Rückblick auf die zweite Staffel von „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Das ZDF hat sich sehr ordentlich lange Zeit gelassen für die Ausstrahlung der zweiten Staffel der dänischen Krimiserie „Protectors – Auf Leben und Tod“, in Dänemark bekannt unter dem anschmiegsamen Namen „Livvagterne“ (was auf Deutsch schlicht und einfach „Leibwächter“ heißt). Während nämlich im dänischen Fernsehen die zweite Staffel Anfang letzten Jahres auf Sendung ging, mussten die deutschen Zuschauer auf die deutsch synchronisierte Fassung eineinhalb Jahre länger warten. Nun ja, Manöverkritik am Rande.

Diejenigen, die meinen Twitter-Stream lesen, durften die letzten Sonntagabende schon in den „Genuss“ meiner regelmäßigen „Sofortkritik“ kommen, die ich während der Ausstrahlung der einzelnen Folgen gab. Kurzum: Ich verteile ja, da in ich Pforzheimer, Lob nur in homöopathischen Dosen, denn „ned g’schimpft isch g’nug g’lobt“. Aber ganz so einfach kommen mir die dänischen Macher von Livvagterne nicht davon, denn die zweite Staffel war schlicht und einfach nix und eine eher unrühmliche Fortsetzung einer an sich gar nicht so schlechten Idee, nämlich der Begleitung einer selbstverständlich fiktiven Spezialeinheit von Leibwächtern, die wichtige Personen beschützen soll. Eine an sich interessante Thematik, die man aber, wenn man einigermaßen realitätsnah sein möchte, offenkundig eine stinklangweilige Angelegenheit sein muss, so wie die meisten aufregend klingenden Berufe.

Ein anderer Grund, weshalb in der zweiten Staffel die Geschichten von Livvagterne immer hanebüchener wurden, fällt mir nämlich nicht mehr ein. Anstatt dass es nämlich um den Schutz von VIPs geht, handelten immer mehr Folgen davon, dass ein Verwandter oder ein Freund eines der Leibwächter in irgendwelche Probleme hineingeraten ist und aus diesem Grund völlig problemlos und unbürokratisch Schutz und Dienstleistung eben dieser Spezialeinheit bekommt. Beispiel, Folge 2 der zweiten Staffel: Die Schutztruppe begleitet die dänische Außenministerin nach Russland. Dort wird eine regimekritische Journalistin, zufälligerweise Bekannte eines der Protagonisten, bedroht und der Personenschützer nimmt sie dann mal nach Dänemark mit. Oder Folge 5: Ein Freund eines der Personenschützer (ironischerweise wieder derjenige aus Folge 2) hat einen Freund, der im Kongo beim Diamantenhandel mitmischt, dort hopsgeht und per Sarg und mit im Darm inkludiertem Diamanten nach Dänemark transportiert werden soll. Machen dann die Personenschützer. Zwar eine der rasantesten Folgen mit Action – der Stoff prellt allerdings extrem. Der dänische Geheimdienst ist zwar offiziell auch eine Polizeibehörde, aber ob die so erfreut wären, wenn die Personenschutztruppe geheimdienstliche Operationen vornimmt?

Das ist in etwa so, wie wenn Sie ein Problem mit einem Strafzettel haben, einen guten Freund bei der Sondereinheit GSG9 haben und der Freund mit seiner Truppe bei Ihnen vorbeischaut und die Sache unbürokratisch klärt. Hat natürlich niemand etwas dagegen, noch nicht mal der Vorgesetzte der Truppe. Autsch. Das Leibwächter-Handwerk ist eng umfasst und es hat sicherlich seine Gründe, dass in Deutschland, der unumstrittenen Supermacht in Sachen Krimis, keine echte Serie gibt, die sich mit der Materie beschäftigt.

