Lesen E-Book-Leser weniger? Ein eigener Erfahrungsbericht.

Seit letzten Donnerstag bin ich stolzer Besitzer eines Amazon Kindle Paperwhite. Mein erster Kindle. Dafür, dass ich seit 2005 immer ein Smartphone besaß und seit 2010 immer ein Tablet, ist das schon erstaunlich spät, zumal ich mich für das Lesen von elektronischen Büchern am Mini-Bildschirm schon in meiner Palm-Zeit begeistern konnte.

Auf dem Kindle gibt es nun, im Gegensatz zu den Kindle-Apps für Smartphones/Tablets, eine Anzeigemöglichkeit für Bücher. Exakt 99 Bücher finden sich in meinem Account. Da ich alle gelesenen Bücher in eine eigene Leseliste packe, kann ich auch da mit Erstaunen feststelle, dass ich von den 99 Büchern 88 Stück gelesen habe, mutmaßlich in den vergangenen sechs Jahren. Das sind im Durchschnitt 14,6 E-Books im Jahr. Aus Papier gefertigte Bücher habe ich dieses Jahr übrigens auch gelesen – genau eines.

Nun will ich wirklich keine Diskussion darüber vom Zaune brechen, ob das Lesen von E-Books krank ist und nur Papier das einzig wahre Medium darstellt, sondern stelle schlicht und einfach fest: Ich lese viel, viel mehr, seit dem ich E-Books lese. Mit dem nun erworbenen Kindle für schlappe 119 Euro ist es seit Donnerstag eher noch mehr geworden.

Ein paar Erfahrungen und Thesen von mir:

  • E-Books sind superpraktisch
    Kurz vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten lesen, ist keine Killerapplikation des E-Books, zumindest nicht, wenn man nicht am Bett alle noch zu lesenden Bücher gestapelt hat. Ansonsten ist via Kindle-App das nächste E-Book immer nur einen Griff weit entfernt. Zehn Minuten Wartezeit beim Arzt ist super, hier nochmal fünf Minuten dort, zwanzig Minuten in der Mittagspause. Perfekt. Ehemals tote Zeiträume sind nun immer gefüllt.
  • Die echten Kindles und auch die Konkurrenz-E-Reader sind charming
    Während der erste Kindle noch so ziemlich das hässlichste Gerät seiner Klasse war, erstaunt mich der Kindle Paperwhite, aber auch so Geräte wie der Tolino. Die liegen erstklassig in der Hand, weit besser als die allermeisten Tablets, was sicherlich auch daran liegt, dass die E-Reader deutlich leichter sind. Der monochrome E-Reader-Bildschirm ist erstklassig und kontrastreich und irgendwie sieht das Ding nach einem PADD aus und man kann es auch exakt so halten und bedienen, wie Jean-Luc Picard es mit den in der Serie völlig funktionslosen Brettchen imitierte.
  • Bücher kaufen zu jeder Zeit
    Bücher auf bisherige Weise in Papierform zu kaufen, leidet unter einem ähnlichen Problem wie das Kaufen von Musik im echten Laden oder die Suche nach einem Restaurant, wenn man wirklich Hunger hat und wenig Zeit: Es fällt einem nicht mehr ein, was man eigentlich mal lesen, hören oder essen wollte. Ich kenne nur wenige Menschen, die Einkaufslisten für solche Fälle führen, ich habe so etwas nie gehabt, obwohl ich beträchtlich viel dokumentiere und auf dem Smartphone festhalte. Aber z.B. im aktuellen „Spiegel“ eine Buchvorstellung zu lesen und dann mit Knopfdruck das Buch einfach kaufen zu können. Der Preis ist mir in diesem Kontext übrigens schnurz. Jedenfalls mehr schnurz als bei neuen Papierbücher, bei denen man immer im Hinterkopf den Denksplitter hat, dass man doch eigentlich auch warten kann, bis es als Taschenbuch herauskommt.
  • Es eröffnen sich mit E-Books gewaltige Indie-Galaxien
    Indie-Autoren und -Bücher, also Werke, die abseits von großen Verlagen erscheinen, ist nicht jedermanns Geschmackssache und sicher auch nicht in jedem Genre ohne größere Schmerzen zu ertragen. Da ich Science-Fiction mag und Amazon eine recht liberale Haltung zum Verlegen von Indie-Werken hat, ist der Kindle-Shop quasi ein Himmelreich.
  • Eine Leseliste sorgt für mehr Lesen
    Daran habe ich jetzt auch lange nicht geglaubt, aber bei mir funktioniert es: Eine Leseliste mit der „Pipeline“ aller zu lesenden Bücher sorgt auch dafür, dass man wirklich zum Lesen kommt. Die meisten Papierbücher nehmen immer den Weg des guten Vorsatzes, dann landen sie auf dem Tischchen mit den zu lesenden Büchern und irgendwann spazieren sie ungelesen ins Bücherregal. Da machen sie in der Masse sicher Eindruck für Besucher, aber ansonsten tun sie nichts.
  • Der Querverweis zu Wörterbüchern und Wikipedia sorgt für Wissensaufnahme
    So ein Wörterbuch darf man schon in den Kindle-Apps schätzen lernen, auf dem Kindle gibt es aber noch die Verweismöglichkeit zur Wikipedia. Keine Ahnung, wie ich je vorher darauf verzichten konnte. Pro Buch bin ich mindestens fünf Mal dabei, einem Wort in der Wikipedia nachzugehen.

Was übrigens weiterhin selbst für mich nicht geht, sind bestimmte Buchformate als E-Book, beispielsweise Atlanten (gut, wer im Zeitalter von Google Maps noch einen braucht), Bildbände oder Ratgeberbücher, die z.B. viel auf Skizzen und Vorlagen setzen und schon allein aufgrund fehlenden Farben auf den monochromen Kindles nicht gut aussehen können.

Ein Rant zu Imagefilmen.

So ein paar Sachen hat mir das ZDF in meiner doch verhältnismäßig kurzen Zeit beim Fernsehen vermittelt. Eine gelernte Regel ist dabei so universell, dass ich sie quasi jeden Tag als Probe anwende, egal ob in Texten, Blogartikeln oder kleinen Filmen:

Wenn du etwas zu erzählen hast, dann erzähle es. Wenn es keine spannende Geschichte ist, dann hast du nichts zu erzählen.

Es herrscht wohl absoluter Konsens darüber, dass Fernsehen nur dann gut funktioniert, wenn es Geschichten erzählt. Das können vergangene Geschichten sein, aber natürlich auch gerade live passierende, wie beispielsweise Sportübertragungen. Packend wird es dann, wenn es eben eine spannende Geschichte ist beziehungsweise wird und dann bleibt so eine Geschichte am ehesten auch im Kopf. Alles andere ist buchstäblich Durchfall.

