Geld verdienen mit Flüchtlingen.

Ein offensiver Titel, aber ich will das erklären. Vor gut fünfzehn Jahren flatterte ein Brief ins Haus herein, adressiert an die Firma „NETPLANET“. Absender war die VG WORT und legte einen Scheck über ein paar Euro bei, die ich bis dahin unbekannterweise in Form von Tantiemen mit netplanet verdient hatte, da ein Schulbuchverlag Auszüge der in netplanet verfassten Netiquette abgedruckt hatte. Betonung auf „ein paar Euro“, denn der Betrag wurde niemals auch nur annähernd zweistellig, so dass die „Hauptausschüttung Schulbuch“ für mich eher ein Job zum Abheften war. (Ganz im Gegensatz zur jährlichen METIS-Ausschüttung übrigens, wo doch ein dreistelliger Betrag im Jahr hereinkommt.)

Dieses Jahr ist die Hauptausschüttung Schulbuch aber immerhin zweistellig mit etwas über 35 Euro. Nun mit zwei Texten, die aus netplanet für verschiedene Schulbücher übernommen wurden und nun in Deutschfibeln für die Inklusion, also Bücher zu „Deutschkursen“, stecken.

Das ist zwar immer noch ein jährlicher Betrag, der gerade einmal für ein gutes Mittagessen zu zweit reicht, aber … gern geschehen! Sinnvoller kann meine Arbeit gar nicht eingesetzt werden.

Wie Fernwartung EDV-Leute faul macht.

Heute war wieder ein klassischer Fall. Eine Kundin ganz weit draußen, 20 Kilometer Anfahrt ins weite Land. Schon allein die Entfernung eine Sache, die EDV-Leute abschreckt. Nichtsdestotrotz hat die Kundin ein Problem, denn der Internet-Zugang ihres Büros wackelt und fällt ständig aus. Nach kurzer Anamnese war klar, dass ich mir das vor Ort anschauen wollte.

Eine wackelige Verbindung kann viele Ursachen haben. Probleme auf der DSL-Leitung (war auszuschließen, da die Telekom schon geprüft hatte), Probleme mit dem Router (Überhitzung, Kabelprobleme, schlicht kaputt oder sonstwas) oder Probleme mit dahinterliegender Hardware. Eigentlich relativ einfach zu klären, im Ernstfall einfach mit der Installation eines Ersatzrouters.

Vor Ort sah es dann recht aufgeräumt aus. Der Router zeigt sich als ein Ethernet-Router von Lancom, der via einem billigen Telekom-Speedport-Plastikbomber – in reinem Modem-Modus geschaltet – ins Internet geht. Keine ungewöhnliche Konstellation.

Der jetzige Dienstleister, ein nicht ganz kleines Systemhaus, hatte das Problem auch bereits gemeldet bekommen, allerdings nicht lösen können. Eine Reihe von DSL-Splittern mit seltsamen Markierungen lagen schon herum. Auf den Ethernet-Router kam er zwar von der Ferne (hingefahren ist niemand), fand da aber keine Probleme, wollte da aber auch nichts umkonfigurieren und auch keine Updates aufspielen. Gut, kann man so machen, muss man aber nicht.

Vor allem hätte der Dienstleister einmal seinen Hintern aus seinem Büro bewegen sollen, um zumindest zu erkennen, dass der Router mit großer Sicherheit nicht das Problem ist, sondern das Modem. Zwar gab er an, dass das Modem angeblich von der Ferne aus geprüft worden sei, das aber ist eine glatte Lüge. Ein Modem ist netzwerktechnisch eine Bridge und wenn die nicht gesondert über Diagnoseschnittstellen verfügt (hat der Speedport nicht), lässt sich von der Ferne rein gar nichts prüfen, wenn man nicht auf die untere Netzwerkebene kommt. Das kann nur die Telekom selbst.

Stattdessen hat der Dienstleister ein Angebot für einen neuen Router geschickt. Teuer und wieder nur ein Ethernet-Router. Sprich: Die Kundin hat gutes Bauchgefühl bewiesen, denn mit der Anschaffung des neuen Routers wäre erst einmal nichts besser geworden, weil ja das Modem immer noch da wäre. Jetzt lassen wir einfach mal ein neues Modem kommen, was die Telekom im Rahmen eines DSL-Upgrades wahrscheinlich herschenken wird und dann läuft das Ding.

Fernwartung ist nett und vor allem im Bereich Windows- und Desktop-Support ein gehöriger Einsparfaktor gegenüber der früher üblichen „Turnschuhadministration“. Allerdings beobachte ich es immer häufiger, dass EDV-Leute den Kontakt zur Basis verlieren und entweder keine Ahnung mehr haben, dass man gerade bei kleineren Installationen nicht alles über eine Fernwartung herausbekommen oder schlicht lieber den Kunden anlügen und hinhalten, um ja nicht aus dem Haus zu müssen.

 

Auf der PS4: DiRT Rally.

Der Kauf einer PlayStation 4 war bei mir keine Frage des Ob, sondern des Wann. Auf genau zwei Spiele warte ich da: Die nächste Version von Gran Turismo (worauf wohl noch länger zu warten ist, da dieses Jahr erst noch ein Prequel erscheinen wird) und DiRT (ehemals „Colin McRae DiRT“). Beide Spielfamilien garantieren seit Jahren beste Rennsimulation.

DiRT Rally ist die fünfte Version der DiRT-Serie und die immerhin schon zehnte Inkarnation der gesamten Colin-McRae-Rallyeserie. Der Rallyefahrer Colin McRae, der nach seiner Rennkarriere bis zu seinem frühen Tod bis 2007 als Berater für die Rennserie tätig war, hatte dem Spiel von Anfang an die DNA verpasst und erfreulicherweise ist diese DNA in der aktuellsten Version DiRT Rallye immer noch eindeutig zu bemerken. Beziehungsweise „endlich wieder“.

