Ein persönlicher Jahresrückblick und ein Dank.

Vor genau vier Jahren habe ich es schon mal gebloggt und es gilt heute immer noch: Jahresrückblicke sind nicht mein Ding. Ich stehe zwar zu all dem, was ich in der Vergangenheit hier und da angerichtet habe, aber auch noch ein dickes Schlusswort für ein Jahr zu finden, ist eben – nicht mein Ding.

Ich könnte es dieses Jahr aufgrund eines unvorhersehbaren Ereignisses anders handhaben und vielleicht mit so Sprüchen auftrumpfen wie „Hey, hätte auch alles schiefgehen können!“ (es kann immer alles irgendwie schiefgehen), hier die aktuellen Parameter meines ICD auflisten (sehr langweilig) oder mein letztes EKG (noch langweiliger) einkleben.

Es ist hier, wie immer, die gebührende Portion Sarkasmus notwendig: Schon wieder ein Jahr vorüber und schon wieder haben wir es überlebt. Manche hatten nicht so viel Glück.

Und übrigens: Danke!

Dieser Dank ist ausnahmsweise mal anlasslos, ultimativ und an viele Menschen gerichtet, nämlich einfach mal alle, die das hier lesen und im Mai an meinem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt, persönlich, mit Worten und gedanklich teilgenommen haben.

Es ist ein großer Unterschied, ob man sich auf einen Krankenhausaufenthalt vorbereiten kann oder ob man als Notfall per Rettungswagen hereingerollt wird. Über ein paar Dinge braucht man da direkt nach der Einlieferung nicht nachzudenken, was dann aber ein, zwei Tage später nachgeholt werden darf. Und dann kommt es meist gleich ziemlich dick, denn neben dem Verarbeiten darf man sich die ganzen Untersuchungen antun, eine Menge Papierkram ausfüllen und sich mit einigen Dingen, die die Zukunft betreffen (nicht die Vergangenheit), auseinandersetzen. Dass man irgendwann einmal ein Ende hat, das wird einem in so Momenten bewusst, auch wenn ich mit so Dingen wie Midlife-Crisis oder dem Tod (inzwischen) keine sonderlich großen Probleme habe. Ist halt so. Kommt irgendwann. Wäre aber blöd gewesen, wenn es schon dieses Jahr passiert wäre.

Da war es gut, dass ich per Twitter und Facebook immer wieder einmal „nach dem Rechten“ schauen konnte und es umgekehrt auch so war. Das Internet ist nicht bei mir zu Hause und auch nicht auf dem Smartphone, sondern es ist irgendwo zwischen den ganzen Endgeräten und unseren Köpfen. Liegen erst einmal 600 Kilometer zwischen den Menschen, die sicherlich zum Krankenbesuch kommen würden, dann hebt diese ganze Mikrokommunikation einiges an Barrieren im Zusammenleben auf und es macht keinen Unterschied, ob man persönlich da war oder eben nur auf Facebook.

Einigen Menschen, die sehr nahe bei mir waren, waren das gar nicht physisch und tatsächlich habe ich immer noch einige der Gesprächspartner, zu denen ich mich besonders verbunden fühlte, immer noch nicht persönlich kennengelernt. Das gehört alles zu dem Phänomen Internet und wer diese Art von menschlichen Beziehungen nicht kennt, kann da einfach auch nicht mitreden. Ich habe zumindest keine Probleme mehr mit so Aussagen, dass viele meiner Freunde „im Internet“ sind. Der „kleine“ Unterschied zu echten persönlichen Treffen ist in den Fällen, wo es darauf ankommt, herzlich egal.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und selbstverständlich alles Positive für das Jahr 2013, das auf euren geistigen und schriftlichen ToDo-Listen steht. Einigen Menschen wünsche ich das mehr und einigen vielleicht auch etwas weniger, aber unterm Strich kommt es auf das Gleiche heraus: Dem Schicksal sind meine Wünsche relativ egal und wir lesen uns auch 2013 wieder alle gegenseitig im Internet und wissen so, auf welchen Böden wir stehen.

Hatte ich erwähnt, dass Familie und Freunde sehr wichtig sind? Ist so.

Eine Erklärung und ein Plädoyer gegen Fake-Accounts.

