RSS-Feedreader selbst hosten.

RSS-Feeds gehören auch nach über zehn Jahren immer noch zu meinen Hauptnachrichtenquellen. Weniger für echte Nachrichten – das erledigt auch weiterhin fast ausschließlich SPIEGEL Online für mich – sondern für den ganzen anderen Rest. Computernachrichten einiger einschlägiger Ticker, viele Blogs, Update-Feeds vieler Open-Source-Projekte, einige Google-News-Feeds, Feeds meiner Kunden. Rund 100 Feeds kommen aktuell zusammen, von denen ich keinen vermissen möchte.

Fremdgehostete Dienste, oder: Ach, Google Reader!

Der Google Reader war der Beginn der echten Feed-Organisation. Vorher hatte ich Feeds noch direkt lokal am PC abonniert, was jedoch irgendwann ziemlich unpraktisch wurde, weil dazu logischerweise der PC zu Hause immer eingeschaltet sein musste. Zwar gab es mit Windows XP den Remote Desktop, aber zu Hause den PC eingeschaltet zu haben, nur weil Feeds bereitgehalten werden sollten, war Käse.

Der Google Reader konnte alles viel besser. Schnell, spartanisch-übersichtliche Oberfläche, eingängige Bedienung via Tastaturkurzbefehle. Nur leider machte der Google Reader im Jahre 2013 den Gang in die Ewigen Jagdgründe. Ein immer noch herber Verlust eines liebgewonnenen Dienstes.

Mehr aus Verzweiflung vertraute ich Feedly meine via OPML exportierte Feed-Liste an. Glücklich war ich mit Feedly von Anfang an nicht, sondern war schlicht froh, dass es so ähnlich funktionierte, wie der Google Reader. Und unter anderem eine Android-App mitbrachte, die ich auf meinen Android-Büchsen brauchte.

Sicherlich muss auch so ein Dienst wie Feedly von Geld leben. Allerdings bin ich mit meiner zweiten Hirnhälfte ein verkappter Kaufmann und 65 US-Dollar pro Jahr sind mir für das Bereithalten meiner Feeds zu viel. Ich syndiziere meine Feeds nicht komplex, sondern möchte sie mehrmals am Tag einfach von hinten nach vorn durchblättern und lesen. Und ab und zu die Suchfunktion benutzen, was dann aber mit dem kostenlosen Feedly-Account nicht geht. Wer also nicht diszipliniert interessante Feed-Diamanten bookmarkt, verliert sie im kostenlosen Feedly Account.

Selbst hostet der Mann.

Also blieb irgendwann keine Alternative zum Selbsthosten. Das wiederum habe ich doch tatsächlich fast drei Jahre vor mich hergeschoben. Unterm Strich bleiben bei einigen existierenden Projekten nur selfoss und Tiny Tiny RSS. Beide sind Open Source und kostenlos einsetzbar.

selfoss: Heißt wie ein Seeelefant und funktioniert in etwa auch so.

selfoss ist das erste Open-Source-Paket, das auf den ersten Blick mit einer interessanten Oberfläche daherkommt – und diesen ersten Eindruck beim ersten Durchblättern auch gleich wieder zerstört. Denn ein Artikel in ganzer Gänge wird doch tatsächlich in drei große Spalten aufteilt. Mit dem Ergebnis, dass man für einen sehr langen Text zunächst für die erste Spalte herunterscrollen muss, dann wieder herauf zum Beginn der zweite Spalte, runter bis zum Ende und wieder herauf zum Beginn der dritten Spalte. Das ist so unergonomisch wie eine Tageszeitung, die auf einem Bildschirm gelesen werden soll.

Zudem kommt selfoss sehr spartanisch daher. Keine Plugin-Schnittstelle, keine Organisationsmöglichkeiten für zu speichernde Artikel aus Feeds und nur die Möglichkeit, mit der offiziellen selfoss-App via Smartphone darauf zuzugreifen.

Immerhin ist selfoss sehr begnüglich in Sachen Hosting. PHP ist Grundvoraussetzung, bei der Datenbank sollte eine MySQL-Datenbank genutzt werden. Hat man letzteres nicht, funktioniert selfoss mit einer eigenen sqlite-Datenbank auf Dateibasis. Das ist zwar weit von echter Performance entfernt, funktioniert aber wenigstens.

Tiny Tiny RSS

Tiny Tiny RSS ist ein weiteres Open-Source-Projekt zum Selbsthosten und braucht zwingend PHP und MySQL. Die Installation ist nicht ganz so eingängig, denn der TTRSS-Entwickler entwickelt „rollierend“, also ohne Versionsstände. Das ist leider beknackt, denn so kann jeder heruntergeladene Stand entweder stabil sein oder schwer beta, aber vermutlich ist das für den Entwickler so am einfachsten.

In Sachen Installation muss man sich an die Konfigurationsanleitung halten, Datenbank-Zugangsdaten in eine Konfigurationsdatei packen und mehr oder weniger testen und frickeln, wenn man nicht das Glück hat, bei einem Webhoster zu sein, der Tiny Tiny RSS selbst als Installationspaket anbietet. Hat man Tiny Tiny RSS aber erst einmal zum laufen bekommen, funktioniert es auch sogleich und lässt OPML-Archive importieren.

Die Oberfläche kommt der des Google Readers am nächsten. Von Hause aus gibt es leider jedoch andere Tastaturkürzel, es gibt jedoch im Basisumfang in den Einstellungen unter den Plugins ein Plugin, das die Google-Reader-Tastaturkürzel zurückbringt. Meine Rettung, da ich in diesem Leben wohl keine anderen Tastaturkürzel für das Lesen von Feeds mehr erlernen kann.

Was sowohl für selfoss und auch für Tiny Tiny RSS zwingend benötigt wird, ist ein cronjob auf Seiten des Webhosters. Das ist vom Prinzip her ein automatisierter, zeitlich gesteuerter Aufruf eines Programmmodules, das für die Aktualisierung der Feeds sorgt. Hier glänzt Tiny Tiny RSS leider mit einer komplizierten Anleitung, die auch noch nicht mal den aktuellen Stand darstellt.

In meinem Fall musste ich noch eine Scriptdatei mit folgendem Inhalt schreiben, da mein Webhoster (wie so viele) keine Übergabe von zusätzlichen Parametern erlaubt:

#!/bin/sh
env -i /usr/local/bin/php5 -f ./update.php -- --feeds --quiet

Was möglicherweise hilft, wenn dieses Script hier nicht funktioniert: In den Webforen des eigenen Webhosters zu schauen, ob sich schon jemand mal damit beschäftigt hat.

