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Das Domain-Name-Chaos.

21. Juli 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Wie es sich fühlt, als Eltern von den eigenen Kindern aufgefressen zu werden, kann ich aktuell in etwa nachvollziehen. Zur Zeit schreibe ich nämlich den netplanet-Artikel zu Top-Level-Domains um, und zwar fundamental. Denn die Zeiten, wo man mal eben so alle existierenden Top-Level-Domains auf eine Seite schreiben konnte, ist vorbei. Das an sich einst sehr strenge und dann aufgelockerte System der Top-Level-Domains ist einem wahren und nahezu chaotischen Wildwuchs gewichen. Glaubt man nicht?

Wer kennt die Domain-Endung “.club”? Oder “.archi”? Oder wer kommt darauf, dass die ebenfalls existierende Domain-Endung “.airforce” gar nicht einer Militärbehörde gehört? Was macht man mit einer Domain-Endung “.blackfriday”? Oder “.xyz”? Für Zahnbelange soll wohl “.dental” gelten, aber warum gibt es auch noch “.dentist”? Welcher Logik folgen Top-Level-Domains für Unternehmen wie z.B. “.neustar” oder “.bmw”?

Und das sind nur einige Beispiele in einer inzwischen völlig außer Kontrolle geratenen Liste von Top-Level-Domains. Das Domain Name System ist der Idee einer halbwegs strengen Ordnung gewichen einem System des reinen Kommerzes. Wer die Kohle hat, kauft sich keine Domain mehr, sondern gleich eine Top-Level-Domain. Die Hürden von rund 100.000 US-Dollar zur Stellung eines Antrages, die bei einer Ablehnung auch nicht zurückerstattet werden können, sind für viele Unternehmen schlicht ein Klacks, der sich auch noch problemlos abschreiben lässt.

Rein an Systematik und Ordnung gewonnen ist mit diesem entstandenen Wildwuchs nichts. Internet-Provider haben ihre liebe Mühe, in diesem System halbwegs kostendeckend Registrierungen in exotischen Top-Level-Domains durchführen zu können und Inhaber von Markenrechten schaffen den Überblick kaum noch ohne entsprechende Dienstleister. Verdienen tun die großen Registrare, die lange Jahre mit exzessiver Lobbyarbeit bei einschlägigen Gremien und Regierungen dafür gesorgt haben, das Domain Name System zu einem modernen Klondike River umzudefinieren. Das Ergebnis ist – ich wiederhole mich – totales Chaos. Adressen sind plötzlich Adressen und nur noch wenige können erkennen, ob eine Adresse wirklich eine Adresse ist. Wer käme auf die Idee, dass abc.xyz nun tatsächlich einen gültigen Host-Namen darstellen könnte? Und was wird eigentlich passieren, wenn der Betreiber einer Top-Level-Domain die finanzielle Grätsche macht und möglicherweise hunderte Domain-Namen verlorengehen?

Nichts ist mehr so, wie es war. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, aber ich bezweifle es, dass der radikale Wechsel von einem Verzeichnissystem hin zu einer Ansammlung von mehr oder weniger ernstzunehmenden Litfaßsäulen tatsächlich der richtige Weg ist. Andererseits lohnt die Diskussion darüber auch nicht sonderlich, denn umkehrbar ist dieser Wandel nicht mehr. Das Domain Name System ist technisch zwar immer noch funktionsfähig, aber eigentlich ist es kaputt.

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Zwei Jahre ICD.

19. Juli 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedizinWelt

Das zweijährige Jubiläum meiner ICD-Implantation habe ich großzügig vergessen. Das liegt vor allem daran, dass tatsächlich das eingetreten ist, was bei einer Implantation als Sekundärprävention (also quasi nicht superdringend, weil lebenserhaltend, sondern prophylaktisch weil eine Neigung zu Herzrhythmusstörungen) der Normalzustand wird: Man vergisst, dass man einen implantierten Defibrillator in der Schulter trägt. Es gibt immer mehr Tage, an denen mir der ICD nicht in den Sinn kommt, zudem spüre ich im Normalzustand absolut nichts und kämpfe an besonders wetterträchtigen Tagen lediglich mit einer juckenden Narbe.

Auch in Sachen Therapie, also einer erfolgten Abgabe von Impulsen oder Schocks, passierte in den letzten zwei Jahren nichts. Alle sechs Monate gibt es einen Besuch beim Kardiologen und bei der ICD-Kontrolle, die Herz und ICD prüfen, bei letzterem wird dann auch geschaut, ob es in den jeweils sechs Monaten eventuelle Therapien gab und wie der Geräte- und Elektrodenzustand ist. Ansonsten gebe ich alle vier Monate bei meinem Hausarzt ein paar Röhrchen Blut für ein großes Blutbild ab und das war es dann auch. In Sachen Medikamentation gibt es nur noch drei Tabletten am Tag: Einen Betablocker zur Prävention von Rhythmusstörungen, einen leichten Blutdrucksenker und eine niedrige Dosis ASS zur leichten Blutverdünnung. Nebenwirkungen: keine, außer dass ich mich gelegentlich etwas “ausgebremst” fühle, wenn ich schlagartig den Kreislauf in Schwung bringen soll.

Einschränkungen im Alltag: Für mich keine. Eine Karriere als Berufskraft- oder Busfahrer, Lokführer, Pilot etc. kann ich mich auch weiterhin abschminken, ebenso als Berufstaucher, Boxer oder Seiltänzer. Ich werde diese Einschränkungen aushalten, denn bei allen “restlichen” Berufen und Hobbies gibt es keine, wenn man berücksichtigt, dass ich bei besonders gefährlichen Aktivitäten eine zusätzliche Absicherung in Betracht ziehen sollte, aber das ist beim Tanz über ein Gerüst oder beim Bergsteigen generell keine schlechte Sache.

So richtig viel zu jammern gibt es demnach nicht. Wäre fein, wenn es so bliebe.

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Private Filesharing mit Pydio.

18. Juli 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SoftwareWelt

Im Rahmen meiner Arbeit muss ich öfters Druckdaten und sonstige Dateien bereitstellen. Daten, die teilweise weit in den zweistelligen Megabyte-Bereich gehen und die einfach nicht gut und vor allem nicht sehr effizient per E-Mail zu versenden sind. Lange Zeit habe ich mich da beholfen mit meinem Webspace, auf dem ich in einem eigenen Verzeichnis dann per FTP Dateien hochgeladen und einen normalen URL an die Zieladresse geschickt habe. Das funktioniert zwar, ist aber in Sachen Workflow mehr als ätzend… Datei hochladen, URL herausschreiben, in eine E-Mail kopieren, später Datei wieder vom Webspace löschen. Zu viele Schritte, die eigentlich der Kollege Computer besser machen könnte.