Wie nähere ich mich jetzt diesem Thema nur an? Am besten so, wie immer: Ab durch die Mitte.

Meine letzten drei Monate waren relativ „turbulent“ und ironischerweise haben die zwei zentralen Dinge dieser Turbulenzen mit meinem Herzen zu tun. Die eine Turbulenz war die Geschichte mit dem ICD und die andere Turbulenz der Versuch einer Freundschaft, bei der ich letztlich gepflegt und nach allen Regeln der dadaistischen Antikunst ziemlich unschön gegen die Wand gelaufen bin. Kommt in den besten Häusern vor, allerdings sind zwei solcher Turbulenzen in einer Doppelpackung gerade noch so am Rande dessen, was erträglich ist. Selbst bei mir, der eigentlich recht fest mit beiden Beinen im Leben steht. Und was sich hier noch halbwegs witzig anhört, war es nicht wirklich, weder die eine Turbulenz, noch die andere.

Die regelmäßigen Leser meines Twitter-Streams und meiner Facebook-Freunde sind es gewohnt, dass ich über beide Kanäle relativ offen schreibe und selten eine Hand vor den Mund nehme. Es gibt zwar ein paar Themen, die ich auszuklammern versuche (Religionsthemen zum Beispiel), ansonsten kenne ich jedoch als jemand, der sich gern in Gefilden der Ironie, des Sarkasmus und des Zynismus bewegt, kaum geschmackliche Grenzen. Und ja, ab und zu kommen so auch Tweets bzw. Facebook-Meldungen zustande, die aus dem Affekt kommen, quasi direkt aus dem Handgelenk geschossen. Und die in so einem Fall auch nicht durch meinen normalerweise recht guten Kontrollfilter ausgefiltert werden. Absichtlich. Sie kommen zwar (glücklicherweise) sehr selten vor, aber sie kommen vor. Das gehört zu dem, was nun einmal „Besim“ ist.

Ein solch scharf geschossener Tweet, der dann eben auch in meiner Facebook-Timeline landete und den man sicherlich auch ohne den damit verbundenen Hintergrund als geschmacklos bezeichnen könnte, kam am Mittwoch.

Ich erwähne diesen Tweet deshalb, weil er einige Leute verstört hat. Sich verstören zu lassen, ist jedem sein gutes Recht, das ich akzeptiere. Von meinem Kontrollfilter, der den Inhalt des Tweets nicht ausfilterte, sicherlich nicht gut bedacht war der Umstand, dass der besagte Tweet und die Zeit des Verfassens relativ deutliche Rückschlüsse auf den Grund des drastischen Inhalts zuließen. Hätte ich bedenken können, habe ich aber nicht, das Ding kam in den Raum, hat einige Leute, die 1 und 1 zusammengezählt haben, verstört und das Ding ist in diesem Moment dann auch in den Brunnen gefallen.

Dafür entschuldige ich mich nicht, weil es ja auch genau genommen kein Versehen war, sondern absichtlich. Auch eine Rechtfertigung in der Richtung, dass das Schreiben eines Tweets für mich immer noch der bessere Weg ist, eine Frustsituation zu bewältigen, als in der Öffentlichkeit herumzuschreien oder Material zu zerlegen, ist keine Entschuldigung. Wenn ich etwas in die Welt setze, dann ist es da und ich ertrage auch das Echo zu unappetitlicheren Äußerungen.

Meine Haltung dazu ist immer die, dass ich niemanden zwinge, Äußerungen von mir zu lesen und im Zweifelsfall sehr herzlich dazu einlade, meinen Twitter-Stream abzubestellen oder mich in Facebook auszublenden. Damit habe ich absolut keine Probleme. Schwieriger wird es dann schon, wenn Familie oder Kunden solche Meldungen lesen, aber hierzu habe ich die Haltung, dass ich eben einen recht authentischen Ton pflege und großen Wert darauf lege, zwischen Alltagsunterhaltung und förmlichen Gesprächen zu trennen. Das wissen auch die allermeisten Menschen, mit denen ich Kontakt halte.

