Der beunruhigende Wandel von Wahlkampf hin zu Social Campaigning.

Replik und Kommentar auf den Text von Mikael Krogerus und Hannes Grassegger, veröffentlicht in „Das Magazin“. Bitte vorher die Zeit nehmen, den Text lesen, einen Kaffee trinken und dann meinen Kommentar lesen:

Ich kann mich noch sehr genau an die ersten Wahlkämpfe erinnern, die ich online beobachtet und später dann auch mit gestaltet habe. Kreativ, informativ, fast schon unterhaltsam warf man sich 2008 in die Netze, da zog Barack Obama mit seinen Beratern einen Siegeszug durch Social Networks. Und auch ganz kleine Dinge daraus schienen zu funktionieren, zum Beispiel ein Wahlkampf-Weblog. Ich bin immer noch ein großer Verfechter von das, was man im großen und ganzen unter „Politik 2.0“ zusammenfasst.

Nur: In der nächsten Generation meiner Visitenkarten und meiner Website wird „Politik 2.0“ sehr sicher nicht mehr draufstehen.

Ich kann mich noch gut an Gespräche vor einigen Wochen erinnern, wo ich mich mit darüber wunderte, warum die Kampagne von Donald Trump den Anschein macht, völlig planlos zu sein. Argumentativ ist seine Website wirr gewesen, seine Äußerungen auf Twitter sind – gelinde gesagt – bizarr und auf allem stand das große Fragezeichen, warum Trumps Kampagne deutlich weniger Etat hat, als die der Konkurrenz und vergleichbaren, früheren Kampagnen.

Eine mögliche und plausible Antwort hat der obige Artikel anzubieten, der im Prinzip folgende Theorien verbindet:

  • In der Zwischenzeit lassen sich ein Großteil der US-Gesellschaft (und vieler anderer auch) via Facebook erreichen.
  • Es gibt Unternehmen, die Informationen der Gesellschaft aus vielen unterschiedlichsten Quellen bündeln und diese zu personifizierten Profilen zusammenstellen.
  • Diese Profile werden mit eigenen Unternehmenswerkzeugen ergänzt, die scheinbar ein Psychoquiz in Form einer Facebook-App darstellen, die gewonnenen Informationen aber nicht nur zur Unterhaltung an den Benutzer liefern, sondern in Form eines recht ausgefeilten Psychogramms mit den bisher gesammelten Profildaten verheiratet. Die so gewonnenen Profile sollen erstaunlich/erschreckend genau den wahren Persönlichkeiten entsprechen, bis hin zu intimsten Vorlieben und politischen Ausrichtungen.
  • Anhand dieser Profile werden dann viele zehntausend einzelne Kampagnen in Form von „Social Ads“ gestaltet, die dann passend den Personen z.B. in Facebook eingeblendet werden. Die Granulierung geht dabei so weit, dass der Wohnort einbezogen wird, die politische Ausrichtung, die Hautfarbe, der wirtschaftliche Status und so weiter und so fort. Die umfassenden Möglichkeiten, die Facebook dabei zur Profilierung anbietet, sind bereits heute schon unglaublich detailiert.

Kurzum: Armageddon. Die Dystopie, dass unsere Profile, die wir in vielen Ecken dieser Welt anhäufen, von anonymen Firmen völlig unkontrolliert zu erschreckend genauen Psychogrammen zusammengebaut werden, die uns möglicherweise haargenau gleichen und daher exakt so angesprochen werden können, wir wir uns tatsächlich ansprechen lassen. Die unsere möglicherweise gar nicht real ausgesprochenen Vorlieben genauestens beschreiben und uns in unserer Wahlentscheidung mehr oder weniger beeinflussen lassen.

Nichts von alledem ist abwegig, sondern alles für sich mit dem Stand der Wissenschaft und der Technik nachvollziehbar. Und auch der Ansatz, dass irgendwann Menschen auf die Idee kommen, all diese Ansätze miteinander zu verheiraten, ist zumindest erwartbar gewesen, wenn auch meist nur in düsteren Science-Fiction-Romanen oder für den Horror-Part in Privacy-Vorträgen.

In Wirklichkeit sind wir nicht mehr am Anfang von hauptsächlich datengetriebenen Wahlkämpfen, sondern schon mittendrin. Während der Faktor Mensch noch wenigstens dafür gebraucht wurde, Wähler anzurufen oder bei ihnen an der Tür zu klopfen, bewegt sich maßgeschneiderte Werbung via Facebook schon direkt an die Bildschirme der Wähler und es ist rein eine Frage der Zeit, bis das nicht nur in Facebook so passiert, sondern auch via Smart-TV, via dem viel besagten „Internet der Dinge“ und dann später über allen anderen Medien, die nachrangig aus Datenbanken gespeist werden, die hauptsächlich die Online-Kanäle bespielen.

Ich muss zugeben: Nach der Lektüre des obigen Textes war ich so beunruhigt, wie selten. Wir haben schlicht abgekackt und die jahrzehntelang müßig geführten Debatten darüber, ob man dem Datenmissbrauch einen Riegel vorschieben sollte, sind bereits beantwortet. Gegen uns. Gegen den denkenden und freien Bürger.

Denn ich sehe folgende Dinge:

  1. Firmen, die Daten aus verschiedenen Quellen sammeln und via Social Networks mit realen Personen so verbinden können, dass am Ende sehr genaue Psychogramme herausspringen, gibt es und es wird kaum möglich sein, die jemals wieder loszuwerden. Geschweige denn, die gesammelten Profile.
  2. So Firmen wie Facebook ist nicht über den Weg zu trauen, die Selbstregulierung hat nie funktioniert und wird niemals funktionieren. Facebook ist geldgetrieben und skrupellos und wird zur Generierung von Werbegeldern problemlos noch viel detailiertere Werbe- und Profilierungsmöglichkeiten anbieten, wenn auch nicht unbedingt jedem.
  3. So Firmen wie Facebook und auch Unternehmen, die Werbekanäle anhand von psychometrischen Profilen anbieten, werden sich auch deshalb nicht verbieten lassen, weil sie den Leuten, die solche schrecklichen Dinge am ehesten verbieten könnten, die Wahlen gewinnen und verlieren lassen können.
  4. Noch viel weiter gedacht ist eine umfassende Profilierung einer Gesellschaft ein perfektes Mittel für einen Staat, der wenig auf Demokratie und Freiheit gibt und die Gesellschaft kontrollieren will. Psychogramme wären dabei mehr als hervorragend für „Risikoanalysen“ und die darauf exakt steuerbare Überwachung von den Teilen der Bevölkerung, von der am ehesten Aufruhr zu erwarten ist.

