Elmar Theveßens Hilferuf an die ZDF-Belegschaft.

Beim sonntagmittäglichen Überblick über den neuen SPIEGEL musste ich in der Medienrubrik staunen. Die Medienrubrik lese ich im SPIEGEL immer zuerst und da fiel mir in Medien-Panorama eine Mitteilung auf, die sich mit einer Mail von ZDF-Vizechef Elmar Theveßen beschäftigt, die Theveßen intern an Mitarbeiter versendet haben soll. Ich mag den SPIEGEL-Artikel nicht sezieren und Zitate zitieren, aber es müssen schon ganz erstaunliche Dinge in diesem Pamphlet stecken. Kurz gefasst beklagt Elmar Theveßen eine fehlende Motivation der ZDF-Belegschaft, den Kampf gegen Stimmungsmacher außerhalb des ZDF aufzunehmen. Sehr kurz gefasst, zumal mir die betreffende E-Mail auch nicht vorliegt.

Zum Thema ZDF habe ich im Laufe der Jahre einige teilweise wirklich gewaltige Textwüsten geschrieben, die allesamt zu den leider am wenigsten gelesenen Artikeln in diesem Blog gehören und eigentlich fast ausschließlich nur von den IP-Adressen aus dem ZDF-Netzwerk gelesen werden. Das hat vermutlich einen sehr triftigen Grund: Die meisten Menschen interessieren sich nicht nur herzlich wenig für diese Artikel – sie interessieren sich auch herzlich wenig für das ZDF. Und hier wird es arg spannend:

Wann ist denn eigentlich ein Fernsehsender gut? Wenn er gute Einschaltquoten hat? Wohl kaum. RTL gehört in Deutschland zu den Sendern, die in Sachen Einschaltquoten ganz oben mitspielen und niemand, der halbwegs bei Trost ist, würde behaupten, dass RTL auch nur ansatzweise so etwas wie Qualitätsfernsehen produziert. Das interessante dabei ist: Selbst RTL macht dies nicht und es wäre schon eher merkwürdig, wenn ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen nicht zuvörderst die Quote (und damit die Werbepreise) im Blickfeld hätte, sondern ein echtes Qualitätsfernsehen, möglicherweise auch für höhere Bildungsschichten.

Die Quote kann es also nicht sein. Ist es vielleicht das Programm, was es ausmacht? Ja, würde man sofort sagen, sogar vielleicht ich. Das Problem an einem guten Programm ist jedoch, dass dieses gute Programm erst einmal jemand machen muss. Man braucht Ideen und man braucht Leute, die diese Ideen produzieren und dann erst hat man Voraussetzungen dafür, überhaupt erst einmal ein gutes Programm zu erstellen.

Sprich: Ein gutes Programm braucht von Anfang bis Ende einen Haufen Menschen, die das Programm entwickeln, produzieren und verkaufen. Und wenn dies alles passiert, dann beginnt sich etwas zu bilden, was der Markenexperte Hermann H. Wala sehr treffend als „WIR-Marke“ bezeichnet. Eine funktionierende Marke ist nicht einfach nur eine teuer gezeichnete und beworbene Marke, sondern eine Marke muss gelebt werden und bildet sich, wenn man es wirklich richtig machen, aus diesen Grundfundamenten. Menschen arbeiten an einer Stelle, Menschen arbeiten engagiert an gemeinsamen Themen, Menschen haben überhaupt die Möglichkeiten, dies zu tun.

Das ZDF hat dies alles, denn das ZDF ist öffentlich-rechtlich und hat eine vergleichsweise exzellente Finanzierung. Exzellente Mitarbeiter. Exzellente Technik. Einen exzellenten Ruf. Und zwar weltweit.

Das ZDF hat nicht: Visionen. Und das nicht erst seit einigen Monaten, sondern seit vielen Jahren. Denn das wirklich erstaunliche an Elmar Theveßens Rundmail ist, dass er diese Worte problemlos auch schon 1995 hätte wählen und an die Mitarbeiter schreiben können. So richtig viel ist seitdem nämlich nicht mehr passiert. Ich rede hierbei nicht von der ZDF-Mitarbeiterseite heraus – das bin ich seit 1998 nicht mehr und als freier Mitarbeiter und einfacher Kameraassistent habe ich selten das Gefühl erfahren, tatsächlich dazu zugehören – sondern ich rede hier primär als Zuschauer und jemand, der sich ganz gut daran erinnern kann, wie gut die Verwaltung damals funktionierte und wie fast schon erbärmlich schlimm der Apparat so weit lief, dass jeder sein ihm übertragenes Ding machte und danach nichts mehr passierte. Für alles eine Norm. Für jeden Vorgang ein Formular. Jede Straße auf dem ZDF-Gelände mit eigenem Straßennamen, die tatsächlich jedoch niemand kannte (mit Ausnahme wohl ich, der sich noch an die Rudolf-Crisolli-Straße erinnern kann, die nach einem Mitarbeiter benannt wurde, der 1970 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam).

Gelebt wurde das ZDF von seinen Mitarbeitern vor allem deshalb, weil man beim ZDF beschäftigt war. Schon ganz gut, wenn man als freier Mitarbeiter dabei ist. Noch besser, wenn ein Zeitvertrag in der Tasche lag. Super natürlich, wer festangestellt ist und wer zum alten Kader gehörte, der hatte auch noch Zugang zur Pensionskasse, wenn es dann in Richtung Ruhestand geht. Und das goldene Los gab es für den, der dann schon Jahre vorab „in Ratio“ gehen durfte.

Und wer machte (und macht) Fernsehen? Immer mehr sind das fremde Produktionen, freie Mitarbeiter oder die unsägliche Unkultur der „festen freien Mitarbeiter“, also letztendlich einem immer größer gewordenen Mitarbeiterstamm, den man eigentlich zwingend brauchte, aber nicht als Personalkosten haben wollte. Und freie Mitarbeiter lassen sich hervorragend einfach als „Produktionskosten“ abbilden und belasten die Personalkosten nicht. Und so lange „Wetten dass“ läuft, läuft es ja! Dass die großen Publikumsdampfer, die auch schon damals rar gesät waren, irgendwann einmal auch enden, damit beschäftigt man sich nun mal eben sehr ungern. Es fehlt der Quotendruck. Einerseits gut, andererseits aber eben auch nicht so gut.

