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Bundesjugendspiele – entscheidend ist, was man daraus macht.

22. Juni 2015 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Auch ich musste, so wie jeder Schüler in Deutschland, regelmäßig an Bundesjugendspielen teilnehmen. Ich bin ja nun die personifizierte Unsportlichkeit, Sportunterricht war für mich ein reines Unterhaltungsfach ohne jegliche Relevanz und damit auch die Bundesjugendspiele. Nicht eine Sieger- oder Ehrenurkunde habe ich jemals nach Hause getragen und gestört hat mich das eigentlich nur in der 1. Klasse, weil ich da neben zwei Mitschülern, die krankheitsbedingt nicht dabeisein konnten, der einzige war, der keine Urkunde bekam.

Es ging mir, so wie ich das einfach mal zusammenfassen möchte, schlicht am Allerwertesten vorbei. Eine langweilige, vorgedruckte Urkunde, auf der nichtssagende Punkte ein sehr gewagtes Bild von Sportlichkeit transportieren sollten. Freilich haben die Bundesjugendspiele hinter den Kulissen den Sinn, besonders sportliche Kinder statistisch im Schüler-Pool zu finden, anzusprechen und vielleicht in eine sinnvolle Sportförderung zu überführen. Kann einem vielleicht sogar Spaß machen.

Ich habe für meinen Teil schon in der Grundschule gemerkt, dass Sport nicht mein Ding ist und dass in den Bundesjugendspielen für mich nichts zu holen gibt. Besonders tief angekratzt hat das mein Selbstbewusstsein nicht. Klar, man konnte vor dem Tag tatsächlich etwas Bammel haben, weil es genügend Chancen für peinliche Szenen gibt, aber ganz ehrlich: Peinliche Szenen gibt es in der Schulzeit genügend und jeder Schüler hat es in der Hand, damit klarzukommen, natürlich immer im Zusammenspiel mit der Erziehung zu Hause, der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, dem Umgang mit Erfolg und Niederlage und blablabla.

Aber Bundesjugendspiele verbieten? Warum denn? Einer meiner schönsten Erlebnisse im Zusammenhang mit Sport hatte ich ausgerechnet mit Bundesjugendspielen.

Denn tatsächlich konnte ich einmal krankheitsbedingt nicht teilnehmen, worüber ich mich naheliegenderweise auch nicht sonderlich beklagte. Jetzt hätte ich zu Hause bleiben oder in der Schule stinklangweiligen Ersatzunterricht genießen können. Auf beides hatte ich keine Lust, so bin ich also mitgegangen auf die Bundesjugendspiele und habe mich bei den einzelnen Sportstätten freiwillig als Zeugwart meiner Kameraden dinglich gemacht, weil nun eben alle meine Kameraden ihren Krempel irgendwohin legen mussten. Irgendwann habe ich dann angefangen, meine Kameraden anzufeuern und am Ende des Tages war es dann doch irgendwie ein ganz lustiger Tag.

Eine Woche später bei der Urkundenausgabe, ich hatte ja logischerweise nichts zu erwarten, bekam ich dann aber doch etwas, nämlich eine Urkunde meines Sportlehrers für den „sozialen Einsatz“, verbunden mit – halten wir es bitte deutlich fest, weil es das noch nie gab in Besims Sportunterrichtkarriere: In Abstimmung mit der Schulleitung eine Sondernote 1 und den Hinweis meines Sportlehrers an die Klasse, dass nicht wenige Punkte erst dadurch zustandegekommen sind, weil sich der kleine, dicke Besim am Spielfeldrand bei wirklich jedem Lauf, Sprung oder Wurf der Klassenkameraden die Lungen aus dem Leib geschrien hat.

Schule ist, sagen wir es deutlich, Strebertum, Anpassung und Vergleich vom ersten bis zum letzten Tag. Das hat nichtindividuelle Beschulung in einem großen System so an sich, sonst hätten wir auch keine Noten. Darüber kann man jetzt streiten, bis das Jahr rum ist. Es gilt aber auch: Schule ist immer das, was man als Schüler daraus macht. Wenn man merkt, dass einem ein Fach überhaupt nicht geradekommen kann, schaut man zu, dass man es irgendwie gerade mal gehüpft bekommt wie ein Sprintspezialist bei der Bergetappe. Dann gibt es in Sport eben keine Eins im Zeugnis, sondern eine Dauer-Vier. Und wenn die Bundesjugendspiele tatsächlich dazu dienen sollen, besondere Begabungen bei Einzelnen zu fördern, dann soll es meinetwegen so sein. Zwischen dem Peinlichkeitsempfinden von Schülern und von Erwachsenen gibt es bei der Betrachtung solcher Veranstaltungen so dermaßen viele Unterschiede, dass man sich mal eher darüber unterhalten sollte, was für erbärmlicher Fraß an vielen Schulen mittags auf den Tisch kommt und wie erschreckend wenig Geld uns das wert ist.

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Wann man externe Dienste zum Verwalten seiner Passwörter nutzen sollte.

16. Juni 2015 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SicherheitsWelt

Ganz einfach: Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals.

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Windows 10 manuell vorreservieren.

