Post vom Pentagon.

Als jemand, der schon sehr lange seine E-Mail-Adresse besitzt – nun immerhin 15 Jahre – habe ich schon immer mit viel Spam zu kämpfen gehabt. In der Zwischenzeit übernimmt das der Mailfilter meines Providers und das macht er erstaunlich gut und zuverlässig, obwohl ich mitunter auch recht exotischen Spam bekomme, beispielsweise seit Jahren aus Brasilien.

Seit einigen Wochen habe ich auch wieder einmal den Hauptpreis in der Spam-Szene gewonnen: Ein Spammer verwendet für seinen Müll meine E-Mail-Adresse als Absender. Das machen diese hosenscheißenden Kastraten ja grundsätzlich immer, um nicht selbst von den Rückläufern und Unzustellbarkeitsnachrichten beworfen zu werden und genau diese Unzustellbarkeitsnachrichten sind das eigentliche Übel der E-Mail-Welt.

Eigentlich waren und sind Unzustellbarkeitsnachrichten gut, denn sie weisen den Absender darauf hin, dass er beispielsweise eine E-Mail-Adresse angegeben hat, die auf dem Zielserver beispielsweise nicht vorhanden sind. Das ist im Zeitalter der Freemailer zwar nicht mehr sonderlich informativ, weil es zehntausende von Herr Müller geben wird, die ähnlichlautende E-Mail-Adressen haben, aber immerhin. Man hat es ja einst gut gemeint.

Wer es immer wieder nicht gut meint, sind Administratoren von Mailservern, die nicht begriffen haben, dass man zwar gern Unzustellbarkeitsnachrichten versenden darf, aber bitteschön keinesfalls und niemals auf offensichtlichen und höchstwahrscheinlich auch erkannten Spam. Denn die Absenderangaben bei Spam stimmen meist eh nicht und wenn dem angegebenen Absender dann tausendfach Unzustellbarkeitsnachrichten aus aller Welt erreichen, dann nervt das.

Das haben in der Zwischenzeit auch überwältigend viele Administratoren begriffen. Allerdings noch nicht alle. Dazu gehören offensichtlich auch die Administratoren des Pentagon, dem US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. Von deren Mailserver habe ich nämlich heute eine Unzustellbarkeitsnachricht erhalten:

Das wirklich spannende an dieser Unzustellbarkeitsnachricht ist, dass nicht nur die Mailadministratoren für den obigen Konfigurationsfehler getrost als Vollidioten bezeichnet werden dürfen, sondern auch der Empfänger der Spam-Nachricht. Denn dieser hat die Spam nicht auf seine dienstliche Adresse bekommen, sondern auf seine Hotmail-Mailadresse namens „hot4umarriedlatino@hotmail.com“.

So, und wie kommt nun der Pentagon-Mailserver ins Spiel? Offensichtlich dadurch, dass der durchgeknallte Mitarbeiter so furchtbar intelligent ist, seine Hotmail-Post auf seine dienstliche Mailadresse weiterzuleiten, die wiederum aus welchen Gründen auch immer die Spam-Nachricht nicht annehmen mag und das natürlich dann dem Absender der Spam-Nachricht mitteilen muss. Also mir.

„Kostenpflichtige E-Mail“ reloaded.

Bei der Deutschen Post wird es vor einiger Zeit vermutlich folgendes Gespräch gegeben haben:

Schlipsträger A: “Mensch, irgendwie müssten wir mit diesem Internet doch Geld verdienen, oder? Immer weniger Leute schicken sich noch echte Briefe, alle mailen nur noch.”

Schlipsträger B: “Dann verlangen wir doch einfach Geld für E-Mails.”

Schlipsträger A: “Super Idee, machen wir!”

Herausgekommen ist daraus bei der Deutschen Post AG ein Produkt, was der Klassiker in Sachen Produkte-Totgeburt sein dürfte: Die kostenpflichtige E-Mail namens “E-Postbrief”, die übrigens nichts mit einer anderen, staatlich geförderten Totgeburt namens “De-Mail” zu tun hat.