Immerhin: Tiny Tiny RSS hat eine eigene API, mit der nicht nur die offiziellen (kostenpflichtigen) Apps des Entwicklers Zugriff auf die Feeds haben, sondern auch Dritthersteller. Zumindest für Android habe ich die kleine und feine App TTRSS gefunden, die den Zugriff auf meine Installation gut beherrscht und sich auch von einer SSL-gesicherten Verbindung nicht irritieren lässt. Schön ist zwar auch die Oberfläche von TTRSS nicht, aber Schönheit ist beim Feed-Konsum etwas, was nicht gebraucht wird.

LEGO-CAD.

Das Spielen mit Lego ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Ich hatte zwar nie richtig viel Lego, aber für eine mittelgroße Kiste reichte es allemal. Da kannte man dann jeden Stein irgendwann persönlich und es reichte für das Erwerben der grundlegenden Lego-Baukenntnisse. Zudem gab es in dem Haus, in dem ich meine Kindheit verbrachte, in der Nachbarschaft noch weitere 4 Jungs, die ebenfalls umfassende Lego-Kenntnisse mitbrachten. Und schließlich weiß der Kenner: Nicht die Menge an Lego macht den Unterschied, sondern der kreative und professionelle Einsatz. Dennoch träumten wir natürlich alle von der unerschöpflichen Lego-Steinquelle, denn die natürliche Hürde eines jeden Lego-Baumeisters war die Endlichkeit des Steinvorrates.

Eher durch Zufall bin ich vor einigen Wochen auf den LEGO Digital Designer gestolpert, einer kostenlosen CAD-Software von Lego für den Lego-Baumeister 2.0. Darüber kann man im ersten Moment lächeln, aber der LDD ist ein richtig gutes und professionelles Stück Software zum Aufbau von Lego-Modellen am Computer. Zwar gibt es mit LDraw bereits seit vielen Jahren eine Open-Source-CAD-Lösung, die auch ich einmal probiert habe, aber LDraw war immer etwas umständlich zu nutzen.

Aber zurück zum LDD, der eigentlich Kernstück eines Lego-Projektes war: Man baut mit der Software das Modell seiner Träume und bestellt am Ende die notwendigen Steine direkt bei Lego. Werden diese dann geliefert, lässt sich im LDD die komplette Bauanleitung exportieren, so dass das Modell dann auch tatsächlich gebaut werden kann. Den Service zur Teilebestellung gibt es nicht mehr, aber dafür exportiert LDD per Knopfdruck eine komplette Liste an verbauten Teilen als Excel-Tabelle, inklusive aller offiziellen Teilenummern. Damit lässt sich bei vielen Steineherstellern (und davon gibt es wirklich sehr, sehr viele) alles für das Wunschmodell bestellen.

Ist Lego am Computer eigentlich noch echt Lego-Spielen?

Witzigerweise ist das echt so eine Frage, die man sich als ehemaliger Lego-Fan so stellt: Ist man immer noch fähig für Lego nach über 20, 30 Jahren? Ich wollte mal den Test machen. Und das geht am besten mit dem Bau eines virtuellen Modells. Dazu musste das Gebäude der Schwarzwaldklinik herhalten. Dieses Gebäude hat den Vorteil, dass es dazu eine ganze Menge an guten Fan-Fotos im Internet gibt, die man dazu als Basis braucht.

Und dann geht es eigentlich auch schon los. Man baut die erste Etage, setzt die Fenster und Türen und kopiert dann die Etagen. Die kopierten Etagen werden dann auf die tatsächlichen Begebenheiten angepasst. Unten gibt es dann noch einen Erker und Eingangsbereich. Das Dach war dann schon etwas schwerer, denn es gibt, schwarzwaldtypisch, einen Halbwalm zu beachten und unterschiedliche Dachschrägen. Hier ist dann schon echtes Lego-Fachwissen gefragt.

Es dauerte ca. eine halbe Stunde, bis ich wieder in der Materie war. Das Lego-Fachwissen fängt schon an beim Bauen von Steinreihen. Man setzt nicht einfach Steine aufeinander, sondern baut ordentlich versetzte Reihen, um maximale Stabilität zu haben. Das weiß man als Kind aufgrund der Erfahrungen, aber erkläre das mal als Erwachsener! Ebenso muss man bei Dächern höllisch aufpassen, Dachgauben auf beiden Seiten exakt gleich aufzubauen, damit man das alles bündig zur Seitenwand hinbekommt. Wer nicht aufpasst, baut und baut und darf dann beim Entdecken des Fehlers wieder einiges abreißen.

Und genau hier wird es beim CAD-Legospielen dann interessant, denn einreißen ist hier natürlich viel einfacher. Klickklickklick und weg ist die falsch gebaute Komponente. Und hat man sich bei der Position der Gaube verschätzt, markiert man die betroffenen Steine und lagert diese eben vorübergehend aus.

Wo es aber dann richtig locker wird, ist beim nachträglichen Umbau an der Peripherie. Jeder, der jemals ein großes Lego-Modell gebaut hat und am Ende am Fuß des Modells etwas ändern wollte, weiß, was für ein Krampf es ist, mitten in einem Modell Teile herausnehmen zu müssen, ohne dass das Werk größere Schäden erleidet. Das geht am Computer so unverschämt einfach, dass es schon fast ein Schmerz ist, wenn man daran denkt, was man in der Kindheit bei solchen Problemen gelitten hat.

Die Unendlichkeit der Steine.

Der Zugriff auf den kompletten Lego-Steinbestand in allen lieferbaren Farben ist natürlich der wahre Luxus, den man als CAD-Lego-Designer genießt. Zwar ist die Steinsuche im LDD nicht ganz so intuitiv, aber man kennt sich halt aus. Und mal eben die Steinfarben per Knopfdruck auch am fertigen Modell zu ändern, entschuldigt alles.

Die Unendlichkeit der Steine ist übrigens auch einem Phänomen sehr zuträglich, dem nachträglichen Tunen des Modells. Denn fertig ist ein Lego-Modell niemals; immer findet man etwas, was man besser machen kann und da ist dann natürlich bei der echten Lego-Kiste immer die Frage, ob dafür auch das Guthaben an Steinen ausreicht. Viele Väter können da ein Lied davon singen, wenn Junior Nachschub an Steinen braucht und das natürlich dann Samstagnachmittag.

Die nicht ganz ungefährliche Strategie hinter dem CAD-Lego.

Ungefährlich ist das CAD-Legospielen natürlich für den Konsumenten. Unendlich viele Steine, eine diskrete Software (man muss also nicht mehr seine Lego-Kiste mit ins Büro nehmen, um da seinen Chef zu schocken) und schon ist das Hobby fertig für Modelle in Größen, die die Welt noch nicht gesehen hat.

