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Google+ und das Ausgesperrtsein von Google-Apps-Nutzern.

3. Juli 2011 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in Interna

Quasi stündlich trudeln in meinem Googlemail-Postfach Nachrichten darüber ein, dass ich bei irgendwelchen Leuten in ihrem Google+, dem neuen Social Network von Google, in ihre Kreise aufgenommen worden sei. Ich möchte kurz erklären, warum ich auf keine dieser Nachrichten reagiere:

Das Problem: Mein bisheriges Google-Konto ist eigentlich ein Auslaufmodell, weil ich seit einiger Zeit mein Hauptkonto innerhalb von Google Apps mit meiner eigenen Domain nutze. Und jetzt wird es etwas obskur: Für die Nutzung von Google+ braucht es den Dienst Google Profile, in dem der Kontoinhaber sein eigenes Profil erstellt und pflegt. Und genau dieses Google Profile gibt es immer noch nicht für Nutzer, die ein Google-Apps-Konto nutzen.

Das hat wohl inzwischen auch das Google-Apps-Team mitbekommen, das nach eigenen Aussagen schwer schuftet, Google Profiles auch für Apps-Nutzer anzubieten – übrigens eine Geschichte, die schon seit Februar 2010 (!) angekündigt wird. Und ironischerweise ist das Profiling ja eigentlich genau eine Killerfunktion innerhalb eines Netzwerkes. Google Profiles wäre also im Apps-Umfeld tatsächlich mehr als zu Hause – wenn es denn eben schon funktionieren würde.

So nutze ich also zur Zeit weder Google Profiles, noch Google+ und erstaunlicherweise ist bei mir körperlich und geistig immer noch alles in Ordnung. Es braucht mich also derzeit niemand einzuladen. So bald ich mit meinem Apps-Account Google+ nutzen kann, kümmere ich mich darum.

 

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E-Mail 2.0.

3. Mai 2011 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MobileWelt

(Gleich eine Vorwarnung an den geneigten Leser: Ein technischer, spezieller Artikel zu Google Apps und E-Mail-Migration. Darf man gern bis zum Ende lesen, wenn man sich dafür interessiert, muss man aber nicht, wenn nicht. ;-) )

Nachdem ich nach RSS-Reader, Kalender und Kontaktedatenbank alle mir wichtigen Organisationsdinge in die “Cloud” bei Google eingebracht habe und das alles sogar zuverlässig mit dem iPhone synchronisiert, war es nun mehr als notwendig, dass das älteste Relikt meiner Online-Identität diesen Weg ebenfalls geht – die gute, alte E-Mail.

Bis dato habe ich E-Mails per IMAP abgerufen, sowohl auf dem PC, als auch auf dem Notebook und dem iPhone. Das ist insofern praktisch und brauchbar, weil ich E-Mails nicht überall herunterladen muss, sondern quasi in die Mailbox hineinschauen kann. Wirklich heruntergeladen habe ich E-Mails traditionell immer nur am heimischen PC, auf dem ich dann alle ein- und ausgehenden E-Mails nach Jahrgängen archiviert. Technisch also alles kein Problem. Allerdings organisationstechnisch.Das Problem ist nämlich immer wieder, dass ich am Notebook auf ältere E-Mails zurückgreifen müsste, das aber nicht kann, weil die eben auf dem PC liegen. Sicherlich, ich kann den PC per Wake-on-LAN hochfahren, mich remote einloggen und das tun, was getan werden muss, aber es ist umständlich.

Ein zusätzliches Thema bei einer Migration: Der Umfang meiner Mailarchive. Die gehen zurück bis 1997, enthalten rund 45.000 E-Mails und belegen knapp einen Gigabyte an Speicherplatz. Früher einmal war das eine Herausforderung, heute ist das eher eine Bürde. Denn 1 Gigabyte lässt sich in jeder modernen Festplatte bequem einbunkern, allerdings hat das Archivieren solcher E-Mail-Berge ganz andere Anforderungen: Lesbarkeit der Archive, Durchsuchbarkeit und vor allem Datensicherung. Ich schlenkere Mailarchive auf meiner normalen Festplatte herum, auf meiner NAS und sicherheitshalber nochmal auf einem externen Datenträger. Das ist alles schön und gut, aber im Cloud-Zeitalter einfach Käse.

Google Apps als Lösung.