“E-Post”? War da nicht schon mal etwas? Ja, genau, “E-Post”! Beziehungsweise “ePost”, wie man das eingetragene Warenzeichen der Deutschen Post AG im Jahre 2000 schon mal für ein Produkt einsetzte. Einer “lebenslangen E-Mail-Adresse”, die jeder Bürger kostenlos bei der Deutschen Post AG beantragen konnte und deren Besitzer per Postident-Verfahren einmalig identifiziert wurde. Idee war, dass so jeder Besitzer einer ePost-Adresse besonders vertrauenswürdig erscheinen würde, da er ja im Gegensatz zur damaligen Freemailer-Konkurrenz eindeutig identifiziert war. Der Versand eines elektronischen Briefs war damals kostenlos und als besonderen Service gab es die Möglichkeit, ePost-E-Mails ausdrucken und per Normalpost versenden zu lassen, für 2 Deutsche Mark für die erste Seite und weiteren 50 Pfennig pro Zusatzseite.

Die Garantie auf eine “lebenslange E-Mail-Adresse” endete fünf Jahre später, als die Deutsche Post das Experiment mehr oder weniger sang- und klanglos wieder beerdigte. Weder waren die Konkurrenten namens GMX, Web.de, Yahoo oder AOL erfolgreich erledigt, Internet Service Provider gab es offensichtlich immer noch und zudem trat im Jahr 2004 Google mit einem eigenen Maildienst in den Ring. Vertrauenswürdigkeit hin oder her – offensichtlich interessierte sich niemand wirklich dafür, ob die E-Mail-Adresse eines Absenders besonders identifiziert war oder nicht und zu echten Briefeschreibern konnte die Deutsche Post ihre Kunden auch nicht erziehen.

Und nun, tataa, ist “ePost” als “E-Postbrief” wieder da. Auch jetzt ist die Anmeldung inklusive Postident-Verfahren wieder kostenlos, allerdings kostet nun der Versand Geld. “Sie zahlen nur das, was Sie auch nutzen”, so die Deutsche Post und verlangt beispielsweise für den Versand eines “E-Postbriefs 55 Cent. Wohlgemerkt: Für den elektronischen Versand, der darüber hinaus nicht größer als 20 Megabyte pro E-Mail sein darf. Und wenn der Absender eine Bestätigung für den Empfang haben möchte, werden zusätzlich 1,60 Euro fällig.

Die Deutsche Post möchte also tatsächlich nur 55 Cent für eine E-Mail haben, die bei allen Freemailern und Internet Service Providern dieses Planeten ansonsten kostenlos gesendet werden kann. Wenn schon die Briefträger verhungern müssen, sollen die Schweine, die das Internet für kostenlose Kommunikation mißbrauchen, wenigstens deren Obdachlosenhäuser bezahlen. Oder irgendwie so. Oder vielleicht auch einfach nur aus nostalgischen Gründen?

Aber hey, Deutsche Post AG, ich halte das alles für ein klasse Businessmodell! Jetzt klappt’s bestimmt, ich weiß es genau! Alles wird gut!

High-Tech namens Telefax.

E-Mail-Spam ist etwas, was immer schon da war. So nützlich wie Hämorrhoiden, aber andererseits ein Gradmesser dafür, ob der E-Mail-Server überhaupt noch tut oder ob man wichtig ist. Bei dem vielen Müll aus allen Teilen der Erde ist mir das inzwischen auch herzlich egal, denn Thunderbird macht aus der Mülldeponie meines Postfaches wieder ein lesbares E-Mail-Postfach.

Wo mich Spam dann doch interessiert, ist, wenn es deutsche Spam ist, möglicherweise auch noch abgesendet von einem deutschen ISP. Hier ist es nämlich so, dass deutsche ISP auf Hinweise zu Spam-Versand reagieren muss, wenn er sich nicht selbst haftbar machen möchte. Das gilt für mich als Sysadmin bei einem ISP ebenso, wie es für Wettbewerber ebenso zu gelten hat. Auch für Strato. Von einem Server, der bei Strato gehostet wird, bekomme ich in der Zwischenzeit seit vielen Monaten regelmäßig Spam, auf den reagiert werden muss.

