Vorurteile schüren im Kleinen.

Wir haben an sich zur Nachbarschaft ein relativ gute Verhältnis, da wir aufgeschlossene Leute sind, die so gar nicht recht in das Raster des „Mustermigranten“ passen wollen. Die Nachbarschaftsprobleme, die wir haben, sind daher eher welche, die „normal-nachbarschaftlicher“ Natur sind – Erbsenzählen ist nicht typisch deutsch, sondern ein international bekanntes Phänomen.

Nun wohnt ein paar Häuser weiter seit über einem Jahr eine rumänische Familie. Zwar wird dort mitunter recht rauchintensiv gegrillt, aber stören tun weder die Zeitgenossen uns, noch umgekehrt. Man lebt nicht übereinander herfallend, aber auch nicht wirklich miteinander, sondern eher nebeneinander. Sie arbeiten viel an ihrer Bude und ihrem Garten und gut. Soll ja nicht wirklich mein Problem sein.

Spannend wird es im Detail, denn sie haben eine kleine Tochter, die nach den Sommerferien in die Schule gehen wird. Und die recht eindrucksvoll zeigt, wie man als Familie mit Migrationshintergrund sehr hübsch an den Ressentiments arbeiten kann, die man eigentlich als Migrant hasst: Abkapselung durch fehlende Integration.

Das fängt schon mal damit an, dass Vater und Mutter wohl schuften wie die Beserker und in Schichtarbeit tätig sind. Das führt dann dazu, dass die kleine Tochter den lieben, langen Tag wenig mit sich anzufangen weiß, gerade jetzt in der Ferienzeit, wo die restlichen Kinder alle im Urlaub weilen. Das ist für meine Mutter wiederum kein Problem, die ziemlich effektiv Kinder bespaßen kann. Bei ihr funktioniert das jedoch nur teilweise erfolgreich, weiß sie misstrauisch ist, beispielsweise bei Fremden nichts essen mag. Eigentlich gut, aber: Gestern hat sie dann doch ein Toastbrot mitgegessen und dabei herausgerückt, dass ihre Eltern sehr wohl das Essen in der Nachbarschaft erlaubt hat, jedoch explizit nicht bei uns. Grund: Unbekannt. Und wir merken an, dass ihre Eltern sich in der ganzen Zeit über nicht ein einziges Mal die Mühe gemacht haben, mal vorbeizuschauen oder wenigstens über den Zaun zu grüßen.

Nun ist es mir im Prinzip wirklich völlig wurstegal, wenn jemand glaubt, sein Weltbild auf der Basis von fundierten Informationen oder Stammtischparolen untermauern zu müssen, so lange er mich damit nicht belästigt oder einen Krieg anzettelt. Es ist an sich jedoch bedauerlich zu sehen, wie Eltern die Köpfe ihrer Kinder schon von Kleinauf mit Vorurteilen vergiften und sich dann möglicherweise darüber wundern, dass ihre eigene Integration nicht so recht klappen mag. Integration steht und fällt ganz zuletzt immer unten, nicht oben.

Eine gute Serviceerfahrung mit der Deutschen Bahn.

Meine Mutter ist heute von Hamburg nach Karlsruhe im Intercity Erster Klasse gefahren und hat dafür bezahlt – 30 Euro. Wie das funktioniert?

Zuerst einmal wurde sie von meiner Schwester mit irgendeinem obskuren Sparticket versorgt, das 26 Euro plus 4 Euro Reservierungsgebühr kostete. Diese Reservierungsgebühr war dann das Ticket für die Erste Klasse, denn auf dem eigentlich reservierten Sitz residierte schon ab dem Hamburger Bahnhof nach Aussage meiner Mutter ein Mitreisender, um die 40 Jahre alt, der es doch tatsächlich fertigbrachte, nicht aufstehen zu wollen. Und das obwohl meine Mutter eine gültige Reservierung hatte und zudem meine Mutter mit ihren 65 Jahren einen deutlich größeren Respekt verdient hätte. Der normale Mensch steht selbst dann auf, wenn ein 65 Jahre alter Mensch gern sitzen wollte und keine Reservierung vorzeigen kann.

Der Zugbegleiter kümmerte sich dann auch sogleich um die Geschichte und hatte anstatt einer möglicherweise lautstärkeren Diskussion mit dem renitenten Mitreisenden eine bessere Idee. Er raunte nämlich meiner Mutter zu, dass sie doch bitte einfach mitkommen solle, denn dann sitze sie jetzt eben bis nach Karlsruhe in der Ersten Klasse. Das Gesicht des Mitreisenden muss wohl danach ziemlich doof ausgesehen haben.

Der Zugbegleiter hatte dann auch noch etwas vor. Er hatte nämlich in der Ersten Klasse zwei Kinder sitzen, die ohne Begleitung bis nach Gießen fahren sollten. Er bat meine Mutter, ein Auge auf die Kids zu werfen, die dann in Gießen von Bahnangestellten abgeholt werden sollten. Ein Job, den meine Mutter herzlich gern übernahm.

