Rückblick auf die zweite Staffel von „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Das ZDF hat sich sehr ordentlich lange Zeit gelassen für die Ausstrahlung der zweiten Staffel der dänischen Krimiserie „Protectors – Auf Leben und Tod“, in Dänemark bekannt unter dem anschmiegsamen Namen „Livvagterne“ (was auf Deutsch schlicht und einfach „Leibwächter“ heißt). Während nämlich im dänischen Fernsehen die zweite Staffel Anfang letzten Jahres auf Sendung ging, mussten die deutschen Zuschauer auf die deutsch synchronisierte Fassung eineinhalb Jahre länger warten. Nun ja, Manöverkritik am Rande.

Diejenigen, die meinen Twitter-Stream lesen, durften die letzten Sonntagabende schon in den „Genuss“ meiner regelmäßigen „Sofortkritik“ kommen, die ich während der Ausstrahlung der einzelnen Folgen gab. Kurzum: Ich verteile ja, da in ich Pforzheimer, Lob nur in homöopathischen Dosen, denn „ned g’schimpft isch g’nug g’lobt“. Aber ganz so einfach kommen mir die dänischen Macher von Livvagterne nicht davon, denn die zweite Staffel war schlicht und einfach nix und eine eher unrühmliche Fortsetzung einer an sich gar nicht so schlechten Idee, nämlich der Begleitung einer selbstverständlich fiktiven Spezialeinheit von Leibwächtern, die wichtige Personen beschützen soll. Eine an sich interessante Thematik, die man aber, wenn man einigermaßen realitätsnah sein möchte, offenkundig eine stinklangweilige Angelegenheit sein muss, so wie die meisten aufregend klingenden Berufe.

Ein anderer Grund, weshalb in der zweiten Staffel die Geschichten von Livvagterne immer hanebüchener wurden, fällt mir nämlich nicht mehr ein. Anstatt dass es nämlich um den Schutz von VIPs geht, handelten immer mehr Folgen davon, dass ein Verwandter oder ein Freund eines der Leibwächter in irgendwelche Probleme hineingeraten ist und aus diesem Grund völlig problemlos und unbürokratisch Schutz und Dienstleistung eben dieser Spezialeinheit bekommt. Beispiel, Folge 2 der zweiten Staffel: Die Schutztruppe begleitet die dänische Außenministerin nach Russland. Dort wird eine regimekritische Journalistin, zufälligerweise Bekannte eines der Protagonisten, bedroht und der Personenschützer nimmt sie dann mal nach Dänemark mit. Oder Folge 5: Ein Freund eines der Personenschützer (ironischerweise wieder derjenige aus Folge 2) hat einen Freund, der im Kongo beim Diamantenhandel mitmischt, dort hopsgeht und per Sarg und mit im Darm inkludiertem Diamanten nach Dänemark transportiert werden soll. Machen dann die Personenschützer. Zwar eine der rasantesten Folgen mit Action – der Stoff prellt allerdings extrem. Der dänische Geheimdienst ist zwar offiziell auch eine Polizeibehörde, aber ob die so erfreut wären, wenn die Personenschutztruppe geheimdienstliche Operationen vornimmt?

Das ist in etwa so, wie wenn Sie ein Problem mit einem Strafzettel haben, einen guten Freund bei der Sondereinheit GSG9 haben und der Freund mit seiner Truppe bei Ihnen vorbeischaut und die Sache unbürokratisch klärt. Hat natürlich niemand etwas dagegen, noch nicht mal der Vorgesetzte der Truppe. Autsch. Das Leibwächter-Handwerk ist eng umfasst und es hat sicherlich seine Gründe, dass in Deutschland, der unumstrittenen Supermacht in Sachen Krimis, keine echte Serie gibt, die sich mit der Materie beschäftigt.

Und was auch noch auffällt: Der Bösewicht ist im Zweifelsfall immer der Moslem. Ich bin ja immer recht vorsichtig, wenn es um Stereotypen geht, aber bei der zweiten Livvagterne-Staffel ist es einfach zu klischeehaft. Man mag es sehen, wie man möchte, aber der Moslem ist nun eben mal nicht ständig derjenige, der wenig gebildet an nichts anderes denkt, als den Rest der Gesellschaft wegzubomben oder zumindest an jeder schlechten Story als Mittäter drinhängt. Ich möchte es nicht unterschwelligen Rassenhass nennen, dazu ist es sicherlich noch viel zu subtil angelegt. Für so durchgeknallte Typen wie den norwegischen Anders B., die schon extrem geladen durch die Gegend wandern, sind solche Serien sicherlich einer der Myriaden von Influenzpunkten, die dafür sorgen, dass sich Weltbilder im Kopf verschieben. Wird man mit Sicherheit in Zukunft anders sehen müssen, auch in Dänemark.