Und was auch noch auffällt: Der Bösewicht ist im Zweifelsfall immer der Moslem. Ich bin ja immer recht vorsichtig, wenn es um Stereotypen geht, aber bei der zweiten Livvagterne-Staffel ist es einfach zu klischeehaft. Man mag es sehen, wie man möchte, aber der Moslem ist nun eben mal nicht ständig derjenige, der wenig gebildet an nichts anderes denkt, als den Rest der Gesellschaft wegzubomben oder zumindest an jeder schlechten Story als Mittäter drinhängt. Ich möchte es nicht unterschwelligen Rassenhass nennen, dazu ist es sicherlich noch viel zu subtil angelegt. Für so durchgeknallte Typen wie den norwegischen Anders B., die schon extrem geladen durch die Gegend wandern, sind solche Serien sicherlich einer der Myriaden von Influenzpunkten, die dafür sorgen, dass sich Weltbilder im Kopf verschieben. Wird man mit Sicherheit in Zukunft anders sehen müssen, auch in Dänemark.

Fazit: Schade. Einer an sich guten ersten Staffel, die im Nachhinein gesehen schon weitgehend alles erzählt hat, was man in der Branche erzählen kann, folgte eine erheblich düstere und von Stereotypen durchtränkte zweite Staffel, die nichts besser macht und auch nichts vernünftig weiterentwickelt. Ist sicherlich dem engumzäunten Genre geschuldet, allerdings könnten sich die Macher mal diesen unangenehm hässlichen Ton gegenüber Moslems abgewöhnen. Idioten gibt es nun wahrlich wirklich überall und sie sind nicht auf religiöse Eiferer beschränkt.

Fiktion trifft Realität im ZDF.

Als am Sonntag im eher ermüdenden Heute-Journal ein investigativ angehauchter Beitrag kam, in dem behauptet wurde, dass angeblich neue Informationen in Dänemark aufgetaucht seien, die eine vermutete Zusammenarbeit zwischen dem Autor Günther Wallraf und der DDR-Staatssicherheit nähren würden, war ich, ich gebe es zu, schon im Dämmerzustand. Ob das an der unsäglichen Maybrit Illner liegt, die im Stile einer Narkoseärztin Nachrichten verliest und dabei nervtötende Zischlaute wie ein defektes DECT-Mobilteil loslässt oder am Tatort, der kurz zuvor in der ARD verstrahlt wurde – keine Ahnung.

Jedenfalls kam dieser Beitrag, der mit einem Interview eines Historikers der Süddänischen Universität namens Thomas Wegener Friis begann. Anmoderiert wurde dies von der Journalistin mit dem Satz, dass Friis die seltene Gelegenheit bekommen habe, einen Blick in das Archiv des dänischen Geheimdienstes zu werfen. Untermalt wurde diese Anmoderation mit einer 180°-Grad-Drehung um Herrn Friis herum, höchstwahrscheinlich am Ort des Geschehens. Dieses Bild endete mit der Sicht zum Gebäude, in dem sich, wenn man die Dramaturgie des Artikels richtig interpretiert, wohl das Archiv des dänischen Geheimdienstes befinden soll:

Ein Gebäude von vielen auf dieser Welt. Allerdings nicht unbedingt für die Leute, die sonntagabends gern die vorwiegend skandinavischen oder britischen Krimis anschauen, die ironischerweise genau nach diesem Heute-Journal im ZDF ab 22 Uhr beginnen. Denn dieses Gebäude kommt in einer dänischen Krimiserie vor, nämlich in Livvagterne, die in Deutschland unter dem Titel „Protectors – Auf Leben und Tod“ geführt wird:

Der runde Gebäudeteil ist im ZDF-Beitrag ganz hinten zu erkennen (Bild für eine Großansicht anklicken), sehr deutlich sind aber die vier großen Fensterfronten und die kleineren Fenster zu erkennen, die identisch mit dem Gebäude in der Fernsehserie ist. Dort ist dieses Gebäude übrigens das Hauptquartier einer Spezialeinheit des dänischen Geheimdienstes, die zum Personenschutz eingesetzt wird.