Dropbox oder eine andere Cloud wäre eine halbwegs praktikable Lösung. Mit öffentlichen Clouds habe ich es aber nicht so, nennen wir als Grund Paranoia. Vom Prinzip her sind aber Dropbox & Co. auch keine so rechte Lösung, weil ich hier dennoch genügend Schritte machen müsste, nämlich URL herauslesen und die betreffende Datei später auch wieder löschen.

Lösung: Private Filesharing mit einer eigenen Cloud-Lösung. Dazu gibt es Löhnware (sogar richtig deftig teure), aber auch Open Source. Auf eine solche Lösung hat mich mein alter Buddy Berlin-Timo gebracht, eine Software namens Pydio. Pydio kommt als rund 8 Megabyte leichtes Software-Paket daher, dessen Inhalt schlicht und einfach auf einen eigenen Webspace zu übertragen ist. Danach einen Domainnamen auf dieses Verzeichnis routen, die Adresse aufrufen und konfigurieren. Die Konfiguration ist dabei herzlich einfach, denn Pydio kommt ohne externe Datenbankanbindung aus und speichert seine Inhalte standardmäßig in dateibasierte SQLite-Datenbanken. In der initialen Installation legt man dann noch einen Benutzer an und schon ist die eigene Cloud auf dem eigenen Webspace voll funktional. Wer sich jetzt noch ein SSL-Zertifikat für den eingerichteten Domainnamen gönnt, kann seinen Kunden maximale Übertragungssicherheit bieten.

Schick wird es mit Details rund um Pydio. Es gibt nämlich eigene Apps für iOS und Android, die ebenfalls direkten Zugriff in die eigene Cloud ermöglichen (spätestens hier wird eine SSL-Verschlüsselung wirklich obligatorisch). Und auch für Thunderbird gibt es ein Add-On namens AjaXplorer for Filelink, mit dem sich eine Upload-Möglichkeit direkt in das Schreiben einer E-Mail integrieren lässt, so dass im Maileditor hinzugefügte Dateien in Wirklichkeit nicht an die Mail angehängt werden, sondern nach dem Absenden auf die eigene Cloud übertragen werden und lediglich ein Link zum Download in die E-Mail kommt.

Der angenehme Nebeneffekt von Pydio ist, dass man einige obligatorische Dinge nun einfach vergessen kann. Mein Dateiordner ist so eingestellt, dass er alle hochgeladenen Dateien, die älter als 60 Tage sind, automatisch löscht. Ich habe meine eigene Cloud, ich habe meine eigene Verschlüsselung und ich kann mit meiner eigenen Cloud meine Datenschutzrichtlinien einhalten.

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Smartphone-Apps als Schriftenlieferanten.

16. Juli 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MobileWelt

Disclaimer: Mein Anwalt hat geprüft und in folgendem Text keine potentiellen Rechtsverstöße festgestellt. Die folgenden Schritte zeigen keine Vorgänge, die durch Deassemblieren von kompilierten Dateien entstehen, ebenso wird kein Kopierschutz geknackt, sondern lediglich eine Datei in einem De-Zip-Programm geöffnet.

Der meines Erachtens nach notwendige, auch wenn völlig bescheuerte Disclaimer erklärt eigentlich schon alles – Gängige Smartphone-Apps (egal ob Android oder iOS) enthalten neben Programminhalten, Grafiken und multimedialen Inhalten meist auch Schriftdateien, in der Regel im TTF- oder OTF-Format. Zwar haben App-Dateien eine eigene Dateiendung (unter Android “.apk” und unter iOS “.ipa”), allerdings sind diese Dateien nichts anderes als handelsübliche Zip-Dateien, also im Zip-Format komprimiert. Benennt man App-Dateien in ihrer Dateiendung auf “.zip” um oder öffnet sie in einem besseren Komprimierungsprogramm wie 7-Zip, dann zeigt sich auf einen Schlag das gesamte Gut. Im Falle der SPIEGEL-Reader-App für iOS zum Beispiel mit folgendem Inhalt:

Font-Dateien in Apps

Das ist nicht weniger als die gesamten SPIEGEL-Schriftfamilien, die zum Beispiel bei MyFonts.com mehr als 220 Euro kosten. Schiebt man diese Dateien aus der gezippten App-Datei direkt in den eigenen Schriftenordner … aber das darf ich nicht weiter beschreiben, denn natürlich ist so eine Nutzung der in der App gelieferten Schriften nicht gestattet (andererseits müsste das ein Lizenzvertrag auch explizit untersagen). Das Spiel kann man so weiterführen, denn viele Apps nutzen nicht die an sich reichhaltige Auswahl an im Mobilbetriebssystem integrierten Schriften, sondern bringen ihre eigene Hausschrift in voller Pracht mit.

iOS macht es da sogar deutlich leichter als Android, denn wer sein iPhone/iPad mit iTunes sichert, hat ein komplettes Backup aller installierten Apps auf der Festplatte. Man schaue (unter Windows) in den Benutzerordner, dort unter

"Eigene Musik\iTunes\iTunes Media\Mobile Applications"

Unter Android ist es nicht ganz so einfach, denn dort lassen sich installierte Apps nur auf dem Smartphone/Tablet selbst heraussuchen und das auch nur bei einem gerooteten Gerät. Dort befinden sich die Apps in

"/data/app"

Da Android Apps auch direkt von hier aus startet, sollten Apps hier nicht direkt geöffnet werden, sondern an eine Stelle im Smartphone kopiert, wo man dann mit einem Dekomprimierprogramm gefahrlos hineinschauen kann. Meist befinden sich innerhalb der App-Datei die Schriftarten im “assets”-Ordner.

Sicherheitshalber nochmal der Hinweis: So dahergeholte Schriftdateien sind in der Regel nicht zur Nutzung außerhalb der jeweiligen App lizenziert. Ich habe das jetzt hier laut und deutlich gesagt. Ich liebe Schriftarten und kaufe offiziell die Schriften, die mir gefallen, um damit auch die Leute zu unterstützen, die sie erstellen. Allerdings könnten genau diese Leute auch mal die Verkäufer ihrer Schriften bitten, wenigstens doch bitte mal ihre Schriften mit entsprechenden Flags auszustatten, die eine Installation als normale Schriftdatei in Betriebssystemen untersagen. Das ist für gewiefte Leute zwar auch keine echte Hürde, ist aber wenigstens nicht ganz so einfältig. Am sinnvollsten wäre es, wenn ein App-Programmierer mit etwas Phantasie solche wertvollen Assets halbwegs gut codiert und vor einfacher Entnahme schützt.

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Aus dem Maschinenraum der Enterprise.