Fazit: Schade. Einer an sich guten ersten Staffel, die im Nachhinein gesehen schon weitgehend alles erzählt hat, was man in der Branche erzählen kann, folgte eine erheblich düstere und von Stereotypen durchtränkte zweite Staffel, die nichts besser macht und auch nichts vernünftig weiterentwickelt. Ist sicherlich dem engumzäunten Genre geschuldet, allerdings könnten sich die Macher mal diesen unangenehm hässlichen Ton gegenüber Moslems abgewöhnen. Idioten gibt es nun wahrlich wirklich überall und sie sind nicht auf religiöse Eiferer beschränkt.

Wie man als Fernsehmensch bloggen kann: Dirk Steffens.

Ich muss zugeben, dass mir der Name Dirk Steffens erst vor einigen Monaten geläufig wurde, als der begnadete Dokumentar- und Tierfilmer im ZDF bei der altehrwürdigen Reihe „Terra-X“ landete und dort die Serie „Faszination Erde“ moderiert, immerhin in der Nachfolge des unanfechtbaren Gott aller Wissenschaftsjournalisten, Joachim Bublath. Für Wissenschaftsjournalisten dürfte „Terra-X“ und überhaupt die Wissenssendungen in ARD & ZDF zum Olymp gehören, den man als Wissenschaftsjournalist so erreichen kann. Ist man da oben, muss man oben bleiben, denn es geht nur noch herunter.

Das ist von Dirk Steffens eher nicht zu erwarten. Und, ich bin des Lobes in Sachen Fernsehen: Es wäre schade, würde Dirk Steffens irgendwann einmal die Lust an seinem Job verlieren, denn er ist zweifelsohne das, was man als nächste Generation der Tier- und Dokumentarfilmer bezeichnen kann. Frische Moderation von tatsächlich erst kürzlich aufgezeichneten Folgen (im Durchschnitt keine sechs bis acht Wochen alt), fachlich auf hohem Niveau, angenehm und verständlich moderiert und garniert mit feinem Witz und Selbstironie. Wie zollt Steffens beispielsweise Respekt gegenüber Ureinwohnern Afrikas, die stundenlang im mäßigen Jogging-Schritt auf die Jagd gehen? Er läuft als Marathonläufer bin und versagt „schon“ nach zwei Stunden, völlig durchgeschwitzt, in der Mittagssonne Afrikas. „Und die Jungs schnaufen noch nicht mal!“ Ein Heinz Sielmann, Joachim Bublath und wie sie alle auch heißen, wären nie auf die Idee gekommen, das gestärkte Hemd gegen ein Trikot auszutauschen und das Leiden für den Zuschauer auch mal begreifbar zu machen.

Dirk Steffens ist demnach also einer, der mit dem Medium Fernsehen vortrefflich experimentieren kann – einem Grundauftrag eines jeden Fernsehschaffenden. Und er hat auch begriffen, dass man zur Dokumentation dieser Arbeit nichts besseres haben kann, wie ein Weblog. Seine Domain, auf die ich nur gegangen bin, weil ich neugierig war, wie die Homepage des Honorarkonsuls des Königsreiches Palau in Deutschland, das er auch noch ist, aussehen könnte, führt auf ein Weblog bei Blogger.com.

Und das ist genau so, wie man sich einen Dirk Steffens als Weltenbummler und Globetrotter vorstellt. Heute hier, morgen da, ein Fallbeispiel für ein echtes Reiseblog, schön bebildert und ausgestattet mit Tatsachenberichten, beispielsweise einem Unfall, bei dem er einen Lavabrocken (kalt) ins Gesicht bekommen hat. Selbst solche Sachen kann man mit feiner Ironie nachbearbeiten und aus einer Person eine unverwechselbare Marke schaffen. Mit einem einfachen Weblog und einer gehörigen Portion Enthusiasmus. Kurzum: Ich bin nahe dran, zu sagen: Perfekt.

Dass es das ZDF immer noch nicht geschafft hat, eine eigene, regelmäßig bestückte Blog-Plattform unter eigener Adresse zu schaffen, ist genau bei so einer hochproduktiv arbeitenden Person wie Dirk Steffens äußerst schade und vergeudetes Potential. Hey, ihr Mainzelmänner und -frauen – das ist die Zukunft!

Fiktion trifft Realität im ZDF.

