Die ungebändigte Gesichtserkennung von Picasa.

Nun ist eine automatische Gesichtserkennung weitgehend langweilig, wenn das Bildmaterial aus Familienfotos besteht. Wie Mami, Papi, Oma, Opa und Tantchen aussehen, dürfte für die restlichen Familienangehörigen weitgehend klar sein.

Wohingehend eine automatische Gesichtserkennung hochinteressant wird, ist bei Bildern, auf denen viele Menschen sind. Ich habe Picasa spaßeshalber auf die rund 3.000 Fotos losgelassen, die derzeit auf meiner Festplatte liegen.

Wichtiger Vorabhinweis für Freund und Feind: Ich teste die Gesichtserkennung von Picasa lokal auf meinem Rechner und werde weder die betreffenden Bildersammlungen, noch die durch Picasa erstellten Metadaten ins Internet hochladen oder weiter verarbeiten.

Um was geht es eigentlich?

Picasa ist eine kostenlose Bildverwaltungssoftware von Google. Was einst als einfach zu bedienende Software begann, ist in der Zwischenzeit ein ausgewachsenes Programm, mit dem man auch viele tausend Bilder in verschiedensten Bildformaten und selbst auch RAW-Formate von Kameras übersichtlich sortieren kann. Neben dem Sortieren gibt es auch Möglichkeiten, Bilder automatisch zu korrigieren und neben den üblichen Dingen wie Helligkeit oder Kontrast beispielsweise auch “rote Augen”. Damit das schon funktionieren kann, muss Picasa logischerweise menschliche Gesichter eben als menschliche Gesichter erkennen können.

Mit der Version 3.6 hat Picasa eine weitergehende automatische Gesichtserkennung implantiert bekommen, die erheblich mehr kann – nämlich das Erkennen von Gesichtern und das Gruppieren von offensichtlich gleichen Gesichtern in virtuelle Alben, die dann benannt werden können.

Wie funktioniert das?

Zunächst rattert Picasa, wenn man die automatische Gesichtserkennung starten möchte, los und braucht durchaus eine Weile: Bei 3.000 Fotos nudelte Picasa auf meiner 2-GHz-Dualcore-Maschine geschlagene 90 Minuten, immerhin sieht man die ersten Ergebnisse jedoch schon nach den ersten Bildern.

Diese Ergebnisse sehen zunächst recht unspektakulär aus (die Gesichter habe ich, bis auf meines, unkenntlich gemacht). Picasa zeigt in Vorschaubildern die Gesichter an, die es in Fotos erkennen konnte:

Unter den einzelnen Bildern gibt es jeweils eine Textbox, in die der Name des Menschen eingetragen werden kann, der auf dem Bild erscheint. Gibt es den Namen noch nicht, kann ein neuer Eintrag der Personenverwaltung von Picasa angelegt werden:

Und schon hier wartet eine erste Fußfalle, mit der man fotografierte Menschen schön durchsuchbar ins Internet setzen kann. Die kleine, versteckte Funktion auf der rechten Seite namens „Mit Kontakten und Webalben synchronisieren“ ermöglicht es nämlich einem so markierten Personeneintrag, dass dieser beim Hochladen von Bildern offensichtlich in das Picasa-Webalbum des Benutzers mitwandern darf. Hat man also schön ein Bild mit einem Gesicht und dieses Gesicht brav mit Vorname und Name versehen, wandert beim Hochladen des Bildes ins Webalbum auch gleich die Personeninformation mit, wenn dies in den Optionen nicht deaktiviert wird.

Doch es geht noch besser.

Ich hatte beispielsweise ein Gesicht auf drei Bildern erfolgreich identifiziert. Also stand in der Personenübersicht auch der Name mit einer nachfolgenden Zahl „3“. Nun war in der Sammlung der unbenannten Bilder das Gesicht nochmal vertreten. Offensichtlich hatte es Picasa nicht automatisch erkennen können. Ich fügte dieses Bild manuell dem Personenalbum zu, der Zähler stieg aber nicht auf vier, sondern auf sechs. Tatsächlich hatte ich also das Gesicht auf einem Bild identifiziert, Picasa hatte aber offensichtlich dieses unbekannte Gesicht wiederum auf zwei weiteren Bildern erkannt.