Der Einsatz von Google Apps war schon seit langem eine Überlegung und wurde jetzt einfach dringend notwendig. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Google ist zuverlässig, Google ist flott, Google hat alle notwendigen Dienste und Google Apps kostet mich für meinen Bedarf nichts. Tatsächlich: Nichts. Denn Google Apps ist in der Basisfassung mit 10 (bis Ende der ersten Maiwoche noch 50) User-Accounts und jeweils 7 GB (anwachsendem) Speicherplatz kostenlos. Also: Tun!

Die zentrale Entscheidung ist erst einmal, zwischen dem kostenpflichtigen “Google Apps for Business” und dem einfachen “Google Apps” zu unterscheiden. Der Link hier führt zur kostenlosen Version. Dort geht es dann mit einem Klick auf den Erste-Schritte-Buttons sogleich los.

Neben den Kontaktdaten (das kann eine Firma sein, aber eben auch eine Einzelperson) sind vor allem zwei Dinge wichtig. Die Domain, unter der man später Mailadressen einrichten möchte und die Anlage eines neuen Google-Accounts. Es ist dabei tatsächlich ein neuer Google-Account notwendig, bestehende Google-Accounts können aus administrativen Gründen nicht benutzt werden. Und hier gibt es in vielen Fällen auch schon ein Problem, wenn nämlich die gewünschte Adresse für diesen neu einzurichtenden Google-Account schon für den bisherigen genutzt wird. Ist das der Fall, muss tatsächlich für den bisherigen Google Account eine andere Mailadresse gewählt werden, um die entsprechende Adresse dann für den neu einzurichtenden Google-Account zu nutzen.

Exkurs: Ein Google-Account oder lieber zwei?

Auch eine Sache, die man sich vorher überlegen muss: Nutzt man bereits Google-Dienste und möchte diese aus bestimmten Gründen weiterhin auf dem bisherigen Google-Account beibehalten (was Sinn machen kann, wenn man z.B. den Google-Apps-Account geschäftlich nutzen möchte), gibt es die Möglichkeit, sich mehrfach einloggen zu können. Aktiviert man diese Möglichkeit im bisherigen Google-Account, kann man sich demzufolge mit einem weiteren Google-Account einloggen und hat dann rechts oben im Browserfenster, dort wo die Mailadresse steht, mit der man aktuell eingeloggt ist, die Möglichkeit, schnell per Auswahl den anderen Account auszuwählen. Funktioniert nach meinem Test in vielen Google-Diensten, aber leider nicht in allen. Es macht also Sinn, sich ggf. tatsächlich über eine vollständige Migration der wichtigsten Dienste Gedanken zu machen, ganz unten gibt es einige Gedanken dazu.

Das Dashboard.

Zugegeben – wer es bisher gewohnt ist, dass Google-Dienste absolut einfach sind und ohne Denken funktionieren, der könnte bei Google Apps enttäuscht werden, denn es ist Mitarbeit gefragt. Benutzer müssen angelegt werden (natürlich nur, wenn man mehr als einen Benutzer einrichten möchte), und später muss für die Domain, die man für Mails nutzen möchte, auch die MX-Einträge geändert werden. Das ist nicht jedermanns Sache und die Google-Hilfe ist, sagen wir mal so, ausbaufähig. Der Hilfe-Assistent ist soweit brauchbar, allerdings muss man wissen, was man tut und das DNS sollte man auch kennen. Und leider muss man bei vielen Hilfe-Themen auf englischsprachige Artikel zurückgreifen, weil es an vielen Stellen keine deutsche Übersetzungen gibt.

Ansonsten, wenn es um einen einzigen Benutzer geht, sind die Einstellungen soweit schon mal brauchbar.

In Sachen Migration übrigens eine Empfehlung: Ruhig mal anfangen, sich in Google Apps umzuschauen, ohne gleich die eigene Domain auf Google Apps zu drehen. Das ist erst dann erforderlich, wenn man auch tatsächlich E-Mails dort live empfangen möchte. Zum Umschauen ist das noch nicht notwendig und auch noch nicht dann, wenn man Mailarchive importieren möchte. Und wer unbedingt schon mal den Empfang testen möchte, kann auf die segensreiche Möglichkeit der Test-Domain zurückgreifen, die Google Apps bei der Einrichtung automatisch anlegt (ist dann im Dashboard genau beschrieben).

Mail in Google Apps.

Wer bisher schon Google Mail genutzt hat, wird den Mail-Client kennen, denn es ist das Google-Mail-Frontend. Und Google Mail besitzt bekanntlicherweise auch eine Möglichkeit, per IMAP-Protokoll kontaktiert zu werden, so dass über diesen Weg auch bestehende Mailarchive importiert werden können (IMAP-Einstellungen gibt es in der Hilfe). Für die Outlook-Benutzer gibt es übrigens den angenehmen Nebeneffekt, dass es hier einen eigenen Importer gibt und auch der Import von PST-Postfachdateien funktioniert. Alle anderen Mailbenutzer müssen, wenn sie Mailarchive importieren möchten, den Weg über IMAP gehen.