Wenn ich mit Providern per Fax kommunizieren muss, kenne ich nichts, außer die RIPE-Datenbank. Vermutlich ist das eine Berufskrankheit eines Systemadministrators, aber ein echter Sysadmin glaubt niemandem etwas, außer wenn es in der RIPE-Datenbank steht. Steht es da nicht, gibt es das auch nicht. Also die betreffende IP-Adresse in das whois eingegeben, als abfragenden whois-Server den RIPE-whois angegeben und als Ergebnis kommt der Eintrag mit den Daten der Verantwortlichen heraus, die für den entsprechenden Netzkreis, aus dem die IP-Adresse stammt, zuständig sind. Und wenn da der größte Sermon drinsteht – die Personen sind meine Ansprechpartner.

Als Abuse-Adresse gibt es eine eigene E-Mail-Adresse. Das ist auf den ersten Blick gut, auf den zweiten Blick aber einfach nur farblich anders hervorgehobene Buchstaben auf weißem Grund – generische Abuse-Adressen sind gern geduldig, weil deren Bearbeitung schmerzhaft ist. Schmerzhaft für die Firma, die einen Kunden verwarnen muss; schmerzhaft für den Mitarbeiter, der mit dem Key Account streiten muss; schmerzhaft für die Reputation, weil immer Leute über Spam, deren Absender und die hostenden Provider schimpfen. Das ist nun mal so.

Also gut, eine Mail an die Abuse-Adresse von Strato losgeschickt. Und siehe da, postwendend kam eine Antwort. Nicht etwa von einem Ticketautomaten, der stolz verkündet, dass man nun eine Nummer geworden ist und man sich offiziell nun um das Anliegen kümmert, nein, sondern eine Mail, die folgendermaßen betitelt ist:

Considered UNSOLICITED BULK EMAIL, apparently from you

Hach, das ist Professionalität auf höchster Ebene – ein Spam-Filter, der die Abuse-Adresse überwacht. Perfekte Sache, denn so bekommt man auch einfach keine Beschwerden mehr, denn jede bessere Beschwerde enthält ja auch den Grund der Beschwerde.

Okay, Strato, ihr wollt es also richtig. Gut, wenn man eine E-Mail-Adresse von Strato sucht, findet man – keine. Unter “Kontakt” nicht, in der FAQ auf der Website nicht, im Impressum nicht. Nur ein E-Mail-Formular, das vermutlich auf eine generische Adresse läuft und dessen Postfach vermutlich ebenso geduldig sein kann, wie die Abuse-Adresse.

Ich würde die RIPE-Datenbank jedoch nicht so mögen, wenn man darin nicht einfach alles finden würde, beispielsweise eine Fax-Nummer der Verantwortlichen des betreffenden IP-Adressnetzes. Dank des Zeitalters von Fritzboxen, die nebenbei faxen können, einbindbaren Fax-Druckertreibern und Deutschland-Flatrates ist ein Fax letztendlich nichts anderes wie eine E-Mail, die dann eben nicht per IP übertragen wird, sondern klassisch über Kabel, Leitungen und Vermittlungsstellen. Dampfmaschinen und ratternde Zahnräder gibt es zwar auch dort nicht mehr, aber man kann sie sich einfach noch vorstellen und man liegt zumindest nicht ganz daneben, denn immerhin ist die für mich zuständige Vermittlungsstelle der Deutschen Telekom erst 1996 auf digitalen Betrieb umgestellt worden.

Und dafür hat man auch richtig viel Zeit, denn die Beschwerde und die 16 Spam-Nachrichten passen auf 20 Word-Seiten, die man bei einer Baud-Rate von 14.400 in immerhin 13 Minuten und 26 Sekunden zwischen Pforzheim und Berlin übertragen bekommt! Hey, ich habe vor so einer technischen Leistung vor 25 Jahren schon staunen können und tue es jetzt amüsanterweise schon wieder, weil es so schön gruselig-schön den Rücken herunterläuft, wenn man sich vorstellt, wie da leitungsorientiert genau 820 Kilobyte durch die Republik geschaufelt werden!

