Ein Jahr mit dem ICD.

Nun ist ziemlich genau ein Jahr her nach meinem Kurzurlaubsspaß in der Berliner Charité und mit dem 10. Mai ist nun auch der „Geburtstag“ meines ICD, meines implantierten Kardioverters/Defibrillators, durch. Unbedingt feiern will ich das Gerätchen nicht gerade, allerdings kann man zu seinem ersten Geburtstag ruhig mal Bilanz führen.

Was hat der ICD denn so gemacht in der Zeit?

Kurzum: Nichts relevantes. Eine Therapie im Sinne von Behandeln von Tachykardien war bis dato nicht notwendig. Es gab schlicht keine zu behandelnden Tachykardien. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich seit der Implantation begleitend auch noch einen Betablocker in Tablettenform einnehme, der Rhythmusstörungen verhindern soll. Das tut er auch weitgehend zuverlässig. Es gibt zwar immer noch das ursprüngliche Herzstolpern, das jedoch in einem deutlich geringeren Maße als vorher.

Was hin und wieder einmal auftgetreten ist, ist die umgekehrte Funktion des ICD, eine so genannte Bradykardie-Therapie. Das ist genau das, was ein normaler Herzschrittmacher tut – wenn der Puls zu langsam ist, gibt es kleinste Impulse vom Schrittmacher, um die Herzfunktion wieder auf Tempo zu bekommen. Mein Herz erreichte die im ICD konfigurierte Schwelle von 40 Schlägen pro Minute gelegentlich nachts, so dass hier der ICD dann gelegentlich mal tätig wurde. Einmal habe ich die Auswirkungen auch gespürt, ich bin nämlich mit Herzklopfen aufgewacht. Aber wie gesagt, eine Bradykardie-Therapie ist problemlos, zumal in meinem Fall auch nicht wirklich notwendig, so dass die Schwelle beim letzten ICD-Check auch weiter nach unten gesenkt wurde. Im jetzigen Zustand gibt es auch nachts keinen Grund, meinem Herz Tempo zu machen, selbst wenn es zeitweise die Schwelle von 40 Schlägen pro Minute unterschreitet.

De facto hat der ICD in seinem ersten Jahr also nichts zu tun gehabt.

Wie geht’s dem Herz denn so?

Gut. Bewegungstechnisch gibt es keinerlei Einschränkungen, ich bin genauso belastbar, wie vorher auch. Nach der Implantation hat es gut vier Monate gedauert, bis ich tatsächlich wieder auf Leistung war, aber ich will nicht sage, dass diese vier Monate wirklich schlimm waren, es gab eher mental was zu machen. In diesen ersten Monaten muss sich zum einen das Herz erholen und zum anderen der Organismus an die Einnahme von Betablockern gewöhnen, so dass sich das alles nach und nach einspielt und dann auch funktioniert.

Ärztemäßig bin ich inzwischen auch auf einem Rhythmus, der das alles unterstreicht: Zum Internisten geht es zwecks großem Blutbild alle vier Monate, zum Kardiologen und zur ICD-Gerätekontrolle alle sechs Monate. Da bei uns in Pforzheim leider kein Kardiologe direkt auch ICD-Gerätschaften kontrolliert, sind die letzten beiden Fälle getrennte Arbeiten, d.h. zur ICD-Gerätekontrolle muss ich in Pforzheim ins Klinikum. Da dauert der Check zwar kaum länger als eine Viertelstunde, dennoch wird man aber offiziell (ambulant) eingewiesen und kann locker mindestens eine Stunde Aufenthalt einplanen. Aber nun gut, gibt auch hier schlimmeres.

Andererseits: Es ist ein ziemlich gutes Gefühl, wenn einem regelmäßig das Blut komplett gecheckt wird und zusätzlich noch das Organ, das bei vielen Menschen unbemerkt viele Probleme macht und bei richtig großen Problemen ziemlich wenig Zeit auf Behandlung lässt. Man geht das Thema Herz und Herzkrankheiten ganz anders an und eigentlich kann man wirklich nur jedem empfehlen, sich sein eigenes Herz einfach mal untersuchen zu lassen, vor allem wenn man Rhythmusstörungen hat.