Der IMAP-Transfer funktioniert, ist allerdings langsam. Sehr langsam. Für rund 75 % meiner Mails – das sind bis jetzt rund 35.000 E-Mails – habe ich rund 10 Stunden gebraucht und es sei angemerkt, dass das nur rund 250 MB Datentransfer war! Der Import größere Mailarchive ist also eine sehr zeitintensive Geschichte und es macht Sinn, durchaus zu überlegen, ob man wirklich alle E-Mails importiert haben möchte.

Ansonsten bietet IMAP alle Annehmlichkeiten, die man beim Archivieren haben kann, vor allem nämlich die Anlage von Unterordnern. Ich habe dazu im Archiv meines Postfaches einfach Unterordner mit der entsprechenden Jahreszahl angelegt und darin jeweils einen Ordner für Posteingang, Postausgang und jeweils für Mailinglisten. In die habe ich dann die entsprechenden Mails aus meinen Mailarchiven kopiert.

Im Google-Mail-Frontend, das bekanntlicherweise nicht mit Ordnern, sondern mit so genannten Labels arbeitet, erscheinen diese Unterordner dann alle im Format “Archiv/(Jahreszahl)/Eingang” und sind in der Label-Ansicht auch nicht verschachtelt, da Labels nicht verschachtelt werden können. Aus der Navigationsansicht bekommt man die vielen Labels übrigens problemlos ausgeblendet, dazu einfach den Link “Labels verwalten” anklicken und ausblenden.

Und noch eine Eigenart, die das Labeling mitbringt: Vorsicht mit der Möglichkeit, Mails mit mehreren Labeln zu versehen. Die erscheinen dann nämlich in der IMAP-Ansicht tatsächlich in den entsprechenden Ordnern mehrfach. Und auch Vorsicht mit E-Mails, die gar kein Label besitzen, wie sie normalerweise im Posteingang nach dem Empfang erscheinen. Die kann man zwar problemlos mit Labels versehen – nur wenn man das nicht macht, wird man sie, wenn man sie wegsortiert, kaum mehr finden, da Google Mail zwar eine Suchfunktion für Mails mit Labels bietet, dummerweise aber kein Suchkriterium kennt, um Mails zu finden, die kein Label tragen.

Empfehlung meinerseits, von einem alten Backup-Hasen: Do not delete your Backup. Auch wenn der Import der Mailarchive funktioniert, sollte man seine lokalen Mailarchive nicht löschen. Vielleicht gefällt einem Google Apps nicht, vielleicht geht etwas beim Import schief, vielleicht löscht man aus Versehen ein Verzeichnis in der Cloud (was wirklich Datenverlust bedeutet) und da ist ein lokales Backup die beste und einzige Lebensversicherung. Ich habe es hiermit gesagt!

Migration des Google Reader, Google Calendar und Google Contacts

Bei der Migration von Google Diensten ist leider Handarbeit gefragt. Bei all diesen drei Diensten, die ich bisher einsetze, müssen die Inhalte jeweils im bisherigen Google-Account exportiert und im neuen Google-Account wieder importiert werden. Das ist insofern problemlos, allerdings gehen beim Google Reader die Trend-Informationen, die während der Nutzung des Google Readers entstehen, verloren, da diese nicht ex- bzw. importiert werden. Ärgerliches, kleines Manko.

Beim Google Calendar gibt es zudem noch Pflegeaufwand, wenn in einem Konto noch zusätzliche Kalender abonniert sind oder gemeinsame Kalender mit anderen Benutzern geführt wird. Hier macht es Sinn, im alten Google-Account zunächst die Mailadresse des neuen Google-Accounts hinzuzufügen und sich dann mit dem neuen Google-Account einzuloggen, um die gemeinsamen Kalender auch dort verfügbar zu haben.

Migration und externe Clients

Was man bei der Anlage eines neuen Google-Accounts und einer eventuellen Migration von Diensten auch berücksichtigen muss: Überall, wo man Google-Dienste bisher verwendet hat, müssen nun die neuen Google-Account-Daten hinterlegt werden, also z.B. auf Smartphone, iPad etc. und dort dann auch in eventuelle Apps, die Google-Dienste nutzen. Funktioniert hier zwar alles weitgehend reibungslos, ist aber auch Zeitaufwand.