Diese Themen waren in den drei Jahren, in denen ich meinen kleinen Job verrichtete, schon die Themen Nr. 1, zumindest unten an der Basis. Von einer Programmqualität gab es da noch lange nichts und wenn, dann vor allem in dem Zusammenhang, dass die „anderen“ ja so ein ganz furchtbares Programm machen, dass es ja eigentlich supergut ist, dass es das ZDF gibt. Und man eigentlich als Angestellter auch einen gar nicht so schlechten Deal hatte, für das ZDF zu arbeiten.

Summieren wir es mal so: Der Eindruck, dass die ZDF-Programmqualität damit zusammenhängt, dass man selbst beim ZDF beschäftigt ist, der hört sich zwar sehr seltsam an, aber der herrscht vor. Mit diesem Eindruck kann man sicher leben und es gibt auch gar nicht so viele Firmen und Mitarbeiter, die allein mit diesem Gedanken im Job überleben. Dieser Eindruck ist jedoch extrem subjektiv und vor allem dann nicht mehr besonders tragfähig, wenn der Laden mal unter Beschuss steht. Und das ZDF ist, als öffentlich-rechtliches Unternehmen, schon immer unter Beschuss gewesen, ob nun vom Gebührenzahler, von der privatwirtschaftlichen Konkurrenz oder von der Politik. Allerdings alles Beschüsse, die es schon seit Jahren gibt. Und auch seit Jahren ihr verletzliches Potential am ZDF hinterlassen haben. Nur hat das damals offensichtlich niemanden gestört.

Aus diesem Grund verstehe ich Elmar Theveßen erstaunlich gut und ich bin so frei und schätze ihn als jemanden ein, dem seine Feststellung der aktuellen Situation im ZDF tatsächlich so richtig an die Nieren geht.

Nur, frage ich mich: Das alles fällt euch erst jetzt ein? Darüber hätte man sehr bequem schon vor 15 Jahren diskutieren können. Und sollen. Und vor allem müssen. Und vermutlich sind es genau die Leute, deren ZDF-Personalstammnummer schon längst nicht mehr existiert, diejenigen, die Theveßens Worte am ehesten nachvollziehen können.

Anschaulich zum Thema auch folgendes auf Carta: ZDF-Mitarbeiter fordern „Freiheit für das Zweite!“

Update vom 30.01.2012: In der Zwischenzeit hat Carta die gesamte Mail von Elmar Theveßen an die ZDF-Belegschaft veröffentlicht. Und auch wenn es ironischerweise einige Formulierungen in meinem Artikel gibt, die einigen Äußerung Theveßens ähneln – ich lese die Mail in vollständiger Länge in Carta ebenfalls zum ersten Mal.

Danke, Thommy!

Ich muss schon wirklich sehr lange zurückdenken, wenn ich mich daran erinnern will, wann ich „Wetten, dass..?“ das letzte Mal wirklich in voller Länge angeschaut habe. Das muss irgendwann in den Neunzigern gewesen sein. Heute war eine Ausnahme, ich habe kurzfristig tatsächlich Termine sausen lassen, die das überschnitten hätten. Aber es musste sein, mein „interner Besim“ sagte mir, dass „Wetten, dass..?“ heute anzuschauen sei. Weil ein guter Freund heute Abschied feiert.

Vor einem Jahr habe ich einmal über das „Thomas-Gottschalk-Syndrom“ gebloggt. Dieses von mir frei so benannte Syndrom, das eigentlich ja gar keine Krankheit ist, habe ich als Überbegriff für ein Phänomen genommen, das in unserer Medienwelt auftritt: Als Zuschauer entwickelt man zu einem Prominenten – wenn man ihn gut leiden mag – ein seltsames Gefühl der Zuneigung und Freundschaft. Man hat das Gefühl, den Menschen gut zu kennen, er ist pünktlich, immer freundlich, gut zur Familie, unterhaltsam, spannend und doch etwas durchtrieben. Und obwohl wir fast schon glauben, ihn so gut zu kennen zu, kennt er uns nicht. Er unterhält uns nach dem One-to-many-Prinzip, absolut anonym. Vor der Kamera ist er, hinter der Kamera zig Millionen Menschen und die allerwenigsten dieser Menschen kennen ihn persönlich. Dennoch, für die meisten Menschen ist es „der Thommy“. Ein guter Freund des Hauses, der bei vielen Menschen einmal im Monat eintreten darf und zwei, drei Stunden Frohsinn mitbringt. Dem aber sicherlich auch genügend Menschen sofort und selbstlos bei einer Autopanne helfen würde.

Das besondere am Menschen Thomas Gottschalk ist, dass er nur bedingt ein guter Schauspieler ist. Gottschalk ist Gottschalk und „Wetten, dass..?“ lebte immer davon, dass es eine sehr authentische Show um die Idee des Kräftemessens ist. Sehr schwer vorstellbar, dass in so einer Show jemand persönlich verulkt, wissentlich um seinen Sieg gebracht, denunziert, betrogen oder gedemütigt wird. Diese Grundregeln des Anstandes verkörpert Thomas Gottschalk wie kein anderer und arbeitet auch genau so. Das Verstellen ist nicht sein Ding und wenn schon verstellt werden muss, dann bitteschön so überzeichnet, dass es als Klamauk ausdrücklichst gekennzeichnet ist. Eine Art und Weise der Unterhaltung, wie ich es nur von so Menschen wie Hans Rosenthal, Peter Alexander, Frank Elstner, Carmen Nebel und auch vom einst leider viel gescholtenen Wolfgang Lippert nachhaltig kenne.