Vermutlich wird dieses Fax – im Gegensatz zu den vielen per E-Mail gesendeten Spam-Hinweisen – nun eher sitzen, als eben E-Mails und das ist eigentlich schade. Aber Faxe werden quasi überall von Sekretärinnen bearbeitet, die von Technik keine Ahnung haben, deshalb das Dokument ausdrucken, in einen Hausbriefumschlag packen und mit der Bitte um Vollzug sehr direkt an den zuständigen Mitarbeiter schicken, der das dann zu bearbeiten und abzuzeichnen hat. Wir müssen tatsächlich wieder mehr faxen oder gar Briefe schreiben, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Die Weihnachtsbombe.

Während der Weihnachtsmann mit seinem Rentiergespann loslegt und GPS-gesteuert die Kinder dieser Welt besucht, kämpfen die etwas älteren Menschen, die nicht mehr oder eher schon wieder an den Weihnachtsmann glauben, mit den wirklich unerklärlichen Phänomenen, die das Internet hergibt: Den Weihnachtsbomben. Vornehmlich in den E-Mail-Postfächern.

Verstehen wir uns mal nicht falsch: Ich habe rein gar nichts gegen Weihnachts- oder Neujahrsgrüße. Nette Geste, um mit Menschen, mit denen man im Laufe des Jahres irgendwelche Dinge erlebt hat, in Kontakt zu bleiben. Nur: Welcher Hintergedanken ist beabsichtigt, wenn Weihnachtsgrüße in Form von gigantischen Bitmap-Dateien im Postfach landen, mehrere Megabytes groß, auf keinem Bildschirm dieser Welt in voller Größe darstellbar? Meine Aversion gegenüber E-Mails mit großen Anhängen ist ja nun schon fast legendär und es gibt (leider) genügend Menschen, die meine Kritik an solchen Deformationen in der Hinsicht missverstanden haben, dass sie mir gar keine E-Mails mehr schicken.

Aber bitte, liebe Nutzer: Es gibt flickr. Es gibt Google Pictures. Es gibt YouTube. Es gibt Blogs. Packt doch eure Bilder und Videos dorthin, erfreut/erschreckt damit noch gleich ein paar Menschen mehr und schickt das doch alles nicht an mich! Ich bin, auch wenn es da gewisse Parallelen geben mag, nicht der Weihnachtsmann und muss mit solchen Weihnachtsbomben wirklich nicht beeindruckt werden.

Ganz im Gegenteil: Warnung! Ich petze das an den Weihnachtsmann und dann gibt es nichts!

Erwachsener Donnervogel – Thunderbird 3.

Wer mich kennt, weiß, dass mir E-Mail heilig ist. Das vor allem deshalb, weil im ständigen Fluss des Internets nur eine Sache wirklich einigermaßen für die Ewigkeit ist, nämlich die E-Mail. Was ich einmal empfangen oder geschrieben habe, ist auch tatsächlich empfangen beziehungsweise geschrieben. Deshalb gehöre ich auch zur Fraktion der Leute, die ihre E-Mails archivieren und zwar seit einer halben Ewigkeit. In meinem Falle seit 1997. Das ist zwar alles nicht wirklich immer lustig und teilweise im Nachhinein auch recht schmerzhaft zu lesen, aber es ist eine Art Vermächtnis und ein großes Stück meiner Online-Identität.

Das ist auch der zentrale Grund, weshalb ich Wert auf zwei Dinge lege: Einen echten E-Mail-Client auf meinem PC und ein Archivformat meiner E-Mails, das auch nach Jahren noch lesbar ist. Beide Zwecke erfüllte anfänglich der Netscape Communicator, danach Mozilla und nach der Trennung von Browser und E-Mail-Client eben Thunderbird. Thunderbird schreibt, ebenso wie früher der Mozilla oder der Netscape Communicator, archivierte E-Mails in unverschlüsselte und unkomprimierte Archivdateien, die aus purem Text bestehen. Das kann man zur Not noch mit einem einfachen Texteditor lesen.