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Werbeform “Twitter-Stream”.

30. April 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Wenn ich nicht ganz genau hingeschaut hätte, wäre es mir gar nicht aufgefallen. Hier wirbt tatsächlich jemand für seinen Twitter-Stream via Google AdWords. Das Ding ist hierbei ein Flash-Applet, das via Google AdWords verteilt wird und das bei der Anzeige dann den aktuellen Inhalt des Twitter-Streams nachlädt und die letzten Tweets dann rotieren lässt (hier nur der Screenshot):

Gar nicht so dumm. Es hängt natürlich sehr von der Zielgruppe ab, ob verstanden wird, dass man hier einen Twitter-Stream abonnieren kann. Aber das ist bei Google AdWords nun wirklich kein Problem, denn die entsprechende Zielgruppe lässt sich per Keyword ja genau definieren. Und so stieß ich auf diese Anzeige dann auch bei TwitPic.

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“SEO” versus echtem Content.

17. Oktober 2010 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in World Wide Web

In den vergangenen Tagen und Wochen haben Oliver und ich eine Menge darüber reden müssen, was eigentlich “richtiges” Search Engine Optimizing ist. Damit verbunden sind, wie es bei uns üblich ist, teilweise sehr intensive Diskussionen darüber, was wir eigentlich gut finden und was nicht. Bei einigen Themen unserer gemeinsamen Arbeit in Sachen Web und Web 2.0 pflegen wir durchaus einen gesunden Diskurs zwischen unterschiedlichen Haltungen. Dafür schämen wir uns nicht und wenn ein Kunde uns zu speziellen Themen fragt, sagen wir auch ganz offen, dass wir dazu unterschiedliche Ansichten haben. Wir sind der festen Überzeugung, dass dies kein Wettbewerbsnachteil ist und gerade in der Web-2.0-Thematik gibt es sehr viele offene Punkte, zu denen man teilweise diametral unterschiedliche Ansichten haben kann.

In einem Punkt besteht jedoch weder bei Oliver noch bei mir eine Abweichung, nämlich der Haltung dazu, wie echtes Suchmaschinenmarketing auszusehen hat. Zusammengefasst passt es in einen Leitsatz, der quasi ein Untertitel unserer Unternehmung sein kann:

Content rules!

Eigentlich doch sehr einfach. Je mehr sich Oliver und ich an diesem Leitsatz abarbeiten – und das tun wir immer wieder als eine Art Sparring – desto mehr manifestiert er sich. Und dafür hat es eine Reihe von schwergewichtigen Gründen.

Die Relevanz von echtem Content kommt langsam, dann aber gewaltig.

Mein großes Hobby, das Erfinden von Analogien, kommt beim Themenfeld “Content” voll auf seine Kosten. Ich vergleiche SEO und Content-Building da gern so:

Eine dicke Welle macht den Strand nass, korrekt. Content-Building kann nie eine große Welle sein, kommt aber meist als viele kleine Wellen daher. Auch die machen den Strand nass. Und im Gegensatz zur einen großen Welle, die vielleicht die extremen Surfer anzieht, haben die vielen kleinen Wellen einen anderen Vorteil: Sie erfrischen und sind ungefährlich, so dass an so einen Strand eher die Familien mit ihren Kindern kommen.

Eigentlich ist hier schon alles gesagt. Das Herumfummeln mit Keywords ist für die allermeisten Themenfelder keine wirkliche Kunst, sondern in meinen Augen ein teures Verkaufen einer an sich völlig normalen Vorgehensweise. Der überwältigende Teil des Informationsraumes wird gebildet aus Schlüsselwörtern, die belanglos sind und in Kombinationen eine völlig irrelevante Relevanz haben. Das heißt, dass es in den allermeisten Optimierungssituationen gar keine wirkliche Optimierung notwendig ist, sondern einfach das Nennen von Keywords. Daraus kann man natürlich erheblichen Hokuspokus machen und auch gigantisch Geld herausschlagen, wenn man es mit weitgehend unbedarften Kunden zu tun hat.

Tatsächlich ist aber eine große Welle eine sehr zweischneidige Sache. Es muss nur der nächste kommen, der ebenfalls die gleiche Methode anwendet und schon gibt es zwei dicke Wellen, die um die Vorherrschaft kämpfen. Und verlieren tut hier spätestens der, der nicht flexibel reagiert, also mit Inhaltsveränderungen Paroli bietet.

Ist das nicht ein Drecksjob, weil ohne Substanz?