Wie geht’s dem Kopf so mit dem ICD in der Brust?

Auch bei diesem Thema wie das so üblich ist. Man muss sich nach der Implantation eines ICD eine ganz Weile mit dem Gedanken erst einmal anfreunden, da plötzlich ein Gerät in der Brust zu haben, das nichts anderes wie ein Lebensretter sein soll, wenn es mal hart auf hart kommt, also zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern etc. kommen sollte. Das ist zwar weiterhin in meinem Fall so schnell nicht zu erwarten und war auch anfangs so prognostiziert, aber dennoch ist es eben eine Sache, die man mit sich ausmachen muss.

Mir geholfen hat Fachliteratur und die Beschäftigung zu diesem Thema allgemein. Leider ist es nach wie vor so, dass es zum Thema ICD, Defibrillation, Herzrhythmusstörungen etc. eine Menge geschriebenen Mist weit und breit gibt. Einschlägige Medizinforen sind für solche Sachen kaum zu gebrauchen und sicherlich nichts für Menschen, die etwas zur Hypochondrie neigen.

Moderne ICD-Gerätschaften sind zuverlässig und lösen nicht allenhalber Therapien aus. Die Entwicklung in diesem Bereich hat in den letzten Jahren gewaltige Sprünge gemacht und macht es auch heute noch. Zudem werden bei Nachsorgeuntersuchungen die Geräte regelmäßig geprüft und bei Bedarf auch umkonfiguriert und angepasst. Der Gedanke, dass es doch mal „knallen“ könnte, ist natürlich da, der ist allerdings inzwischen sehr weit hinten im Gedächtnis. Im Laufe der Zeit gewinnt man durchaus Vertrauen in die moderne Technik, die man da mit sich trägt und möchte sie eigentlich nicht missen, wenn man in der Zeitung von Todesfällen aufgrund Herzstillständen und dem Plötzlichen Herztod liest. Im Zweifelsfall steht man mit Kammerflimmern und ohne einen Defibrillator bzw. ohne jemanden, der einen externen Defibrillator (sofern vorhanden) bedienen will, ziemlich einsam da.

Wie ist es denn so im alltäglichen Leben? Muss ich auf etwas verzichten?

Ich nicht. Tauchen ist nicht erlaubt und man muss bei allen Aktivitäten etwas aufpassen, die eine dauerhaft starke Beanspruchung des linken Arms bedeuten, aber ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Und ich wüsste jetzt auch nichts, was mir in den letzten 12 Monaten schwer fiel. Wenn man mal davon absieht, dass mit Betablockern die Herzleistung künstlich in einer Art „Käfig“ gehalten wird und das Herz nicht ganz so schnell losschlagen wird, wie es eine plötzliche Leistungsanforderung gern hätte.

In Sachen ICD ist es im übrigen auch so, dass zwar jeder ICD-Hersteller vor magnetischen Feldern, Handys in der Nähe des Implantates warnen – passiert ist mir bisher nichts. Tatsächlich stand ich (zunächst unbemerkt) vor einem mächtigen Gleichrichter, bin Elektroauto gefahren, hatte diverse Handys auf der „falschen“ Seite am Ohr, bin durch Diebstahlwarnanlagen gelaufen und es ist nichts passiert. Die heutige Technik der ICD ist hinreichend entwickelt, mit solchen Störfeldern offensichtlich zuverlässig umgehen zu können. Man darf sich da nicht wahnsinnig machen lassen.

Einzige Einschränkungen sind tatsächlich echte Magnete, die, wenn sie auf die Stelle gelegt werden, unter der der ICD implantiert ist, gewollt die Funktion des ICD unterbrechen (allerdings auch dann keine unkontrollierte Therapie o.ä. auslösen). Die Reaktion auf bestimmte Magnetstärken ist dabei gewollt, denn das ist letztendlich eine Möglichkeit zum eventuellen Stoppen von Therapieversuchen, wenn befürchtet wird, dass der ICD defekt ist und nicht notwendigerweise eine Therapie abgegeben hat. Sprich: Mit einem Magneten kann man den ICD vorübergehend „not-abschalten“. Keinen Magneten an die Brust hängen zu sollen, ist aber jetzt nicht unbedingt eine echte Einschränkung.