Während Firefox im Laufe der Zeit einiges an Entwicklung durchgemacht hat, war die Entwicklung von Thunderbird eher konservativ. Es hat sich praktisch seit den Anfängen im Mozilla nichts geändert an der Benutzeroberfläche. Und das war auch gut so. Mit dem gestern veröffentlichten Thunderbird 3 zieht nun auch der E-Mail-Client mit der Versionsnummer nach, die Firefox schon seit einer längeren Zeit im Schilde führt.

Die Installation ist zunächst schmerzlos. Über die Update-Funktion von Thunderbird gibt es die Version 3 (noch) nicht, weshalb der Installer noch “per Hand” heruntergeladen und installiert werden muss. Die Standardinstallation ist empfehlenswert und bestehende Profile werden anstandslos erkannt und eingebunden. Thunderbird lässt sich dann auch sofort starten und übernimmt auch weitgehend die meisten Konfigurationen, mit denen man sich das Leben mit Thunderbird 2 bequem gemacht hat. Gleich am Anfang startet der “Migrationsassistent”, der jedoch weitgehend belangloser Natur ist. Und gleich am Anfang beginnt auch eine Neuindizierung bestehender Mailarchive, die durchaus eine Weile dauern kann, glücklicherweise aber im Hintergrund läuft.

Es gibt ein paar Neuerungen und Änderungen, die jedoch teilweise gemischte Gefühle hervorrufen:

  • Thunderbird kommt jetzt mit Tabs daher, bietet also die Möglichkeit verschiedener Seiten in einer einheitlichen Oberfläche. So werden nun standardmäßig bei einem Doppelklick auf eine Nachricht diese nicht mehr in einem eigenen Fenster geöffnet, sondern in einem neuen Tab. Zudem gibt es die Möglichkeit, anhand von Add-Ons weitere Inhalte in eigene Tabs zu bringen, beispielsweise einen Kalender auf Basis von Google Calendar. Woran die Programmierer nicht gedacht haben: Einen Schalter, um die Tab-Leiste auszublenden, wenn nur eine Tab offen ist. Das muss man wieder einmal direkt in der Thunderbird-Konfiguration mit dem Parameter "mail.tabs.autoHide" machen, der auf "true" zu stellen ist.
  • Ebenfalls umgebaut wurde die Ordneransicht links, hier gibt es nun verschiedene Anzeigenoptionen. Während "Alle Ordner" die bisherige Ansicht beinhaltet, also die hierarchische Ansicht aller Ordner und Konten, gibt es nun zusätzlich die Ansichten "Ungelesene Ordner" (zeigt nur Ordner mit ungelesenen Inhalten an), "Favoriten-Ordner" (zeigt nur Ordner an, die als Favoriten gekennzeichnet sind), "Letzte Ordner" (Ordner, die als letztes angeschaut wurden) und "Gruppierte Ordner" (keine Ahnung, wie sie das zusammenstellt). Schön und gut – wer’s braucht. Was ich allerdings brauche und was mit Thunderbird erstaunlicherweise weggelassen wurde, ist ein Summary der Ordnerinhalte. In Thunderbird 2 kann man angeben, dass man die Anzahl der Elemente in einem Ordner anzeigen lassen kann und genau das gibt es nun nicht mehr. Ein grobes Foul an der Übersichtlichkeit. Es gibt zwar ein Add-On namens "Extra Folder Columns", das ist aber noch nicht für die finale Version freigegeben, nicht internationalisiert und für meinen Geschmack unübersichtlich. Ich hoffe, dass diese Add-On-Meierei nicht auch in Thunderbird die neue Mode wird, ich war immer recht froh, dass Thunderbird weitgehend auch ohne Add-Ons brauchbar war. Der Add-On-Nervfaktor von Firefox reicht mir vollkommen.
  • Was wiederum brauchbar ist, ist die Anordnung von Buttons bei E-Mails im Nachrichtenbereich. Wenn man sich seine E-Mails nur dort anschaut (also nicht in einem neuen Fenster oder einem Tab), waren die Buttons zum Antworten, Weiterleiten etc. unlogischerweise in der Symbolleiste ganz oben. Nun sind die Reaktionsbuttons direkt am Kopf einer E-Mail, wo es sinnvollerweise auch hingehören sollte. Dafür ist nun die zentrale Symbolleiste von Thunderbird deutlich aufgeräumter und es hat Platz für eine neue…
  • Suchbox! Endlich ist es möglich, in Thunderbird einfach zu suchen. Bisher war die Suche recht umständlich zu finden, nämlich im Menü “Nachrichten” und dort dann auch nur über eine reichlich komplexe Suchfunktion, die auch noch nicht mal besonders flink war. Nun gibt es eine einheitliche Suchbox, die automatisch wirklich in allen Ordnern sucht und auch noch flink ist. Stichwort eingegeben, sofort gibt es Empfehlungen und mit Eingabe der Return-Taste öffnet sich eine neue Tab, in der die Suchergebnisse aufgelistet sind. In einer Übersichtlichkeit, die man am ehesten von Google Mail gewohnt ist. Das dies so funktioniert, geht natürlich etwas auf Kosten der Performance, da alle neuen Nachrichten und Nachrichteneingänge in Ordnern neu indiziert werden müssen, denn nur mit so einem brandaktuell gehaltenen Index funktioniert das so auch.