Für LEGO ist das natürlich erst einmal nicht so gut, denn wer braucht da noch echtes Lego? Das muss man aufräumen, man muss beim Bauen aus einem unsortierten Lego-Haufen einen Großteil in die Teilesuche stecken und am Ende fehlt doch irgendetwas, was man genau zu diesem Zeitpunkt braucht. Eine echte Disruption entwickelt sich hier für LEGO, bei der sie möglichst zügig selbst als Player mitspielen muss, um nicht Märkte zu verlieren. Wer ein Modell am Computer baut und dann tatsächlich mit echten Steinen nachbauen möchte, will die Teile sofort haben. Entweder direkt von LEGO oder von Steinehändlern, von denen die meisten mit recycelten Steinesammlungen arbeiten. Bei letzterem verdient LEGO nichts.

Und nun, die Schwarzwaldklinik?

Die ist nun fertig und sieht so aus. Also fast, denn natürlich gibt es noch einiges in Sachen Tuning zu tun:

Für den jetzigen Stand sind aber etwas über 1.700 Steine verbaut und gedauert hat das Ganze unterm Strich 12 Stunden am Wochenende. Das ist ein ganz guter Schnitt, mit dem ich mich auch als Kind gut hätte blicken lassen können (mit der üblichen Steinsuche hätte ich als Kind natürlich gut das Doppelte veranschlagen müssen).

Next step: Das Ding tatsächlich bauen. Und das wird aus mehreren Gründen spannend, denn es wird dann 60 Zentimeter lang und 80 Zentimeter hoch. 😉

Meine Wahlempfehlung zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2016.

Auch zu dieser Landtagswahl gibt es wieder meine sehr persönliche Wahlempfehlung, die, vermutlich relativ einfach nachvollziehbar, für die SPD ausfällt. (Erinnern möchte ich aber da daran, dass ich vor fünf Jahren aus strategischer Sicht meine Stimme den Grünen gegeben habe. Ich kann also auch anders.)

Meine Wahlentscheidungsgrundlage.

… ist sehr einfach: Ich möchte, dass Grün-Rot ihre bisher weitgehend erfolgreiche Regierungsarbeit in Baden-Württemberg fortführen kann. Und weil es diesem Land gut steht, nicht wieder von einer CDU-Regierung in bester Spätzles-Manier regiert zu werden. Die CDU hat als Oppositionspartei erstmals richtig arbeiten müssen und ist dennoch gerade lausig am Scheitern darüber, dass ein schwacher, profilloser CDU-Spitzenkandidat gar nicht so recht weiß, wo er eigentlich ansetzen soll. Das lässt tief darüber blicken, wie eigentlich das Regierungsprogramm der CDU aussieht.

Viele der Dinge, die die CDU und vor allem die FDP derzeit Grün-Rot anlasten, kommen ursprünglich aus den früheren Regierungen, eben der CDU und FDP. Die Polizeireform beispielsweise hat ihre Wurzeln noch weit vor Grün-Rot und die jetzigen Versprechen, dass zum Beispiel Pforzheim „seine Polizei wiederbekommen wird“, wenn die FDP gewählt würde, sind reine Symbolversprechen. Andere Präsidiumsorganisationen sagen noch lange nichts über die Kriminalität aus und es stellt sich viel eher die Frage, ob man sich auf Dauer riesige, doppelte Führungsstrukturen leisten kann. Plump gesagt: Ob nun die Spurensicherung bei einem Mordfall aus Pforzheim anfährt oder aus Karlsruhe, macht den Ermordeten weder lebendig, noch toter. Immerhin: Wir hatten im Anbetracht dieses Themas in Pforzheim – trotz Heimatwahlkreis von Hochton-Lautsprecher Hans-Ulrich Rülke – einen weitgehend zivilisierten Wahlkampf.

Ähnliche Luftnummern zelebrieren CDU und FDP beim Thema Bildung, wo man weiterhin grundsätzlich gegen Gemeinschaftsschulen ist (die sich dennoch als sehr erfolgreich zeigen) und beim Thema G8 und G9 nicht so recht weiß, wo man sich positionieren soll. Es gibt keine echte, nachvollziehbare Haltung von CDU und FDP, was man von einer Partei, die zukünftig wieder regieren will, zumindest erwarten könnte.

Und dann noch die Ferkel am rechten Rand.

Meine Haltung ist da auch klar: Die AfD ist weiterhin so unwählbar, wie die NPD und die Republikaner. Bei der AfD kommt hinzu, dass es hier rein darum geht, in den Landtag einzuziehen, denn programmatisch hat sie nur das zu bieten, was einst unter Bernd Lucke an Programmatik aufgestellt hat. Das ist mindestens illusorisch, in großen Zügen jedoch krass unsozial für die Mittelschicht und ärmere Bürger. Die jetzige Flüchtlingsthematik ist für die AfD nicht mehr und nicht weniger als ein Schnellboot zu signifikanten Wahlergebnissen.

Sprich: Ein Potential an Bodensatz, das rechte und radikale Parteien wählt, hatten wir schon immer und werden wir auch immer haben. Die immer prognostizierte Gefahr, dass angesichts geringer Wahlbeteiligungen solch radikale Parteien Chancen auf sichtbare Wahlergebnisse bekommen, wird nun greifbar.

Mittel- und langfristig jedoch ist die AfD nicht viel mehr als alle anderen radikalen Parteien: Luftnummern und Schaumschläger. Von echter Arbeit im Politikbetrieb halten sich viele AfD-Politiker in anderen Parlamenten vornehm zurück und glänzen vor allem mit regelmäßigem Gedröhne. Das muss man letztlich aussitzen. Uns geht noch lange nicht so schlecht, wie es radikale Parteien immer zeichnen und angebliche Rettungskonzepte versprechen. Zu solchen potentiellen Bumsparteien gehört auch die AfD, auch wenn man sicherlich den Höhenflug beobachten muss und andere Parteien aufgerufen sind, sich zu fragen, ob man die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufgehen lassen kann. Wenn der Wohlstand an immer mehr Menschen vorbeigeht – und das tut er – dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Bürger in Sachen Protest immer häufiger Affen wählen.

Wie Fleurop gute Werbung macht*

Du warst im Urlaub. Allein. Irgendwie ging vorher deine feste Beziehung mit deiner Freundin in die Brüche. Ihr wart ein Paar! Eigentlich hättet ihr, so die Meinung vieler, heiraten müssen. Aber es hat nicht sollen sein. Es ging kaputt. Du warst sehr enttäuscht. Deinen Urlaub in einem abgelegenen Hotel mit kristallklarem Meer und Sandstrand vor der Türe wolltest du eigentlich absagen, hast dich dann aber durchgerungen, das Doppelzimmer zum Einzelzimmer umzubuchen und bist dann doch geflogen. 12 Stunden Flug und plötzlich waren die Winterschuhe nicht mehr gefragt, sondern Flipflops.

Der Urlaub tat dir gut. Die ersten Tage waren für die einsamen Strände, dann aber hast du dich mit Hotelbewohnern anfreunden können. Der Mensch ist halt doch ein Herdentier. Du hast da eine Frau kennengelernt, abends beim Buffet. Sie machte Urlaub mit ihren Freundinnen, ziemlich laut. Sie aber war nicht so. Eigentlich wolltest du ja nicht, aber es hat dann doch gefunkt. Sie sonderte sich für den Rest ihres Urlaubs von ihren Freundinnen ab und ihr entdecktet das Land. Und euch.