Und wie geht’s jetzt weiter?

(Ich stelle diese Frage ketzerisch, weil sie immer wieder tatsächlich so gestellt wird.)

Was soll weitergehen? Mein Herz schlägt weiterhin die allermeiste Zeit von allein und macht das auch so gut und zuverlässig, wie bei den meisten anderen Menschen auch. Es kann theoretisch natürlich auch genau so in Herzflimmern übergehen, wie das auch anderen Menschen passieren kann. Ich habe lediglich den Vorteil, dass ich den in so einem Fall dringend notwendigen Defibrillator schon dabei habe. Über die Definition „herzkrank“ lasse ich gern mit mir streiten, denn so einfach ist das nicht. Krank im Sinne von „krank“ bin ich jedenfalls nicht und der ICD ist, wie gesagt, nur für den Fall der Fälle da.

Es gibt also wenig, auf das ich jetzt warten müsste, um wieder „gesund“ zu werden. Die ursächlichen Herzrhythmusstörungen in Form des gelegentlichen Herzstolperns werden mich auch weiterhin begleiten, so wie das bei den meisten Menschen, die solches Herzstolpern haben, ebenfalls so bleibt und in den meisten Fällen auch keine Auswirkungen auf deren Leben haben.

Ich bin also zwar bei mindestens drei Ärzten Dauerpatient und regelmäßiger Besuch deren Praxen, aber so richtig krank bin ich nicht (was im übrigen auch die Ärzte bemühen, so darzustellen). Es ist also alles vor allem eine Frage der Vorsorge und da stellt sich nicht die Frage, wann man wieder gesund „wird“, sondern wie man gesund bleibt.

Was kann man mit einem ICD besonders gut?

Über Gesundheit und über sein Herz reden. Mir ist es in der Vergangenheit gar nicht so recht aufgefallen, wie wenig Platz unsere Gesundheit in unserem täglichen Leben hat. Wir wollen zwar alle gesund sein und bleiben, tun dafür aber gar nicht so wirklich viel und reden darüber noch viel weniger. Wenn mich jemand fragt, wie es meinem Herzen geht, dann ist das immer aus dem Blickwinkel, dass ich da ja „irgendein Herzproblem“ habe.

So eine Frage tut mir nicht weh, aber ich stelle so eine Frage dann einfach gern auch mal andersherum: Wie geht es eigentlich deinem Herzen? Du hast Herzrhythmusstörungen? Warum gehst du nicht einfach mal zu deinem Arzt oder zu einem Kardiologen? Ein EKG ist schnell gemacht und ich empfehle dir auch gern einen meiner Ärzte, denen du einen Gruß von mir ausrichten kannst usw. Gesund sein ist im Prinzip nur der Zustand, relativ wenig krank zu sein und sehr viel kann man da auch selbst beeinflussen, in beide Richtungen.

Getting to life, reloaded.

Der größte Fehler beim Abnehmen ist sicherlich, den Jo-Jo-Effekt nicht zu berücksichtigen. Wer viel und stark abnimmt, hat auch gewisse Probleme mit dem Jo-Jo-Effekt, wenn er pausiert oder aufgibt. Das hat drei Gründe:

  • Der leichtere Körper verbraucht weniger Energie, nach einer Diät wird aber gern wieder so geschaufelt, wie vorher.
  • Während einer Diät wird neben Fett- auch Muskelgewebe abgebaut (wenn man nicht aktiv Muskelaufbau oder –erhalt betreibt), es sinkt ebenfalls der Grundumsatz, während nach einer Diät wieder die alte Energiemenge eingenommen wird.
  • Verdachtsweise geht man auch davon aus, dass ein stark diätierender Körper seinen Grundumsatz ebenfalls auf Sparflamme herunterdreht.

