Fiktion trifft Realität im ZDF.

Als am Sonntag im eher ermüdenden Heute-Journal ein investigativ angehauchter Beitrag kam, in dem behauptet wurde, dass angeblich neue Informationen in Dänemark aufgetaucht seien, die eine vermutete Zusammenarbeit zwischen dem Autor Günther Wallraf und der DDR-Staatssicherheit nähren würden, war ich, ich gebe es zu, schon im Dämmerzustand. Ob das an der unsäglichen Maybrit Illner liegt, die im Stile einer Narkoseärztin Nachrichten verliest und dabei nervtötende Zischlaute wie ein defektes DECT-Mobilteil loslässt oder am Tatort, der kurz zuvor in der ARD verstrahlt wurde – keine Ahnung.

Jedenfalls kam dieser Beitrag, der mit einem Interview eines Historikers der Süddänischen Universität namens Thomas Wegener Friis begann. Anmoderiert wurde dies von der Journalistin mit dem Satz, dass Friis die seltene Gelegenheit bekommen habe, einen Blick in das Archiv des dänischen Geheimdienstes zu werfen. Untermalt wurde diese Anmoderation mit einer 180°-Grad-Drehung um Herrn Friis herum, höchstwahrscheinlich am Ort des Geschehens. Dieses Bild endete mit der Sicht zum Gebäude, in dem sich, wenn man die Dramaturgie des Artikels richtig interpretiert, wohl das Archiv des dänischen Geheimdienstes befinden soll:

Ein Gebäude von vielen auf dieser Welt. Allerdings nicht unbedingt für die Leute, die sonntagabends gern die vorwiegend skandinavischen oder britischen Krimis anschauen, die ironischerweise genau nach diesem Heute-Journal im ZDF ab 22 Uhr beginnen. Denn dieses Gebäude kommt in einer dänischen Krimiserie vor, nämlich in Livvagterne, die in Deutschland unter dem Titel „Protectors – Auf Leben und Tod“ geführt wird:

Der runde Gebäudeteil ist im ZDF-Beitrag ganz hinten zu erkennen (Bild für eine Großansicht anklicken), sehr deutlich sind aber die vier großen Fensterfronten und die kleineren Fenster zu erkennen, die identisch mit dem Gebäude in der Fernsehserie ist. Dort ist dieses Gebäude übrigens das Hauptquartier einer Spezialeinheit des dänischen Geheimdienstes, die zum Personenschutz eingesetzt wird.

Wer mal zu diesem Gebäude fahren möchte, here we go:
Größere Kartenansicht

Dass in Dänemark offensichtlich Fernsehserien über Geheimdienste auch vor echten Geheimdienstgebäuden gedreht werden dürfen, ist bemerkenswert, während hierzulande schon das Drehen von Dorfpolizeistuben einen mittelgroßen Verwaltungsakt auslösen. Unvergessen daher so Winkelzüge, dass beispielsweise Kommissar Bienzle keineswegs in einem Stuttgarter Polizeihochhaus seine Stube hatte, sondern im Gebäude des Südwestrundfunks. 😉

Olympia in ARD und ZDF.

Mit Sportübertragungen im Fernsehen konnte ich die letzten 15 Jahre wirklich nicht sehr viel anfangen. Das liegt vermutlich an meinen traumatischen Erfahrungen als Kameraassistent mit Kameraeinsätzen bei der Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und dem VfB Stuttgart. Für Fernsehleute ist Sport das härteste Arbeitsumfeld, die der Enthusiasmus zu bieten hat und das fällt vor allem dann auf, wenn man sieht, dass es unter Kameraleuten auffallend wenig eingefleischte Fußballfans gibt.

Die Olympischen Winterspiele von Vancouver haben das aber nun gedreht, was aber vor allem an der überzeugenden Berichterstattung liegt. Und als alte Fernsehproduktionssau begeistert mich vor allem, wie nun endlich auch die Technik mit dem „Journalistenwillen“ Schritt halten kann:

High Definition

Ganz klar, HD ist der zentrale Meilenstein im Sport. Produziert werden die Bilder im Mutter aller Formate, nämlich in Full-HD mit 1080 Linien und 60 Vollbildern pro Sekunde. Von ARD und ZDF werden die Bilder auf das „kleine HD“ mit 720 Linien heruntergerechnet und darüber hinaus auf 50 Vollbilder reduziert, denn dieses „720p50“ ist das Hausformat der European Broadcasting Union (EBU).