Damit so eine Geschichte erzählt werden kann, ist natürlich einiges an Arbeit nötig. Fernsehen muss man technisch produzieren und dazu braucht es gewisse Technik. Gerade bei Bewegtbild werden mehrere Sinne angesprochen und das muss in einem komplizierten Gleichklang (den übrigens niemand wirklich gut beschreiben kann) geschehen. Über der technischen Produktion thront das Drehbuch (selbst für Events, die live produziert werden) und das Fingerspitzengefühl der Regie. Und am ehesten dann kommt am Ende auch ein technisch gut produziertes, dramaturgisch stimmiges und vor allem spannendes Werk heraus.

Das sind in unserer heutigen Zeit produzierte Imagefilme von Unternehmen in der Regel nicht mehr. Und das, obwohl sie immer noch eine schöne Stange Geld kosten, es deutlich erschwinglichere Technik gibt und es auch viel mehr Kurse, Studiengänge und Bücher über Bewegtbildgestaltung gibt, also noch vor 20 Jahren.

Der konzeptlose Film.

Das sind meist die Imagefilme, die ohne Drehbuch beginnen und bei denen es den Filmemachern am Gespür fehlt, die richtigen Bilder auszuwählen. Beides ist schon für sich gesehen schlimm genug, aber was bei so Konzeptlosigkeit entsteht, ist Panik beim Filmemacher, keinen Beitrag zusammenzubekommen.

Und dann beginnt man, den Kunden die Regie führen zu lassen über das, was der Kunde für wichtig und spannend hält. Und dann wird es meist schlimm, denn es folgen dann gern Monologe über Produktionsabläufe, Unternehmensleitlinien und Referenzen, die untermalt werden mit Naheinstellungen von undefinierbaren Produktionsprozessen, wackeligen Schwenks über schlecht ausgeleuchtete Fabrikhallen, Büroräumen und Messeständen. Kein Drehbuch, keine Erzählung und damit auch keine spannende Geschichte. Geld versenkt. Ein Film, der maximal als Hintergrundmotiv für den nächsten Messeauftritt taugt und auch da nur stummgeschaltet, weil ihn keiner versteht.

Die Droge der mächtigen Bilder.

Die nächste Kategorie von Imagefilmen ist am anderen Ende der Skala. Schmissige, hochdramatische Musik, hollywood-reife, nachstabilisierte Aufnahmen aus der Hand, der komplette Mut des Aufnahmeteams verewigt in monumentalen Bildern (sehr gern aus der Schräge heraus), später im Schnitt dann mit Überblendungen aneinandergefügt, die jeden altgedienten Fotolaboranten Wochen an Arbeit gekostet hätten. Und schließlich der brutalstmögliche Sprechertext mit allen schnellgesprochenen Rekorden, die die Unternehmensgeschichte hergibt, eingesprochen von einem Sprecher, der zwar kein Profi ist, aber von sich selbst glaubt, wie ein Profi zu sprechen.

Das Ergebnis ist ein Imagefilm, der am Ende nur dem Auftraggeber wirklich gut gefällt und schon bei den Kollegen die erste Fremdscham auslöst, die um ein Vielfaches bei allen empfunden werden, die eben nicht bei diesem Unternehmen arbeiten und kein Anhimmeln nötig haben.

Imagefilme bedeuten Leistungsschau, nicht deren Produktion.

Medienleute haben ein sehr, sehr gutes Gespür dafür, ob eine Produktion funktioniert oder nicht, in dem sie das Level des „Produktions-Gegackers“ einschätzen können. Macht sich einer Gedanken über Geschichte oder Bilder oder zieht da einer sein schickes Portfolio aus der Tasche? Sammelt einer bei der Begehung still Bilder und Eindrücke oder schwenkt er schon mit seiner teuren Elektronik? Entwickelt jemand eine Dramaturgie und kann den Imagefilm schon vor dem Dreh erzählen (was mit einem Drehbuch kein Problem sein darf), oder will einer erst mal drehen und dann mal schauen, ob er etwas zusammengepuzzelt bekommt?

Das Gegacker in der Medienbranche ist bisweilen schwer verständlich (und für Kenner auch schwer erträglich) und es sind in den allerseltensten Fällen die lauten Hähne und Hühner, die tatsächlich sinnvolle Arbeit abliefern. Es gibt kaum eine andere Ausdrucksform wie Bewegtbild, in der man trotz bester Technik die schrecklichsten Dinge anstellen kann und der Grat zwischen Überlegenheit und Peinlichkeit ist verdammt eng. So eng, dass eher mehr Medienschaffende bei vielen Darstellungsformen kläglich daran scheitern, als wirklich gute Werke zu produzieren.

Auf was soll man denn achten?

Also, sehr einfach und klar beginnt es mit der Frage: Braucht es überhaupt einen Imagefilm? Braucht die kleine Schreinerei tatsächlich einen 3-Minüter für die eigene Homepage, die im Monat kaum mehr als 10 Besucher aufweist?

Wenn Sie einen Imagefilm haben möchten, dann sollten Sie schon vor dem Einholen des ersten Angebotes im Klaren darüber sein, wo der Film überhaupt eingesetzt werden soll und ob das überhaupt stimmig ist. Wenn Sie erst einmal ein Angebot einer Produktion vorliegen haben, ist das fast schon zu spät, denn nur die wenigstens Filmproduktionen werden Ihnen davon abraten, ihr Angebot nicht anzunehmen.

Wenn Ihnen Ihre Werbeagentur einen Imagefilm empfiehlt, dann sollten Sie das erst recht hinterfragen, denn immerhin muss die Werbeagentur auch die Antwort dazu liefern, wie sie sich den Imagefilm in Ihrem Auftreten beziehungsweise Ihrer Kampagne vorstellt. Und wenn Sie mutig sind, können sie ruhig auch einmal fragen, ob und in welcher Beziehung Werbeagentur und vorgeschlagene Filmproduktion miteinander stehen. Sie zahlen den Spaß der beiden Freunde immerhin.

Der nächste Schritt ist ein ausführliches Briefing mit jemandem, der so etwas wie eine Dramaturgie für den Imagefilm liefern soll und damit die Aufgabe hat, ein Drehbuch zu schreiben. Diese Vorarbeit ist die wichtigste Phase, denn erst hier findet der Autor des Drehbuches die Möglichkeit, sich mit dem Unternehmen, den Leuten und den Produkten auseinandersetzen zu können. Wenn Ihnen so ein Autor beim Briefing leicht auf die Nerven geht mit seinen Fragen, andauernd stehenbleibt, mit Menschen spricht und auch Ihnen mitunter sehr grundsätzliche Fragen zu Ihrer Motivation stellt, dann macht er seinen Job.

