Gratulation zum 100jährigen Jubiläum des Autohauses Gerstel.

Einem Kunden zum Einhundertjährigen zu gratulieren, kommt nicht allzuoft vor. Und dass gleich mein erster Kunde 100 Jahre alt wird, ist ein weiterer Glücksfall. Das Autohaus Gerstel, das ich seit Mai letzten Jahres in Sachen Corporate Blog und Social Media berate und betreue, feiert an diesem Wochenende sein einhundertjähriges Jubiläum. Wie sich das gehört, sehr standesgemäß, wie aus den Weblog-Einträgen der letzten Tage im Gerstelblog erlebbar und „erlesbar“ ist.

Das Wort „standesgemäß“ ist erklärungsbedürftig. Es soll nämlich nicht einfach nur darstellen, dass man als Autohaus neben guter Arbeit auch das Ausrichten guter Feiern beherrscht. Sondern es geht weiter – sehr viel weiter. So Wortgebilde wie „eine Gerstel-Nummer“ oder oder „Kundenfreude“ sind Dinge, die ich in den letzten Monaten immer wieder erfinden musste, um das in Worte zu fassen, was man als verhältnismäßig kleines Autohaus alles machen und tun kann, um tatsächlich einmal 100 Jahre alt zu werden und dabei ein junges Autohaus zu sein. Sicherlich kann man einfach nur schreiben, dass das Autohaus Gerstel ein Familienunternehmen in der 4. Generation ist. Fühlen kann man das nicht einfach so, wenn man nicht näher beschreibt, was das bedeutet. Und hier begann letztes Jahr das Gerstelblog. Nicht weil ich es den Herren Gerstel aufgeschwatzt hätte, sondern weil sie mein Weblog kannten und wollten, dass ich mit ihnen das Experiment eines eigenen Autohaus-Blogs starte. Und zwar schnell, so dass das Gerstelblog innerhalb einer Woche auf die Welt kam. Es soll Kunden anderer Autohäuser geben, die warten auf einen Inspektionstermin für ihren Wagen länger, wie ich plötzlich ein Weblog zu liefern hatte.

Das Autohaus Gerstel war auch schon vorher mein Autohaus in Sachen Opel. Opel habe ich, das sei zugegeben, nicht freiwillig gekauft, sondern ursprünglich als Dienstwagen von meinem vorherigen Arbeitgeber in Form eines Opel Astra H zur Verfügung gestellt bekommen. Ich kann aber dennoch sehr wohl ein gutes von einem weniger guten Autohaus unterscheiden. Ein Kunde anstatt einer Kundennummer zu sein. Ein Produkt des eigenen Hauses zu fahren und nicht einfach nur ein Auto. Auch mal fragen zu dürfen, das kleine Schwätzchen zu halten. Das Autohaus ist, so sage ich immer, voll mit tausenden Geschichten und Geschichtchen – wir müssen darüber reden und schreiben, damit es andere Menschen wissen dürfen. Und erleben dürfen. Und sie eine Kundenbeziehung aufbauen können. Nicht müssen. Tatsächlich können. Man muss Kunden erst einmal die Möglichkeit geben, eine Kundenbeziehung aufzubauen. Und das funktioniert mit Worten und Taten. Für Worte ist das Gespräch und eben das Weblog zuständig.

Eine treue Leserschaft von rund 100 Besuchern pro Tag ist das Ergebnis, was für ein Corporate Weblog eines vornehmlich regional tätigen Autohauses eine ganze Menge ist. Ein paar Dinge haben wir einfach mal ausprobieren können und eigentlich war das Gersteblog von Anfang an ein spannendes Experiment. Und nachdem ich mich jetzt mehrere Wochen und Monate mit der Geschichte des Autohauses und den vorherigen Gerstel-Generationen beschäftigt habe, weiß ich: Wenn man nicht mehr experimentiert – egal mit was – dann ist das Ende näher, als man glaubt.

In diesem Sinne experimentieren wir mit dem Gerstelblog weiter und ich werde weiterhin einen Opel fahren, weil ich mit der guten Gewissheit lebe, dass mein Autohaus nicht nur einfach auch ein geschätzter Kunde ist, sondern auch aus einem Haufen Menschen besteht, die alles so akzeptieren, wie es auf den Hof kommt: Mensch, sein Auto, seine Arbeit.