Nachdem ich im Frühjahr letzten Jahres mit der Gewichtsabnahme vorübergehend pausiert hatte, war der Jo-Jo-Effekt auch hübsch zu sehen – von bis dato 104 kg ging es bis April diesen Jahres wieder rauf auf rund 114 kg. Das geht sehr, sehr schnell. 🙂

Bei meinem Krankenhausaufenthalt im Mai habe ich es dann gemerkt: Jedes Kilogramm weniger ist ein gutes Kilogramm. Und wenn ich nicht verhältnismäßig fit gewesen wäre, hätte meine Herzgeschichte auch durchaus ganz anders ausgehen können. Der Ansporn der Ärzte, am Ball zu bleiben, war ein einschneidendes Zeichen, das ich mir nicht mehrfach sagen lassen sollte. Zudem ich nach der ICD-Implantierung und den damit verbundenen Belastungen für mein Herz auch unbedingt wieder zuschauen muss, die Pumpe wieder auf Leistung zu bringen. Und das geht eben nur mit Bewegung.

Also, altes Programm: Ergometer und viel Wandern. Da ich bis genau heute ein Fahrverbot hatte, war Letzteres kein so großes Problem, denn ohne Auto bewegt es sich entweder mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per pedes. Und in einer so bergigen Stadt wie Pforzheim muss man zwangsläufig immer irgendwo einen Berg hoch. In Sachen Ergometer habe ich ja noch recht genaue Werte von meinen letzten Episoden und bin nun zumindest wieder bei 80 bis 90 % von dem, was ich vor einem Jahr noch in die Pedale gedrückt bekommen habe. Das ist in Ordnung und geht in die richtige Richtung. Mit dem medikamentös noch heruntergeregelten Puls schaffe ich gerade mal einen Belastungspuls von 105 Schlägen pro Minute, aber das ist gar nicht so unangenehm. Der Ruhepuls von derzeit 42 Schlägen pro Minute würde vermutlich jedem Sportler Tränen in die Augen drücken, aber den produziere ich ja (leider) nicht selbst. 😉

Aktuell bin ich wieder bei 108 kg, relativ einfach erreicht. Das kurzfristige Ziel sind wieder die 104 kg, bis Ende des Jahres wird aber nun die 100-kg-Grenze zu knacken sein. Das wird ein härteres Geschäft, muss aber einfach gehen.

Elektronische Gesundheitskarte – ja bitte!

Der Idee der Elektronischen Gesundheitskarte stand ich noch nie sehr ablehnend gegenüber. Jeder Unternehmer führt eine vernünftige Kundendokumentation, jeder Arzt ist gemäß seiner Standesrichtlinien dazu verpflichtet, eine Patientenakte zu führen. Die Frage dabei ist immer: Wem gehört diese Patientenakte eigentlich? Der Arzt kann im Urlaub sein, vielleicht unpässlich, verärgert oder auch einfach tot. Dann ist meine vielleicht jahrelang aufopfernd gepflegte Patientenakte ernsthaft in Gefahr. Und damit vom Prinzip her meine gesamte Krankheitsgeschichte. Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt.

Wie wichtig eine zugängliche Patientenakte ist, habe ich letztendlich bei meinem Krankenhausbesuch gemerkt und da ganz deutlich. Ich hatte ja den „Luxus“, noch mit vollem Bewusstsein in die Notaufnahme eingeliefert worden zu sein und konnte dort mitteilen, dass ich aus ärztlicher Sicht ein noch weitgehend unbeschriebenes Blatt bin. Unauffällige Blutwerte, mäßiges Übergewicht, noch nie erlittene Brüche. Vieles sicherlich Dinge, die man sehr schnell auch auf klassische Weise herausfinden könnte.