Grundregel: Kein Imagefilm und keine finale Produktionsfreigabe ohne ein vorab geschriebenes und detailiertes Drehbuch! Üblicherweise findet sich in so einem Drehbuch eine auf einem Zeitstrahl festgelegte Skizze mit Einstellungen, Motiven und Interviews inklusive einem Fragenkatalog. Auch der später einzusprechende Text findet sich hier schon in einer Rohfassung, der natürlich zeitlich mit der Länge des Filmes abgestimmt sein muss. Der Autor sollte Ihnen das Drehbuch erklären und auch die dramaturgischen und filmischen Stilmittel erläutern, die er darin vorgesehen hat. Das macht man gegenüber Laien üblicherweise mit Skizzen, Fotos oder einzelnen Filmsequenzen.

Das fertige Drehbuch ist der Dreh- und Angelpunkt der Produktion, denn damit können Sie als Auftraggeber überhaupt Einfluss nehmen auf die Produktion. Sie geben das Drehbuch frei und dann muss entsprechend danach produziert werden. Es ist übrigens kein Fehler, ein Drehbuch auch Mitarbeitern und Freunden zu zeigen und darüber zu sprechen. Noch mehr Sichtweisen bringen möglicherweise weitere Ideen, die von Ihnen übersehen wurden.

Und auch die Stimme des Sprechers, der den Text in Ihrem Imagefilm sprechen soll, sollte jetzt gehört werden. Das bitte nicht unbedingt in einem persönlichen Gespräch, sondern in Form eines tatsächlich eingesprochenen und aufgenommenen Textes. Es gibt viele Sprecher, die unglaublich unsympathisch wirken, aber brillante Spreche sind. Umgekehrt geht das übrigens auch …

Nach der Aufnahme von Bildern und Tönen wird dann als nächstes üblicherweise eine Rohschnittfassung erstellt, die wiederum einen Meilenstein des Filmes darstellt. Hier wird Ihnen die Produktion schon eine recht genaue Vorschau auf den fertigen Film geben können. Üblicherweise gibt es hier und da Diskussionsbedarf über einzelne Szenen, was aber im Rohschnitt kein sehr großes Problem darstellt, weil hier noch an Bildern und Abfolgen gearbeitet werden kann. Selbst das Nachdrehen von Interviews oder einzelnen Einstellungen ist hier noch mit wenig Aufwand möglich. Machen Sie davon auch Gebrauch, wenn Sie das Gefühl haben, dass z.B. ein Interview nicht sehr gelungen scheint.

Ist die Rohschnittfassung abgesegnet (schriftlich festhalten!), beginnt die Endfertigung. Der fertige Bildschnitt wird erstellt, der Ton wird abgemischt und der Sprechertext wird eingesprochen. Ab der Abnahme der Rohschnittfassung sind daher größere Änderungen im Ablauf nur noch mit großem Aufwand zu machen, weshalb eine gute Filmproduktion auf eine Abnahme der Rohschnittfassung üblicherweise auch bestehen wird.

Sorry, geht das alles auch eine Nummer kleiner?

Jaja, wir sind nicht Hollywood, das hört man sehr oft, wenn ein Imagefilm peinlich, eine Erzählung zu platt, eine Produktion zu unfähig oder das Budget einfach zu klein ist. Natürlich geht es auch kleiner und wenn man eine gute Produktionsfirma am Start hat, dann klappt das manchmal sogar trotzdem noch irgendwie.

Viel öfter ist aber das genaue Gegenteil der Fall und der fertige Imagefilm verfehlt seine Wirkung dramatisch. Denken Sie dabei einfach immer an den Teil der Kinowerbung, der die Werbespots von lokalen Unternehmen enthält. Auch da haben einige gemeint, dass es auch eine Nummer kleiner gehen wird.

Please welcome PF-BITS.

Ich habe da mal wieder etwas vorbereitet… wieder mal ein kleines Webprojekt als Ergebnis aus einigen WordPress-Experimenten mit Custom Post Types, Taxonomies und benutzerdefinierten Feldern.

Logo PF-BITS„PF-BITS“ ist, dem Kürzel entsprechend, etwas aus Pforzheim. Dahinter verbirgt sich schon seit sehr langer Zeit ein inzwischen ganzes Paket von Ideen, die jetzt aber zumindest einmal eine WordPress-Multisite-Installation als Heimatbasis haben. Angefangen wird gleich mit etwas sehr komplexen, nämlich dem Tages- und Mittagstisch-Dschungel einer mittelgroßen Stadt. Das hört sich alles sehr, sehr einfach an, aber hier treffen viele Welten aufeinander. WordPress, die Logik eines Systemanalytikers und die Logik vieler Gastronomen.Ergebnis ist jetzt das Sub-Projekt PF-BITS Mahlzeit! und eigentlich ist es herzlich einfach aufgebaut: Es gibt Lokalitäten, es gibt deren Wochenkarten und es gibt täglich einen automatisierten Prozess, der aus all dem Sammelsurium eine tagesaktuelle Übersicht aufbaut und lesefreundlich in einen Artikel packt.Das funktioniert im jetzigen Stadium schon ganz prächtig und immerhin auch schon mit drei handverlesenen Lokalitäten in Pforzheim, die ich übrigens alle persönlich empfehlen kann, weil ich sie kenne und sie das kleine Experiment hier mitmachen. Ein ungenannter Wirt dieser drei Lokalitäten meinte nach einer kurzen Einführung am Telefon nur: „Besim, ich habe absolut keine Ahnung, von was du da sprichst, aber bitte mach‘ es und nimm uns hinein.“

Geld verdienen mit Flüchtlingen.

Ein offensiver Titel, aber ich will das erklären. Vor gut fünfzehn Jahren flatterte ein Brief ins Haus herein, adressiert an die Firma „NETPLANET“. Absender war die VG WORT und legte einen Scheck über ein paar Euro bei, die ich bis dahin unbekannterweise in Form von Tantiemen mit netplanet verdient hatte, da ein Schulbuchverlag Auszüge der in netplanet verfassten Netiquette abgedruckt hatte. Betonung auf „ein paar Euro“, denn der Betrag wurde niemals auch nur annähernd zweistellig, so dass die „Hauptausschüttung Schulbuch“ für mich eher ein Job zum Abheften war. (Ganz im Gegensatz zur jährlichen METIS-Ausschüttung übrigens, wo doch ein dreistelliger Betrag im Jahr hereinkommt.)