Wenn ein Freund einen Abschied feiert, geht man hin und verabschiedet ihn. Und wenn man so einen Abschied einer Person feiert, feiert man gleichzeitig auch immer einen eigenen Abschied von dieser Person. Jeder hat da seine eigenen Erinnerungen, nach 23 Jahren Gottschalksche „Wetten, dass..?“-Fernsehunterhaltung ist bei mir als 36 Jahre alter Mensch natürlich das Gefühl präsent, dass ein Stück Kindheit endet, denn auch ich habe in meiner Schulzeit montags an Gesprächen über unglaubliche Wetten teilgenommen. Später auch in der Berufsschule, auch bei der Arbeit (und ironischerweise am kontroversesten in meiner Fernsehzeit). Alles so wie der Rest der Republik ebenfalls.

Der größere Schmerz, den ich bei diesem Abschied jedoch empfinde, ist ein Verlust meiner Fernsehwelt, wie ich sie mal beruflich kennenlernte. Die drei Jahre Fernsehen zwischen 1995 und 1998, die ich als Kameraassistent begehen durfte, waren noch „alte“ Fernsehwelt, die sich schon damals nach und nach verabschiedete. Ich gebe zu, dass ich nach dieser Fernsehzeit meinen Spaß an Fernsehunterhaltung immer stärker verlor und so Juwelen wie „Wetten, dass..?“ eine Zeitlang kaum ertragen konnte, weil sie mich so an meine unbeschwerte Fernsehzeit in meiner Kindheit und an meine Fernsehzeit selbst so erinnerten. Das kann man kaum erklären, so abstrus muss sich das anhören: Kein Fernsehen schauen wollen, weil es nicht unterhält, sondern unangenehm belastet. Und ich rede da gar nicht von den wirklich verabscheuungswürdigen Formaten aus dem Privatfernsehen, das ich gänzlich nicht schaue.

Wenn man einmal beim Fernsehen gearbeitet hat und gesehen hat, wie Show produziert wird, geht viel Illusion kaputt, die man vorher noch hatte. Ich glaube, dass ein Großteil meines gepflegten Zynismus auch da herrührt. Show ist Kampf, kostet irrsinnig viel Aufwand, Geld und Nerven und dieser Kampf muss geführt werden, gelegentlich auch ohne klare Zeilführung. Wenn dann ein Thomas Gottschalk das dennoch so gut und freundlich verpackt, dass man ihn eigentlich auch gern mal persönlich im Wohnzimmer empfangen würde, dann weiß man, was echte Fernsehunterhaltung ist. Und wenn so einer sein fast schon angestammtes Boot verlässt, dann verstehe ich sehr, sehr gut, was für Klöße viele Menschen gestern um kurz nach 23 Uhr im Hals und Tränen in den Augen hatten.

Das war pure Magie im Fernsehen. Davon wird es nicht mehr viel geben.

„Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar, da er aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde.“

Ich habe heute morgen zuerst gedacht, da macht sich irgendjemand lustig über unsere Bundesregierung. Völlig verständlich, weil ohne bissigem Sarkasmus selbst die SPIEGEL-Redaktion die aktuelle Legislaturperiode nicht mehr erträgt. Was aber hinter dieser Aktion steckt, dürfte sehr spannend werden und die Frage klären, ob wir inzwischen schon so weit sind, dass unser Staat sich nicht mehr zu schade ist, für alle sichtbar Zensur zu betreiben:

Der Beitrag findet sich bei YouTube genau hier: http://www.youtube.com/watch?v=ZcEdfgTynCs

Auf Twitter liest man, dass das ZDF sich um die Geschichte mit der „Regierungsanfrage“ bereits kümmert. Abwarten, Tee trinken.

Update 1: Die WISO-Redaktion hat relativ schnell um halb zwölf reagiert und in ihrem Blog einen Artikel hierzu geschrieben. Dabei wird erwähnt, dass die obige Sendung nicht im offiziellen ZDF-YouTube-Kanal veröffentlicht wurde, das ZDF aber nicht der Auslöser der Sperrung sei. Von anderer Stelle im Web wird davon gesprochen, dass die Sendung, die in der ZDF-Mediathek zu finden ist, an einer Stelle geschnitten ist, da das ZDF aktuell in einem Rechtsstreit mit der Sparkasse Bremen sei, die in diesem Teil der Sendung erwähnt wird. Wie es allerdings zur obigen Meldung kommt, dass die Sendung „aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde“, entschließe sich beim ZDF. In der Zwischenzeit ist die Meldung auf YouTube in die englischsprachige Standardmeldung geändert worden, dass der Content aufgrund „legal complaint“ entfernt wurde.

Update 2: Das ZDF hat sich nun einem noch längeren Artikel unter heute.de mit dem Thema beschäftigt und auch ein Feedback von Google eingeholt. Dort wird die obige Vermutung bestätigt, dass der Beitrag wegen einem Rechtsstreit gesperrt wurde, bestätigt. Es handelt sich dabei um die Sparkasse Bremen, die wegen einer Darstellung in der Sendung eine einstweilige Verfügung gegen das ZDF erwirkt hat und das ZDF daraufhin den Beitrag in der eigenen Mediathek entsprechend geschnitten hat. Google hat die Sendung dann aufgrund Beschwerde, wohl dann ebenfalls von der Sparkasse Bremen, entsprechend gesperrt, aber eine falsche Begründung für die Sperrung angegeben.

Eine Blog-Empfehlung und: Die Welt ist klein.

Ich empfehle ja normalerweise keine Weblogs weiter, aber diese Empfehlung ist eine solche Verkettung von Zufällen und das Weblog auch noch so gut, dass es einfach eine Empfehlung wert ist. Es geht hier um das Weblog namens Not quite like Beethoven von Alexander Görsdorf. Ein interessantes Weblog eines Menschen, der „wie Beethoven ist – nämlich ertaubt und öfters am daran verzweifeln.“

Mit einem besonders guten Gehör bin ich dank einer Reihe von Mittelohrentzündungen auch nicht gesegnet, aber dass es noch eine gute Packung schlechter geht, hört man selbst ironischerweise kaum, sondern kann es nachlesen. Beispielsweise eben bei „Not quite like Beethoven“.