Das DiRT-Team der Softwareschmiede von Codemasters hat nämlich bei der Entwicklung einen meiner Meinung nach zentralen Fehler wieder korrigiert, nämlich den Irrweg zu dem so genannten Sport namens Gymkhana. Klar, Ken Block ist ein Meister, wie man mit einem Auto möglicherweise stundenlang um einen Kaffeebecher zirkelt. Aber bitteschön: Mit Rallye hat das nichts zu tun. Schon bei DiRT 3 waren die Gymkhana-Einlagen eher langweilig und erinnerten an so Klamauk-Simulationen wie Motorstorm und DiRT 4, in dem man gänzlich dem Gymkhana-Irrsinn verfiel, war das PS3-Spiel, was ich am kürzesten besaß, nämlich genau zwei Tage lang.

Jetzt ist mit DiRT Rally also wieder alles Rallye und damit auch alles wieder gut. Und ich habe eine PS4 dafür gekauft. Dazu muss man nicht viel sagen: Die PS4 tut DiRT Rally gut (umgekehrt dank des immer noch schwachen Marktes an Rennsimulationen übrigens auch). Das Spiel kommt vollständig in 1080p daher und es ruckelt genau nichts. DiRT Rally ist das erste DiRT, das es dank der hohen Bildwiederholrate nun problemlos schafft, einen Tunnelblick entstehen zu lassen. Glasklare Bilder, wunderschön strukturierte Strecken, Wolken, Bäume, Zuschauer, kaputtfahrbare Schilder. Auf und in den extrem detailierten Autos bewegen sich die Schatten und selbst auf den Chromteilen des Exterieurs spiegelt sich die Landschaft. Hier haben sich echte Liebhaber der Renderings verewigt und das DiRT-Team ist zweifellos in die Gran-Turismo-Simulationsliga aufgestiegen. Und eigentlich auch darüber hinaus.

Denn was in DiRT Rally sofort im ersten Rennen beeindruckt, ist die „schmutzige“ und ruppige Fahrweise. Es fängt mit so Boliden wie einem alten Mini Cooper an, der natürlich in Sachen Antrieb und Leistung lächerliche Werte hat. Mit so einem Pups von Auto gleich auf eine der wirklich bürstigen Strecken wie die Griechenland-Rallye geschickt zu werden, ist Sadismus, denn selbst Simulationsprofis bekommen hier erst mal eine ordentliche Abreibung. Die Steuerung nimmt einem jeden noch so kleinen Fehlgriff übel. Damit ist nicht zu spaßen, denn das Schadensmodell ist umfangreich und die Karre ruck zuck kaputt. Die ersten Etappen waren daher richtig frustrierend, zumal es sich anfangs auch ausgesprochen wenig Credits verdienen lässt, um ein flotteres Auto zu kaufen. Dazu kommt, dass die richtig guten und modernen Fahrzeuge eine Stange Geld kosten.

Fahrzeuge … ein Traum.

Bei den Autos in DiRT Rally gibt es nichts zu meckern. Hochdetailiert, alle hören sich unterschiedlich an und alle haben ihre Eigenheiten. Wer glaubt, mit dem Fahren eines Allrad-Autos sei der Rallye-Olymp erreicht, sollte sich mal einen Fronttriebler oder gar einen Hecktriebler unter den Sitz schnallen. So einen störrisches Auto wie einen Opel Manta, Hecktriebler von Geburt an, über Stock und Stein zu schaukeln, ist echte Arbeit. Die man noch härter machen kann, wenn man sich eine Nachtstrecke gönnt und in den ersten Kurven gleich mal die Scheinwerfer zerdeppert. Denn dann geht es weiter im Blindflug …

Das Schadensmodell ist sehr ausgefeilt und es geht im Prinzip alles kaputt, wenn man es weit treibt, bis hin zum Totalausfall. Zwar gibt es die Möglichkeit des Service während einer Rallye, aber das Team dazu kostet auch Credits und das nicht zu knapp. Und in einer halben Stunde ist ein völlig zerdeppertes Auto auch nicht wieder vollständig gesund zu machen.

Strecken … Qualität vor Quantität.

Für die Strecken in DiRT Rally gilt, dass sie extrem detailiert und fein sind, allesamt mit Tücken ausgestattet, dennoch aber gut zu fahren. Das Problem ist, dass man sie schon nach wenigen Wochen weitgehend auswendig kann. Es gibt nämlich nur Rallyes in Schweden (Schnee), Finnland (Schotter, freundliches Wetter), Wales (Schotter, beschissenes Wetter), Deutschland (Beton), Griechenland (Schotter, Staub). Zwar bestehen die Rallyes aus jeweils mehreren Etappen, die jedoch allesamt auf jeweils zwei großen Strecken bestehen.

Darüber hinaus gibt es die Pikes-Peak-Bergfahrt in den USA und einige Rallye-Cross-Rennen, deren Unterhaltungsfaktor allerdings eher beschränkt sind. DiRT Rallye fährt sich also nach wenigen Wochen relativ automatisch und lebt nur noch davon, dass man sich in den immer höheren Rennserien mit immer stärkeren Gegnern und engeren Zeiten herumschlagen muss. Eine leise Hoffnung bleibt, dass in nächster Zukunft vielleicht weitere Rallyes online dazugekauft werden können. So eine Produkt- und Communitypflege mich aber ehrlich gesagt eher wundern.

Online.

Die Möglichkeit, online Rennen zu fahren, beschränkt sich weitgehend darauf, dass für bestimmte Zeiträume ein Rallye oder eine Etappe angeboten wird und online eine Tabelle aller Teilnehmer geführt wird. Je nachdem, wie gut man in dieser Liste ist, desto mehr Credits gibt es. Reich wird man davon allerdings nicht, so dass die meisten Credits im Offline-Modus gesammelt werden müssen.