Picasa arbeitet nämlich schon während des Sammelprozesses daran, Gesichter zu gruppieren, die aber nicht alle auf der Seite der unbenannten Gesichter gezeigt werden. Anders gesagt: Wird ein Gesicht mit Namen versehen, gilt das nicht nur für dieses eine Bild, sondern möglicherweise auf einen Schlag auch für eine Reihe von weiteren Bildern, auf denen Picasa das gleiche Gesicht erkannt hat. Hat man also beispielsweise schon einen Hans Mustermann identifiziert und den Personenkontakt angelegt und erscheint auf der Seite mit den unbenannten Fotos noch ein Foto dieses Herrn Mustermannes, das Picasa nicht automatisch erkennen konnte, dann kann man dort dieses Bild benennen und zum Personenkontakt hinzufügen, sieht aber nicht sofort, dass da vielleicht noch mehrere Bilder folgen, die Picasa mit dem fraglichen Bild gruppiert hat.

Wo ist jetzt das Problem?

Das Problem ist mehrschichtig.

  1. Die Gesichtserkennung ist erschreckend gut. Auf einigen Bildern einer Sportveranstaltung, auf denen ich die Tribüne mit im Bild hatte, hat Picasa gleich dutzendweise Gesichter erkannt und zur Erkennung vorgeschlagen. Da die Bilderkennung offensichtlich immer besser wird, je mehr Gesichter pro Person vorhanden ist, identifiziert Picasa bekannte Gesichter immer schneller und zuverlässiger im Bildbestand. Bei Bildern, die dann später möglicherweise über Webalben veröffentlicht werden, kann man richtig viele Personeninformationen veröffentlichen.
  2. Durch die weit gehende Gesichtserkennung, die in der Ansicht zur Identifizierung von nicht erkannten Personen unter Umständen eine Reihe von Bildern nicht anzeigt, auf denen das identifizierte, aber zumindest schon mit erkannten Gesichtern, die auf weiteren Fotos zu sehen sind, kann ein Benutzer eine Person auf einen Schlag auf einer Vielzahl von Bildern identifizieren, ohne diese im einzelnen zu sehen.
  3. Ein unerfahrener Benutzer, der in Picasa automatisch Gesichter erkennen lässt, kann problemlos andere Menschen auf seinen Fotos identifizieren und diese so erstellten Metadaten in sein öffentlich zugängliches Webalbum hochladen, ohne dass er sich dem wirklich bewusst ist, weil die Voreinstellungen dies grundsätzlich erlauben. Dass die identifizierten Personen davon logischerweise nichts mitbekommen, muss man nicht weiter erwähnen.
  4. Hochgeladene Bilder mit Personeninformationen sind, wenn das Webalbum öffentlich ist, entsprechend in den Webalben suchbar.

Wie kann ich meine Picasa-Installation bändigen?

Das geht, je nach Stärke des Holzhammers, auf verschiedene Weisen:

  • Die automatische Gesichtserkennung lässt sich zentral in den Picasa-Optionen (im Menü „Tools„) ausschalten, nämlich auf der Registerkarte „Namens-Tags„. Ist die Funktion deaktiviert, können Bilder nur noch manuell mit Personeninformationen versehen werden, Picasa selbst tut das dann nicht mehr automatisch.
  • Wer auf die Bilderkennung nicht verzichten will, aber zumindest sicherstellen möchte, dass Personeninformationen nicht in Webalben in die Öffentlichkeit getragen werden, kann, ebenfalls in den Picasa-Optionen, auf der Registerkarte „Webalben“ den Haken bei „Namens-Tags: In Foto-Uploads einschließen“ den Haken herausnehmen.

Ein Sicherheitsproblem?

Eher nicht. Eher ein Privacy-Thema, das dank zu lascher Voreinstellungen schnell zu peinlichen Ergebnissen führen kann. Man könnte daran arbeiten.