14. Juni 2015 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SoftwareWelt

Rechtmäßige Besitzer einer Windows-7- oder Windows-8-Lizenz sind bekanntlicherweise von Microsoft dazu auserkohren worden, ab Ende Juli pro lizenziertem Gerät eine Lizenz für Windows 10 kostenlos zu erhalten. Wer regelmäßig das Windows Update durchführt, hat vor einigen Wochen ein entsprechendes Updatepaket mit der Vorregistrierungsanwendung erhalten und vor einigen Tagen hat Microsoft auch begonnen, auf vielen Windows-Rechnern in der Symbolleiste unten rechts ein entsprechendes Symbol einzublenden. Ein Klick darauf führt zur Möglichkeit der Vorregistrierung, die letztlich aus einem Klick auf einen Button und die Angabe der eigenen Mailadresse besteht. Durchgeführt kann diese Vorregistrierung auf beliebig vielen Windows-Installationen, selbst wenn diese alle unter einer Mailadresse registriert werden sollen.

Problem ist, dass diese Vorregistrierungsmöglichkeit offenkundig nicht auf allen Rechnern funktioniert. Das liegt zum einen wohl an den Rechneranforderungen, die, wenn sie nicht den Mindestanforderungen von Windows 10 entsprechen sollen, dazu führen, dass die Vorregistrierung schlicht nicht durchgeführt werden kann. Zumindest bei meinem Notebook ist es jedoch so, dass es bei allen Mindestanforderungen locker mithält – trotzdem startet dort die Vorregistrierung nicht.

Man kann jedoch mit einigen kleinen Schritten nachhelfen, alles auf legale Weise. Hier eine kleine ToDo-Anleitung für Windows-7- und Windows-8-Rechner, bei denen die Vorregistrierung auf Windows 10 nicht automatisch startet:

  1. Zuerst einmal prüfen, ob folgende Windows Updates installiert wurden:
    * Windows 7: KB3035583 und KB2952664
    * Windows 8: KB3035583 und KB2976978
    Diese Updates werden üblicherweise über das normale Windows Update durchgeführt. Wenn diese in der Liste der installierten Updates im Windows-Update-Fenster nicht zu finden sind, einfach ein Windows Update manuell durchführen.
  2. Ein Editor-Fenster öffnen (oder auch einen normalen Texteditor)
  3. Folgenden Textinhalt in den Editor kopieren (der Text scrollt hier im Blog rechts heraus, was aber kein Problem ist. Einfach den Text von der ersten bis zur letzten Zeile markieren und kopieren):
    REG QUERY "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\AppCompatFlags\UpgradeExperienceIndicators" /v UpgEx | findstr UpgEx
    if "%errorlevel%" == "0" GOTO RunGWX
    reg add "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\AppCompatFlags\Appraiser" /v UtcOnetimeSend /t REG_DWORD /d 1 /f
    schtasks /run /TN "\Microsoft\Windows\Application Experience\Microsoft Compatibility Appraiser"
    :CompatCheckRunning
    schtasks /query /TN "\Microsoft\Windows\Application Experience\Microsoft Compatibility Appraiser"
    Powershell -Command "Get-ScheduledTask -TaskName 'Microsoft Compatibility Appraiser' -TaskPath '\Microsoft\Windows\Application Experience\'" | Find "Ready"
    if NOT "%errorlevel%" == "0" ping localhost >nul &goto :CompatCheckRunning
    :RunGWX
    schtasks /run /TN "\Microsoft\Windows\Setup\gwx\refreshgwxconfig"
  4. Ist der obige Text im Editor, das Dokument speichern. Als Speicherort am besten den Desktop auswählen und die Datei „win10.cmd“ nennen und die Datei somit als Batch-Datei abspeichern. Wichtig: Die Anführungsstriche mit angeben und wirklich nur „win10.cmd“ schreiben, also kein „.txt“ oder ähnliches am Ende.
  5. Auf die nun so gespeicherte Datei mit der rechten Maustaste klicken und „Als Administrator ausführen“ auswählen. Es wird nachgefragt, ob das Programm wirklich ausgeführt werden soll, das bitte bestätigen.
  6. Fertig. Rechts unten in der Symbolleiste erscheint nun das Windows-Symbol und mit einem Klick darauf kann die Vorregistrierung durchgeführt werden. Die erstellte Datei „win10.cmd“ kann nun bedenkenlos gelöscht werden.
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Der Sony-Duft.

12. Juni 2015 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MarketingWelt

Es hat ein paar Jahre gedauert, wieder einmal etwas von Sony gekauft zu haben. Zuletzt war es nun ein Sony Xperia Tablet Z2, dessen Nachfolger zur Zeit eingeführt wird. Das bedeutet für Vorgängermodelle dann immer einen schnellen Abverkauf, was beim Z2 ein recht guter Deal ist, weil dieses Tablet immer noch sehr ordentlich ausgestattet ist und jedes andere Tablet locker wegparkt.