Sprich: Aus dem Online-Modus geht recht bald die Puste aus, weil es einfach an zu wenig Strecken und Herausforderungen krankt. Das wäre schon einfach durch zusätzliche Schikanen auf den Strecken zu beheben, aber mich fragt ja keiner …

Fazit

DiRT Rally ist sicherlich eine Rallye-Simulation am oberen Ende der Messlatte und Codemasters nun ganz oben im Simulationshimmel. Das Produkt ist den High-End-Spielekonsolen würdig und hat für Rallye-Fans alles wichtige an Bord. Sowohl Anfänger als auch Profis haben mächtig was zu beißen, um mit halbwegs guten Zeiten punkten zu können.

Etwas mehr Vielseitigkeit täte DiRT Rally gut und eigentlich besitzt es alle guten Eigenschaften, um vielleicht mit einem zusätzlichen Strecken-Paket (das ja auch durchaus etwas kosten darf) in Zukunft nochmal das Tableau der Rallye-Simulationen aufzurollen. Klar muss man sagen: An DiRT Rally werden sich alle Rallye-Spiele messen lassen müssen und das sicherlich für eine ganze Weile.

Zur derzeitigen Flaggendiskussion.

Schland flaggt ab„, sagt zumindest Michel Ebmeyer in der ZEIT. Und eigentlich, ja, finde ich das okay, das man zu Nationalflaggen einen gesunden Respekt zeigt. Nicht bei jedem Muskelzucken sofort zur Nationalflagge greifen zu müssen, hat noch lange nichts damit zu tun, dass man keinen Nationalstolz besäße, aber ist es nicht arm, wenn man außer Nationalstolz nicht mehr viel mehr Stolz hat? Individueller Stolz über eigene Leistungen ist doch schöner, als wenn ich einer Truppe hochbezahlter Fußballer zujuble, die für ihren national mehr oder weniger wichtigen Job auch nicht zu knapp Geld einstreichen. Recht unmittelbar auch dein Geld.

Endeffekt der Diskussion: Ich käme niemals auf die Idee, eine Nationalflagge an mein Auto zu hängen. Wobei, doch, zu Zwecken der Volksbildung vielleicht, um den Sinn von Nationalflaggen in einer modernen Gesellschaft darzustellen.

Ich habe da mal etwas vorbereitet, zur freien Verfügung. Einfach beim Textilbedrucker des Vertrauens ausdrucken und dann dort aufziehen, wo immer es beliebt. Das Motiv ist international gültig und liegt als PDF-Datei vor: The flag

Das Ende des Berufsbildes des Kameramannes.

Einen wunderbar klaren Artikel hat kürzlich mein Lieblingskameramann Peter in Facebook geteilt. Erschienen ist der Artikel in der Fachzeitschrift „Kameramann“ (ja, die gibt es) und es ist eine Geschichte darüber, warum der Kameramann Stefan Nowak nach 20 Jahren seinen Job aufgegeben hat und nun in der Baubranche tätig ist. So ein Branchenwechsel ist eine echte Ansage und tatsächlich erklärt dieser schöne Artikel über eine inzwischen sehr unschön gewordene Branche alles. Bitte einfach mal in Ruhe lesen: Kameramann – Das Ende einer Leidenschaft

Nun ist es so, dass der Berufswunsch in meiner halben Kindheit die des Kameramannes war. Die Faszination, für das Fernsehen in die Welt zu ziehen und Reportagen da zu drehen, wo es wehtut. Die schrecklichen Da-Nang-Filme über Auswirkungen des Vietnamkrieges waren mitunter ein Auslöser, mindestens ebenso eindringliche Filme zu produzieren und interessanterweise durfte ich mit dem damaligen Kameramann der Da-Nang-Filme sogar eine Weile zusammenarbeiten, wenn auch im normalen Fernsehbetrieb und nicht tief in irgendeiner Wildnis.

Dass es mich nicht erst nach 20 Jahren aus der Fernsehwelt herauszog, sondern schon nach drei intensiven, lag daran, dass 1998 der Internet-Boom begann und ich einen Branchenwechsel verhältnismäßig einfach durchziehen konnte, auch wenn ich noch eine ganze Weile lang mit dem Jobwechsel zahnte. Wenn ich aber den Kameramann-Artikel lese, finde ich da die exakt gleichen Gründe, die mich 1998 zum Auszug aus der Fernsehwelt bewogen. Ich war sicherlich nicht der beste Kameraassistent der Welt, aber es lag mir sehr, auf freier Wildbahn in der Pampa mit minimalster Technik noch das beste herauskurbeln zu müssen und nicht wenige meiner Kamerakollegen bedauerten meinen Weggang. Nicht mit dem Unterton, dass man sich daran wohl gewöhnen müsse.

Schon damals begann der Trend, immer mehr Fernsehproduktionen aus den Sendeanstalten herauszubefördern und lieber von externen Produktionsfirmen zu ganz anderen Preisen durchführen zu lassen. Mit der Folge, dass für die sendereigenen Kamerateams immer weniger spannende und aufwendige Produktionen blieben. Ein weiterer Effekt war der Wandel vom Zwei-Mann-Kamerateam zum einzelnen Kameramann, heutzutage sogar ganz herunterdividiert auf den „Videojournalisten“, der alles macht: Redaktion, Kamera, Ton. Das reicht vielleicht für einen Einspieler, aber eine Reportage bekommt man so nicht mehr hin.

Zu meiner Zeit fing es 1998 beim ZDF an, die übliche Tagesgage für freie Mitarbeiter auf eine Halbtagesgage zu kürzen, wenn der Einsatz kürzer als vier Stunden dauerte. Die offizielle Argumentation war, dass man bei so kurzen Einsätzen noch genügend Chancen hätte, einen anderen Job für den Tag zu bekommen. Aber natürlich war das nichts anderes als argumentativer Weichspüler von Controllern. Wenn du vormittags auf dem Lerchenberg als Kameraassistent unterwegs bist, findest du nicht passend um 14 Uhr den nächsten Job bei einem anderen Sender und schon gar nicht in einem Umkreis von unter einer Stunde Anfahrt. Und versäumst du im Gegenzug einen Auftrag beim ZDF, weil du woanders unterwegs bist, kann es das dann für Tage oder Wochen gewesen sein.