Eine unheilvolle Industrie hat sich da gebildet, die mit wiederum skrupellosen Politikern und Terabytes an Profildaten der Gesellschaft nicht weniger als den direkten Zugang in den mehr oder weniger kritischen Verstand eines Großteils der Wähler haben.

Wie gesagt, es beunruhigt mich sehr. Ich bin eigentlich ein durch und durch positiv denkender Mensch, aber mir versagt da der Optimismus, auch hinsichtlich den Erfahrungen mit „echtem“ Online-Campaigning der letzten Jahre. Wir erreichen zwar immer noch viele Menschen, aber bei denen gehen wir davon aus, dass sie für echte Argumente und Programmatiken noch erreichbar sind. Wir haben es daraufhin mit Programmen versucht, die in „einfacher Sprache“ gehalten sind, mit unterhaltsam gemachten Videos, kurzen Twitter- und Facebook-Nachrichten.

Wie wir, die noch für Programme, Ideen und Visionen zu erreichen sind, das aber gegen exakt ausgesteuerte Social Ads mit strengen Themen tun können, ohne diesen unheilvollen Weg selbst zu gehen, wird ein spannendes Thema, das in ganz großen Dimensionen möglicherweise über so Fragen wie globale Kriege oder Frieden entscheiden wird.

So war die Idee des Internets, der vermeintlich grenzenlosen Kommunikation, des Informationsaustausches zum Wohle der Gesellschaft (hier bitte weitere Visionen einfügen) nicht gemeint.

Hier noch einige weitere Meinungen, die ich nach und nach aus Blogs sammeln werde. (Wer etwas findet, bitte kurz als Kommentar zu diesem Artikel hinzufügen.)

Neuer netplanet-Artikel zu Cloud Computing.

Das Thema Cloud Computing war schon lange auf meiner Agenda für neu zu schreibende netplanet-Artikel. Das vor allem auch deshalb, weil das Thema schön in die Rubrik „Aufbau des Internet“ passt und immer stärker auch das Internet beeinflusst. Praktisch alle größeren Online-Dienste sind ohne Cloud Computing undenkbar und beziehen ihre Rechenressourcen aus Cloud-Installationen, ohne eigene Rechenzentren oder Serverfarmen zu betreiben.

Im Gegensatz zu vielen netplanet-Artikeln ist der Cloud-Computing-Artikel recht technisch geraten (wobei es noch viel, viel komplizierter geht, wenn ich mir anschaue, was ich hier als Informationsgrundlage herumliegen habe). Das Thema Cloud Computing ist aber kaum einfach zu erklären, wenn es um technische Belange geht.

Mich würde gern interessieren, wie den geneigten Lesern der Artikel mundet. Trocken? Süß? Korkig? Wer ein paar Kommentarzeilen darüber hier verliert, erarbeitet sich zuverlässig den Weg zur Dankesseite in netplanet.

Was wir unbedingt in Sachen Populismus lernen müssen.

Zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahl muss man nicht viel hinzufügen. Die Bandbreite und Schattierungen von beschriebenen Schockzuständen ist gewaltig und höchst vielseitig. Und so schockierend die Vorstellung nun ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nun von einem lupenreinen Antidemokraten, einem Großkapitalisten, einem Rassisten, einem Steuerbetrüger, einem Aufschneider, einem Sexisten, einem politischen Dilettanten [weitere Bezeichnungen hier einfügen] geführt werden – es kann kaum als überraschend bezeichnet werden, dass es soweit gekommen ist. Das Zeitalter des Populismus hat einen weiteren Höhepunkt erreicht und der bisher ungeschlagene Meister der Populisten hat seinen Tempel gefunden. Genügend Leute, die ihm nacheifern, gibt es rund um den Globus. Auch bei uns in Europa und auch bei uns in Deutschland.

Das muss für uns alle ein eindeutiges und dringendes Warnsignal sein.

  • Das Warnsignal, dass unsere Gesellschaften und Demokratien trotz aller empfundener Stabilität fragile Gewerke sind.
  • Das Warnsignal, dass Populisten keine plötzlich aufgetretenen Phänomene sind.
  • Das Warnsignal, dass Populisten auch in sehr aufgeklärten Gesellschaften mit funktionierenden Medienlandschaften offenkundig lügen, dass sich die Balken biegen und damit tatsächlich ein wichtiges erreichen können.
  • Das Warnsignal, dass wir Aussagen von Populisten unmöglich einfach als „einfache politische Meinung“ stehen, so unmöglich sie sich auch tatsächlich anhören. Wir müssen Populistenmeinungen Einhalt gebieten und sie korrigieren. Egal wo – ob in Zeitungen oder in Facebook, so müßig das auch immer ist.

Wir dürfen nicht mehr einfach darauf hoffen, dass die Selbstzweifler irgendwann mit dem Selbstzweifeln aufhören oder wenigstens weiterhin nicht wählen gehen. Populisten haben es längst geschafft, diese Zweifler, Gelangweilten und auch Dummen dazu zu bekommen, das sinnfreie Krähen als vermeintliche Hochsprache einzusetzen. Und sie haben es auch geschafft, dass dieses Fußvolk in der Illusion des Wichtigseins kostenlos und höchst effektiv Wahlkampf für extreme Parteien machen, selbst wenn diese Parteien ganz offen in ihren Programmen die Leistungen streichen wollen, die die Teilnahmslosen, Dummen und Benachteiligten am meisten betreffen. Auf der Suche nach dem Blutrausch, der Rache und dem vermeintlichen Verpassen von Denkzetteln geben die Ochsen offensichtlich problemlos ihren Schlächtern die Legislative in die Hand.