Normalerweise habe ich es mit der Unboxing-Selbstbefriedigung nicht so. Beim Sony-Tablet fiel mir beim Auspacken jedoch der Geruch in der Verpackung auf: Der untrügliche Sony-Duft. Das ist jetzt kein Scherz und auch keine Einbildung – Sony-Geräte haben beim Auspacken einen charakteristischen Geruch, den ich so nur bei Sony kenne. Man müsste eigentlich etwas daraus machen:

Der Kauf von Sony-Produkten ist heutzutage ja – wenn man es sehr ironisch betrachtet – vielleicht noch deshalb bemerkenswert, weil man noch etwas von Sony trotz der immer etwas höheren Preise kauft. Das war freilich nicht immer so. Ich komme auch noch aus einer Zeit, in der Sony Produkte gebaut hat, die einfach rocken. Sie sahen gut aus, sie wurden phantastisch präsentiert in für sich schon legendären Katalogen, sie waren niemals billiger als die Konkurrenz, hatten im Problemfalle darunter zu leiden, dass Sony einen furchtbar beschissenen, dezentral organisierten Support hatte.

Dennoch waren Sony-Produkte immer so Gerätschaften, bei denen man mehr oder weniger laut mit der Zunge schnalzte. Wenn sie mal liefen, liefen sie eine ganze Weile lang und erstaunlich war immer wieder, dass sie es schafften, technische Raffinessen zu bauen, die die Konkurrenz offenbar einfach nicht hinbekamen. Mein auch bei größten Erschütterungen nicht leiernder Double-Drive-Walkman für Compactcassetten war so ein Ding – er leierte einfach nicht, so wie es alle anderen Walkmen taten. Mein 1992 gekaufter VHS-Recorder funktioniert auch heute noch, der HDV-Camcorder auch noch, die PS3 sowieso. Und selbst die älteren Sony-Gerätschaften sehen irgendwie noch kultig aus, was man bei sehr alten James-Bond-Filmen immer wieder sieht. Und wirklich: So wie das Tablet heute riecht, so roch es in jeder Sony-Packung nach dem Auspacken.

Das Legendäre, was Sony in Sachen Technik bisweilen zustandebrachte, wurde dann mit dem mindestens genauso legendären Marketing verkauft. Die Sony-Gesamtkataloge (für den Consumerbereich) waren Hochglanzwerke im A4-Format mit einer besonderen Art des Understatements. Hier ein Beispiel mit dem Sony-Gesamtkatalog aus der Saison 1993/94, den jemand digitalisiert hat (weiter nach unten scrollen, am Anfang kommt die Preisliste). Schon der Katalog war der Anfang des Sony-Erlebnisses, denn der lag auf dem Tisch eines jeden Technikfans.

Sony ist irgendwann die Fähigkeit abhandengekommen, Innovationen zu bauen und zu vermarkten, was im Februar in einem sehr guten SPIEGEL-Artikel thematisiert wurde. Technikinnovation wurde irgendwann so normal, dass viele Hersteller darüber hinwegsahen, neue Produkte auch wirklich mit Innovationen auszustatten. Das Smartphone kann heute als Gipfel vieler Technologien so viel mehr als der Walkman, die Digitalkamera, das einfache Mobiltelefon, der E-Book-Reader, aber dennoch verströmen nur noch die wenigsten Smartphone-Modelle auch den Hauch der Innovation. Sie sind einfach nur da, sehen edel aus, sind hübsch verpackt und extrem teuer, aber innovativ sind tatsächlich nur die wenigsten und das sind dann meist die häßlicheren.

Wie auch immer – der Duft aus der Sony-Schachtel, der wirkliche Geruch des Produktes, der nicht einfach nur das übliche Gestinke von Elektronik ist, der ist bei Sony offenbar immer noch da. Und zumindest den sollten sie sich unbedingt erhalten.

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Das Smartphone.

2. Juni 2015 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in InternetWelt

Wenn es etwas gibt, auf was viele Menschen nur sehr ungern verzichten würden, dann ist es das Smartphone. Wie unglaublich praktisch es sein kann. Man kann Nachrichten verschicken, fast in Echtzeit Kontakt zu seinem Freundeskreis halten, hat die Bilder seiner Liebsten immer dabei, wichtige Daten, die Landkarte, den Übersetzer, das Adressbuch, den Kalender, praktische Apps und sogar ein Telefon.

Wenn es etwas gibt, was mir in der Ferne nach dem Zeitpunkt, an dem das Heimweh einsetzt (tut es bei jedem), eine helfende Hand darstellt, ist es mein Smartphone. Ich finde sofort den Weg überall hin, kann mich in Sachen Restaurant und Unterkunft kundig machen und buchen und wenn ich abends allein im Hotelzimmer herumlungere, kann ich Freunde anmailen oder mal kurz zu Hause anrufen. Das geht heute sogar ja schon mit Bild. Ich kann überall sein und immer ist irgendwo „das Netz“. Und wenn vorübergehend nicht, dann ist ja immer noch mein Smartphone da und kann mich mit seinem Inhalt unterhalten, zum Lachen bringen oder trösten.