So geht das mit dem Service und der angewandten Diplomatie. Eine ganze Handvoll Fliegen mit einer Klatsche geschlagen.

Sprechen und integrieren.

Als Deutscher mit Migrationshintergrund bin ich mit den größten Hürden der Migration bestens bewandert. Zum Teil weil ich viele Migranten kenne und natürlich auch, weil ich selbst mit genügend Situationen mit Migrationshintergrund konfrontiert werde. Dass sehr viele Migrationsprobleme vor allem einen einzigen Grund haben, dürfte einleuchtend sein: Die gemeinsame Sprache. Ich zeichne den „normalen Problempfad“ hier mal auf:

Name und Mensch.

Wenn ich mit Menschen im Internet Kontakt aufnehme, passiert das vornehmlich per E-Mail oder anderen Übermittlungssystemen, die schriftliche Nachrichten transportieren. Und wenn man auf diese Weise kommuniziert, fällt dem Empfänger als erstes immer der Name des Absenders ins Auge. Der ist in meinem Falle, kaum zu übersehen, nicht urdeutsch, sondern klingt zuerst einmal ausländisch. Osmanisch. Türkisch. Manchmal geht auch Albanisch durch, gelegentlich auch mal Griechisch.

Daraus bildet sich der Empfänger immer schon ein erstes Bild. Der Mensch, von Natur aus immer bemüht, möglichst schnell eine Einschätzung einer Lage zu bekommen, kann da gar nicht anders. Nun gibt es hier zwei grundsätzliche Arten, wie man als Absender einer Information an diese Situation herangeht: Ich kann diesen Vorgang negativ sehen und als Hürde, die mich als türkischstämmigen Menschen bei einer Kontaktaufnahme oder einem Geschäft benachteiligt oder ich kann diesen Vorgang positiv sehen und als Chance, diese Kontaktaufnahme einzigartig zu machen. Den Begriff „Alleinstellungsmerkmal“ kann man so oder so sehen.

Eine echte Benachteiligung …

Wo man als Migrant eine echte Benachteiligung spürt, ist bei der Sprache – nämlich immer dann, wenn man sie kann oder nicht. An sich bringe ich ein weitgehend treffsicheres Wissen an deutscher Rechtschreibung und Grammatik mit und das ist bei Migranten bzw. bei Menschen mit nicht völlig deutschem Namen wichtig. Wichtiger als bei einem Otto Normalverbraucher. Bringe ich im Geschäftsleben eine flapsige Rechtschreibung mit – und eine schlechte Rechtschreibung kann man durchaus von Flüchtigkeitsfehlern unterscheiden – geht das sofort auf das Minuskonto.

Ebenso geht es gerade bei Akquisen dann darum, sich an Verfahren nochmal eine Portion pingeliger zu halten, als üblich. Wenn ich bei einer Kaltakquise schreibe, dass ich mich in den nächsten Tagen telefonisch melden will, muss ich das zwingend auch in den nächsten zehn Tagen tun. Von Migranten wird mitunter eine noch etwas „deutschere“ Einstellung im Geschäftsleben erwartet. Sagen tut das selbst selbstverständlich niemand.

… als echter Vorteil.

Aber, das ist nun das Alleinstellungsmerkmal: Wenn die Sprache im Geschriebenen sitzt und dann auch das telefonische Nachfassen als Fortführung zum Schreiben funktioniert, das vielleicht sogar „kanak-sprach-frei“ und in der völlig üblichen Art von Smalltalk, wie man es von einem guten Telefonmenschen erwartet, dann geht die Benachteiligung sofort als Bonus auf und zwar in doppelter Ausführung. Der Anrufer hat sich in der Regel etwas anderes als Stimme vorgestellt (sagt das natürlich auch in den seltensten Fällen) und jede Art von Normalität geht spätestens in Verbindung mit einem nicht ganz üblichen Namen als positiver Wert in die Erinnerung, wenn man es sich nicht wirklich mit einem groben Schnitzer selbst verscherzt.

Sprich: Die zunächst eher als Benachteiligung empfundene ausländische Herkunft kann man sehr einfach zu einem echten Vorteil ausarbeiten und muss dafür keinen Cent mehr investieren. Das funktioniert – so meine Erfahrung – weit über die Grenze des Visitenkartenäquators hinaus. Die Mnenmonik des menschlichen Verstandes, also das Bilden von Eselsbrücken zum Speichern von Informationen im menschlichen Verstand, ist mit solchen Kombinationen von Namen, Schreiben und Handlungen besser, als mit dem Abheften von Visitenkarten.

Die Ich-Marke.