Doch irgendwann endet der schönste Urlaub. Der strahlend blaue Himmel wechselt wieder zur grauen, kalten, nassen Welt und du findest dich wieder an deinem Schreibtisch in einem Großraumbüro und in einem Büroturm einer Bank. Der Alltag hat dich und irgendwie beleben dich die Gedanken an deinen Urlaub nicht so, wie sie sollen. Denn deine Bekanntschaft, die du in kürzester Zeit leben und lieben gelernt hast, wohnt nicht in der deutschen Stadt, in der du wohnst, sondern in London. 700 Kilometer weit weg.

Wie diese Fernbeziehung auf Dauer funktionieren soll, wisst ihr nicht. Aber die Emotionen aus dem Urlaub sind noch da. Ihr mögt euch so sehr und wenn ihr miteinander telefoniert, müsst ihr grinsen und giggeln wie zwei Teenager. Ich verabredet euch auf gleichzeitige Zigarettenpausen. Fünf Minuten Telefonieren oder Messenger, alles ganz, ganz albern, aber so aufregend! Deine Kollegen halten dich schon für bescheuert und ziehen dich ein kleinwenig auf, aber sie akzeptieren dich. Immerhin organisierst du das Tippspiel für die Bundesliga.

Eigentlich hattet ihr euch jeden Tag auf zehn Uhr auf die erste gemeinsame Zigarettenpause verständigt, aber gestern Abend hattest du ihr geschrieben, dass du um zehn Uhr ein Meeting haben würdest und dich erst danach melden wolltest. Kurz vor dem Meeting sortierst du noch deine Papiere, wirfst nochmal einen Blick auf dein Smartphone. Du holst nochmal kurz das Foto von euch auf den Bildschirm, als ich euch noch vor zehn Tagen in irgendeinem Dorf vor dem seltsamen Restaurant geknipst habt. Du musst lächeln, als plötzlich neben dir ein junger Mann steht. Ist es nicht gerade auffallend ruhiger im Büro geworden? Du schaust kurz zu deinem Kollegen dir gegenüber, der mit staunendem Gesicht dich und den Mann neben dir anschaut.

„Sind Sie Herr ABC?“, fragt der Mann in Jacke und Straßenschuhen freundlich.

„Ja, der bin ich“, antwortest du, ebenfalls perplex wie deine Kollegen rund um dich herum.

„Dann habe ich hier eine kleine Aufmerksamkeit für Sie“, sagt er und stellt einen eingewickelten Blumenstrauß nebst Vase auf deinen Schreibtisch und geht. Den Duft von Schnittblumen, den du als Kind so mochtest, liegt in der Luft.

Du wickelst den prächtigen, betörend bunten Blumenstrauß aus, öffnest den beiliegenden, kleinen Briefumschlag: „Bis später!“ Mit Herzchen. Dein Lächeln ist der Anlass für deine Kollegen, leise zu klatschen, mit ihren Fingerknöcheln auf den Tisch zu trommeln.

* Ein emotionaler Werbespot, wie man sich Fleurop am schönsten vorstellt. Aber das ist keine Beschreibung des aktuellen Fleurop-Werbespots, denn der sieht so aus:

Schade, Fleurop.

Alle maulen über das Google Nexus 6. Ich nicht.

Mein Google Nexus 6 war letztes Jahr eine Art Verlegensheitskauf. Ich hatte als Nachfolger des Samsung Galaxy S4, mit dem ich nicht wirklich warm wurde, das LG G3 gekauft, was im Frühjahr 2015 als Auslaufmodell schön günstig wurde. Da ich sehr auf die Android-Alternative CyanogenMod stehe, war deren Lauffähigkeit Grundbedingung. Leider zeigte sich jedoch im Sommer, dass CyanogenMod auf dem G3 einige ärgerliche Fehler hatte, darunter merkwürdige und unmotivierte Reboots. So geht das natürlich nicht auf Dauer. Es gab dann im Sommer letzten Jahres kurzfristig ein Angebot zum Google Nexus 6 und ich griff zu. Nun ist das LG G3, auf dem CyanogenMod inzwischen zuverlässig läuft, sozusagen mein Ersatz-Smartphone, während das Nexus 6 mein täglicher Begleiter ist.

Das Nexus 6 ist mit seinem sechs Zoll großen Bildschirm eine echte Wuchtbrumme und damit ein Phablet, also eine Mischung aus Smartphone und Tablet. Damit hatte ich anfangs so meine Probleme, auch wenn ich jetzt zugeben muss, dass mir die Bildschirmdiagonale sehr gefällt. Man kann einfach richtig viel auf diesem Bildschirm sehen und selbst als Autonavi-Verlegenheitslösung macht es eine gute Figur. Das geht so weit, dass mein eigentliches Tablet, ein 10,1-Zoll Xperia-Tablet, immer häufiger im Regal bleibt, weil ich die meisten Aufgaben schon auf dem Nexus 6 erledigen kann. Und dank seiner Größe passt mit einem 3.220-mAh-Akku auch ein richtiger Klotz an Stromspeicher hinein, der das Teil sehr locker den ganzen Tag über ohne Zwischenladen betreibt.

Google mault, Motorola mault.

Bei der Auswahl der Nexus-Hersteller lässt Google die Zügel nicht (mehr) schlaff herunterhängen. Wer als Hersteller ein Nexus bauen darf, muss sich an die Wünsche von Google halten. Die sind teilweise löblich (zum Beispiel das reine Android ohne zusätzliche Hersteller-Apps), zum Teil aber auch ärgerlich (beispielsweise der konsequent fehlende MicroSD-Kartenslot). Dass Google auf den Nexus-Geräten eine Reihe von Spielereien nicht sehen will, mag ja noch durchgehen, aber teilweise ist Google schlicht ignorant.

So kann die Hardware des Nexus 6 einige Dinge, die das Nexus-Android nicht unterstützen mag. So hat das Nexus 6 eine LED zur Signalisierung, die aber vom Betriebssystem nicht angesprochen wird. Auch kann der Bildschirm hardware-seitig mit einem doppelten Tippser aufgeweckt werden, auch das unterstützt Google nicht. Und schließlich werden ähnliche Schwestermodelle des Nexus 6, die von Motorola direkt angeboten werden, auch mit MicroSD-Kartenslot angeboten, so dass man davon ausgehen kann, dass Google im Nexus 6 explizit darauf verzichten wollte.

Auch Motorola mault: Das Handy sei schlicht zu groß (naja, eben Geschmackssache), es sei zu billig verarbeitet, hat einen runden Rücken, mit dem es nicht plan auf dem Tisch liegen kann.