Bei einem Punkt wurden die Ärzte jedoch hellhörig, nämlich bei meiner 2005 entdeckten und erfolgreich behandelten Lyme-Borreliose. Allerdings konnte ich dazu auch nicht wirklich mehr sagen, als dass ich daran einst einmal litt und diese mit Antibiotika behandelt wurde. Ist das nicht schlimm? Man war krank, man wurde behandelt, sogar erfolgreich und dann hat man irgendwann einmal eine andere Krankheit und genau dieses frühere Krankheitsbild könnte zumindest theoretisch auch für die aktuelle Krankheit verantwortlich sein (was sie glücklicherweise nicht ist).

Wir brauchen die Elektronische Gesundheitskarte so dringend, wie die Medizin immer moderner und ausgefeilter wird. Kein Patient kann sich seine gesamte Krankheitsgeschichte merken und niemand hat seine gesamte Patientenakte dabei (wenn er sie denn überhaupt von seinem Arzt bekommt). Es sind jedoch meine Daten, die ich im Zweifel in einem Notfall dringend zur Hand haben muss, damit anhand eventueller Vorgeschichten richtige Diagnosen und schnelle Behandlungen angestoßen werden können. Es wäre eine sehr große Errungenschaft eines modernen Gesundheitswesens, wenn dies eines Tages tatsächlich schaffbar ist.

Dass man bei der Entwicklung und Evaluierungen Datenschutzbestimmungen einhalten muss – geschenkt. Das ist nicht wirklich das Problem und ist steuerbar. Es wäre jedoch ein großer Kardinalfehler, die Elektronische Gesundheitskarte nur aus dem Blickwinkel eines gesunden Menschen zu betrachten und sie aus der Warte heraus voreilig zu verteufeln. Denn in Wirklichkeit bedeutet Gesundheit immer, nur relativ wenig krank zu sein.

Getting to life, Zwischenbericht.

Der letzte Artikel in Sachen „Körperoptimierung“ ist nun auch schon zwei Monate her, Zeit für einen Zwischenstand und für einen Detailbericht in Sachen Nahrung.

Das aktuelle Gewicht ist nun bei 104 Kilogramm, das sind in den letzten zwei Monaten ein Minus von 6 kg. Das ist eine durchaus abgeflachte Kurve, allerdings hat die Abflachung zwei Gründe: Weihnachten lag dazwischen und das Bewegungskonzept ist anders. Während ich vor einigen Wochen praktisch jeden Tag auf dem Ergometer saß, habe ich die Bewegung vorläufig auf das Laufen/Wandern verlegt. Damit kommt man raus in die Landschaft, was nicht ganz unwichtig ist, wenn man sich von seinem Ergometer nicht zu Tode langweilen lassen will. Ich habe Respekt vor Leuten, die länger als eine halbe Stunde auf dem Ergometer ertragen. Andererseits kann ich die Leistung auch nicht einfach immer weiter nach oben drehen, denn nach einer halben Stunde Ergometer mit höherer Leistung muss ich auch erst mal wieder herunterkommen. 😉

Beim Laufen ist das dann schon anders und bei unserer bergigen Stadt ist da nicht viel weniger Leistung gefragt. Mit einem Laufpensum von 4 km pro Stunde kommt man zügig von Ost nach West oder Süd nach Nord und am Ende sind nach zwei, drei Stunden auch wieder 8 bis 12 Kilometer gelaufen. Ob man das nun joggt oder läuft, macht die Made nur geringfügig fett – man muss überhaupt erst einmal raus, damit ist schon der größte Schritt getan. Und man lernt seine Umgebung kennen. In der Zwischenzeit muss ich schon raus – es gibt da einen gewissen Drang. Ich kann das nicht wirklich gut beschreiben, aber die fehlende Bewegung an einem Tag fällt einem irgendwann nachmittags auf. Da ist es wirklich wichtig, das dann auch sofort zu tun bzw. sich dann schon konkret vorzunehmen, später nochmal um die Häuser zu ziehen. Im Gegenzug versuche ich auch, Erledigungen in der Stadt so einzuplanen, dass ich eben in die Stadt laufe und nicht fahre. Ziehe ich die Parkplatzsuche mit ein, kommt es zeitlich aufs gleiche heraus und wenn ich die Benzin- und Parkkosten gegenrechne, ist sogar richtig etwas dabei gespart.