Ist es. Weil es zu nichts führt. Außer zum Zeitschinden. Wer aber ausschließlich mit Voodoo und Zeitschinden sein Geld verdient, der macht einen schweren Job, bei dem gar nicht so sicher ist, ob er den lange machen wird.

Echter Content ist der gewünschte Humanfaktor, den eine Suchmaschine sucht.

Weil es vom mathematischen Standpunkt aus gedacht ist und damit rechnet, dass ein Herr Google sich von einer bestimmten Anzahl von Keywords, Backlinks und Alter einer Domain beeindrucken lässt, kann bisheriges Suchmaschinenoptimieren nicht mehr funktionieren. Aus dem Zeitalter sind, ebenfalls meiner Meinung nach, alle großen Suchmaschinen längst heraus oder sind zumindest dabei, sich daraus zu verabschieden.

Wenn man sich Google über Jahre hinweg anschaut, wird man erkennen können, dass man dort alles tut, der Suchmaschine “Menschlichkeit” einzupflanzen. Das passiert meiner Meinung nach immer weniger mit dem kaum zu bewerkstelligenden Versuch, einen Algorithmus zu finden, der möglichst nahe an der Art und Weise rechnet, wie der Mensch denkt, sondern mit dem Ansatz, einfach alle Beteiligten im Web (also Anbieter und Suchender) für sich einzuspannen.

Glaubt der geneigte Leser nicht? Dann aber müsste der geneigte Leser glauben, dass Google tatsächlich nicht am “fundamentalen” Index arbeitet, sondern viele Dinge macht und sie nicht miteinander verwebt, obwohl man alle Stränge in einer Hand hat. Glaube ich so nicht.

Für jeden, der im Web etwas tut, hat Google eine Möglichkeit, sich aus dessen Web-Arbeit das herauszunehmen, was für einen perfekten Index benötigt wird. Suchende können mit einem Google-Account kostenlose und sehr gute Collaboration-Dienste nutzen und sind im Gegenzug ständig bei Google angemeldet, damit auch bei der Nutzung der Suchmaschine. Google weiß, was wer sucht und auf welchen Ergebnislink am Ende geklickt wird. Web-Anbieter können sich Google Analytics einbinden, um genaue Statistiken ihrer Website zu erhalten, Google AdSense zum Erlösen von Werbebannereinnahmen, Google Reader zum Lesen von RSS-Feeds, Google Groups für die Nutzung des Usenet, Google Maps für Lokationsdienste, Google Mail als einfaches Postfach, YouTube zur Unterhaltung, Picasa zur Bereitstellung und Beschreibung von Bildern.

Alle diese Dienste sind zum einen angenehm für deren Nutzer, weil sie gut funktionieren, nützlich sind und darüber hinaus kostenlos, zum anderen ungemein notwendig für Google, weil Google dadurch lernen kann, wie der Mensch Information sucht, wie er sie selbst interpretiert und wie er vor allem eigene Information beschreibt, die wiederum gesucht wird. Ich habe das mal vor eine ganzen Weile in einem erheblich düsteren Unterton gebloggt (“Von der so genannten Anonymität von Suchmaschinen“), sehe das aber inzwischen gar nicht mehr so. Wenn Google mir für meine menschliche Arbeitsleistung einen vernünftigen Gegenwert liefert und meine gesammelten Daten schützt, soll es mir recht sein.

Gar nicht mehr so steile These von mir: Google ist zwar eine Maschine, hat aber schon heute einen unübersehbaren Humanfaktor im Index. Und der kann zukünftig nur noch größer werden. Hochindividuelle Suchergebnisse für jeden einzelnen Suchenden können da nur das Ergebnis sein und spätestens da knallt das “klassische SEO” dank fehlender Abfragemethodik schmerzhaft gegen den Prellbock.

Wer schreibt, der bleibt.

Die Kunst liegt darin, Content zu liefern und zwar in vielen kleinen Schritten, so wie es eben auch der Mensch in seiner Kommunikation tut. Wer auf diese Weise um ein bestimmtes Themenfeld ständigen Content bildet, bildet auf diese Weise in diesem Themenfeld nach und nach eine Autorität aus, die er ungleich schwerer wieder verlieren wird und die er auch umso stärker verteidigen kann, je länger er schon Content bildet.

Es geht also im modernen Suchmaschinenoptimieren von Websites nicht mehr darum, einfach nur die relevanten Keywords herauszusuchen, einen kopierten Metatag-Block damit zu bestücken und auf die uralte Webseite einzukleben, sondern es geht um viel mehr. Es geht darum, ob eine Website syntaktisch korrekt ist, ob sie Platz für dynamischen Content bietet, ob sie XML-Sitemaps und RSS-Feeds produzieren kann – und ob letztendlich sich auch jemand hinsetzt, Content zu schreiben.