Smartphones sind inzwischen auch schicke Geräte, erhältlich in allen Preisklassen. Vom vielen Hundert Euro teuren Luxusdampfer bis hin zum kleinen Flußkreuzer. Das eine schnell, das andere langsam. Aber alle liefern sie eines: Freiheit, Sicherheit und die Verbindung zur Heimat, zum Freundeskreis und zur Familie. Und die Daten, die darauf gespeichert sind, sind im höchsten Maße individuell und persönlich, wie sie in keinem anderen Medium sein können. Man muss diese und die im Smartphone verarbeiteten Gedanken mit niemandem teilen, sondern darf. Das Smartphone ist das Wunderkästchen, das einerseits Sender für das Massenmedium sehr kommunikativer Menschen sein kann, andererseits aber auch ein sehr behütetes Schatzkästchen mit all den nicht greifbaren, digitalen Habseligkeiten, die man im Leben so sammelt. Geschriebene und gesprochene Worte der Familie, von lieben Menschen, Fotos von Orten, an denen man war. Lebensumstände aus guten und aus weniger guten Zeiten.

Denke genau an all das, wenn du das nächste Mal jemanden darüber sprechen hörst, dass Flüchtlinge ja gar nicht so arm und hilflos sein können, wenn sie sich ein Smartphone leisten können. Man kann.

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Drei Jahre ICD.

17. Mai 2015 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedizinWelt

Dieses Jahr „feiere“ ich den nunmehr dritten Geburtstag meiner ICD-Implantation deutlich näher am 10. Mai, als letztes Jahr und spannenderweise gibt es immer weniger darüber zu sagen, noch weniger als letztes Jahr zum zweiten Jahrestag. Die Tage, an denen mir nicht in den Sinn kommt, dass ich ICD-Träger bin, überwiegen deutlich und wenn mir der ICD in den Sinn kommt, dann ist es in den seltensten Fällen negativ. Dieses „eine Sorge weniger“ überwiegt doch sehr stark, zumindest kann ich das als jemand sagen, der nicht besonders schwer unter schweren Herzrhythmusstörungen leidet.

Ich merke das Gefühl der Erleichterung vor allem immer dann, wenn ich von Todesfällen höre, in denen plötzliches Herzversagen als Grund angenommen wird, was ein häufiger Todesgrund ist – bei jungen Menschen sogar mit Abstand der häufigste. Ein gesundes Herz gerät zwar nicht oft so fatal aus dem Takt, dass es in einem sehr engen Zeitfenster von allein wieder zu einem Sinusrhythmus zurückfindet, aber da viele Herzerkrankungen völlig schmerzlos vonstatten gehen und auch nicht als solche erkannt werden, ist die Chance, sich sein Herz durch eine Herzmuskelentzündung und durch fehlende Rehabilitation zu schädigen, messbar. Was man mit 20 noch an „Schock-Diätkur“ weitgehend problemlos durchziehen konnte, ist mit 40 nicht mehr ganz so einfach wegzustecken. Wir sollten wirklich etwas auf unsere Körper achten und nicht ganz so viele Risikopotentiale anhäufen. Und vor allem nicht dem Irrglauben verfallen, dass Raubbau am Körper mit möglichst genauso viel „gutem“ Raubbau behandelt werden könnte.

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R.I.P. RSS Graffiti.

6. Mai 2015 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in CollaborationWelt

Kleine und sehr wichtige Information an alle, die automatisiert von Blogs bzw. RSS-Feeds aus Inhalte auf Facebook(-Seiten) teilen und dazu bisher das Quasi-Standardwerkzeug „RSS Graffiti“ genutzt haben: RSS Graffiti ist seit 30. April 2015 nicht mehr. Der Dienst wurde abgeschaltet. Es wird hierüber nichts mehr auf Facebook geteilt.

Mir fiel das auch erst heute morgen auf, als ich mich wunderte, warum auf der Facebook-Seite eines Kunden-Weblogs keine Sharings mehr ankommen. Eine kurze Recherche nach der RSS-Graffiti-App auf Facebook ergab dann folgendes Bild:

Das Ende von RSS Graffiti auf Facebook

Auf der Website von RSS Graffiti bedauern die Macher die Einstellung und begründen dies mit dem Scheitern des Businessmodells. RSS Graffiti gehört zu den ältesten Facebook-Apps überhaupt und jeder, der ein Blog dazu bringen wollte, auf Facebook automatisch geshared zu werden, hatte wohl mal Kontakt mit RSS Graffiti. Vor einigen Jahren versuchten die Macher die einst völlig kostenlose App sehr moderat zu monetarisieren, was aber, wie nun offensichtlich ist, gescheitert ist.

So nützlich RSS und Feed-Syndication auch immer ist: Es ist immens schwer, in diesem Umfeld ein tragfähiges Verdienstkonzept unterzubringen. RSS Graffiti ist hier nur ein Opfer von vielen.

Alternativen.

Alternativen gibt es einige. Sowohl innerhalb Facebooks als Facebook-App, als auch als externe Dienste. Darunter dann auch einige kostenlose und einige richtig teure, die sich vornehmlich an professionelle Social-Media-Redakteure richten.

Ein kostenloser, externer Dienst ist IFTTT, der die Einrichtung relativ einfach hält, allerdings das zentrale Problem hat, dass immer nur eine Facebook-Seite pro IFTTT-Account als Ziel angelegt werden kann. Das ist für den professionellen Einsatz mit dem Sharen von Inhalten auf getrennte Facebook-Seiten relativ umständlich, weil man dann mit einer Vielzahl von IFTTT-Accounts hantieren muss. Einigermaßen absehbar ist, dass IFTTT – so wie viele andere Dienste auch – irgendwann einmal Geld kosten dürfte.