Sprich: Schon 1998 war beim ZDF für freie Mitarbeiter im Bereich Kamera (und in vielen anderen technischen Bereichen) weitgehend Schicht im Schacht, wenn man nicht hart auf einen Zeitvertrag und eine der schon damals weniger werdenden Planstellen arbeitete, nebenbei aber zwingend Geld verdienen musste. Schon damals geriet der Job des Kameramannes und der Vorstufe Kameraassistent zu einem Job für richtig krasse Typen, den Jungs und Mädchen, die die Ehre hatten, Sendernachwuchs zu sein oder für die Leute, die genügend Schotter hatten, sich das Hobby Kameramann zu leisten.

Das war schon damals bedrückend, das mit anzusehen und es hat sich in den 20 Jahren danach alles noch viel schlimmer entwickelt. Ich kenne eine Reihe von ehemaligen Assistentenkollegen, die heute nicht mehr beim Fernsehen arbeiten. Keiner hat den Job gelassen, weil es ihm nicht Spaß gemacht hätte oder es nicht die eigentliche Berufung war. Sondern Fernsehen ist schlicht kaputt. Es ist inhaltlich nicht mehr als ein Schatten dessen, was es noch vor 20, 30 Jahren war und ist in Sachen Produktion und Kreativität ausgelutscht und nur noch abhängig von einigen großen Produktionsfarmen und ganz wenigen wirklich kreativen und idealistischen Querdenkern, denen man aber auch nach erschreckend kurzer Zeit als Kenner in ihren Sendungen ansieht, wie sie ausgesaugt werden.

Es ist ein Dilemma.

RSS-Feedreader selbst hosten.

RSS-Feeds gehören auch nach über zehn Jahren immer noch zu meinen Hauptnachrichtenquellen. Weniger für echte Nachrichten – das erledigt auch weiterhin fast ausschließlich SPIEGEL Online für mich – sondern für den ganzen anderen Rest. Computernachrichten einiger einschlägiger Ticker, viele Blogs, Update-Feeds vieler Open-Source-Projekte, einige Google-News-Feeds, Feeds meiner Kunden. Rund 100 Feeds kommen aktuell zusammen, von denen ich keinen vermissen möchte.

Fremdgehostete Dienste, oder: Ach, Google Reader!

Der Google Reader war der Beginn der echten Feed-Organisation. Vorher hatte ich Feeds noch direkt lokal am PC abonniert, was jedoch irgendwann ziemlich unpraktisch wurde, weil dazu logischerweise der PC zu Hause immer eingeschaltet sein musste. Zwar gab es mit Windows XP den Remote Desktop, aber zu Hause den PC eingeschaltet zu haben, nur weil Feeds bereitgehalten werden sollten, war Käse.

Der Google Reader konnte alles viel besser. Schnell, spartanisch-übersichtliche Oberfläche, eingängige Bedienung via Tastaturkurzbefehle. Nur leider machte der Google Reader im Jahre 2013 den Gang in die Ewigen Jagdgründe. Ein immer noch herber Verlust eines liebgewonnenen Dienstes.

Mehr aus Verzweiflung vertraute ich Feedly meine via OPML exportierte Feed-Liste an. Glücklich war ich mit Feedly von Anfang an nicht, sondern war schlicht froh, dass es so ähnlich funktionierte, wie der Google Reader. Und unter anderem eine Android-App mitbrachte, die ich auf meinen Android-Büchsen brauchte.

Sicherlich muss auch so ein Dienst wie Feedly von Geld leben. Allerdings bin ich mit meiner zweiten Hirnhälfte ein verkappter Kaufmann und 65 US-Dollar pro Jahr sind mir für das Bereithalten meiner Feeds zu viel. Ich syndiziere meine Feeds nicht komplex, sondern möchte sie mehrmals am Tag einfach von hinten nach vorn durchblättern und lesen. Und ab und zu die Suchfunktion benutzen, was dann aber mit dem kostenlosen Feedly-Account nicht geht. Wer also nicht diszipliniert interessante Feed-Diamanten bookmarkt, verliert sie im kostenlosen Feedly Account.

Selbst hostet der Mann.

Also blieb irgendwann keine Alternative zum Selbsthosten. Das wiederum habe ich doch tatsächlich fast drei Jahre vor mich hergeschoben. Unterm Strich bleiben bei einigen existierenden Projekten nur selfoss und Tiny Tiny RSS. Beide sind Open Source und kostenlos einsetzbar.

selfoss: Heißt wie ein Seeelefant und funktioniert in etwa auch so.

selfoss ist das erste Open-Source-Paket, das auf den ersten Blick mit einer interessanten Oberfläche daherkommt – und diesen ersten Eindruck beim ersten Durchblättern auch gleich wieder zerstört. Denn ein Artikel in ganzer Gänge wird doch tatsächlich in drei große Spalten aufteilt. Mit dem Ergebnis, dass man für einen sehr langen Text zunächst für die erste Spalte herunterscrollen muss, dann wieder herauf zum Beginn der zweite Spalte, runter bis zum Ende und wieder herauf zum Beginn der dritten Spalte. Das ist so unergonomisch wie eine Tageszeitung, die auf einem Bildschirm gelesen werden soll.

Zudem kommt selfoss sehr spartanisch daher. Keine Plugin-Schnittstelle, keine Organisationsmöglichkeiten für zu speichernde Artikel aus Feeds und nur die Möglichkeit, mit der offiziellen selfoss-App via Smartphone darauf zuzugreifen.