Der Facebook-Hassartikel.

Zweifellos: Facebook hat einmal Spaß gemacht. Leute fanden sich ein, kommunizierten ungezwungen miteinander und Facebook ist nach wie vor ein Synonym für Social Networking schlechthin. Noch. Denn in der Zwischenzeit habe ich so meine Probleme mit Facebook und das obwohl ich Facebook halbwegs auch für „Publishing-Zwecke“ brauche und empfehle. Doch das ist immer mehr eher ein „leider müssen“ als ein „wirklich wollen“. Facebook geht bei mir den Bach herunter.

Mit inzwischen gutem Gewissen kann man sagen, dass die Idee, Applikationen externer Entwickler in Facebook einzubinden, ein völliger Schuss in den Ofen war und Facebook inzwischen eigentlich der beste Beweis dafür ist, wie man es als Social Network besser nicht machen sollte. Nur die wenigsten Nutzer wissen, wo eigentlich Facebook-Applikationen laufen, nämlich nicht auf der Facebook-Plattform, sondern auf der Plattform des Besitzers der Applikation. Die Applikation wird dann, wenn sie von Facebook akzeptiert wird, von Facebook aus eingebunden und darf über definierte Schnittstellen mit Facebook und letztendlich mit dem Benutzer interagieren. Was genau der Applikationsbesitzer mit den Schnittstellen und den daraus gewonnenen Daten macht, interessiert Facebook nur halbherzig viel, mit der Zusicherung, dass der Besitzer der Applikation keinen Schindluder mit den gewonnenen Daten macht, gibt man sich schon zufrieden.

Was Facebook allein quantitativ seinen Benutzern an Applikationsfluten zumutet, ist schon schwer zu ertragen. Schon bei mehreren Dutzend Freunden im Netzwerk wird man von morgens bis abends mit den dollsten Informationen zugeballert. Da schenkt mir jemand einen Elch, jemand anderes will meinen Geburtstag in seinen Kalender eintragen, ein anderer hat sein Horoskop gelesen und teilt es der Welt mit. Und so weiter. Zwar bietet Facebook es an, Meldungen von bestimmten Benutzern oder bestimmten Applikationen auszublenden, letzteres ist aber ein Kampf gegen die Hydra – schlägst du einen Kopf ab, wachsen drei nach.

In meinen Augen geht Facebook mit der Privatsphäre seiner Nutzer erschreckend um. Das ist schon lange nicht mehr eine gewisse Nachlässigkeit, sondern inzwischen ein gezielter Vorsatz, Benutzer dazu zu bringen, wissentlich oder gern auch unwissentlich ihre Privatsphäre aufzugeben. Aktuelles und leider bestes Beispiel sind die neuen Änderungen, die jeder Facebook-Benutzer vor einigen Tagen bestätigen musste. Grundsätzlich sind diese nun feiner granulierten Einstellungen ja gut, allerdings hat Facebook jegliches Goodwill damit verspielt, dass für eine neue Einstellung der Privatsphäre die denkbar ungünstigsten Voreinstellungen empfohlen wurde. Jeder, der diese Einstellungen nur kurz überflogen hat und diese Empfehlungen von Facebook gedankenlos übernommen hat, hat damit praktisch alle seine in Facebook hinterlegten Inhalte auch allen Facebook-Teilnehmern freigegeben. Dazu kommt, dass Mark Zuckerberg, der Chef von Facebook, eine haarsträubende Art und Weise an den Tag gelegt hat, dies zu rechtfertigen – er verharmlost nämlich. Final beispielsweise dadurch, dass er angeblich bedenkenlos sein Bilderalbum freigegeben hat (und erst später merkte, dass dies vielleicht nicht so gelungen war, da nach dieser publikumswirksamen Aktion einige offenbar kompromittierenden Fotos verschwanden).