Das dürfen wir, die die Demokratie schätzen, leben und brauchen, nicht zulassen. Und es reicht nicht mehr einfach nur, wählen zu gehen, auf Unterschriftslisten von Bürgerinitiativen zu unterschreiben und im Biosupermarkt einzukaufen, sondern wir müssen aktiver werden und für unsere Demokratien einstehen. Meinungen haben und offen vertreten. Diskutieren, überzeugen und damit sehr deutlich zeigen, dass wir in der Generation Millenium/Smartphone/Playstation/Internet nicht teilnahmslos sind.

Bitteschön: Beginnt. Es gibt etablierte, demokratische Parteien, in die man eintreten und partizipieren kann und man kann auch neue Parteien gründen, wer das möchte. Wenn wir das alles weiterhin nicht tun und auch als Freunde der Demokratie die Politik und den Staat als etwas schmutziges, unnützes und sinnloses verstehen, von der man am besten weiten Abstand hält, dann wird das Licht irgendwann nach und nach dunkler. Und dann kommt kein spannender Spielfilm im dunklen Saal, sondern das nackte Chaos.

Zeitbombe Delicious.

Den Linksammeldienst Delicious hatte ich fast zehn Jahre im Einsatz, bevor ich heute meinen Account dort endgültig in die Wüste geschickt habe. Mehr oder weniger engagiert habe ich da Links gesammelt, an die ich mich für gewöhnlich von allein nicht mehr erinnere, aber dennoch immer wieder staune, wenn ich mir die Links anschaue. Geht vermutlich vielen Delicious-Nutzern so.

Was mich an Delicious stört, ist die fast schon zelebrierte Hoffnungslosigkeit über die Zukunft des Dienstes. Seit dem Delicious aus Yahoo herausgekauft wurde (und zwar von den Erfindern von YouTube), bewegte sich bei Delicious quasi gar nichts mehr. Schon recht bald wurde Werbung eingeblendet, inzwischen aus mehr als vier AdSense-Werbeflächen. Delicious verkam zu einer reinen Klickhölle, die vornehmlich von Nerds noch verwendet wird, die selten einmal auf die Website von Delicious schauen.

Dass es allerdings irgendwann brenzlig wurde, merkte man daran, dass Delicious plötzlich einen „Shop“ hat. Mit Links hat der Shop herzlich wenig zu tun und erinnert am ehesten dem bösen Ende des Linksammel-Konkurrenten Mr. Wong, der plötzlich ebenfalls ein Shop wurde. So gibt es bei Delicious nun also Tech-Gadgets und vor allem viel Plastikmüll.

Was am Linksammeldienst allerdings nun richtig zeitbombig wird, ist die für notleidende Social-Media-Dienste übliche Abkanzelung. Die Export-Funktion für Links funktioniert seit einer Weile nicht mehr. Die Programmier-API wurde um wichtige Funktionen (eben zum Beispiel der Möglichkeit zum Export von Links) gekürzt. Der RSS-Feed zeigt nur noch die letzten 100 Links eines Benutzers an. Und wer sich zum Exportieren seiner mühsam aufgebauten Links ein Screenscraper-Script bastelt, bekommt es kurz darauf mit dem Webserver von Delicious zu tun, der „übermäßige“ Seitenzugriffe abblockt.

Hier bereitet sich ein Dienst auf seinen Exit vor. Deshalb meine Empfehlung: Finger weg von Delicious und retten, was zu retten ist.

Mit Chrome und Firefox bieten zwei große Webbrowser das Synchronisieren von Bookmarks über mehrere Browser. Zwar fehlt hier die „Socializing-Komponente“, aber mein Empfinden trügt nicht: Mit Linksammeln ist kein Geld zu verdienen und die Gefahr, dass irgendwann einmal so ein Dienst die Stromversorgung kappt, ist hoch. Bei jahrelang gesammelten Links, die mitunter zu echtem Wissen gehören, ist das mehr als ärgerlich, wenn man die verliert, nur weil da jemand keine Lust mehr hat.

Lesen E-Book-Leser weniger? Ein eigener Erfahrungsbericht.

Seit letzten Donnerstag bin ich stolzer Besitzer eines Amazon Kindle Paperwhite. Mein erster Kindle. Dafür, dass ich seit 2005 immer ein Smartphone besaß und seit 2010 immer ein Tablet, ist das schon erstaunlich spät, zumal ich mich für das Lesen von elektronischen Büchern am Mini-Bildschirm schon in meiner Palm-Zeit begeistern konnte.

Auf dem Kindle gibt es nun, im Gegensatz zu den Kindle-Apps für Smartphones/Tablets, eine Anzeigemöglichkeit für Bücher. Exakt 99 Bücher finden sich in meinem Account. Da ich alle gelesenen Bücher in eine eigene Leseliste packe, kann ich auch da mit Erstaunen feststelle, dass ich von den 99 Büchern 88 Stück gelesen habe, mutmaßlich in den vergangenen sechs Jahren. Das sind im Durchschnitt 14,6 E-Books im Jahr. Aus Papier gefertigte Bücher habe ich dieses Jahr übrigens auch gelesen – genau eines.

Nun will ich wirklich keine Diskussion darüber vom Zaune brechen, ob das Lesen von E-Books krank ist und nur Papier das einzig wahre Medium darstellt, sondern stelle schlicht und einfach fest: Ich lese viel, viel mehr, seit dem ich E-Books lese. Mit dem nun erworbenen Kindle für schlappe 119 Euro ist es seit Donnerstag eher noch mehr geworden.