Gestern hatte ich mit einer Bekannten eine sehr spannende Diskussion, wie man sich solche Rechtfertigungsthemen vom Halse hält bzw. aus persönlichen oder beruflichen Gründen nur inkognito Meldungen mit so einer Brisanzqualität in die Welt setzen kann. Das führt unweigerlich zu dem Thema, ob man einen Fake-Account mit Phantasienamen nutzt, der (hoffentlich) keine Rückschlüsse auf die Person ermöglicht. Das hatte ich in der Vergangenheit auch schon mehrfach überlegt und hatte dann auch sogar mal für eine Weile ein Weblog auf WordPress.com, das den Luxus hatte, dass es niemand las. Und da ist dann auch für mich das zentrale Problem: Mag ich schreiben nur um des Schreibens Willen oder soll das Schreiben auch ankommen, mitunter dann auch in der Kategorie „H-Bombe“?

Ich bevorzuge letzteres. Meine inzwischen fünfzehnjährige Online-Karriere hat zu recht gut funktionierenden, internen Kontrollfiltern geführt, die dafür sorgen, dass meine Äußerungen gern mal direkt sein können, aber seltenst wirklich persönlich verletzend. Das, was gelegentlich an wirklich Bedenklichem herausrutscht, ist im Promillebereich und das kann ich nicht verhindern, ohne mich wirklich komplett ändern zu müssen. Und das werde ich nicht tun, für niemanden. Und weil ich auch mit dem Echo für lautere und dann eben auch verletzende Äußerungen leben muss und das auch kann, gibt es für mich keine Motivation, unter einer Fake-Identität im Internet zu wandeln. Allen Respekt vor Menschen, die das nicht können und inkognito im Internet wandeln wollen oder müssen – aber ich brauche es nicht und mich engt es so ein, dass ich dann eher nichts mehr sagen bzw. schreiben wollte.

Damit will ich keinesfalls einen Ausstieg aus Weblog, Twitter oder Facebook ankündigen oder androhen, sondern um Verständnis darum bitten, dass es auch mal ziemlich deutlich zur Sache gehen kann. Wenn sich jemand dabei angesprochen fühlt oder verletzt wird, dann darf er mir das sagen, gern auch in der inhaltlichen Qualität, wie ich es geschrieben habe.

Getting to life, reloaded.

Der größte Fehler beim Abnehmen ist sicherlich, den Jo-Jo-Effekt nicht zu berücksichtigen. Wer viel und stark abnimmt, hat auch gewisse Probleme mit dem Jo-Jo-Effekt, wenn er pausiert oder aufgibt. Das hat drei Gründe:

  • Der leichtere Körper verbraucht weniger Energie, nach einer Diät wird aber gern wieder so geschaufelt, wie vorher.
  • Während einer Diät wird neben Fett- auch Muskelgewebe abgebaut (wenn man nicht aktiv Muskelaufbau oder –erhalt betreibt), es sinkt ebenfalls der Grundumsatz, während nach einer Diät wieder die alte Energiemenge eingenommen wird.
  • Verdachtsweise geht man auch davon aus, dass ein stark diätierender Körper seinen Grundumsatz ebenfalls auf Sparflamme herunterdreht.

Nachdem ich im Frühjahr letzten Jahres mit der Gewichtsabnahme vorübergehend pausiert hatte, war der Jo-Jo-Effekt auch hübsch zu sehen – von bis dato 104 kg ging es bis April diesen Jahres wieder rauf auf rund 114 kg. Das geht sehr, sehr schnell. 🙂

Bei meinem Krankenhausaufenthalt im Mai habe ich es dann gemerkt: Jedes Kilogramm weniger ist ein gutes Kilogramm. Und wenn ich nicht verhältnismäßig fit gewesen wäre, hätte meine Herzgeschichte auch durchaus ganz anders ausgehen können. Der Ansporn der Ärzte, am Ball zu bleiben, war ein einschneidendes Zeichen, das ich mir nicht mehrfach sagen lassen sollte. Zudem ich nach der ICD-Implantierung und den damit verbundenen Belastungen für mein Herz auch unbedingt wieder zuschauen muss, die Pumpe wieder auf Leistung zu bringen. Und das geht eben nur mit Bewegung.