Das „kleine HD“ tut dem Spektakel jedoch keinen Abbruch, denn es ist weniger die Linienzahl, die das Bild macht, sondern die Zahl der Bilder pro Sekunde: Mit normalem PAL lassen sich nur 25 Bilder pro Sekunde übertragen, die dann in einer Mogelpackung als 50 Halbbilder pro Sekunde übertragen werden; zuerst das Halbbild mit ungerader Zeilenzahl, danach das nächste Halbbild mit gerader Zeilenzahl und so weiter. Übertragungsformate mit 50 Halbbildern führt zwar zu flüssigeren Bewegungen als mit 25 Halbbilder (man denke bei letzteres an das Kino, das mit 24 Vollbildern arbeitet), allerdings sehen Bewegungen von Hause aus “verwaschen” aus, Details kommen einfach nicht gut herüber, als mit 50 Vollbildern.

Was ARD und ZDF da also an Bildern von den Sportstätten mit 720p50 liefern, ist wirklich Bewegtbild in High End, erste Sahne.

Kinoton

Früher waren Sportübertragungen einfach und schrecklich. Man hatte das Bewegtbild, man hatte mehr oder weniger guten Ton von der Veranstaltung und man hatte den Ton des Kommentators in telefonhörerartiger Qualität. Und das trifft es schon genau, denn früher kamen von Sportstätten das “Weltsignal”, also Bild und Ton ohne jeglichen Kommentar. In den Kommentatorkabinen, die unmittelbar an den Sportstätten liegen, saßen dann die Kommentatoren am Telefon, das zur jeweiligen Sendezentrale verbunden war und kommentierten tatsächlich über das Telefon. Das sorgte zwar für den typischen “fernen” Eindruck von Livekommentaren, allerdings ist ein “schöner” Ton nicht zu unterschätzen.

Ironischerweise glauben auch heute noch viele Fernsehzuschauer, dass der “schöne” Ton der heutigen Livekommentare so schön ist im Gegensatz zum Telefongenuschel von früher, dass der Kommentator unmöglich vor Ort sein kann, sondern möglicherweise im warmen Sendezentrum in Deutschland sitzt. Das ist aber tatsächlich nicht so, die Kommentatorkabinen an den Sportstätten gibt es immer noch, nur gibt es inzwischen für die Tonübertragungen vernünftige und bezahlbare Bandbreiten.

Im übrigen sei angemerkt, dass Raumklang inzwischen der Normalfall ist. Wer also zu Hause eine vernünftige Surround-Soundanlage hat, kann die auch einsetzen.

Entfesselte Kamera

Die entfesselte Kamera halte ich für die eigentliche Revolution in der Sportübertragung. Das hat man sehr schön bei den Biathlon- und Langlaufwettbewerben gesehen. Dort gibt es das übliche “Weltbild”, aber unmittelbar vor den eigentlichen Wettbewerben noch Kommentare vor Ort von einem Moderator und einer/einem Expertin/Experte. Dieses Bild wird schon von einem eigenen Produktionsteam der jeweiligen Fernsehanstalt produziert, ist aber inzwischen auch nicht mehr unüblich.

Was allerdings dann schon richtig neu war, war die schnelle Schaltung zum jeweiligen Bundestrainer während den Wettbewerben, um so ein brandaktuelles Stimmungsbild einzuholen. Gerade die so eingefangenen Livekommentare von Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle waren mehr als “live” und wirklich mitten aus dem Geschehen heraus. Der Begriff “geil” trifft es für diese Art der Liveberichterstattung gerade noch so.

Für all diese Spielereien braucht man eine “entfesselte Kamera”, die einerseits ohne groß verlegte Kabel auskommen muss, andererseits aber live ihre Bilder in die Produktion übertragen kann. Das macht man inzwischen mit an den Spielstätten vorhandenen Funknetzen und für Fernsehsender reservierte Funkkanäle, in die sich die jeweiligen Kameras einfach einschalten, egal wo sie gerade in der “Funkwolke” stehen.

Wer das miterleben möchte: Heute Abend gibt es ab 20:30 Uhr den Biathlon-Wettbewerb 4×7,5 km Staffel Herren. Ab 20 Uhr einschalten und miterleben. Auch für absolute Sportmuffel ideal zum Staunen.