Immerhin ist selfoss sehr begnüglich in Sachen Hosting. PHP ist Grundvoraussetzung, bei der Datenbank sollte eine MySQL-Datenbank genutzt werden. Hat man letzteres nicht, funktioniert selfoss mit einer eigenen sqlite-Datenbank auf Dateibasis. Das ist zwar weit von echter Performance entfernt, funktioniert aber wenigstens.

Tiny Tiny RSS

Tiny Tiny RSS ist ein weiteres Open-Source-Projekt zum Selbsthosten und braucht zwingend PHP und MySQL. Die Installation ist nicht ganz so eingängig, denn der TTRSS-Entwickler entwickelt „rollierend“, also ohne Versionsstände. Das ist leider beknackt, denn so kann jeder heruntergeladene Stand entweder stabil sein oder schwer beta, aber vermutlich ist das für den Entwickler so am einfachsten.

In Sachen Installation muss man sich an die Konfigurationsanleitung halten, Datenbank-Zugangsdaten in eine Konfigurationsdatei packen und mehr oder weniger testen und frickeln, wenn man nicht das Glück hat, bei einem Webhoster zu sein, der Tiny Tiny RSS selbst als Installationspaket anbietet. Hat man Tiny Tiny RSS aber erst einmal zum laufen bekommen, funktioniert es auch sogleich und lässt OPML-Archive importieren.

Die Oberfläche kommt der des Google Readers am nächsten. Von Hause aus gibt es leider jedoch andere Tastaturkürzel, es gibt jedoch im Basisumfang in den Einstellungen unter den Plugins ein Plugin, das die Google-Reader-Tastaturkürzel zurückbringt. Meine Rettung, da ich in diesem Leben wohl keine anderen Tastaturkürzel für das Lesen von Feeds mehr erlernen kann.

Was sowohl für selfoss und auch für Tiny Tiny RSS zwingend benötigt wird, ist ein cronjob auf Seiten des Webhosters. Das ist vom Prinzip her ein automatisierter, zeitlich gesteuerter Aufruf eines Programmmodules, das für die Aktualisierung der Feeds sorgt. Hier glänzt Tiny Tiny RSS leider mit einer komplizierten Anleitung, die auch noch nicht mal den aktuellen Stand darstellt.

In meinem Fall musste ich noch eine Scriptdatei mit folgendem Inhalt schreiben, da mein Webhoster (wie so viele) keine Übergabe von zusätzlichen Parametern erlaubt:

#!/bin/sh
env -i /usr/local/bin/php5 -f ./update.php -- --feeds --quiet

Was möglicherweise hilft, wenn dieses Script hier nicht funktioniert: In den Webforen des eigenen Webhosters zu schauen, ob sich schon jemand mal damit beschäftigt hat.

Immerhin: Tiny Tiny RSS hat eine eigene API, mit der nicht nur die offiziellen (kostenpflichtigen) Apps des Entwicklers Zugriff auf die Feeds haben, sondern auch Dritthersteller. Zumindest für Android habe ich die kleine und feine App TTRSS gefunden, die den Zugriff auf meine Installation gut beherrscht und sich auch von einer SSL-gesicherten Verbindung nicht irritieren lässt. Schön ist zwar auch die Oberfläche von TTRSS nicht, aber Schönheit ist beim Feed-Konsum etwas, was nicht gebraucht wird.

LEGO-CAD.

Das Spielen mit Lego ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Ich hatte zwar nie richtig viel Lego, aber für eine mittelgroße Kiste reichte es allemal. Da kannte man dann jeden Stein irgendwann persönlich und es reichte für das Erwerben der grundlegenden Lego-Baukenntnisse. Zudem gab es in dem Haus, in dem ich meine Kindheit verbrachte, in der Nachbarschaft noch weitere 4 Jungs, die ebenfalls umfassende Lego-Kenntnisse mitbrachten. Und schließlich weiß der Kenner: Nicht die Menge an Lego macht den Unterschied, sondern der kreative und professionelle Einsatz. Dennoch träumten wir natürlich alle von der unerschöpflichen Lego-Steinquelle, denn die natürliche Hürde eines jeden Lego-Baumeisters war die Endlichkeit des Steinvorrates.

Eher durch Zufall bin ich vor einigen Wochen auf den LEGO Digital Designer gestolpert, einer kostenlosen CAD-Software von Lego für den Lego-Baumeister 2.0. Darüber kann man im ersten Moment lächeln, aber der LDD ist ein richtig gutes und professionelles Stück Software zum Aufbau von Lego-Modellen am Computer. Zwar gibt es mit LDraw bereits seit vielen Jahren eine Open-Source-CAD-Lösung, die auch ich einmal probiert habe, aber LDraw war immer etwas umständlich zu nutzen.

Aber zurück zum LDD, der eigentlich Kernstück eines Lego-Projektes war: Man baut mit der Software das Modell seiner Träume und bestellt am Ende die notwendigen Steine direkt bei Lego. Werden diese dann geliefert, lässt sich im LDD die komplette Bauanleitung exportieren, so dass das Modell dann auch tatsächlich gebaut werden kann. Den Service zur Teilebestellung gibt es nicht mehr, aber dafür exportiert LDD per Knopfdruck eine komplette Liste an verbauten Teilen als Excel-Tabelle, inklusive aller offiziellen Teilenummern. Damit lässt sich bei vielen Steineherstellern (und davon gibt es wirklich sehr, sehr viele) alles für das Wunschmodell bestellen.

Ist Lego am Computer eigentlich noch echt Lego-Spielen?

Witzigerweise ist das echt so eine Frage, die man sich als ehemaliger Lego-Fan so stellt: Ist man immer noch fähig für Lego nach über 20, 30 Jahren? Ich wollte mal den Test machen. Und das geht am besten mit dem Bau eines virtuellen Modells. Dazu musste das Gebäude der Schwarzwaldklinik herhalten. Dieses Gebäude hat den Vorteil, dass es dazu eine ganze Menge an guten Fan-Fotos im Internet gibt, die man dazu als Basis braucht.