Okay, werden Kritiker sagen, ist doch letztendlich alles ein Problem der Benutzer, sollen sie halt Facebook nicht mehr benutzen, wenn sie Angst um ihre Privatsphäre haben. Doch so einfach ist das nicht mehr in unserer digitalen Welt. Ich kann durchaus jemandem sagen, dass er beispielsweise bei der Eingabe einer PIN an der Supermarktkasse, wenn er dort mit seiner Maestro-Karte bezahlen will, aufpassen soll, dass ihm niemand über die Schulter schauen soll und das tut er dann vielleicht auch. Einem unbedarften Benutzer, der mit seinen Freunden kommunizieren will und nicht unbedingt Zeit und Muße hat, sich über alle Spitzfindigkeiten, die Facebook seinen Benutzern zumutet, Gedanken zu machen, ist das mitunter deutlich schwieriger zu erklären. Privatsphäre ist im Internet weit schwieriger zu schützen, wenn sich viele Menschen allein fühlen, nur weil sie allein vor dem Bildschirm sitzen. Und man muss leider sagen: Facebook nutzt dies schamlos aus.

(Mal wieder) Facebook-Privacy-Napping.

Wer sich heute in Facebook einloggt, wird freundlich aber bestimmt aufgefordert, die neuen Privacy-Features von Facebook zu begutachten und für seinen Account einzustellen. Und wer, wie es bei Facebook absolut nicht angeraten ist, einfach mal durchklickt und die Standardeinstellungen, die Facebook vorgibt, übernimmt, tut nicht wirklich gut, sondern veröffentlicht sein Profil für die gesamte Facebook-Außenwelt – nicht mehr nur seinen Freunden, wie das bei den meisten Facebook-Benutzern der Fall ist. Einfach mal so.

So nett und schwer verzichtbar Facebook auch ist: Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass Facebook Privacy-Neuerungen eigentlich nur noch deshalb unters Volk bringt, um die Nutzer durch unbedachtes Bestätigen dazu zu bringen, noch mehr von sich zu veröffentlichen und freizugeben. Diese Freifahrtscheine sind letztendlich für Facebook das Überlebenselixier, denn zielgruppenspezifische Werbung beginnt bei Facebook vor allem erst einmal damit, dass Facebook-Benutzer Dinge von sich preisgeben und mit diesem Wissen dann passgenaue Werbung verkauft werden kann.

Deshalb also Vorsicht beim heutigen Facebook-Besuch. Und wer sich nicht mehr so sicher ist, was er da eigentlich zusammengeklickt hat, dem ist unbedingt ein Besuch in den Privatsphäre-Einstellungen (findet sich oben in Facebook unter “Einstellungen”) angeraten.

Google AdSense mit enthülltem Ariadnefaden.

Der Ariadnefaden, den der gemeine Websurfer so durch sein Online-Leben zieht, wird nun – naja, nicht wirklich mehr größer, sondern eher deutlicher. Und offenbar muss Google nun mit deutlich mehr Mühe seine Schäfchen im Trockenen behalten. So von wegen „don’t be evil“.

Fakt ist, dass AdSense-Nutzer heute Elektropost bekommen haben, in denen folgendes lapidar befohlen wird:

„Aufgrund dieser Einführung ist es erforderlich, dass Sie die Datenschutzbestimmungen Ihrer Website überprüfen und gegebenenfalls ändern.“

Worum geht es? Um Ausnutzung der Business Intelligence, die Google mit AdSense dadurch ermittelt, in dem auf praktisch jedem halbwegs lesbaren HTML-Furz im Web ein AdSense-Banner hängt. Diese im ganzen Web verlegten Tretminen zeichnen nämlich durch ihre benutzereindeutige Verankerung mit, wo ein Benutzer im Laufe seines Online-Tages alles hinsurft. Und genau diese gesammelten Informationen will Google nun auch dazu nutzen, den Inhalt für AdSense-Banner auf den folgenden, zu besuchenden Seiten zu spezifizieren.