Eine weitere Alternative empfiehlt sich für WordPress, nämlich mit dem Plugin „Jetpack“ von Automattic, den Machern von WordPress. Hier gibt es in der riesigen Sammlung von integrierten Tools eine Rubrik namens „Sharing“, die genau das tut: Sharing auf Social Networks. Neben Facebook und Twitter unter anderem auch zu Tumblr und vor allem – zu Google+. Interessant dabei ist, dass dies mit WordPress- bzw. Automattic-Mitteln funktioniert und damit wohl auch ein längerfristiger Erhalt gewährleistet sein dürfte.

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Grundlagen zum Instrumentenflug für Dummies.

25. März 2015 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Unter den Flugsimulator-Freunden gibt es ungefähr seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York einen ungeschriebenen Ehrenkodex: Spekuliere in echten Katastrophenfällen mit Flugzeugen nicht als „Flugexperte“ mit, niemals. Wir Flugsimulatorleute haben ein spannendes Hobby, fliegen virtuell auch Großflugzeuge, die sich recht realistisch verhalten, aber doch nur vereinfacht steuern lassen, weil einfach eine Vielzahl von Instrumenten nicht simuliert werden (können). Zwar kann man mit modernen Simulatoren Instrumentenflüge simulieren, per Autopilot auf Flugpläne fliegen und sogar per Instrumente automatisch landen, aber die Realität geht weiter. Da kommen noch viel mehr Dinge dazu, die beachtet werden müssen und letztlich hat man bei einem echten Flugzeug hinter sich nicht einfach nur die Zimmerwand, sondern hunderte Passagiere sitzen. Es ist ein Unterschied, ob man 500 echte Flugstunden hat oder 500 Stunden am PC-Flugsimulator, selbst wenn man alles gelandet bekommt.

Ich will daher auch gar nicht den Flugunfall der Germanwings-Maschine bewerten, das kann ich nicht und das will ich auch nicht. Ich kann jedoch kurz erklären, wie eigentlich moderner Flugverkehr funktioniert und was ich für Fragen daraus habe.

IFR versus VFR.

„IFR“ steht für „Instrument Flight Rules“ und steht im Gegensatz zu „Visual Flight Rules“. Letzteres ist das, was kleinere Flugzeuge auf kleineren Flughöhen tun, nämlich Fliegen auf Sicht und weitgehend ohne Instrumente. Alles, was höher als ca. 6000 Fuß fliegt, fliegt nach Instrumenten und darf überhaupt erst in diese höheren Flugebenen mit höheren Geschwindigkeiten fliegen und, das ist das wichtigste, in Wolken hineinfliegen.

IFR bedeutet aber auch, dass nicht jeder so fliegen darf, wie er kann, sondern dass Flugstraßen benutzt werden müssen. Diese einzelnen Straßen enden nicht unbedingt an sichtbaren Orten, sondern entweder an Flugsteuerungsanlagen auf der Erde oder sogar nur auf virtuellen Punkten wie z.B. auf Meeren und Ozeanen. Wichtig aber ist, dass diese Flugstraßen peinlichst genau geflogen werden müssen, mit nur sehr wenigen und berechtigten Ausnahmen.

Diese Ausnahmen müssen von Piloten in Absprache mit der jeweils regional zuständigen Flugsicherung abgesprochen werden, was der nächste wichtige Punkt von IFR-Flügen ist: Ohne Flugsicherungskontakt kein IFR. Die Flugsicherung muss immer wissen, welche Flugzeuge nach IFR in seiner Region wo genau fliegen. Das wird per Radar und Flugfunk überwacht, aber auch durch die Flugpläne, die vorab von Fluggesellschaften und Crews eingereicht werden.

Flugplan und Autopilotieren.

Was viele Passagiere nicht wissen: Die allermeisten Flüge werden weitgehend automatisch absolviert, vom Start bis zur Landung. Beim Start läuft es in der Regel so, dass erst einmal auf Geschwindigkeit gekommen werden muss, dann wird abgehoben und mit einer bestimmten Steigrate nach Ansage des Flughafentowers in eine bestimmte Richtung geflogen. Mit dem Ziel, möglichst zügig auf die vorher von der Crew eingereichte Flugstraße zu kommen. So bald die erreicht wird, übergibt die Flugsicherung üblicherweise die Navigation an die Crew, die dann den vorher einprogrammierten Flugplan abfliegt. Ab diesem Moment fliegt dann das Flugzeug nicht nur auf Autopilot, sondern auch nach dem Flugplan.

Das geht dann so weiter bis das Flugzeug in die Nähe des Zielflughafens kommt, da läuft das dann quasi rückwärts ab. Die Flugsicherung teilt einen Anflug zu und bringt das Flugzeug in die Nähe des Landebahnanflugs. Hat der Flughafen ein Landesystem („ILS“) und ist das Flugzeug entsprechend ausgestattet, kommt pure Magie ins Spiel, denn damit lässt sich ein Flieger praktisch auch vollautomatisch landen, bei Wind und Wetter, bei Nacht und Nebel. Natürlich hat die Crew immer die Entscheidungsgewalt und kann jederzeit eingreifen und Landungen und Autopilot abbrechen, aber moderner Flugbetrieb würde ohne diese Instrumentenflüge nicht funktionieren können.