Wer mal zu diesem Gebäude fahren möchte, here we go:
Größere Kartenansicht

Dass in Dänemark offensichtlich Fernsehserien über Geheimdienste auch vor echten Geheimdienstgebäuden gedreht werden dürfen, ist bemerkenswert, während hierzulande schon das Drehen von Dorfpolizeistuben einen mittelgroßen Verwaltungsakt auslösen. Unvergessen daher so Winkelzüge, dass beispielsweise Kommissar Bienzle keineswegs in einem Stuttgarter Polizeihochhaus seine Stube hatte, sondern im Gebäude des Südwestrundfunks. 😉

Die Gewinnspielauflösung.

So, das Gewinnspiel hat gestern Punkt 20 Uhr geendet und es haben doch tatsächlich immerhin 32 Teilnehmer genau 28 Mal das korrekte Lösungswort namens "Livvagterne" geschickt – der dänische Originaltitel der Serie “PROTECTORS – Auf Leben und Tod”. Sooo schwer hat es nicht sein können, immerhin habe ich damit genügend korrespondierende Artikel hier im Blog getagged.

Kommen wir zum interessanteren Part, nämlich der Auslosung. Ich habe also 28 Lose gebastelt und drei Stück gezogen, die die Nummern 2, 24 und 16 tragen. Und diese Losnummern stehen für folgende Gewinnspielteilnehmer: Ersan Y., Jan K. und Bärbel R. Alle drei Gewinner erhalten in den nächsten Minuten eine E-Mail mit der Bitte um Angabe ihrer Anschrift, damit die DVD-Boxen auf die Reise gehen können.

An alle anderen Teilnehmer: Nicht traurig sein, den Verlosungsspaß werden wir wiederholen. Macht Fun, wenngleich die Teilnahmequote sicherlich noch ausbaufähig ist. 😉

Gewinnspiel zu „PROTECTORS – Auf Leben und Tod“.

Hinweis: Das Gewinnspiel ist beendet!

So, kommen wir zum Eingemachten: Wie vor einigen Tagen angekündigt gibt es hier nun ein kleines Gewinnspiel zur gerade im ZDF gesendeten Serie „PROTECTORS – Auf Leben und Tod“. Die erste Staffel gibt es seit Ende November auf DVD und Edel Records war so nett, drei DVD-Boxen zur Verfügung zu stellen.

Was gibt es zu gewinnen?

Genau drei DVD-Boxen mit fünf DVD, die die fünf Folgen der ersten Staffel der Serie “PROTECTORS – Auf Leben und Tod” enthalten, einer dänisch-deutschen Co-Produktion des ZDF und des dänischen Rundfunks DR. Jede Box hat einen Wert von rund 20 Euro. Alle drei Boxen sind selbstverständlich nagelneu und originalverpackt und sehen so aus:

DVD-Boxen "PROTECTORS - Auf Leben und Tod"

Der Versand der DVD-Boxen erfolgt per Briefpost.

Protectors-Gewinnspiel auf zdf.de.

Wer auch entgegen meines Rates alle fünf Folgen von „Protectors – Auf Leben und Tod“ verpasst hat und nun dasteht, kann sich nun die DVD-Box mit der kompletten ersten Staffel kaufen, die es seit Montag im Handel für rund 20 Euro gibt. Bis Freitag läuft auf der Website des ZDF unter http://protectors.zdf.de/ noch ein Gewinnspiel, bei dem man eine von 20 Boxen gewinnen kann. Die fünf zu beantwortenden Fragen dürften dabei für Stammseher eher kein Hindernis sein, der Rest muss halt lernen, wie Google funktioniert. 😉

Wer die Serie verpasst hat, im ZDF-Gewinnspiel leer ausgeht und auch keine 20 Euro übrig hat, bekommt dann hier nächste Woche seine Chance, denn Edel Records hat freundlicherweise drei DVD-Boxen bei mir dagelassen, die ich verlosen darf. Aber dazu muss natürlich auch etwas getan werden, ich werde mir am Wochenende eine entsprechende fragetechnische Ferkelei ausdenken. Ganz ohne Einsatz des Gehirnschmalzes geht das nicht!