Das Studio an den Sportstätten

Was die entfesselte Kamera von ARD/ZDF direkt vor Ort an den Sportstätten im Olympiaort Whistler produziert, landet nicht direkt im so genannten “International Broadcast Center” in Vancouver, in dem praktisch alle Fernsehsender kostengünstig produzieren können, sondern im eigens eingerichteten Produktionsstandort in Whistler, wo auch das “Panoramastudio” der beiden Sender steht, das man auf das Hilton Hotel von Whistler aufgebaut hat. (An dieser Stelle Dank an ARD-Redakteur Dirk Hofmeister, der mir via Twitter den Tipp gegeben hat, da ich in Google Earth partout nicht das passende Dach finden konnte. Auch diese Art der Interaktion per Web 2.0 – Respekt. Man muss es nur tun.)

Diese Zwischenstelle in der Produktion mag zwar nicht gerade wenig Geld kosten, allerdings ist das ein Schlüsselelement in der gesamten Berichterstattung, denn nur so hat man die Sportler, die ihre Wettbewerbe in Whistler absolvieren, direkt in einer heimeligen Atmosphäre für die Nachberichterstattung und zudem kann man auch hier eben verhältnismäßig einfach mit den Teams in den Sportstätten live – und eben wirklich “live” – interagieren.

Im Fernsehen: ZDF Terra X „Morgenland“.

Wie der geneigte Leser teilweise mit Unverständnis registriert, umschiffe ich unter anderem das Thema Islam in meinem Blog großzügig. Es ist nicht so, dass ich zur Thematik Islam/Weltreligionen/Migration/Integration etc. nicht viel zu sagen hätte, aber ich habe schon zu Beginn dieses Blogs in einer meiner ungeschriebenen Leitlinien beschlossen, hier vorsichtig zu sein, zumal ich mit Religion so ziemlich gar nichts anfangen kann. Die Gründe dazu sind vielschichtig, vielleicht komme ich ein anderes Mal darauf näher zu sprechen.

Heute morgen bin ich erst um halb vier ins Bett gekommen, weil ich, übrigens ebenso wie Christiane, wie gefesselt vor dem Fernseher hing und drei ZDF-Terra-X-Folgen hintereinander schnupfen musste. In einer dreiteiligen Dokumentation wurde nämlich die Entstehungsgeschichte des Islam nachgezogen. Und das auf eine derart gute, fundierte und anschauliche Art und Weise, dass ich diese drei Folgen eben bis zum Ende anschauen musste.

Ich möchte darüber auch gar keine großen Worte verlieren, sondern dem Interessierten einfach empfehlen, sich diese drei Terra-X-Folgen in der ZDF Mediathek anzuschauen:

Die Folgen dauern jeweils zwischen 40 und 43 Minuten. Die Bildqualität ist mäßig, aber noch erträglich.

Lobbyisten gegen Opportunisten gegen Protektionisten gegen Kommunisten.

Eigentlich ist es zum Brüllen komisch, wenn es nicht gerade um die öffentliche Meinungsbildung der Republik ginge. Wir nehmen drei Spieler für unser Spiel:

  1. Lobbyisten, in diesem Spiel der Axel-Springer-Verlag mit seiner eher einfältigen Paid-Content-Strategie, die sich weitgehend auf die Pflege zweier iPhone-Apps für die beiden größten Springerblätter BILD und WELT beschränkt und einer stümperhaften Zugriffssperre für iPhones auf die Websites der beiden Blätter.
  2. Opportunisten, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland, in diesem Spiel insbesondere die ARD, die auch auf die Idee gekommen ist, eine eigene iPhone-App zu entwickelt, die immerhin kostenlosen Zugriff auf Inhalte der Tagesschau ermöglichen soll.
  3. Protektionisten, in Form von Politikern, die Dies und Das protektionieren.
  4. Kommunisten, in diesem Spiel die bösen Internet-Nutzer, die, aus Sicht so manch Herausgebers, schmarotzend durch das Web vagabundieren und  den Inhaltsanbietern alles vom Teller klauen.

Und nun dürfen wir seit den letzten Tagen ein bizarres Schauspiel erleben. Name des Spiels: „Alle gegen einen und alle diese irgendwie auch gegeneinander.“

Der Axel-Springer-Verlag hat im Spiel den ersten Zug getan und beschlossen, jetzt im Internet Geld zu verdienen. Irgendwie. Vielleicht hat einer der Verantwortlichen ein iPhone und entdeckt, dass dort ein fürwahr netter Verkaufsladen eingebaut ist, mit dem man seine Inhalte irgendwie verscherbelt bekommt. Da iPhones auch eher zur höheren Konsumklasse gehören, muss da auch Geld verdient werden können.