So, und wie komme ich nun zu diesem kleinen Weblog in meinem Google Reader? Vor einigen Tagen habe ich mit Christiane vom Behindertenparkplatz getwittert. Das tun wir immer wieder einmal, weil Christiane in London in der Medienbranche arbeitet, an vielen interessanten Dingen gleichzeitig. Und Christiane sitzt im Rollstuhl, was wiederum – so ungalant darf man sein – interessant ist, denn als Nicht-Rollstuhlfahrer macht man sich kaum eine Reihe von den Gedanken, die sich ein(e) Rollstuhlfahrer(in) tagtäglich machen muss.

Wie auch immer: Vor einigen Tagen hatten wir es, nachdem ich erwähnte, dass ich meine Kompetenzen beim Weichlöten (gell, das wolltet ihr doch auch alle wissen!) in meiner Fernsehzeit gelernt habe, kurz davon, dass ich auch mal bei den Mainzelmännchen auf dem Mainzer Lerchenberg gearbeitet habe, just in der Zeit herum, als auch Christiane beim ZDF ein Praktikum absolvierte. Die Sendungen, für die sie arbeitete, kenne ich alle und ihre Bemerkung, dass man sich vielleicht ja durchaus damals über den Weg gelaufen sein könnte, finde ich extrem faszinierend, weil absolut möglich. Über die so genannte „Schnitzelpiste“, den zentralen Übergängen vom Sendebetriebsgebäude zum ZDF-Kasino, wird gesagt, dass man sich mittags eine Stunde dort hinstellen muss, um 75 % aller ZDF-Mitarbeiter kennenzulernen.

In diesem 140-Zeichen-Dialog fragte sie dann, ob ich das Blog da oben kennen würde, das würde nämlich vom Sohn des damaligen Chefkameramannes geschrieben werden. Da ahnte ich schon, wer das sein könnte, denn genau diesen Alexander Görsdorf hatte ich schon vor einigen Jahren in Xing gefunden und in meiner Direktheit gefragt, ob er tatsächlich der Sohn des besagten Chefkameramannes sei, was er, sicherlich mit einigem Staunen über so eine Frage aus dem Netz von einem Fremden, bejahte. Dieser Chefkameramann ist mir nämlich auch heute noch deshalb im Gedächtnis, weil er der erste Mensch im ZDF war, der mich anno 1995 mal kurz in die Tiefen des Hauses einführte, als ich von heute auf morgen (Betonung auf „heute auf morgen“) die nachträgliche Praktikumszusage erhielt und da plötzlich aufschlug, ohne überhaupt ein vorübergehendes Dach über dem Kopf im Rhein-Main-Gebiet zu haben.

Die Welt ist klein. Und Alexander Görsdorfs Weblog ein ganz interessantes. Christiane ihr Weblog ja sowieso. 🙂

Liveberichterstattung aus der letzten Reihe.

Die aktuellen Entwicklungen in Libyen sind eigentlich ein dankbares Geschäft für jeden Nachrichtensender. Selten kündigt sich ein Regimewechsel so gut eingeleitet an und praktisch jeder Fernsehsender, der über mindestens einen Korrespondenten verfügt, hätte es sich sehr bequem machen können, in dem er einfach in Libyen irgendwo herumsitzt, auf die spannenden Tage wartet und sich dann einfach live ins Fernsehen schaltet.

Wenn die Nachrichten auf dem Silbertablett daherkommen, muss man sie eigentlich nehmen und senden. Das gilt, wie ich schon mal vor einigen Wochen schrieb, nicht für deutsches Fernsehen. Während Al Jazeera schon ab Sonntagnachmittag sein geplantes Programm kurzfristig abänderte und sich auf eine „Libyen-Nacht“ vorbereitete und sich CNN zumindest am späten Abend auch noch etwas lustlos dazugesellte, passierte auf deutschen Kanälen – nichts. ARD und ZDF beschränkten sich auf Berichte in den Spätnachrichtensendungen, für die so genannten Nachrichtensender N24 der ProSiebenSat1-Gruppe und n-tv der RTL-Gruppe gibt es inzwischen keine Nachrichten mehr, die man in die Lücken der immer gleichen Dokus von Hitlers Bomben, Flugzeugträgern, Schwertransporten, Notaufnahmen etc. bringen könnte.

Wir haben gestern wieder einmal gesehen, wie das deutsche Fernsehen kapituliert hat vor aktuellen Nachrichten. Egal, ob das schwer finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen oder die Riege der Privatsender.

Al Jazeera hingehen hat seine Berichterstattung aus London koordiniert und es auf brillante Weise geschafft, die ganze Nacht hindurch eine sagenhafte Berichterstattung mit ständigen Liveschaltungen zu Korrespondenten vor Ort in Bengasi und Tripolis auf die Beine zu stellen, inklusive den regelmäßigen Einblendungen der mehr als skurrilen Audiobotschaften Muammar Gaddafis und einer Simultanübersetzung. Und das alles per Satellit und Webstream, der nicht ein einziges Mal wackelte, obwohl der Stream bei so einer Nachrichtenlage vermutlich extrem stark frequentiert sein dürfte.

Al Jazeera ist, das kann man wohl nun bedenkenlos sagen, das neue CNN. Sicherlich, das Nachrichtengeschäft ist ein hochsubventioniertes Geschäft und wir wissen auch, dass zu den größten Finanziers von Al Jazeera der Emir von Katar gehört. Es gibt jedoch relativ wenig Raum für Befürchtungen, dass die derzeitige Berichterstattung von Al Jazeera nicht objektiv sein könnte. Sie machen schlicht einen verdammt guten Job da draußen in der Peripherie.

Zumindest so gut, dass es für das ZDF für eine Art Twitter-Nachrichtenberichterstattung reichte, die die gesamte Jämmerlichkeit deutscher Nachrichtenkultur eklatant vor Augen führte. Denn wenn nachts keiner da ist, der Nachrichten recherchieren könnte, beginnt jeder gefühlte dritte Tweet eben mit „Laut Al Jazeera“. Und dann erlaubt man sich auch noch grobe journalistische Schnitzer, die man so eigentlich von lauwarm geschriebenen Lokalblättern kennt. Ein Beispiel.