Ich sehe deshalb das, was heute als “SEO” bezeichnet wird, zukünftig in einer redaktionellen Arbeit. Content bilden, Content redigieren, Content “online-fähig” machen. Aber eben echten Content, nicht einfach nur das plumpe Sammeln von Keywords im Metatag, die jeder ungebildete Affe mit schlechter Orthografie zusammengetragen bekommt.

“Was sollen wir denn regelmäßig schreiben? Wir haben doch nix!”

Wer das als Unternehmer so sagt und der Meinung ist, er könne seine Website nicht regelmäßig mit frischem Content befüllen, der macht etwas grundlegend falsch: Entweder hat er keine Lust oder Zeit, darüber zu schreiben, was tatsächlich in seinem Unternehmen passiert oder er hat ein totes Unternehmen, das tatsächlich keine Neuigkeiten produziert. Dann muss aber auch nichts mehr optimiert werden.

Es gibt de facto kein Unternehmen, das Information erzeugt bzw. erzeugen könnte. So Analogien wie “Im Gespräch bleiben”, “Wer nicht wirbt, stirbt”, “Tue gutes und rede darüber” haben alle einen sehr tiefen Sinn in der Kommunikation und genau das liegt auch schon der Maßstab. Es muss geschrieben werden, was man tut, denn ein einfacher Telefonbucheintrag bringt nur in sehr kleinen Nischenmärkten Kundschaft und selbst da könnte es sicherlich mehr sein, wenn man sich nicht nur auf diesen Telefonbucheintrag verlässt.

Wer sich online an kommunikative Grundsätzlichkeiten hält, also in erster Linie schon mal versucht, menschlich und kommunikativ zu sein, tut den ersten Schritt und kann ab diesem Zeitpunkt nur noch gewinnen. Wir sind dann nur noch einen Schritt davon entfernt, tatsächlich loszulegen.

Technologie ist für die Kommunikation da, nicht die Kommunikation für die Technologie.

Wer das Web bereits geentert hat, ist schon mittendrin. Webhosting kostet heute selbst in einer professionellen “Enterprise-Klasse” einen Bruchteil dessen, was eine vernünftige Broschürenauflage kostet. Dazu gibt es eine Reihe von Redaktionssystemen, die als Open Source daherkommen, also nur noch von einem Fachkundigen angepasst werden müssen. Und wer ein modernes Redaktionssystem mit einem gesonderten Neuigkeitenbereich einsetzt, dessen neue Artikel dann vielleicht netterweise auch noch in einem RSS-Feed propagiert werden, hat seine Rakete schon startklar.

Was danach kommt, ist Handarbeit und der Teil der Arbeit, den leider kaum ein Web-Dienstleister liefert: Nämlich einen Fahrplan dazu, wie man Content erzeugt, ein helfendes Händchen dafür, den ersten Content zu erstellen und später eine Beratungsdienstleistung dafür, wenn Fragen auftauchen oder Content von externer Seite erstellt werden soll. Das funktioniert.

Mein Paradepferd ist hier immer noch das Gerstelblog, das seit Ende Mai läuft und das Weblog des Autohaus Heinrich Gerstel in Pforzheim ist. Das, was ich schon nach einem Monat Gerstelblog zwischenbilanziert hatte, verfestigt sich immer weiter. Dass durch das Bloggen aber vor allem auch der Schlüsselwortraum beeinflusst wird, zeigt sehr schön das Schlüsselwort “Holzsitzbank” bei Google, das lediglich in einem Artikel erwähnt wurde.

Selbstverständlich ist der eher exotische Begriff “Holzsitzbank” nicht unter den hauptsächlichen Schlüsselwörtern eines Opel-Autohauses, allerdings zeigt es sehr deutlich, wie Google Relevanz einschätzt. Wenn man dann noch weiß, dass Google keine zwei Stunden nach Erscheinen des betreffenden Holzsitzbank-Artikels die Seite schon im Index hatte und nach einem Tag der Artikel auf die jetzige Position kam, kann man sich ausmalen, was hier für Möglichkeiten stecken im Gegensatz zum simplen Zusammenklopfen von Metatags.

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Reisen wir anders mit Google StreetView?

14. August 2010 | 5 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

In letzter Zeit lasse ich häufiger mal das Auto stehen, wenn ich in die Stadt muss. Zwar ist es von meinem Wohnort bis in die Innenstadt nur etwa einen Kilometer Luftlinie weit, allerdings ist Pforzheim in einer Berg-und-Tal-Landschaft situiert und die motorisierte Fortbewegung ist somit die bequemere. Allerdings ist es mit dem Bus mindestens genauso schnell, wie mit dem Auto und erheblich günstiger.