Also flux zwei Apps programmieren lassen und rein in den App-Store. Achso, das iPhone hat einen Webbrowser? Okay, kein Problem, sperren wir einfach die Websites der betreffenden Zeitungen, die nur noch kostenpflichtig per App betrachtet werden sollen, für Zugriffe des iPhone-Webbrowsers. Und los geht es! Die Apps kosten jeweils 79 Cents und es ist auch nicht so ganz deutlich, dass mit diesen 79 Cents nur ein Abo für die ersten 30 Tage verbunden. Aber egal, die Apps schieben sich sofort auf die Hitlisten und allein das ist doch schon mal ein paar Flaschen Champagner wert.

Funktioniert das alles? Letztendlich egal, denn die flankierenden Töne aus dem Axel-Springer-Verlag lassen nachdenklich werden. Die Internet-Nutzer sind weiterhin „Kommunisten“, die alles kostenlos haben wollen. Selbstverständlich ist nicht der Content schuld, dass immer weniger Menschen Zeitungen lesen wollen und man redet natürlich auch nicht so gern darüber, dass man online sicherlich eine erkleckliche Summe Geld durch Werbeeinnahmen verdient, aber brüllen ist nun mal einfacher, als ernsthaft zu diskutieren.

Sprich: Würden diese beiden Apps funktionieren und genügend Menschen zu kostenpflichtigen BILD- und WELT-Abonnenten werden, wäre alles in Ordnung für den Verlag. Würden nicht genügend Menschen Abonnenten werden, wäre es aus der Sicht des Axel-Springer-Verlages eine Bestätigung über die Kommunisten, die eben nichts zahlen, sondern schmarotzen wollen.

Nächster Zug, man sollte es nicht glauben, die alte Tante ARD. ARD-Verantwortliche denken laut darüber nach, auch eine iPhone-App zu schreiben, diesmal für die gute, alte Tagesschau. Bekanntlicherweise gibt es auf dem iPhone ja nicht eine einzige Nachrichten-App und dummerweise mit der App der Deutschen Welle… na gut, die Deutsche Welle ist ja auch eher fürs Ausland gedacht. Egal, das iPhone ist irgendwie hipp und selbst wird man hipp, wenn man auf hippen Wellen mitreitet.

Huch, denkt sich jetzt der Axel-Springer-Verlag, wer fährt uns denn da in die Parade. Nachrichten-Apps, das haben wir doch im Programm und eigentlich wollen wir damit doch Geld verdienen. Wie aber Geld verdienen, wenn andere Leute ihr Zeug ebenfalls als App ins iPhone stellen? Nun gut, das kann man in einer freien Marktwirtschaft nicht wirklich verbieten, aber Moment – die ARD ist ja eben öffentlich-rechtlich. Höchste Eisenbahn, mal ein paar Telefonate zu führen.

Nächster Zug: Politik. Die Anrufe fruchten und es finden sich Politiker über die Weihnachtszeit, die nicht nur ihre Wunden lecken oder einfach ein paar freie Tage genießen, sondern auch etwas zu sagen haben. Mit dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann sogar einen Politiker aus der zweiten Reihe! Nein, es kann ja nun wirklich gar nicht sein, dass die ARD bzw. der öffentlich-rechtliche Rundfunk den privaten Nachrichtenlieferanten Konkurrenz macht. Die Argumentation ist zwar stark fragwürdig und eigentlich völliger Nonsens, weil alle Beteiligten im Internet (also dem App-losen Ding) schon längst eine weitgehend friedliche Koexistenz pflegen.

Weiter im Spiel: Im die ARD ausschimpfenden Artikel, der sinnigerweise auch noch in der WELT erschienen ist, dürfen Politiker gleich die ganze Munition gegen die ARD verschossen, darunter das zentrale K.O.-Argument, das CDU-Medienfachmann Wolfgang Börnsen in die „BILD“ diktierte, dass nämlich eine Nachrichten-App der ARD die Brüsseler Behilfeentscheidung gefährden könnte. Und das wäre dann der richtige Super-GAU, denn diese Beihilfeentscheidung stellt grundlegend in Frage, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk denn eigentlich so machen darf und was nicht. Sie dürfen Rundfunk machen, aber während beispielsweise die GEZ nicht so wirklich zwischen Rundfunk, Internet und vermutlich auch nicht zwischen Waffeleisen und singenden Kochtöpfen unterscheiden kann, kann es die EU sehr wohl.