17. Juni 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MovieWelt

Ein Traum wird wahr. Ich habe mir bei Zutritten zu Rechenzentren immer gewünscht, dass es da nicht einfach nur brüllend laut ist (ein echtes Problem übrigens), sondern die Geräuschkulisse wenigstens stilvoll ist. Sounddesign für Rechenzentren ist zwar noch ein bescheidenes Business, aber so viel braucht es dazu auch gar nicht. Es reicht schon, wenn man einfach den Ambience-Sound des Engineering Room der USS Voyager aus Star Trek in den Hintergrund einspielt:

Ambience-Mixes sind für das ungeübte Ohr vermutlich so spannend wie ein laues Lüftchen, aber das, was man da hört, ist eben echtes Hintergrundgeräusch von der Voyager … also halt das, was wir als Voyager bezeichnen, denn natürlich ist beim Filmen der Serie in den Kulissen auch kein Maschinengeräusch zu hören, denn auch da wird das erst in die fertige Tonmischung eingespielt.

Maschinenraum ist zu laut? Es geht dann, beispielsweise für das Großraumbüro, auch spannender, nämlich mit Ambience-Sound der Brücken – von allen Star-Trek-Serien:

TOS (“The Original Series”):

TNG (“The Next Generation”):

DS9 (“Deep Space Nine”):

VOY (“Star Trek Voyager”):

“Star Trek”, sagt sich vielleicht der ein oder andere Science-Fiction-Kenner, “ist doch alles bunter Fernsehmüll!” Wenn es um das Raumschiff geht – also um das Raumschiff – dann führt kein Weg an der Discovery aus dem Kubrickschen Superschinken “2001 – Odyssee im Weltraum” vorbei. Eine Stunde Ambience-Sound gibt es auch von dort:

Zumindest letzteres hört sich dann schon am ehesten nach ISS an, auch wenn hier die Raumfülle wie bei den jüngeren Star-Trek-Filmen fehlt. Aber wer jetzt Büro oder Rechenzentrum vernünftig beschallen möchte … bitteschön!

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Zur Gegenwart und Zukunft von Opel. #umparkenimkopf

9. Juni 2014 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in AutomobilWelt

Die bloggenden und geschätzten Herren Jens Stratmann, Thomas Majchrzak, Don Dahlmann und Robert Basic schreiben in ihren Weblogs darüber, ob die Premium-Autohersteller für die Zukunft gewappnet seien oder nicht. Die vier mit den obigen Namen verlinkten Artikeln empfehlen sich sehr für den geneigten Leser, wenn dieser sich für Autos interessiert, denn es geht weniger um Marketingaufwasch, sondern um Dimensionen, Denkweisen und Dogmen. Da ich mich von Berufswegen viel mit Opel beschäftige, will ich an dieser Stelle mit einem Beitrag zu Opel beitragen, auch wenn Opel von den meisten Fachleuten nicht als Premium-Marke angesehen wird. Wenn ich da sage “Kommt noch”, ist das ernstgemeint.

(Bei mir gibt es den Disclaimer gleich vorab: Ich betreue ein Opel-Autohaus in Pforzheim in Sachen Werbung, Marketing und Corporate Weblog, schreibe aber hier meine eigene, von meinem Kunden und von Opel unabhängige Einschätzung.)

“Du fährst Opel? Echt jetzt?”

Das Zitat ist nicht von mir, sondern von Karoline Herfurth, einer der Werbebotschafter der #umparkenimkopf-Kampagne von Opel. Herfurth fährt dabei einen Opel Ampera und erzählt dabei, wie es so ist, wenn man Opel-Fahrer ist und das dann im Freundeskreis erzählt. Und auch wenn das natürlich erst einmal eine Aussage in einem Werbespot ist – da steht viel Wahrheit drin, was nicht zuletzt durch die Familienbeziehung von Opel mit General Motors begründet ist. Ein kleiner, aber zum Verständnis wichtiger Exkurs:

Die diffizile Familienbeziehung zwischen Opel und der Mutter General Motors.

Opel ist seit 1929 ein Tochterunternehmen von General Motors, einem US-amerikanischen Autohersteller in Detroit. Opel ist daher die meiste Zeit im Autobusiness ein Tochterunternehmen. Und wie es in einer Familienbeziehung nun einmal ist: Klappt es zwischen Eltern und Kind, ist alles super – klappt es nicht, ist alles nicht super. Müsste ich das Dilemma und die Misere von Opel der letzten 25 Jahre in einen Satz herunterbrechen, wäre es genau dieser.

Opel gehörte einmal zu den richtigen Schwergewichten deutscher Automobilproduktion. Das Kürzel “KAD” steht für “Kapitän”, “Admiral” und “Diplomat” und kennzeichnet einstige Opel-Modellreihen in der Oberklasse, die im Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Insignien des Wohlstandes gehörten. Wer einen Kapitän fuhr, der hatte nicht einfach nur einen Job, sondern der hatte im Eigenheim eine Einbauküche und Garage, arbeitete festangestellt mit sehr ordentlichem Lohn und hatte das Bedürfnis, diesen Wohlstand auch zu zeigen. Nicht um zu protzen im Sinne wie wir das heute kennen, sondern weil eben vor jedes Reihenhaus ein Auto gehörte. Opel war damals eine feste Hausnummer, wie sich mit seinen deutschen Wettbewerbern Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz messen lassen konnte.

Um die nächsten Jahre mal schnell auf Punkte zu bringen:

  • Die Modellreihen wurden zunächst amerikanischer, es grüßen Weiterentwicklungen z.B. eben der KAD-Reihe, allesamt in den B-Modellvarianten, die deutlich großzügiger, “protziger” waren. Was allerdings schon damals immer weniger funktionierte und heute gar nicht mehr: Der automobile Zeitgeist in Europa tickt grundlegend anders, als in den USA.
  • Nach dem KAD-Zeitalter begann die Zeit der Rekords, Asconas, Kadetts, die zwar allesamt funktionierten, aber von Modellreihe zu Modellreihe nur einen Weg kannten: In die automobile Langeweile. In den 1970er bis 1990er Jahre kannte man von Opel in Sachen Emotionalität gerade einmal drei Modelle: Der Opel GT (der ironischerweise dann in den USA mehr Erfolg hatte, als in Europa), der Opel Manta (wissen wir alle, wie die Emotionalität da zu bewerten ist) und der Opel Calibra (den heute nur noch die wenigsten kennen). Opel war das, was Schauspieler Fahri Yardim in einem weiteren #umparkenimkopf-Spot in einen Satz packt: “Ich dachte immer, Opel wird grundsätzlich erstmal in Beige geliefert.”
  • Irgendwann kam dann jemand auf die Idee, einen Mann namens José Ignacio López de Arriortúa bei Opel als Manager einzustellen. Der nach ihm benannte Begriff “Lopez-Effekt” funktioniert noch heute als Schlüsselwort, um bei jedem altgedienten Teilechef oder Werkstattmeister einer Opel-Werkstatt (oder auch später VW) sofortiges Herzrasen auszulösen. Der Lopez-Effekt beschreibt nämlich die Entwicklung in der Fahrzeugproduktion, bei der durch ständiges Einsparen beim Einkauf und der Produktion selbst bei inzwischen stabilen Modellen zwangsläufig die Qualität so weit sinkt, dass zwar das Auto noch einwandfrei verkauft werden kann und auch eine Weile problemlos funktioniert, sich dann aber Qualitätsmängel so massiv melden, dass modellweit aufwendige Reparaturen überdurchschnittlich notwendig werden und sich dieses Image auf die gesamte Modellreihe und gar die gesamte Marke verteilte. Opel war in den 1990er Jahren vor allem ein Synonym für Langeweile und für ärgerliche Unzuverlässigkeiten.
  • Nachdem das Image von Opel dann ab Mitte der 1990er Jahre nahe dem Nullpunkt war, begann die Zeit der Fehlentscheidungen. Neue Modellreihen waren weiterhin langweilig, der Lopez-Effekt beschäftigte Werkstätten und Opel noch über Jahre hinweg und der Opel-Vorstandsposten wurde ein Durchreicheposten, ein heißer Stuhl. Wer hier, vornehmlich von der GM-Unternehmensleitung aus Detroit abkommandiert, hineingesetzt wurde, hatte nichts zu lachen. Opel-Chef war ein Job für die ganz Harten der Branche, die wenigsten blieben lange, wie wenigsten konnten überhaupt Deutsch sprechen und kamen mit den Mentalitäten der Opel-Mitarbeiter, -Autohäuser und -Kunden nicht zurecht – wenn sie es denn überhaupt wollten.
  • Es kam dann 2009 so, wie es kommen musste: General Motors selbst kam im schwere Turbulenzen und musste in der damaligen globalen Wirtschaftskrise mit vielen Milliarden US-Dollar von der US-Regierung gerettet werden. Wer damals sarkastisch bei Opel unterwegs war, konnte zumindest sagen, dass es für Opel kaum noch schlimmer hätte kommen können. Immerhin schaffte man es, dass Opel weder verkauft werden musste, noch dass Opel zerschlagen wurde oder selbst pleiteging.
  • Ab 2010 war ein Sanierungskurs angesagt, bei General Motors und unter anderem auch bei der Tochter Opel. Auch das nichts neues, wenn auch dieses Mal schmerzhaft, denn der Weg von Opel führte (und führt) in die Produktion außerhalb Mitteleuropas. Die Automobilproduktion im Opel-Werk Bochum wird ab 2015 Geschichte sein, so dass mit Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern nur noch drei Produktionsstandorte in Deutschland verbleiben.

Das mal ganz kurz zu Aspekten der Opel-Geschichte, die heute die Marke Opel immer noch beeinflussen. Wer näheres dazu lesen möchte, liest den Wikipedia-Artikel zu Opel oder das ganz unscheinbar daherkommende, aber sehr gut informierte Blog About Opel.

Wichtig ist jedoch: Auch wenn General Motors lange Jahre aus Sicht von Opel bzw. der deutschen Konsumenten vor allem das Image der strengen Mutter bewahrt hat, ist Opel nicht einfach nur eine Tochter, sondern ein wichtiger Teil des GM-Verbundes. Das europäische Entwicklungszentrum von General Motors ist in Rüsselsheim, so dass viele Entwicklungen im GM-Konzern ihren Ursprung tatsächlich in Deutschland haben. Auch dieser Umstand ist ein Grund dafür, dass Opel immer noch zum GM-Konzern gehört und Opel-Entwicklungen auch in anderen GM-Marken und Märkten eingesetzt werden.

Und auch die unheilvolle Vermutung, dass Opel nur auf europäische Märkte festgesetzt sei, ist nicht viel mehr als ein Gerücht. Opel gibt es auch in außereuropäischen Märkten und ist dort mitunter auch recht erfolgreich. Ein Konzernverbund hat aber gerade den großen Vorteil, dass man eben nicht unbedingt überall mit einem eigenen Händlernetz präsent sein muss, wenn man erfolgreich sein will. Wenn Opel also in China nicht sonderlich gut funktioniert, zieht man sich also dort ebenso zurück, wie derzeit in Europa weitgehend die Marke Chevrolet zurückgenommen wird. Ein Schritt, der in Europa letztlich Opel und der Schwestermarke Vauxhall zugute kommt. Solche Markenschwerpunkte machen alle anderen Autokonzerne ausnahmslos genauso.

Opel heute.

Nennen wir es einmal “Opel 2.0″, was Opel heute darstellt. Ich habe das Glück, dass ich meine Beratertätigkeit für das besagte Opel-Autohaus in Pforzheim im Jahr 2010 begann, just zu dem Zeitpunkt, als Opel den überarbeiteten Meriva präsentierte. Ein Auto der Generation “Opel 2.0 beta”, die mit dem Opel Insignia 2008 begann. Ein qualitativ sehr guter Minivan, rückblickend gesehen sehr wertstabil, mit innovativen Innenraumkonzepten versehen und mit den gegenläufig öffnenden Türen ein Hingucker. Die neuen Linien bei Opel sind geschwungener, markanter und einheitlicher, das unbeholfen wirkende Kantige bei Modellen ab 2008 weitgehend Geschichte. Und auch den Lopez-Effekt ist weitgehend ausgemerzt, da Opel die Qualität wieder im Griff hat und mit aktuellen Modellen auch wieder positiv in Pannenstatistiken auftaucht.

Was man Opel zugute halten muss: Sie haben vieles nachzuholen, was bei anderen bereits Normalität ist. Ich musste beispielsweise letztes Jahr auf der IAA bei Audi über deren adaptive Lichtkonzepte staunen und merkte schlagartig, dass Opel zwar zu diesem Zeitpunkt eine wieder stark aufstrebende Automarke wurde, aber das der Weg noch weit ist. Neue Technik braucht neue Modelle. Neue Modelle brauchen Entwicklungskapazität. Entwicklungskapazitäten brauchen Vorlauf und Innovationen. Das alles nach Jahrzehnten des Stillstandes und der praktizierten Oberflächlichkeit zu ändern, ist eine unmenschliche Leistung.

Im März letzten Jahres übernahm ein Mann den Opel-Vorsitz, dem man das am Anfang gar nicht so recht zutrauen mochte: Ein einstiger VW-Manager namens Karl-Thomas Neumann. Man staunte mehrfach: Ein Deutscher als Opel-Chef? Ein ehemaliger VW-Manager? Der bei GM im Verwaltungsrat auch tatsächlich etwas sagen kann? Das sind Voraussetzungen für einen Job, den man entweder sehr gut machen kann oder sehr schlecht. Neumann macht ihn gut. Er liefert nicht nur warme Worte, sondern er liefert neue Modelle, neue Innovationen und vor allem legt er Messlatten, deren Erfüllung harte Arbeit bedeuten, die man aber erfüllen kann. Das beweisen eine Reihe von neuen Modellen wie z.B. dem Opel Mokka (Mini-SUV) oder dem Opel Adam (Kompaktklasse Lifestyle), aber auch so bemerkenswerte Konzeptautos wie den Opel Monza Concept.