Stimmt ja alles. Aber: warum fällt Google und Motorola all das erst über einem Jahr nach Markteinführung ein? Und warum gefällt mir das Google Nexus 6 dennoch?

Der Quatsch namens Counter Speeching.

Vor einigen Tagen hatte ich mir mal den Spaß erlaubt, mich im Counter Speeching in Facebook zu üben. Also dem, was Facebook als ehrenhafte Antwort auf Hate Speeching, also der Hassrede, sieht. Ohne dabei natürlich so laut zu erwähnen, dass die Bekämpfung von Hassrede oft genug eine strafrechtliche Relevanz hat und eigentlich Facebook seinen Laden selbst sauber halten müsste, wenn sie von strafrechtlich relevanten Inhalten auf ihrer Plattform erfahren. Aber dazu gleich mehr.

Counter Speeching ist Drecksarbeit.

Drecksarbeit, nicht mehr und nicht weniger. Denn natürlich hat man es beim Counter Speeching, also bei der kontrollierten Gegenrede, in Social Networks in der Regel mit Leuten zu tun, die die Grundregeln der Netiquette bewusst missachten: Gestatte Anderen eine Meinung, rede sie nicht tot, denke vor dem Schreiben immer daran, dass am anderen Ende ein Mensch sitzt. Bei der überwiegenden Zahl von ständig in Hasssprache schreibenden Menschen handelt es sich um arme Würstchen, die mit Erstaunen erkannt haben, dass sie mit Fäkalsprache eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen können und sei es nur Entsetzen.

Daraus folgt, dass eine Gegenrede gegen so eine Hassrede nicht viel mehr ist als eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, denn beide befeuern sich gegenseitig, wenn auf Seiten des Hassredners der Wille auf Verständnis von vorneherein fehlt. Es geht nicht mehr um die Diskussion oder Erkenntnisse daraus, sondern es geht nur noch um die Krawalle. Das Ziel, andere zu beleidigen, mundtot zu machen und sich als den wahren Proleten darzustellen („Wir sind das Pack!“ usw.).

Demzufolge muss man Counter Speeching vor allem mit einem gewissen Abstand und Selbstschutz durchführen, um sich nicht von den blödesten Argumenten sofort ins Boxhorn jagen und provozieren zu lassen. Meine jahrelang Usenet-Flaming-Erfahrung kam mir hier zu Hilfe – Counter Speeching kann sogar Spaß machen, wenn man geflissentlich dabei außer acht lässt, mit Counter Speeching etwas erreichen zu wollen. Counter Speeching funktioniert nämlich nicht. Wirklich gar nicht.

Die meisten Hassredner sind ausgesprochen dumm.

Gefühlte 90 % aller Hassredner kennen ihre gefühlten 5 bis 10 griffigen Argumente gegen Ausländer und Flüchtlinge und damit hat es sich dann auch. Schon so Sachen wie der Umstand, dass Hartz IV bzw. ALG-2 nicht aus Sozialkassen kommt, sondern steuerfinanziert ist, ist für die meisten Hassredner etwas, was sie nicht wissen. Das angebliche Argument, dass für Flüchtlinge die Unterstützung für Behinderte und alte Menschen (die zwei Lieblingsgruppen aller Hassredner) landauf-landab leiden würde, ist daher auch das Lieblingsargument, weil eben einfach und griffig.

Ironischerweise ist also Counter Speeching relativ einfach, weil die allermeisten Hassredner immer mit den gleichen, stereotypischen Argumenten dahergewackelt kommen, aber erreichen tun echte Gegenargumente diese dummen Menschen nicht.

Denn – und damit kommen wir zum Hamsterrad: Für einen ordentlichen Hassredner ist die Gegenrede selbstverständlich immer ein Teil der Verschwörung. „Was nicht wahr ist, ist falsch“ wird umgemünzt in „Was ich nicht verstehen will/kann, das ist falsch.“ Ist ja keiner da, der falsche und laute Meinungen sanktioniert, also darf man alles.

Selbst Hassredner sind vorsichtig bei persönlichen Angriffen.

Selbst die übelsten Hassredner – dazu gehören vor allem die Leute, deren radikale Meinung halbwegs gefestigt erscheint – sind vorsichtig, wenn die Gegenredner mit Höflichkeit daherkommen und nicht sofort in das gleiche Beschimpfungslevel absteigen, wie der Hassredner selbst. Erstaunlicherweise habe ich selbst mit meinem Realnamen und übler Thematik kaum einen Hassredner erlebt, der wirklich justiziable Beleidigungen gegen mich losgelassen hätte. Am ehesten kommen die ersten Angriffe in der Form, man sei ja minderbemittelt, wenn man nicht verstehen würde, was der Hassredner sagt (was in der Tat bei vielen Hassrednern schwer ist, weil sie sich nicht sinnvoll ausdrücken können/wollen) und geht dann irgendwann über in eine Trotzhaltung, wenn man die billigsten und falschesten Argumente des Hassredners auseinandernimmt. Da geht den meisten Hassrednern sehr schnell das Zäpfchen, denn mit dem Wissen ist das so eine Sache.

Beliebt sind am ehesten solche Angriffsversuche wie „Ich wüsste ja schon, was man da machen würde“ mit dem ungesagten Versuch, den Gegenüber dazu zu bringen, zu fragen, was denn genau. Selbst als ich das dann auch so stellte, kam in der Regel nichts weiter schärferes, wohl aus der doch nicht ganz vergessenen Angst, man könnte da vielleicht doch bei jemandem aufsitzen, der weiß, wie man mit Beleidigungen im öffentlichen Raum umgeht.

Facebook reagiert auf gar nichts.

Ich denke, man kann diese Überschrift so stehenlassen, wenn ich die Zahl von Reaktionen des Supports auf meine Meldungen schaue: Exakt Null. Bei vielen anderen auch. Es gehört eher zu den Ausnahmen, dass jemand von Facebook sanktioniert wird und das sind dann für gewöhnlich auch nur Leute, die wirklich extrem heftig auf Facebook unterwegs sind und sich mehr als offensichtlich in ihren Profilen dafür als „Märtyrer“ feiern lassen.

Ich bin da sehr emotions- und illusionslos: Facebook wird von sich aus so lange nichts gegen Gegenrede tun, so lange man ihnen nicht droht, sie millionenschwer zu bestrafen, sie aus Märkten auszuschließen oder der US-Präsident bedroht wird.

Ein Guide für Counter Speeching?

Eine Weile schon bin ich am überlegen, einen Guide für das Counter Speeching im Web zu schreiben, denn das würde thematisch gleich in mehrere netplanet-Rubriken passen und für so einen Guide gibt es auch sichtbaren Bedarf. Counter Speeching ist geprägt von einigen Grundregeln, mit denen man in den meisten Diskussionen die Fäden in der Hand halten kann und die Diskussionsführung kontrolliert, so wie es z.B. auch bei Reaktionen von Unternehmen auf so genannte „Shitstorms“ geht. (Die Regeln für die Reaktion auf Shitstorms jedoch keinesfalls mit denen zum Counter Speeching zu vergleichen sind.)