Was noch? Wenig, eher Details, die man beiläufig zur Kenntnis nimmt. Beispielsweise neue Icons. Sind ganz hübsch und vermutlich wurde dafür wieder wochenlang ein Wettbewerb ausgeschrieben – mir soll es recht sein, die alten Symbole haben mich nicht gestört. Ansonsten ist Thunderbird eben eher konservative Software, wer jetzt erwartet, dass mit Version 3 nun der komplett neue Hype kommt, kennt die typischen Thunderbird-Anwender nicht.

Lohnt sich der Wechsel? Nun, es muss. Früher oder später wird Thunderbird 2 nicht mehr gepflegt und spätestens dann muss gewechselt werden. Also kann man sich auch jetzt schon mal die Finger schmutzig machen.

Joe Job vom Feinsten.

Dass man in Russland Dinge auch gelegentlich einmal anders, auf eher unkonventionelle Weise regelt, gehört inzwischen fest verwurzelt zum Empfinden über russische Verhältnisse. Und so verwundert auch folgende Spam eher nicht, die in letzter Zeit häufiger aufschlägt und eine Homepage bewirbt, auf der es folgende Dinge zu shoppen geben soll:

“Drugs (cocaine, heroin), missile (made in Russia), C4 explosive, children`s organs, and much more! Best child porno on the net
See Free Porno Pictures, Free Porn Videos, Hot Porno Movies in Daily Updated Porn Galleries. … Hot Virtual Sex Game! Get a realistic pussy today”

Nun ist man in Sachen Spam ja wirklich fast alles gewohnt, dieses Angebot ist dann aber selbst für Menschen, die auf einem LSD-Trip schweben und betrunken sind, unfassbar und natürlich völliger Nippes. Es handelt sich um einen “Joe Job”, also um eine Nachricht, die in erster Linie dazu dienen soll, jemanden Unschuldigen zu diskreditieren. Und das sind bei diesen Joe Jobs, die allesamt jedes Mal eine neue Website zu “bewerben” versuchen, Websites, die mehr oder weniger sinnvolle Nachrichten enthalten, teilweise regimekritisch sind und möglicherweise für den ein oder anderen unangenehm.

Man muss im Internet nur lange und unnachgiebig genug Dinge behaupten, die jeglicher Grundlage entbehren mögen, irgendwann glaubt es dann doch jeder oder es lassen sich vorher die Verantwortlichen an den Pranger stellen und so genannte Untersuchungen einleiten, bei denen man natürlich auch etwas findet.

“Diese Nachricht ist nur für Sie bestimmt …”

“… gehen Sie über Los, ziehen Sie 4.000 Euro ein und scheren Sie sich dann zum Teufel.” Oder so.

Ich mag Disclaimer-Texte in E-Mails. Die rechtliche Verbindlichkeit ist von Hause aus mehr als dürftig, was jedoch immer weniger Geschäftsleute daran hindert, sich teilweise den größten Quatsch automatisch an ihre E-Mails da hinzuhängen, wo man sich normalerweise mit einer Signatur begnügt.