Ein Freund von mir ist Macit Karaahmetoglu. Der Nachname ein echter Zungenbrecher, er selbst Rechtsanwalt mit eigener Großkanzlei in Ditzingen mit über zehn Rechtsanwälten. Nach Rechtsanwalt Karaahmetoglu kann man natürlich auch im Telefonbuch suchen, aber es geht auch mit „türkischer Anwalt aus Ditzingen“. Oder „Presserecht Stuttgart“. Oder „Anwalt mit eigener Kolumne in der türkischen Tageszeitung Hürriyet“. Oder „türkischer Bundestagskandidat“.

Er muss gar nicht stimmgewaltig sein oder die buntere Visitenkarte haben, sondern es muss eine echte Sprachgewalt mitbringen, die dafür sorgt, bei richtiger Anwendung und dem richtigen Selbstmarketing einen ganz eigenen und unverwechselbaren Werbeeffekt zu erzeugen. Wofür andere mitunter viel Geld investieren, um eine eigene, unverwechselbare Marke aufzubauen, kann man mit einem sinnvoll eingesetzten Migrationshintergrund und dem Willen, den eben auch „anders“ einzusetzen, punkten und Marken-Building betreiben.

Also: Die Basis allen Tuns ist die einheitliche Sprache. Kann man die, dann ist der Weg frei, diese auch umfänglich einsetzen zu können. Dann spricht man besser, dann schreibt man besser – dann kommuniziert man besser. Und dann muss man an sich nur noch das tun, was man gern tut und sich regelmäßig vor Augen halten, dass man etwas anders darüber zu sprechen hat, als der Bauch das vielleicht tun würde.

The Last Mail.

So richtig sonderlich gut kenne ich Michael eigentlich nicht. Kennengelernt habe ich ihn bei meinem Ex-Arbeitgeber als Kunden unseres Hauses und den ersten Job miteinander hatten wir genau am 30. Mai 2001, als ich ihm eine Webcam auf seinen PC im Büro stöpselte und er mich danach noch zum Pizzaessen einlud. Und auch wenn wir uns eigentlich persönlich nicht sonderlich kennen, haben wir doch immer wieder geschäftlich miteinander zu tun gehabt und die angehenden Dinge professionell abgewickelt, zudem einige gemeinsame Freunde, so dass man sich immer wieder mal über das gegenseitige Befinden erkundigt und Grüße ausrichtet. Die auch ankommen. So wie man in einer guten Geschäftsbeziehung eben so miteinander arbeitet, dass man sich nicht vergisst und ein gutes Gefühl hat, etwas gemeinsames zu bewirken.

Erst Anfang des Jahres hat er mich angerufen, mir ein gutes neues Jahr gewünscht, sich erkundigt, wie es mir gesundheitlich geht, ich ebenso. Was man so eben am zweiten Tag eines neuen Jahres, wenn alles so langsam anläuft, mit Geschäftspartnern smalltalkt. Ein Serverproblem habe er, er muss einen Server von einem zum anderen Provider umziehen und fragt, ob wir ihm dabei behilflich sein könnten. Natürlich, kein Problem, ist ja unser Geschäft. Sehr gut, so seine Antwort. Professionell. Üblich. So wie immer. Die letzte Mail von Michael habe ich vor einer Woche bekommen, als wir uns kurz abgesprochen haben, dass er mich im Juni zwecks einem Serverumzug kontaktiert und hierzu einen entsprechenden Termin auf Wiedervorlage gelegt hat.

Dazu soll es jetzt nicht mehr kommen, denn genau eine Woche nach seiner Mail und meiner Antwort, um fast exakt die gleiche Zeit erreichte mich ein Anruf eines gemeinsamen Freunds mit der bitteren Nachricht, dass Michael nicht mehr lebt. Am Abend zuvor vor einen Zug gesprungen. Mit 41 Jahren.

Wie so viele Menschen bin ich sprachlos und entsetzt. Was für unfassbare Abgründe müssen ihn bewegt haben, das zu tun, ein Mann mit Job, Familie, beeindruckender Reputation und Freundeskreis. Wir haben es nicht geahnt und uns keine Gedanken gemacht. So unglaublich sinnlos.

Geistiger Kurzurlaub aus dem Fenster.

Das Büro, das Oliver und ich tagsüber bewohnen, ist zwar immer noch karg eingerichtet, hat allerdings große Fenster. Das ist wichtig, denn das gelegentliche Hinausschweifen des Blickes ist nicht nur für EDV-Leute wichtig, sondern auch ein kleiner Kurzurlaub. Mal Lust auf einen kleinen geistigen Kurztrip? Ist sehr einfach.

  1. Räume dein Fenster frei. Gardinen zur Seite schieben und die Fensterbank abräumen, vollständig.
  2. Dann stellst du dich ziemlich genau einen Meter vor das Fenster. Einigermaßen mittig. Wichtig ist, dass die Umrisse des Fensterrahmens im Blickfeld sind.
  3. Dann schaust du nach draußen. Am besten bewegst du dich nicht, auch nicht den Kopf. Beim Herausschauen ist es dabei wichtig, nicht einfach nur auf die Details zu schauen, sondern auch mit dem Auge „drumherum“, also dem Sichtfeld um den „Hotspot“ des Auges, der nicht mehr so richtig scharf sieht, aber dafür für das räumliche Sehen und für den Gesamtbildeindruck.
  4. Nachdem dieser Versuchsaufbau steht, einfach mal den Verstand freiräumen. Für einige Sekunden an nichts denken, außer daran, Details in diesem Bild draußen zu beobachten, so wie man z.B. in einem Museum ein Bild betrachtet und es auf sich wirken lässt.