So, was habe ich den nahrungstechnisch geändert? Eigentlich – und das wird jetzt sicherlich einige schwer enttäuschen – wenig. Im Prinzip ist es die alte Leier, nämlich weniger und bewusster essen. Ich bin kein Fast-Food-Liebhaber und esse Burger-Fraß, wenn es hochkommt, einmal pro Halbjahr. (Und selbst wenn man in einen schmierigen Imbiss geht, kann man auch dort aufpassen und beispielsweise die Currywurst gegen ein Fischfilet austauschen. Und auch da kann man die Pommes gegen einen Kartoffelsalat austauschen und auf die Remoulade verzichten.)

Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Du nimmst mit Lebensmittel eine bestimmte Menge an Energie auf, die du loswerden musst. Die ersten 1.500 Kalorien (mal ganz grob geschätzt) gehen auf das normale Leben, alles darüber sind dann Geschichten, die man loswerden muss. Wer viel futtert, muss sich eben viel bewegen. Wer wenig futtert, eher weniger. Und wer früher viel gefuttert hat, muss halt jetzt weniger futtern und sich viel bewegen, um den Rückstand aufzuholen. Hört sich alles erstaunlich einfach an. Und ist auch so.

Ich habe mir das Nahrungsproblem viel komplizierter vorgestellt, es ist aber beileibe nicht so. Gut, die fette Wurst/Milch/Käse habe ich noch nie wirklich gemocht, aber vom Prinzip her hat unser Körper ein grundlegendes Problem: Das Sättigungsgefühl kommt nicht dann, wenn der Körper genügend Energie aufgenommen hat, sondern es kommt einfach nach 20 Minuten. Hat man in den 20 Minuten viel zu viel Energie reingestopft, ist es halt zu viel. Und genau da liegt auch das Problem.

Man kommt nach Hause, hat Heißhunger, die Küche läuft schon. Ah, da liegt ein kleines, süßes Stückchen vom Kaffee noch herum… und weg ist es! Und das kostet eigentlich schon das halbe Abendessen, wenn man es genau nimmt (und nehmen sollte). Tut man aber nicht, das Abendessen kommt noch extra drauf. Und so passiert es ständig, wenn man nicht hinschaut. Oh, eine Packung M&M…. 220 Kalorien. Oh, ein Snickers…. 300 Kalorien. Und so weiter. Richtig blöd wird es, wenn man nicht auf Wasser als Getränk steht, sondern auf Eistee oder sonstige Buntgetränke. Da schaut man einfach mal auf das Etikett und staunt, was da an Kalorien in den Körper geschüttet wird und im Prinzip unten wieder herausläuft. Völlig unnütz.

Und es geht weiter: Zwei Scheiben Brot? Gut, kein Problem. Aber wie wäre der Versuch, das Brot so zu schneiden, dass aus den zwei Scheiben vielleicht drei werden, ohne dass ein Millimeter mehr Brot fällig ist? Und vielleicht einfach mal keine Butter nehmen, sondern pflanzlichen Brotaufstrich auf Hefebasis (übrigens äußerst lecker, gibt es im Reformhaus)? Das klappt. Zum einen lässt sich dünneres Brot viel leckerer toasten und zum anderen hört es nach zwei Scheiben intuitiv einfach auf, denn man braucht ja genauso lange. Und selbst wenn man zweieinhalb (dünne) Scheiben isst und die Scheiben vernünftig belegt, ist effektiv weniger dabei gegessen.

Die Heißhungeranfälle zwischendurch kann man auch in den Griff bekommen. Einerseits, in dem man sich die Hungeranfälle einmal richtig bewusst macht (ja, hilft), ein Glas Wasser oder einen Kaffee trinkt (hilft bei mir eher nicht) oder sich eine Banane oder einen Apfel vornimmt, je langsamer, desto besser. Und dann auch einfach mal die Banane nicht sofort in der Küche verdrücken, sondern mitnehmen an den Arbeitsplatz, dort ein paar Minuten darauf freuen (der Hunger treibt’s rein..) und dann das Essen zelebrieren. Es ist so entsetzlich übel, wie simpel es ist, den Verstand zu überlisten.