Dass Opel alternative Mobilitätskonzepte liefern kann, zeigte man 2011 mit dem Opel Ampera, dem ersten elektrisch fahrenden und alltagstauglichen Auto. 60 bis 80 Kilometer über die eingebaute Batterie und ab da dann mit Strom, der von einem zusätzlich eingebauten Benzinmotor und einen dazwischenliegenden Generator angetrieben wird. Zwar basiert der Opel Ampera auf das Schwestermodell Chevrolet Volt, der schon seit 2009 im gleichen Chevrolet-Werk in den USA gebaut wird, wie der Ampera, aber – beide Modelle basieren auf einer Antriebsplattform, deren Entwicklung aus Deutschland kommt.

Überhaupt steht und fällt die nähere Zukunft von Opel nicht mit der Haube, sondern unter der Haube. Viele neuen Modelle leiden vor allem an den etwas betagten Motorengeneration, die Opel heute noch verbaut. Der Opel Adam beispielsweise ist ein witziges, unterhaltsames, durchdachtes Kompaktauto, das es inhaltlich problemlos mit seiner erheblich teureren Konkurrenz aufnehmen kann. Die aktuelle Generation kennt aber weder einen Turbomotor, noch Automatikgetriebe. Beides will Opel zwar nachliefern und das steht auch schon weitgehend in der Pipeline, aber dennoch zeigte das Fehlen von Turbo und Automatik zu Anfang des Opel Adam im Jahr 2013, dass hier noch geliefert werden muss. Zumindest kann man sich aber inzwischen darauf verlassen, dass Opel liefern wird und wenn man sich die neue Motorengeneration anschaut, die im Opel Insignia Sports Tourer (der Insignia-Kombi) verbaut wird, dann sieht man spätestens dort, dass es Opel mit der Einhaltung der EU-Vorgabe von maximal 100 Gramm CO2 pro Kilometer ernst meint. An dem knallharten Wettbewerb zur Einhaltung der EU-Grenzwerte beteiligen sich keine toten Pferde.

In Sachen Infotainment setzt Opel auf das IntelliLink- bzw. MyLink-System, das Panasonic und LG Electronics exklusiv für General Motors produzieren und das bei Opel im Opel Adam zuerst vorgestellt wurde. IntelliLink lässt sich mit Smartphones vernetzen, bietet Zugriff auf die Mediatheken und integriert eine eigene Navigationslösung, die primär auf den Smartphones installiert wird. IntelliLink selbst ist dabei ein Zwischenschritt zu einem System namens OnStar, das zukünftig neben der Vernetzung von Smartphones auch LTE/4G-Einbindung ermöglicht und so auch die zukünftig erforderlichen Notfall-Alarmierung übernimmt.

Opel morgen.

Wir Leute, die Opel bewerben, sind inzwischen abgehärtet und wir sind eine Diskussion los – ob es Opel morgen noch geben wird. Diese unsäglichen und von morbidem Gänsehautfeeling untermalten Gesprächsthemen gibt es nur noch in sehr wenigen Beratungsgesprächen. Bis 2018 will Opel 27 (!) neue Modelle und 17 neue Motoren vorstellen, was praktisch die gesamte jetzige Modellpalette betrifft. Und auch der Opel Ampera, der selbst vier Jahre nach seiner Vorstellung zum aktuellen Stand der Elektromobilität gehört, wird einen elektrischen Nachfolger bekommen, der dann mit deutlich größerer Batterielaufzeit glänzen wird und mit einem modernen Motor.

Opel ist daher weder tot, noch stagniert Opel. Das, was kommen wird, kenne ich selbstverständlich selbst kaum im Detail, aber das, was wir schon lesen und hören können, liest sich gut. Das Ziel, das Karl-Thomas Neumann vorgibt und nicht weniger beinhaltet, als dass Opel bis 2022 zum zweitstärksten PKW-Lieferanten wachsen soll, ist ambitioniert, aber das Vertrauen ist wieder da, dass man das packen kann. Und das beinhaltet auch die Lösung des größten Problems:

Das Blei in den Köpfen

Wer glaubt, die #umparkenimkopf-Kampagne sei einfach nur witzig, hat eines dabei möglicherweise vergessen: Die Kampagne ist überlebensnotwendig gewesen. Das beste Auto kann nicht an Mann oder Frau gebracht werden, wenn Mann oder Frau nicht wenigstens ein Stückweit an die Marke und das Auto glauben wollen, was sie da kaufen sollen. Ein sehr einfacher Grundsatz des Marketings, den man aber erst einmal umsetzen muss. Und den Marketingvorstandsfrau Tina Müller gut und treffend umgesetzt hat und der vor allem auch den Opel-Autohäusern die Chance gibt, darauf einzusteigen.

Umparken im Kopf ist daher ein Titel für eine Kampagne, die eigentlich gleichzeitig auch die Kampagne selbst ist. Man muss die Marke, die man vertritt, präsentieren, ehren, hegen und für sie stehen, in guten und schlechten Zeiten. Denn das sieht auch der Konsument, für den zwar die harten Faktoren wie Leistung und Preis zählen, aber auch die weichen. Der klassische Opel-Käufer (von Neuwagen) ist immer noch der Pragmatiker und ein Mensch der täglichen Praxis. Und den muss man erst einmal wieder von der Marke überzeugen und ihm die Modellpalette nahbar machen. Machen wir im Kleinen, macht Opel im Großen.

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Das Ende von TrueCrypt?

29. Mai 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SicherheitsWelt

TrueCrypt hat sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht als Werkzeug, um verschlüsselte Container auf normalen unverschlüsselten Laufwerken abzubilden, die dann als normale Ordner oder Laufwerke gemountet werden können. Das geschieht technisch sehr zuverlässig, auch wenn die TrueCrypt-Macher eher eine Politik des Versteckens lebten. Es gab kaum Informationen über sie, ebenso gab es zwar die Beteuerung, dass TrueCrypt Open Source sei, die proprietäre “TrueCrypt-Lizenz” dies aber nicht in der Eindeutigkeit hergab, wie das z.B. von der Open-Source-Foundation gefordert wird.

Wie auch immer: Ein externes Audit-Team sammelte letztes Jahr einen Haufen Geld, um ein externes Audit der Software zu bezahlen. Und auch wenn dieses Audit noch nicht beendet ist, zeigte es doch schon nach den ersten Analysen, dass die Software das tut, was sie versprach und nach allgemeiner Untersuchung auch keine größeren Sicherheitslöcher oder Backdoors enthielt und enthält. Die Version 7.1a ist daher das, was man nach heutiger Aussage noch als sicher und funktionsfähig bezeichnen kann.

Was nun nicht mehr für die Version 7.2 gilt, die seit gestern im Umlauf ist. Und auch nicht mehr für zukünftige Versionen, die es wohl nicht mehr geben wird, weil das TrueCrypt-Projekt sich seit gestern als beendet erklärt und die eigene Software als unsicher bezeichnet.