Dieses Jahr ist die Hauptausschüttung Schulbuch aber immerhin zweistellig mit etwas über 35 Euro. Nun mit zwei Texten, die aus netplanet für verschiedene Schulbücher übernommen wurden und nun in Deutschfibeln für die Inklusion, also Bücher zu „Deutschkursen“, stecken.

Das ist zwar immer noch ein jährlicher Betrag, der gerade einmal für ein gutes Mittagessen zu zweit reicht, aber … gern geschehen! Sinnvoller kann meine Arbeit gar nicht eingesetzt werden.

Wie Fernwartung EDV-Leute faul macht.

Heute war wieder ein klassischer Fall. Eine Kundin ganz weit draußen, 20 Kilometer Anfahrt ins weite Land. Schon allein die Entfernung eine Sache, die EDV-Leute abschreckt. Nichtsdestotrotz hat die Kundin ein Problem, denn der Internet-Zugang ihres Büros wackelt und fällt ständig aus. Nach kurzer Anamnese war klar, dass ich mir das vor Ort anschauen wollte.

Eine wackelige Verbindung kann viele Ursachen haben. Probleme auf der DSL-Leitung (war auszuschließen, da die Telekom schon geprüft hatte), Probleme mit dem Router (Überhitzung, Kabelprobleme, schlicht kaputt oder sonstwas) oder Probleme mit dahinterliegender Hardware. Eigentlich relativ einfach zu klären, im Ernstfall einfach mit der Installation eines Ersatzrouters.

Vor Ort sah es dann recht aufgeräumt aus. Der Router zeigt sich als ein Ethernet-Router von Lancom, der via einem billigen Telekom-Speedport-Plastikbomber – in reinem Modem-Modus geschaltet – ins Internet geht. Keine ungewöhnliche Konstellation.

Der jetzige Dienstleister, ein nicht ganz kleines Systemhaus, hatte das Problem auch bereits gemeldet bekommen, allerdings nicht lösen können. Eine Reihe von DSL-Splittern mit seltsamen Markierungen lagen schon herum. Auf den Ethernet-Router kam er zwar von der Ferne (hingefahren ist niemand), fand da aber keine Probleme, wollte da aber auch nichts umkonfigurieren und auch keine Updates aufspielen. Gut, kann man so machen, muss man aber nicht.

Vor allem hätte der Dienstleister einmal seinen Hintern aus seinem Büro bewegen sollen, um zumindest zu erkennen, dass der Router mit großer Sicherheit nicht das Problem ist, sondern das Modem. Zwar gab er an, dass das Modem angeblich von der Ferne aus geprüft worden sei, das aber ist eine glatte Lüge. Ein Modem ist netzwerktechnisch eine Bridge und wenn die nicht gesondert über Diagnoseschnittstellen verfügt (hat der Speedport nicht), lässt sich von der Ferne rein gar nichts prüfen, wenn man nicht auf die untere Netzwerkebene kommt. Das kann nur die Telekom selbst.

Stattdessen hat der Dienstleister ein Angebot für einen neuen Router geschickt. Teuer und wieder nur ein Ethernet-Router. Sprich: Die Kundin hat gutes Bauchgefühl bewiesen, denn mit der Anschaffung des neuen Routers wäre erst einmal nichts besser geworden, weil ja das Modem immer noch da wäre. Jetzt lassen wir einfach mal ein neues Modem kommen, was die Telekom im Rahmen eines DSL-Upgrades wahrscheinlich herschenken wird und dann läuft das Ding.

Fernwartung ist nett und vor allem im Bereich Windows- und Desktop-Support ein gehöriger Einsparfaktor gegenüber der früher üblichen „Turnschuhadministration“. Allerdings beobachte ich es immer häufiger, dass EDV-Leute den Kontakt zur Basis verlieren und entweder keine Ahnung mehr haben, dass man gerade bei kleineren Installationen nicht alles über eine Fernwartung herausbekommen oder schlicht lieber den Kunden anlügen und hinhalten, um ja nicht aus dem Haus zu müssen.

 

Auf der PS4: DiRT Rally.

Der Kauf einer PlayStation 4 war bei mir keine Frage des Ob, sondern des Wann. Auf genau zwei Spiele warte ich da: Die nächste Version von Gran Turismo (worauf wohl noch länger zu warten ist, da dieses Jahr erst noch ein Prequel erscheinen wird) und DiRT (ehemals „Colin McRae DiRT“). Beide Spielfamilien garantieren seit Jahren beste Rennsimulation.

DiRT Rally ist die fünfte Version der DiRT-Serie und die immerhin schon zehnte Inkarnation der gesamten Colin-McRae-Rallyeserie. Der Rallyefahrer Colin McRae, der nach seiner Rennkarriere bis zu seinem frühen Tod bis 2007 als Berater für die Rennserie tätig war, hatte dem Spiel von Anfang an die DNA verpasst und erfreulicherweise ist diese DNA in der aktuellsten Version DiRT Rallye immer noch eindeutig zu bemerken. Beziehungsweise „endlich wieder“.

Das DiRT-Team der Softwareschmiede von Codemasters hat nämlich bei der Entwicklung einen meiner Meinung nach zentralen Fehler wieder korrigiert, nämlich den Irrweg zu dem so genannten Sport namens Gymkhana. Klar, Ken Block ist ein Meister, wie man mit einem Auto möglicherweise stundenlang um einen Kaffeebecher zirkelt. Aber bitteschön: Mit Rallye hat das nichts zu tun. Schon bei DiRT 3 waren die Gymkhana-Einlagen eher langweilig und erinnerten an so Klamauk-Simulationen wie Motorstorm und DiRT 4, in dem man gänzlich dem Gymkhana-Irrsinn verfiel, war das PS3-Spiel, was ich am kürzesten besaß, nämlich genau zwei Tage lang.

Jetzt ist mit DiRT Rally also wieder alles Rallye und damit auch alles wieder gut. Und ich habe eine PS4 dafür gekauft. Dazu muss man nicht viel sagen: Die PS4 tut DiRT Rally gut (umgekehrt dank des immer noch schwachen Marktes an Rennsimulationen übrigens auch). Das Spiel kommt vollständig in 1080p daher und es ruckelt genau nichts. DiRT Rally ist das erste DiRT, das es dank der hohen Bildwiederholrate nun problemlos schafft, einen Tunnelblick entstehen zu lassen. Glasklare Bilder, wunderschön strukturierte Strecken, Wolken, Bäume, Zuschauer, kaputtfahrbare Schilder. Auf und in den extrem detailierten Autos bewegen sich die Schatten und selbst auf den Chromteilen des Exterieurs spiegelt sich die Landschaft. Hier haben sich echte Liebhaber der Renderings verewigt und das DiRT-Team ist zweifellos in die Gran-Turismo-Simulationsliga aufgestiegen. Und eigentlich auch darüber hinaus.