Gratulation zum Hundertjährigen, Autohaus Gerstel. Macht saumäßigen Spaß mit euch.

Wir bitten …

… den gestrigen Bild- und Tonausfall zu entschuldigen. Mein Blog war offline, ebenso auch das Gerstelblog nebenan. Ich habe in meinem „jugendlichen Leichtsinn“ am Freitag noch eine Vertragsänderung bei Host Europe angestoßen, die am Samstag dann ausgeführt und leider nicht mehr automatisch beendet werden konnte. Das Ergebnis war dann ein Webspace ohne Datenbanken, was sich bei einem installierten WordPress natürlich richtig gut macht. Der Wochenendsupport konnte mir leider auch nicht helfen, so dass dieses kleine, bescheidene Blog erst seit Montagmorgen wieder läuft. Nunja, wir werden es überleben.

Dafür habe ich gestern Abend noch schnell Jens im Pottblog gastgebloggt. Da ich gestern so ohne Blog nun wirklich kaum noch eine Motivation hatte, gab es eine kleine Wahlanalyse zu den Bremischen Senatswahlen.

Flattereien.

Eigentlich habe ich heute vorgehabt, das Thema flattr auf diesem Blog zu beenden. Fünf Monate nach dem Teststart in diesem Blog ist das Thema flattr nämlich eines, das eigentlich gar keines ist. Die Einnahmen bewegen sich bisher in einem Bereich, bei dem Betteln auf der Straße mit Sicherheit effektiver ist.

Mein Twitter-Follower @TheMaDav alias David Freund hatte heute einen Hinweis darauf, woran es liegen könnte, dass ich wider Erwartens noch nicht wirklich Millionär geworden bin. Nämlich daran, dass das verwendete flattr-Plugin, das ich in WordPress für den Einsatz im RSS-Feed einsetze, gar nicht funktioniert und bei einem Klick auf den flattr-Button nur Fehlermeldungen produziert. Tatsache.

Offensichtlich hat flattr bzw. das flattr-RSS-Plugin irgendetwas so geändert, dass nun eine Anmeldung des Plugins und der Website, auf dem dieses Plugin den flattr-Button anzeigt, bei flattr notwendig ist. Ohne diese Anmeldung läuft nichts außer einer hässlichen Fehlermeldung. Ich habe das nun korrigiert und nun funktioniert auch im Feed der flattr-Button unter jedem Artikel.

Falls ihr also in den vergangenen Wochen oder gar Monaten vergeblich in eurem Reader auf den flattr-Button gedrückt habt, dann holt das bitte in genau der Zahl ab, wie ihr das versucht habt, damit ich doch noch zum Millionär werde, ja? Und wenn nicht, fliegt flattr eben irgendwann in den nächsten Monaten heraus …

Ein Monat Gerstelblog.

Das Gerstelblog, das Weblog des Autohauses Heinrich Gerstel, das ich mit aus der Taufe gehoben habe und in erster Linie ein Corporate-Blog ist, auf den zweiten Blick jedoch ein Versuchsplatz, überzeugt mich immer mehr und bringt einige interessante Erkenntnisse, die ich hier mal darstellen möchte:

  1. Content hat Reichweite
    Man kann sagen, was man will: Content findet immer seine Reichweite. Davon bin ich zwar schon sehr lange fest überzeugt, das Gerstelblog beweist es jedoch. Nach vier Wochen pendeln sich die täglichen Besucher auf 40 bis 70 ein und das ist für ein Weblog, das eben erst angefangen hat und derzeit kaum etwas mehr als vier Hände voll Artikel hat, enorm.
  2. Ein Weblog ist ein wunderbarer Spielplatz
    Werbung und Homepage ist eine Sache, die man als Unternehmer in der Regel selten selbst macht, sondern von Agenturen (oder von Amateuren) erledigen lässt. Das bringt das Problem mit, dass man sehr schnell in die Situation kommen kann, dass man zwar ein tolles Unternehmen hat, aber keiner draußen davon etwas ahnt, wenn die Außendarstellung einfach nicht funktioniert und nicht das abbildet, was eigentlich tatsächlich Usus ist. Ein Weblog sprengt diese Grenze auf phantastische Weise und bietet den Weg, “Tacheles zu reden” und auch sofort hochauthentisch Feedback zu bekommen.
  3. Crossmedial – von Anfang an
    Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass es irgendwann mal möglich sein wird, Videos drehen zu können, die man dann ins Internet stellen und damit schlagartig einen Haufen Menschen erreichen kann – ohne dass es gigantische Geldsummen kostet. Heute ist das alles kinderleicht und mit wenig Aufwand und Mühen noch nicht mal peinlich. Günstige Videokameras, leistungsstarke Computer und nicht zuletzt YouTube machen es möglich, crossmediale Inhalte in kürzester Zeit zu erzeugen und einzusetzen. Muss alles nicht sofort hollywood-tauglich sein, authentisch kann man das alles aber schon mit wenig Arbeit machen.
  4. Weblogs lesen schon lange nicht mehr nur Blogger
    Vergessen wir bloß schnell wieder, dass Weblogs vor allem nur von Bloggern gelesen werden – genau das Gegenteil ist der Fall, wenn das betreffende Weblog nicht gerade hochexotische Inhalte beinhaltet. Bei Timo Gerstel türmen sich geradezu Rückmeldungen von “normalen” Kunden, die tatsächlich zu regelmäßigen Weblog-Lesern geworden sind und das sind tatsächlich durchaus auch Menschen im rentenfähigen Alter, die weit davon entfernt sind, als “Nerds” oder “Geeks” bezeichnet werden zu können.
  5. Ein unerwarteter Mehrwert eines Corporate-Weblogs
    Ein Problem für Neu-Blogger ist es am Anfang immer, ein Händchen dafür zu entwickeln, über was man überhaupt schreiben soll. So Antworten wie “über das Leben im Autohaus” sind schnell gesagt, aber die Neu-Blogger müssen erst einmal ein Gespür dafür entwickeln, was eigentlich das “verbloggbare” Leben im Autohaus ist. Zumindest sorgt das, so die Aussage von Timo Gerstel, bei ihm dafür, einen anderen Blick in sein Autohaus zu bekommen und das ist schon deshalb bemerkenswert, da man als Familienangehöriger, der von Kindesbeinen an im Autohaus weilt, so schnell nichts anderes davon sieht.
  6. Ein Weblog steigert das Empfinden gegenüber der Öffentlichkeitsarbeit
    Auch ein netter und wichtiger Nebeneffekt: Man lernt, zu unterscheiden, was in den Medien wirklich publizistische Arbeit ist und was reine, teure Effekthascherei. Es ist interessant zu sehen, wie schnell Weblog-Betreiber die Medienwelt anders und kritischer sehen, wenn sie selbst Inhalte bereitstellen und das nicht automatisch “nur” Werbung ist. Das ist ein hochinteressanter Punkt, den ich derzeit noch erforsche, aber es untermauert meine These schon jetzt vortrefflich, dass es die alteingesessenen Regionalmedien wie Regionalzeitungen mit so einer affinen Kundschaft zukünftig deutlich schwerer haben werden, einfache Anzeigen oder Werbepakete zu verkaufen – zu recht. Ich sehe das als Emanzipation der Quellen, die die bisherigen Meinungsmacher nach Gutdünken verarbeiten konnten. Die Zeiten neigen sich dem Ende zu.

flattr-Testing.

Probieren geht über mit Studieren. Aus diesem Grund habe ich in mein Weblog hier flattr eingebaut. Das ist insofern relativ unproblematisch, weil es für WordPress ein Plug-In namens „flattr“ gibt, mit dem der flattr-Button sehr einfach unter jeden Artikel eingehängt werden kann. Ein weiteres Plug-In namens „flattRSS“ bindet den flattr-Button zusätzlich auch in den RSS-Feed ein.

Wie funktioniert flattr?

Warum ich nach 12 Jahren Webpublishing ausgerechnet jetzt teste, liegt an der Einfachheit von flattr. Ein flattr-Nutzer lädt auf sein flattr-Konto einen Betrag per PayPal. Im nächsten Schritt definiert er, wie viel Geld er monatlich per flattr verteilen möchte, beispielsweise fünf Euro. Klickt er nun auf Websites, Blogs etc. auf flattr-Buttons, dann werden all diese Klicks als Divisor für den monatlichen Betrag gezählt. Hat also der Nutzer zehn Websites ausgewählt, werden die fünf Euro durch zehn geteilt und jeder erhält demnach 50 Cent.