Als am Sonntag im eher ermüdenden Heute-Journal ein investigativ angehauchter Beitrag kam, in dem behauptet wurde, dass angeblich neue Informationen in Dänemark aufgetaucht seien, die eine vermutete Zusammenarbeit zwischen dem Autor Günther Wallraf und der DDR-Staatssicherheit nähren würden, war ich, ich gebe es zu, schon im Dämmerzustand. Ob das an der unsäglichen Maybrit Illner liegt, die im Stile einer Narkoseärztin Nachrichten verliest und dabei nervtötende Zischlaute wie ein defektes DECT-Mobilteil loslässt oder am Tatort, der kurz zuvor in der ARD verstrahlt wurde – keine Ahnung.

Jedenfalls kam dieser Beitrag, der mit einem Interview eines Historikers der Süddänischen Universität namens Thomas Wegener Friis begann. Anmoderiert wurde dies von der Journalistin mit dem Satz, dass Friis die seltene Gelegenheit bekommen habe, einen Blick in das Archiv des dänischen Geheimdienstes zu werfen. Untermalt wurde diese Anmoderation mit einer 180°-Grad-Drehung um Herrn Friis herum, höchstwahrscheinlich am Ort des Geschehens. Dieses Bild endete mit der Sicht zum Gebäude, in dem sich, wenn man die Dramaturgie des Artikels richtig interpretiert, wohl das Archiv des dänischen Geheimdienstes befinden soll:

Ein Gebäude von vielen auf dieser Welt. Allerdings nicht unbedingt für die Leute, die sonntagabends gern die vorwiegend skandinavischen oder britischen Krimis anschauen, die ironischerweise genau nach diesem Heute-Journal im ZDF ab 22 Uhr beginnen. Denn dieses Gebäude kommt in einer dänischen Krimiserie vor, nämlich in Livvagterne, die in Deutschland unter dem Titel „Protectors – Auf Leben und Tod“ geführt wird:

Der runde Gebäudeteil ist im ZDF-Beitrag ganz hinten zu erkennen (Bild für eine Großansicht anklicken), sehr deutlich sind aber die vier großen Fensterfronten und die kleineren Fenster zu erkennen, die identisch mit dem Gebäude in der Fernsehserie ist. Dort ist dieses Gebäude übrigens das Hauptquartier einer Spezialeinheit des dänischen Geheimdienstes, die zum Personenschutz eingesetzt wird.

Wer mal zu diesem Gebäude fahren möchte, here we go:
Größere Kartenansicht

Dass in Dänemark offensichtlich Fernsehserien über Geheimdienste auch vor echten Geheimdienstgebäuden gedreht werden dürfen, ist bemerkenswert, während hierzulande schon das Drehen von Dorfpolizeistuben einen mittelgroßen Verwaltungsakt auslösen. Unvergessen daher so Winkelzüge, dass beispielsweise Kommissar Bienzle keineswegs in einem Stuttgarter Polizeihochhaus seine Stube hatte, sondern im Gebäude des Südwestrundfunks. 😉

Olympia in ARD und ZDF.

Mit Sportübertragungen im Fernsehen konnte ich die letzten 15 Jahre wirklich nicht sehr viel anfangen. Das liegt vermutlich an meinen traumatischen Erfahrungen als Kameraassistent mit Kameraeinsätzen bei der Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und dem VfB Stuttgart. Für Fernsehleute ist Sport das härteste Arbeitsumfeld, die der Enthusiasmus zu bieten hat und das fällt vor allem dann auf, wenn man sieht, dass es unter Kameraleuten auffallend wenig eingefleischte Fußballfans gibt.

Die Olympischen Winterspiele von Vancouver haben das aber nun gedreht, was aber vor allem an der überzeugenden Berichterstattung liegt. Und als alte Fernsehproduktionssau begeistert mich vor allem, wie nun endlich auch die Technik mit dem „Journalistenwillen“ Schritt halten kann:

High Definition

Ganz klar, HD ist der zentrale Meilenstein im Sport. Produziert werden die Bilder im Mutter aller Formate, nämlich in Full-HD mit 1080 Linien und 60 Vollbildern pro Sekunde. Von ARD und ZDF werden die Bilder auf das „kleine HD“ mit 720 Linien heruntergerechnet und darüber hinaus auf 50 Vollbilder reduziert, denn dieses „720p50“ ist das Hausformat der European Broadcasting Union (EBU).