Aber letztlich komme ich bei allen Überlegungen immer auf ein Argument, das mich davon abhält: Warum soll ich ausgerechnet für so Leute wie die Facebook-Verantwortlichen indirekt zuarbeiten und eben nur genau für diese Leute? Das Festhalten an Counter Speeching als Reaktion auf Hassreden ist für Facebook ein knallhartes, finanzielles Argument, da mehr Kontrolle in einem Social Network Geld kostet – sehr viel Geld. Die Facebook-Leute werden also niemals freiwillig mehr Kontrolle in Inhalte stecken. Sie packen diese Haltung unter das hohe Gut der Meinungsfreiheit, aber unterm Strich sind das rein finanzielle Entscheidungen. Bei allen Gegenreden dieser Welt muss es immer noch die Möglichkeit geben, Hassredner zu sanktionieren, aber genau das funktioniert von Hause aus nicht.

Alles nicht meine Haltung und auch nicht mein Laden. Facebook wird sich um seine Benutzungsrichtlinien selbst kümmern müssen und irgendwann mit ihrer derzeitigen Haltung gegen die Wand fahren. Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, Bedienungsanleitungen für kommerzielle Dienste zu liefern, die sich damit vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung drücken.

Was sagst du?

Jetzt habe ich vieles geschrieben – was sagst du? Ich bin sehr an deiner Haltung und deinen Kommentar interessiert. Damit meine ich vor allem die vielen Leser, die dieses Blog in ihren Feed-Readern abonniert haben und üblicherweise nirgendwo kommentieren. Ich hätte gern Feedback zu diesem Thema, die Kommentarfunktion für diesen Blogartikel ist offen und man muss sich auch nicht kompliziert registrieren.

2015.

2015 zu resümieren, fällt gar nicht so schwer.

Geschäftliches 2015.

Aus geschäftlicher Sicht ist 2015 ein erfolgreiches Jahr gewesen. Ich habe meine Umsatzziele um 20 % übertroffen und dank geringerer Kosten am Ende einen Gewinnsprung von knapp 22 % hinterlassen. Damit bin ich nach fünf Jahren Selbstständigkeit jetzt am Niveau des Gehaltes meiner letzten Anstellungsgehaltes. 😉

In den geschäftlichen Kosten sind jedoch zwei Entscheidungen, die notwendig und gut waren. Zum einen habe ich mir einen Dienstwagen gegönnt und mit einem geleasten Opel ADAM S ein auf den ersten Blick irritierend unstandesgemäßes Auto. Die darin verpackten 150 PS, die immer wieder kaufbaren Sportsitze und vor allem der granatenniedrige Verbrauch und die sehr angenehmen Unterhaltkosten waren gute Entscheidungskriterien. Immerhin habe ich für den Opel ADAM nun so viel Werbung getrieben, da war es dann einfach nötig, auch mal ein solches Auto zu fahren.

Zweite, große Entscheidung war eine Bürogemeinschaft zu bilden mit einigen weiteren Nerds, allen voran mit Robert Davcik. Eigentlich war es ein gemeinsames Web-Projekt, was uns dazu brachte, dass ich einige Wochen in seinem Großraumbüro hauste, aber recht schnell kamen wir zum Ergebnis, dass es einfach nur sinnvoll ist. Wir Computer- und Internetleute sind halt auch Menschen, die Geselligkeit brauchen – alleine arbeitet es sich ausgesprochen unkreativ und unwitzig.

Privates 2015.

Nothing. Weiterhin solo und eigentlich auch gar nicht so unglücklich darüber gewesen, denn es hat einiges an Zeit für Gedanken und Ideen freigegeben, die ich 2016 umsetzen möchte. Siehe weiter unten.

Immerhin gab es 2015 auch keine Ausfälle im Freundeskreis zu beklagen. Also endlich wieder ein Jahr ohne primäre Friedhofsbesuche.

Gesundheitlich 2015.

Da gibt es auch nichts zu maulen. Der Zellhaufen funktioniert altersgemäß, das gilt auch für mein ICD-gesichertes Herz. Am Ende des Jahres hatte ich dann nochmal kurzfristigen „Spaß“ mit einer wieder aufgeflammten Lyme-Borreliose, die jedoch mit einer größeren Ladung Antiobiotika schnell bekämpft wurde. Ob das nun ein dauerhafter Frieden ist, bleibt abzuwarten, aber es gibt wirklich schlimmeres.

Durchschnittlicher Stress-Level 2015: 15 %. Auf mehr habe ich grundsätzlich keinen Bock mehr und es kommt bei höheren Stress-Level auch einfach nichts mehr gutes am Ende heraus.

Anschaffungen 2015.

Das Auto, das mir aber gar nicht so richtig gehört, da Leasing. Ein Smartphone in Form eines Google Nexus 6. Klobig, nicht sonderlich hübsch, aber eine echte Powermaschine. Und ein Sony Xperia Z2-Tablet. Beides zu Sparpreisen dank Modellauslauf. Man rennt irgendwann auch nicht mehr jedem Trend hinterher. Ansonsten läuft alles erstaunlich zuverlässig. Und eine PS4 habe ich mir immer noch nicht gekauft, aber das wird 2016 unvermeidlich.

2016?

Ganz klar: Geschäftlich muss es noch weiter hinaufgehen, ich lege mir nochmal ein 20 %iges Gewinnplus auf. Das scheint mir schon deshalb realistisch, weil ich für 2016 zwei eigene Projekte plane, an denen ich gedanklich schon seit einigen Jahren herumdoktere und seit November nun verschärft bastle. Unvermeidliches. Was irgendwann von mir kommen musste. Worauf ich mein halbes Geschäfts- und Arbeitsleben vermutlich hingearbeitet habe, ohne es zu wissen. Reicht das für den Cliffhanger? 😉

Die ersten Ergebnisse dürften im 1. Quartal 2016 das Licht der Welt erblicken, das Testbaby läuft schon recht geschmeidig auf meinem internen und höchst geheimen Testserver.

Der „große Rest“ für 2016 ergibt sich üblicherweise von allein. Vorsätze gibt es wie immer keine, denn wer Vorsätze macht, muss am Ende nachsitzen (oder so). Auch beim ewigen Wunsch, endlich mehr und regelmäßiger zu bloggen, bleibe ich vorsichtig. Die lauteste Zeit in der Blogosphäre habe ich wohl hinter mir. Dafür werde ich meinen mitunter auch recht bissigen Humor auf Twitter & Facebook so schnell nicht verlernen.