Warum tue ich das?

Hauptsächlich, um zu testen. Weniger, ob das technisch funktioniert (das scheint ja zu funktionieren), sondern um zu testen, ob es überhaupt ansatzweise möglich ist, auf diese Weise Menschen dazu zu bewegen, auf einen Button zu drücken und Geld für das Lesen von Artikeln zu bezahlen. Ich bin da üblicherweise skeptisch, allerdings muss man es sinnvollerweise testen.

Dass der flattr-Button auch im RSS-Feed steckt, wird sicherlich den ein oder anderen nerven. Allerdings: Der RSS-Feed meines Weblogs war immer und bleibt zukünftig auch werbefrei und mein RSS-Feed hat alle Artikel immer vollständig enthalten, was auch weiterhin so bleiben wird. Das ist der Deal.

Was machen wir mit dem Geld?

Eine fette Party. Die wollte ich schon immer mal machen und dazu einfach mal das Internet einladen und abwarten, wer alles kommt. Die Idee ist übrigens ernsthaft, daran habe ich mit einigen Freunden schon mal geistig daran gearbeitet und keiner fand die Idee so bescheuert, dass man sie sofort vergessen sollte. Dass allein flattr zur Finanzierung reicht, sei dahingestellt, die Hoffnung stirbt immer zuletzt und Partyhosts sind immer die Deppen der Nation, sie zahlen so oder so drauf.

flattr ist ja invite-only!

Stimmt. Ich hätte drei Einladungscodes hier. Die ersten Kommentatoren bekommen jeweils, wenn sie einen wollen. First come, first serve. Wer zu spät kommt – auch nicht schlimm. Auf der flattr-Website registrieren und ein paar Tage warten.

Eine Ode an das Weblog.

Auf die immer häufiger gestellte Frage, welcher denn der beste Weg sei, in der Sphäre des Web 2.0 Boden zu beackern, habe ich immer die gleiche Antwort (wenn es erst mal nicht um Personal oder Etat geht): Macht ein Weblog.

Weblogs sind für mich nach wie vor die Königsklasse des Web 2.0. Gründe? Gern:

  • Weblogs bieten die Möglichkeit des Erzählens von Geschichten. Im Businessumfeld muss das gut geplant und mitunter auch gut inszeniert werden, aber: Mit welchem anderen Medium geht das mit vergleichbarer Flexibilität, Geschwindigkeit und Kosteneffizienz?
  • Ein Weblog erzeugt, wenn es regelmäßig mit Inhalten befüllt wird, erstaunlich schnell eine Wirkung der Authentizität und der Wertigkeit und das – wenn man es richtig vermarktet – bei der Zielgruppe. Authentizität muss nicht wehtun, sondern kann ein Wettbewerbsvorteil und die Geheimwaffe sein.
  • Das Paradigma des Weblogs kommt von Hause aus mit der Idee daher, direkte Ansprachen zwischen Sender und Empfänger zu ermöglichen und auch einen Rückkanal in Form von Kommentaren mitzuliefern.
  • Weblogs sind (mit entsprechendem CMS) hochflexibel, was die Art der Inhalte und die Anbindung zu anderen Web-2.0-Diensten betrifft. In ein Weblog lässt sich YouTube integrieren, flickr, Social Networks und letztendlich jeder Dienst, der seine Inhalte per RSS-Feed exportieren lässt.
  • Inhalte von Weblogs lassen sich in Facebook exportieren und zur Not auch in Twitter – umgekehrt wird da nichts daraus.
  • Ein Weblog ist eine exklusive Angelegenheit, konkurriert also auf seiner Plattformebene nicht mit anderen Inhalte oder Benutzern. Bei einer Facebook-Seite oder einem Twitter-Stream sieht das schon erheblich anders aus, diese Dienste leben davon, dass die Plattform ein Diensteanbieter bereitstellt und man hier nur ein Kanal von vielen ist und mit diesen schon allein aus optischer Sicht unmittelbar konkurriert.
  • Echte Business-Blogs sind auch nach wie vor eher Mangelware und in genügend Branchen kann man mit nur wenig Pressearbeit ein neu gestartetes Weblog mit einem Bohei positionieren, das man vielleicht vor fünfzehn Jahren mit der ersten Unternehmens-Website erzielen konnte.