Einfach mal verfliegen, falsche Route oder Höhe?

Dank Flugsicherung würden solche Dinge bei IFR-Flügen sofort auffallen und üblicherweise interveniert die Flugsicherung auch sofort per Funk, wenn ein IFR-Flug „danebenfliegt“. Flugebenen sind nach 1000-Fuß-Schritten eingeteilt und üblicherweise fliegen Flugzeuge exakt auf beispielsweise 39.000 Fuß, wenn sie das sollen. 100 Fuß darüber oder darunter gibt schon Anlass zu Korrekturen, je nachdem, wie pingelig die Flugsicherung ist und welche Umstände vorliegen. Ähnliches gilt für die Route, wenn diese nicht dem eingereichten Flugplan entspricht. Ohne vorherige Anmeldung der Routenänderung muss man als Pilot schon eine sehr gute Begründung haben, wenn man die Route eigenmächtig ändert und da geht es schon um wenige Grad. In Mitteleuropa ist der Flugverkehr in vielen Regionen derart dicht, dass jedes „danebenfliegende“ Flugzeug unter Umstände eine Reihe von Korrekturen bei anderen Flugzeugen nach sich ziehen muss, denn die Flugsicherung will ja die Sicherheitsabstände unter den Flugzeugen möglichst groß halten. Es ist auch so, dass Piloten mit ihrer Lizenz spielen, wenn sie die Spielregeln nicht einhalten und letztlich auch strafrechtlich haftbar sind.

Was passiert, wenn der Autopilot Amok läuft?

Das passiert eher selten, was aber eben auch nicht unmöglich ist. Computer sind nur so gut, wie sie programmiert werden. Großflugzeuge besitzen aber eine Reihe von unterschiedlichen, sich gegenseitig kontrollierende Computer, die auch von unterschiedlichen Teams programmiert wurden. Und zudem kann jeder Verkehrspilot grundsätzlich seinen Vogel auch ohne Autopilot zur Erde zurückbringen, rein mit dem Flugfunk (und zur Not auch ohne das und nur mit Karte).

Es gibt da einen kleinen Unterschied bei Airbus-Flugzeugen, denn Airbus setzt bei seinen Großflugzeugen stärker auf das „computer aided“ Fliegen, was man schon mal daran erkennt, dass Airbus-Flugzeuge kein Steuerhorn haben wie andere Flugzeuge, sondern nur noch einen Joystick für jeden Piloten. Die Idee dahinter ist, dass die Steuerbefehle der Piloten nicht direkt an die Ruder gehen, sondern durch einen Computer laufen, der darauf achtet, dass gefährliche Steuerausschläge nicht oder nur gedämpft durchgeführt werden. Da kann man Sorge davor haben, dass der Kollege Computer da immer dazwischensteht, aber letztlich sind hier auch immer mehrere, voneinander unabhängige Steuerungssysteme am Werk, die sich auch permanent überwachen.

Da war doch mal was mit eingefrorenen Sensoren.

Stimmt und das war auch bei Airbus-Flugzeugen. Beispielsweise das Einfrieren eines Staurohres. So ein Staurohr wird benötigt, um während eines Flugs die Geschwindigkeit ermitteln zu können. Friert so ein Sensor ein, gibt es möglicherweise keine korrekten Werte mehr in den Bordcomputer und möglicherweise reagiert das Flugzeug dann mit Maßnahmen, die eigentlich nicht erforderlich sind, weil das Flugzeug schnell genug fliegt, aber eben nur der Sensor falsche Daten liefert.

Im Prinzip kann das aber bei jedem automatisch fliegenden Flugzeug passieren, denn ein Autopilot funktioniert ja nicht nur so, dass starr in eine Richtung geflogen wird, sondern es wird ständig korrigiert. Der Wind ist dabei der größte Störungsfaktor und das Flugzeug muss ja dennoch fest auf seiner Route bleiben. Spinnt ein Sensor (und das tun Sensoren immer wieder einmal), muss eine Crew das beurteilen können und darauf reagieren. Mitunter auch mit dem Ignorieren der Werte dieses Sensors und einem Ermitteln von anderen Werten, um dessen Funktion anderweitig zu kompensieren. Das ist alles in den meisten Fällen auch reine Routine und wird auch regelmäßig geübt.

Verkettungen.

Blöd wird es, wenn sich Umstände verketten und schnell reagiert werden muss. Oder die Crew ausfällt. Zu den richtig üblen Sachen gehören noch nicht einmal die Dinge, von denen die meisten Menschen Angst haben (Flügel brechen nicht einfach so ab und selbst wenn alle Triebwerke ausfallen, segelt auch ein Großflugzeug noch ganz passabel viele Kilometer weit), sondern vor allem der Faktor Zeit. Entscheidungen müssen in wenigen Minuten gefällt werden, dazu braucht die Crew schlagartig hundert Prozent ihres Verstandes, es müssen Entscheidungen eingeholt werden und dann muss man auch noch Ablaufpläne abarbeiten und zuschauen, ob das Problem nicht noch größer wird. Und nicht zu vergessen: Man kann auch dann nicht fliegen wie der Teufelsflieger vom Sportflugplatz, denn wir haben ja noch Passagiere hinten mit draufsitzen.