Ansonsten bleibt wie immer zu sagen: Herzlichen Dank für die leserische und oft auch schreiberische Begleitung auch in diesem Jahr, in diesem Blog und auf allen wichtigen Kommunikationskanälen. Ich habe euch alle lieb!

Im Stream: The Man in the High Castle.

Gerade in Sachen Science-Fiction gibt es Autoren und deren Bücher, die einen prägen. In meiner Jugend waren das vor allem Bücher und Geschichten von Isaac Asimov (Roboter, Foundation-Trilogie, Raumschiffe und so, alles relativ clean und etwas flach), Arthur Clark (Odysse-Tetralogie, ziemlich weitreichend und abgespact) und Philip K. Dick (völlig zugedröhntes Zeug). Dass man bei vielen Geschichten von Dick das Gefühl hatte, Dinge von einem schwer auf dem Trip befindlichen Autoren zu lesen, ist nicht so daneben, denn Dick schrieb einige seiner besten Geschichten unter schweren Drogeneinflüssen.

Geschichten von Philip K. Dick galten bis vor wenigen Jahren als schlicht unverfilmbar. Sie gelten als extrem komplex, alle Handlungsstränge sind kompliziert miteinander verwoben und lassen es nur schwerlich zu, für ein Drehbuch auseinanderdividiert zu werden. Schon der Film Minority Report, wie ich finde ein Meisterwerk der modernen Science-Fiction, war als Kinofilm schwere Kost. Ein weiterer Film ist der 1997 veröffentlichte Film A Scanner Darkly, der leider nicht ansatzweise erfolgreich war, dafür jedoch ein weiteres Dick-Meisterwerk wurde.

Ein weiteres, ziemlich verstörendes Buch von Philip K. Dick ist der Roman The Man in the High Castle, in der es, kurz gefasst, darum geht, dass in einem Amerika der 1960er Jahre nichts so ist, wie wir es aus den Geschichtsbüchern kennen, da das Hitler-Deutschland den Zweiten Weltkrieg nicht verloren, sondern gewonnen hatte. Der Osten Nordamerikas ist daher eine Kolonie des Deutschen Reiches, der Westen eine Kolonie der japanischen Mächte. Dazwischen ein enger Korridor längst der Rocky Mountains als „Neutrale Zone“. Inmitten dieses Geflechts, das sich dampfend um die Frage bewegt, was wohl passieren wird, wenn der alternde Führer Adolf Hitler stirbt, taucht ein ominöses Buch auf, das eine gänzlich andere Gegenwart darstellt, nämlich die Geschichte so, wie wir sie kennen.

Als Buch ist Das Orakel vom Berge, wie die Geschichte in der deutschen Übersetzung heißt, ebenfalls dick-typisch schwere Kost. Als Anfang des Jahres dann eine Pilotfolge bei Amazon Prime Video als amazon-eigene Produktion auftauchte, bebte ein kleinwenig die Science-Fiction-Erde. In der Zwischenzeit ist aus der Pilotfolge eine erste Staffel mit zehn Folgen entstanden, die seit einigen Wochen eben bei Amazon Prime Video angeschaut werden kann, seit einigen Tagen auch in der recht guten deutschen Synchronfassung.

Das ursprüngliche Buch von Philip K. Dick ist weitgehend in dieser ersten Staffel verarbeitet. Und während man in anderen Serien aus Buchvorlagen vor allem mit sehr viel aufgeblasenem Stoff zu kämpfen hat, glänzt The Man in the High Castle von der ersten bis zur letzten Folge mit vielen zusätzlichen Handlungssträngen und vor allem unglaublich gut geschriebenen Rollen, die von phantastischen Schauspielern inszeniert werden. Zehn packende Stunden Serienstoff, der der Buchvorlage in nichts nachsteht und den Horror einer solchen dystopischen Zeit mehr als dramatisch überträgt.

Anschauen, staunen, gruseln! Und dabei ruhig in Kauf nehmen, dass man während des Anschauens gelegentlich zurückspringen muss, um Handlungsstränge richtig einordnen zu können.

Wegschauen bei Hate-Speech in Social Networks.

Wenn ich in meine Timelines der Social Networks, die ich benutze, hineinschaue, sehe ich kein so genanntes Hate Speech. Das hat einen triftigen Grund – ich entfolge alles aus den Freundeskreisen in Social Networks, was sich in diese Richtung hin äußert, inzwischen auch weitgehend kommentarlos. Ist das nun fair? Darf man einfach wegschauen, wenn sich Leute in der Öffentlichkeit rassistisch äußern? Eine berechtigte Frage, über die ich auch eine Weile nachdenken musste. Ungefähr 30 Sekunden.

A social network is not the reality.

Kommunikation in Social Networks haben eine ganz eigene Physik, die bei ungeübten Onlinern in hitzigen Diskussionen vor allem davon geprägt ist, dass verbale Grenzen überschritten werden. Und das in der Regel in größeren Dimensionen. Es wird gehasst, gedisst, beleidigt, verleumdet und aggressiviert, was das Zeug hält. Das hat einen meist sehr einfachen Grund: Man sieht die Grenzen nicht. Es ist deutlich einfacher, in ein Texteingabefeld eine Beleidigung hineinzutippen, als jemandem direkt ins Gesicht. Und es ist noch einfacher, eine Hasstirade zu befürworten, denn das kostet kein eigenes Wort und im Ernstfall kann man sein „Like“ ja einfach wieder zurücknehmen.

Das soll keine Generalentschuldigung für Leute sein, die sich in Social Networks schlicht nicht im Griff haben, aber gerade für die Nutzung von Social Networks gilt einer der wichtigsten Grundsätze der Netiquette ganz besonders: Lese liberal, schreibe konservativ. Und das ist nicht politisch gemeint, sondern in Sachen Entzündlichkeit des Geschriebenen.

Man tut also gut daran, sich mit einem relativ dick gefütterten Pelz größere Diskussionen in Social Networks anzutun und sich vorab gut zu überlegen, mit welchen Leuten man diese führt. Mit sehr engen Freunden führt man durchaus andere und mitunter auch deutlich intensivere Gespräche als mit Leuten, die man nur flüchtig kennt.

Singen, zuhören oder abschalten?

Gerade weil viele Menschen vor dem Computerbildschirm ihre Grenzen nicht kennen oder sich bewusst nicht an Grenzen halten, hat das offensive Diskutieren in Online-Foren ein regelmäßig großes Potential, sehr schnell zu explodieren. Daran kann man Spaß haben oder man kann daran auch leiden. Das Problem bei letzterem ist, dass es vor allem immer das eigene Magengeschwür ist, an dem man auf diese Weise arbeitet. Da sollte man sich immer fragen, ob einem das so viel wert ist.