Ein paar Erfahrungen und Thesen von mir:

  • E-Books sind superpraktisch
    Kurz vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten lesen, ist keine Killerapplikation des E-Books, zumindest nicht, wenn man nicht am Bett alle noch zu lesenden Bücher gestapelt hat. Ansonsten ist via Kindle-App das nächste E-Book immer nur einen Griff weit entfernt. Zehn Minuten Wartezeit beim Arzt ist super, hier nochmal fünf Minuten dort, zwanzig Minuten in der Mittagspause. Perfekt. Ehemals tote Zeiträume sind nun immer gefüllt.
  • Die echten Kindles und auch die Konkurrenz-E-Reader sind charming
    Während der erste Kindle noch so ziemlich das hässlichste Gerät seiner Klasse war, erstaunt mich der Kindle Paperwhite, aber auch so Geräte wie der Tolino. Die liegen erstklassig in der Hand, weit besser als die allermeisten Tablets, was sicherlich auch daran liegt, dass die E-Reader deutlich leichter sind. Der monochrome E-Reader-Bildschirm ist erstklassig und kontrastreich und irgendwie sieht das Ding nach einem PADD aus und man kann es auch exakt so halten und bedienen, wie Jean-Luc Picard es mit den in der Serie völlig funktionslosen Brettchen imitierte.
  • Bücher kaufen zu jeder Zeit
    Bücher auf bisherige Weise in Papierform zu kaufen, leidet unter einem ähnlichen Problem wie das Kaufen von Musik im echten Laden oder die Suche nach einem Restaurant, wenn man wirklich Hunger hat und wenig Zeit: Es fällt einem nicht mehr ein, was man eigentlich mal lesen, hören oder essen wollte. Ich kenne nur wenige Menschen, die Einkaufslisten für solche Fälle führen, ich habe so etwas nie gehabt, obwohl ich beträchtlich viel dokumentiere und auf dem Smartphone festhalte. Aber z.B. im aktuellen „Spiegel“ eine Buchvorstellung zu lesen und dann mit Knopfdruck das Buch einfach kaufen zu können. Der Preis ist mir in diesem Kontext übrigens schnurz. Jedenfalls mehr schnurz als bei neuen Papierbücher, bei denen man immer im Hinterkopf den Denksplitter hat, dass man doch eigentlich auch warten kann, bis es als Taschenbuch herauskommt.
  • Es eröffnen sich mit E-Books gewaltige Indie-Galaxien
    Indie-Autoren und -Bücher, also Werke, die abseits von großen Verlagen erscheinen, ist nicht jedermanns Geschmackssache und sicher auch nicht in jedem Genre ohne größere Schmerzen zu ertragen. Da ich Science-Fiction mag und Amazon eine recht liberale Haltung zum Verlegen von Indie-Werken hat, ist der Kindle-Shop quasi ein Himmelreich.
  • Eine Leseliste sorgt für mehr Lesen
    Daran habe ich jetzt auch lange nicht geglaubt, aber bei mir funktioniert es: Eine Leseliste mit der „Pipeline“ aller zu lesenden Bücher sorgt auch dafür, dass man wirklich zum Lesen kommt. Die meisten Papierbücher nehmen immer den Weg des guten Vorsatzes, dann landen sie auf dem Tischchen mit den zu lesenden Büchern und irgendwann spazieren sie ungelesen ins Bücherregal. Da machen sie in der Masse sicher Eindruck für Besucher, aber ansonsten tun sie nichts.
  • Der Querverweis zu Wörterbüchern und Wikipedia sorgt für Wissensaufnahme
    So ein Wörterbuch darf man schon in den Kindle-Apps schätzen lernen, auf dem Kindle gibt es aber noch die Verweismöglichkeit zur Wikipedia. Keine Ahnung, wie ich je vorher darauf verzichten konnte. Pro Buch bin ich mindestens fünf Mal dabei, einem Wort in der Wikipedia nachzugehen.

Was übrigens weiterhin selbst für mich nicht geht, sind bestimmte Buchformate als E-Book, beispielsweise Atlanten (gut, wer im Zeitalter von Google Maps noch einen braucht), Bildbände oder Ratgeberbücher, die z.B. viel auf Skizzen und Vorlagen setzen und schon allein aufgrund fehlenden Farben auf den monochromen Kindles nicht gut aussehen können.

Ein Rant zu Imagefilmen.

So ein paar Sachen hat mir das ZDF in meiner doch verhältnismäßig kurzen Zeit beim Fernsehen vermittelt. Eine gelernte Regel ist dabei so universell, dass ich sie quasi jeden Tag als Probe anwende, egal ob in Texten, Blogartikeln oder kleinen Filmen:

Wenn du etwas zu erzählen hast, dann erzähle es. Wenn es keine spannende Geschichte ist, dann hast du nichts zu erzählen.

Es herrscht wohl absoluter Konsens darüber, dass Fernsehen nur dann gut funktioniert, wenn es Geschichten erzählt. Das können vergangene Geschichten sein, aber natürlich auch gerade live passierende, wie beispielsweise Sportübertragungen. Packend wird es dann, wenn es eben eine spannende Geschichte ist beziehungsweise wird und dann bleibt so eine Geschichte am ehesten auch im Kopf. Alles andere ist buchstäblich Durchfall.

Damit so eine Geschichte erzählt werden kann, ist natürlich einiges an Arbeit nötig. Fernsehen muss man technisch produzieren und dazu braucht es gewisse Technik. Gerade bei Bewegtbild werden mehrere Sinne angesprochen und das muss in einem komplizierten Gleichklang (den übrigens niemand wirklich gut beschreiben kann) geschehen. Über der technischen Produktion thront das Drehbuch (selbst für Events, die live produziert werden) und das Fingerspitzengefühl der Regie. Und am ehesten dann kommt am Ende auch ein technisch gut produziertes, dramaturgisch stimmiges und vor allem spannendes Werk heraus.

Das sind in unserer heutigen Zeit produzierte Imagefilme von Unternehmen in der Regel nicht mehr. Und das, obwohl sie immer noch eine schöne Stange Geld kosten, es deutlich erschwinglichere Technik gibt und es auch viel mehr Kurse, Studiengänge und Bücher über Bewegtbildgestaltung gibt, also noch vor 20 Jahren.

Der konzeptlose Film.