Das „kleine HD“ tut dem Spektakel jedoch keinen Abbruch, denn es ist weniger die Linienzahl, die das Bild macht, sondern die Zahl der Bilder pro Sekunde: Mit normalem PAL lassen sich nur 25 Bilder pro Sekunde übertragen, die dann in einer Mogelpackung als 50 Halbbilder pro Sekunde übertragen werden; zuerst das Halbbild mit ungerader Zeilenzahl, danach das nächste Halbbild mit gerader Zeilenzahl und so weiter. Übertragungsformate mit 50 Halbbildern führt zwar zu flüssigeren Bewegungen als mit 25 Halbbilder (man denke bei letzteres an das Kino, das mit 24 Vollbildern arbeitet), allerdings sehen Bewegungen von Hause aus “verwaschen” aus, Details kommen einfach nicht gut herüber, als mit 50 Vollbildern.

Was ARD und ZDF da also an Bildern von den Sportstätten mit 720p50 liefern, ist wirklich Bewegtbild in High End, erste Sahne.

Kinoton

Früher waren Sportübertragungen einfach und schrecklich. Man hatte das Bewegtbild, man hatte mehr oder weniger guten Ton von der Veranstaltung und man hatte den Ton des Kommentators in telefonhörerartiger Qualität. Und das trifft es schon genau, denn früher kamen von Sportstätten das “Weltsignal”, also Bild und Ton ohne jeglichen Kommentar. In den Kommentatorkabinen, die unmittelbar an den Sportstätten liegen, saßen dann die Kommentatoren am Telefon, das zur jeweiligen Sendezentrale verbunden war und kommentierten tatsächlich über das Telefon. Das sorgte zwar für den typischen “fernen” Eindruck von Livekommentaren, allerdings ist ein “schöner” Ton nicht zu unterschätzen.

Ironischerweise glauben auch heute noch viele Fernsehzuschauer, dass der “schöne” Ton der heutigen Livekommentare so schön ist im Gegensatz zum Telefongenuschel von früher, dass der Kommentator unmöglich vor Ort sein kann, sondern möglicherweise im warmen Sendezentrum in Deutschland sitzt. Das ist aber tatsächlich nicht so, die Kommentatorkabinen an den Sportstätten gibt es immer noch, nur gibt es inzwischen für die Tonübertragungen vernünftige und bezahlbare Bandbreiten.

Im übrigen sei angemerkt, dass Raumklang inzwischen der Normalfall ist. Wer also zu Hause eine vernünftige Surround-Soundanlage hat, kann die auch einsetzen.

Entfesselte Kamera

Die entfesselte Kamera halte ich für die eigentliche Revolution in der Sportübertragung. Das hat man sehr schön bei den Biathlon- und Langlaufwettbewerben gesehen. Dort gibt es das übliche “Weltbild”, aber unmittelbar vor den eigentlichen Wettbewerben noch Kommentare vor Ort von einem Moderator und einer/einem Expertin/Experte. Dieses Bild wird schon von einem eigenen Produktionsteam der jeweiligen Fernsehanstalt produziert, ist aber inzwischen auch nicht mehr unüblich.

Was allerdings dann schon richtig neu war, war die schnelle Schaltung zum jeweiligen Bundestrainer während den Wettbewerben, um so ein brandaktuelles Stimmungsbild einzuholen. Gerade die so eingefangenen Livekommentare von Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle waren mehr als “live” und wirklich mitten aus dem Geschehen heraus. Der Begriff “geil” trifft es für diese Art der Liveberichterstattung gerade noch so.

Für all diese Spielereien braucht man eine “entfesselte Kamera”, die einerseits ohne groß verlegte Kabel auskommen muss, andererseits aber live ihre Bilder in die Produktion übertragen kann. Das macht man inzwischen mit an den Spielstätten vorhandenen Funknetzen und für Fernsehsender reservierte Funkkanäle, in die sich die jeweiligen Kameras einfach einschalten, egal wo sie gerade in der “Funkwolke” stehen.

Wer das miterleben möchte: Heute Abend gibt es ab 20:30 Uhr den Biathlon-Wettbewerb 4×7,5 km Staffel Herren. Ab 20 Uhr einschalten und miterleben. Auch für absolute Sportmuffel ideal zum Staunen.

Das Studio an den Sportstätten

Was die entfesselte Kamera von ARD/ZDF direkt vor Ort an den Sportstätten im Olympiaort Whistler produziert, landet nicht direkt im so genannten “International Broadcast Center” in Vancouver, in dem praktisch alle Fernsehsender kostengünstig produzieren können, sondern im eigens eingerichteten Produktionsstandort in Whistler, wo auch das “Panoramastudio” der beiden Sender steht, das man auf das Hilton Hotel von Whistler aufgebaut hat. (An dieser Stelle Dank an ARD-Redakteur Dirk Hofmeister, der mir via Twitter den Tipp gegeben hat, da ich in Google Earth partout nicht das passende Dach finden konnte. Auch diese Art der Interaktion per Web 2.0 – Respekt. Man muss es nur tun.)