Denn was in DiRT Rally sofort im ersten Rennen beeindruckt, ist die „schmutzige“ und ruppige Fahrweise. Es fängt mit so Boliden wie einem alten Mini Cooper an, der natürlich in Sachen Antrieb und Leistung lächerliche Werte hat. Mit so einem Pups von Auto gleich auf eine der wirklich bürstigen Strecken wie die Griechenland-Rallye geschickt zu werden, ist Sadismus, denn selbst Simulationsprofis bekommen hier erst mal eine ordentliche Abreibung. Die Steuerung nimmt einem jeden noch so kleinen Fehlgriff übel. Damit ist nicht zu spaßen, denn das Schadensmodell ist umfangreich und die Karre ruck zuck kaputt. Die ersten Etappen waren daher richtig frustrierend, zumal es sich anfangs auch ausgesprochen wenig Credits verdienen lässt, um ein flotteres Auto zu kaufen. Dazu kommt, dass die richtig guten und modernen Fahrzeuge eine Stange Geld kosten.

Fahrzeuge … ein Traum.

Bei den Autos in DiRT Rally gibt es nichts zu meckern. Hochdetailiert, alle hören sich unterschiedlich an und alle haben ihre Eigenheiten. Wer glaubt, mit dem Fahren eines Allrad-Autos sei der Rallye-Olymp erreicht, sollte sich mal einen Fronttriebler oder gar einen Hecktriebler unter den Sitz schnallen. So einen störrisches Auto wie einen Opel Manta, Hecktriebler von Geburt an, über Stock und Stein zu schaukeln, ist echte Arbeit. Die man noch härter machen kann, wenn man sich eine Nachtstrecke gönnt und in den ersten Kurven gleich mal die Scheinwerfer zerdeppert. Denn dann geht es weiter im Blindflug …

Das Schadensmodell ist sehr ausgefeilt und es geht im Prinzip alles kaputt, wenn man es weit treibt, bis hin zum Totalausfall. Zwar gibt es die Möglichkeit des Service während einer Rallye, aber das Team dazu kostet auch Credits und das nicht zu knapp. Und in einer halben Stunde ist ein völlig zerdeppertes Auto auch nicht wieder vollständig gesund zu machen.

Strecken … Qualität vor Quantität.

Für die Strecken in DiRT Rally gilt, dass sie extrem detailiert und fein sind, allesamt mit Tücken ausgestattet, dennoch aber gut zu fahren. Das Problem ist, dass man sie schon nach wenigen Wochen weitgehend auswendig kann. Es gibt nämlich nur Rallyes in Schweden (Schnee), Finnland (Schotter, freundliches Wetter), Wales (Schotter, beschissenes Wetter), Deutschland (Beton), Griechenland (Schotter, Staub). Zwar bestehen die Rallyes aus jeweils mehreren Etappen, die jedoch allesamt auf jeweils zwei großen Strecken bestehen.

Darüber hinaus gibt es die Pikes-Peak-Bergfahrt in den USA und einige Rallye-Cross-Rennen, deren Unterhaltungsfaktor allerdings eher beschränkt sind. DiRT Rallye fährt sich also nach wenigen Wochen relativ automatisch und lebt nur noch davon, dass man sich in den immer höheren Rennserien mit immer stärkeren Gegnern und engeren Zeiten herumschlagen muss. Eine leise Hoffnung bleibt, dass in nächster Zukunft vielleicht weitere Rallyes online dazugekauft werden können. So eine Produkt- und Communitypflege mich aber ehrlich gesagt eher wundern.

Online.

Die Möglichkeit, online Rennen zu fahren, beschränkt sich weitgehend darauf, dass für bestimmte Zeiträume ein Rallye oder eine Etappe angeboten wird und online eine Tabelle aller Teilnehmer geführt wird. Je nachdem, wie gut man in dieser Liste ist, desto mehr Credits gibt es. Reich wird man davon allerdings nicht, so dass die meisten Credits im Offline-Modus gesammelt werden müssen.

Sprich: Aus dem Online-Modus geht recht bald die Puste aus, weil es einfach an zu wenig Strecken und Herausforderungen krankt. Das wäre schon einfach durch zusätzliche Schikanen auf den Strecken zu beheben, aber mich fragt ja keiner …

Fazit

DiRT Rally ist sicherlich eine Rallye-Simulation am oberen Ende der Messlatte und Codemasters nun ganz oben im Simulationshimmel. Das Produkt ist den High-End-Spielekonsolen würdig und hat für Rallye-Fans alles wichtige an Bord. Sowohl Anfänger als auch Profis haben mächtig was zu beißen, um mit halbwegs guten Zeiten punkten zu können.

Etwas mehr Vielseitigkeit täte DiRT Rally gut und eigentlich besitzt es alle guten Eigenschaften, um vielleicht mit einem zusätzlichen Strecken-Paket (das ja auch durchaus etwas kosten darf) in Zukunft nochmal das Tableau der Rallye-Simulationen aufzurollen. Klar muss man sagen: An DiRT Rally werden sich alle Rallye-Spiele messen lassen müssen und das sicherlich für eine ganze Weile.

Zur derzeitigen Flaggendiskussion.

Schland flaggt ab„, sagt zumindest Michel Ebmeyer in der ZEIT. Und eigentlich, ja, finde ich das okay, das man zu Nationalflaggen einen gesunden Respekt zeigt. Nicht bei jedem Muskelzucken sofort zur Nationalflagge greifen zu müssen, hat noch lange nichts damit zu tun, dass man keinen Nationalstolz besäße, aber ist es nicht arm, wenn man außer Nationalstolz nicht mehr viel mehr Stolz hat? Individueller Stolz über eigene Leistungen ist doch schöner, als wenn ich einer Truppe hochbezahlter Fußballer zujuble, die für ihren national mehr oder weniger wichtigen Job auch nicht zu knapp Geld einstreichen. Recht unmittelbar auch dein Geld.

Endeffekt der Diskussion: Ich käme niemals auf die Idee, eine Nationalflagge an mein Auto zu hängen. Wobei, doch, zu Zwecken der Volksbildung vielleicht, um den Sinn von Nationalflaggen in einer modernen Gesellschaft darzustellen.

Ich habe da mal etwas vorbereitet, zur freien Verfügung. Einfach beim Textilbedrucker des Vertrauens ausdrucken und dann dort aufziehen, wo immer es beliebt. Das Motiv ist international gültig und liegt als PDF-Datei vor: The flag

Das Ende des Berufsbildes des Kameramannes.