Mit dem Zweiten …

Kurz nach Mitternacht berichtete Al Jazeera, dass zwei Flugzeuge aus Südafrika am Flughafen in Tripolis stünden. Der Moderator legte aus dem Off allerdings großen Wert auf die Feststellung, dass dies ein noch unbestätigtes Gerücht sei und man sich um eine Bestätigung des Gerüchtes kümmere. Das wurde dann einige Minuten, zwei Liveschaltungen und gar ein Livetelefonat mit einem Korrespondenten in Südafrika später so korrigiert, dass dieses Gerücht schon seit Tagen kursiere, es aber nicht von der südafrikanischen Regierung bestätigt wird. Faktisch sind die besagten zwei Flugzeuge aus Südafrika eine nicht bestätigte Nachricht.

Was macht das ZDF um kurz nach Mitternacht, noch vor der Bestätigung vom südafrikanischen Korrespondenten, daraus? Eine fröhliche Twitter-Märchenstunde, so gesendet an die immerhin 55.000 Follower:

Da ich auch Al Jazeera schaute, habe ich gleich einen Einwand getippt, der aber, wie zu erwarten war, ohne Reaktion blieb:

Der Twitter-Benutzer „kabukai“, von dem „ZDFonline“ das Zitat entnommen hat, ist seines Zeichens nach „Redakteur bei @ZDFonline heute.de“, „schreibt hier privat @ ein news-notizblogger in diesem, unserem Internet“ und hat hoffentlich einen echten Vornamen, denn auf seinem Twitterstream ist davon nichts zu sehen. Ebenso ist weder bei der Äußerung von „ZDFonline“, noch von „kabukai“ wirklich erkennbar, wie es denn zu dieser Nachricht gekommen ist: Sitzen die im Sendezentrum an den Tickern und haben mit Al Jazeera telefoniert oder schauen die nachts vom heimischen Sofa aus Al Jazeera und tippseln etwas die Nachrichten anderer Leute in den Twitter-Stream des größten deutschen Fernsehsenders?

Mit einem Tweet gleich vier journalistische Grundsätze zu verletzen, muss man auch erst einmal schaffen, liebes ZDF. Das habt ihr mir, als ich einmal in euren Diensten stand, einst so beigebracht:

  • Wir sorgen für Transparenz bei der Beschaffung von Nachrichten und bestätigenden Informationen.
  • Wir übernehmen nicht einfach unreflektiert Nachrichten, die andere Sender berichten.
  • Wir kennzeichnen unbestätigte Nachrichten als eben solche.
  • Wir korrigieren die Nachrichtenlage, wenn wir sie vorher fehlerhaft berichtet haben.

Alles nicht nachprüfbar und nachvollziehbar und eigentlich ein katastrophaler Tiefschlag gegen die eigentlich vorhandene Nachrichtenkompetenz des ZDF.

Rückblick auf die zweite Staffel von „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Das ZDF hat sich sehr ordentlich lange Zeit gelassen für die Ausstrahlung der zweiten Staffel der dänischen Krimiserie „Protectors – Auf Leben und Tod“, in Dänemark bekannt unter dem anschmiegsamen Namen „Livvagterne“ (was auf Deutsch schlicht und einfach „Leibwächter“ heißt). Während nämlich im dänischen Fernsehen die zweite Staffel Anfang letzten Jahres auf Sendung ging, mussten die deutschen Zuschauer auf die deutsch synchronisierte Fassung eineinhalb Jahre länger warten. Nun ja, Manöverkritik am Rande.

Diejenigen, die meinen Twitter-Stream lesen, durften die letzten Sonntagabende schon in den „Genuss“ meiner regelmäßigen „Sofortkritik“ kommen, die ich während der Ausstrahlung der einzelnen Folgen gab. Kurzum: Ich verteile ja, da in ich Pforzheimer, Lob nur in homöopathischen Dosen, denn „ned g’schimpft isch g’nug g’lobt“. Aber ganz so einfach kommen mir die dänischen Macher von Livvagterne nicht davon, denn die zweite Staffel war schlicht und einfach nix und eine eher unrühmliche Fortsetzung einer an sich gar nicht so schlechten Idee, nämlich der Begleitung einer selbstverständlich fiktiven Spezialeinheit von Leibwächtern, die wichtige Personen beschützen soll. Eine an sich interessante Thematik, die man aber, wenn man einigermaßen realitätsnah sein möchte, offenkundig eine stinklangweilige Angelegenheit sein muss, so wie die meisten aufregend klingenden Berufe.

Ein anderer Grund, weshalb in der zweiten Staffel die Geschichten von Livvagterne immer hanebüchener wurden, fällt mir nämlich nicht mehr ein. Anstatt dass es nämlich um den Schutz von VIPs geht, handelten immer mehr Folgen davon, dass ein Verwandter oder ein Freund eines der Leibwächter in irgendwelche Probleme hineingeraten ist und aus diesem Grund völlig problemlos und unbürokratisch Schutz und Dienstleistung eben dieser Spezialeinheit bekommt. Beispiel, Folge 2 der zweiten Staffel: Die Schutztruppe begleitet die dänische Außenministerin nach Russland. Dort wird eine regimekritische Journalistin, zufälligerweise Bekannte eines der Protagonisten, bedroht und der Personenschützer nimmt sie dann mal nach Dänemark mit. Oder Folge 5: Ein Freund eines der Personenschützer (ironischerweise wieder derjenige aus Folge 2) hat einen Freund, der im Kongo beim Diamantenhandel mitmischt, dort hopsgeht und per Sarg und mit im Darm inkludiertem Diamanten nach Dänemark transportiert werden soll. Machen dann die Personenschützer. Zwar eine der rasantesten Folgen mit Action – der Stoff prellt allerdings extrem. Der dänische Geheimdienst ist zwar offiziell auch eine Polizeibehörde, aber ob die so erfreut wären, wenn die Personenschutztruppe geheimdienstliche Operationen vornimmt?