Also, altes Programm: Ergometer und viel Wandern. Da ich bis genau heute ein Fahrverbot hatte, war Letzteres kein so großes Problem, denn ohne Auto bewegt es sich entweder mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per pedes. Und in einer so bergigen Stadt wie Pforzheim muss man zwangsläufig immer irgendwo einen Berg hoch. In Sachen Ergometer habe ich ja noch recht genaue Werte von meinen letzten Episoden und bin nun zumindest wieder bei 80 bis 90 % von dem, was ich vor einem Jahr noch in die Pedale gedrückt bekommen habe. Das ist in Ordnung und geht in die richtige Richtung. Mit dem medikamentös noch heruntergeregelten Puls schaffe ich gerade mal einen Belastungspuls von 105 Schlägen pro Minute, aber das ist gar nicht so unangenehm. Der Ruhepuls von derzeit 42 Schlägen pro Minute würde vermutlich jedem Sportler Tränen in die Augen drücken, aber den produziere ich ja (leider) nicht selbst. 😉

Aktuell bin ich wieder bei 108 kg, relativ einfach erreicht. Das kurzfristige Ziel sind wieder die 104 kg, bis Ende des Jahres wird aber nun die 100-kg-Grenze zu knacken sein. Das wird ein härteres Geschäft, muss aber einfach gehen.

Zur Zukunft von netplanet.

Weil mich vorhin jemand Aufmerksames darauf hinweisen wollte, dass in Pforzheim offenbar neuerdings ein Unternehmen existiert, das meine Marke „netplanet“ missbrauchen würde, sollte ich doch einiges einmal klarstellen:

Tatsächlich existiert seit einigen Tagen ein Unternehmen namens „netplanet Publishing UG (haftungsbeschränkt)“. Die UG ist eine Unternehmergesellschaft, die kleinere (deutsche!) Form der GmbH. Dieses Unternehmen geht aus dem Unternehmen „sooon UG (haftungsbeschränkt)“ hervor, die wir vor zwei Jahren gegründet hatten, damals allerdings mit anderem Geschäftszweck.

Schon damals hatte die „sooon UG (haftungsbeschränkt)“ ihren Unternehmenssitz bei meinem Compagnion Oliver zu Hause. Das machte Sinn, da Oliver Geschäftsführer der „sooon UG (haftungsbeschränkt)“ wurde und auch jetzt der „netplanet Publishing UG (haftungsbeschränkt)“ ist. Wir hätten eigentlich beim letzten Notartermin auch mich als Geschäftsführer eintragen können, das haben wir aber, man glaubt es kaum, tatsächlich vergessen, weil der Termin eigentlich unter der Prämisse der Geschäftsanteile stand.

Aktueller Stand ist daher, dass die „netplanet Publishing UG (haftungsbeschränkt)“ aktuell zwar nur einen Geschäftsführer hat, dieses Unternehmen aber zu gleichen Teilen sowohl mir, als auch Oliver gehört. Der nächste Schritt dieses Unternehmens wird sein, dass wir beim nächsten Notartermin unter anderem mich zum weiteren Geschäftsführer erklären, zudem wird in diesem Zuge eine neue Anschrift hinterlegt, da wir gedenken, gemeinsame Büroräume zu beziehen, weil wir auf diese Weise nur noch eine Kaffeemaschine brauchen.

Die „netplanet Publishing UG (haftungsbeschränkt)“ ist also eine Unternehmung, in der ich direkt involviert bin und es möge bitte jeder sehr streng davon Abstand nehmen, das Unternehmen wegen einer angeblichen Rechtsverletzung zu ärgern. Man hat mich nicht beklaut, sondern die gesamten netplanet-Aktivitäten werden zusammen mit einigen Blog-Projekten in diese Unternehmergesellschaft überbracht.

Es besteht kein Grund zur Panik. Nichts wird eingestellt oder verkauft. Alles wird gut und noch viel besser.

Google+ und das Ausgesperrtsein von Google-Apps-Nutzern.

Quasi stündlich trudeln in meinem Googlemail-Postfach Nachrichten darüber ein, dass ich bei irgendwelchen Leuten in ihrem Google+, dem neuen Social Network von Google, in ihre Kreise aufgenommen worden sei. Ich möchte kurz erklären, warum ich auf keine dieser Nachrichten reagiere:

Das Problem: Mein bisheriges Google-Konto ist eigentlich ein Auslaufmodell, weil ich seit einiger Zeit mein Hauptkonto innerhalb von Google Apps mit meiner eigenen Domain nutze. Und jetzt wird es etwas obskur: Für die Nutzung von Google+ braucht es den Dienst Google Profile, in dem der Kontoinhaber sein eigenes Profil erstellt und pflegt. Und genau dieses Google Profile gibt es immer noch nicht für Nutzer, die ein Google-Apps-Konto nutzen.