Beispiel: Ein Benutzer war auf zehn Websites mit Autozubehör. Wenn es auf diesen Websites AdSense-Werbebanner gab, wird AdSense höchstwahrscheinlich autospezifische Werbeinhalte präsentiert haben. Geht nun der Benutzer nach dem Besuch dieser zehn Websites auf eine Website mit Kochrezepten, will Google nun nicht einfach dort kontextsensitive Banner zum Thema Kochrezepte anzeigen dürfen, sondern vielleicht weiter autospezifische.

Technisch ausgeführt wird das wie üblich mit Cookies, die im Browser des Benutzers gesetzt werden wollen und eine eindeutige Benutzeridentifikation darstellen. Interessanterweise macht Google das nun aber nicht mehr allein, sondern mit einem altbekannten Partner im Werbe-Profiling, nämlich mit DoubleClick. Von dort wird nämlich nun auch ein Cookie gesetzt bzw. abgefragt, wenn ein AdSense-Banner geladen wird. Und mit DoubleClick haben da nun zwei der größten (wenn nicht gar die beiden größten) Bannerverchecker eine gar wundervolle Zusammenarbeit zur Fast-Perfektion gebracht.

Also, lieber Websurfer, bitte nicht wundern, wenn deine Frau/Freundin sich bei dir beschwert, dass nach dem Start des Webbrowsers eindeutige Inhalte in AdSense-Bannern erscheint: Möglicherweise ist nicht Google daran schuld, sondern du selbst, der vorher auf Ferkel-Websites gegangen bist.

Staatlich filtern soll der Nutzer.

Eine zugegeben richtig originelle Idee hat der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann jetzt auf den Tisch gebracht. Nicht der Internet Service Provider soll seiner Meinung nach Kinderpornografie filtern, sondern der Internet-Nutzer. Ja, der Nutzer. Und damit er das dann auch wirklich macht, soll der Internet Service Provider das vertraglich festlegen und auch kontrollieren.

Das ist sowas von hanebüchen, so eine bescheuerte Idee muss man nicht mehr kommentieren, sie kommentiert sich selbst.

Die scharrenden Hufe in Sachen Online-Sperren.

Na also, hat ja gar nicht lange gedauert. Schon steht das hessischen Innenministerium in den Startlöchern, lässt offenbar Vertreter von fünf Internet Service Provider zum Hinterzimmergespräch kommen und schlägt den Vertretern doch tatsächlich vor, dass diese freiwillig (!) illegale Glückspielewebsites im Internet sperren sollen. Als ideele Basis diene die dieses Jahr in Kraft getretene Verschärfung des Glücksspiel-Staatsvertrages, der alle nicht lizenzierten Glücksspiele, die öffentlich zugänglich sind, verbietet.

Das ist schon mal aus zweierlei Sicht eine haarsträubende Geschichte, neben der nach wie vor völlig unklaren, technischen Basis zum sinnvollen Filtern:

  1. Was für ein Quatsch ist es eigentlich, eine von vorneherein weitgehend hoffnungslose Aktion zu starten, Glücksspielangebote aus dem Internet zu filtern? Was kommt als nächstes? Rechte Inhalte, politisch „inkorrekte“?
  2. Das Filtern von illegalen Glücksspielangeboten dient nur auf den ersten Blick dem Schutze des Konsumenten, denn wollen wir mal nicht uneigennützig sein: Die Gesellschaft verdient an der Spielsucht Vieler, die Lotto spielen, sich in öffentliche Casinos setzen oder auf Pferde wetten, nicht schlecht und natürlich kommt es da natürlich gar nicht so übel, wenn sich das Land Hessen auf diese Weise bequem das Glücksspielmonopol absichern lassen kann.

Und danach, würde das alles tatsächlich mal wahr werden, wovon uns der Herr bewahren möge, kommen sicherlich die Nächsten. Websites, die mit Zigaretten oder Alkohol zu tun haben? Weg! Pornografische Inhalte, die naturgemäß ja auch Jugendlichen zugänglich sein könnten? Weg! Und so weiter.

Die Büchse der Padora ist tief, wenn sie einmal aufgemacht wird. Ob nach der Öffnung dieser Büchse die Demokratie noch diesselbe ist, wie vorher, darf bezweifelt werden.