Diese Zwischenstelle in der Produktion mag zwar nicht gerade wenig Geld kosten, allerdings ist das ein Schlüsselelement in der gesamten Berichterstattung, denn nur so hat man die Sportler, die ihre Wettbewerbe in Whistler absolvieren, direkt in einer heimeligen Atmosphäre für die Nachberichterstattung und zudem kann man auch hier eben verhältnismäßig einfach mit den Teams in den Sportstätten live – und eben wirklich “live” – interagieren.

Im Fernsehen: ZDF Terra X „Morgenland“.

Wie der geneigte Leser teilweise mit Unverständnis registriert, umschiffe ich unter anderem das Thema Islam in meinem Blog großzügig. Es ist nicht so, dass ich zur Thematik Islam/Weltreligionen/Migration/Integration etc. nicht viel zu sagen hätte, aber ich habe schon zu Beginn dieses Blogs in einer meiner ungeschriebenen Leitlinien beschlossen, hier vorsichtig zu sein, zumal ich mit Religion so ziemlich gar nichts anfangen kann. Die Gründe dazu sind vielschichtig, vielleicht komme ich ein anderes Mal darauf näher zu sprechen.

Heute morgen bin ich erst um halb vier ins Bett gekommen, weil ich, übrigens ebenso wie Christiane, wie gefesselt vor dem Fernseher hing und drei ZDF-Terra-X-Folgen hintereinander schnupfen musste. In einer dreiteiligen Dokumentation wurde nämlich die Entstehungsgeschichte des Islam nachgezogen. Und das auf eine derart gute, fundierte und anschauliche Art und Weise, dass ich diese drei Folgen eben bis zum Ende anschauen musste.

Ich möchte darüber auch gar keine großen Worte verlieren, sondern dem Interessierten einfach empfehlen, sich diese drei Terra-X-Folgen in der ZDF Mediathek anzuschauen:

Die Folgen dauern jeweils zwischen 40 und 43 Minuten. Die Bildqualität ist mäßig, aber noch erträglich.

Lobbyisten gegen Opportunisten gegen Protektionisten gegen Kommunisten.

Eigentlich ist es zum Brüllen komisch, wenn es nicht gerade um die öffentliche Meinungsbildung der Republik ginge. Wir nehmen drei Spieler für unser Spiel:

  1. Lobbyisten, in diesem Spiel der Axel-Springer-Verlag mit seiner eher einfältigen Paid-Content-Strategie, die sich weitgehend auf die Pflege zweier iPhone-Apps für die beiden größten Springerblätter BILD und WELT beschränkt und einer stümperhaften Zugriffssperre für iPhones auf die Websites der beiden Blätter.
  2. Opportunisten, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland, in diesem Spiel insbesondere die ARD, die auch auf die Idee gekommen ist, eine eigene iPhone-App zu entwickelt, die immerhin kostenlosen Zugriff auf Inhalte der Tagesschau ermöglichen soll.
  3. Protektionisten, in Form von Politikern, die Dies und Das protektionieren.
  4. Kommunisten, in diesem Spiel die bösen Internet-Nutzer, die, aus Sicht so manch Herausgebers, schmarotzend durch das Web vagabundieren und  den Inhaltsanbietern alles vom Teller klauen.

Und nun dürfen wir seit den letzten Tagen ein bizarres Schauspiel erleben. Name des Spiels: „Alle gegen einen und alle diese irgendwie auch gegeneinander.“

Der Axel-Springer-Verlag hat im Spiel den ersten Zug getan und beschlossen, jetzt im Internet Geld zu verdienen. Irgendwie. Vielleicht hat einer der Verantwortlichen ein iPhone und entdeckt, dass dort ein fürwahr netter Verkaufsladen eingebaut ist, mit dem man seine Inhalte irgendwie verscherbelt bekommt. Da iPhones auch eher zur höheren Konsumklasse gehören, muss da auch Geld verdient werden können.

Also flux zwei Apps programmieren lassen und rein in den App-Store. Achso, das iPhone hat einen Webbrowser? Okay, kein Problem, sperren wir einfach die Websites der betreffenden Zeitungen, die nur noch kostenpflichtig per App betrachtet werden sollen, für Zugriffe des iPhone-Webbrowsers. Und los geht es! Die Apps kosten jeweils 79 Cents und es ist auch nicht so ganz deutlich, dass mit diesen 79 Cents nur ein Abo für die ersten 30 Tage verbunden. Aber egal, die Apps schieben sich sofort auf die Hitlisten und allein das ist doch schon mal ein paar Flaschen Champagner wert.

