Opening netpla.net.

Die Website zu meiner beruflichen Tätigkeit hat nun lange genug auf sich warten lassen. Das ist insofern peinlich, weil ich ja Visitenkarten mit der Website-Adresse verteile und diese Adresse bisher auf das Internet-Lexikon führte. (Immerhin aber nicht auf ein Baustellensymbol.)

Nun aber ist es soweit, ich habe endlich mal ein Wochenende dazu genutzt, schnell ein WordPress-Template zu bauen und meine schon seit längerem geschriebenen Inhalte zu redigieren und darin dann zu veröffentlichen. Unterm Strich macht man als Selbstständiger ja eigentlich noch viel mehr der Dinge, die man auf die eigene Website schreibt, aber wenn man etwas sehr schnell lernt als Selbstständiger, dann ist es die Anpassung an Begebenheiten, Chancen und Neuentwicklungen. Aus der Warte betrachtet ist das also alles immer ein Anfang, aber eben nicht mit Baustellensymbol.

Da geht es lang: http://www.netpla.net

„Drüben“ gibt es ebenfalls ein Weblog, das ich jedoch bewusst und streng auf geschäftliche Inhalte beschränke. Kann und darf man auch abonnieren, aber der große Spaßbereich wird das sicherlich nicht. Dafür gibt es in der ToDo-Liste aber einige Themen zum Thema Social Media und Corporate Communication, die ich schon immer mal abhandeln wollte. Dazu ist dort nun die richtige Plattform.

Kritik und Anregungen werden gern angenommen.

Es geht dann mal los.

Kurzum: Wer glaubt, gleich nach einem jahrelangen Angestelltenverhältnis ein Gewerbe aufmachen zu können, bei dem er dann auch gleich erfolgreich sein will, muss ein Genie sein oder steht auf Schmerzen. Mein Versuch jedenfalls, gleich nach dem Beenden meines bisherigen Arbeitsverhältnisses Ende April die Selbstständigkeit zu beginnen, endete kläglich, nachdem mir mein Berater bei der Arbeitsagentur Ende April nahelegte, es nicht zu überstürzen. Arbeitslosigkeit ist erst einmal nur ein Zustand, der eine Änderung des Zustandes impliziert, aber keine Straftat. Noch, jedenfalls.

Die letzten Monate waren daher eine phasenreiche Zeit, die ich gar nicht missen möchte:

Zuerst habe ich tatsächlich einen Monat gebraucht, um aus dem Alltagstrott herauszukommen, in dem ich bisher steckte. Das Hamsterrad, in dem ich mehr als zehn Jahre weitgehend zuverlässig und engagiert drehte und drehte, war tatsächlich stärker ausgeprägt, als ich dachte. Ich entdeckte, dass der Verstand nach und nach auch wieder sehr lange und komplexe Gedankenvorgänge verwalten kann, ich konnte wieder vernünftig schlafen, ich träumte wieder (man glaubt es kaum, was man wieder neu an sich entdeckt) und ich hatte Zeit für viele Gespräche.

Gespräche, in denen sich nach und nach Bedürfnisse, Ideen, Ansätze, Gedankensplitter und Projekte sammeln und mit sich spielen lassen. Kombinieren, würfeln, tun, denken, anfassen, fühlen. Nicht zuletzt die schnell ausgesponnene Idee des Gerstelblog, dem Weblog des Autohaus Heinrich Gerstel, das im Mai noch online ging, war so ein Ergebnis und eine Erfahrungsprojekt zugleich, das mir jedoch nochmal sehr nachdrücklich zeigte, dass es die Grundkonzepte von Web 2.0 gibt und die Kommunikationsparadigmen dazu da sind, einzusetzen.

Kurzum: Fünf Monate sind vergangen, ein Businessplan ist geschrieben, ein Finanzplan erstellt. Morgen wird der bereits ausgefüllte Gewerbeschein (den man immerhin bei uns in Pforzheim als PDF-Datei von der Stadt-Website herunterladen und am Computer ausfüllen kann) beim Gewerbeamt vorgetragen und danach das Machwerk bei der Arbeitsagentur zwecks Existenzgründungsförderung abgegeben. Und danach ist die Arbeitslosigkeit auch wieder beendet und die Selbstständigkeit beginnt.

Mal sehen, wie sich das alles so anfühlt. Viel falsch machen kann man erst einmal nicht.

Tag 9 nach dem Ausstieg aus dem Hamsterrad.