Nebelkerzen aus dem Familienministerium.

Hach ja, Familienministerin Ursula von der Leyen und ihr Aktionismus … nun wird es also mit der staatlich angeordneten Internet-Filterei Ernst, wenn nicht noch der SPD-Teil der Regierungsfraktion Zivilcourage – ja, Zivilcourage – zeigt und sich von den Leyenschen Nebelkerzen nicht blenden lässt, die sie sich von Schlapphüten aus anderen Ländern hat aufschwatzen lassen.

Staatlich angeordnetes Filtern im Sinne von Scheuklappen fürs Volk, um damit einen Schaukampf gegen Kinderpornografie zu führen, ist nicht nur dumm, sondern ein handfester Angriff auf die Informationsfreiheit. Der darüberhinaus zu kaum etwas führt, da Filtern auf Applikations-, Transport- oder Internetschicht nichts, aber auch gar nichts nützt, wenn man nicht gerade auf die nächste, idiotische Idee kommt, VPN-Tunneling oder die Nutzung von Proxy-Servern außerhalb der Filterzone zu verbieten.

Und so einfach ist es: Will man eine Website erreichen, die in Deutschland dann gesperrt ist, sucht man sich einen Hosting-Provider irgendwo im Ausland, miete sich dort einen handelsüblichen Root-Server, installiere dort einen VPN-Dämon, baue dorthin von hier aus ein VPN auf und schon ist man in der Freiheit.

Und ich würde darauf sogar das weitgehend vergammelte Paket T-Aktien setzen, das ich für meinen Vater treuhänderisch vor dem Verschimmeln bewahre verwalte, dass genau dieses völlig legale und kaum verbietbare Umgehen der „Großen Mauer“ dann der Wachstumsmarkt der Zukunft wird.

Wohlgemerkt: Wenn es Frau von der Leyen schafft, das Ding durch die Regierungskoalition, durch das Parlament und durch den Bundesrat getrommelt zu bekommen, bevor der Wahlkampf beginnt. Und meine Vermutung ist eher die, dass genau dieser Umstand das Kalkül hinter der Geschichte ist: Das Thema anfressen, hochbauschen, einen Koalitionskrach anzetteln und das Ding ins Wahlkampfgetöse hineinnehmen.

Ursula von der Leyens Profilierungsversuch.

Die Forderung von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen im Hamburger Abendblatt, dass man Internet Service Provider in die Pflicht nehmen müsse, konsequenter gegen Kinderpornografie vorzugehen und sie dazu zu zwingen, entsprechende gehostete Inhalte dieser Kategorie aus dem Internet zu entfernen, ist eigentlich ein Schlag gegen die Providerwelt und eine Frechheit.

Ich bin mal so frei und behaupte, dass kein zivilisierter Internet Service Provider in Deutschland freiwillig kinderpornografische Inhalte hostet oder nicht auf entsprechende Hinweise sofort reagieren würde. Dazu ist er aufgrund der Mitstörerhaftung grundsätzlich sowieso verpflichtet, aber ich kenne wirklich keinen Kollegen, der nicht selbst sofort so einem Treiben Einhalt gebieten würde und mit Behörden entsprechend kooperieren würde.

Was Frau von der Leyen hier austrägt, ist eine andere Schweinerei, die ganz auf der Linie von Wolfgang Schäuble sein dürfte. Sie bietet nämlich an:

„Wir sind bereit, auf Staatskosten das Computerprogramm zur Sperrung solcher Websites zu entwickeln. Jeder, der mitmacht, rettet Kinderleben.“

Ahja. Also ein Staatsfilterprogramm zum Installieren auf Webserver. Und das hübsch so verpackt, dass angeblich die Selbstverpflichtung „nichts bewegt“ habe und mit dieser Formulierung kein Internet Service Provider ein Contra liefern kann, ohne sich der Gegenfrage auszusetzen, ob man denn mit so einem Nein etwa Kinderpornografie nicht bekämpfen wolle.