Ab einer gewissen Abnahmemenge hilft im Zweifelsfall auch der ultimative Holzhammer, nämlich das Vorhalten dessen, was man bisher geleistet hat, so wie jetzt gerade. Ich habe nämlich Hunger.

  • 24 kg weniger, also rund 20 % weniger Gewicht, als vor einem halben Jahr.
  • eine deutlich verbesserte Fitness
  • ein Ruhepuls von 58 (früher 70) und ein Blutdruck von 122/81 (früher 130/91)
  • die Bundweite von 40 Zoll funktioniert nur noch mit Gürtel (vor einem halben Jahr hielt die 42 problemlos)
  • Beine! Endlich. Laufen, Treppen, Umzüge… das geht.

Das alles wieder aufgeben? Und schon ist es wieder vorbei mit dem Hunger. 😉

Getting to life.

Da ich in den letzten Tagen und Wochen immer häufiger die Frage zu beantworten hatte, ob ich krank sei, wird es wohl Zeit, ein paar offizielle Worte darüber zu verlieren. Nein, ich bin nicht krank. Ganz im Gegenteil, ich habe mich selten so gesund gefühlt, wie aktuell. Und das liegt an dem einfachen Umstand, dass ich seit einigen Monaten daran arbeite, mein Übergewicht abzubauen.

Der Auslöser für diesen Schritt ist relativ einfach zu erklären: Bei einer Körpergröße von 1,74 Metern waren die in der „Rekordphase“ gemessenen 128 Kilogramm definitiv weit über dem, was akzeptabel ist. Sich mit Übergewicht wohl zu fühlen, ist eine reine Gewohnheitsangelegenheit und selbst wenn die Gewohnheit bemerkt, dass es zu viel ist, dann sollte man etwas dagegen tun. Eine ärztliche Forderung nach Gewichtsabnahme gab es übrigens nicht, meine Blutwerte waren dank ausgewogener Ernährung in akzeptablen Bereichen. Es fehlte die Bewegung. Gerade in Sachen Bewegung hatte ich nach meinem Ende des Angestelltendaseins die größten Befürchtungen, wenn ich nicht konkret etwas dagegen antun wollte. Ein Homeoffice-Job ist nun mal in der Regel mit noch deutlich weniger Bewegung verbunden als wenn man im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses zumindest morgens irgendwie ins Büro kommen muss. Und letztendlich stellte sich auch die Frage, wie man es eigentlich mal bewerkstelligen möchte, für das andere Geschlecht in ein körperlich akzeptableres Format zu kommen, so dass Zuneigung nicht mit Mitleid verbunden sein muss um eine Beziehung aufzubauen.

Also wurde der Mai, der unter anderem einschneidende berufliche Änderungen mit sich brachte, auch dazu genutzt, das Thema Übergewicht anzugehen und ich habe mir einen Ergometer gekauft, ein Kettler X7. Das ist ein mit 800 bezahlten Euro nicht unbedingt billiges Ding, allerdings gehörte dieser Anschaffungspreis zum Konzept, es tatsächlich ernst zu meinen. Zudem hat das X7 mit seinem eingebauten „Bordcomputer“ ein paar sehr hübsche Spielereien und Trainingsprogrammmöglichkeiten, die den inneren Schweinehund eines Technikbegabten durchaus leiser bellen lassen.