Ist TrueCrypt tatsächlich plötzlich unsicher geworden?

Ohne jetzt einer tiefen Software-Analyse vorzugreifen, die ich auch gar nicht vornehmen könnte: Wohl kaum. Die plötzliche Einstellung des Projektes riecht eher so, als ob das Projekt mehr oder weniger hastig eingestampft werden musste. Da kann es mehrere Gründe dafür geben, die allesamt unbestätigt und Vermutungen von mir sind:

  • Es gab möglicherweise Druck, die Software im jetzigen Umfang nicht mehr zu veröffentlichen oder weiterzuentwickeln. Dafür spricht, dass die Macher verkündet haben, dass das Projekt eingestellt wurde, dennoch aber eine neue Version 7.2 veröffentlichten, die einen kleinen, aber feinen Unterschied zur vorherigen Version 7.1a hat: Es können mit der neuen Version keine neuen verschlüsselten Container erstellt werden und zudem meldet die Software beim Start, dass sie nicht sicher sei. Das macht niemand, der an seine Software glaubt, selbst wenn er sie einstellen muss.
  • Die TrueCrypt-Macher empfehlen auf der TrueCrypt-Projektseite allen Ernstes unter anderem Bitlocker als Alternative, das ist das eingebaute Laufwerkverschlüsselungssystem von Windows. Das zwar wohl auch stark verschlüsseln kann, dem aber kaum zu trauen ist, wenn es darum geht, etwas wirklich geheimzuhalten. Das fängt damit an, dass Bitlocker über Gruppenrichtlinien konfiguriert werden kann, mit mehreren privaten Schlüsseln zu verschlüsseln und endet damit, dass Bitlocker auf einem Rechner mit TPM-Chip diesen nutzt. Es ist mir herzlich egal, was Sicherheitsleute darüber sagen, aber für mich (und viele andere) ist das ein No-Go. Es ist davon auszugehen, dass Bitlocker zwar stark verschlüsselt, diese Verschlüsselung aber für (US-)Behörden keinen nennenswerte Hürde darstellt. Wenn die TrueCrypt-Macher einfach so plötzlich Bitlocker empfehlen, ist das daher keine Empfehlung, sondern ein deutlicher Hinweis.
  • Wer erwartet, dass sich die TrueCrypt-Macher über die wahren Beweggründe erklären, kennt die Realität nicht. Es ist davon auszugehen, dass wenn Punkt 1 eingetreten sein könnte, das über einen so genannten “National Security Letter” oder eine ähnliche Ansprache erfolgt ist. Diese Ansprachen haben als eminentesten Punkt die Regel, dass über die Ansprache selbst unter Strafandrohung nicht geredet werden darf. Der Schritt der TrueCrypt-Macher ähnelt, wenn man eine behördliche Ansprache in Erwägung zieht, der Vorgehensweise des Betreibers des ehemaligen Maildienstes Lavabit, der nicht der behördlich angeordneten Übergabe seiner privaten Schlüssel entsprach, sondern seinen Maildienst kurzerhand einstellte.

Sicherlich ist das alles vor allem eine große Verschwörungstheorie, über die man vortrefflich streiten kann. Mit rechten Dingen geht es hier nicht mehr zu. Aber dass TrueCrypt jetzt einfach plötzlich über Nacht unsicher geworden sei, nicht argumentiert wird, warum das so sei und dann plötzlich auch noch Bitlocker empfohlen wird, das einer der Hauptgründe für viele ist, bisher eben TrueCrypt einzusetzen, halte ich für fragwürdig. Hier stinkt es.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Fragezeichen im TrueCrypt-Ende auflösen und wie die Entwicklung von TrueCrypt weitergeht bzw. ob sich ein Nachfolgeprojekt entwickelt. Zum jetzigen Zeitpunkt sagen kann man nur:

  1. Bei TrueCrypt 7.1a bleiben, Finger weg von der beschnittenen Version 7.2. Keine Panik vor der Panikmache.
  2. Schon mal ganz sicher nicht auf Bitlocker oder anderen Verschlüsselungsmechanismen wechseln, die von kommerziellen Anbietern von Betriebssystemen oder Verschlüsselungsprogrammen mitgeliefert werden. ;-)
  3. TrueCrypt-Installationspakete nur aus vertrauenswürdigen Quellen beziehen und immer prüfsummenchecken. Golem.de hat z.B. die aktuellen 7.1a-Versionen gesichert und stellt sie zur Verfügung, ebenso die relevanten Prüfsummen.
  4. Und auch eines gilt immer für Verschlüsselungscontainer: Den Inhalt sollte man an anderer, sicherer Stelle nochmal gesichert haben, wenn einem die Daten lieb sind. Und das gilt auch für die Verschlüsselungssoftware selbst, denn auch diese sollte man als Kopie nochmal parat haben.
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Wie man mit latentem Rassismus in Social Networks umgehen sollte.

24. Mai 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in NetworkingWelt

Vermutlich hat jeder, der in einem Social Network ist, irgendwann einmal das “Vergnügen”, offenem oder latenten Rassismus entgegenzublicken. Der ein oder andere hat da so seine “Pappkameraden” in seiner Freundesliste, manchmal kommen auch neue hinzu, oftmals ist Rassismus versteckt und oft genug für den Autoren auch gar nicht so ersichtlich. Russen-/Juden-/Türken-/Italienerwitze sind schließlich weit verbreitet. Und was vielleicht für den einen halbwegs witzige Monologe sind, sind für den anderen schon haarscharf an rassistischen Äußerungen.

Gut, man muss bei allem, was man liest, eine liberale Lesehaltung anwenden. Aber wie geht man mit dem “alltäglichen” Rassismus in einem Social Network um? Nun gibt es prinzipiell vier Möglichkeiten, mit latentem Rassismus in seiner Timelime umzugehen:

  1. Man überliest es einfach und lässt es durchlaufen. Wird schon nicht so schlimm sein.
  2. Man liest es, ärgert sich und kommentiert es entsprechend mehr oder weniger scharf protestierend.
  3. Man liest es, ärgert sich vielleicht darüber und blendet den Autoren eines solchen Statements aus. Das geht z.B. in Facebook, da dort jede Freundschaft gleichzeitig auch ein Abonnement der Beiträge des jeweiligen Freundes ist und man dieses Abonnement der Beiträge auf der Profilseite des Freundes gesondert beenden kann.
  4. Man entfernt den Freund aus der Freundschaftsliste, gleichzeitig ist damit auch das Abonnement der Beiträge beendet.

1. Überlesen.

Klar ist, dass für Demokraten der Punkt 1 kaum tragbar ist. Man kann es vielleicht mal durchgehen lassen, wenn man weiß, dass die Äußerung ironisch oder sarkastisch gemeint ist, aber auch das ist schon reichlich problematisch, denn zu einer Äußerung gehört neben einem Autor auch immer ein Leser. Der eine fasst es als Ironie bzw. Sarkasmus auf, der andere lässt das in sein Meinungsbild als echte Meinung gelten.