Das hat wohl inzwischen auch das Google-Apps-Team mitbekommen, das nach eigenen Aussagen schwer schuftet, Google Profiles auch für Apps-Nutzer anzubieten – übrigens eine Geschichte, die schon seit Februar 2010 (!) angekündigt wird. Und ironischerweise ist das Profiling ja eigentlich genau eine Killerfunktion innerhalb eines Netzwerkes. Google Profiles wäre also im Apps-Umfeld tatsächlich mehr als zu Hause – wenn es denn eben schon funktionieren würde.

So nutze ich also zur Zeit weder Google Profiles, noch Google+ und erstaunlicherweise ist bei mir körperlich und geistig immer noch alles in Ordnung. Es braucht mich also derzeit niemand einzuladen. So bald ich mit meinem Apps-Account Google+ nutzen kann, kümmere ich mich darum.

 

Wir bitten …

… den gestrigen Bild- und Tonausfall zu entschuldigen. Mein Blog war offline, ebenso auch das Gerstelblog nebenan. Ich habe in meinem „jugendlichen Leichtsinn“ am Freitag noch eine Vertragsänderung bei Host Europe angestoßen, die am Samstag dann ausgeführt und leider nicht mehr automatisch beendet werden konnte. Das Ergebnis war dann ein Webspace ohne Datenbanken, was sich bei einem installierten WordPress natürlich richtig gut macht. Der Wochenendsupport konnte mir leider auch nicht helfen, so dass dieses kleine, bescheidene Blog erst seit Montagmorgen wieder läuft. Nunja, wir werden es überleben.

Dafür habe ich gestern Abend noch schnell Jens im Pottblog gastgebloggt. Da ich gestern so ohne Blog nun wirklich kaum noch eine Motivation hatte, gab es eine kleine Wahlanalyse zu den Bremischen Senatswahlen.

Getting to life, Zwischenbericht.

Der letzte Artikel in Sachen „Körperoptimierung“ ist nun auch schon zwei Monate her, Zeit für einen Zwischenstand und für einen Detailbericht in Sachen Nahrung.

Das aktuelle Gewicht ist nun bei 104 Kilogramm, das sind in den letzten zwei Monaten ein Minus von 6 kg. Das ist eine durchaus abgeflachte Kurve, allerdings hat die Abflachung zwei Gründe: Weihnachten lag dazwischen und das Bewegungskonzept ist anders. Während ich vor einigen Wochen praktisch jeden Tag auf dem Ergometer saß, habe ich die Bewegung vorläufig auf das Laufen/Wandern verlegt. Damit kommt man raus in die Landschaft, was nicht ganz unwichtig ist, wenn man sich von seinem Ergometer nicht zu Tode langweilen lassen will. Ich habe Respekt vor Leuten, die länger als eine halbe Stunde auf dem Ergometer ertragen. Andererseits kann ich die Leistung auch nicht einfach immer weiter nach oben drehen, denn nach einer halben Stunde Ergometer mit höherer Leistung muss ich auch erst mal wieder herunterkommen. 😉

Beim Laufen ist das dann schon anders und bei unserer bergigen Stadt ist da nicht viel weniger Leistung gefragt. Mit einem Laufpensum von 4 km pro Stunde kommt man zügig von Ost nach West oder Süd nach Nord und am Ende sind nach zwei, drei Stunden auch wieder 8 bis 12 Kilometer gelaufen. Ob man das nun joggt oder läuft, macht die Made nur geringfügig fett – man muss überhaupt erst einmal raus, damit ist schon der größte Schritt getan. Und man lernt seine Umgebung kennen. In der Zwischenzeit muss ich schon raus – es gibt da einen gewissen Drang. Ich kann das nicht wirklich gut beschreiben, aber die fehlende Bewegung an einem Tag fällt einem irgendwann nachmittags auf. Da ist es wirklich wichtig, das dann auch sofort zu tun bzw. sich dann schon konkret vorzunehmen, später nochmal um die Häuser zu ziehen. Im Gegenzug versuche ich auch, Erledigungen in der Stadt so einzuplanen, dass ich eben in die Stadt laufe und nicht fahre. Ziehe ich die Parkplatzsuche mit ein, kommt es zeitlich aufs gleiche heraus und wenn ich die Benzin- und Parkkosten gegenrechne, ist sogar richtig etwas dabei gespart.