Rückblick auf die erste Staffel von “Protectors – Auf Leben und Tod”.

War hübsch. Sehr hübsch. Die letzte Folge der ersten Staffel endete gestern dann auch praktisch tagesaktuell mit Referenzen auf den Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember, wobei dann wirklich die ganze Palette drankam: Leute, die vor der Klimakatastrophe warnen, Leute, die die Klimakatastrophe für Humbug halten, Leute, die gekauft werden, das eine oder andere zu sagen, eine Umweltministerin in Gummistiefeln und einen alternden Ex-Terroristen, gespielt vom einzigen deutschen Schauspieler, nämlich von Wolf Roth. Wer sich den sehenswerten Abschluss anschauen möchte, kann das noch im Laufe dieser Woche in der ZDF-Mediathek tun.

Coole Sache, diese Personenschützer aus Dänemark. War die dritte Folge noch so etwas wie eine schwächelnde Folge, haben die letzten zwei Folgen dann doch wieder das Lot geradegesetzt und gezeigt, wie man einen modernen Krimi produziert. Und gestern ist dann sogar noch die Technik im Besprechungsraum der Personenschützer ausgefallen. Das stimmt doch ermutigend, dass dänische Fernsehmacher ihrer dänischen Polizei auch mal zugestehen können, dass deren Technik kaputtgehen kann.

Was rückblickend dann doch etwas prellte, war der Versuch, das Privatleben der Protagonisten einzubinden. Ich habe leider immer noch nicht verstanden, mit welchen Frauen Jonas Goldschmidt zu tun hatte und mich hätte eigentlich auch interessiert, wie das mit dem gekauften Haus von Rasmus Poulsen eigentlich weitergegangen ist. Nicht dass ich da jetzt jemand bin, der die große Familientheatralik braucht, aber wenn man diese Mikrogeschichten ansticht, muss man sie auch irgendwie sinnvoll durchbringen. Nun gut, ist wirklich ein Nebenkriegsschauplatz und auf sehr hohem Niveau gejammert.

Wie geht es weiter? Nun, eine sechste Folge gibt es nicht, auch wenn danach offensichtlich genügend Menschen im Web suchen und hier landen – die erste Staffel besteht aus fünf Folgen und nicht mehr. Es wird aber bereits an der zweiten Staffel gearbeitet, die im dänischen Fernsehen Anfang des nächsten Jahres starten wird, ebenfalls wieder mit fünf Folgen. In Deutschland ist diese zweite Staffel allerdings erst wieder im Herbst im ZDF zu sehen, wir werden uns also ein Jahr gedulden müssen. Am nächsten Sonntag geht es erst wieder mit Kommissar Beck aus Schweden weiter, immerhin aber auch neue Folgen.

In Sachen Protectors wird es noch einen kleinen Knaller hier im Blog geben, aber dazu später mehr.

Dritte Folge von Protectors.

Am kommenden Sonntag steht die dritte Folge der Serie Protectors – Auf Leben und Tod an, wieder um 22 Uhr im ZDF. Ein kleinwenig schmackhaft machen? Gern:

Über Huma, eine entfernte Freundin von Jasmina, erhärtet sich der Verdacht, dass ein Unbekannter in einem Stadtteil von Kopenhagen mit hohem Anteil an Muslimen einen Terroranschlag plant. Jasminas Chef Leon und dem dänischen Geheimdienst ist der Mann ebenfalls nicht unbekannt. Auch der Premierminister wird informiert. Jasmina hat unterdessen alle Hände voll damit zu tun, ihre Freundin Huma zu schützen, die als Informantin des geplanten Anschlags in Gefahr ist. Die Umstände zwingen die Leibwächter, auf Hilfe aus der muslimischen Nachbarschaft zurück zu greifen. Dabei laufen Sie Gefahr, die Spur des Attentäters zu verlieren. Leon bleibt nichts anderes übrig, als unkonventionelle Methoden anzuwenden…

Die dritte Folge war ebenfalls im kleinen Screener-Paket, die mir das ZDF zur Verfügung gestellt hat, allerdings muss ich zugeben, dass diese dritte Folge bisher die schwächste Folge ist. Die Geschichte steigt etwas krude ein und lebt diesmal weitgehend von den Effekten. Gut, in einer Serie kann man nicht alles ständig auf 100 % fahren, aber etwas Kritik sei ja durchaus angebracht, zumal die Fans sich die Folge ja trotzdem anschauen werden.