Vielen Dank, Frau von der Leyen, für diesen Beitrag zur Verunsachlichung des Problems mit Kinderpornografie im Internet. Wir Internet Service Provider haben verstanden. Wir sind übrigens auch Wähler und sind durch jahrelange Versuche Ihres Ministerkollegen Wolfgang Schäuble entsprechend geschult, zu erkennen, was für eine stinkende Luft das ist, wenn der Wind so weht, wie er gerade weht.

[Update: Sorry… „Hamburger Abendblatt“. Ich wusste nicht, dass man so einen inhaltlichen Fehler in Hamburg sooo genau nimmt.]

Großbritannien auf dem Wege zum Überwachungsstaat.

Es ist schon mehr als atemberaubend, was die britische Labour-Regierung da vorhat. Telekommunikationsanbieter sollen verpflichtet werden, eine Blackbox zu installieren, die nichts weniger tut, als den gesamten Datenverkehr zu scannen und Inhalte bestimmter Dienste auch gleich mal auf Vorrat aufzuzeichnen. Darunter sollen E-Mails und SMS fallen, aber auch Adressen aufgerufener Websites und die Verkehrsdaten geführter Telefongespräche. Sprich: Nichts soll unbeobachtet bleiben und auf unbestimmte Zeit nachvollziehbar gespeichert werden.

Das ist nicht wirklich neu – die Pläne hierzu sind schon mehrere Jahre alt – dafür aber nicht weniger erschreckend, weil es schlicht der worst case für eine an sich freie Gesellschaft. Nichts mehr an Telekommunikation soll unbeobachtet bleiben und vor allem soll jedem Teilnehmer klar sein, dass er letztendlich ständig unter Kontrolle ist. Man kann als Außenstehender nichts anderes sagen – das sind chinesische Verhältnisse par excellence.

Dass das auch noch von einer Partei angestoßen wird, die ja eigentlich nicht konservativ ist und das alles auch noch in einem Land mit lausigem Verhältnis zum Datenschutz geschieht, in dem allenhalber ein Geheimnisträger hier und da Aktenordner, CDs und USB-Sticks mit hochsensiblen Daten verliert, ist da nur noch eine bedauerliche Randnotiz.

Viel schlimmer ist, dass es so recht niemanden stören mag. Der klassische Brite befindet sich im Vorraum des Überwachungsstaates und keinen juckt es. Und genau auf diesen Punkt dürften vermutlich eine Menge Innenminister und Schlapphüte, die das aus anderen Ländern heraus interessiert betrachten, höchst interessant finden.

Man muss sich letztendlich auch sehr genau als ISP überlegen, ob man es zukünftig noch vertreten kann, über Provider in Großbritannien zu peeren. In London sitzt einer der größten Peeringpoints, das LINX und traditionell wird ein Großteil des transatlantischen Datenverkehrs über britische Provider abgewickelt. Davor wird man wohl zukünftig ausdrücklich warnen müssen.

Vielleicht sollte man sicherheitshalber auch den Eurotunnel zubetonieren.

Nur zu Ihrer Sicherheit!

Na hübsch! Die Australier bekommen einen staatlich vorgesetzten „Cyber-Safety“-Filter vor ihre Internet-Zugänge geschnallt, mit dem Eltern, die ihre Kinder medial nicht erziehen können, zumindest den Computer so einstellen können, dass er Pfui-Content ausfiltert, allerdings lässt sich dieser Filter grundsätzlich nicht ausschalten und filtert auf jeden Fall illegale Inhalte, die in einer staatlich kontrollierten Blacklist geführt wird.

Ursprünglich verkauft wurde das mal an den gemeinen Bürger als System, bei dem ein Opt-Out möglich sei, aber der zuständige „Minister für Breitband, Kommunikation und digitale Wirtschaft“ hat befunden, dass sich die Filtertechnik seit den letzten Tests im Jahre 2005 verbessert habe.

So einfach ist das. Ist doch alles nur zum Schutze der Bevölkerung. Niemand kommt zu Schaden, alles bleibt sicher! Man muss als politische Kaste einfach nur dreist genug bleiben, dann klappt das.