Funktioniert das alles? Letztendlich egal, denn die flankierenden Töne aus dem Axel-Springer-Verlag lassen nachdenklich werden. Die Internet-Nutzer sind weiterhin „Kommunisten“, die alles kostenlos haben wollen. Selbstverständlich ist nicht der Content schuld, dass immer weniger Menschen Zeitungen lesen wollen und man redet natürlich auch nicht so gern darüber, dass man online sicherlich eine erkleckliche Summe Geld durch Werbeeinnahmen verdient, aber brüllen ist nun mal einfacher, als ernsthaft zu diskutieren.

Sprich: Würden diese beiden Apps funktionieren und genügend Menschen zu kostenpflichtigen BILD- und WELT-Abonnenten werden, wäre alles in Ordnung für den Verlag. Würden nicht genügend Menschen Abonnenten werden, wäre es aus der Sicht des Axel-Springer-Verlages eine Bestätigung über die Kommunisten, die eben nichts zahlen, sondern schmarotzen wollen.

Nächster Zug, man sollte es nicht glauben, die alte Tante ARD. ARD-Verantwortliche denken laut darüber nach, auch eine iPhone-App zu schreiben, diesmal für die gute, alte Tagesschau. Bekanntlicherweise gibt es auf dem iPhone ja nicht eine einzige Nachrichten-App und dummerweise mit der App der Deutschen Welle… na gut, die Deutsche Welle ist ja auch eher fürs Ausland gedacht. Egal, das iPhone ist irgendwie hipp und selbst wird man hipp, wenn man auf hippen Wellen mitreitet.

Huch, denkt sich jetzt der Axel-Springer-Verlag, wer fährt uns denn da in die Parade. Nachrichten-Apps, das haben wir doch im Programm und eigentlich wollen wir damit doch Geld verdienen. Wie aber Geld verdienen, wenn andere Leute ihr Zeug ebenfalls als App ins iPhone stellen? Nun gut, das kann man in einer freien Marktwirtschaft nicht wirklich verbieten, aber Moment – die ARD ist ja eben öffentlich-rechtlich. Höchste Eisenbahn, mal ein paar Telefonate zu führen.

Nächster Zug: Politik. Die Anrufe fruchten und es finden sich Politiker über die Weihnachtszeit, die nicht nur ihre Wunden lecken oder einfach ein paar freie Tage genießen, sondern auch etwas zu sagen haben. Mit dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann sogar einen Politiker aus der zweiten Reihe! Nein, es kann ja nun wirklich gar nicht sein, dass die ARD bzw. der öffentlich-rechtliche Rundfunk den privaten Nachrichtenlieferanten Konkurrenz macht. Die Argumentation ist zwar stark fragwürdig und eigentlich völliger Nonsens, weil alle Beteiligten im Internet (also dem App-losen Ding) schon längst eine weitgehend friedliche Koexistenz pflegen.

Weiter im Spiel: Im die ARD ausschimpfenden Artikel, der sinnigerweise auch noch in der WELT erschienen ist, dürfen Politiker gleich die ganze Munition gegen die ARD verschossen, darunter das zentrale K.O.-Argument, das CDU-Medienfachmann Wolfgang Börnsen in die „BILD“ diktierte, dass nämlich eine Nachrichten-App der ARD die Brüsseler Behilfeentscheidung gefährden könnte. Und das wäre dann der richtige Super-GAU, denn diese Beihilfeentscheidung stellt grundlegend in Frage, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk denn eigentlich so machen darf und was nicht. Sie dürfen Rundfunk machen, aber während beispielsweise die GEZ nicht so wirklich zwischen Rundfunk, Internet und vermutlich auch nicht zwischen Waffeleisen und singenden Kochtöpfen unterscheiden kann, kann es die EU sehr wohl.

Die Lobbyisten haben also Angst um ihre Argumentation, die von den Opportunisten konterkariert wurde und aus diesem Grund werden die Protektionisten von den Lobbyisten gegen die Opportunisten in Stellung gebracht.

Manchmal kann es, zumindest zeitweilig, sehr lustig sein, Kommunist zu sein.

Protectors-Gewinnspiel auf zdf.de.

