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Innereien einer Standuhr.

17. August 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Mein Vater, inzwischen pensionierter Uhrmacher aus Passion, hat wieder ein neues Spielzeug am Start, wahrlich mit überirdischen Dimensionen. Hier geht es um eine Standuhr, die ein neues Werk benötigt und da ist er gerade dabei, das zu justieren. Das hört sich relativ einfach an, aber der riesige Pendel ist vor allem dazu da, in möglichst genau eingestelltem Gleichlauf den Takt vorzugeben. Wird so ein Takt gut eingestellt, läuft so ein Werk mit einer Genauigkeit von maximal nur ein, zwei Minuten Versatz im Monat. Vorausgesetzt man vergisst nicht, die Uhr regelmäßig aufzuziehen, läuft so eine Uhr im Jahr also kaum mehr als zehn Minuten vor oder nach. Die Uhr zu vergessen, aufzuziehen, ist da der häufigere Grund, dass die Uhr nicht durchgehend genau läuft.

Richtig toll sieht dieser Aufbau hier nicht aus und es ist schon Kunst genug, so ein “Testlabor” in einer Uhrmacherei so aufzubauen, dass man auch wirklich einige Tage lang vernünftig testen kann, ohne über das ganze Ding zu stolpern. Der “Rest” der Uhr, also Gehäuse und Klangstäbe, sind übrigens nicht hier, die stehen beim Kunden. Wollte man all das hertransportieren, bräuchte es einen Transporter und vier Mann zum Tragen.

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Multi-Winken.

19. Juni 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Wenn ich zu meinem Autohaus muss, laufe ich dorthin ganz gern. Diesen Anachronismus kann ich mir leisten, denn oft bringt man ein Auto dorthin und lässt es dort. Zur Inspektion zum Beispiel. So am Donnerstag. Nachmittags habe ich es dann abholen wollen und bin eben gelaufen.

Auf dem Weg von meinem Wohnort zum Autohaus muss ich am Klinikum unserer Stadt vorbei. Der Behandlungsbau, ein Zweckbau aus den Achtzigern, liegt an der Straßenseite, etwa 20 Meter zurückgesetzt. In den sechs von der Straßenseite aus sichtbaren Operationssälen war Donnerstag Hochbetrieb, alle sechs Säle waren hell erleuchtet.

Beim Operationsbetrieb ist es wohl so, dass man sich regelmäßig abwechselt oder der ein oder andere Mitarbeiter immer wieder etwas Luft während dem Operieren hat. Jedenfalls stehen immer wieder mal Leute am Fenster von Operationssälen und schauen gelangweilt hinaus. Vielleicht auch einfach eine gute Möglichkeit, den Blick hinausschweifen zu lassen, wenn man die ganze Zeit in eine blutige Höhle oder auf Apparaturen schauen muss.

In den etwa zwei Minuten, in denen der Behandlungsbau bei meinem Vorbeilaufen rechts im Blickfeld war, standen insgesamt sieben Leute in drei Operationssälen an ihren großen, natürlich fest geschlossenen Fenstern und schauten alle gelangweilt hinaus, während hinter ihnen offensichtlich die restliche Kollegenschaft noch um den Operationstisch stand.

Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es ein Reflex war oder einfach nur das Kind in mir, das für solche Aktionen immer zu haben ist – ich winkte einfach mal rüber zum Behandlungsbau. Nicht besonders auffällig und auch weiterhin noch im Laufen, also eher so ein gestresst wirkendes, aber völlig überraschendes Winken. Und alle sieben Menschen, in drei unterschiedlichen Operationssälen auf zwei unterschiedlichen Stockwerken winkten zurück, vermutlich ebenso überrascht, wie ich.

Zurückwinken ist sicherlich einer der nettesten Reflexe, die der denkende Mensch im Repertoire hat. Den unterdrücken wir viel zu oft.

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Nur für Dadaisten: The iKindle.