Die Lobbyisten haben also Angst um ihre Argumentation, die von den Opportunisten konterkariert wurde und aus diesem Grund werden die Protektionisten von den Lobbyisten gegen die Opportunisten in Stellung gebracht.

Manchmal kann es, zumindest zeitweilig, sehr lustig sein, Kommunist zu sein.

Protectors-Gewinnspiel auf zdf.de.

Wer auch entgegen meines Rates alle fünf Folgen von „Protectors – Auf Leben und Tod“ verpasst hat und nun dasteht, kann sich nun die DVD-Box mit der kompletten ersten Staffel kaufen, die es seit Montag im Handel für rund 20 Euro gibt. Bis Freitag läuft auf der Website des ZDF unter http://protectors.zdf.de/ noch ein Gewinnspiel, bei dem man eine von 20 Boxen gewinnen kann. Die fünf zu beantwortenden Fragen dürften dabei für Stammseher eher kein Hindernis sein, der Rest muss halt lernen, wie Google funktioniert. 😉

Wer die Serie verpasst hat, im ZDF-Gewinnspiel leer ausgeht und auch keine 20 Euro übrig hat, bekommt dann hier nächste Woche seine Chance, denn Edel Records hat freundlicherweise drei DVD-Boxen bei mir dagelassen, die ich verlosen darf. Aber dazu muss natürlich auch etwas getan werden, ich werde mir am Wochenende eine entsprechende fragetechnische Ferkelei ausdenken. Ganz ohne Einsatz des Gehirnschmalzes geht das nicht!

Rückblick auf die erste Staffel von “Protectors – Auf Leben und Tod”.

War hübsch. Sehr hübsch. Die letzte Folge der ersten Staffel endete gestern dann auch praktisch tagesaktuell mit Referenzen auf den Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember, wobei dann wirklich die ganze Palette drankam: Leute, die vor der Klimakatastrophe warnen, Leute, die die Klimakatastrophe für Humbug halten, Leute, die gekauft werden, das eine oder andere zu sagen, eine Umweltministerin in Gummistiefeln und einen alternden Ex-Terroristen, gespielt vom einzigen deutschen Schauspieler, nämlich von Wolf Roth. Wer sich den sehenswerten Abschluss anschauen möchte, kann das noch im Laufe dieser Woche in der ZDF-Mediathek tun.

Coole Sache, diese Personenschützer aus Dänemark. War die dritte Folge noch so etwas wie eine schwächelnde Folge, haben die letzten zwei Folgen dann doch wieder das Lot geradegesetzt und gezeigt, wie man einen modernen Krimi produziert. Und gestern ist dann sogar noch die Technik im Besprechungsraum der Personenschützer ausgefallen. Das stimmt doch ermutigend, dass dänische Fernsehmacher ihrer dänischen Polizei auch mal zugestehen können, dass deren Technik kaputtgehen kann.

Was rückblickend dann doch etwas prellte, war der Versuch, das Privatleben der Protagonisten einzubinden. Ich habe leider immer noch nicht verstanden, mit welchen Frauen Jonas Goldschmidt zu tun hatte und mich hätte eigentlich auch interessiert, wie das mit dem gekauften Haus von Rasmus Poulsen eigentlich weitergegangen ist. Nicht dass ich da jetzt jemand bin, der die große Familientheatralik braucht, aber wenn man diese Mikrogeschichten ansticht, muss man sie auch irgendwie sinnvoll durchbringen. Nun gut, ist wirklich ein Nebenkriegsschauplatz und auf sehr hohem Niveau gejammert.

Wie geht es weiter? Nun, eine sechste Folge gibt es nicht, auch wenn danach offensichtlich genügend Menschen im Web suchen und hier landen – die erste Staffel besteht aus fünf Folgen und nicht mehr. Es wird aber bereits an der zweiten Staffel gearbeitet, die im dänischen Fernsehen Anfang des nächsten Jahres starten wird, ebenfalls wieder mit fünf Folgen. In Deutschland ist diese zweite Staffel allerdings erst wieder im Herbst im ZDF zu sehen, wir werden uns also ein Jahr gedulden müssen. Am nächsten Sonntag geht es erst wieder mit Kommissar Beck aus Schweden weiter, immerhin aber auch neue Folgen.