Und dann geht es eigentlich auch schon los. Man baut die erste Etage, setzt die Fenster und Türen und kopiert dann die Etagen. Die kopierten Etagen werden dann auf die tatsächlichen Begebenheiten angepasst. Unten gibt es dann noch einen Erker und Eingangsbereich. Das Dach war dann schon etwas schwerer, denn es gibt, schwarzwaldtypisch, einen Halbwalm zu beachten und unterschiedliche Dachschrägen. Hier ist dann schon echtes Lego-Fachwissen gefragt.

Es dauerte ca. eine halbe Stunde, bis ich wieder in der Materie war. Das Lego-Fachwissen fängt schon an beim Bauen von Steinreihen. Man setzt nicht einfach Steine aufeinander, sondern baut ordentlich versetzte Reihen, um maximale Stabilität zu haben. Das weiß man als Kind aufgrund der Erfahrungen, aber erkläre das mal als Erwachsener! Ebenso muss man bei Dächern höllisch aufpassen, Dachgauben auf beiden Seiten exakt gleich aufzubauen, damit man das alles bündig zur Seitenwand hinbekommt. Wer nicht aufpasst, baut und baut und darf dann beim Entdecken des Fehlers wieder einiges abreißen.

Und genau hier wird es beim CAD-Legospielen dann interessant, denn einreißen ist hier natürlich viel einfacher. Klickklickklick und weg ist die falsch gebaute Komponente. Und hat man sich bei der Position der Gaube verschätzt, markiert man die betroffenen Steine und lagert diese eben vorübergehend aus.

Wo es aber dann richtig locker wird, ist beim nachträglichen Umbau an der Peripherie. Jeder, der jemals ein großes Lego-Modell gebaut hat und am Ende am Fuß des Modells etwas ändern wollte, weiß, was für ein Krampf es ist, mitten in einem Modell Teile herausnehmen zu müssen, ohne dass das Werk größere Schäden erleidet. Das geht am Computer so unverschämt einfach, dass es schon fast ein Schmerz ist, wenn man daran denkt, was man in der Kindheit bei solchen Problemen gelitten hat.

Die Unendlichkeit der Steine.

Der Zugriff auf den kompletten Lego-Steinbestand in allen lieferbaren Farben ist natürlich der wahre Luxus, den man als CAD-Lego-Designer genießt. Zwar ist die Steinsuche im LDD nicht ganz so intuitiv, aber man kennt sich halt aus. Und mal eben die Steinfarben per Knopfdruck auch am fertigen Modell zu ändern, entschuldigt alles.

Die Unendlichkeit der Steine ist übrigens auch einem Phänomen sehr zuträglich, dem nachträglichen Tunen des Modells. Denn fertig ist ein Lego-Modell niemals; immer findet man etwas, was man besser machen kann und da ist dann natürlich bei der echten Lego-Kiste immer die Frage, ob dafür auch das Guthaben an Steinen ausreicht. Viele Väter können da ein Lied davon singen, wenn Junior Nachschub an Steinen braucht und das natürlich dann Samstagnachmittag.

Die nicht ganz ungefährliche Strategie hinter dem CAD-Lego.

Ungefährlich ist das CAD-Legospielen natürlich für den Konsumenten. Unendlich viele Steine, eine diskrete Software (man muss also nicht mehr seine Lego-Kiste mit ins Büro nehmen, um da seinen Chef zu schocken) und schon ist das Hobby fertig für Modelle in Größen, die die Welt noch nicht gesehen hat.

Für LEGO ist das natürlich erst einmal nicht so gut, denn wer braucht da noch echtes Lego? Das muss man aufräumen, man muss beim Bauen aus einem unsortierten Lego-Haufen einen Großteil in die Teilesuche stecken und am Ende fehlt doch irgendetwas, was man genau zu diesem Zeitpunkt braucht. Eine echte Disruption entwickelt sich hier für LEGO, bei der sie möglichst zügig selbst als Player mitspielen muss, um nicht Märkte zu verlieren. Wer ein Modell am Computer baut und dann tatsächlich mit echten Steinen nachbauen möchte, will die Teile sofort haben. Entweder direkt von LEGO oder von Steinehändlern, von denen die meisten mit recycelten Steinesammlungen arbeiten. Bei letzterem verdient LEGO nichts.

Und nun, die Schwarzwaldklinik?

Die ist nun fertig und sieht so aus. Also fast, denn natürlich gibt es noch einiges in Sachen Tuning zu tun:

Für den jetzigen Stand sind aber etwas über 1.700 Steine verbaut und gedauert hat das Ganze unterm Strich 12 Stunden am Wochenende. Das ist ein ganz guter Schnitt, mit dem ich mich auch als Kind gut hätte blicken lassen können (mit der üblichen Steinsuche hätte ich als Kind natürlich gut das Doppelte veranschlagen müssen).

Next step: Das Ding tatsächlich bauen. Und das wird aus mehreren Gründen spannend, denn es wird dann 60 Zentimeter lang und 80 Zentimeter hoch. 😉

Meine Wahlempfehlung zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2016.

Auch zu dieser Landtagswahl gibt es wieder meine sehr persönliche Wahlempfehlung, die, vermutlich relativ einfach nachvollziehbar, für die SPD ausfällt. (Erinnern möchte ich aber da daran, dass ich vor fünf Jahren aus strategischer Sicht meine Stimme den Grünen gegeben habe. Ich kann also auch anders.)

Meine Wahlentscheidungsgrundlage.

… ist sehr einfach: Ich möchte, dass Grün-Rot ihre bisher weitgehend erfolgreiche Regierungsarbeit in Baden-Württemberg fortführen kann. Und weil es diesem Land gut steht, nicht wieder von einer CDU-Regierung in bester Spätzles-Manier regiert zu werden. Die CDU hat als Oppositionspartei erstmals richtig arbeiten müssen und ist dennoch gerade lausig am Scheitern darüber, dass ein schwacher, profilloser CDU-Spitzenkandidat gar nicht so recht weiß, wo er eigentlich ansetzen soll. Das lässt tief darüber blicken, wie eigentlich das Regierungsprogramm der CDU aussieht.