Über was wir nicht diskutieren müssen, weil es so ist: Hinter einem professionellen Weblog steckt eine Menge Arbeit und da sehe ich maximal nur ein Drittel davon in der Technik. Zwei Drittel der Arbeit steckt in der redaktionellen Arbeit. Auf jeden, der sich da hin wagt und ein Weblog starten will, wartet eine große Portion Arbeit. Aber: Es lohnt sich. Ich bin so frei und sage, dass das für alle Bereiche gilt, in denen Menschen etwas tun, was andere interessieren könnte.

Nachbetrachtungen zum Blog-Verkauf.

Ich hoffe, nun hat es dann wirklich der allerletzte Mensch im deutschsprachigen Dunstkreis der Blogosphäre mitbekommen, das Basic Thinking gestern den Besitzer gewechselt hat, immerhin für einen Betrag von rund 47.000 Euro. Das ist ein wackerer Betrag, über den ich gleich noch zu sprechen kommen möchte, aber zunächst sei dieses Geld mal Robert Basic herzlich gegönnt. Er wird es zwar noch massiv versteuern müssen, aber immerhin hat er eine Arbeitsleistung für einen annehmbaren Preis verkauft und das ist sein allerbestes Recht in einer Marktwirtschaft.

Über den Bohei, der dann um den Blog-Verkauf entstanden ist, kann man dann schon unterschiedlicher Meinung sein. Kurzum: Da hat es in jede Richtung Übertreibungen, grundlose Anfeindungen, alberne Scharmützel und Kindergartenkriege gegeben. Während eine Gruppe fast schon nasse Schlüpfer vor Glück bekommen haben, sind bei anderen wiederum ganz andere, fast schon neidisch klingende Töne aufgekommen und unterm Strich hat man viel über die Blogosphäre und die Menschen darin erfahren können. Nur in emotional starken Zeiten lernst du Menschen wirklich kennen.

Ich finde weiterhin nichts, aber auch wirklich gar nichts negativ daran, dass jemand ein von ihm produziertes Werk verkauft. Das machen Künstler so, das machen Autoren so, das macht jeder vernünftig bezahlte Arbeitnehmer so. Während Bezahlungen von Arbeitnehmern verhältnismäßig einfach über Tarifverträge, Zeiterfassungen, Leistungsbewertungen etc. kalkuliert werden können, ist es bei individuellen Produktionen dementsprechend komplizierter und eine öffentlich zugängliche Auktion, der alle erforderlichen Tatsachen und wirtschaftliche Informationen zu Grunde liegt, eine grundehrliche Vorgehensweise.

Ob Basic Thinking seine 47.000 Euro wert ist, ist dementsprechend Ansichtssache, die ich auch nicht wirklich sinnvoll beantworten kann. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein Blog ein eher „weiches“ Asset ist, weil ein Blog eine eher unsortierte Angelegenheit ist. Ein privates Weblog mit viel Blabla (das ist keine Abwertung, sondern als Beispiel zu verstehen) hat vermutlich praktisch keinen finanziellen, dafür einen erheblich höheren, ideellen Wert, während thematische Eingrenzung, professionelle Aufmachung, regelmäßige Veröffentlichungen, langjährige Existenz etc. einen finanziellen Wert darstellen können. Wie der Kaufwert für einen potentiellen Käufer aussieht, muss man im Einzelfall betrachten, wobei man sich hier im Klaren sein muss, dass der Käufer eher derjenige ist, der am wenigsten daran interessiert ist, die wahren Hintergründe der Öffentlichkeit zu erzählen.