Die Welt des Angestelltsein bewusst zu verlassen und an der Idee einer Selbstständigkeit zu arbeiten, die noch nicht hundertprozentig fest ist und durchaus noch „weiche“ Stellen hat, ist sicherlich keine Sache, die jeder machen würde. Genau genommen hätte ich das vor einigen Jahren so auch nicht getan. Zu fern die Ideen, Dinge zu tun, die einem wirklich Spaß machen und mit denen man eventuell Geld verdienen könnte, zu nah die Sorge, Annehmlichkeiten eines Angestelltenverhältnisses aufgeben zu müssen und vermeintlich in atemberaubender Geschwindigkeit in der Gosse zu landen.

Kopfsachen. Gedanken, die man logischerweise nur dann nachgeprüft bekommt, wenn man es tut und die das Potential bergen, dass man es später bereut, nicht getan zu haben. Das sind in etwa Aussagen, die man unerwarteterweise in der Existenzgründerberatung der Arbeitsagentur zu hören bekommt. Das allein sollte natürlich nicht die Motivation sein, sich selbstständig zu machen, aber es überrascht. Ich galt mal in der hiesigen SPD als jemand, der sich mit den Hartz-Vorschlägen ganz gut auskannte. Aber nun zu sehen, dass es tatsächlich funktioniert, das ist schon etwas ganz anderes.

Was überwiegt denn gerade? Ich will es mal so beschreiben: Die Freiheit im Kopf. Im Berufsfeld eines Systemadministrators im Customer Support ist man gedanklich eingebunden in Arbeitsabläufe anderer. Obwohl ich sechs Jahren Bloggen sehr viel in meiner Freizeit dagegen angeschrieben habe, merke ich nun ansatzweise, wie sehr mich der Job im Griff hatte und meine Ideen, die im Hinterkopf schlummerten, erfolgreich verdrängte.

Das merke ich jetzt, denn ein schon ewig geplantes Blog-Projekt, das in mehreren Dingen Pionierarbeit leisten wird (jaja, ich mache es wieder spannend), hat nun endlich Raum für zu leistende Gedankenarbeit und der Gedankenfluss läuft. Das ist so spannend anzuschauen, mir fehlen da bisweilen die richtigen Worte dafür, so etwas anschaulich zu beschreiben. Man lernt sich neu kennen.

Andere Dinge tun.

Der geneigte Blog-Leser wird erkannt haben, dass es in den letzten Tagen etwas ruhiger hier zuging und ich nur die üblichen “Artikelserien” losgelassen habe. Das hat auch seinen Grund, denn zum 30. April 2010 endet nach über zehn Jahren mein Angestelltenverhältnis mit der Netmanufacture GmbH.

Die Gründe hierzu sind mehrschichtig, die ich auch nicht weiter hier auswalzen möchte; hier spielen eigene Überlegungen eine große Rolle und eine sich ergebene Chance. Wichtig ist mir die Feststellung, dass ich mich nicht im Streit mit meinem Arbeitgeber trenne und wir an der Trennung auch schon ein paar Monate arbeiten. Das als Beweis dafür, dass ich durchaus auch einige einschneidende Dinge in meinem Leben nicht sofort blogge oder twittere. Die Reihenfolge war deshalb auch so, dass die ersten, die das erfahren haben, mein engster Freundeskreis (mit der Option, darüber nicht zu bloggen) und die Kunden waren, mit denen ich regelmäßig zu tun hatte.

Was wird nun passieren? Ich mache wieder einmal das, was mir bisher ganz gut gelungen ist: Ein Hobby zum Beruf. So war es mit dem Hobby des Fotografierens und der Kameraassistenz und dann mit dem Hobby des Internets. Dem Internet bleibe ich selbstverständlich treu und werde mich zukünftig nun auf dem Feld der Web-Beratung und –Entwicklung versuchen, mit einem Schwerpunkt auf Web 2.0 im Corporate-Umfeld. Das ist jetzt eine gewollt schwammige Umschreibung, weil ich noch in der Phase der genauen Definierung bin. Ein noch nicht ganz konkretes, aber hochspannendes Projekt gibt es bereits.

Verbunden ist das jetzt alles mit einem Haufen Nachdenken, Arbeit und Zettelwirtschaft, immerhin gehöre ich auch zur der Fraktion, die mit der Arbeitsagentur zum letzten Mal zu tun hatte, als es noch Arbeitsamt hieß. Und ja, was die Arbeitsagentur mit der Existenzgründung einem Existenzgründer in die Hand gibt, ist erstaunlich fair und praxisbezogen. Ich bin positiv überrascht.