Das sind meist die Imagefilme, die ohne Drehbuch beginnen und bei denen es den Filmemachern am Gespür fehlt, die richtigen Bilder auszuwählen. Beides ist schon für sich gesehen schlimm genug, aber was bei so Konzeptlosigkeit entsteht, ist Panik beim Filmemacher, keinen Beitrag zusammenzubekommen.

Und dann beginnt man, den Kunden die Regie führen zu lassen über das, was der Kunde für wichtig und spannend hält. Und dann wird es meist schlimm, denn es folgen dann gern Monologe über Produktionsabläufe, Unternehmensleitlinien und Referenzen, die untermalt werden mit Naheinstellungen von undefinierbaren Produktionsprozessen, wackeligen Schwenks über schlecht ausgeleuchtete Fabrikhallen, Büroräumen und Messeständen. Kein Drehbuch, keine Erzählung und damit auch keine spannende Geschichte. Geld versenkt. Ein Film, der maximal als Hintergrundmotiv für den nächsten Messeauftritt taugt und auch da nur stummgeschaltet, weil ihn keiner versteht.

Die Droge der mächtigen Bilder.

Die nächste Kategorie von Imagefilmen ist am anderen Ende der Skala. Schmissige, hochdramatische Musik, hollywood-reife, nachstabilisierte Aufnahmen aus der Hand, der komplette Mut des Aufnahmeteams verewigt in monumentalen Bildern (sehr gern aus der Schräge heraus), später im Schnitt dann mit Überblendungen aneinandergefügt, die jeden altgedienten Fotolaboranten Wochen an Arbeit gekostet hätten. Und schließlich der brutalstmögliche Sprechertext mit allen schnellgesprochenen Rekorden, die die Unternehmensgeschichte hergibt, eingesprochen von einem Sprecher, der zwar kein Profi ist, aber von sich selbst glaubt, wie ein Profi zu sprechen.

Das Ergebnis ist ein Imagefilm, der am Ende nur dem Auftraggeber wirklich gut gefällt und schon bei den Kollegen die erste Fremdscham auslöst, die um ein Vielfaches bei allen empfunden werden, die eben nicht bei diesem Unternehmen arbeiten und kein Anhimmeln nötig haben.

Imagefilme bedeuten Leistungsschau, nicht deren Produktion.

Medienleute haben ein sehr, sehr gutes Gespür dafür, ob eine Produktion funktioniert oder nicht, in dem sie das Level des „Produktions-Gegackers“ einschätzen können. Macht sich einer Gedanken über Geschichte oder Bilder oder zieht da einer sein schickes Portfolio aus der Tasche? Sammelt einer bei der Begehung still Bilder und Eindrücke oder schwenkt er schon mit seiner teuren Elektronik? Entwickelt jemand eine Dramaturgie und kann den Imagefilm schon vor dem Dreh erzählen (was mit einem Drehbuch kein Problem sein darf), oder will einer erst mal drehen und dann mal schauen, ob er etwas zusammengepuzzelt bekommt?

Das Gegacker in der Medienbranche ist bisweilen schwer verständlich (und für Kenner auch schwer erträglich) und es sind in den allerseltensten Fällen die lauten Hähne und Hühner, die tatsächlich sinnvolle Arbeit abliefern. Es gibt kaum eine andere Ausdrucksform wie Bewegtbild, in der man trotz bester Technik die schrecklichsten Dinge anstellen kann und der Grat zwischen Überlegenheit und Peinlichkeit ist verdammt eng. So eng, dass eher mehr Medienschaffende bei vielen Darstellungsformen kläglich daran scheitern, als wirklich gute Werke zu produzieren.

Auf was soll man denn achten?

Also, sehr einfach und klar beginnt es mit der Frage: Braucht es überhaupt einen Imagefilm? Braucht die kleine Schreinerei tatsächlich einen 3-Minüter für die eigene Homepage, die im Monat kaum mehr als 10 Besucher aufweist?

Wenn Sie einen Imagefilm haben möchten, dann sollten Sie schon vor dem Einholen des ersten Angebotes im Klaren darüber sein, wo der Film überhaupt eingesetzt werden soll und ob das überhaupt stimmig ist. Wenn Sie erst einmal ein Angebot einer Produktion vorliegen haben, ist das fast schon zu spät, denn nur die wenigstens Filmproduktionen werden Ihnen davon abraten, ihr Angebot nicht anzunehmen.

Wenn Ihnen Ihre Werbeagentur einen Imagefilm empfiehlt, dann sollten Sie das erst recht hinterfragen, denn immerhin muss die Werbeagentur auch die Antwort dazu liefern, wie sie sich den Imagefilm in Ihrem Auftreten beziehungsweise Ihrer Kampagne vorstellt. Und wenn Sie mutig sind, können sie ruhig auch einmal fragen, ob und in welcher Beziehung Werbeagentur und vorgeschlagene Filmproduktion miteinander stehen. Sie zahlen den Spaß der beiden Freunde immerhin.

Der nächste Schritt ist ein ausführliches Briefing mit jemandem, der so etwas wie eine Dramaturgie für den Imagefilm liefern soll und damit die Aufgabe hat, ein Drehbuch zu schreiben. Diese Vorarbeit ist die wichtigste Phase, denn erst hier findet der Autor des Drehbuches die Möglichkeit, sich mit dem Unternehmen, den Leuten und den Produkten auseinandersetzen zu können. Wenn Ihnen so ein Autor beim Briefing leicht auf die Nerven geht mit seinen Fragen, andauernd stehenbleibt, mit Menschen spricht und auch Ihnen mitunter sehr grundsätzliche Fragen zu Ihrer Motivation stellt, dann macht er seinen Job.