Dennoch: Überlesen und wissentlich ignorieren ist zwar bequem, aber per se nicht gut. Oftmals merkt ein Freund gar nicht so recht, dass er mit einer Äußerung Freunde verletzt (sowas gibt es tatsächlich), da wäre ein Aufbegehren sicherlich nicht verkehrt. Das kann man ja auch erst einmal in einer privaten Mitteilung tun.

Schwerer wird es, wenn solche Äußerungen nicht der Einzelfall bleiben, sondern immer wieder abgefeuert werden. Spätestens da ist Weghören ein falscher Weg. Steter Tropfen höhlt jeden Stein.

2. Der kleine-große Protest.

Punkt 2 ist dann der Weg des “kleinen Protestes”, in dem man aufbegehrt und den Autoren einer rassistischen Äußerung zur Rede stellt. Das kann man machen und das ist sicherlich auch ehrenvoller, aber man muss damit rechnen, ein Echo zu bekommen. Das kann der Autor selbst sein, was allerdings eher selten der Fall ist, wenn man mit dem Autor gut befreundet ist. Möglicherweise kommt hier auch schon der Protest insofern gut an, dass es den Autor zum Nachdenken anregt.

Problematischer hingegen ist bei Punkt 2, dass sich möglicherweise andere Mitleser genötigt fühlen, dem Autor der rassistischen Äußerung zur Hilfe springen zu müssen. In der Regel knallt es spätestens jetzt verbal, denn hier gehen bei vielen der Gäule durch, meist auch gleich mit dem kompletten Repertoire der vermeintlich Unterdrückten … von “man wird doch wohl mal sagen dürfen” bis hin zum angeblich notwendigen Kampf gegen das “Gutmenschentum”, um das Volk zu retten und so weiter. Es ist bisweilen erschreckend, was hier schlagartig an verbalem Gewaltpotential losgelassen wird und man muss sich als Protestler auf größere Schimpfkanonaden einstellen.

Von solchen Kanonaden sollte man sich tunlichst nicht provozieren lassen und möglichst auch gar nicht antworten. Zu einer unsachlichen Diskussion gehören immer mehrere und leider gilt auch in Social Networks das Phänomen, dass viele Teilnehmer in besonders emotionalen Diskussionen jegliche gute Erziehung vergessen lassen, in dem sie vorübergehend vergessen, dass hinter ihren Bildschirmen auch Menschen sitzen. Wenn es ein Echo gibt und man auf das Echo reagiert, dann reagiert man praktisch nie auf das eigentliche Problem (dazu hat man ja schon etwas geschrieben), sondern lässt sich auf eine verbale Gewaltspirale ein.

3. Ausblenden.

Das Ausblenden von allen Beiträgen eines Freundes ist nicht in jedem Social Network technisch problemlos möglich. Wenn es aber möglich ist, ist es ein relativ bequemer Schritt, von einem permanenten Störenfried Ruhe zu haben, ohne ihm gleich im Network die Freundschaft kündigen zu müssen. Man liest dann schlicht und einfach den Unfug nicht mehr – das restliche Geschriebene und Veröffentlichte dann allerdings auch nicht mehr.

Um des Friedens Wille ist das der beste Weg, aber, ganz offen gesagt, auch der inkonsequenteste. Warum soll ich für mich etwas bei meinen Freunden in einem Social Network durchlassen, was mich so sehr stört, dass ich alles dafür tun muss, sie komplett auszublenden? Und warum muss ich als Freund in einer möglicherweise großen Freundesliste dafür stehen, so jemanden als Freund zu schätzen?

4. Das Überschreiten einer Grenze und das Ziehen von Konsequenzen.

Nein, das muss man nicht. Wer in einem Social Network herumstänkert und rassistisch herumtönt, überschreitet Grenzen deutlich und das stärker und auffälliger, als man eigentlich durchgehen lassen kann. Wenn so jemand in einem Restaurant Zoten in einer ähnlichen Brandklasse loslassen würde, würde ich mich beschweren. Würde ein Freund solche Dinger mir gegenüber aushusten, würde ich aufstehen und gehen. Und das gleiche sollte man auch in Social Networks tun. Aufstehen und gehen. Also “entfreunden”, “unfollowen”, den Bezug löschen.

Das ist mitunter eine schwere Entscheidung, die in einem größeren Freundeskreis Fragen aufwerfen und schlechte Stimmung erzeugen. Aber da stellt sich immer die Frage, wer damit angefangen hat. Offen gelebter Rassismus, also im Grunde genommen praktizierter Menschenhass, ist inakzeptabel. Auch in einem sozialen Netzwerk, egal ob das in der Kneipe ist, auf einer Geburtstagsparty oder in einem Social Network.

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Das Ende des freien Kommentierens in der Blogosphäre

19. Mai 2014 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in Interna

Ich habe soeben leider etwas tun müssen, was ich eigentlich nie machen wollte – das freie Kommentieren hier im Blog beschnitten. Es ist nämlich leider so, dass sich das Problem mit Kommentarspam in den letzten Wochen und Monaten gewaltig verschärft hat und inzwischen ein Großteil des Datenverkehrs, der in diesem Weblog entsteht, nur durch Spamroboter ausgelöst wird. Deren Zugriffe werden sich vermutlich auch weiterhin hier finden lassen, aber zumindest ist es nun so, dass alle Artikel, die Älter als ein halbes Jahr sind, nicht mehr kommentiert werden können. Vermutlich werde ich in den nächsten Wochen diesen Zeitraum noch weiter herunterdrehen müssen.

Das Spamproblem in der Blogosphäre.

Kommentarspam gibt es schon seit vielen Jahren und obwohl alle gängigen Blogsysteme mit Spam recht gut umgehen können, ist die Branche mehr denn je aktiv. Das wohl schlicht deshalb, weil es einfach nichts kostet, Bloggern weltweit auf die Nerven zu gehen und wenn man doch irgendwo einen Artikel mit einem Backlink eingeworfen bekommt, ist das immer noch besser als nichts.

In Gesprächen mit anderen Bloggern zeigt sich aber, dass sich das Problem mit Kommentarspam in den letzten drei Monaten gewaltig verschärft hat. Hatte ich im Februar noch rund 14.000 Kommentarspam-Versuche, so waren es im April glatte 29.000 Versuche. Zur Zeit bin ich für diesen Monat am 19. Mai schon bei 24.000 Versuchen, so dass eine Notlösung einfach unumgänglich wurde. Es zieht mir schlicht die Power aus dem Server und hier vor allem aus dem Datenbankserver. Da ich nicht nur ein Blog betreue, sondern einige mehr, ist das Problem gleich an mehreren Fronten latent und ich habe auch schon mal erlebt, was es bedeutet, wenn ein MySQL-Server vollends die Grätsche macht. Deshalb geht leider die technische Funktionsfähigkeit vor der von mir ansonsten sehr hoch gehaltenen Kommentarfreiheit.