Das ist in etwa so, wie wenn Sie ein Problem mit einem Strafzettel haben, einen guten Freund bei der Sondereinheit GSG9 haben und der Freund mit seiner Truppe bei Ihnen vorbeischaut und die Sache unbürokratisch klärt. Hat natürlich niemand etwas dagegen, noch nicht mal der Vorgesetzte der Truppe. Autsch. Das Leibwächter-Handwerk ist eng umfasst und es hat sicherlich seine Gründe, dass in Deutschland, der unumstrittenen Supermacht in Sachen Krimis, keine echte Serie gibt, die sich mit der Materie beschäftigt.

Und was auch noch auffällt: Der Bösewicht ist im Zweifelsfall immer der Moslem. Ich bin ja immer recht vorsichtig, wenn es um Stereotypen geht, aber bei der zweiten Livvagterne-Staffel ist es einfach zu klischeehaft. Man mag es sehen, wie man möchte, aber der Moslem ist nun eben mal nicht ständig derjenige, der wenig gebildet an nichts anderes denkt, als den Rest der Gesellschaft wegzubomben oder zumindest an jeder schlechten Story als Mittäter drinhängt. Ich möchte es nicht unterschwelligen Rassenhass nennen, dazu ist es sicherlich noch viel zu subtil angelegt. Für so durchgeknallte Typen wie den norwegischen Anders B., die schon extrem geladen durch die Gegend wandern, sind solche Serien sicherlich einer der Myriaden von Influenzpunkten, die dafür sorgen, dass sich Weltbilder im Kopf verschieben. Wird man mit Sicherheit in Zukunft anders sehen müssen, auch in Dänemark.

Fazit: Schade. Einer an sich guten ersten Staffel, die im Nachhinein gesehen schon weitgehend alles erzählt hat, was man in der Branche erzählen kann, folgte eine erheblich düstere und von Stereotypen durchtränkte zweite Staffel, die nichts besser macht und auch nichts vernünftig weiterentwickelt. Ist sicherlich dem engumzäunten Genre geschuldet, allerdings könnten sich die Macher mal diesen unangenehm hässlichen Ton gegenüber Moslems abgewöhnen. Idioten gibt es nun wahrlich wirklich überall und sie sind nicht auf religiöse Eiferer beschränkt.

Das freitägliche, menschliche Versagen im ZDF.

Wer gerade die heute-show im ZDF angeschaut hat, wird sich über ein höchst spektakuläres Ende gewundert haben, das natürlich innerhalb kürzester Zeit seinen Weg zu YouTube gefunden hat und deshalb hier anzuschauen ist. Die eiligen Zeitgenossen spulen auf Minute 3 vor, das gilt auch für diejenigen, die Michael Mittermeier eher nicht so ertragen können:

http://www.youtube.com/watch?v=fv-NZ1akLAk

Das ist natürlich jetzt eine spannende Frage: Technischer Defekt oder gewollter Programmabbruch?

Technischer Fehler? Die heute-show ist nicht live, sondern wird zeitversetzt in Köln von einer externen Produktionsfirma produziert, die Sendung existiert also schon, bevor sie ausgestrahlt wird. Da sie logischerweise demnach also vollständig vorliegt, würde man vor Ort relativ schnell merken, wenn da etwas fehlt. Die Sendung wird dann ins ZDF-Programm zugespielt und hier soll sich, laut einem Tweet von ZDFonline, auch der Fehler eingeschlichen haben, in dem eine „Zuspielleitung zu früh gekappt“ wurde. Das würde erklären, warum nach dem Abbruch auch noch die ZDF-Senderkennung weiter im Bild bleibt (das ZDF war also nicht „kaputt“) und nach wenigen Sekunden auch die Aspekte-Vorankündigung kommt.

Programmabbruch? Es gibt da zwar tatsächlich eine Reihe von Dingen, die man im Fernsehen lieber nicht tut und sagt. Für den einfachen ZDF-Mitarbeiter sind das sicherlich Beschimpfungen auf den Chef oder auf die CDU, aber selbst wenn man Satire der etwas härteren Gangart auflegt (und Michael Mittermeier ist einer, der im Fernsehen nicht gerade Tee pisst), dreht man nicht einfach so den Sender ab. Das Drücken des „Roten Knopfes“, den es sicherlich bei der Sendeleitung gibt, ist mit ziemlicher Sicherheit so mit Regularien, Flüchen und dem Ausfüllen von Millionen Rechtfertigungsformularen verbunden, den drückt keiner so schnell. Und dass ein Politiker mal eben so anruft und um Abschaltung bittet, ist weitgehend unvorstellbar, allein schon aus Gründen des Zeitaufwandes. Bis dessen Identität geprüft ist, ist die Sendung schon längst vorbei.

Bliebe als einziger Punkt die Unbekannte, dass „höhere“ Mitarbeiter oder gar der Intendant bei der Sendeleitung anruft und vielleicht nach dem Aufsagen eines geheimen Codes die sofortige Unterbrechung fordert. Dass es so eine Möglichkeit gibt, braucht man sicher nicht zu bezweifeln, aber ob sich da ein ZDF-Verantwortlicher die Blöße gibt, das zu tun und dann auch noch bei einer Satireshow, die sicherlich schon vorher der zuständige Redakteur abgenommen hat – wohl kaum. Wenn, wie eben in diesem Falle, das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, drückt keiner den Knopf im Liveprogramm und kippt noch zusätzliches Öl hinterher, zumindest nicht bei Mittermeier-Satire. Da muss schon ganz anderes Blut fließen.

Die Aktion hat aber doch auch ganz nette Seiten für das ZDF: Innerhalb einer runden Stunde hat der Twitter-Channel des ZDF rund 200 zusätzliche Follower bekommen und die Wiederholungen der heute-show am Sonntagmorgen und am Sonntagabend in ZDF.neo dürften die höchsten Einschaltquoten haben, die man um diese Zeit mit der Wiederholung der heute-show je gehabt hat. 😉

Das ZDF in der Unionsmangel.

Glaubt man einem Artikel in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins SPIEGEL – wozu es keinen Grund gibt, es nicht zu tun – dann arbeitet die Union emsig und vor allem weitgehend unbeobachtet daran, den ZDF-Mitarbeitern weiterhin klar und deutlich zu signalisieren, wie Journalismus aus Unionssicht auszusehen hat.