Grundregel: Kein Imagefilm und keine finale Produktionsfreigabe ohne ein vorab geschriebenes und detailiertes Drehbuch! Üblicherweise findet sich in so einem Drehbuch eine auf einem Zeitstrahl festgelegte Skizze mit Einstellungen, Motiven und Interviews inklusive einem Fragenkatalog. Auch der später einzusprechende Text findet sich hier schon in einer Rohfassung, der natürlich zeitlich mit der Länge des Filmes abgestimmt sein muss. Der Autor sollte Ihnen das Drehbuch erklären und auch die dramaturgischen und filmischen Stilmittel erläutern, die er darin vorgesehen hat. Das macht man gegenüber Laien üblicherweise mit Skizzen, Fotos oder einzelnen Filmsequenzen.

Das fertige Drehbuch ist der Dreh- und Angelpunkt der Produktion, denn damit können Sie als Auftraggeber überhaupt Einfluss nehmen auf die Produktion. Sie geben das Drehbuch frei und dann muss entsprechend danach produziert werden. Es ist übrigens kein Fehler, ein Drehbuch auch Mitarbeitern und Freunden zu zeigen und darüber zu sprechen. Noch mehr Sichtweisen bringen möglicherweise weitere Ideen, die von Ihnen übersehen wurden.

Und auch die Stimme des Sprechers, der den Text in Ihrem Imagefilm sprechen soll, sollte jetzt gehört werden. Das bitte nicht unbedingt in einem persönlichen Gespräch, sondern in Form eines tatsächlich eingesprochenen und aufgenommenen Textes. Es gibt viele Sprecher, die unglaublich unsympathisch wirken, aber brillante Spreche sind. Umgekehrt geht das übrigens auch …

Nach der Aufnahme von Bildern und Tönen wird dann als nächstes üblicherweise eine Rohschnittfassung erstellt, die wiederum einen Meilenstein des Filmes darstellt. Hier wird Ihnen die Produktion schon eine recht genaue Vorschau auf den fertigen Film geben können. Üblicherweise gibt es hier und da Diskussionsbedarf über einzelne Szenen, was aber im Rohschnitt kein sehr großes Problem darstellt, weil hier noch an Bildern und Abfolgen gearbeitet werden kann. Selbst das Nachdrehen von Interviews oder einzelnen Einstellungen ist hier noch mit wenig Aufwand möglich. Machen Sie davon auch Gebrauch, wenn Sie das Gefühl haben, dass z.B. ein Interview nicht sehr gelungen scheint.

Ist die Rohschnittfassung abgesegnet (schriftlich festhalten!), beginnt die Endfertigung. Der fertige Bildschnitt wird erstellt, der Ton wird abgemischt und der Sprechertext wird eingesprochen. Ab der Abnahme der Rohschnittfassung sind daher größere Änderungen im Ablauf nur noch mit großem Aufwand zu machen, weshalb eine gute Filmproduktion auf eine Abnahme der Rohschnittfassung üblicherweise auch bestehen wird.

Sorry, geht das alles auch eine Nummer kleiner?

Jaja, wir sind nicht Hollywood, das hört man sehr oft, wenn ein Imagefilm peinlich, eine Erzählung zu platt, eine Produktion zu unfähig oder das Budget einfach zu klein ist. Natürlich geht es auch kleiner und wenn man eine gute Produktionsfirma am Start hat, dann klappt das manchmal sogar trotzdem noch irgendwie.

Viel öfter ist aber das genaue Gegenteil der Fall und der fertige Imagefilm verfehlt seine Wirkung dramatisch. Denken Sie dabei einfach immer an den Teil der Kinowerbung, der die Werbespots von lokalen Unternehmen enthält. Auch da haben einige gemeint, dass es auch eine Nummer kleiner gehen wird.

Please welcome PF-BITS.

Ich habe da mal wieder etwas vorbereitet… wieder mal ein kleines Webprojekt als Ergebnis aus einigen WordPress-Experimenten mit Custom Post Types, Taxonomies und benutzerdefinierten Feldern.

Logo PF-BITS„PF-BITS“ ist, dem Kürzel entsprechend, etwas aus Pforzheim. Dahinter verbirgt sich schon seit sehr langer Zeit ein inzwischen ganzes Paket von Ideen, die jetzt aber zumindest einmal eine WordPress-Multisite-Installation als Heimatbasis haben. Angefangen wird gleich mit etwas sehr komplexen, nämlich dem Tages- und Mittagstisch-Dschungel einer mittelgroßen Stadt. Das hört sich alles sehr, sehr einfach an, aber hier treffen viele Welten aufeinander. WordPress, die Logik eines Systemanalytikers und die Logik vieler Gastronomen.Ergebnis ist jetzt das Sub-Projekt PF-BITS Mahlzeit! und eigentlich ist es herzlich einfach aufgebaut: Es gibt Lokalitäten, es gibt deren Wochenkarten und es gibt täglich einen automatisierten Prozess, der aus all dem Sammelsurium eine tagesaktuelle Übersicht aufbaut und lesefreundlich in einen Artikel packt.Das funktioniert im jetzigen Stadium schon ganz prächtig und immerhin auch schon mit drei handverlesenen Lokalitäten in Pforzheim, die ich übrigens alle persönlich empfehlen kann, weil ich sie kenne und sie das kleine Experiment hier mitmachen. Ein ungenannter Wirt dieser drei Lokalitäten meinte nach einer kurzen Einführung am Telefon nur: „Besim, ich habe absolut keine Ahnung, von was du da sprichst, aber bitte mach‘ es und nimm uns hinein.“

Geld verdienen mit Flüchtlingen.

Ein offensiver Titel, aber ich will das erklären. Vor gut fünfzehn Jahren flatterte ein Brief ins Haus herein, adressiert an die Firma „NETPLANET“. Absender war die VG WORT und legte einen Scheck über ein paar Euro bei, die ich bis dahin unbekannterweise in Form von Tantiemen mit netplanet verdient hatte, da ein Schulbuchverlag Auszüge der in netplanet verfassten Netiquette abgedruckt hatte. Betonung auf „ein paar Euro“, denn der Betrag wurde niemals auch nur annähernd zweistellig, so dass die „Hauptausschüttung Schulbuch“ für mich eher ein Job zum Abheften war. (Ganz im Gegensatz zur jährlichen METIS-Ausschüttung übrigens, wo doch ein dreistelliger Betrag im Jahr hereinkommt.)