In Sachen Protectors wird es noch einen kleinen Knaller hier im Blog geben, aber dazu später mehr.

Dritte Folge von Protectors.

Am kommenden Sonntag steht die dritte Folge der Serie Protectors – Auf Leben und Tod an, wieder um 22 Uhr im ZDF. Ein kleinwenig schmackhaft machen? Gern:

Über Huma, eine entfernte Freundin von Jasmina, erhärtet sich der Verdacht, dass ein Unbekannter in einem Stadtteil von Kopenhagen mit hohem Anteil an Muslimen einen Terroranschlag plant. Jasminas Chef Leon und dem dänischen Geheimdienst ist der Mann ebenfalls nicht unbekannt. Auch der Premierminister wird informiert. Jasmina hat unterdessen alle Hände voll damit zu tun, ihre Freundin Huma zu schützen, die als Informantin des geplanten Anschlags in Gefahr ist. Die Umstände zwingen die Leibwächter, auf Hilfe aus der muslimischen Nachbarschaft zurück zu greifen. Dabei laufen Sie Gefahr, die Spur des Attentäters zu verlieren. Leon bleibt nichts anderes übrig, als unkonventionelle Methoden anzuwenden…

Die dritte Folge war ebenfalls im kleinen Screener-Paket, die mir das ZDF zur Verfügung gestellt hat, allerdings muss ich zugeben, dass diese dritte Folge bisher die schwächste Folge ist. Die Geschichte steigt etwas krude ein und lebt diesmal weitgehend von den Effekten. Gut, in einer Serie kann man nicht alles ständig auf 100 % fahren, aber etwas Kritik sei ja durchaus angebracht, zumal die Fans sich die Folge ja trotzdem anschauen werden.

Dass die dritte Folge schwach daherkommt, ist übrigens auch die Meinung vieler dänischer Fans. Es ist für Außenstehende recht schwierig, den Diskurs in der dänischen Bevölkerung im Bezug auf den Islam nachzuvollziehen, gerade im Bezug auf die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen vor einigen Jahren und die Reaktionen darauf. Die letzte Folge hat hier wenigstens recht gut gezeigt, wie propagandistisch auch die Reaktion der Rechtsextremen darauf sein könnte.

Zumindest bekommt in der dritten Folge der französische Staatspräsident in einem Halbsatz sein Fett weg. Mich würde interessieren, wie das in der französischen Fassung synchronisiert wird. 😉

Kritiken zu „Protectors“, letzte und die nächste Folge.

Am Sonntag die erste Folge von „Protectors – Auf Leben und Tod“ im ZDF verpasst? Schlecht. Denn das haben andere darüber geschrieben:

„Eine harte, gut besetzte und spektakulär gefilmte Serie“
— Hamburger Abendblatt

„Die dänische TV-Reihe ‚Protectors‘ entwickelt aus dem Leibwächtermotiv einen rasanten Politthriller – rund um Islamismus und Auslandseinsätze, Karikaturenstreit und Klimaschutzkonferenzen.
— SPIEGEL Online

„Protectors“ ist […] real, fast dokumentarisch gefilmt – und dem deutschen Durchschnittskrimi haushoch überlegen. Dass das ZDF nun schon zum dritten Mal als Koproduzent fürs dänische Fernsehen auftritt, spricht Bände.
— taz

„Der Sonntagabend im ZDF ist faszinierend. Es finden sich immer wieder Krimi-Höhepunkte, die einen mit der Zunge schnalzen lassen.“
— Die Welt

„[…] diese Krimireihe ist spannend, sie lebt von der Verzahnung der großen Politik mit der privaten Geschichte, von der Stille, die ein Erkennungsmerkmal nordischer Filme ist, und auch sie ist äußerst modern, also mit ausgiebigem Einsatz der Handkamera gefilmt.“
— Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Geboten wird eine Mischung aus Krimispannung und Fernsehfilm-Drama, angereichert mit dem hochbrisanten Thema Terrorismus.“
— Berliner Morgenpost

„[…] eine sehr sehenswerte Serie […], die nicht nur spannend, sondern auch in sich schlüssig, psychologisch glaubwürdig und vor allem gut erzählt ist.“
— Osnabrücker Zeitung

„Offensichtlich hat die Serie nicht nur in der Machart, sondern auch, was die erzählten Fälle angeht […] den Anspruch, auf der Höhe der Zeit zu sein.“
— Nordseezeitung

Den Kritiken gibt es nichts hinzuzufügen. So oft kommt das auch nicht mehr vor, dass eine Serie, an deren Produktion das ZDF beteiligt ist, schon nach der ersten Folge derartiges Lob einfährt und dabei hat die erste Folge noch verhältnismäßig viel Ruhe an Bord, da die Protagonisten noch umfangreich vorgestellt werden.