Einen wunderbar klaren Artikel hat kürzlich mein Lieblingskameramann Peter in Facebook geteilt. Erschienen ist der Artikel in der Fachzeitschrift „Kameramann“ (ja, die gibt es) und es ist eine Geschichte darüber, warum der Kameramann Stefan Nowak nach 20 Jahren seinen Job aufgegeben hat und nun in der Baubranche tätig ist. So ein Branchenwechsel ist eine echte Ansage und tatsächlich erklärt dieser schöne Artikel über eine inzwischen sehr unschön gewordene Branche alles. Bitte einfach mal in Ruhe lesen: Kameramann – Das Ende einer Leidenschaft

Nun ist es so, dass der Berufswunsch in meiner halben Kindheit die des Kameramannes war. Die Faszination, für das Fernsehen in die Welt zu ziehen und Reportagen da zu drehen, wo es wehtut. Die schrecklichen Da-Nang-Filme über Auswirkungen des Vietnamkrieges waren mitunter ein Auslöser, mindestens ebenso eindringliche Filme zu produzieren und interessanterweise durfte ich mit dem damaligen Kameramann der Da-Nang-Filme sogar eine Weile zusammenarbeiten, wenn auch im normalen Fernsehbetrieb und nicht tief in irgendeiner Wildnis.

Dass es mich nicht erst nach 20 Jahren aus der Fernsehwelt herauszog, sondern schon nach drei intensiven, lag daran, dass 1998 der Internet-Boom begann und ich einen Branchenwechsel verhältnismäßig einfach durchziehen konnte, auch wenn ich noch eine ganze Weile lang mit dem Jobwechsel zahnte. Wenn ich aber den Kameramann-Artikel lese, finde ich da die exakt gleichen Gründe, die mich 1998 zum Auszug aus der Fernsehwelt bewogen. Ich war sicherlich nicht der beste Kameraassistent der Welt, aber es lag mir sehr, auf freier Wildbahn in der Pampa mit minimalster Technik noch das beste herauskurbeln zu müssen und nicht wenige meiner Kamerakollegen bedauerten meinen Weggang. Nicht mit dem Unterton, dass man sich daran wohl gewöhnen müsse.

Schon damals begann der Trend, immer mehr Fernsehproduktionen aus den Sendeanstalten herauszubefördern und lieber von externen Produktionsfirmen zu ganz anderen Preisen durchführen zu lassen. Mit der Folge, dass für die sendereigenen Kamerateams immer weniger spannende und aufwendige Produktionen blieben. Ein weiterer Effekt war der Wandel vom Zwei-Mann-Kamerateam zum einzelnen Kameramann, heutzutage sogar ganz herunterdividiert auf den „Videojournalisten“, der alles macht: Redaktion, Kamera, Ton. Das reicht vielleicht für einen Einspieler, aber eine Reportage bekommt man so nicht mehr hin.

Zu meiner Zeit fing es 1998 beim ZDF an, die übliche Tagesgage für freie Mitarbeiter auf eine Halbtagesgage zu kürzen, wenn der Einsatz kürzer als vier Stunden dauerte. Die offizielle Argumentation war, dass man bei so kurzen Einsätzen noch genügend Chancen hätte, einen anderen Job für den Tag zu bekommen. Aber natürlich war das nichts anderes als argumentativer Weichspüler von Controllern. Wenn du vormittags auf dem Lerchenberg als Kameraassistent unterwegs bist, findest du nicht passend um 14 Uhr den nächsten Job bei einem anderen Sender und schon gar nicht in einem Umkreis von unter einer Stunde Anfahrt. Und versäumst du im Gegenzug einen Auftrag beim ZDF, weil du woanders unterwegs bist, kann es das dann für Tage oder Wochen gewesen sein.

Sprich: Schon 1998 war beim ZDF für freie Mitarbeiter im Bereich Kamera (und in vielen anderen technischen Bereichen) weitgehend Schicht im Schacht, wenn man nicht hart auf einen Zeitvertrag und eine der schon damals weniger werdenden Planstellen arbeitete, nebenbei aber zwingend Geld verdienen musste. Schon damals geriet der Job des Kameramannes und der Vorstufe Kameraassistent zu einem Job für richtig krasse Typen, den Jungs und Mädchen, die die Ehre hatten, Sendernachwuchs zu sein oder für die Leute, die genügend Schotter hatten, sich das Hobby Kameramann zu leisten.

Das war schon damals bedrückend, das mit anzusehen und es hat sich in den 20 Jahren danach alles noch viel schlimmer entwickelt. Ich kenne eine Reihe von ehemaligen Assistentenkollegen, die heute nicht mehr beim Fernsehen arbeiten. Keiner hat den Job gelassen, weil es ihm nicht Spaß gemacht hätte oder es nicht die eigentliche Berufung war. Sondern Fernsehen ist schlicht kaputt. Es ist inhaltlich nicht mehr als ein Schatten dessen, was es noch vor 20, 30 Jahren war und ist in Sachen Produktion und Kreativität ausgelutscht und nur noch abhängig von einigen großen Produktionsfarmen und ganz wenigen wirklich kreativen und idealistischen Querdenkern, denen man aber auch nach erschreckend kurzer Zeit als Kenner in ihren Sendungen ansieht, wie sie ausgesaugt werden.

Es ist ein Dilemma.

RSS-Feedreader selbst hosten.

RSS-Feeds gehören auch nach über zehn Jahren immer noch zu meinen Hauptnachrichtenquellen. Weniger für echte Nachrichten – das erledigt auch weiterhin fast ausschließlich SPIEGEL Online für mich – sondern für den ganzen anderen Rest. Computernachrichten einiger einschlägiger Ticker, viele Blogs, Update-Feeds vieler Open-Source-Projekte, einige Google-News-Feeds, Feeds meiner Kunden. Rund 100 Feeds kommen aktuell zusammen, von denen ich keinen vermissen möchte.

Fremdgehostete Dienste, oder: Ach, Google Reader!

Der Google Reader war der Beginn der echten Feed-Organisation. Vorher hatte ich Feeds noch direkt lokal am PC abonniert, was jedoch irgendwann ziemlich unpraktisch wurde, weil dazu logischerweise der PC zu Hause immer eingeschaltet sein musste. Zwar gab es mit Windows XP den Remote Desktop, aber zu Hause den PC eingeschaltet zu haben, nur weil Feeds bereitgehalten werden sollten, war Käse.

Der Google Reader konnte alles viel besser. Schnell, spartanisch-übersichtliche Oberfläche, eingängige Bedienung via Tastaturkurzbefehle. Nur leider machte der Google Reader im Jahre 2013 den Gang in die Ewigen Jagdgründe. Ein immer noch herber Verlust eines liebgewonnenen Dienstes.