So, was habe ich den nahrungstechnisch geändert? Eigentlich – und das wird jetzt sicherlich einige schwer enttäuschen – wenig. Im Prinzip ist es die alte Leier, nämlich weniger und bewusster essen. Ich bin kein Fast-Food-Liebhaber und esse Burger-Fraß, wenn es hochkommt, einmal pro Halbjahr. (Und selbst wenn man in einen schmierigen Imbiss geht, kann man auch dort aufpassen und beispielsweise die Currywurst gegen ein Fischfilet austauschen. Und auch da kann man die Pommes gegen einen Kartoffelsalat austauschen und auf die Remoulade verzichten.)

Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Du nimmst mit Lebensmittel eine bestimmte Menge an Energie auf, die du loswerden musst. Die ersten 1.500 Kalorien (mal ganz grob geschätzt) gehen auf das normale Leben, alles darüber sind dann Geschichten, die man loswerden muss. Wer viel futtert, muss sich eben viel bewegen. Wer wenig futtert, eher weniger. Und wer früher viel gefuttert hat, muss halt jetzt weniger futtern und sich viel bewegen, um den Rückstand aufzuholen. Hört sich alles erstaunlich einfach an. Und ist auch so.

Ich habe mir das Nahrungsproblem viel komplizierter vorgestellt, es ist aber beileibe nicht so. Gut, die fette Wurst/Milch/Käse habe ich noch nie wirklich gemocht, aber vom Prinzip her hat unser Körper ein grundlegendes Problem: Das Sättigungsgefühl kommt nicht dann, wenn der Körper genügend Energie aufgenommen hat, sondern es kommt einfach nach 20 Minuten. Hat man in den 20 Minuten viel zu viel Energie reingestopft, ist es halt zu viel. Und genau da liegt auch das Problem.

Man kommt nach Hause, hat Heißhunger, die Küche läuft schon. Ah, da liegt ein kleines, süßes Stückchen vom Kaffee noch herum… und weg ist es! Und das kostet eigentlich schon das halbe Abendessen, wenn man es genau nimmt (und nehmen sollte). Tut man aber nicht, das Abendessen kommt noch extra drauf. Und so passiert es ständig, wenn man nicht hinschaut. Oh, eine Packung M&M…. 220 Kalorien. Oh, ein Snickers…. 300 Kalorien. Und so weiter. Richtig blöd wird es, wenn man nicht auf Wasser als Getränk steht, sondern auf Eistee oder sonstige Buntgetränke. Da schaut man einfach mal auf das Etikett und staunt, was da an Kalorien in den Körper geschüttet wird und im Prinzip unten wieder herausläuft. Völlig unnütz.

Und es geht weiter: Zwei Scheiben Brot? Gut, kein Problem. Aber wie wäre der Versuch, das Brot so zu schneiden, dass aus den zwei Scheiben vielleicht drei werden, ohne dass ein Millimeter mehr Brot fällig ist? Und vielleicht einfach mal keine Butter nehmen, sondern pflanzlichen Brotaufstrich auf Hefebasis (übrigens äußerst lecker, gibt es im Reformhaus)? Das klappt. Zum einen lässt sich dünneres Brot viel leckerer toasten und zum anderen hört es nach zwei Scheiben intuitiv einfach auf, denn man braucht ja genauso lange. Und selbst wenn man zweieinhalb (dünne) Scheiben isst und die Scheiben vernünftig belegt, ist effektiv weniger dabei gegessen.