Wer auch entgegen meines Rates alle fünf Folgen von „Protectors – Auf Leben und Tod“ verpasst hat und nun dasteht, kann sich nun die DVD-Box mit der kompletten ersten Staffel kaufen, die es seit Montag im Handel für rund 20 Euro gibt. Bis Freitag läuft auf der Website des ZDF unter http://protectors.zdf.de/ noch ein Gewinnspiel, bei dem man eine von 20 Boxen gewinnen kann. Die fünf zu beantwortenden Fragen dürften dabei für Stammseher eher kein Hindernis sein, der Rest muss halt lernen, wie Google funktioniert. 😉

Wer die Serie verpasst hat, im ZDF-Gewinnspiel leer ausgeht und auch keine 20 Euro übrig hat, bekommt dann hier nächste Woche seine Chance, denn Edel Records hat freundlicherweise drei DVD-Boxen bei mir dagelassen, die ich verlosen darf. Aber dazu muss natürlich auch etwas getan werden, ich werde mir am Wochenende eine entsprechende fragetechnische Ferkelei ausdenken. Ganz ohne Einsatz des Gehirnschmalzes geht das nicht!

Rückblick auf die erste Staffel von “Protectors – Auf Leben und Tod”.

War hübsch. Sehr hübsch. Die letzte Folge der ersten Staffel endete gestern dann auch praktisch tagesaktuell mit Referenzen auf den Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember, wobei dann wirklich die ganze Palette drankam: Leute, die vor der Klimakatastrophe warnen, Leute, die die Klimakatastrophe für Humbug halten, Leute, die gekauft werden, das eine oder andere zu sagen, eine Umweltministerin in Gummistiefeln und einen alternden Ex-Terroristen, gespielt vom einzigen deutschen Schauspieler, nämlich von Wolf Roth. Wer sich den sehenswerten Abschluss anschauen möchte, kann das noch im Laufe dieser Woche in der ZDF-Mediathek tun.

Coole Sache, diese Personenschützer aus Dänemark. War die dritte Folge noch so etwas wie eine schwächelnde Folge, haben die letzten zwei Folgen dann doch wieder das Lot geradegesetzt und gezeigt, wie man einen modernen Krimi produziert. Und gestern ist dann sogar noch die Technik im Besprechungsraum der Personenschützer ausgefallen. Das stimmt doch ermutigend, dass dänische Fernsehmacher ihrer dänischen Polizei auch mal zugestehen können, dass deren Technik kaputtgehen kann.

Was rückblickend dann doch etwas prellte, war der Versuch, das Privatleben der Protagonisten einzubinden. Ich habe leider immer noch nicht verstanden, mit welchen Frauen Jonas Goldschmidt zu tun hatte und mich hätte eigentlich auch interessiert, wie das mit dem gekauften Haus von Rasmus Poulsen eigentlich weitergegangen ist. Nicht dass ich da jetzt jemand bin, der die große Familientheatralik braucht, aber wenn man diese Mikrogeschichten ansticht, muss man sie auch irgendwie sinnvoll durchbringen. Nun gut, ist wirklich ein Nebenkriegsschauplatz und auf sehr hohem Niveau gejammert.

Wie geht es weiter? Nun, eine sechste Folge gibt es nicht, auch wenn danach offensichtlich genügend Menschen im Web suchen und hier landen – die erste Staffel besteht aus fünf Folgen und nicht mehr. Es wird aber bereits an der zweiten Staffel gearbeitet, die im dänischen Fernsehen Anfang des nächsten Jahres starten wird, ebenfalls wieder mit fünf Folgen. In Deutschland ist diese zweite Staffel allerdings erst wieder im Herbst im ZDF zu sehen, wir werden uns also ein Jahr gedulden müssen. Am nächsten Sonntag geht es erst wieder mit Kommissar Beck aus Schweden weiter, immerhin aber auch neue Folgen.

In Sachen Protectors wird es noch einen kleinen Knaller hier im Blog geben, aber dazu später mehr.

Dritte Folge von Protectors.

Am kommenden Sonntag steht die dritte Folge der Serie Protectors – Auf Leben und Tod an, wieder um 22 Uhr im ZDF. Ein kleinwenig schmackhaft machen? Gern:

Über Huma, eine entfernte Freundin von Jasmina, erhärtet sich der Verdacht, dass ein Unbekannter in einem Stadtteil von Kopenhagen mit hohem Anteil an Muslimen einen Terroranschlag plant. Jasminas Chef Leon und dem dänischen Geheimdienst ist der Mann ebenfalls nicht unbekannt. Auch der Premierminister wird informiert. Jasmina hat unterdessen alle Hände voll damit zu tun, ihre Freundin Huma zu schützen, die als Informantin des geplanten Anschlags in Gefahr ist. Die Umstände zwingen die Leibwächter, auf Hilfe aus der muslimischen Nachbarschaft zurück zu greifen. Dabei laufen Sie Gefahr, die Spur des Attentäters zu verlieren. Leon bleibt nichts anderes übrig, als unkonventionelle Methoden anzuwenden…

Die dritte Folge war ebenfalls im kleinen Screener-Paket, die mir das ZDF zur Verfügung gestellt hat, allerdings muss ich zugeben, dass diese dritte Folge bisher die schwächste Folge ist. Die Geschichte steigt etwas krude ein und lebt diesmal weitgehend von den Effekten. Gut, in einer Serie kann man nicht alles ständig auf 100 % fahren, aber etwas Kritik sei ja durchaus angebracht, zumal die Fans sich die Folge ja trotzdem anschauen werden.