Dieses Jahr ist die Hauptausschüttung Schulbuch aber immerhin zweistellig mit etwas über 35 Euro. Nun mit zwei Texten, die aus netplanet für verschiedene Schulbücher übernommen wurden und nun in Deutschfibeln für die Inklusion, also Bücher zu „Deutschkursen“, stecken.

Das ist zwar immer noch ein jährlicher Betrag, der gerade einmal für ein gutes Mittagessen zu zweit reicht, aber … gern geschehen! Sinnvoller kann meine Arbeit gar nicht eingesetzt werden.

Wie Fernwartung EDV-Leute faul macht.

Heute war wieder ein klassischer Fall. Eine Kundin ganz weit draußen, 20 Kilometer Anfahrt ins weite Land. Schon allein die Entfernung eine Sache, die EDV-Leute abschreckt. Nichtsdestotrotz hat die Kundin ein Problem, denn der Internet-Zugang ihres Büros wackelt und fällt ständig aus. Nach kurzer Anamnese war klar, dass ich mir das vor Ort anschauen wollte.

Eine wackelige Verbindung kann viele Ursachen haben. Probleme auf der DSL-Leitung (war auszuschließen, da die Telekom schon geprüft hatte), Probleme mit dem Router (Überhitzung, Kabelprobleme, schlicht kaputt oder sonstwas) oder Probleme mit dahinterliegender Hardware. Eigentlich relativ einfach zu klären, im Ernstfall einfach mit der Installation eines Ersatzrouters.

Vor Ort sah es dann recht aufgeräumt aus. Der Router zeigt sich als ein Ethernet-Router von Lancom, der via einem billigen Telekom-Speedport-Plastikbomber – in reinem Modem-Modus geschaltet – ins Internet geht. Keine ungewöhnliche Konstellation.

Der jetzige Dienstleister, ein nicht ganz kleines Systemhaus, hatte das Problem auch bereits gemeldet bekommen, allerdings nicht lösen können. Eine Reihe von DSL-Splittern mit seltsamen Markierungen lagen schon herum. Auf den Ethernet-Router kam er zwar von der Ferne (hingefahren ist niemand), fand da aber keine Probleme, wollte da aber auch nichts umkonfigurieren und auch keine Updates aufspielen. Gut, kann man so machen, muss man aber nicht.

Vor allem hätte der Dienstleister einmal seinen Hintern aus seinem Büro bewegen sollen, um zumindest zu erkennen, dass der Router mit großer Sicherheit nicht das Problem ist, sondern das Modem. Zwar gab er an, dass das Modem angeblich von der Ferne aus geprüft worden sei, das aber ist eine glatte Lüge. Ein Modem ist netzwerktechnisch eine Bridge und wenn die nicht gesondert über Diagnoseschnittstellen verfügt (hat der Speedport nicht), lässt sich von der Ferne rein gar nichts prüfen, wenn man nicht auf die untere Netzwerkebene kommt. Das kann nur die Telekom selbst.

Stattdessen hat der Dienstleister ein Angebot für einen neuen Router geschickt. Teuer und wieder nur ein Ethernet-Router. Sprich: Die Kundin hat gutes Bauchgefühl bewiesen, denn mit der Anschaffung des neuen Routers wäre erst einmal nichts besser geworden, weil ja das Modem immer noch da wäre. Jetzt lassen wir einfach mal ein neues Modem kommen, was die Telekom im Rahmen eines DSL-Upgrades wahrscheinlich herschenken wird und dann läuft das Ding.

Fernwartung ist nett und vor allem im Bereich Windows- und Desktop-Support ein gehöriger Einsparfaktor gegenüber der früher üblichen „Turnschuhadministration“. Allerdings beobachte ich es immer häufiger, dass EDV-Leute den Kontakt zur Basis verlieren und entweder keine Ahnung mehr haben, dass man gerade bei kleineren Installationen nicht alles über eine Fernwartung herausbekommen oder schlicht lieber den Kunden anlügen und hinhalten, um ja nicht aus dem Haus zu müssen.

 

Auf der PS4: DiRT Rally.

Der Kauf einer PlayStation 4 war bei mir keine Frage des Ob, sondern des Wann. Auf genau zwei Spiele warte ich da: Die nächste Version von Gran Turismo (worauf wohl noch länger zu warten ist, da dieses Jahr erst noch ein Prequel erscheinen wird) und DiRT (ehemals „Colin McRae DiRT“). Beide Spielfamilien garantieren seit Jahren beste Rennsimulation.

DiRT Rally ist die fünfte Version der DiRT-Serie und die immerhin schon zehnte Inkarnation der gesamten Colin-McRae-Rallyeserie. Der Rallyefahrer Colin McRae, der nach seiner Rennkarriere bis zu seinem frühen Tod bis 2007 als Berater für die Rennserie tätig war, hatte dem Spiel von Anfang an die DNA verpasst und erfreulicherweise ist diese DNA in der aktuellsten Version DiRT Rallye immer noch eindeutig zu bemerken. Beziehungsweise „endlich wieder“.

Das DiRT-Team der Softwareschmiede von Codemasters hat nämlich bei der Entwicklung einen meiner Meinung nach zentralen Fehler wieder korrigiert, nämlich den Irrweg zu dem so genannten Sport namens Gymkhana. Klar, Ken Block ist ein Meister, wie man mit einem Auto möglicherweise stundenlang um einen Kaffeebecher zirkelt. Aber bitteschön: Mit Rallye hat das nichts zu tun. Schon bei DiRT 3 waren die Gymkhana-Einlagen eher langweilig und erinnerten an so Klamauk-Simulationen wie Motorstorm und DiRT 4, in dem man gänzlich dem Gymkhana-Irrsinn verfiel, war das PS3-Spiel, was ich am kürzesten besaß, nämlich genau zwei Tage lang.

