Programm angeworfen und abends als letztes Programm wieder beendet. Im Idealfall läuft diese Browsersitzung den gesamten Tag durch, mit mehreren Tabs, also Fenstersitzungen. Mal kommt ein Tab dazu, mal wieder eines weg und so geht das. Selten habe ich mal mehr als zehn Tabs geöffnet, aber in der Tab-Klasse merkt man dann selbst bei meinem nagelneuen Laptop, dass Power allein in der Enterprise-Klasse nicht hilft.

Mein Webbrowser ist Firefox, seit Anfang an. Nein, eigentlich auch schon davor, denn der Netscape Navigator war mein erster Webbrowser und dann kam der Communicator und dann Firefox. Ich kann behaupten, wirklich jede Firefox-Version mitgemacht zu haben, bis zur heutigen Version 54. Die jetzt endlich jeden Tab in einen eigenen Prozess packt. Damit läuft der Browser noch stabiler, habe ich mir sagen lassen, aber Stabilität ist eigentlich kein echtes Problem gewesen.

Bis jetzt. Denn Firefox sorgt auf meinem PC seit einigen Wochen regelmäßig dafür, dass der Nvidia-Grafiktreiber abstürzt und neu gestartet werden muss und das gleich mehrfach am Tag. Klar, man kann ausschalten, dass die Hardwarebeschleunigung verwendet wird, aber damit läuft Firefox gefühlt auf halber Kraft. Gut, kann man zur Not damit leben.

Ab Version 54 beobachtete ich aber nochmal Performanceeinbußen und das eigentlich auf einem respektablen Computer mit 16 GB RAM. Der Grund zeigt sich, wenn man einmal im Task Manager schaut, was Firefox da eigentlich arbeitsspeichermäßig treibt. Die eine Firefox-Sitzung, die ich hier gerade habe und darin einen einzigen Tab geöffnet habe – nämlich den zum Schreiben dieses Blogartikels – verbraucht mal eben 1 Gigabyte Arbeitsspeicher.

Ich wiederhole: 1 Gigabyte Arbeitsspeicher. 1.047.632.238 Bytes, um genau zu sein in dieser Sitzung.

Google Chrome, den ich ebenfalls hin und wieder zum Website-Vergleich brauche, macht das exakt gleiche für 58 Megabyte Arbeitsspeicher. Also für etwas mehr als 5 % des Arbeitsspeichers, das Firefox 54 sich genehmigt. Und dabei nicht ständig den Nvidia-Grafiktreiber abstürzen lässt.

Mal ganz unverblümt zu euch gesprochen, liebe Mozilla-Leute: Geht’s noch?

Okay, ich habe verstanden, dass ihr zu Beginn der Verteilung der Version 54 sicherheitshalber angekündigt habt, dass die neue Prozessstruktur zunächst einmal mehr Arbeitsspeicher konsumieren wird und man sich nun an die Optimierung des Arbeitsspeicherbedarfs heranmacht. Zwar hat Firefox schon zu diesem Zeitpunkt in der letzten Version bei mir im Durchschnitt 500 Megabyte Arbeitsspeicher konsumiert, aber mit 10 % vorübergehenden Aufschlag hätte ich leben können. Gut, auch mit 20 %, wenn es dann wirklich einmal besser wird.

Aber 100 %? 1 Gigabyte im Normalzustand? Ein Gigabyte, Herrschaften?

Ich möchte ehrlich zu euch sein, Mozilla: Ihr habt den Bogen so überspannt, wie man ihn eigentlich gar nicht mehr überspannen kann, ohne dass einem Wurfarm und Sehne um die Ohren fliegen. Wir propagieren einerseits seit Jahrzehnten das schlanke Web mit schnellen Oberflächen und möglichst wenig Befehlsspeck und dann kommt der Webbrowser, der mal eben so viel Arbeitsspeicher braucht, wie das restliche hostende Betriebssystem.