Was dann passiert, ist eine spannende Sache, denn der Verstand schaltet sich tatsächlich in eine Art „Bildmodus“. Das Bild in diesem Bilderrahmen (deshalb ist es wichtig, dass die Umrisse des Fensterrahmens im Blickfeld sind) umrahmt die Szenerie und wenn man es schafft, sich mehr als ein paar Sekunden so auf das Bild einzulassen, entsteht ein ziemlich starker räumlicher Eindruck, der sich umso mehr verstärkt, wenn in der Szenerie Bewegung ist, zum Beispiel ein vorbeifahrendes Auto. Und dieser Gesamteindruck wird immer stärker, je länger man sich auf das Bild konzentrieren kann.

Der Grund dazu ist relativ einfach: Der menschliche Verstand ist darauf programmiert, im Bewegtbild zu leben. Wir sehen im normalen Tagesablauf nicht einzelne Bilder, sondern einen stetigen „Film“, von dem unser Verstand in Sachen Erinnerung dann einzelne Bilder abspeichert. Für gewöhnlich haben die Sinneseindrücke, die wir tagtäglich haben, keinen „Bilderrahmen“. Simuliert man den Bilderrahmen nun für eine Weile, ist das für den Verstand eine ziemlich neue und erstaunlicherweise ziemlich spannende Sicht.

Immaterialitäten.

Die Leute, die mich gut kennen, wissen, dass ich kein sonderlich materieller Mensch bin. Ich muss keine echten Luxusgüter besitzen, um zufrieden zu sein und mache mir aus vielen Dingen nichts, die anderen viel bedeutet. Kleidung, Parfum, Auto, Haus, Reichtum – das reizt mich unglaublich wenig. Reizen ist dabei das falsche Wort: Es langweilt mich. Materielle Güter kann man besitzen, sie gehören aber einem nicht und der Besitz eines Guts ist selten etwas, mit dem man etwas gedanklich bei anderen Menschen bewirken kann (mit Ausnahme des Neids, dessen Erzeugung ich jedoch das Abscheulichste finde, was man anderen Menschen und sich selbst antun kann).

Wo ich das alles am stärksten merke, ist beim Einkaufen. Ich gehe sehr ungern „real“ in der Stadt „shoppen“, weil es mich anödet. Konsumtempel sind bunt, aber für mich seelenlos und armselig, weil außer Konsum nichts weiter drin ist. Ich sehe die Dinge darin gar nicht wirklich als schöne Artikel, sondern – und das hört sich komisch an – als bedauernswerte Dinge und Sachen, die angefasst und gekauft werden und sich niemand wirklich darüber Gedanken macht.

Was ist ein Schal? Ein Stück Stoff, in das jemand etwas hineininterpretiert hat und diese Interpretation auf viele die exakt gleiche Wirkung hat: Er ist möglicherweise schön. Nur diese Empfindung ist wenig und bedeutet mir eben auch nur sehr wenig.

Tatsächlich empfinde ich in Konsumtempeln so etwas wie Trauer. Auch das hat nichts mit einem möglicherweise düsteren Gemüt zu tun, sondern damit, dass es in solchen Tempeln völlig gefühllos zugeht. Industriell gefertigte Ware, gelangweiltes Personal, möglicherweise unaufgeräumtes Chaos und desinteressiertes Publikum, das kauft oder nicht kauft. Niemand geht etwas auf den Grund, niemand beachtet irgendetwas anderes, als die Ware und deren „Schönheit“ oder eine Geschichte dahinter (wenn es denn eine gibt). Ich ertrage das Shoppen nur mit einer gewissen Abscheu und bin daher auch ein Fan davon, meine schwarzen Jeans und T-Shirts einfach online zu kaufen. Da muss ich mir dieses Drama wenigstens nicht anschauen. Du schmunzelst? Dabei meine ich es gar nicht belustigend. Wir haben in unserer modernen Welt den Blick auf das Schöne verlernt und glauben, dass der gesamte iMüll (wobei hier bei weitem nicht nur Produkte von Apple gemeint sind) das Schöne sei. Eine fast vollkommene Illusion.

Immaterielle Dinge sind so sehr schön, weil man sie eben nicht anfassen kann und sie mehr oder weniger interpretieren muss. Software muss ein Computer interpretieren. Geschriebenes muss ein Verstand interpretieren. Ideen muss eine Intuition erzeugen. Und so weiter. Ein funktionierender Verstand, der denkt und immaterielle Dinge entwickelt, das ist etwas, was kein reales Ding aufwiegen kann und tatsächlich ist jedes materielle, künstlich geschaffene Ding zuvörderst davon abhängig, dass es einst immateriell als Gedanke entstanden ist.