Mit der zweiten Folge, die am Sonntag wieder um 22 Uhr im ZDF gesendet wird, sieht das anders aus, da geht es gleich ab der ersten bis zur letzten Minute praktisch durchgehend zur Sache. Zentrales Thema sind dänische Rechtsextremisten, die es auf die neue Kulturministerin mit Migrationshintergrund abgesehen haben. Da die Personenschützerin Jasmina ebenfalls einen solchen Hintergrund hat, ist sie ebenfalls im Visier und das wird mitunter so unerträglich schaurig-spannend erzählt, dass es einem unwohl werden kann.

Übrigens: Für diejenigen, die die erste Folge von Protectors am letzten Sonntag verpasst haben und nicht bis Mitte November warten können, wenn die DVD-Box veröffentlicht wird: Unter http://protectors.zdf.de/ gibt es rechts einen Link in die ZDF-Mediathek, wo die Folge in recht guter Qualität in voller Länge angeschaut werden kann. Pflichtprogramm für diejenigen, die die erste Folge verpasst haben und sich zurechtmachen für die nächste Folge.

Bildmaterial zu „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Auf YouTube gibt es immerhin das einminütige Intro zu Protectors – Auf Leben und Tod (bzw. „Livvagterne“ im dänischen Original) anzuschauen. Steht an sich einem Kinofilm in nichts nach:

In der ersten Folge am Sonntag wird dieses Intro eine ganze Weile auf sich warten lassen (ich dachte schon, dass in der Presse-DVD das Intro weggelassen würde), weil die erste Folge gleich mit der Geschichte anfängt und die spielt im Irak. Der (fiktive) Außenminister Henrik Skelbaek besucht dortige dänische Truppen. Und man beachte am Sonntag mal ganz genau, wie dieser Außenminister sich nach dem Aussteigen aus dem Hubschrauber verhält.

Das ZDF hat in seiner Mediathek immerhin schon mal eine Bildergalerie zur ersten Folge bereitgestellt. Beim dänischen Rundfunk Dansk Radio finden sich mehr Galerien zu, unter anderem auch Vorschaubilder aus den Folgen 6 bis 10, die in der zweiten Staffel gebündelt nächstes Jahr erscheinen werden. Dansk Radio hat da leider Vorlauf, in Dänemark fängt die zweite Staffel schon am 3. Januar 2010 an, die deutschen Fassungen kommen leider erst im Herbst. Zu Protectors gibt es übrigens auch deshalb verhältnismäßig viel Material auf der Website von Dansk Radio, weil dort die erste Staffel schon ab Januar dieses Jahres ausgestrahlt wurden.

Überhaupt ist die Online-Begleitung von Dansk Radio bemerkenswert gut, man müsste nur dänisch lesen können.

„Protectors – Auf Leben und Tod“.

Ich bin leidenschaftlicher Fan skandinavischer Krimiserien, was hier und da im Blog auch mal durchschimmert. Der Artikel mit der komplexen Auflösung der ersten Staffel von Kommissarin Lund gehört nicht ohne Grund zu den am meisten aufgerufenen Artikeln hier im Blog.

Das ZDF ließ sich nicht lumpen, hat offensichtlich googeln lassen und so fanden sich am Samstag in meinem Briefkasten zwei DVDs mit zwei Screenern zur brandneuen dänischen Krimiserie namens "Protectors – Auf Leben und Tod" (nennt sich im Original “Livvagterne”), die jetzt am kommenden Sonntag beginnen wird (25. Oktober, 22 Uhr im ZDF) und aus zunächst fünf Folgen besteht. An der zweiten Staffel wird bereits gedreht, die dann im Herbst 2010 im Fernsehen zu sehen sein wird.