Warum? Nun, sehen wir es mal aus einer eher bösen Perspektive: Wer für 47.000 Euro ein gut laufendes und reichweitenstarkes Medium kauft, kann das, wenn er betriebswirtschaftlich denkt, als Marketingmaßnahme betrachten und ausrechnen, dass er für den Preis eben eine komplette Publikation bekommt, während er mit diesem Geld in der klassischen Fernsehwerbung maximal vier 30-Sekunden-Slots in der Primetime eines Privatsenders platziert bekommt. Ob der neue Besitzer, der übrigens ein Tochterunternehmen des Hosters Intergenia AG ist, nun Basic Thinking weiterführt oder nicht und in welcher Ausrichtung, mit welcher Arbeitskraft und wie auch immer, ist eine Frage, die sich im Laufe der Monate klärt. Eine gestern veröffentlichte Pressemeldung ist erst einmal eine Pressemeldung und grundsätzlich abgebrühte PR. Das man da behauptet, dass man dickster Fan von Robert Basic war und ist und alles dafür tun wolle, dass das Ding weiterläuft, ist PR-Einmaleins. Was sollten sie schon anderes schreiben, wenn sie sich nicht zum Affen machen wollen? Wobei deren PR durchaus auch überarbeitungswürdig ist, wenn sie tatsächlich behauptet haben, dass für sie die Schmerzgrenze bei 100.000 Euro lag. Einerseits Visionen-Crap in einer Pressemeldung zu verkochen und dann in einer Äußerung die monetären Rahmenbedingungen darzulegen, ist unschicklich. Der geneigte Leser mag darüber nachdenken, warum.

Ein anderes Argument, was ich gestern in Twitter aufgeschnappt habe, war die Aussage, dass Robert Basic sich derzeit unheimlich gut verkauft. Das ist ein klassisches Mißverständnis, denn Verkaufen und Publicity sind zwei gänzlich unterschiedliche Dinge. Ein guter Verkäufer macht etwas sehr Langfristiges, denn er platziert ein Produkt, sucht potentielle Empfänger, macht diesen Leuten das Ding schmackhaft, verkauft es im Idealfall und ist auch ein Ansprechpartner danach. Publicity wiederum ist eine rein emotionale Geschichte, die schnell anfängt und genauso schnell wieder endet. Gute Verkäufer sind nicht die Menschen, die als Herr Kaiser in der Fernsehwerbung stehen (und gar keine Versicherungsvertreter sind), sondern das sind diejenigen, die die Strippen so halten und ziehen, dass es keiner merkt, aber dennoch jeder ein gutes Gefühl dabei hat. Wenn erst einmal das Scheinwerferlicht des Dummbeutelfernsehens eingeschaltet ist, ist man auf einem bestimmten Strang, der von bestimmten, professionellen Kreisen entfernt.

Von daher gesehen ist der Verkauf von Basic Thinking eine erstaunliche und für Robert Basic sicherlich eine schöne Sache, die jedoch weitgehend alleinstehend ist. Ich bin da ehrlich: Das Asset mit Basic Thinking ist nicht so hart, wie man es oberflächlich betrachten mag und der Käufer macht als „Blogging-Branchenfremder“ für mich nicht den Eindruck, als ob da etwas weitergeführt werden soll, sondern dass da eine Marke transformiert werden und letztendlich eine Werbeplattform für das eigene Unternehmen gebildet werden soll.

Wie auch immer, das ist ihr gutes Recht und dazu haben sie nun alle Rechte. Dass sie sich jetzt bemühen müssen, die Authentizität von Basic Thinking zu erhalten, die ursprünglich aus einer bekannten Person bestand und nun wohl aus einem Team gebildet werden soll, dürfte eine sehr harte Arbeit werden. Ich persönlich glaube nicht, dass das funktioniert.

Basic Theater.

Ja, ich weiss, es ist basic nicht gut, andauernd „Basic“ im Titel zu haben, aber es wird dann schon langsam basic dämlich in unserem kleinen Hinterzimmer, das wir „Blogosphäre“ nennen. Und das alles nur, weil Herr Basic sein Blog verkauft. Ja, perfekt, soll er tun! Das ist sein Recht als Inhaber für das von ihm Geschriebene und wenn er es für gutes Geld verjubelt bekommt, dann ist ihm das von Herzen gegönnt. Immerhin muss er diesen Verkauf auch ordentlich versteuern und spätestens dann hat auch die Gesellschaft etwas davon – wenn man ihm schon unterstellt, dass er käuflich sei.