Dass die dritte Folge schwach daherkommt, ist übrigens auch die Meinung vieler dänischer Fans. Es ist für Außenstehende recht schwierig, den Diskurs in der dänischen Bevölkerung im Bezug auf den Islam nachzuvollziehen, gerade im Bezug auf die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen vor einigen Jahren und die Reaktionen darauf. Die letzte Folge hat hier wenigstens recht gut gezeigt, wie propagandistisch auch die Reaktion der Rechtsextremen darauf sein könnte.

Zumindest bekommt in der dritten Folge der französische Staatspräsident in einem Halbsatz sein Fett weg. Mich würde interessieren, wie das in der französischen Fassung synchronisiert wird. 😉

Kritiken zu „Protectors“, letzte und die nächste Folge.

Am Sonntag die erste Folge von „Protectors – Auf Leben und Tod“ im ZDF verpasst? Schlecht. Denn das haben andere darüber geschrieben:

„Eine harte, gut besetzte und spektakulär gefilmte Serie“
— Hamburger Abendblatt

„Die dänische TV-Reihe ‚Protectors‘ entwickelt aus dem Leibwächtermotiv einen rasanten Politthriller – rund um Islamismus und Auslandseinsätze, Karikaturenstreit und Klimaschutzkonferenzen.
— SPIEGEL Online

„Protectors“ ist […] real, fast dokumentarisch gefilmt – und dem deutschen Durchschnittskrimi haushoch überlegen. Dass das ZDF nun schon zum dritten Mal als Koproduzent fürs dänische Fernsehen auftritt, spricht Bände.
— taz

„Der Sonntagabend im ZDF ist faszinierend. Es finden sich immer wieder Krimi-Höhepunkte, die einen mit der Zunge schnalzen lassen.“
— Die Welt

„[…] diese Krimireihe ist spannend, sie lebt von der Verzahnung der großen Politik mit der privaten Geschichte, von der Stille, die ein Erkennungsmerkmal nordischer Filme ist, und auch sie ist äußerst modern, also mit ausgiebigem Einsatz der Handkamera gefilmt.“
— Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Geboten wird eine Mischung aus Krimispannung und Fernsehfilm-Drama, angereichert mit dem hochbrisanten Thema Terrorismus.“
— Berliner Morgenpost

„[…] eine sehr sehenswerte Serie […], die nicht nur spannend, sondern auch in sich schlüssig, psychologisch glaubwürdig und vor allem gut erzählt ist.“
— Osnabrücker Zeitung

„Offensichtlich hat die Serie nicht nur in der Machart, sondern auch, was die erzählten Fälle angeht […] den Anspruch, auf der Höhe der Zeit zu sein.“
— Nordseezeitung

Den Kritiken gibt es nichts hinzuzufügen. So oft kommt das auch nicht mehr vor, dass eine Serie, an deren Produktion das ZDF beteiligt ist, schon nach der ersten Folge derartiges Lob einfährt und dabei hat die erste Folge noch verhältnismäßig viel Ruhe an Bord, da die Protagonisten noch umfangreich vorgestellt werden.

Mit der zweiten Folge, die am Sonntag wieder um 22 Uhr im ZDF gesendet wird, sieht das anders aus, da geht es gleich ab der ersten bis zur letzten Minute praktisch durchgehend zur Sache. Zentrales Thema sind dänische Rechtsextremisten, die es auf die neue Kulturministerin mit Migrationshintergrund abgesehen haben. Da die Personenschützerin Jasmina ebenfalls einen solchen Hintergrund hat, ist sie ebenfalls im Visier und das wird mitunter so unerträglich schaurig-spannend erzählt, dass es einem unwohl werden kann.