Spannender Gedanke, nicht? Derjenige, der eine für viele Menschen schöne Sache macht, ist vielleicht selbst jemand, der mit Materiellem herzlich wenig anfangen kann und mit seinem Werk gar nichts wirklich zu tun haben will, nachdem er es erdacht oder gemacht hat.

Fotografieren ist so eine Sache. Ich schaue sehr ungern Dias an oder Bildergalerien. Nicht deshalb, weil mein Anspruch an Bildern, Ästhetik und Präsentation nicht ganz nieder sind, sondern weil Bilder eigentlich wieder Materie sind. Das eigentliche Bild ist schon lange weg und wenn es nicht im Verstand erzeugt oder geblieben ist, muss es schon einen sehr starken Inhalt haben, damit es bei mir „landet“ und auch bleibt. Ich habe früher gern fotografiert und die Filme dann anderen Leuten zum Entwickeln gegeben oder den Film auch einfach verfallen lassen. Interessiert haben mich meine eigenen Bilder nur selten.

Es hat ein halbes Leben gedauert, zu merken, dass ich eigentlich auch nicht am Bildmachen interessiert bin, sondern an der Bildentstehung. Der Moment, den man übersieht oder eben nicht. Ich habe ein ziemlich brutal gutes Gedächtnis dafür, Momente in voller Breite zu memorieren. Bilder, Szenen, Gerüche, Geräusche, Entwicklungen, Verwicklungen, das Drumherum. Gepaart mit Nachgedanken, Erfahrungen, Aufgaben und Anforderungen sind das Bilder, die keine Kamera dieser Welt so sichern kann. Es fehlt natürlich viel „Farbe“ und „Bewegung“ und herumreichen kann ich diese Bilder auch nur sehr schlecht und wenn dann nur als Worte. Aber wenn man erst einmal diese Bewusstseinsebene erreicht hat und das ohne Drogen jederzeit schafft, dann hat man ein sehr schönes Problem: Materielles interessiert einen immer weniger. Worte tun es viel mehr, selbst zusammengestellte noch viel, viel mehr und die Rückmeldung von Lesern ist nahezu das Maximum dessen, was man dann erreichen kann. Magischer geht es dann kaum noch, obwohl es eigentlich gar nicht so magisch ist, sondern einfach normal. Und für andere vielleicht verrückt.

Früher hat es mich gestört, ein kleiner Sonderling zu sein. Heute will ich es gar nicht mehr eintauschen.

Wechselgeld in der Nacht.

Ich liebe sie ja, die kleinen Probleme und deren Lösung …

Dieses Jahr hat mich Timo dazu überredet, im Team des diesjährigen Openair-Kinos des Kommunalen Kino Pforzheim mitzuhelfen. Das ist seit 1995 eine Institution geworden und während in anderen Städten das Openair-Kino eher ein Nischendasein fristet, werden in Pforzheim immerhin über 1.000 Sitzplätze in den Innenhof des Kulturhaus Osterfeld gestellt und für vier Wochen ist dieses Openair-Kino das größte Kino der Stadt. Und auch gern mal ausverkauft.

Da ich mich sehr gut mit der Arbeit des Kassierens auskenne (nämlich gar nicht), habe ich mich für das Kassieren entschieden. Es gibt zwei Kassen, immerhin EDV-unterstützt und dieser Job geht getreu nach dem Motto: „Noch nie gemacht, deswegen erst recht!“ Und ich scheine mich immerhin auch gar nicht so dumm anzustellen. Tempo stimmt, mein Einmaleins ist noch tadellos parat und Kassenstress macht mir einfach gar nichts aus. Und selbst das tausenfache „Viel Spaß“ kann ich runterreden wie von einer Schallplatte.

Und ein Rätsel hatten wir an der Kasse: Wir haben alle in unseren Kassen etwas Wechselgeld in Form von Münzen, die in den 1,5 Stunden der Kassenöffnung auch zumindest die erste Stunde ausreicht. So bald es aber Richtung Endspurt geht, sind die meisten Kunden dann nur noch „Großzahler“, tanzen also mit großen Scheinen an und das erfordert bei einem Eintrittspreis von 6 Euro pro Karte dann natürlich verhältnismäßig viel Wechselgeld. Das ging so weit, dass wir tatsächlich immer in der letzten Viertelstunde gegenseitig an den Kassen Wechselgeld tauschen mussten.

Aber warum war das so? Unsere Vermutung: Die Dunkelheit.