Der Grund, über den der SPIEGEL berichtet, ist ein Bericht aus der Sendung „Frontal 21“, in der über Schulpolitik berichtet wurde. Die zuständigen Redakteure wurden in den Programmausschuss Chefredaktion einbestellt, der von Unionspolitikern bzw. Mitgliedern des „Unions-Freundeskreis“ dominiert wird und dort wurde dann die angeblich nicht ausgewogene Berichterstattung gerügt.

Glaubt man weiterhin dem Artikel, dann war diese Rüge keine Ausnahme, sondern ist schon so etwas wie Programm, da Redakteure von „Frontal 21“ in den letzten Monaten immer wieder vor den Chefredaktionsausschuss zitiert und von Unionspolitikern angegriffen wurden:

„An einem kritischen Bericht über die Atompolitik der Bundesregierung etwa bemängelten die Politiker die angeblich tendenziöse Bildsprache, berichten Teilnehmer der Sitzung. Mehrmals beschwerten sich die Unionsleute, das Magazin sei zu einseitig. [..] Unter ZDF-Journalisten heißt es, dass sich die Union nach der Abwahl von Chefredakteur Nikolaus Brender offenbar auf das Politmagazin ‚einschießt‘.“

Sehr spannende Geschichte, die leider nicht wundert. Bemerkenswert ist, dass im Programmausschuss Chefredaktion, das ja eigentlich als Aufsichtsorgan des Programmrates die Chefredaktion überwachen soll, so Politiker wie CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung sitzen, also allesamt Politiker, die keineswegs abgehalfterte Berufspolitiker auf Pseudo-Vorruhestand Posten absitzen, sondern mit ziemlicher Sicherheit feste politische Ansagen aus ihren Häusern mitbringen und durchzusetzen versuchen, während Bundeskanzlerin Angela Merkel sich bei jeder Gelegenheit vortrefflich über die Medienreglementierungen der ungarischen Regierung entzürnen kann.

Nichts hat sich geändert in Sachen „Freundeskreise“ beim ZDF, rein gar nichts. Immerhin ist die Normenkontrollklage, die die SPD auf den Weg gebracht, offensichtlich noch am Laufen. Es wird auch dringend Zeit, dass das Bundesverfassungsgericht hie endlich einmal eine Ansage macht, vielleicht schafft man es ja noch zum fünzigjährigen ZDF-Jubiläum im Jahre 2013.

Wie man als Fernsehmensch bloggen kann: Dirk Steffens.

Ich muss zugeben, dass mir der Name Dirk Steffens erst vor einigen Monaten geläufig wurde, als der begnadete Dokumentar- und Tierfilmer im ZDF bei der altehrwürdigen Reihe „Terra-X“ landete und dort die Serie „Faszination Erde“ moderiert, immerhin in der Nachfolge des unanfechtbaren Gott aller Wissenschaftsjournalisten, Joachim Bublath. Für Wissenschaftsjournalisten dürfte „Terra-X“ und überhaupt die Wissenssendungen in ARD & ZDF zum Olymp gehören, den man als Wissenschaftsjournalist so erreichen kann. Ist man da oben, muss man oben bleiben, denn es geht nur noch herunter.

Das ist von Dirk Steffens eher nicht zu erwarten. Und, ich bin des Lobes in Sachen Fernsehen: Es wäre schade, würde Dirk Steffens irgendwann einmal die Lust an seinem Job verlieren, denn er ist zweifelsohne das, was man als nächste Generation der Tier- und Dokumentarfilmer bezeichnen kann. Frische Moderation von tatsächlich erst kürzlich aufgezeichneten Folgen (im Durchschnitt keine sechs bis acht Wochen alt), fachlich auf hohem Niveau, angenehm und verständlich moderiert und garniert mit feinem Witz und Selbstironie. Wie zollt Steffens beispielsweise Respekt gegenüber Ureinwohnern Afrikas, die stundenlang im mäßigen Jogging-Schritt auf die Jagd gehen? Er läuft als Marathonläufer bin und versagt „schon“ nach zwei Stunden, völlig durchgeschwitzt, in der Mittagssonne Afrikas. „Und die Jungs schnaufen noch nicht mal!“ Ein Heinz Sielmann, Joachim Bublath und wie sie alle auch heißen, wären nie auf die Idee gekommen, das gestärkte Hemd gegen ein Trikot auszutauschen und das Leiden für den Zuschauer auch mal begreifbar zu machen.

Dirk Steffens ist demnach also einer, der mit dem Medium Fernsehen vortrefflich experimentieren kann – einem Grundauftrag eines jeden Fernsehschaffenden. Und er hat auch begriffen, dass man zur Dokumentation dieser Arbeit nichts besseres haben kann, wie ein Weblog. Seine Domain, auf die ich nur gegangen bin, weil ich neugierig war, wie die Homepage des Honorarkonsuls des Königsreiches Palau in Deutschland, das er auch noch ist, aussehen könnte, führt auf ein Weblog bei Blogger.com.

Und das ist genau so, wie man sich einen Dirk Steffens als Weltenbummler und Globetrotter vorstellt. Heute hier, morgen da, ein Fallbeispiel für ein echtes Reiseblog, schön bebildert und ausgestattet mit Tatsachenberichten, beispielsweise einem Unfall, bei dem er einen Lavabrocken (kalt) ins Gesicht bekommen hat. Selbst solche Sachen kann man mit feiner Ironie nachbearbeiten und aus einer Person eine unverwechselbare Marke schaffen. Mit einem einfachen Weblog und einer gehörigen Portion Enthusiasmus. Kurzum: Ich bin nahe dran, zu sagen: Perfekt.

Dass es das ZDF immer noch nicht geschafft hat, eine eigene, regelmäßig bestückte Blog-Plattform unter eigener Adresse zu schaffen, ist genau bei so einer hochproduktiv arbeitenden Person wie Dirk Steffens äußerst schade und vergeudetes Potential. Hey, ihr Mainzelmänner und -frauen – das ist die Zukunft!