Dieser Vorwurf haut dann sogar mich um. Ist denn ein Blogger bitteschön nicht schon dann käuflich, wenn er Google-Banner auf seine Homepage pappt und einige Cent verdient? Oder sich als Werbeschlampe für so Dienste wie Trigami hinstellt und über Dinge „aus Erfahrung“ berichtet, für deren Meinung man sich bezahlen lässt, obwohl dem Anbieter die Meinung relativ schnurzegal ist, weil er nur den Link aufs Angebot braucht? Wer aus der kalten Welt in die warme Blogosphäre eintritt und das Wort „Moral“ mit hereinschleppt, der sollte damit ganz, ganz vorsichtig umgehen. Zu schnell geht dabei Porzellan kaputt, das selbst nur werbefinanziert daherkommt.

Sorry, nein. Was jemand mit seinem Blog am Ende macht, das kann dem Leser völlig egal sein. Er kann es weiterlesen, wenn das Blog weitergeführt wird oder er kann auch einfach mit dem Lesen aufhören – die größtmögliche Freiheit, die es gibt. Kein zu bezahlendes Abo, nichts. Und wenn um den Verkauf von Basic Thinking nun so ein Heiderassa stattfindet (zumal medienmäßig zur Zeit Saure-Gurken-Zeit ist und man als Journalist alles dankbar nimmt, was bei drei nicht auf dem Baum ist), dann soll es so geschehen. Dabei ist es mir völlig egal, ob Robert Basic ein begnadeter Schreiber ist, ein Chaot oder jemand, der in Wirklichkeit kein Mensch, sondern ein rosaroter Hase mit Duracell-Batterien im Rücken ist.

Robert Basic verkauft und alle machen mit.

Eigentlich ja zum Schießen: Robert Basic zelebriert das Verjubeln seines Blogs öffentlich, dominiert damit vermutlich wie seit langem nicht mehr die Nachrichtenlage in der Blogosphäre, will sich jetzt auch noch den Verkaufstext von der Leserschaft absegnen lassen, sogar SPIEGEL Online schreibt über den Zirkus und offensichtlich keiner merkt mehr, wie albern das jetzt alles wird.

Nicht, weil basicthinking.de nicht verkaufsfähig wäre (das ist letztendlich eine rein monetäre Frage, die aus der Einnahmensituation und der Ausbaufähigkeit heraus kalkuliert werden kann), sondern weil wie im Affenkäfig darüber diskutiert wird, ob man ein Lebensgefühl (ja, das ist ein halbwegs privates Blog immer noch) verkaufen kann.

Kann man nicht? Ganze Fußgängerzonen stehen mit Waren voll, die teilweise billigst gemacht sind, als Pullover nicht wärmen, als Schuhe nicht trocken halten, als Kosmetikartikel nicht das Altern verhindern und so weiter und so fort. Aber sie werden gekauft, weil man sich gern ein Label auf die Brust schnallt und damit das Lebensgefühl kauft. Also funktioniert genau dieses Prinzip auch mit einem Blog. Ob es Sinn oder Unsinn macht, ist da zuerst einmal völlig nebensächlich.

Das Problem bei solchen Monsterverkäufen wird sein, dass der Mammon die Qualität ausschlägt. Ich kalkuliere als grundlegende Basis ein Webprojekt nach den Einnahmen, die sich aus den letzten drei Monaten auf drei Jahre hochrechnen lassen. Ohne jetzt wirklich zu wissen, was basicthinking.de monatlich abwirft, darf ich doch leise vermuten, dass sich das auch der engagierteste Blogger wohl kaum leisten wird können und dass man mit so einem Businesskonzept als Privatblogger eher auch keine Finanzierung bei der Hausbank bekommt.

Und damit beantwortet sich auch weitgehend die Frage, weshalb ein privates A-Blog weitgehend unverkäuflich wird, wenn man tatsächlich als Verkäufer den Anspruch ansetzen will, dass es in „gute“ Hände kommt. Denn wollte man das wirklich, würde man es nicht verkaufen wollen.

Delikates Thema mit offenem Ende. Möglicherweise begreifen es bis dahin dann doch noch einige Blogger, dass sie mit ihrer Zirkusteilnahme sich an sich nur als kostenlose Werbehasis einspannen lassen.