Es ist daher in solchen Diskussionslagen wie bei der Frage, ob man ein Rockkonzert besuchen möchte. Kann man mit der Band etwas anfangen, geht man vielleicht hin und hört es sich an. Kann man nichts damit anfangen, geht man am ehesten nicht hin. Vielleicht verpasst man dabei einen außergewöhnlichen Gig, aber erspart sich auf jeden Fall Musik, mit der man eigentlich nichts anfangen kann.

Mit dieser Haltung lebt es sich in Social Networks am stressärmsten und daher hat Hate-Speech gegen Minderheiten, Flüchtlinge und Ausländer nicht sehr lange Zeit, in meiner Timeline herumzugeistern. Entweder werden Nachrichten von solchen Absendern abbestellt oder eben der Freundeskreis verkleinert.

Ja, aber müsste man nicht aufbegehren gegenüber Idioten?

Kurzum: Ja, muss man. Wenn ein Ewiggestriger im Bus einen Ausländer anmacht, dann ist Zivilcourage gefragt, die in den meisten Fällen auch zur erfolgreichen Ausgrenzung des Aggressors führt. Aufbegehren gegen Aggressoren sollte im edelsten Fall dazu führen, dem Aggressor vor Augen zu halten, dass sein Verhalten inakzeptabel ist. Im Idealfall führt dieses Aufbegehren zu einer Einsicht.

In einer Timeline sieht das schon etwas anders aus, denn die ist nur eine scheinbare Öffentlichkeit. Sie enthält nämlich nur die Freunde, die man selbst lesen und die einem selbst noch nicht mal unbedingt folgen müssen. Das könnte zum Beispiel zu so eine Szenario führen, dass man als einziger Normalmensch einem Radikalen folgt, dem sonst nur Radikale folgen. Der beschickt mit seinem Geschreibsel vornehmlich seinen eigenen Freundeskreis mit Parolen und jede Gegenwehr gegen so einen Sturm ist pulverisierte Liebesmüh‘, die oft genug noch dazu führt, sich mit doppeltem und dreifachen Echo der Freundesfreunde herumärgern zu müssen.

Will man aufbegehren, dann sollte man das auch bei Freundschaften in Social Networks immer noch persönlich tun – wenn einem das, wie schon geschrieben, wirklich wert ist.

Im Kino: James Bond – SPECTRE.

Um Punkt 23 Uhr am heutigen Mittwoch hatte ich mich auf einiges gefasst gemacht. Denn ich war zur heutigen Vorpremiere des neuesten James-Bond-Filmes „SPECTRE“ mit meinem Vater aufmarschiert und dem ist in Sachen James Bond nicht so sonderlich viel vorzumachen. Weil er eben kein eingefleischter Fan von James Bond ist und die letzten Bond-Movies niederschmetternd fand.

Kurz eingeleitet: SPECTRE ist sicherlich nicht der schlechteste Bond-Streifen aller Zeiten, er gehört aber leider zu den belangloseren. Und das, obwohl die Vorgeschichte zu SPECTRE mehr als Hunger machten. Sam Mendes in der Regie (okay, naja..), wieder Daniel Craig, Christoph Waltz als Bösewicht, Blofeld in einer Wiedergeburt, die alte MI6-Struktur – kann man bei so viel Bewährtem viel falsch machen?

Ja, man kann. Während der Einstieg in Mexico City gar nicht so übel geriet und das Intro wieder einmal einen echten Höhepunkt setzt, begann der Film recht kurzweilig. Bei Q ein Auto „mitgehen“ lassen, gleich ein paar Minuten später wieder versenken, schnell nach Österreich, irgendwann nach Tanger und in die marokkanische Wüste. Die Zugfahrt war hier noch das romantischste des ganzen Filmes, das Elend begann dann in der Wüste.

Denn unumwunden muss man leider sagen: Die bisher schwächste Rolle, die Christoph Waltz in einem größeren Film spielt, ist seine Blofeld-Rolle in SPECTRE. Nichts ansatzweise wahnsinniges war zu finden, in sockenlosen Slippern stand er so herum und tat – einfach herumstehen. Nichts schießt er nebenbei in der Luft, niemand wird erwürgt, es gibt keine großen Einführungen in neue Gesellschaftsstrukturen, Medienimperien, Raumstationen. Nein, er quält etwas Bond herum, streichelt die grotesk krampfhaft ins Bild gesetzte Blofeld-Katze und dann fliegt seine Sternenwarte (Raffinerie? Solaranlage? Papierfabrik?) auch schon in die Luft mit einem Uhrentrick, den man auch so ähnlich schon mal bei Roger Moore gesehen hat.

Beim Umschwenken nach London wurde mir dann schlagartig klar, dass hier etwas ganz gehörig schiefläuft in diesem Bond. Es fehlt die fulminante Story für mindestens zwei gute und sicherlich sehr teure Schauspieler und dementsprechend langatmig geraten die Szenerien, die nebenbei auch noch gräßlich darunter leiden, dass sie steril, durchgehend hektisch und ohne großes Publikum gedreht wurden. Im Gegenzug gingen genau die Stimmungsbilder verloren, die es in früheren Bonds immer gegeben hat, wenn zu neuen Orten gewechselt wurde. Wer wird die stimmigen Bilder von Piz Gloria je vergessen, selbst wenn George Lazenby (etwas zu Unrecht) als historische James-Bond-Fehlbesetzung gilt?

Das letzte Viertel passierte dann wieder komplett in London. Wohl aus organisatorischen Gründen auch wieder nachts und im alten MI6-Gebäude, das naheliegenderweise gesprengt werden sollte. Das wurde es dann auch und mit ihm der etwas hanebüchene Plot, dass ausgerechnet der MI6 durch eine neue Superbehörde ersetzt werden sollte, die nicht weniger als – Achtung! – die Demokratie retten wollte. Im modernen Großbritannien! Irgendwie steckte hinter dieser Behörde auch Blofeld, aber zugegebenermaßen war ich zu diesem Zeitpunkt schon damit beschäftigt, wie ich auf die unmittelbar nach dem Film zu erwartende Herabschätzung meines Vaters für die zweieinhalb vergeudeten Stunden reagieren könnte.

Das erstaunliche: Meinem Vater gefällt SPECTRE, zumindest deutlich mehr, als Skyfall. Skyfall fand ich wiederum gar nicht so übel, was aber auch alles daran liegen kann, dass ich den wirklich ultraüblen Bond „A Quantum Solace“ davor gesehen hatte und er nicht. Man wird sich wohl leider damit abfinden müssen, dass Daniel Craig in seiner Karriere als James Bond ein wirklich herausragender Bond-Streifen verwehrt zu bleiben scheint.

Popcorn-Kino ist SPECTRE allemal und auch vorm Fernseher wird der Film als Samstagabendunterhaltung eine gute Figur machen. Aber in der aktueller IMDB-Bewertung zeigen die bis jetzt recht mageren 7,5 von 10 möglichen Sterne (von mir gab es 7 Sterne) schon recht deutlich, dass SPECTRE allenfalls Mittelfeld ist.