Modernes Fliegen ist die meiste Zeit Routine und in diesen Momenten ist selbst Busfahren mit mehr Stress verbunden. Spannend wird es dann, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Die Fragen der Fragen.

Richtig wichtig sind natürlich vor allem die Fragen, was die Begründung war, dass die Germanwings-Maschine acht Minuten vor dem Absturz seine Reiseflughöhe von 39.000 Fuß verlassen hat und mit Reisefluggeschwindigkeit, aber eben mit fast konstanter Sinkflugrate fast 140 Kilometer weit flog. Das ist nichts, was keinem Crewmitglied nicht auffällt und acht Minuten sind eine sehr lange Zeit, um zu kommunizieren und gegebenenfalls einen Autopiloten zu deaktivieren.

Üblicherweise ist es auch so, dass bei einem ernsten Problem eine Crew als erstes zuschaut, sich von einer eher „ungemütlichen“ Region fernzuhalten. Gibt es bei einem IFR-Flug also ernste Probleme, die möglicherweise eine Notlandung nötig machen, ist der erste Weg die Kontaktaufnahme mit der Flugsicherung, die dann umgehend Routen zu Flughäfen in der Nähe plant und sie dem Piloten anbietet.

Warum also der Sinkflug bis zum bitteren Ende durchgeführt werden konnte und das Flugzeug immer noch mutmaßlich auf seiner einprogrammierten Route flog, ist das größte Fragezeichen.

Wichtig ist auch immer: Eine vollständige Bewertung eines Absturzes ist immer ein sehr großes Bild. Dazu gehören natürlich Flugschreiber und Augenzeugenberichte, Fotos von der Absturzstelle aber auch die vollständige Kommunikation der Flugsicherung und dortige Reaktionen. Das alles so zu interpretieren, dass am Ende ein vollständiger und nachvollziehbarer Bericht entsteht, das dauert Monate.

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Fremdschämen mit Günther Oettinger.

9. März 2015 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Von Günther Oettinger kann man halten, was man möchte – Abstand ist vermutlich das allerbeste. Das galt schon hier in Baden-Württemberg, als er – so im Schnelldurchlauf erzählt – bei Drei nicht auf dem Baum war und Ministerpräsident wurde und später aus Gründen völliger Parteiverzweiflung und Amtsverschliss von Kanzlerin Angela Merkel nach Europa in Richtung Brüssel halbwegs gesichtswahrend weggelobt wurde. Danach lief es für die CDU in Baden-Württemberg zwar auch nicht besser, was aber wiederum symptomatisch eben für solche Politiker wie Oettinger ist. Eine Partei ist exakt so schlecht, wie ihr vermeintlich bester Politiker.

Nun ist Günther Oettinger aktuell EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Aus politischer Sicht eine Art Hilfsminister für ein Themenfeld, in dem die EU noch nie und auch nie auch nur ansatzweise eine Weltbedeutung einfahren wird und aus fachlicher Sicht mit Günther Oettinger fast so sinnvoll besetzt wie ich als fiktiver Bundesminister für Leistungssport. Günther Oettinger könne es sich extrem gut gehen lassen und es würde niemandem auffallen, wenn er sich anstatt im Dienstwagen von vier Zofen durch Europa tragen lassen würde, weil sein Amt so herzlich belanglos ist.

Nein, das passt nicht in das Amtsverständnis von Günther Oettinger. Günther Oettinger will immer etwas sagen. Das wird schon allein durch seine knurrige, näselnde, schnappende Aussprache und durch seinen Dialekt zum Kuriosum. Jede fachliche Äußerung steht aber immer auch unter dem schweren Los, dass er eigentlich noch weniger zu sagen hat, als es eigentlich zu sagen gibt. Oettinger ist nicht in der Lage, sich umfänglich zu informieren, zumindest aber völlig außerstande, etwas dahingehendes vortragen zu können. Ob es eine Faulheit zum Aktenlesen ist, weiß ich nicht, sicherlich kommt auch eine gewaltige Unlust dazu, sich in so ein Themenfeld hineinzuarbeiten, aber immerhin ist er EU-Kommissar. Man könnte es von ihm erwarten, sich sinnvoll auszudrücken und wenigstens keine Peinlichkeiten am laufenden Band zu verströmen.

Das Thema Netzneutralität scheint ihm wichtig zu sein bzw. vermutlich ist es eher so, dass er verinnerlicht hat, dass er zeigen muss, dass ihm das Thema wichtig sei. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass er zu diesem Thema seit Monaten täglich irgendwo etwas herunterreferiert und nicht eine dieser Äußerung eine mögliche Realität auch nur tangiert. Er versteht die Grundlagen der Vernetzung nicht, des Internets sowieso nicht und versucht dann auch noch, sein Vierteles-Wissen in Analogien zu verpacken, die allesamt fehlschlagen. Es gilt immer die Regel, dass nur Derjenige Analogien verwenden sollte, der auch die Grundlagen kennt, um diese dann vereinfachen zu können. Das kann für einen Günther Oettinger so natürlich nicht gelten.