Viele der Dinge, die die CDU und vor allem die FDP derzeit Grün-Rot anlasten, kommen ursprünglich aus den früheren Regierungen, eben der CDU und FDP. Die Polizeireform beispielsweise hat ihre Wurzeln noch weit vor Grün-Rot und die jetzigen Versprechen, dass zum Beispiel Pforzheim „seine Polizei wiederbekommen wird“, wenn die FDP gewählt würde, sind reine Symbolversprechen. Andere Präsidiumsorganisationen sagen noch lange nichts über die Kriminalität aus und es stellt sich viel eher die Frage, ob man sich auf Dauer riesige, doppelte Führungsstrukturen leisten kann. Plump gesagt: Ob nun die Spurensicherung bei einem Mordfall aus Pforzheim anfährt oder aus Karlsruhe, macht den Ermordeten weder lebendig, noch toter. Immerhin: Wir hatten im Anbetracht dieses Themas in Pforzheim – trotz Heimatwahlkreis von Hochton-Lautsprecher Hans-Ulrich Rülke – einen weitgehend zivilisierten Wahlkampf.

Ähnliche Luftnummern zelebrieren CDU und FDP beim Thema Bildung, wo man weiterhin grundsätzlich gegen Gemeinschaftsschulen ist (die sich dennoch als sehr erfolgreich zeigen) und beim Thema G8 und G9 nicht so recht weiß, wo man sich positionieren soll. Es gibt keine echte, nachvollziehbare Haltung von CDU und FDP, was man von einer Partei, die zukünftig wieder regieren will, zumindest erwarten könnte.

Und dann noch die Ferkel am rechten Rand.

Meine Haltung ist da auch klar: Die AfD ist weiterhin so unwählbar, wie die NPD und die Republikaner. Bei der AfD kommt hinzu, dass es hier rein darum geht, in den Landtag einzuziehen, denn programmatisch hat sie nur das zu bieten, was einst unter Bernd Lucke an Programmatik aufgestellt hat. Das ist mindestens illusorisch, in großen Zügen jedoch krass unsozial für die Mittelschicht und ärmere Bürger. Die jetzige Flüchtlingsthematik ist für die AfD nicht mehr und nicht weniger als ein Schnellboot zu signifikanten Wahlergebnissen.

Sprich: Ein Potential an Bodensatz, das rechte und radikale Parteien wählt, hatten wir schon immer und werden wir auch immer haben. Die immer prognostizierte Gefahr, dass angesichts geringer Wahlbeteiligungen solch radikale Parteien Chancen auf sichtbare Wahlergebnisse bekommen, wird nun greifbar.

Mittel- und langfristig jedoch ist die AfD nicht viel mehr als alle anderen radikalen Parteien: Luftnummern und Schaumschläger. Von echter Arbeit im Politikbetrieb halten sich viele AfD-Politiker in anderen Parlamenten vornehm zurück und glänzen vor allem mit regelmäßigem Gedröhne. Das muss man letztlich aussitzen. Uns geht noch lange nicht so schlecht, wie es radikale Parteien immer zeichnen und angebliche Rettungskonzepte versprechen. Zu solchen potentiellen Bumsparteien gehört auch die AfD, auch wenn man sicherlich den Höhenflug beobachten muss und andere Parteien aufgerufen sind, sich zu fragen, ob man die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufgehen lassen kann. Wenn der Wohlstand an immer mehr Menschen vorbeigeht – und das tut er – dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Bürger in Sachen Protest immer häufiger Affen wählen.

Wie Fleurop gute Werbung macht*

Du warst im Urlaub. Allein. Irgendwie ging vorher deine feste Beziehung mit deiner Freundin in die Brüche. Ihr wart ein Paar! Eigentlich hättet ihr, so die Meinung vieler, heiraten müssen. Aber es hat nicht sollen sein. Es ging kaputt. Du warst sehr enttäuscht. Deinen Urlaub in einem abgelegenen Hotel mit kristallklarem Meer und Sandstrand vor der Türe wolltest du eigentlich absagen, hast dich dann aber durchgerungen, das Doppelzimmer zum Einzelzimmer umzubuchen und bist dann doch geflogen. 12 Stunden Flug und plötzlich waren die Winterschuhe nicht mehr gefragt, sondern Flipflops.

Der Urlaub tat dir gut. Die ersten Tage waren für die einsamen Strände, dann aber hast du dich mit Hotelbewohnern anfreunden können. Der Mensch ist halt doch ein Herdentier. Du hast da eine Frau kennengelernt, abends beim Buffet. Sie machte Urlaub mit ihren Freundinnen, ziemlich laut. Sie aber war nicht so. Eigentlich wolltest du ja nicht, aber es hat dann doch gefunkt. Sie sonderte sich für den Rest ihres Urlaubs von ihren Freundinnen ab und ihr entdecktet das Land. Und euch.

Doch irgendwann endet der schönste Urlaub. Der strahlend blaue Himmel wechselt wieder zur grauen, kalten, nassen Welt und du findest dich wieder an deinem Schreibtisch in einem Großraumbüro und in einem Büroturm einer Bank. Der Alltag hat dich und irgendwie beleben dich die Gedanken an deinen Urlaub nicht so, wie sie sollen. Denn deine Bekanntschaft, die du in kürzester Zeit leben und lieben gelernt hast, wohnt nicht in der deutschen Stadt, in der du wohnst, sondern in London. 700 Kilometer weit weg.