Tatsächlich ist es so, dass viele Kinogänger bei noch ausreichendem Licht in ihrer Geldbörse auch nochmal im Münzfach schauen und prüfen, ob sie vielleicht passend zahlen können. Ist es dunkel, tun das viele nicht mehr und sie nehmen lieber den großen Schein im Wissen, dass wir ja entsprechend herausgeben. Eine Beobachtung scheint dies auch zu bestätigen, denn wenn ich explizit frage, ob man vielleicht noch zwei Euro habe, wird tatsächlich gesucht, wenn auch oft widerwillig.

Sprich: Wir werden am Mittwoch zum Beginn der dritten Openair-Woche den Kassenbereich noch heller ausleuchten und dann schauen wir mal, ob diese Vermutung auch stimmt. 😉

Snow Patrol in Köln 2012.

Es wurde wieder einmal Zeit. Zeit für die Fortsetzung einer alten Unterhaltungsserie von Joachim und mir. Nämlich der Serie von „expo-mäßigen“ Veranstaltungen. Diese Serie haben wir im Jahre 2000 mit dem Besuch der EXPO 2000 in Hannover begonnen und startete da eine lose Veranstaltungsserie, die wir immer mindestens zu zweit besuchten und mindestens das gleiche Gänsehaut-Level des EXPO-Besuches erreichen sollte. Zu der Liste der „expo-mäßigen“ Veranstaltungen gehören inzwischen diverse Konzert- und Museumsbesuche und unter anderem ein legendäres Happening in Karlsruhe, bei dem vor dem Schloss in einem riesigen Tonofen dreieckige Kacheln zum Stadtjubiläum gebrannt wurden. Eine dieser Kacheln fährt hier sogar noch herum.

So also dieses Jahr, mit einem kurzfristig organisierten Konzertbesuch der Band Snow Patrol, die derzeit durchs Land tourt. Dieser Besuch ist wiederum auch eine kleine Serie, denn schon 2009 haben wir Snow Patrol live gesehen, damals auf der Kartbahn in Dettenheim bei Karlsruhe in einem mehr als intimen Konzert. Dieses Mal spielte die britische Truppe in der LANXESS Arena in Köln auf und das kann man schon als raketenartigen Aufstieg sehen. Meinen Platz bekam ich kurzfristig deshalb, weil Joachims Sohn Maximilian auf seinen Besuch zwecks zu absolvierende Klausur verzichten musste.

Der Tourbesuch war – wie immer – eine ochsentourartige Veranstaltung: Mittwoch hin, abends saufen, danach Konzert, danach seltsames Hotel (gehört so) und Donnerstag wieder zurück. Und wenn man nach diesen zwei Tagen das Gefühl hat, es seien mindestens fünf gewesen, dann war es eine „expo-mäßige“ Veranstaltung, so wie auch hier in Köln. Das Wetter war brutal, allerdings hatten wir auch auf eine Stadtrundfahrt verzichtet und uns lieber gleich mit Freunden von Joachim beschäftigt, darunter Ian aus Großbritannien, der einen exzellenten Unterhaltungsfaktor mitbrachte, ebenso seine drei Freunde aus Belgien. Gemeinsam stiegen wir an einer offensichtlich bekannten Tourikneipe ab, in der das Kölsch ziemlich günstig war und reichlich floss, dafür jedoch die Bratwurst eher eine Rohwurst war. Das war dann auch der einzige echte, selbst verursachte Mangel.

Snow Patrol waren in bester Stimmung und haben in rund zwei Stunden die Arena zum Beben gebracht. Die war zwar nicht wirklich vollständig ausverkauft, das tat der Akustik und der guten Stimmung nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Es blieb so sogar die Möglichkeit, dass Joachim während dem Konzert (!) in einen echten Dialog mit Frontmann Gary Lightbody eintrat. Auf den flehenden, englischsprachigen Einruf von Joachim, dass er „Gary liebe“, antwortete Gary beim zweiten Mal, dass er beim letzten Lied leider nicht antworten konnte und „busy“ war. Dafür bekam er dann tatsächlich doch das nächste Lied gewidmet. Wohlgemerkt – wir reden von einer Halle mit tausenden Fans und wir reden bei Joachim von einem Menschen, der ohne Flüstertüte vom Rang bis zur Bühne hörbar war (und danach leider heiser).

Das erstaunliche an Köln war, dass es abends um 23 Uhr während der Woche offensichtlich keine Kneipen mehr gibt, die Bier verkaufen mögen. Und das es Hotelzimmer mit Hirschgeweihen gibt, die mit bunten Glasscherben und Perlenimitaten orangefarbig geschmückt sein können. Ich werde mich weigern, diese Bilder hier zu veröffentlichen.

Ach, und in Koblenz habe ich, ohne größere Übertreibung, am Donnerstag vermutlich mein bis dato bestes und leckerstes Schnitzel gegessen, im Restaurant einer Brauerei, die das in einem unglaublich scheußlichen Gebäude am Rhein platziert hat, allerdings etwas davon versteht, seine Besucher adäquat zu verköstigen. Den Rest gibt es dann bei QYPE.

Von Nichtmögen, sich auf etwas einlassen und es dann vielleicht zu lieben.