Mehr aus Verzweiflung vertraute ich Feedly meine via OPML exportierte Feed-Liste an. Glücklich war ich mit Feedly von Anfang an nicht, sondern war schlicht froh, dass es so ähnlich funktionierte, wie der Google Reader. Und unter anderem eine Android-App mitbrachte, die ich auf meinen Android-Büchsen brauchte.

Sicherlich muss auch so ein Dienst wie Feedly von Geld leben. Allerdings bin ich mit meiner zweiten Hirnhälfte ein verkappter Kaufmann und 65 US-Dollar pro Jahr sind mir für das Bereithalten meiner Feeds zu viel. Ich syndiziere meine Feeds nicht komplex, sondern möchte sie mehrmals am Tag einfach von hinten nach vorn durchblättern und lesen. Und ab und zu die Suchfunktion benutzen, was dann aber mit dem kostenlosen Feedly-Account nicht geht. Wer also nicht diszipliniert interessante Feed-Diamanten bookmarkt, verliert sie im kostenlosen Feedly Account.

Selbst hostet der Mann.

Also blieb irgendwann keine Alternative zum Selbsthosten. Das wiederum habe ich doch tatsächlich fast drei Jahre vor mich hergeschoben. Unterm Strich bleiben bei einigen existierenden Projekten nur selfoss und Tiny Tiny RSS. Beide sind Open Source und kostenlos einsetzbar.

selfoss: Heißt wie ein Seeelefant und funktioniert in etwa auch so.

selfoss ist das erste Open-Source-Paket, das auf den ersten Blick mit einer interessanten Oberfläche daherkommt – und diesen ersten Eindruck beim ersten Durchblättern auch gleich wieder zerstört. Denn ein Artikel in ganzer Gänge wird doch tatsächlich in drei große Spalten aufteilt. Mit dem Ergebnis, dass man für einen sehr langen Text zunächst für die erste Spalte herunterscrollen muss, dann wieder herauf zum Beginn der zweite Spalte, runter bis zum Ende und wieder herauf zum Beginn der dritten Spalte. Das ist so unergonomisch wie eine Tageszeitung, die auf einem Bildschirm gelesen werden soll.

Zudem kommt selfoss sehr spartanisch daher. Keine Plugin-Schnittstelle, keine Organisationsmöglichkeiten für zu speichernde Artikel aus Feeds und nur die Möglichkeit, mit der offiziellen selfoss-App via Smartphone darauf zuzugreifen.

Immerhin ist selfoss sehr begnüglich in Sachen Hosting. PHP ist Grundvoraussetzung, bei der Datenbank sollte eine MySQL-Datenbank genutzt werden. Hat man letzteres nicht, funktioniert selfoss mit einer eigenen sqlite-Datenbank auf Dateibasis. Das ist zwar weit von echter Performance entfernt, funktioniert aber wenigstens.

Tiny Tiny RSS

Tiny Tiny RSS ist ein weiteres Open-Source-Projekt zum Selbsthosten und braucht zwingend PHP und MySQL. Die Installation ist nicht ganz so eingängig, denn der TTRSS-Entwickler entwickelt „rollierend“, also ohne Versionsstände. Das ist leider beknackt, denn so kann jeder heruntergeladene Stand entweder stabil sein oder schwer beta, aber vermutlich ist das für den Entwickler so am einfachsten.

In Sachen Installation muss man sich an die Konfigurationsanleitung halten, Datenbank-Zugangsdaten in eine Konfigurationsdatei packen und mehr oder weniger testen und frickeln, wenn man nicht das Glück hat, bei einem Webhoster zu sein, der Tiny Tiny RSS selbst als Installationspaket anbietet. Hat man Tiny Tiny RSS aber erst einmal zum laufen bekommen, funktioniert es auch sogleich und lässt OPML-Archive importieren.

Die Oberfläche kommt der des Google Readers am nächsten. Von Hause aus gibt es leider jedoch andere Tastaturkürzel, es gibt jedoch im Basisumfang in den Einstellungen unter den Plugins ein Plugin, das die Google-Reader-Tastaturkürzel zurückbringt. Meine Rettung, da ich in diesem Leben wohl keine anderen Tastaturkürzel für das Lesen von Feeds mehr erlernen kann.

Was sowohl für selfoss und auch für Tiny Tiny RSS zwingend benötigt wird, ist ein cronjob auf Seiten des Webhosters. Das ist vom Prinzip her ein automatisierter, zeitlich gesteuerter Aufruf eines Programmmodules, das für die Aktualisierung der Feeds sorgt. Hier glänzt Tiny Tiny RSS leider mit einer komplizierten Anleitung, die auch noch nicht mal den aktuellen Stand darstellt.

In meinem Fall musste ich noch eine Scriptdatei mit folgendem Inhalt schreiben, da mein Webhoster (wie so viele) keine Übergabe von zusätzlichen Parametern erlaubt:

#!/bin/sh
env -i /usr/local/bin/php5 -f ./update.php -- --feeds --quiet

Was möglicherweise hilft, wenn dieses Script hier nicht funktioniert: In den Webforen des eigenen Webhosters zu schauen, ob sich schon jemand mal damit beschäftigt hat.

Immerhin: Tiny Tiny RSS hat eine eigene API, mit der nicht nur die offiziellen (kostenpflichtigen) Apps des Entwicklers Zugriff auf die Feeds haben, sondern auch Dritthersteller. Zumindest für Android habe ich die kleine und feine App TTRSS gefunden, die den Zugriff auf meine Installation gut beherrscht und sich auch von einer SSL-gesicherten Verbindung nicht irritieren lässt. Schön ist zwar auch die Oberfläche von TTRSS nicht, aber Schönheit ist beim Feed-Konsum etwas, was nicht gebraucht wird.

LEGO-CAD.

Das Spielen mit Lego ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Ich hatte zwar nie richtig viel Lego, aber für eine mittelgroße Kiste reichte es allemal. Da kannte man dann jeden Stein irgendwann persönlich und es reichte für das Erwerben der grundlegenden Lego-Baukenntnisse. Zudem gab es in dem Haus, in dem ich meine Kindheit verbrachte, in der Nachbarschaft noch weitere 4 Jungs, die ebenfalls umfassende Lego-Kenntnisse mitbrachten. Und schließlich weiß der Kenner: Nicht die Menge an Lego macht den Unterschied, sondern der kreative und professionelle Einsatz. Dennoch träumten wir natürlich alle von der unerschöpflichen Lego-Steinquelle, denn die natürliche Hürde eines jeden Lego-Baumeisters war die Endlichkeit des Steinvorrates.