Es geht bei Protectors völlig überraschenderweise nicht um Schienbeinschoner, sondern um eine Personenschützertruppe der dänischen Polizei. Viele Länder, darunter auch Dänemark, haben ihre Schutzmaßnahmen gegen mögliche Anschläge von außen daher deutlich erhöht. Nach dem 11. September und der Teilnahme Dänemarks am Irakkrieg reicht es nicht mehr, nur der dänischen Königsfamilie und ausgewählten Diplomaten einem besonderen Schutz zukommen zu lassen. Spezialeinheiten werden gebildet, um Entführungen zu beenden, Bombenattentate zu verhindern und besonders gefährdete Personen zu schützen. Der dänische Geheimdienst PET (“Politiets Efterretnings Tjeneste”) hat die Abteilung für Personenschutz weiter ausgebaut und die Einheiten für Überwachung und Spezialeinsätze verstärkt. Etwa 300 Offiziere arbeiten für den dänischen Geheimdienst, der in einem modernen Gebäude in Søburg, ganz in der Nähe von Kopenhagen, untergebracht ist.

Die drei Protagonisten von Protectors, Rasmus, Jonas und Jasmina durchlaufen ein hartes Training, um in die Spezialeinheit für Personenschutz aufgenommen zu werden und die zweijährige Probezeit absolvieren zu können. Viele Teilnehmer des Programms scheitern während der Prüfungen und kommen psychisch und physisch an ihre Grenzen. Unsere Hauptfiguren bestehen die Tests und kommen schnell zu ihren ersten Einsätzen.

Was ist zu sagen nach dem Anschauen der ersten Folge? Erst mal ein Staunen über eine Krimiserie, bei der wieder einmal jeder deutsche Krimi verpufft, wie ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Protectors wird von der gleichen Produktionsfirma wie Kommissarin Lund und Der Adler produziert und allein das ist schon der Eingangsstempel. Und die ersten Minuten legen die Messlatte wieder ganz nach oben. Grandiose Schauspieler, eine perfekte Rahmenhandlung für die Serie, eine feinfühlige Einführung, clever erzählte Episodengeschichten. Und wie bei Kommissarin Lund laufen auch bei Protectors wieder mindestens zwei Erzählstränge gleichzeitig, nämlich ein Strang im Umfeld der dänischen Polizei “Politi” und einer im Umfeld der Politiker, die die Personenschützer beschützen. Und beide Geschichten haben es in sich, weil sie in allen Momenten einfach überragend gut und authentisch erzählt werden. Es soll keiner sagen, der Politikbetrieb sei ein Ponyhof…

Der Dramaturgie kommt das Genre des Personenschützers sehr entgegen, vor allem, wenn man als Autor so gut den Erzählstrang laufen lässt, wie hier. Der Zuschauer hängt unmittelbar mit drin und fiebert schon nach kurzer Zeit mit den Personenschützern mit, um ja nichts in der Umgebung zu verpassen. War da nicht etwas im Busch? Kommt da ein Auto von rechts? Was dabei unnachahmlich ist, sind die extrem schnell aufgebauten Spannungsbögen, die jedoch auf Kosten der "Entspannung" der Zuschauer gehen – man hängt von der ersten bis zur letzten Minute drin.

Über die hochfeine und moderne Produktionstechnik muss man nichts mehr sagen: Weite Strecken kommen mit der Handkamera aufgezeichnet daher, was allerdings tatsächlich selten stört, die Unruhe im Bild passt zur gewünschten Unruhe beim Zuschauer. Dazu kommen wieder wunderbare Aufnahmen vom Hubschrauber, mit denen Sprünge in den Schauplätzen eingeleitet werden und die man auch schon von Kommissarin Lund kennt.

Auch mit technischem Schnickschnack wird nicht gespart und es fällt auf, dass man gerade bei den technischen und computertechnischen Details wieder peinlich genau auf die Getreue achtet. Diese kleinen Details, die man überall findet und die dann auch noch gepaart sind mit echtem "Gaunerlatein" wie beispielsweise eine hochkant gestellte und zu einer Aschesäule verbrannten Zigarette als Warnzeichen, ob ein Notebook angefasst wurde, sind die Würze der skandinavischen und eben der dänischen Krimis. Dass es bei Protectors darüber hinaus erheblich stärker eingebaute Gesellschaftskritik gibt, ist umso interessanter, wenn man bedenkt, dass es in Dänemark gerade in den letzten Jahren einen großen Diskurs über die vielbeschworene Toleranz gegenüber anderen Kulturen gibt. Mit dem knallharten Thema beschäftigt sich gleich die zweite Folge. Und dann muss ich zuschauen, unbedingt noch die restlichen Folgen vorab zu ergattern, sonst werd’ ich ja noch narrisch…