Geht in euch, Mozilla. Schnell. Schon jetzt seit ihr deutlich unter 20 % Marktanteil und es ist kaum zu erwarten, dass Google Chrome nochmal etwas von den derzeitigen 60 % freiwillig etwas abgeben mag. Eigentlich geht es inzwischen um das nackte Überleben. Und wenn ich mir den Task Manager so anschaue: Eigentlich seid ihr schon längst reif für die Intensivstation. Ihr braucht kein neues Logo und auch keine neuen Konzepte. Ihr braucht vor allem wieder einen Webbrowser, der funktioniert.

Update:

Immerhin muss ich die regelmäßigen Abstürze des Grafiktreibers jemand anderem in die Schuhe schieben, nämlich Nvidia. Die haben es nämlich geschafft, in einer der letzten Treiberupdates einen Fehler hineinzubauen, der in Firefox-Sitzungen (und auch nur da) dafür sorgt, dass bei größeren Grafikgeschichten dann der Grafiktreiber abstürzt. Ab wann das Problem auftaucht – keine Ahnung. Ich habe ein altes März-Treiberpaket zurückinstalliert und damit sind die Abstürze zumindest wieder weg.

Das Arbeitsspeicher-Problem habe ich zumindest einmal dadurch entschärft, in dem Firefox nun gänzlich ohne Add-Ons läuft. Ist aber nicht des Rätsels Lösung, denn ich habe auf meinem PC zu Hause immer noch deutlich mehr Arbeitsspeicherbedarf, als auf dem Laptop, obwohl auf dem PC inzwischen auch das Firefox-Profil vollständig neu eingerichtet ist. No idea. Vielleicht wird das tatsächlich irgendwann mal besser.

Als Telekom-Kunde Post von der Telekom anfordern.

Mir fiel jetzt kein besserer Titel für diesen Blog-Eintrag ein, aber tatsächlich ärgere ich mich gerade etwas über die Telekom für eine völlig ohne Not produzierte Dummheit.

Ich habe heute Post bekommen, nämlich eine „Wichtige Sicherheitswarnung zu Ihrem Internetzugang“. Einer meiner Rechner, „z.B. Smartphone“ sei mit einem Virus/Trojaner infiziert und ich möge bitte umgehend alle meine Rechner prüfen und Passwörter ändern. Nähere Informationen gäbe es in meiner Mail, die via Mail geschickt wurde. Diese Mail, die sich dann in meinem so gut wie nie benutzten T-Online-Postfach fand, enthielt immerhin den Hinweis, dass ich mir den Wannacrypt-Trojaner eingefangen haben soll.

Aus dem Bauch heraus gesagt: Kaum möglich. Meine Rechner sind alle gepatcht, ich habe funktionierende Antivirensoftware drauf und keiner meiner Rechner hängt nackt in irgendwelchen WLAN-Netzwerken herum. Trotzdem habe ich Laptop und Desktop-PC gescannt, so ganz ohne Grund verschickt ja wohl die Telekom keine solche Post. Wobei es hier schon das zentrale Ärgernis gibt, denn was taugt bitteschön eine Sicherheitswarnung, wenn darin nicht zumindest für Experten lesbar steht, wie man denn darauf gekommen ist, dass der betreffende Kunde ein Sicherheitsproblem haben könnte. Nur die angegebene IP-Adresse und der genaue Zeitpunkt helfen da den meisten Kunden recht wenig.

Des Rätsels Lösung kam dann, als ich den Zeitpunkt, den die Telekom in ihrem Brief angegeben hatte, minutiös nachverfolgt habe in meinen Systemprotokollen und vor allem im Browserverlauf. Denn exakt zu diesem Zeitpunkt habe ich folgende Website aufgesucht, die in der Wannacrypt-Trojanerwelle als Killswitch benutzt wurde. (Kurzfassung: Ist der Wannacrypt-Trojaner auf einem Rechner, überprüft er zunächst, ob die folgende Web-Adresse existiert und legt erst dann los, wenn diese Website nicht existiert.)

http://www.iuqerfsodp9ifjaposdfjhgosurijfaewrwergwea.com/

Die Telekom-Kollegen haben also einen Paketfilter ins Backbone gebastelt, der alle Zugriffe auf die obige Adresse meldet und ein Ticket im Abuse-Department der Telekom auslöst. Auf den ersten Blick okay, aber, liebe Telekom: Man schreibt die Art und Weise, wie ein Sicherheitsproblem offenbar existiert, dem Kunden dann dazu.