Eher durch Zufall bin ich vor einigen Wochen auf den LEGO Digital Designer gestolpert, einer kostenlosen CAD-Software von Lego für den Lego-Baumeister 2.0. Darüber kann man im ersten Moment lächeln, aber der LDD ist ein richtig gutes und professionelles Stück Software zum Aufbau von Lego-Modellen am Computer. Zwar gibt es mit LDraw bereits seit vielen Jahren eine Open-Source-CAD-Lösung, die auch ich einmal probiert habe, aber LDraw war immer etwas umständlich zu nutzen.

Aber zurück zum LDD, der eigentlich Kernstück eines Lego-Projektes war: Man baut mit der Software das Modell seiner Träume und bestellt am Ende die notwendigen Steine direkt bei Lego. Werden diese dann geliefert, lässt sich im LDD die komplette Bauanleitung exportieren, so dass das Modell dann auch tatsächlich gebaut werden kann. Den Service zur Teilebestellung gibt es nicht mehr, aber dafür exportiert LDD per Knopfdruck eine komplette Liste an verbauten Teilen als Excel-Tabelle, inklusive aller offiziellen Teilenummern. Damit lässt sich bei vielen Steineherstellern (und davon gibt es wirklich sehr, sehr viele) alles für das Wunschmodell bestellen.

Ist Lego am Computer eigentlich noch echt Lego-Spielen?

Witzigerweise ist das echt so eine Frage, die man sich als ehemaliger Lego-Fan so stellt: Ist man immer noch fähig für Lego nach über 20, 30 Jahren? Ich wollte mal den Test machen. Und das geht am besten mit dem Bau eines virtuellen Modells. Dazu musste das Gebäude der Schwarzwaldklinik herhalten. Dieses Gebäude hat den Vorteil, dass es dazu eine ganze Menge an guten Fan-Fotos im Internet gibt, die man dazu als Basis braucht.

Und dann geht es eigentlich auch schon los. Man baut die erste Etage, setzt die Fenster und Türen und kopiert dann die Etagen. Die kopierten Etagen werden dann auf die tatsächlichen Begebenheiten angepasst. Unten gibt es dann noch einen Erker und Eingangsbereich. Das Dach war dann schon etwas schwerer, denn es gibt, schwarzwaldtypisch, einen Halbwalm zu beachten und unterschiedliche Dachschrägen. Hier ist dann schon echtes Lego-Fachwissen gefragt.

Es dauerte ca. eine halbe Stunde, bis ich wieder in der Materie war. Das Lego-Fachwissen fängt schon an beim Bauen von Steinreihen. Man setzt nicht einfach Steine aufeinander, sondern baut ordentlich versetzte Reihen, um maximale Stabilität zu haben. Das weiß man als Kind aufgrund der Erfahrungen, aber erkläre das mal als Erwachsener! Ebenso muss man bei Dächern höllisch aufpassen, Dachgauben auf beiden Seiten exakt gleich aufzubauen, damit man das alles bündig zur Seitenwand hinbekommt. Wer nicht aufpasst, baut und baut und darf dann beim Entdecken des Fehlers wieder einiges abreißen.

Und genau hier wird es beim CAD-Legospielen dann interessant, denn einreißen ist hier natürlich viel einfacher. Klickklickklick und weg ist die falsch gebaute Komponente. Und hat man sich bei der Position der Gaube verschätzt, markiert man die betroffenen Steine und lagert diese eben vorübergehend aus.

Wo es aber dann richtig locker wird, ist beim nachträglichen Umbau an der Peripherie. Jeder, der jemals ein großes Lego-Modell gebaut hat und am Ende am Fuß des Modells etwas ändern wollte, weiß, was für ein Krampf es ist, mitten in einem Modell Teile herausnehmen zu müssen, ohne dass das Werk größere Schäden erleidet. Das geht am Computer so unverschämt einfach, dass es schon fast ein Schmerz ist, wenn man daran denkt, was man in der Kindheit bei solchen Problemen gelitten hat.

Die Unendlichkeit der Steine.

Der Zugriff auf den kompletten Lego-Steinbestand in allen lieferbaren Farben ist natürlich der wahre Luxus, den man als CAD-Lego-Designer genießt. Zwar ist die Steinsuche im LDD nicht ganz so intuitiv, aber man kennt sich halt aus. Und mal eben die Steinfarben per Knopfdruck auch am fertigen Modell zu ändern, entschuldigt alles.

Die Unendlichkeit der Steine ist übrigens auch einem Phänomen sehr zuträglich, dem nachträglichen Tunen des Modells. Denn fertig ist ein Lego-Modell niemals; immer findet man etwas, was man besser machen kann und da ist dann natürlich bei der echten Lego-Kiste immer die Frage, ob dafür auch das Guthaben an Steinen ausreicht. Viele Väter können da ein Lied davon singen, wenn Junior Nachschub an Steinen braucht und das natürlich dann Samstagnachmittag.

Die nicht ganz ungefährliche Strategie hinter dem CAD-Lego.

Ungefährlich ist das CAD-Legospielen natürlich für den Konsumenten. Unendlich viele Steine, eine diskrete Software (man muss also nicht mehr seine Lego-Kiste mit ins Büro nehmen, um da seinen Chef zu schocken) und schon ist das Hobby fertig für Modelle in Größen, die die Welt noch nicht gesehen hat.

Für LEGO ist das natürlich erst einmal nicht so gut, denn wer braucht da noch echtes Lego? Das muss man aufräumen, man muss beim Bauen aus einem unsortierten Lego-Haufen einen Großteil in die Teilesuche stecken und am Ende fehlt doch irgendetwas, was man genau zu diesem Zeitpunkt braucht. Eine echte Disruption entwickelt sich hier für LEGO, bei der sie möglichst zügig selbst als Player mitspielen muss, um nicht Märkte zu verlieren. Wer ein Modell am Computer baut und dann tatsächlich mit echten Steinen nachbauen möchte, will die Teile sofort haben. Entweder direkt von LEGO oder von Steinehändlern, von denen die meisten mit recycelten Steinesammlungen arbeiten. Bei letzterem verdient LEGO nichts.

Und nun, die Schwarzwaldklinik?

Die ist nun fertig und sieht so aus. Also fast, denn natürlich gibt es noch einiges in Sachen Tuning zu tun:

Für den jetzigen Stand sind aber etwas über 1.700 Steine verbaut und gedauert hat das Ganze unterm Strich 12 Stunden am Wochenende. Das ist ein ganz guter Schnitt, mit dem ich mich auch als Kind gut hätte blicken lassen können (mit der üblichen Steinsuche hätte ich als Kind natürlich gut das Doppelte veranschlagen müssen).

Next step: Das Ding tatsächlich bauen. Und das wird aus mehreren Gründen spannend, denn es wird dann 60 Zentimeter lang und 80 Zentimeter hoch. 😉