Bei der heutigen Rückfahrt aus der Stadt habe ich an einer  interessanten These geknabbert in Sachen Google StreetView und Reisen geknabbert und das so intensiv, dass ich drei Stationen zu spät ausgestiegen bin. Die These:

Ist Google StreetView eine neue Form des Reisens?

Auslöser war ein mittägliches Gespräch mit Joachim, in dem wir aus irgendeine Anlass zum gleichen Ergebnis kamen, dass es doch eigentlich ein Wahnsinn ist, viele Orte nur wegen der dort gemachten Fotos zu besuchen. Eine zuerst einmal weitgehend unspannende These. Die jedoch spannender wird, wenn man mit dem Bus nach Hause fährt. Was macht es eigentlich aus, einen Ort zu besuchen? Das dortige Flanieren? Das Sprechen mit dortigen Menschen? Das Essen dort? Oder einfach die Gewissheit, dort gewesen zu sein und ein paar Fotos mitgebracht zu haben, wie die meisten von uns?

Diese Frage wird richtig aufregend, wenn man sich dabei vorstellt, mit einem Bus zu reisen und genau zu diesem Gedankengang hat mich die heutige Busfahrt animiert. Ich war beispielsweise 1993 während eines Landschulheimaufenthaltes im britischen Cambridge. Dort unternahmen wir für einen Tag eine Reise nach London, die weitgehend aus einer zweistündigen Stadtrundfahrt mit unserem Bus, einem Besuch bei McDonald’s am Tower und aus einem Besuch des Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussaud’s bestand.

Zweifellos war ich, faktisch gesehen, somit in London. Nur: Ich habe London aus dem Bus heraus gesehen. Mit Einheimischen habe ich gesprochen: Bei McDonald’s und an der Kasse von Madame Tussaud’s. Wir haben keinen Kaffee/Tee dort getrunken, ich bin keine 1.000 Schritte auf einem Londoner Bürgersteig gelaufen, habe keinen Fotoapparat dabei gehabt und war, ein etwas unappetitlicher Aspekt, in den ca. sechs Stunden, in denen wir uns innerhalb des Londoner Stadtgebietes aufhielten, nicht ein einziges Mal auf einer Londoner Toilette.

Wenn ich ehrlich sein soll: Ich war nicht wirklich jemals in London.

Unser wahres Leben in Erinnerungen

Anderes Beispiel, und jetzt wird es matrix-like: Ich habe drei Jahre für das ZDF gearbeitet, vom Herbst 1995 bis Herbst 1998. Drei Jahre, in denen ich einige hundert Einsätze als Kameraassistent absolviert habe. Seit dem Ende meiner Mitarbeit beim ZDF habe ich das Sendezentrum in Mainz danach genau zwei Mal betreten. Ich lebe also faktisch, wenn ich an das ZDF in seiner existentiellen Form als Gebäudegebilde denke, in einer Mischung aus Erinnerungen, eigentümlichen Gerüchen, die man damals in Fluren und Studios eingesogen hat und aktuellen Bildern, die ich im Fernsehen oder in Zeitschriften sehe. Dennoch weiß ich genau, wo das neue Nachrichtenstudio liegt und kann mich auch nach über zehn Jahren weitgehend gut orientieren, obwohl ich gar nicht dort bin und ich noch nicht mal wissen kann, ob die jeweiligen Redaktionen, deren Sendungen ich schaue, tatsächlich noch an der Stelle sind, wie sie das vor zehn, fünfzehn Jahren einmal waren.

Im Grunde genommen ist das jedoch, und damit kommen wir zu meiner These, völlig irrelevant, was ich in meiner Erinnerung habe und was ich denke, wo etwas sein könnte, wie etwas riecht und wie es aussieht. Es reduziert sich letztendlich alles auf die Frage herunter, ob ich mir tatsächlich die Mühe machen will, an einen bestimmten Ort zu reisen, um dort eine gewisse Zeit zu leben, ob nun für ein paar Stunden im Urlaub, ein paar Tage, Wochen, Monate oder Jahre. Den Ort interessiert das nicht, die meisten dort lebenden Menschen auch nicht, aber ausgerechnet ich?