Die Heißhungeranfälle zwischendurch kann man auch in den Griff bekommen. Einerseits, in dem man sich die Hungeranfälle einmal richtig bewusst macht (ja, hilft), ein Glas Wasser oder einen Kaffee trinkt (hilft bei mir eher nicht) oder sich eine Banane oder einen Apfel vornimmt, je langsamer, desto besser. Und dann auch einfach mal die Banane nicht sofort in der Küche verdrücken, sondern mitnehmen an den Arbeitsplatz, dort ein paar Minuten darauf freuen (der Hunger treibt’s rein..) und dann das Essen zelebrieren. Es ist so entsetzlich übel, wie simpel es ist, den Verstand zu überlisten.

Ab einer gewissen Abnahmemenge hilft im Zweifelsfall auch der ultimative Holzhammer, nämlich das Vorhalten dessen, was man bisher geleistet hat, so wie jetzt gerade. Ich habe nämlich Hunger.

  • 24 kg weniger, also rund 20 % weniger Gewicht, als vor einem halben Jahr.
  • eine deutlich verbesserte Fitness
  • ein Ruhepuls von 58 (früher 70) und ein Blutdruck von 122/81 (früher 130/91)
  • die Bundweite von 40 Zoll funktioniert nur noch mit Gürtel (vor einem halben Jahr hielt die 42 problemlos)
  • Beine! Endlich. Laufen, Treppen, Umzüge… das geht.

Das alles wieder aufgeben? Und schon ist es wieder vorbei mit dem Hunger. 😉

Rückblick auf 2010.

Die trillian war so freundlich, mir ein Stöckchen zukommen zu lassen, das beantwortet werden will:

1. Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen. Viel. Bis jetzt 21 Kilogramm, Tendenz weiter fallend.

2. Haare länger oder kürzer?
Wie immer. 12 Millimeter pro Friseurbesuch, das hält dann auch vier bis sechs Wochen. 🙂

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Weiterhin Normalnull.

4. Mehr Kohle oder weniger?
Unterm Strich tatsächlich weniger, was damit zu tun hat, dass ich Ende April mein Angestelltenverhältnis beendet habe und nun seit Oktober selbstständig bin. Der Anfang ist steinig und hart, aber motivierend.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr ausgegeben, was leider am Ende des Jahres dann noch von einem kaputtgegangenen Notebook gekrönt wurde.

6. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr bewegt, sonst wäre das mit dem 20 Kilogramm auch nicht gegangen. Oder ist mit „mehr bewegt“ gefragt, ob man mehr bewegt hat? Falls ja, gilt hier auch „Ja“. Ein paar Dinge begonnen, die begonnen werden mussten.

7. Der hirnrissigste Plan?
Eine geschäftliche Entscheidung.

8. Die gefährlichste Unternehmung?
Im September beinahe an einem Fußgängerüberweg angefahren worden, den ein Autofahrer eine Sekunde vor meinem Überqueren mit Höllentempo durchfahren hat. Das wäre bös‘ ins Auge gegangen, wenn mein Schutzengel das nicht geregelt hätte.

9. Der beste Sex?
Null. Single. 🙁

10. Die teuerste Anschaffung?
Der Vorschuss fürs Autoleasing, den die Leasinggesellschaft wollte. Mir ist ja nicht zu trauen. Gleich gefolgt von einem Ergometer.

11. Das leckerste Essen?
Eigentlich schon haarscharf im neuen Jahr, allerdings produktionstechnisch noch dem alten Jahr zugehörig: Der Apfelkuchen von Donia. Unfassbar leckerer Kuchen.

12. Das beeindruckendste Buch?
Mein alter Rechtschreib-Duden, Modell 1992, der inzwischen eher eine Loseblattsammlung geworden ist. Es gilt hierzu immer noch mein Artikel, den ich 2005 bei NEON.de veröffentlicht habe.

13. Der ergreifendste Film?
Der Dokumentationsfilm „Hunger“, der in der gleichnamigen Themenwoche im Oktober in der ARD ausgestrahlt wurde und an fünf Schauplätzen Auswirkungen des weltweiten Hungers gezeigt hat. Am verstörendsten fand ich hierbei die Verzweiflung auf Haiti, die dazu führt, dass dort der „Schlammkeks“ als wichtiges Nahrungsmittel gilt. Passierter Dreck, vermengt mit Butter, Salz und Wasser und getrocknet an der Sonne. Ich war selten so entsetzt, wie bei dieser Doku.