Wie diese Fernbeziehung auf Dauer funktionieren soll, wisst ihr nicht. Aber die Emotionen aus dem Urlaub sind noch da. Ihr mögt euch so sehr und wenn ihr miteinander telefoniert, müsst ihr grinsen und giggeln wie zwei Teenager. Ich verabredet euch auf gleichzeitige Zigarettenpausen. Fünf Minuten Telefonieren oder Messenger, alles ganz, ganz albern, aber so aufregend! Deine Kollegen halten dich schon für bescheuert und ziehen dich ein kleinwenig auf, aber sie akzeptieren dich. Immerhin organisierst du das Tippspiel für die Bundesliga.

Eigentlich hattet ihr euch jeden Tag auf zehn Uhr auf die erste gemeinsame Zigarettenpause verständigt, aber gestern Abend hattest du ihr geschrieben, dass du um zehn Uhr ein Meeting haben würdest und dich erst danach melden wolltest. Kurz vor dem Meeting sortierst du noch deine Papiere, wirfst nochmal einen Blick auf dein Smartphone. Du holst nochmal kurz das Foto von euch auf den Bildschirm, als ich euch noch vor zehn Tagen in irgendeinem Dorf vor dem seltsamen Restaurant geknipst habt. Du musst lächeln, als plötzlich neben dir ein junger Mann steht. Ist es nicht gerade auffallend ruhiger im Büro geworden? Du schaust kurz zu deinem Kollegen dir gegenüber, der mit staunendem Gesicht dich und den Mann neben dir anschaut.

„Sind Sie Herr ABC?“, fragt der Mann in Jacke und Straßenschuhen freundlich.

„Ja, der bin ich“, antwortest du, ebenfalls perplex wie deine Kollegen rund um dich herum.

„Dann habe ich hier eine kleine Aufmerksamkeit für Sie“, sagt er und stellt einen eingewickelten Blumenstrauß nebst Vase auf deinen Schreibtisch und geht. Den Duft von Schnittblumen, den du als Kind so mochtest, liegt in der Luft.

Du wickelst den prächtigen, betörend bunten Blumenstrauß aus, öffnest den beiliegenden, kleinen Briefumschlag: „Bis später!“ Mit Herzchen. Dein Lächeln ist der Anlass für deine Kollegen, leise zu klatschen, mit ihren Fingerknöcheln auf den Tisch zu trommeln.

* Ein emotionaler Werbespot, wie man sich Fleurop am schönsten vorstellt. Aber das ist keine Beschreibung des aktuellen Fleurop-Werbespots, denn der sieht so aus:

Schade, Fleurop.

Alle maulen über das Google Nexus 6. Ich nicht.

Mein Google Nexus 6 war letztes Jahr eine Art Verlegensheitskauf. Ich hatte als Nachfolger des Samsung Galaxy S4, mit dem ich nicht wirklich warm wurde, das LG G3 gekauft, was im Frühjahr 2015 als Auslaufmodell schön günstig wurde. Da ich sehr auf die Android-Alternative CyanogenMod stehe, war deren Lauffähigkeit Grundbedingung. Leider zeigte sich jedoch im Sommer, dass CyanogenMod auf dem G3 einige ärgerliche Fehler hatte, darunter merkwürdige und unmotivierte Reboots. So geht das natürlich nicht auf Dauer. Es gab dann im Sommer letzten Jahres kurzfristig ein Angebot zum Google Nexus 6 und ich griff zu. Nun ist das LG G3, auf dem CyanogenMod inzwischen zuverlässig läuft, sozusagen mein Ersatz-Smartphone, während das Nexus 6 mein täglicher Begleiter ist.

Das Nexus 6 ist mit seinem sechs Zoll großen Bildschirm eine echte Wuchtbrumme und damit ein Phablet, also eine Mischung aus Smartphone und Tablet. Damit hatte ich anfangs so meine Probleme, auch wenn ich jetzt zugeben muss, dass mir die Bildschirmdiagonale sehr gefällt. Man kann einfach richtig viel auf diesem Bildschirm sehen und selbst als Autonavi-Verlegenheitslösung macht es eine gute Figur. Das geht so weit, dass mein eigentliches Tablet, ein 10,1-Zoll Xperia-Tablet, immer häufiger im Regal bleibt, weil ich die meisten Aufgaben schon auf dem Nexus 6 erledigen kann. Und dank seiner Größe passt mit einem 3.220-mAh-Akku auch ein richtiger Klotz an Stromspeicher hinein, der das Teil sehr locker den ganzen Tag über ohne Zwischenladen betreibt.

Google mault, Motorola mault.

Bei der Auswahl der Nexus-Hersteller lässt Google die Zügel nicht (mehr) schlaff herunterhängen. Wer als Hersteller ein Nexus bauen darf, muss sich an die Wünsche von Google halten. Die sind teilweise löblich (zum Beispiel das reine Android ohne zusätzliche Hersteller-Apps), zum Teil aber auch ärgerlich (beispielsweise der konsequent fehlende MicroSD-Kartenslot). Dass Google auf den Nexus-Geräten eine Reihe von Spielereien nicht sehen will, mag ja noch durchgehen, aber teilweise ist Google schlicht ignorant.

So kann die Hardware des Nexus 6 einige Dinge, die das Nexus-Android nicht unterstützen mag. So hat das Nexus 6 eine LED zur Signalisierung, die aber vom Betriebssystem nicht angesprochen wird. Auch kann der Bildschirm hardware-seitig mit einem doppelten Tippser aufgeweckt werden, auch das unterstützt Google nicht. Und schließlich werden ähnliche Schwestermodelle des Nexus 6, die von Motorola direkt angeboten werden, auch mit MicroSD-Kartenslot angeboten, so dass man davon ausgehen kann, dass Google im Nexus 6 explizit darauf verzichten wollte.

Auch Motorola mault: Das Handy sei schlicht zu groß (naja, eben Geschmackssache), es sei zu billig verarbeitet, hat einen runden Rücken, mit dem es nicht plan auf dem Tisch liegen kann.

Stimmt ja alles. Aber: warum fällt Google und Motorola all das erst über einem Jahr nach Markteinführung ein? Und warum gefällt mir das Google Nexus 6 dennoch?