Jetzt ist mit DiRT Rally also wieder alles Rallye und damit auch alles wieder gut. Und ich habe eine PS4 dafür gekauft. Dazu muss man nicht viel sagen: Die PS4 tut DiRT Rally gut (umgekehrt dank des immer noch schwachen Marktes an Rennsimulationen übrigens auch). Das Spiel kommt vollständig in 1080p daher und es ruckelt genau nichts. DiRT Rally ist das erste DiRT, das es dank der hohen Bildwiederholrate nun problemlos schafft, einen Tunnelblick entstehen zu lassen. Glasklare Bilder, wunderschön strukturierte Strecken, Wolken, Bäume, Zuschauer, kaputtfahrbare Schilder. Auf und in den extrem detailierten Autos bewegen sich die Schatten und selbst auf den Chromteilen des Exterieurs spiegelt sich die Landschaft. Hier haben sich echte Liebhaber der Renderings verewigt und das DiRT-Team ist zweifellos in die Gran-Turismo-Simulationsliga aufgestiegen. Und eigentlich auch darüber hinaus.

Denn was in DiRT Rally sofort im ersten Rennen beeindruckt, ist die „schmutzige“ und ruppige Fahrweise. Es fängt mit so Boliden wie einem alten Mini Cooper an, der natürlich in Sachen Antrieb und Leistung lächerliche Werte hat. Mit so einem Pups von Auto gleich auf eine der wirklich bürstigen Strecken wie die Griechenland-Rallye geschickt zu werden, ist Sadismus, denn selbst Simulationsprofis bekommen hier erst mal eine ordentliche Abreibung. Die Steuerung nimmt einem jeden noch so kleinen Fehlgriff übel. Damit ist nicht zu spaßen, denn das Schadensmodell ist umfangreich und die Karre ruck zuck kaputt. Die ersten Etappen waren daher richtig frustrierend, zumal es sich anfangs auch ausgesprochen wenig Credits verdienen lässt, um ein flotteres Auto zu kaufen. Dazu kommt, dass die richtig guten und modernen Fahrzeuge eine Stange Geld kosten.

Fahrzeuge … ein Traum.

Bei den Autos in DiRT Rally gibt es nichts zu meckern. Hochdetailiert, alle hören sich unterschiedlich an und alle haben ihre Eigenheiten. Wer glaubt, mit dem Fahren eines Allrad-Autos sei der Rallye-Olymp erreicht, sollte sich mal einen Fronttriebler oder gar einen Hecktriebler unter den Sitz schnallen. So einen störrisches Auto wie einen Opel Manta, Hecktriebler von Geburt an, über Stock und Stein zu schaukeln, ist echte Arbeit. Die man noch härter machen kann, wenn man sich eine Nachtstrecke gönnt und in den ersten Kurven gleich mal die Scheinwerfer zerdeppert. Denn dann geht es weiter im Blindflug …

Das Schadensmodell ist sehr ausgefeilt und es geht im Prinzip alles kaputt, wenn man es weit treibt, bis hin zum Totalausfall. Zwar gibt es die Möglichkeit des Service während einer Rallye, aber das Team dazu kostet auch Credits und das nicht zu knapp. Und in einer halben Stunde ist ein völlig zerdeppertes Auto auch nicht wieder vollständig gesund zu machen.

Strecken … Qualität vor Quantität.

Für die Strecken in DiRT Rally gilt, dass sie extrem detailiert und fein sind, allesamt mit Tücken ausgestattet, dennoch aber gut zu fahren. Das Problem ist, dass man sie schon nach wenigen Wochen weitgehend auswendig kann. Es gibt nämlich nur Rallyes in Schweden (Schnee), Finnland (Schotter, freundliches Wetter), Wales (Schotter, beschissenes Wetter), Deutschland (Beton), Griechenland (Schotter, Staub). Zwar bestehen die Rallyes aus jeweils mehreren Etappen, die jedoch allesamt auf jeweils zwei großen Strecken bestehen.

Darüber hinaus gibt es die Pikes-Peak-Bergfahrt in den USA und einige Rallye-Cross-Rennen, deren Unterhaltungsfaktor allerdings eher beschränkt sind. DiRT Rallye fährt sich also nach wenigen Wochen relativ automatisch und lebt nur noch davon, dass man sich in den immer höheren Rennserien mit immer stärkeren Gegnern und engeren Zeiten herumschlagen muss. Eine leise Hoffnung bleibt, dass in nächster Zukunft vielleicht weitere Rallyes online dazugekauft werden können. So eine Produkt- und Communitypflege mich aber ehrlich gesagt eher wundern.

Online.

Die Möglichkeit, online Rennen zu fahren, beschränkt sich weitgehend darauf, dass für bestimmte Zeiträume ein Rallye oder eine Etappe angeboten wird und online eine Tabelle aller Teilnehmer geführt wird. Je nachdem, wie gut man in dieser Liste ist, desto mehr Credits gibt es. Reich wird man davon allerdings nicht, so dass die meisten Credits im Offline-Modus gesammelt werden müssen.

Sprich: Aus dem Online-Modus geht recht bald die Puste aus, weil es einfach an zu wenig Strecken und Herausforderungen krankt. Das wäre schon einfach durch zusätzliche Schikanen auf den Strecken zu beheben, aber mich fragt ja keiner …

Fazit

DiRT Rally ist sicherlich eine Rallye-Simulation am oberen Ende der Messlatte und Codemasters nun ganz oben im Simulationshimmel. Das Produkt ist den High-End-Spielekonsolen würdig und hat für Rallye-Fans alles wichtige an Bord. Sowohl Anfänger als auch Profis haben mächtig was zu beißen, um mit halbwegs guten Zeiten punkten zu können.

Etwas mehr Vielseitigkeit täte DiRT Rally gut und eigentlich besitzt es alle guten Eigenschaften, um vielleicht mit einem zusätzlichen Strecken-Paket (das ja auch durchaus etwas kosten darf) in Zukunft nochmal das Tableau der Rallye-Simulationen aufzurollen. Klar muss man sagen: An DiRT Rally werden sich alle Rallye-Spiele messen lassen müssen und das sicherlich für eine ganze Weile.