Stell’ dir vor, es ist Revolution …

… und keiner berichtet darüber. Auch am Tag 5 der Unruhen in Ägypten tut sich in den deutschen Medien immer noch kaum etwas. Nehmen wir doch mal den gestrigen Samstag:

  • ARD: Nichts, außer die üblichen Nachrichten, immerhin mit großen Berichtsstrecken.
  • ZDF: Übliche Nachrichten, um 18:35 Uhr immerhin ein „ZDF-Spezial“, 25 Minuten lang.
  • Phoenix: Übernommene Tagesschau um 20 Uhr, eine Hintergrunddokumentation zu Hosni Mubarak um 13 Uhr, 30 Minuten lang.
  • N24: Nichts, außer den stündlichen, fünfminütigen (!) Nachrichten, dafür aber um 21 Uhr eine Dokumentation des Wüstenfuchses Erwin Rommel. Immerhin schon mal etwas Nordafrika.
  • n-tv: Nichts, außer den stündlichen Nachrichten. Um 18 Uhr immerhin eine halbe Stunde, um 20 Uhr zehn Minuten, ansonsten 5 Minuten.
  • Sat 1, Pro Sieben, alle RTL-Programme: Nichts, außer den normalen Nachrichten in bekannt dürftiger Qualität.

Defacto ist bei den deutschen „Nachrichtensendern“ N24 und n-tv Ägypten kein Thema, das offensichtlich eine außerplanmäßige Berichterstattung gerechtfertigen würde. Dabei dürfte übernehmbares Bildmaterial von Agenturen, das man verarbeiten könnte, in vermutlich dreistelliger Stundenzahl vorliegen.

Zum Vergleich:

  • Al-Jazeera English: Rund um die Uhr Liveberichterstattung, das normale Programm weitgehend zurückgestellt.
  • CNN International: Weitgehend rund um die Uhr Liveberichterstattung, ergänzt mit Hintergrundberichten und -diskussionen. Auch hier ist das normale Programm weitgehend zurückgestellt.
  • CNN USA: Die Hälfte des Programmes für Liveberichterstattung und Hintergrundinformationen aus Ägypten.

Selbst so Sender wie BBC World, France 24 English oder das japanische NHK World (über Astra empfangbar), die keine Nachrichtensender sind, sondern nur internationale Fenster von nationalen Sendern, machen allesamt eine weit größere und dichtere Berichterstattung, als alle deutsche Fernsehsender zusammen.

Online? Das Nachschauen bereitet noch viel mehr Schmerzen: Bei N24 und n-tv gibt es immerhin Artikel, die jedoch aufgrund der völlig unübersichtlichen und lieblos präsentierten Seiten in etwa den gleichen Informationsrang haben, wie die Berichterstattung aus dem Dschungelcamp, das bei beiden Websites ebenfalls eine Seite-1-Nachricht ist, selbst heute noch, am Sonntag. SPIEGEL Online und die Süddeutsche geben sich wenigstens Mühe mit einer Liveberichterstattung in Tickerform, ebenso die ARD unter tagesschau.de und das ZDF auf seiner Website. Die Welt versucht sich ebenfalls mit einem deutlich schlampigeren (und sicherheitshalber nicht mit Zeitstempeln versehenen) Liveticker und hält einsam das Fähnchen beim Axel-Springer-Verlag hoch.

Das Problem: Keine Informationsstrukturen vor Ort

Vor-Ort-Berichterstattung kann man in verschiedenen Qualitäten haben:

  • Einen eigenen Korrespondenten mit eigenen Produktionskapazitäten. Das macht Al-Jazeera und CNN, aber auch ARD und ZDF. Eigene Leute, eigene Technik, eigene Journalisten.
  • Einen freien Journalisten vor Ort, von dem gelegentlich Material gekauft wird. Funktioniert im Normalfall ganz gut, im Ernstfall dann schon weniger und wenn der freie Journalist wiederum vor Ort auf Fremdkapazitäten in Sachen Bild und Übertragung angewiesen ist, auch gern mal gar nicht.
  • Niemanden vor Ort. Bildmaterial wird zugekauft, die Berichterstattung erfolgt zu Hause unter Zuhilfenahme von Agenturmaterial. Manchmal hilft auch das Glück im Unglück, wenn ein Mitarbeiter des Hauses zufälligerweise im Krisengebiet Urlaub macht und seine eigenen Eindrücke per Telefon nach Hause telefonieren kann.

Wenn man sich anschaut, wie die Berichterstattung von CNN und Al-Jazeera funktioniert, wird einiges deutlich. CNN hat vor Ort Korrespondenten, die, wie bei CNN üblich, unter abenteuerlichen Umständen aus dem Hotel senden. Garniert wird das entweder mit eigenen Bildern vom Hotel aus oder es wird kurzerhand Bildmaterial von anderen Sendern übernommen und mit eigener Berichterstattung untermalt.

Die US-Produktionsideologie arbeitet zudem mit dem Paradigma eines Producers: Der Korrespondent vor der Kamera ist nicht der Chef der Mission, sondern ein eigener Producer, der auch die Fäden in der Hand hält. Der Producer entscheidet, welches Material gesendet wird und was der Korrespondent wo und wann berichtet. Und er hat darüber hinaus die Zeit, eigene Informationen von externen Informanten zu sammeln, auszuwerten und in die Berichterstattung einzubinden.

Kauft sich ein Sender im Spargang einen einfachen, freien Journalisten vor Ort, dann ist das in Krisenzeiten sowieso ein eher hoffnungsloses Unterfangen und leidet dann spätestens in hektischen Zeiten darunter, dass der einfache Journalist eben während dem Stehen vor der Kamera nicht gleichzeitig eine Recherche machen oder sich gar um ein Informantennetzwerk kümmern kann. Sprich: Es geht nur etwas, wenn man vorgesorgt hat als Sender und beizeiten schon Geld in einen Korrespondenten investiert, der vor Ort Informationsstrukturen hat.

Welche Sender sich welche Nachrichtenqualität gönnen? Einfach auch am Tag 5 in den Fernseher schauen und erleben bzw. nicht erleben.