Dieser Artikel hier wird in meinem Blog etwas aus dem Rahmen fallen. Das tun zwar, der geneigte Leser kennt das ja schon, nicht gerade wenige Artikel im Blog, aber der hier noch etwas mehr. Es geht nämlich darum, wie man eigentlich weiterkommt. Und wie man eigentlich auf diese Weise nichts anderes tut, als die gesamte Menschheit ein Stückchen weiterzubringen. Gewidmet ist der Artikel einem für mich sehr wichtigen Menschen, Details dazu gehen euch nichts an.

Mein Beispiel hier ist auf den ersten Blick völlig abstrus – es ist nämlich U2. Nicht die U-Bahn-Linie in Berlin oder einer anderen Stadt, sondern die Band. Viele wissen, dass ich U2-Fan bin. Zwar nicht unbedingt so militant, dass ich alle Lieder auswendig wüsste (eigentlich weiß ich nach wie vor gar keines auswendig), aber ich kann mich von U2 und ihren Liedern vortrefflich berühren lassen, in allen Lebenslagen. Aber von vorn:

Eigentlich habe ich U2 sogar mal gehasst. Mir heute völlig unverständlich, aber bis zirka 1994 war U2 für mich eine Rockband von vielen und Rock etwas, was mir zu „unsauber“ daherkam. Ich war eingefleischter Fan von Jean-Michel Jarre und teilweise noch skurrilerer Synthie-Musik und bildete mir ein, sie gut zu finden. Jarre ist immerhin noch ein Vertreter der elektronischen Musik, die ich auch heute noch hören kann, den damaligen Mist, den ich so noch hörte, würde ich heute glatt in sehr schrägen Esoterikabteilungen suchen, wenn ich denn Bedarf danach hätte.

Aber zurück zu U2. U2 zu hassen, war eine sehr einfache Haltung. Etwas zu hassen, was man nicht kennt, ist die einfachste Haltung, die man sich als Mensch geben kann, mit den unterschiedlichsten Hintergedanken. Vielleicht mag man die Musik wirklich nicht, vielleicht stört aber auch einfach, dass die Ex-Freundin U2 besonders mochte oder vielleicht will man einfach nur dagegen sein, um sich keine aktuellen Diskussionen geben zu müssen. Hassen ist immer eine sehr persönliche Geschichte, die viel mit Abwehr zu tun hat. Und zwar vor allem dem Abwehren von anderen Meinungen.

So auch hier: Mit Jochen, einem meiner engsten Freunde, hatte und habe ich jemanden, der durch und durch U2-Enthusiast ist, seitdem ich ihn kenne. Bestens über U2 informiert und Besitzer einer U2-spezifischen Sammlung, die unglaublich gut sortiert ist. (Jochen ist übrigens nicht der oben erwähnte Mensch, dem dieser Artikel gewidmet ist, auch wenn er es eigentlich auch verdient hätte. :-))

Jochen hat sich irgendwann 1994 die Mühe gemacht, nicht einfach auf meine Hasstiraden zu U2 zu reagieren, sondern mich reinhören zu lassen in eine Welt, die ihm viel bedeutet. Einige sehr tiefgehende Lieder mit jeweils einer ganzen Geschichte, fein säuberlich in Ton und Text ausgedengelt und aufgenommen und Jochen ließ mich hören, was ihn bei diesen Liedern bewegte. Und es bewegte mich auch. Manchmal, oder so.

Es entstanden zwei legendäre Cassetten von ihm, mit einer Auswahl von U2-Songs und handgeschriebenen Playlists. Ein Berg voll Arbeit, selbstlos. Noch nicht mal U2 hatte etwas davon und die Cassetten hat Jochen ja auch noch selbst bezahlt. Beide Cassetten liefen bei mir so lange, bis sie nach Jahren kaputtgegangen sind. Ich habe beide Cassetten auch heute noch im Besitz, obwohl sie nicht mehr funktionieren und ich auch gar keinen Cassettenplayer mehr habe. Die dazugehörigen Alben, aus denen die Lieder stammten, die habe ich inzwischen aber alle.

Worauf ich hinaus will: Hassen und Dinge nicht mögen, das ist alles sehr einfach. Sich als „Hasser“ auf eine andere, konträre Meinung einzulassen, schwierig und wenn man nicht das Glück hat, auf jemanden zu treffen, der selbstlos und ohne Vorurteile gegenüber „Hassern“ einem seine eigene Meinung darlegt, fast unmöglich.

Wenn man aber über seinen Schatten springt und sich als „Hasser“ auf eine andere Meinung einlässt, dann erschließen sich möglicherweise Welten, die man bis dato gar nicht kannte und die man heute gar nicht mehr missen mag. Oder gar nicht mehr missen kann. Viele Lieder von U2 sind, wie bei vielen Menschen, fest mit Ereignissen meines Lebens verbunden, weil ich sie damals hörte oder ich einzelne Liedtexte mit ihnen verbinden konnte. Und viele Lieder erzeugen mir heute, fast 20 Jahre, nachdem ich sie zum ersten Mal gehört habe, ausnahmslos immer noch jedes Mal eine Gänsehaut. Zum Beispiel „The First Time“, wenn inmitten von Bonos Gesang das Piano einsetzt und den Gegenpol bildet. Unfassbare, musikalische Magie.