Übrigens: Für diejenigen, die die erste Folge von Protectors am letzten Sonntag verpasst haben und nicht bis Mitte November warten können, wenn die DVD-Box veröffentlicht wird: Unter http://protectors.zdf.de/ gibt es rechts einen Link in die ZDF-Mediathek, wo die Folge in recht guter Qualität in voller Länge angeschaut werden kann. Pflichtprogramm für diejenigen, die die erste Folge verpasst haben und sich zurechtmachen für die nächste Folge.

Bildmaterial zu „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Auf YouTube gibt es immerhin das einminütige Intro zu Protectors – Auf Leben und Tod (bzw. „Livvagterne“ im dänischen Original) anzuschauen. Steht an sich einem Kinofilm in nichts nach:

In der ersten Folge am Sonntag wird dieses Intro eine ganze Weile auf sich warten lassen (ich dachte schon, dass in der Presse-DVD das Intro weggelassen würde), weil die erste Folge gleich mit der Geschichte anfängt und die spielt im Irak. Der (fiktive) Außenminister Henrik Skelbaek besucht dortige dänische Truppen. Und man beachte am Sonntag mal ganz genau, wie dieser Außenminister sich nach dem Aussteigen aus dem Hubschrauber verhält.

Das ZDF hat in seiner Mediathek immerhin schon mal eine Bildergalerie zur ersten Folge bereitgestellt. Beim dänischen Rundfunk Dansk Radio finden sich mehr Galerien zu, unter anderem auch Vorschaubilder aus den Folgen 6 bis 10, die in der zweiten Staffel gebündelt nächstes Jahr erscheinen werden. Dansk Radio hat da leider Vorlauf, in Dänemark fängt die zweite Staffel schon am 3. Januar 2010 an, die deutschen Fassungen kommen leider erst im Herbst. Zu Protectors gibt es übrigens auch deshalb verhältnismäßig viel Material auf der Website von Dansk Radio, weil dort die erste Staffel schon ab Januar dieses Jahres ausgestrahlt wurden.

Überhaupt ist die Online-Begleitung von Dansk Radio bemerkenswert gut, man müsste nur dänisch lesen können.

„Protectors – Auf Leben und Tod“.

Ich bin leidenschaftlicher Fan skandinavischer Krimiserien, was hier und da im Blog auch mal durchschimmert. Der Artikel mit der komplexen Auflösung der ersten Staffel von Kommissarin Lund gehört nicht ohne Grund zu den am meisten aufgerufenen Artikeln hier im Blog.

Das ZDF ließ sich nicht lumpen, hat offensichtlich googeln lassen und so fanden sich am Samstag in meinem Briefkasten zwei DVDs mit zwei Screenern zur brandneuen dänischen Krimiserie namens "Protectors – Auf Leben und Tod" (nennt sich im Original “Livvagterne”), die jetzt am kommenden Sonntag beginnen wird (25. Oktober, 22 Uhr im ZDF) und aus zunächst fünf Folgen besteht. An der zweiten Staffel wird bereits gedreht, die dann im Herbst 2010 im Fernsehen zu sehen sein wird.

Es geht bei Protectors völlig überraschenderweise nicht um Schienbeinschoner, sondern um eine Personenschützertruppe der dänischen Polizei. Viele Länder, darunter auch Dänemark, haben ihre Schutzmaßnahmen gegen mögliche Anschläge von außen daher deutlich erhöht. Nach dem 11. September und der Teilnahme Dänemarks am Irakkrieg reicht es nicht mehr, nur der dänischen Königsfamilie und ausgewählten Diplomaten einem besonderen Schutz zukommen zu lassen. Spezialeinheiten werden gebildet, um Entführungen zu beenden, Bombenattentate zu verhindern und besonders gefährdete Personen zu schützen. Der dänische Geheimdienst PET (“Politiets Efterretnings Tjeneste”) hat die Abteilung für Personenschutz weiter ausgebaut und die Einheiten für Überwachung und Spezialeinsätze verstärkt. Etwa 300 Offiziere arbeiten für den dänischen Geheimdienst, der in einem modernen Gebäude in Søburg, ganz in der Nähe von Kopenhagen, untergebracht ist.