Noch viel lustiger wird das alles, wenn sich Geschäftsleute (und solche, die sich dafür halten) solche Disclaimer-Texte irgendwo aus dem Internet oder aus so genannten Fachzeitschriften zusammenklauben, dann auch noch mit eigenem juristischen Halbwissen garnieren und das Ergebnis sich dann von Satz zu Satz widerspricht:

“Die in dieser Nachricht enthaltene Auskunft ist vertraulich und kann dem Berufsgeheimnis unterliegen. Sie ist ausschließlich für den Adressaten bestimmt. Jeglicher Zugriff auf diese e-mail durch andere Personen als den Adressaten, ist untersagt. Sollten Sie nicht der für diese e-mail bestimmte Adressat sein, ist Ihnen jede Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe untersagt. Sollten Sie diese e-mail versehentlich erhalten haben, informieren Sie uns bitte umgehend.”

Aha: Die E-Mail ist also vertraulich. Nur der Empfänger darf die Mail also anschauen, aber wenn man im nächsten Satz impliziert, dass der Empfänger der richtige ist, ist ihm die Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe dann gestattet. Ich verstehe, alles klar, keine weiteren Rückfragen.

Schlau ist dabei, dass dem deutschen Text auch noch ein englischsprachiger folgte, der viel kürzer ist und den ersten Satz nicht enthielt. Da hat also wohl der Absender etwas an seinem Disclaimer herumgebastelt und mangels Englischkenntnisse (oder war es Faulheit?) nur am deutschen Text herumgebastelt. Herr… deine Kinder.

Warum nicht einfach das sagen, was man eigentlich sagen muss? Der folgende Entwurf von mir ist praxisnäher:

Dieser Disclaimer ist eigentlich völliger Nonsens und nicht die Bytes wert, die er dieser E-Mail zusätzlich anhängt. Denn eigentlich müsste er, wenn er denn verbindlich sein sollte, vor dem eigentlichen Nachrichtentext erscheinen und die technische Möglichkeit anbieten, ihm zuzustimmen, bevor der Inhalt der Nachricht sichtbar wird. Für den Versand von verbindlichen Einschreiben war E-Mail jedoch nie geplant – ganz im Gegenteil: Der Absender weiß, dass eine E-Mail ohne zusätzliche Verschlüsselung blank wie ein abisolierter Draht ist und dass er nicht kontrollieren kann, ob der Empfänger die E-Mail nur liest oder gleich in den Druck für die nächste Ausgabe der örtlichen Tageszeitung gibt. Aus diesem Grund steht in dieser Mail nur so viel drin, wie Sie wissen sollen. Mehr nicht. Falls Sie diese E-Mail versehentlich erhalten haben, drucken Sie diese bitte aus, bauen damit einen Papierflieger, klopfen sich dann auf die Schulter und gehen danach einen Kaffee holen.

Die Wiederauferstehung von ePost.

Wie man sich aus lauter Eifer, der Beste zu sein, nebenbei lächerlich macht, macht uns aktuell die Deutsche Post AG vor. Denn die Deutsche Post AG ist aus dem Konsortium um das Projekt „De-Mail„, mit dem jedem Bürger eine Plattform zum sicheren Kommunizieren mit dem Staat angeboten werden soll, im März mit viel Getöse ausgestiegen und kündigt nun selbst eine entsprechende Plattform an.

Und damit fängt die Deutsche Post AG plötzlich da wieder an zu graben, wo sie vor Jahren mit dem „ePost“-Projekt Schiffbruch erlitten hat, denn schon mit genau diesem Projekt hat man damals, Ende der 1990er Jahre, großspurig ein „Postfach auf Lebenszeit“ angekündigt, dass noch nicht mal zehn Jahre hielt und am Ende auch noch ziemlich rüde verkauft und kurz darauf eingestampft wurde. Da macht es natürlich phantastisch kompetenten Eindruck, wenn die Deutsche Post AG im Alleingang nun plötzlich wieder die ePost-Leiche aus dem Keller holt.