Einschneidende Erlebnisse im Leben leben zum einen von dem, was wir „Schicksal“ nennen (davon haben wir es im diesem Artikel eher nicht). Oder zum anderen davon, sich auf Dinge einzulassen, die einem vielleicht noch kurz davor völlig unmöglich vorkamen. Das selbstgesteuerte Einlassen auf andere Meinungen und damit die Möglichkeit, sich eine andere Meinung bilden zu können, tut vielleicht weh, kostet Mühen und man kann sich dabei bei Leuten, deren Horizont ebenso klein ist, auch lächerlich machen.

Aber wer sich einlässt auf fremde Meinungen, profitiert allein schon von diesem Umstand selbst. Macht sich offener. Findet heraus, dass das Ziel eines Weges nicht unbedingt am Ende das vielleicht gar nicht erreichbare Wirtshaus oder die Sackgasse ist, sondern das Ziel eines Weges möglicherweise auch der Weg selbst ist. Oder die schöne Bank am Wegesrand mit dem tollen Ausblick. Oder ein Wandersmann, mit dem man ein paar Schritte mitgehen darf und der einem eine andere Sicht – vielleicht auch auf den Weg selbst – geben kann.

Wir Menschen sind, nach heutigem Wissen, die einzigen Lebewesen weit und breit, die sich eine eigene Meinung auf Basis von rationalen und emotionalen Vorgängen im Kopf bilden können und dazu braucht es die Notwendigkeit, sich auf andere Meinungen einzulassen. Man muss nichts von diesen Meinungen sofort glauben oder sich sofort dazu äußern – man muss sich nur erst einmal darauf einlassen. Das ist der erste, vielleicht anfänglich schmerzhafte, aber dennoch wichtigste Schritt.

Wer das tut, bringt sich nicht nur selbst Äonen weiter im Leben, sondern macht Wege frei für andere Menschen, um ihnen das auch zu ermöglichen oder findet eine(n) Partner(in), mit dem er/sie glücklich wird. Und unter diesen schon lebenden oder dem vielleicht noch zu gebärenden Menschen wird vielleicht mal einer sein, der eine bis dato unheilbare Krankheit heilt oder den goldenen Weg zur Klimarettung findet, weil er/sie den Kopf für neue Ideen frei hat oder vielleicht auch nur das richtige Lied in der richtigen Situation hört.

Ist es nicht schön, wie einfach es im Grundsatz funktionieren kann? Man muss sich nur den Ruck geben, sich auf andere Meinungen und Menschen einzulassen. Den Rest mit Wohlbefinden und Sympathie macht dann die ausgezeichnete Biochemie unserer Körper.

Lieber Mensch, dem ich diesen Artikel widme: An nichts anderes glaube ich und ich habe gelernt, dass diese Lektion damals für mich und meine Mitmenschen nicht falsch war, sondern sehr wichtig. Hätte ich das nicht gelernt und wäre es für mich nicht einer der wichtigsten Regeln und Maßgaben meines Lebens geworden, hättest du es gar nicht geschafft, für mich zu einem sehr wichtigen Menschen zu werden. So long.

Innereien einer Standuhr.

Mein Vater, inzwischen pensionierter Uhrmacher aus Passion, hat wieder ein neues Spielzeug am Start, wahrlich mit überirdischen Dimensionen. Hier geht es um eine Standuhr, die ein neues Werk benötigt und da ist er gerade dabei, das zu justieren. Das hört sich relativ einfach an, aber der riesige Pendel ist vor allem dazu da, in möglichst genau eingestelltem Gleichlauf den Takt vorzugeben. Wird so ein Takt gut eingestellt, läuft so ein Werk mit einer Genauigkeit von maximal nur ein, zwei Minuten Versatz im Monat. Vorausgesetzt man vergisst nicht, die Uhr regelmäßig aufzuziehen, läuft so eine Uhr im Jahr also kaum mehr als zehn Minuten vor oder nach. Die Uhr zu vergessen, aufzuziehen, ist da der häufigere Grund, dass die Uhr nicht durchgehend genau läuft.

Richtig toll sieht dieser Aufbau hier nicht aus und es ist schon Kunst genug, so ein „Testlabor“ in einer Uhrmacherei so aufzubauen, dass man auch wirklich einige Tage lang vernünftig testen kann, ohne über das ganze Ding zu stolpern. Der „Rest“ der Uhr, also Gehäuse und Klangstäbe, sind übrigens nicht hier, die stehen beim Kunden. Wollte man all das hertransportieren, bräuchte es einen Transporter und vier Mann zum Tragen.