Tatsächlich steht man mit fast 40 Kilogramm Übergewicht am Anfang vor drei Problemen: Einerseits muss man zuschauen, weniger Energie zuzuführen, andererseits sollte man beginnen, sich körperlich zu betätigen. Dem steht allerdings am Anfang entgegen, dass man in der Regel eine quasi nicht vorhandene Fitness hat und sich einigen Sportarten, bei denen Gelenke beansprucht werden, nur mit deutlich angebrachter Vorsicht nähern sollte. Joggen fällt für Übergewichtige beispielsweise aus, da ein untrainiertes Joggen sehr zuverlässig dafür sorgt, dass man sich die Gelenke ruiniert und das merkt man in der Regel erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Ein Ergometer setzt genau da an, wo begonnen werden muss, nämlich beim Aufbau der Fitness und beim Verlieren der ersten Pfunde. Und dass es mit der Fitness tatsächlich nicht gut bestellt war, zeigte die eingebaute Fitnessmessung, die mich anfänglich bei ziemlich desolaten 4,6 (Schulnotensystem) einnordete. Der Puls raste bei Belastung dann auch dementsprechend nach 10, 20 Minuten in die Region von 180 Schlägen in der Minute, was einfach suboptimal ist und auch keinen Spaß macht. Aller Anfang ist wirklich übel. Es geht aber halt auch gar nicht anders.

Immerhin ist es in Sachen Fitness so, dass der Mensch relativ schnell Ergebnisse zeigt. Nach anfänglichen 10 Minuten überlebte ich nach kurzer Zeit dann auch schon 30 Minuten. Und die individuell anpassbaren Trainingsprogramme ermöglichen es, eine Leistungskurve anzulegen und die dann nach oben oder unten anzupassen. Mein aktuelles Programm beginnt mit 80 Watt, geht dann im Laufe der halben Stunde auf 140 Watt für ein paar Minuten, pendelt sich für ca. 10 Minuten bei 110 Watt ein und geht dann in den letzten vier Minuten wieder zurück auf 80 Watt. Im Durchschnitt sind das dann etwa 110 Watt und bei meiner Trittfrequenz von 90 bis 100 Tritten pro Minute verbrauche ich am Ende etwa 200 Kilokalorien in dieser halben Stunde, bei einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 150 Schlägen pro Minute. Damit kann man etwas anfangen und das zeigte sich dann auch nach einigen Wochen in einer deutlich verbesserten Fitness, die sich aktuell bei etwa 2,0 bis 2,3 einpendelt.

Die besser werdende Fitness und die ersten weggeschmolzenen Pfunde ermöglichen es dann, tatsächlich auch mal draußen etwas zu tun, nämlich zu laufen, im Sinne von schnellem Wandern… Stechschritt durch den Wald sozusagen. Da Pforzheim ein bergiges Stückchen Erde ist, ist eine halbwegs funktionierende Fitness schon eine Bedingung, wenn man nicht ständig im Kreis laufen möchte. Fängt aber die Fitness an, zu halten, funktioniert es und der Weg zum „Impact“ ist greifbar: Du kannst dich länger bewegen, du verlierst an Gewicht und mit jedem Kilogramm weniger macht es potentiell weniger Mühe, weil du eben eine bessere Fitness hast und weniger Kilogramm herumschleppst.

Und das macht sich bemerkbar. Aktuell habe ich nach einem halben Jahr (wovon die letzten drei Monate dann eigentlich die richtig intensive Trainingszeit ist) einen Pegel von genau 110 Kilogramm. Das ist zwar immer noch ein deutliches Übergewicht und auch noch nicht der Punkt, an den ich im ersten Schritt kommen möchte, allerdings sind das schon mal 18 Kilogramm weniger. Das sind zwei Sixpacks mit jeweils sechs 1,5-Liter-Getränkeflaschen und jeder, der zwei solche Gebinde vom Auto in die Wohnung tragen muss, kann sich vorstellen, was für eine Plackerei es ist, das eben mal von der Stadt nach Hause zu tragen. Macht keiner. Habe ich aber mit mir herumgetragen, was allein schon eine Hochleistung ist.

Der besagte nächste Schritt sind jetzt erst mal die 100 Kilogramm. Das ist aus heutiger Sicht machbar. Und dann wird erst einmal zugeschaut, dieses Gewicht auch zu halten.

Also: Alles im Lot. Ich bin gesund. 🙂