8. Mai 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Für einen Menschen, der Liebhaber von Sarkasmus und Ironie ist, ist der Weg zur Kunstsparte, pardon, der ANTI-Kunstsparte namens Dada nicht sehr weit. Nein, nicht nur nicht sehr weit, sondern eigentlich unumgänglich. Um Dada kommt man nicht herum, wenn man in der modernen Welt nicht von immer mehr von nützlichen oder gern unnützen Dingen kommentar- und reaktionslos überrannt werden will. Man kann, wie Marcel Duchamps, dann einfach ein Pissoir nehmen, bekritzeln und als “Fountain” hinstellen oder wie Joseph Beuys eine Badewanne mit Fett, Pflaster und Mullbinden behängen, die dann von ahnungslosen Reinigungskräften verzweifelt gereinigt wird. Nicht das Objekt ist die Kunst und auch nicht der positiv stimmende “Aha!”-Effekt, sondern eher das “Ohgottogott!”

Der schweizerische Verlag edition taberna kritika hat sich dieser Tradition angenommen und ein Readymade entwickelt, das in bester dadaistischer ANTI-Kunst-Tradition steht: Willkommen beim iKindle! Sieht aus wie eine Streichholzschachtel? Ach!

Den iKindle gibt es übrigens auch, wie sollte es auch anders sein, bei Amazon.de zu kaufen. Hoffentlich verstehen die Jungs und Mädels dort den Spaß. ;-)

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Ein “Guter Rutsch” oder ein “guter Rutsch”?

3. Januar 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Wenn ich mir so die Weihnachtskarten anschaue, die ich in den letzten Wochen bekommen habe (nämlich genau drei), fällt eines auf: In zwei von drei Karten ist von “Frohen Weihnachten” die Sprache und vom “Guten Rutsch”. Groß geschriebene Adjektive. Und groß geschriebene Adjektive schreien immer nach einer genaueren Betrachtung bezüglich ihrer Substantivierung. Denn in vielen Fällen tragen sie diese “Aufhübschung” zu Unrecht.

Vom Prinzip her gestattet die deutsche Sprache dem Adjektiv nur eine grundsätzliche Kleinschreibung. Die weitgehend genau definierten Ausnahmen gestatten eine Großschreibung in Fällen von substantivierten Adjektiven und wenn das Adjektiv ein Bestandteil eines Eigennamens ist. Und hier fängt die “frohe Weihnacht” schon an, bedenklich zu wackeln, denn die Weihnacht stellt mit einem vorangestellten Adjektiv – ob das nun “froh”, “fröhlich”, “schön” oder etwas gänzlich anderes ist – keinen bestimmten Eigennamen dar; eine “frohe” Weihnacht mag vielleicht eine besonders schöne Form der Weihnacht sein – eine besondere Eigenschaft, die eines besonderen Eigennamens bedarf, ist es allerdings nicht.

Ebenfalls aufs Glatteis führt die Argumentation, dass es sich eventuell um einen besonderen Kalendertag handeln könnte, so wie beispielsweise der Heilige Abend, den man tatsächlich groß schreibt: Die Weihnacht ist auch ohne frohsinnige Wünsche eben die Weihnacht. Beim guten Rutsch und beim guten, neuen Jahr ist es ähnlich. Es gibt nicht den, sondern maximal einen guten Rutsch von vielen und es gibt auch nicht das frohe, neue Jahr, wenn man nicht explizit ein sehr bestimmtes Jahr meint. Hier gilt deshalb auch der unterste Nenner der Schreibweise, also konsequente Kleinschreibung.

Zwar gesteht die deutsche Rechtschreibung es dem kreativen Schreiberling zu, in wackeligen Einzelfällen das Adjektiv groß zu schreiben (der Klassiker hier ist die “Erste Hilfe”), allerdings sind die “frohe Weihnacht”, der “gute Rutsch” und das “gute, neue Jahr” keinesfalls Wackelkandidaten in diesem Sinne. Selbst dann nicht, wenn man berücksichtigen würde, dass es der Überbringer der Wünsche wirklich gut und vielleicht sogar tatsächlich sehr persönlich meint. Es ist schlicht falsch. Und wenn jemand etwas besonders betonen möchte, dann soll er es nicht einfach bedenkenlos groß schreiben, sondern fett drucken, die Weihnachtskarte unterschreiben, den zu Beglückwünschenden persönlich anrufen oder im Handstand vor ihm auf seinem Schreibtisch schräge Lieder singen.

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Unbekümmertheit.

31. Dezember 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Was auch immer da im Kopf des Kleinen vorgegangen sein mag – er hatte seinen Spaß:

Vielleicht sollte man sich einfach öfter mal über so profane Dinge wie frisch fallenden Schnee freuen. In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch. ;-)

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