Wir Blogger werden uns irgendwann einmal Gedanken darüber machen müssen, ob wir nicht endlich mal konzertiert und nachhaltig die Betreiber und Hosting-Provider solcher Spamroboter an die Eier nehmen wollen und durchs Dorf treiben sollten. Von allein wird sich das Problem nicht lösen können und es ist eine Frage der Zeit, bis die ersten Blogs in die Knie gehen werden, ob nun vor lauter Datenverkehr von Spamrobotern oder weil der Besitzer irgendwann keine Lust mehr hat.

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Der Preishorror der Adobe Creative Cloud.

15. Mai 2014 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in SoftwareWelt

Als jemand, der in Sachen Web & Werbung sein Geld verdient und mit externen Dienstleistern regelmäßig Grafikdaten austauscht, komme ich um Adobe-Produkte nicht herum. Das fing einst mit Macromedia Freehand an, das ich sehr geliebt habe, aber irgendwann dann von Adobe eingestampft wurde, das nach seinem Kauf von Macromedia das eigene Produkt namens Illustrator stärken wollte. Und so hangelte ich mich dann bei Adobe-Suiten weiter … Creative Suite 3, Creative Suite 5.5 und aktuell die Creative Suite 6 Design & Web Premium mit dem Hauptbestandteilen Photoshop, Illustrator, InDesign.

Nun ist es traditionell so, dass Adobe-Suiten im Neukauf richtig happig teuer sind. Derzeit kostet die Creative Suite 6 Design Web & Premium als Vollversion runde 2.600 Euro brutto. Für die meisten Kreativen, die bereits eine Adobe-Suite oder upgrade-berechtigte Einzelprodukte besitzen, ist in der Regel der Upgrade-Preis relevant, der zum Beispiel von CS 5.5 auf CS 6.6 etwa 500 Euro brutto beträgt. Hat man die Version 5.5 der Creative Suite übersprungen und will man vom Vorgänger CS 5 auf CS 6 upgraden, sind es schon 1.000 Euro brutto. Variieren können sich die Preise nach oben und unten, je nachdem, wo man das Upgrade-Paket letztendlich kauft.

Nun ist es allerdings so, dass nach derzeitigem Stand die Creative Suite 6 die letzte Version von Adobe ist, die nach dem üblichen Verkaufsschema erhältlich ist. Der Nachfolger der CS 6 nennt sich “Adobe Creative Cloud” und ist auch schon seit einiger Zeit erhältlich. Ausschließlich als Abo-Lösung. Und hier beginnt der Adobesche Preishorror, der derzeit sicherlich einer der größten Preiswucher weit und breit in der Software-Welt gehandelt werden kann.

Das Problem beginnt, dass es im Adobe-Abo-Modell derzeit nur zwei Grundmodelle gibt: Entweder ein Einzelprodukt lizenzieren oder das Gesamtpaket aller Adobe-Produkte. Dieses Gesamtpaket nannte sich in der Creative-Suite-Zeit die “Master Collection”, krönte mit einem Vollversionspreis von über 3.500 Euro brutto die Adobe-Welt und war eigentlich für die allermeisten Anwender weitgehend unbrauchbar, wenn man nicht wirklich Tag und Nacht die wichtigsten Adobe-Produkte ständig im Einsatz hatte.

Das Monatsabo der Creative Cloud kostet bei monatlicher Zahlweise 92 Euro brutto, bei jährlicher Zahlweise 738 Euro pro Jahr. Für ehemalige CS-Besitzer gibt es immerhin eine Rabattierung im ersten Jahr (und nur im ersten Jahr) auf 442 Euro bei jährlicher Zahlweise.

Nun ist es nicht gerade unüblich, dass Adobe-Anwender mitunter nicht auf jede Version aktualisieren, sondern auch mal Versionen überspringen. Dazu gehöre ich auch, weil ich es mir schlicht nicht leisten kann, jedes Jahr mal eben 500 Euro brutto für Software abzudrücken, die ich logischerweise nur als Gemeinkosten in Kundenprojekte verrechnen kann. Und so sieht dann meine “Adobe-Karriere aus:

  • 2007: Kauf von CS 3 damals im Rahmen meiner Dozententätigkeit an einer VHS für 400 Euro.
  • 2011: Upgrade auf CS 5.5 für 700 Euro.
  • 2013: Upgrade auf CS 6 für 500 Euro.

In sieben Jahren kam ich also bei den Upgrades mit einer Gesamtsumme von 1.200 Euro brutto für zwei neue Versionen und zwei übersprungenen Versionen davon.

Zukünftig reichen 1.200 Euro brutto noch nicht mal mehr für zwei Jahre Nutzung aus, wenn ich tatsächlich Adobe-Software nur noch im Abo nutzen kann. Zehn Jahre Nutzung der Adobe Creative Cloud würden mich nach heutiger Preisgestaltung rund 5.000 Euro brutto kosten, selbst wenn ich das erste Jahr den vergünstigten Preis für Upgrader von CS 6 einrechne. 7.000 Euro sind mal eben eine Ausgabensteigerung von fast 320 %!

Mit einer reellen Preisanpassung und praxisbezogenen Produktmodellen hat die Adobe Creative Suite nicht mehr viel zu tun. Hier geht es nur noch um Preisschneiderei unter Ausnutzung einer jahrelang sorgfältig zusammengekauften Monopolsituation. Besonders ätzend dabei ist das aggressive Produktmarketing. Bisher war man es eigentlich von Adobe gewohnt, vernünftig angesprochen zu werden, wenn es um Upgrades geht, auch durchaus mit dem Hintergedanken, dass eben nicht jeder Kreativer auf die jeweils aktuellsten Versionen aktualisiert. Man konnte sich zumindest darauf verlassen, auch mit einer übersprungenen Version noch einen halbwegs vernünftigen Upgrade-Preis eingeräumt zu bekommen.

Die jetzige Produktstrategie ist aber deutlich: Nur die Adobe Creative Cloud ist toll, CS 6 (das immer noch normal erhältlich ist, “wird nicht mehr aktualisiert”, “bekommt nie mehr neue Features” und ist eigentlich grottenschlecht, weil eben die Creative Cloud alle Programme enthält – die kaum jemand wirklich in der vollen Breite nutzen kann.

Tut mir leid, Adobe, aber so wie es aussieht, trennen sich mittelfristig unsere Wege, wenn sich in der Produkt- und Preisgestaltung nicht wirklich etwas bewegt und wieder realitätsnähere Preise angesetzt werden. Der Wechsel auf Konkurrenzprodukte und/oder Open Source wie InkScape und GIMP wird nicht ganz einfach, aber eine andere Wahl lasst ihr mit eurem Preishorror vielen Selbstständigen schlicht nicht.

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