Oder auch anders gesagt: Willst du als Telekom-Kunde Post von der Telekom (und mehr passiert dann auch nicht)? Dann einfach auf den obigen Link klicken.

Wahlempfehlung zur OB-Wahl in Pforzheim.

Okay, die Wahlempfehlung für den Amtsinhaber Gert Hager ist absehbar, da ich auch dieses Mal im Wahlkampfteam dabei bin und die Online-Kommunikation steuere. Also, ich wähle Gert Hager. Das sage ich mit einigen Freunden übrigens schon seit Ostern mehrmals am Tag in fast allen Pforzheimer Kinos in einem wunderbaren Kinospot, den wir zusammen mit Pforzheimer Filmemachern produziert haben:

Gert Hager kenne ich inzwischen seit zehn Jahren und seit acht Jahren als Oberbürgermeister. Keinesfalls verlorene Jahre für Pforzheim, sondern gewonnene. Es ist klar, dass ein OB in acht Jahren nicht jeden Mist abräumen kann, der Jahre oder schon Jahrzehnte vor ihm vor sich hinwelkte in unserer Stadt. Den Strukturwandel haben wir in Pforzheim nie wirklich angefasst vor Gert Hager, sondern einfach an die Randgebiete unserer Stadt gedrängt. Aus dem Auge, aus dem Sinn.

Auch wenn Pforzheim einen engen Haushalt hat und für den Doppelhaushalt 2017/18 sparen muss – es ist rein gar nichts verloren, sondern vieles in der Pipeline. Pforzheim hat geradezu einen Boom an Unternehmensansiedlungen, die vornehmlich nur deshalb scheitern, weil jahrzehntelang „vergessen“ wurde, neue Gewerbegebiete auszuweisen. Der Effekt, dass viele Unternehmen aus dem Stuttgarter Raum händeringend Platz brauchen und auch im Pforzheimer Raum suchen, ist schon längst da. Die Region zwischen Karlsruhe und Stuttgart wird immer stärker zusammenwachsen und es hat ewig gedauert, bis das auch mal in der Politik Pforzheims so erwähnt wurde. Rund 10.000 neue, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Pforzheim sind eine Ansage, die man nicht wegwischen kann. Es geht uns immer besser und auch die Arbeitslosenquote sinkt bei uns in Pforzheim überdurchschnittlich stark gegenüber dem Landesdurchschnitt. Bei den folgenden Infografiken, die übrigens alle aus meiner Hand stammen, ist rein gar nichts gelogen. Es sind echte Fakten, belegt mit harten Zahlen:

Für mich wichtig ist auch dieses Mal, dass ich in diesem Wahlkampf, den ich mit den ersten Gesprächen schon seit über eineinhalb Jahren begleite, nicht ein einziges Mal vor der Situation stand, in der eine Haltung von Gert Hager gegen meine persönliche Haltung stehen würde. Ich habe meine Heimatstadt, so verschlafen sie manchmal daherkommt, sehr gern und seitdem ich mich im Laufe der letzten Monate in all die vielen Entwicklungsprojekte eingelesen habe, eigentlich noch viel lieber. Wir gehen mit unserer Heimat allenhalber viel zu schlecht um, anstatt zu fragen, wie wir denn etwas mit besser machen könnten. Es ist so einfach, einfach mal positiver zu denken und die getanen Schritte weiterzudenken.

In diesem Sinne müssen wir weiter gehen und dürfen nicht stehen bleiben. Daher ist meine Wahlempfehlung, das Kreuzchen bei Gert Hager zu machen.