14. Die beste CD?
„Waking Up“ von One Republic. Ein schönes Album von einer ziemlich verdrehten Band, die immerhin U2-Vorgruppe in München war.

15. Das schönste Konzert?
Genau das – U2 360°-Tour mit der Station in München im Sommer. Tolles und verhältnismäßig stressarmes Konzert, währenddessen ich im Kopf einige Entscheidungen getroffen habe. Passiert mir bei Konzerten in der Enterprise-Klasse ständig.

16. Die meiste Zeit verbracht mit …?
… Gedanken darüber, wie ich den nächsten Abschnitt meiner beruflichen Arbeit gestalten kann und will und wie ich mir das eigentlich mit dem Privatleben so vorstelle. Disclaimer: Keine Midlife-Crisis. 😉

17. Die schönste Zeit verbracht mit …?
… mir.

18. Vorherrschendes Gefühl 2010?
„Los geht’s!“ und „Dreck nochmal, ich falle gleich vor Erschöpfung vom Ergometer.“

19. 2010 zum ersten Mal getan?
Aperol getrunken und eine Sonnenbrille gekauft.

20. 2010 nach langer Zeit wieder getan?
Konsequente Bewegung.

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Auf die Kratzer im Auto, auf das Kaputtgehen meines Notebooks und auf die Realisierung des Verlustes eines vierstelligen Betrages, den ich durch eine Falschberatung meiner früheren Hausbank in den Sand gesetzt habe.

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Meine Schwester davon, dass Arbeit nicht alles ist und alles nicht Arbeit. Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich sehr, sehr stolz auf meine Schwester bin, die letztes Jahr zum Head of Bodywear bei einem namhaften, deutschen Modeunternehmen aufgestiegen ist und sich das allein durch ihre Leistungen erarbeitet hat?

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Wird nicht verraten, hat aber jemanden wirklich überrascht.

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das ernstgemeinte Feedback eines Kunden, der mir offen gesagt hat, dass ihm meine Gewichtsabnahme schwer beeindruckt.

25. 2010 war mit einem Wort …?
Gut, es hat mir gefallen, kann aber nur ein Vorspiel für 2011 gewesen sein.

Will jemand das Stöckchen haben? Bitte einfach die Fragen übernehmen, im eigenen Blog beantworten, Trackback auf diesen Artikel setzen oder mir Bescheid geben zwecks Link.

Weihnachten und mit Baum?

Inzwischen nicht mehr ganz so häufig wird die Frage gestellt, ob wir eigentlich Weihnachten in der Familie feiern. Als Kind hatte ich die Frage gegenüber Spielkameraden (und vor allem ihren Eltern) häufiger zu beantworten, aber schon damals war die Antwort dieselbe: Im Prinzip nicht, aber wir tun’s doch.

Tatsächlich nehmen wir (fast) jedes Jahr zu Weihnachten auch einen armen, frierenden und seiner Wurzel beraubten Tannenbaum in die Wohnung, lassen ihn noch ein paar Tage im Wasser leiden, behängen ihn in seinem Todeskampf noch mit allerlei grässlich aussehendem Schmuck und beleuchten ihn auch noch. Einfach des Fetischs eben. Meine Schwester und ich sind zwar auf dem Papier, laut dem Selbstverständnis des türkischen Staates, der einfach behauptet, dass Kinder von moslemischen Eheleuten auch für immer und ewig Moslems sind, dem Islam zugehörig; allerdings ist Weihnachten eben ein höchst feierlicher, besinnlicher Brauch und dem zu widerstehen, ist als Kind, das mit ansieht, wie andere Kinder in christlichen Familien einfach mal so fett Geschenke abstauben, nicht in wenigen Silben zu argumentieren. Eigentlich gar nicht. Und dazu kommt die Anekdote, dass meine Schwester in jüngsten Jahren einen guten Bekannten des Hauses einfach mal so gebeten hat, einen Weihnachtsbaum zu bringen. Dieser Bekannter war so perplex über diesen Wunsch, dass er dies auch nach über 25 Jahren immer noch tut.

Sprich: Wir feiern Weihnachten ohne „Weih“, ohne uns jedoch darüber lustig zu machen. Jedenfalls keinen Deut mehr als die Leute, die das Kraft ihrer Kirchensteuerpflichtigkeit tun dürfen.