Netzneutralität, also die Gleichbehandlung von Datenströmen im Internet (!) ist für Günther Oettinger nicht gut, weil es damit – seiner Meinung nach – nicht mehr gewährleistet sein kann, dass bestimmte Daten „pünktlich“ ankommen, wo auch immer. Autos könnten schlechter kommunizieren, wenn die Tochter auf der Rückbank zu viel in YouTube surft oder Operationen an Lunge oder Herz fehlschlagen, weil auf dem Dorf nicht genügend Internet durch die Leitung kommt. Äpfel, Birnen, Planeten, Taschenrechner und Fußnägel sind einfacher miteinander verglichen.

Glaubste nicht? Bitte anschnallen, eine Sternstunde der kleinen Gedankenwelt des Günther Oettinger:

Das, was Oettinger da herunterparliert und sich dabei entlarvend an belanglosen Details und empörten Beleidigungen aufhängt, ist selbstverständlich nicht viel mehr als klassisches Lobbyistengeblubber, höchstwahrscheinlich Wort für Wort auswendiggelernt von den einfachsten Papieren, die ihm da ins Büro hereingetragen werden. Lobbyarbeit ist immer geprägt davon, dass der Lobbyist die zu vermittelnde Information genau auf die fachliche Kapazität und Fähigkeit des Empfängers zuschneidet und dazu braucht es bei Günther Oettinger aus Sicht der Lobbyszene erfreulich wenig.

Dass es Leitungsvermittlung, Paketvermittlung, dass es bei der Übertragung absicherbare Servicelevels gibt und dass es für hochpriorisierte Anwendungen dedizierte Leitungen gibt – das will ein Günther Oettinger nicht lesen müssen und weil das so ist, schreibt das kein Lobbyist auf seinen Sprechzettel. Der Rest sind dann seine hanebüchenen Analogien aus der Kategorie „Bauernschlau“. Darüber nachzudenken, ist völlig verausgabte Zeit, man muss bei Oettinger streckenweise einfach weghören und wegschauen. Fremdschämen tut hier in Baden-Württemberg bei Günther Oettinger schon längst keiner mehr, denn man tut ihn sich nicht mehr an. Noch nicht mal als CDU-Parteigänger.

Tröstend also ist, dass auf Günther Oettinger schon längst keiner mehr hört und er auch nicht sonderlich ernstgenommen wird. In der CDU nicht, in Berlin nicht und in Brüssel vermutlich genauso wenig. Oettinger bekommt wirklich alles versemmelt, von der großen politischen Rede bis zur Grußrede in der Dorfkneipe, vom politischen Großprojekt bis zur städtischen Verordnung. Er ist ein prächtiger Vertreter des Typus Politicus, der irgendwie in den Betrieb hereingerutscht ist und zur temporären politischen Deponierung von A nach B herumgereicht wird, auf ewig. Einer, der das Nichtsetzen von Akzenten zum Karrieremotto auserkoren hat und sich bestens damit abfinden kann, wenn er irgendwo auf dem Land den Ehrenteller eines Dorfes vom Schultes überreicht bekommt.

Demzufolge kann Günther Oettinger nicht viel kaputtmachen, weil er nicht ansatzweise ein Entscheider ist, aber es sind leider genau solche Politiker, die Europapolitik verkommen und Europa für viele Menschen zum Hassobjekt generieren lassen. Wir werden Günther Oettinger aussitzen müssen.

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Die Multimediacard.

8. März 2015 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in ComputerWelt

Meine erste Speicherkarte war eine Multimediacard von Sandisk mit der sagenhaften Speicherkapazität von 16 Megabyte, gekauft im Juni 2001 für den saftigen Preis von 51 Deutschen Mark. Diese Speicherkarte war damals mein so ständiger Begleiter, wie es heutzutage ein USB-Stick oder das Smartphone ist und so konnte ich Daten zwischen Heim und Firma austauschen und auf gemeinsame Datenbestände zugreifen.

Irgendwann wurde diese Karte logischerweise ersetzt, nämlich von einer SD-Karte und danach von vielen anderen Karten und USB-Sticks. Die Multimediacard war so zu nicht mehr viel zu gebrauchen, auch wenn sie voll funktionsfähig war. Ich speicherte darauf in sehr unregelmäßigen Abständen meine KeePass-Datenbank und einen TrueCrypt-Container.

Im März 2008 hatte ich dann die Schnapsidee, die Karte in den Garten einzubuddeln. Also nicht mit Verpackung oder Schutzfolie, sondern nackt. SanDisk-Speicherkarten sagt man eine besondere Robustheit nach und irgendwann wollte ich das testen. Nun ist die Karte seit sieben Jahren im Garten vergraben, ich hatte sie zwar noch geistig im Hinterkopf, ich kenne noch genau die Stelle und morgen werde ich sie ausgraben und nachschauen, wie es um die Daten auf der Karte steht. Wirklich geheimes oder unerwartetes erwarte ich nicht zu finden (außer es hat jemand nachträglich etwas darauf gespeichert), aber ich bin mal gespannt, was die Karte noch gespeichert hat und ob sie überhaupt noch eine Multimediacard ist. Und wenn ich sie tatsächlich ausgegraben bekomme und sie noch funktioniert, dann darf sie wieder in die alte Kartenbox hinein, in der sie geliefert wurde. Die liegt nämlich immer noch hier auf meinem Schreibtisch.

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