Simulacra and Simulations

Noch ein Beispiel und jetzt wird computersimuliert: Ich bin begeisterter Hobbypilot von Flug- und Rennsimulationen. Im der Gran-Turismo-Spieleserie gibt es in früheren Ausgaben beispielsweise eine Streckensimulation des Nürburgringes. Wohlgemerkt, der alten Strecke, also der “Grünen Hölle”. Die ist, so kann ich sagen, recht realistisch, weil ich diese Strecke zu meiner ZDF-Zeit einmal zu dienstlichen Zwecken gefahren bin. Wie sehe ich also die Simulation? Ich vergleiche sie mit der Realität. Und in Wirklichkeit war ich um ein Vielfaches öfter auf der Strecke in einer Simulation, als real auf der echten Strecke. Sicherlich spürt man erst echt vor Ort, wie uneben die Straße wirklich ist und vor Ort habe ich mehr Angst um mein Leben gehabt, als an der Playstation. Aber die Überlegung, extra dorthin zu fahren, um für nicht wenig Geld eine echte Runde zu drehen, wenn ich an der Playstation effektiv für weniger Geld und unbegrenzt haben kann, ist nicht mehr so einfach wegzuwischen, wenn man berücksichtigt, dass die Simulation verdammt nah an der Realität ist und ich eine unbewusste Abwägung treffe, ob es mir wert ist, tatsächlich an den Ort zu fahren oder nicht.

Ich bin tatsächlich in meinem bisherigen 35jährigen Leben noch erstaunlich wenig im Ausland gereist, kann aber trotzdem sagen, dass ich einiges auf diesem Planeten gesehen habe. Eben aus Bildern, Fotos, Filmen, Videos, Satellitenaufnahmen, Simulationen. Die jahrhundertealte These, dass man reisen muss, um etwas zu sehen, die ist tatsächlich so gar nicht mehr haltbar. Man muss eher sagen, dass man eben reisen muss, wenn es gar nicht anders geht und man sich oder anderen etwas beweisen will. (Diese These ist an dieser Stelle ausbaufähig, Ideen bitte in die Kommentare.)

Google StreetView

Google StreetView ist nicht einfach nur eine Ansammlung vieler Bilder von Straßenzügen. Google StreetView ist ein unglaublich ausgestatteter Bildband über fremde Städte und Länder, garniert mit Millionen Hinweisen auf Geschäften und Sehenswürdigkeiten. Davon haben wir, wenn wir einmal sehr genau, sehr offen und sehr tief in unserer eigenen Seelenwelt nachschauen, geträumt. Und viele andere Generationen vor uns, die sich in ein Fahrzeug gesetzt und in ein anderes Land gefahren sind, “um dort die Ferne zu sehen”, ebenso. Und: Die schier unglaubliche Datenmenge, die heute dafür zur Verfügung steht, war vor nicht vielen Jahren schlicht unfassbar.

Dass es heute so viele Menschen gibt, die Probleme mit Google und der Insbesonderheit Google StreetView haben, ist in meinen Augen deshalb vor allem eine Sache, die mit unbewusster Angst davor zu tun hat, dass jetzt etwas geschieht und möglich wird, was so unfassbar ist und vor wenigen Jahren völlig unglaublich schien. Nichts anderes. Der vermeintliche Datenschutz ist ein vorgeschobenes Alibi der Angsthasen und der Betonköpfe und Günstlinge, die sich um die Stimmen und Gelder der Angsthasen reißen. Das ist eine harte Beschuldigung, aber bitte einmal den Kopf freimachen und darüber nachdenken, ob es nicht wirklich genau so ist! Ich finde nämlich kein anderes Argument und ich strenge mich seit zwei Tagen an.

Der moderne Mensch wird zukünftig viele Reiseziele anders bewerten und besuchen, in etwa so:

  • Freund war in Paris, in einem verwinkelten Stadtteil und hat dort ein bezauberndes Café gefunden.
  • Hervorragender Kaffee mit wunderbaren Croissants, der Kellner freundlich und ein Kavalier der Alten Schule.
  • Unbedingt wert, einmal dorthin zu fahren.
  • Ich: Keine Zeit, kein Geld und auch keine Lust. Aber anschauen kann man es ja mal.
  • Ich: Okay, schauen wir uns das Viertelchen wenigstens mal in Google StreetView an und tauchen etwas ein.
  • Ich: Gefällt mir. Oder gefällt mir nicht. Besuche ich vielleicht mal. Oder auch nicht.
  • Gesehen habe ich es aber.

Kommentieren? Eigene Gedanken dazu? Gern. Ich glaube, die Diskussion ist sehr, sehr offen und ich bin wirklich an jeder Art von Gedankengang interessiert, die uns weiterbringt.

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