Sehr spannend ist übrigens, mit welcher Intention die Deutsche Post AG an elektronisch sicherer E-Mail arbeitet. Man erwartet einen Rückgang des Briefverkehres durch Etablierung von elektronischen Kommunikationsformen und möchte das kompensieren. Ob die vermutlich sehr gut bezahlten Analysten schon begriffen haben, dass die meiste Kommunikation, die gesichert im Internet durchgeführt werden muss, bereits über das Web abgewickelt wird, beispielsweise das Online-Banking? Auch das De-Mail-Projekt lebt unter anderem mit der Intention, dass der Bürger damit dann sicher mit staatlichen Institutionen kommunizieren kann. Nur: Wer kommuniziert regelmäßig mit dem Staat und dann gar per E-Mail, die zukünftig dann mit De-Mail oder Konkurrenzprojekten zu verschlüsseln wäre?

[via Golem.de]

Mailing-Listen-Missmanagement.

Wenn ich etwas wirklich nicht ausstehen kann, sind es amoklaufende Mailing-Listen oder deren Betreiber. So ein Kandidat ist ausgerechnet die Foundation for a Free Infrastructure (FFII e.V.) in München, die sich dafür einsetzt, Handelsbarrieren in der Internet-Infrastruktur abzubauen und einen freien Datenaustausch zu ermöglichen. Einer der vielen FFII-Projekte ist eine Petition zum Stopp von Software-Patenten. Alles schön und hübsch und eine redliche Angelegenheit.

Schlägt doch heute ein Newsletter in meiner Mailbox auf, der letztendlich einen aktuellen Stand der diversen FFII-Projekte auflistet. Vielleicht nützlich, brauche ich jedoch nicht, weil ich mich andersweitig regelmäßig kundig mache. Anstatt dass dem Newsletter am Ende ein Unsubscribe-Link angefügt ist, gibt es das hier:

„If you do not want to receive infrequent updates from the FFII about crucial developments per email anymore, you can simply change your user/member status any time with your user-id besimk at https://aktiv.ffii.org“

Auf der angegebenen Seite kann man sich immerhin einmal einloggen und steht dann im Nirwana in Form von vier Auswahlpunkten:

  • Finalize your entry
  • Subscribe to FFII mailing lists and projects
  • Change password

Im ersten Punkt kann man sein Profil ergänzen (jedoch nicht löschen), im zweiten Punkt wird man auf eine Wiki-Seite gelotst, die eine gewaltige Übersicht von vielen verschiedenen Mailinglisten und Links auf deren Administrationsseiten enthält, die auch noch teilweise auf grundverschiedenen Servern mit grundverschiedener Bedienoberfläche laufen und der dritte Punkt ist der einzige, der sich immerhin selbst erklärt. Macht für mich einen leicht chaotisch anmutenden Eindruck, der mich nicht sonderlich motiviert, jetzt in der Auflistung nach der richtigen Mailingliste zu suchen, zumal im Newsletter überhaupt nicht steht, welche Liste das überhaupt ist, von der ich Post erhalte.

Ergo: Klassenziel krass verfehlt. Dass dies auch noch einer Organisation passiert, der man eigentlich an der Stelle Kompetenz zuschreiben würde, ist umso fataler.

Bericht vom Bayes-Filter.

Jetzt, nach einer Woche Bayes-Filter im Thunderbird als einzige Spam-Abwehrmaßnahme, kann ich sagen: Funktioniert prächtig, selbst inmitten der echten Spam-Brandung meines Hauptpostfaches. Ich habe sicherlich mit einer ganz neu angelegten Wortdatenbank begonnen und habe nun eine Filterrate von glatt 96 % bei einem Spam-Aufkommen von rund 120 Stück pro Tag. Anfänglich war das noch nicht sehr berauschend, in der Zwischenzeit bin ich jedoch zufrieden und denke, dass sich das sicherlich noch weiter verbessern lässt, wenn die Wortdatenbank noch weiter lernt.

Es gibt also keinen Grund, einem Bayes-Filter allein nicht zu trauen, Probieren geht hier über Studieren und mit etwas Disziplin lassen sich schnelle Filterergebnisse zeigen.