Die drei Protagonisten von Protectors, Rasmus, Jonas und Jasmina durchlaufen ein hartes Training, um in die Spezialeinheit für Personenschutz aufgenommen zu werden und die zweijährige Probezeit absolvieren zu können. Viele Teilnehmer des Programms scheitern während der Prüfungen und kommen psychisch und physisch an ihre Grenzen. Unsere Hauptfiguren bestehen die Tests und kommen schnell zu ihren ersten Einsätzen.

Was ist zu sagen nach dem Anschauen der ersten Folge? Erst mal ein Staunen über eine Krimiserie, bei der wieder einmal jeder deutsche Krimi verpufft, wie ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Protectors wird von der gleichen Produktionsfirma wie Kommissarin Lund und Der Adler produziert und allein das ist schon der Eingangsstempel. Und die ersten Minuten legen die Messlatte wieder ganz nach oben. Grandiose Schauspieler, eine perfekte Rahmenhandlung für die Serie, eine feinfühlige Einführung, clever erzählte Episodengeschichten. Und wie bei Kommissarin Lund laufen auch bei Protectors wieder mindestens zwei Erzählstränge gleichzeitig, nämlich ein Strang im Umfeld der dänischen Polizei “Politi” und einer im Umfeld der Politiker, die die Personenschützer beschützen. Und beide Geschichten haben es in sich, weil sie in allen Momenten einfach überragend gut und authentisch erzählt werden. Es soll keiner sagen, der Politikbetrieb sei ein Ponyhof…

Der Dramaturgie kommt das Genre des Personenschützers sehr entgegen, vor allem, wenn man als Autor so gut den Erzählstrang laufen lässt, wie hier. Der Zuschauer hängt unmittelbar mit drin und fiebert schon nach kurzer Zeit mit den Personenschützern mit, um ja nichts in der Umgebung zu verpassen. War da nicht etwas im Busch? Kommt da ein Auto von rechts? Was dabei unnachahmlich ist, sind die extrem schnell aufgebauten Spannungsbögen, die jedoch auf Kosten der "Entspannung" der Zuschauer gehen – man hängt von der ersten bis zur letzten Minute drin.

Über die hochfeine und moderne Produktionstechnik muss man nichts mehr sagen: Weite Strecken kommen mit der Handkamera aufgezeichnet daher, was allerdings tatsächlich selten stört, die Unruhe im Bild passt zur gewünschten Unruhe beim Zuschauer. Dazu kommen wieder wunderbare Aufnahmen vom Hubschrauber, mit denen Sprünge in den Schauplätzen eingeleitet werden und die man auch schon von Kommissarin Lund kennt.

Auch mit technischem Schnickschnack wird nicht gespart und es fällt auf, dass man gerade bei den technischen und computertechnischen Details wieder peinlich genau auf die Getreue achtet. Diese kleinen Details, die man überall findet und die dann auch noch gepaart sind mit echtem "Gaunerlatein" wie beispielsweise eine hochkant gestellte und zu einer Aschesäule verbrannten Zigarette als Warnzeichen, ob ein Notebook angefasst wurde, sind die Würze der skandinavischen und eben der dänischen Krimis. Dass es bei Protectors darüber hinaus erheblich stärker eingebaute Gesellschaftskritik gibt, ist umso interessanter, wenn man bedenkt, dass es in Dänemark gerade in den letzten Jahren einen großen Diskurs über die vielbeschworene Toleranz gegenüber anderen Kulturen gibt. Mit dem knallharten Thema beschäftigt sich gleich die zweite Folge. Und dann muss ich zuschauen, unbedingt noch die restlichen Folgen vorab zu ergattern, sonst werd’ ich ja noch narrisch…