Dass die dritte Folge schwach daherkommt, ist übrigens auch die Meinung vieler dänischer Fans. Es ist für Außenstehende recht schwierig, den Diskurs in der dänischen Bevölkerung im Bezug auf den Islam nachzuvollziehen, gerade im Bezug auf die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen vor einigen Jahren und die Reaktionen darauf. Die letzte Folge hat hier wenigstens recht gut gezeigt, wie propagandistisch auch die Reaktion der Rechtsextremen darauf sein könnte.

Zumindest bekommt in der dritten Folge der französische Staatspräsident in einem Halbsatz sein Fett weg. Mich würde interessieren, wie das in der französischen Fassung synchronisiert wird. 😉

Kritiken zu „Protectors“, letzte und die nächste Folge.

Am Sonntag die erste Folge von „Protectors – Auf Leben und Tod“ im ZDF verpasst? Schlecht. Denn das haben andere darüber geschrieben:

„Eine harte, gut besetzte und spektakulär gefilmte Serie“
— Hamburger Abendblatt

„Die dänische TV-Reihe ‚Protectors‘ entwickelt aus dem Leibwächtermotiv einen rasanten Politthriller – rund um Islamismus und Auslandseinsätze, Karikaturenstreit und Klimaschutzkonferenzen.
— SPIEGEL Online

„Protectors“ ist […] real, fast dokumentarisch gefilmt – und dem deutschen Durchschnittskrimi haushoch überlegen. Dass das ZDF nun schon zum dritten Mal als Koproduzent fürs dänische Fernsehen auftritt, spricht Bände.
— taz

„Der Sonntagabend im ZDF ist faszinierend. Es finden sich immer wieder Krimi-Höhepunkte, die einen mit der Zunge schnalzen lassen.“
— Die Welt

„[…] diese Krimireihe ist spannend, sie lebt von der Verzahnung der großen Politik mit der privaten Geschichte, von der Stille, die ein Erkennungsmerkmal nordischer Filme ist, und auch sie ist äußerst modern, also mit ausgiebigem Einsatz der Handkamera gefilmt.“
— Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Geboten wird eine Mischung aus Krimispannung und Fernsehfilm-Drama, angereichert mit dem hochbrisanten Thema Terrorismus.“
— Berliner Morgenpost

„[…] eine sehr sehenswerte Serie […], die nicht nur spannend, sondern auch in sich schlüssig, psychologisch glaubwürdig und vor allem gut erzählt ist.“
— Osnabrücker Zeitung

„Offensichtlich hat die Serie nicht nur in der Machart, sondern auch, was die erzählten Fälle angeht […] den Anspruch, auf der Höhe der Zeit zu sein.“
— Nordseezeitung

Den Kritiken gibt es nichts hinzuzufügen. So oft kommt das auch nicht mehr vor, dass eine Serie, an deren Produktion das ZDF beteiligt ist, schon nach der ersten Folge derartiges Lob einfährt und dabei hat die erste Folge noch verhältnismäßig viel Ruhe an Bord, da die Protagonisten noch umfangreich vorgestellt werden.

Mit der zweiten Folge, die am Sonntag wieder um 22 Uhr im ZDF gesendet wird, sieht das anders aus, da geht es gleich ab der ersten bis zur letzten Minute praktisch durchgehend zur Sache. Zentrales Thema sind dänische Rechtsextremisten, die es auf die neue Kulturministerin mit Migrationshintergrund abgesehen haben. Da die Personenschützerin Jasmina ebenfalls einen solchen Hintergrund hat, ist sie ebenfalls im Visier und das wird mitunter so unerträglich schaurig-spannend erzählt, dass es einem unwohl werden kann.

Übrigens: Für diejenigen, die die erste Folge von Protectors am letzten Sonntag verpasst haben und nicht bis Mitte November warten können, wenn die DVD-Box veröffentlicht wird: Unter http://protectors.zdf.de/ gibt es rechts einen Link in die ZDF-Mediathek, wo die Folge in recht guter Qualität in voller Länge angeschaut werden kann. Pflichtprogramm für diejenigen, die die erste Folge verpasst haben und sich zurechtmachen für die nächste Folge.